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Anne Petersen (2003)

 
    Comeback des Kindersegens.
In jungen und schicken Ecken Deutschlands lösen Kinderwagen Cabrios als Statussymbol ab. Familiensinn ist wieder in: Reportage über einen hoffnungsvollen Trend,
in: Welt am Sonntag v. 25.05.
 
       
   
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    Wann ist ein Trend ein Trend? Wenn immer mehr Journalisten voneinander abschreiben und sich dann immer auch die entsprechenden Experten finden.
             PETERSEN berichtet nun über den Club der schönen Mütter u. a. im Szene-Bezirk Prenzlauer Berg, dem das Stadtmagazin ZITTY bereits eine Titelgeschichte gewidmet hat.
     

    "Ungeachtet der unsicheren Wirtschaftslage scheint sich in den Großstädten - allen voran die Avantgarde aus Berlins Mitte - ein Retrotrend zur Familie zu etablieren. Nachwuchs gilt den neuen Bürgern, den so genannten Bobos (Bourgeois Bohemians ), nicht länger als Armutsrisiko, sondern als Steigerung des hedonistischen Vergnügens. Die Frage »Spaß oder Familie?« ist nicht mehr aktuell",

    behauptet PETERSEN. Single-generation.de berichtet über diese Family-Gentrifier in Dienstleistungsmetropolen bereits seit einigen Jahren. Dieser Trend ist auch keineswegs ganz neu. Auch PETERSEN liefert Zahlen, die bereits älter sind, aber nicht breit publiziert wurden:

    "Dass Frauen viele Kinder bekommen, wenn sie dadurch nicht ihren Beruf aufgeben müssen und die Kinderbetreuung sichergestellt ist, zeigt sich auch daran, dass es in den letzten zehn Jahren bei den Wohlhabenden zu einem Anstieg der Kinderzahl gekommen ist. Ab einer gewissen Einkommensgrenze können die nötigen Dienstleistungen bezahlt werden. Bezeichnend sind die hohen Geburtenzahlen in den teuren Hamburger Stadtteilen. In Harvestehude stieg die Zahl der Geburten von 1997 bis zum Jahr 2001 um 27,3 Prozent, in Blankenese um 26,7 Prozent."

    Untergangspropheten benötigen niedrige Geburtenraten, um die geplanten sozialpolitischen Einschnitte bei Singles zu rechtfertigen. PETERSEN nennt dagegen Gründe, warum die derzeit niedrige Geburtenrate keine Zukunft haben wird:

    "Der Familien-Nihilismus der 68er hat Raum geschaffen für neue Formen wie Patchwork-Familien und allein Erziehende. So verliert die Traditionsfamilie zwar ihre kulturdominante Macht, doch die Geburtenrate von derzeit 1,4 in Deutschland wird wieder steigen, sagen die Experten. Dafür sorgt auch eine steigende Zahl an »Spätgebärenden«. Heute gibt es in den westlichen Ländern mehr Schwangere zwischen 35 und 39 Jahren als bei den unter 35-Jährigen. Immer mehr Menschen bekommen ihre Kinder spät, und besonders die Großstadteltern entwickeln heute vielfältige, flexible Betreuungsmodelle, sie engagieren Babysitter oder Au-pair-Mädchen, »mieten« sich eine Oma oder sprechen sich innerhalb von Hausgemeinschaften ab."

    PETERSEN nennt auch noch ein paar prominente Schriftstellerinnen, die den neuen Typus der Family-Gentrifier repräsentieren sollen.
     

    "Schriftstellerinnen wie Judith Hermann oder Alexa Henning von Lange, die kürzlich noch für die Ich-Bezogenheit einer wohlstandsverwahrlosten Generation standen, bekennen sich jetzt mit glänzenden Augen zur Familienverantwortung und schreiben in Magazinen wie »Kid's Wear«, der neuen Mode-Bibel für das Kind. Vor zehn Jahren noch hätte niemand geglaubt, dass ausgerechnet die vermeintlich konsumorientierte und partyversessene Generation der jetzigen Thirtysomething antritt, um das demographische Loch zu stopfen."
     

    Im Gegensatz zum Mutterstolz-SPIEGEL-Titel handelt es sich bei den Family-Gentrifier nicht um ein Comeback der Hausfrauenfamilie, sondern um eine moderne Form der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

     
     
     
           
       
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    Bernd Kittlaus
    webmaster@single-generation.de Erstellt: 02. Juni 2003
    Stand: 07. Januar 2011