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Kommentar
Heinz BUDE
kritisiert jene Sozialwissenschaftler,
die einen kulturalistischen
Gesellschaftsbegriff verwenden, anstatt
wie Techniksoziologen auch die Dingwelt
einzubeziehen oder anthropologische
Tatsachen zu berücksichtigen.
BUDE
sieht einen Paradigmenwechsel von der Physik
zur Biologie als neuer Leitwissenschaft.
Sozialwissenschaftler müssten deshalb diesen Wechsel mitmachen
oder würden ansonsten ins gesellschaftliche Abseits geraten.
"Der
Mensch ist nicht bloss ein Ensemble der
gesellschaftlichen Verhältnisse, sondern
zuerst und zuletzt Ausdruck seines
eigenen Seinkönnens", heisst das
Credo von BUDE.
Während
BUDE damit die Ideologiekritik
verabschiedet wissen möchte, ist gerade
jetzt Ideologiekritik notwendiger denn je
zuvor. Diese Art der Sozialwissenschaft
hat sich nicht erledigt, sondern muss
stattdessen entsprechend den heutigen
Verhältnissen neu formuliert werden.
Auch
innerhalb der von BUDE genannten
Techniksoziologie gibt es durchaus
Gründe für vielfältige
Fragestellungen. Jene, die von BUDE hier
präferiert wird, ist die Perspektive
der Sozialtechnologie:
Regieren durch Technik, d.h. es geht um die Herrschaft mittels
Technik. Der Begriff "postsoziale Gesellschaft",
den BUDE verwendet, deutet darauf hin, dass Soziales etwas
Überflüssiges ist, das ignorierbar ist. Diese Vorstellung ist
nichts Neuartiges wie BUDE behauptet, sondern eine bereits seit
Jahren dominierende Richtung innerhalb der Techniksoziologie.
Während
jedoch die von BUDE präferierten
sozialtechnologischen Ansätze im Bereich
von Unternehmen, Forschung und
Infrastruktureinrichtungen Verwendung
finden, werden Fragen der
Haushaltstechnisierung bzw. Fragen der
Technik im Alltag fast vollständig
ignoriert.
Konsumenteninteressen
finden im Gegensatz zu Politik- und
Wirtschaftsinteressen keinen adäquaten
Ausdruck in der Forschungslandschaft.
Gerade
im Bereich der Einpersonenhaushalte
würden sich techniksoziologische Fragestellungen anbieten, da
die Haushaltstechnologisierung eine der Voraussetzungen für den
"Siegeszug" der Einpersonenhaushalte ist. Die
Infrastruktureinrichtungen der Telekommunikation haben für
Singles und andere mobile Menschen eine wichtige Funktion.
Techniken wie Telefon, Anrufbeantworter oder Internet sind
Beispiele dafür, aber auch die Modernisierung der Eisenbahn
spielt eine zentrale Rolle für mobile Lebensformen.
Techniksoziologie
und Ökologische Psychologie sind
Disziplinen, deren Bedeutung nicht zu
unterschätzen sind.
Aus der
Sicht von Singles ist eine Biologisierung
der Sozialwissenschaften, wie sie BUDE
fordert, mit Skepsis zu begegnen.
Hier ist
eine Ideologiekritik gefragt, die
zwischen den Phänomenen und technischen
Verfahren einerseits und deren
Interpretation andererseits,
unterscheidet. Die Interpretationen
müssen ideologiekritisch hinterfragt
werden.
Gerade in
der Kontroverse Familien contra Singles,
können biologistische Vereinfachungen
zur ungerechtfertigten Diskriminierung
und Ausgrenzung von Singles missbraucht
werden.
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