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Kommentar

 
   

Markus Krischer:

 
   
Reise nach morgen.
Wie werden wir leben, arbeiten und lieben? Woran werden wir glauben? Wie viele werden wir sein? Focus lädt in einer siebenteiligen Serie ein zu einer Expedition in die Zukunft,
in: Focus Nr.15 v. 12.04.2010
 
       
   
     
 

Kommentar

Der Focus hält seine Leserschaft offenbar für ziemlich blöd, denn anders lässt sich dieser Rohrkrepierer nicht verstehen. In seinem Artikel über den Schrecken der Demografie, ist der Autor ständig bemüht die Glaubwürdigkeit der Projektion des Schweizer Prognos-Institut zu unterstreichen: "wahrheitsgetreue Bilder" werden da entworfen. "Es droht der globale Konflikt zwischen Jungen und Alten", wird vollmundig versprochen und "Für den großen Konflikt zwischen Alt und Jung existiert bereits ein Starttermin. Und der ist jetzt".

Wahnsinnig überzeugend, denn seit 1978 ist in jeder Titelgeschichte über Demografie der Starttermin jetzt gewesen und immer war es 5 vor 12 (Thomas ETZEMEIER geht sogar noch weiter zurück). Und einer hat den Schrecken angeblich bereits vor 6 Jahren vorhergesehen: Frank SCHIRRMACHER ("Das Methusalem-Komplott"), der als "Guevara der Gebrechlichen" tituliert wird.

Dummerweise sind die Zahlen bis 2030 gar nicht so schlecht. Ein Bevölkerungsrückgang um ca. 1 Million auf 79 Millionen Menschen wird ausgewiesen. Das dämmert dem Autor gegen Ende des Artikels auch, weswegen er drauflos schwadroniert:
 

2030 - So leben wir morgen. Neue Serie. Teil 1: Was wird aus den Deutschen

"Und nach der großen Alterswelle muss die große Todeswelle kommen.
In den Bevölkerungsdaten ist sie schon heute ablesbar. Bis zum Jahr 2060 wird die Zahl der Deutschen um zwölf Millionen Menschen abgenommen haben. (...). Die Zahl der Deutschen wird sich bis 2080 halbiert haben."

Dummerweise kann das uns Deutsche gar nicht mehr schrecken, denn was Herwig BIRG uns in den letzten 10 Jahren an Prognosen aufgetischt hat, da klingt das alles harmlos.

Vergleicht man die jetzige Prognose des Prognos-Institut mit  Bevölkerungsvorausberechnungen des Statistischen Bundesamtes seit 1989, dann zeigt sich, dass die Prognose deutlich positiver ausfällt als die mittlere Variante aus dem Jahr 1992. Damals rechnete man noch mit einem Geburten-Gau in den neuen Bundesländern. Bekanntlich eher ein Prognose-Supergau also! Die Schweizer Prognose entspricht in etwa der mittleren Variante der Vorausberechnungen aus dem Jahr 2001 und 2005. Also: es ist wohl nichts gewesen mit dem Prophetentum eines Frank SCHIRRMACHER. Alles kalter Kaffee!

Wenn schon die Entwicklung der Bevölkerung rein gar keinen Schrecken einjagen kann, dann vielleicht die Alterung der Gesellschaften Europas, die "ab 2010 mit »unvorstellbarer Geschwindigkeit« altern"?
 

2030 - So leben wir morgen. Neue Serie. Teil 1: Was wird aus den Deutschen

"Derzeit kommen bundesweit auf 100 Menschen im erwerbsfähigen Alter 32 Personen im Rentenalter. Im Jahr 2030 werden in Deutschland 48 Rentner pro 100 Erwerbsfähige leben",

schreibt unser geschockter Autor. Dumm gelaufen! Dank Focus-Archiv kann jeder selber nachlesen:
 

Umwerfende Zukunft

"Prognose-Institute malen ein düsteres Bild: Während 100 Beitragszahler heute für 60 Rentner aufkommen müssen, sollen sie bis ins Jahr 2050 schon mehr als 122 Rentner finanzieren. Doch wie können sie das schaffen?",

fragte der Focus Nr.32 vom 04. August 2003 S.133. Ja was denn nun? Im Jahr 2003 haben wir 60 Rentner durchfüttern müssen. 2010 dagegen nur 32 und 2030 sind es sogar 12 Rentner weniger als 2003? Super!!!! (Und die Moral von der Geschichte: Traue keinem Altersquotienten, den du nicht selber erfunden hast)

Sehr dumm gelaufen! Unsere Eliten von Meinhard MIEGEL über Herwig BIRG bis Bernd RAFFELHÜSCHEN haben ihr Pulver bereits Anfang des Jahrtausends derart sinnlos verpulvert, dass die Medien jetzt ziemlich blöde dastehen! Kein Schrecken nirgends, der nicht irgendwann schon einmal in den letzten Jahrzehnten verkündet worden wäre. Also weiter so. Wir werden Euch an Eure Versprechen der letzten Jahrzehnte erinnern. Im Gegensatz zu den Printmedien vergisst das Internet nichts.

 
     
 
       
   
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