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Medienrundschau:
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News vom
20. - 31. März 2006
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Zitat
des Monats:
"Frauen,
die einsam sind, haben in der Wahrnehmung der Außenwelt »keinen
abbekommen«. Außer sie sehen aus wie Cameron Diaz, lachen
wie Penélope Cruz und haben einen Körper wie Helena Christensen.
Einsame Frauen haben ein massives Imageproblem. Während Männer
sich als »einsame Wölfe« in ihrer Selbstversunkenheit suhlen und
stilisieren dürfen (...), müssen Frauen noch sehr häufig
defensiv auftreten. Die selbstbewußte Singlefrau ohne tristen
feministischen Überbau und verhärmte Jungfern-Ideologie wurde Anfang des 21.
Jahrhunderts erst durch TV-Serien wie
»Sex and the City« salonfähig. Die einsame Frau wurde sexy
und aufregend, für Männer jeden Alters Herausforderung wie
Verlockung. Und dennoch scheint sich dies noch nicht
herumgesprochen zu haben.
In Deutschland
haben einsame Frauen noch das größte Emanzipationspotential.
Insofern kann man dieses Buch auch als feministisches lesen.
Über Jahrhunderte waren einsame Frauen als Hexen oder alte
Jungfern Außenseiter. Im Laufe der Emanzipation des 20.
Jahrhunderts hat sich das langsam geändert, aber erst jetzt
werden Frauen, die zu ihrer Einsamkeit stehen,
selbstverständlich.
(...).
Der einsame Mann
mißversteht sich als Held und verkennt, daß er in einer auf
Familie und Gemeinschaft ausgerichteten Gesellschaft ein
Mängelwesen ist. Gleichzeitig fungiert er in bürgerlichen
Gesellschaften als Leitbild eines konsequenten Individualismus:
Sein Freiheitsdrang schreckt auch vor den
Härten absolut verstandener Bindungslosigkeit nicht zurück.
Aber souverän und nicht pathologisch ist das Einsam-sein-Können
nur, wenn ihm gleichwertig das Mit-anderen-sein-Können
gegenübersteht."
(aus:
Ulf Poschardt "Einsamkeit", 2006, S.48f. & 74f.)
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SPAHN, Jens (2006): Es trifft die Jüngeren.
Endlich Ehrlichkeit in der Rentendiskussion,
in: Welt v. 20.03.
- Kommentar:
"Erst
vor wenigen Tagen ist publik geworden, daß 2005 das Jahr mit der
niedrigsten Geburtenzahl seit 1945 gewesen ist",
schreibt SPAHN.
Wie bei
GESTERKAMP ist hier zu beachten, dass nicht von GeburtenRATE
gesprochen wird, sondern von GeburtenZAHL.
Der
Bevölkerungsstatistiker
Gerd BOSBACH hat folgende Meldung kritisiert, die in den
vergangenen Tagen in Umlauf gebracht wurde:
"Statistisch
gesehen bringt jede Frau nur noch 1,36 Kinder zur Welt. Damit
hat die Geburtenrate den Tiefstand des letzten Kriegsjahres 1945
erreicht."
BOSBACH
widerlegt diese Pressemeldung:
"Ein
Blick in die Pressemitteilung von Eurostat vom 25. Oktober 2005
zeigt, dass Deutschland 2004 in der EU der 25 auf Platz 14 liegt,
also alleine dort 10 Länder niedrigere Geburtenraten hatten (ein
Land lag gleichauf). Von den neun, von Eurostat aufgeführten
Ländern, die nicht der EU der 25 angehören, hatten vier eine
niedrigere Geburtenrate und Japan lag nur minimal höher (+0,01).
Also 34 Länder, davon 14 unter Deutschland alleine im Jahre 2004.
Das hat Nichts aber auch gar Nichts mit dem weltweit letzten Platz
zu tun!
Der gleichen
Quelle ist direkt zu entnehmen, dass die Geburtenrate gegenüber 2003
angestiegen ist. Auch ein Blick zurück in die achtziger Jahre zeigt:
Die Geburtenraten waren 1983 bis 1986 schon niedriger als 2004. Also
auch nicht der Tiefstand seit 1945!"
Die
ausführliche Kritik wird demnächst auf single-generation.de
zu lesen sein.
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- Inhalt:
Der Bevölkerungsstatistiker Gerd BOSBACH
widerlegt die Ausführungen von Matthias MATUSSEK und Frank
SCHIRRMACHER in der Spiegel-Titelgeschichte "Jeder für sich.
Wie der Kindermangel eine Gesellschaft von Egoisten schafft".
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SPIEGEL
-Titelgeschichte: Ware Liebe.
Das Online-Geschäft mit der Sehnsucht |
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BRANDT, Andrea/CZIESCHE, Dominik/KRAFT, Steffen/LATSCH, Gunther
(2006): Maschinisten der Liebe.
Noch nie haben in Deutschland so viele Menschen allein gelebt wie
heute - und so boomt das Geschäft mit den einsamen Herzen: Auf dem
Markt tummeln sich seriöse Unternehmen, aber auch Abzocker. Vor
allem das Internet hat die Partnersuche revolutioniert,
in: Spiegel Nr.12 v. 20.03.
- Kommentar:
"Knapp ein Fünftel der Bevölkerung wohnt allein -
was freilich nicht heißt, dass all diese Menschen Singles sind",
verkündet uns der neuste Spiegel.
Das
ist wie immer knapp daneben.
Die amtliche Statistik erfasst keine
Alleinwohnende, sondern nur Alleinwirtschaftende.
Wer allein wirtschaftet, der muss aber nicht allein wohnen.
Der
Soziologe Thomas KLEIN hat nachgewiesen, dass der
Anstieg der Einpersonenhaushalte nicht mit einem Anstieg der
Partnerlosen einhergeht. Die Nesthocker werden dagegen
ignoriert.
Wenn
dann wieder
Stefan HRADIL zitiert wird, dann
handelt es sich hier nicht um Partnerlose, sondern um
Sozialstrukturdaten zu Einpersonenhaushalten. Das Einkommen der
partnerlosen Männer wird deshalb überschätzt:
"Das
durchschnittliche Pro-Kopf-Haushaltseinkommen der Singles in
Deuschland rangiert mit rund 1340 Euro netto pro Monat gleich
hinter dem kinderloser Paare. Sieht man von jenen alleinstehenden
Männern ab, die ein besonders niedriges Einkommen haben und ganz
schwer eine Partnerin finden, bringen gerade die Single-Männer oft
Spitzenlöhne nach Hause".
Geht man
davon aus, dass die Lebenshaltungskosten eines Alleinwohnenden
gegenüber dem eines kinderlosen Paares mit gemeinsamer Wohnung
wesentlich höher liegen, bleibt von den angeblichen Spitzenlöhnen
auf alle Fälle weniger übrig.
Wie immer
wird das Alter der Einkommensbezieher nicht genannt, weshalb ein
solcher Vergleich doch eher wenig aussagt.
Sieht man von dieser mangelhaften Beschreibung der Kategorie
"Singles" ab, dann geht es in dem Artikel um das
Lonely Hearts-Gewerbe. Dieses
aber ist keineswegs identisch mit der
Single-Industrie.
Das
Schwergewicht liegt auf dem
Boom der Online-Partnersuche, d.h. der
Partnermarkt erlebt seit einigen Jahren einen Umbruch, der im
Artikel geschildert wird.
Die
Ursachen des Booms werden folgendermaßen geschildert:
"Immer mehr
Menschen akzeptieren das Internet als Plattform für die
Vermittlung von Dienstleistungen und Waren aller Art. Viele
glauben zudem, sie hätten immer weniger Zeit und Gelegenheit, auf
herkömmliche Art den oder die Richtige zu finden - mögen aber
gleichwohl ihre hohen Ansprüche nicht herunterschrauben.
Und vor allem: Lebenslange Beziehungen werden immer seltener,
da
hilft der verzweifelte Kampf der katholischen Kirche für Ehe recht
wenig".
Zum
letzten Punkt wird die Studie
"Spätmoderne Beziehungswelten" des
Forscherteams um
Gunter SCHMIDT zitiert.
Richtig ist nur, dass die lebenslange Ehe auf dem Rückzug ist,
aber über die Dauerhaftigkeit von Beziehungen sagt dies erst
einmal wenig.
Die Studie
von SCHMIDT bezieht sich nur auf protestantische Großstädte, d.h.
sowohl über ländliche Gegenden als auch über katholische
Großstädte können deshalb von SCHMIDT keine repräsentative
Aussagen gemacht werden.
Es könnte
also genauso gut sein, dass sowohl dauerhaftere Beziehungen als
auch kurzfristigere Beziehungen gleichermaßen zunehmen. Die
Sozialforschung läßt uns wie in so vielen Fragen hier im Stich.
"Ungleiche
Paare sind heute nicht mehr vorgesehen. früher war das noch ein
Erfolgsmodell", schreiben die Autoren des Artikels.
Das
gewählte Beispiel zeigt dann jedoch, dass damit nicht die soziale,
sondern nur die psychologische Ungleichheit gemeint ist. Auf der
Studentenparty trafen sich früher auch nur Studenten.
Sieht man
von diesen Mängeln ab, dann bietet der Spiegel-Titel einen
guten Überblick über das
Lonely Hearts-Gewerbe.
-
DEMMER, Ulrike (2006): Falsche Gefühle.
Wie ein Single im World Wide Web seine Traumfrau sucht,
in: Spiegel Nr.12 v. 20.03.
-
DEMMER, Ulrike (2006): Lächeln für den Anfänger.
Wie Flirttrainer aus schüchternen Stammlern wendig Charmeure
machen wollen,
in: Spiegel Nr.12 v. 20.03.
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WEERT, Oliver de (2006): Gewißheit aus Prognosen.
Dogmatische Demographie,
in: Welt v. 20.03.
- Inhalt:
"Deutschland
hat eine neue Ersatzreligion: die Demographie. Ihr Dogma ist die
Familienpolitik, ihre größte Sünde die Kinderlosigkeit. Statt ins
Fegefeuer führt sie in die Apokalypse verödender Landschaften und
kollabierender Sozialsysteme.
(...).
Solange die Glaubenskrieger
der deutschen Entvölkerung spekulative Prognosen als Gewißheiten verkaufen, taugt die
Demographie eher zur Demagogie und Selbstkasteiung. Es wird Zeit,
sich auf das Machbare zu konzentrieren",
meint Oliver de WEERT.
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WAGNER, Gert G. (2006): Kinder machen reicht nicht.
Der Vorschlag einer
Rentenkürzung für Kinderlose ist so abstrus wie populär. Doch die
Hysterie um niedrige Geburtenraten vernebelt den Blick dafür, was
wirklich zu tun ist, um die Rente zu retten,
in: Financial Times Deutschland v. 20.03.
-
GASEROW, Vera (2006): "Fatale Signale" an kinderlose Frauen.
Expertinnen beklagen
Schuldzuweisungen in der
Debatte über geringe Geburtenrate und Rentenhalbierung,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.03.
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GASEROW, Vera (2006): Anschwellender Bocksgesang,
in: Frankfurter Rundschau v. 20.03.
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UNFRIED, Peter (2006): Der letzte Rock 'n' Roller.
Wie wir wurden, was wir sind:
Eine sehr kurze Geschichte eines deutschen Lebens im Widerstand,
in: TAZ v. 20.03.
- Inhalt:
Peter UNFRIED über seine antibürgerlichen
Reflexe:
"Meine
Eltern wurden in einen Krieg hineingeboren (in Schwäbisch Gmünd),
der furchtbar endete. Meine Großeltern waren in einen Krieg
hineingeboren worden (bei Schwäbisch Gmünd), der furchtbar endete.
Ich selbst wurde in einem Spätflüchtlingslager geboren und getauft,
nahe der Oder-Neiße-Grenze (in Schwäbisch Gmünd). (...).
Für mich war
Schwäbisch Gmünd schnell erledigt. Außerdem zogen meine Eltern weg.
Was hätte ich allein da tun sollen? Es folgten die großen
antibürgerlichen Rebellionen der 80er (Kunstlederjacke,
Status-Quo-Aufnäher, Reserveoffizier). (...).
Die Wahrheit ist: Ich
sehe vielleicht fett und bräsig und müde aus. Aber ich bin noch
genauso unangepasst und unbequem und mündig wie damals als
Vizeschulsprecher."
Und
was findet sich in den Charts?
Thommie BAYER
und Bettina RÖHL.
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MATTHIES, Bernd (2006): Nur kein Risiko eingehen - die Angst vorm
eigenen Kind.
In Berlin entscheiden sich
immer mehr Paare gegen Nachwuchs. Bei der Geburtenrate liegt die
Hauptstadt bundesweit ganz weit hinten,
in: Tagesspiegel v. 20.03.
- Kommentar:
Eine geradezu herzzerreißende Story tischt uns
Bernd MATTHIES auf - wir wollen eigentlich gar nicht mehr wissen, ob
er auch dieser
Ich-zuletzt-Elite angehört.
Angeblich war früher ja alles besser:
"Sehen
wir uns ein typisches junges Berliner Ehepaar an: Akademiker,
beruflich mit viel Glück angekommen, überdurchschnittliches
Einkommen und gute Karriere-Aussichten – Menschen also, die früher
ganz von selbst eine große Familie gegründet hätten."
Das wird jedoch
nirgends belegt. MATTHIES dürfte da auch seine Probleme haben. Es
gab noch nie so viele Akademikerinnen wie heute. Deshalb fiel es
nicht auf, dass die Geburtenrate dieser sozialen Gruppe in den 70er
Jahren niedriger war als heute.
Aber MATTHIES
redet ja auch nicht von Akademikerinnen, sondern von Akademikern.
Warum eigentlich?
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MONATH, Hans (2006): Die Unmögliche.
Ihr Lebenslauf klingt wie von
Horst Köhler erdacht: Ärztin, siebenfache Mutter, Familienministerin.
Doch Ursula von der Leyens Politik provoziert – am meisten in ihren
eigenen Reihen,
in: Tagesspiegel v. 20.03.
- Kommentar:
Hans MONATH ist vor allem mit Imagedesign
beschäftigt. Die Aufwertung der Person von der LEYENs ist ihm dabei
wichtiger als die Sache: das Elterngeld.
Letzteres ist zumindest bei der
urbanen Lifestyle-Familie unumstritten.
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SAKKAS, Konstantin J. (2006): Ist den Deutschen noch zu helfen?
Paul Nolte empfiehlt Arbeit
und Werte als Mittel, den deutschen Karren aus dem Dreck zu ziehen,
in: Tagesspiegel v. 20.03.
- Inhalt:
"Offensichtlich geht es bei der heutigen Krise um
etwas Tieferes als um die Alternative zwischen Individualismus und
Bürgersinn, und also auch um etwas Tieferes als die Synthese der
beiden. (...).
Nicht konkrete Risiken wie Arbeitslosigkeit oder Partnerverlust,
sondern das absolute Risiko eines sinnlosen Lebens ist eigentlicher
Bezugspunkt von Pessimismus und Verfallsdenken. Was immer die
Moderne geistesgeschichtlich bedeutet haben mag, dies eine ganz
sicher: die Suche nach dem (verlorenen) Sinn. Auf dieser Suche lässt
uns Paul Nolte dann aber allein",
meint SAKKAS zum Buch
"Riskante Moderne" von Paul NOLTE.
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LINGENS, Peter Michael (2006): Die "deutsche Mutter" stirbt aus.
Die Bevölkerung der EU-Länder
schrumpft und schrumpft. Jede vierte Deutsche und jede sechste
Österreicherin bleiben kinderlos,
in: Profil Nr.12 v. 20.03.
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HAMMERL, Elfriede (2006): Tränen im Penthouse.
Karrierefrauen sind einsam. Heißt es. Zahnarzthelferinnen nie?
in: Profil Nr.12 v. 20.03.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 19. März 2006
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