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Wann ist ein Trend ein Trend? Wenn immer mehr
Journalisten voneinander abschreiben und sich dann immer auch die
entsprechenden Experten finden.
PETERSEN berichtet nun über den
Club der schönen Mütter
u. a. im Szene-Bezirk Prenzlauer Berg,
dem das Stadtmagazin ZITTY
bereits eine Titelgeschichte gewidmet hat.
"Ungeachtet der unsicheren
Wirtschaftslage scheint sich in den Großstädten - allen voran die
Avantgarde aus Berlins Mitte - ein Retrotrend zur Familie zu
etablieren. Nachwuchs gilt den neuen Bürgern, den so genannten
Bobos (Bourgeois Bohemians
), nicht
länger als Armutsrisiko, sondern als Steigerung des
hedonistischen Vergnügens. Die Frage »Spaß oder Familie?« ist
nicht mehr aktuell",
behauptet PETERSEN. Single-generation.de berichtet über diese
Family-Gentrifier in Dienstleistungsmetropolen bereits seit
einigen Jahren.
Dieser Trend ist auch keineswegs ganz neu. Auch PETERSEN liefert
Zahlen, die bereits älter sind, aber nicht breit publiziert wurden:
"Dass Frauen viele Kinder
bekommen, wenn sie dadurch nicht ihren Beruf aufgeben müssen und die
Kinderbetreuung sichergestellt ist, zeigt sich auch daran, dass es
in den letzten zehn Jahren bei den Wohlhabenden zu einem Anstieg der
Kinderzahl gekommen ist. Ab einer gewissen Einkommensgrenze können
die nötigen Dienstleistungen bezahlt werden. Bezeichnend sind die
hohen Geburtenzahlen in den teuren Hamburger Stadtteilen. In Harvestehude stieg die Zahl der Geburten von 1997 bis zum Jahr 2001
um 27,3 Prozent, in Blankenese um 26,7 Prozent."
Untergangspropheten benötigen
niedrige Geburtenraten, um die geplanten sozialpolitischen
Einschnitte bei Singles zu rechtfertigen. PETERSEN nennt dagegen
Gründe, warum die derzeit niedrige Geburtenrate keine Zukunft haben
wird:
"Der Familien-Nihilismus der 68er
hat Raum geschaffen für neue Formen wie Patchwork-Familien und
allein Erziehende. So verliert die Traditionsfamilie zwar ihre
kulturdominante Macht, doch die Geburtenrate von derzeit 1,4 in
Deutschland wird wieder steigen, sagen die Experten. Dafür sorgt
auch eine steigende Zahl an »Spätgebärenden«. Heute gibt es in den
westlichen Ländern mehr Schwangere zwischen 35 und 39 Jahren als bei
den unter 35-Jährigen. Immer mehr Menschen bekommen ihre Kinder
spät, und besonders die Großstadteltern entwickeln heute
vielfältige, flexible Betreuungsmodelle, sie engagieren Babysitter
oder Au-pair-Mädchen, »mieten« sich eine Oma oder sprechen sich
innerhalb von Hausgemeinschaften ab."
PETERSEN nennt auch noch ein paar
prominente Schriftstellerinnen, die den neuen Typus der
Family-Gentrifier repräsentieren sollen.
"Schriftstellerinnen wie
Judith Hermann oder
Alexa Henning von Lange, die kürzlich noch für die
Ich-Bezogenheit einer wohlstandsverwahrlosten Generation standen,
bekennen sich jetzt mit glänzenden Augen zur Familienverantwortung
und schreiben in Magazinen wie »Kid's Wear«, der neuen Mode-Bibel
für das Kind. Vor zehn Jahren noch hätte niemand geglaubt, dass
ausgerechnet die vermeintlich konsumorientierte und partyversessene
Generation der jetzigen Thirtysomething antritt, um das
demographische Loch zu stopfen."
Im Gegensatz zum Mutterstolz-SPIEGEL-Titel handelt es sich bei den
Family-Gentrifier nicht um ein Comeback der Hausfrauenfamilie,
sondern um eine moderne Form der Vereinbarkeit von Beruf und
Familie.
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