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News vom
21. März 2006
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- Inhalt:
Der Bevölkerungsstatistiker Gerd BOSBACH
widerlegt die Ausführungen von Matthias MATUSSEK und Frank
SCHIRRMACHER in der Spiegel-Titelgeschichte "Jeder für sich.
Wie der Kindermangel eine Gesellschaft von Egoisten schafft".
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Zitat
des Monats:
"Frauen,
die einsam sind, haben in der Wahrnehmung der Außenwelt »keinen
abbekommen«. Außer sie sehen aus wie Cameron Diaz, lachen
wie Penélope Cruz und haben einen Körper wie Helena Christensen.
Einsame Frauen haben ein massives Imageproblem. Während Männer
sich als »einsame Wölfe« in ihrer Selbstversunkenheit suhlen und
stilisieren dürfen (...), müssen Frauen noch sehr häufig
defensiv auftreten. Die selbstbewußte Singlefrau ohne tristen
feministischen Überbau und verhärmte Jungfern-Ideologie wurde Anfang des 21.
Jahrhunderts erst durch TV-Serien wie
»Sex and the City« salonfähig. Die einsame Frau wurde sexy
und aufregend, für Männer jeden Alters Herausforderung wie
Verlockung. Und dennoch scheint sich dies noch nicht
herumgesprochen zu haben.
In Deutschland
haben einsame Frauen noch das größte Emanzipationspotential.
Insofern kann man dieses Buch auch als feministisches lesen.
Über Jahrhunderte waren einsame Frauen als Hexen oder alte
Jungfern Außenseiter. Im Laufe der Emanzipation des 20.
Jahrhunderts hat sich das langsam geändert, aber erst jetzt
werden Frauen, die zu ihrer Einsamkeit stehen,
selbstverständlich.
(...).
Der einsame Mann
mißversteht sich als Held und verkennt, daß er in einer auf
Familie und Gemeinschaft ausgerichteten Gesellschaft ein
Mängelwesen ist. Gleichzeitig fungiert er in bürgerlichen
Gesellschaften als Leitbild eines konsequenten Individualismus:
Sein Freiheitsdrang schreckt auch vor den
Härten absolut verstandener Bindungslosigkeit nicht zurück.
Aber souverän und nicht pathologisch ist das Einsam-sein-Können
nur, wenn ihm gleichwertig das Mit-anderen-sein-Können
gegenübersteht."
(aus:
Ulf Poschardt "Einsamkeit", 2006, S.48f. & 74f.)
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DW (2006): Rentner profitieren von Kinderlosigkeit.
Ifo-Studie beziffert Vorteil
der Ruheständler - Mehr Nachwuchs auf dem Land,
in: Welt v. 21.03.
- Kommentar:
Das Münchner Ifo-Institut ist bekannt für
seine singlefeindlichen Reformvorschläge.
Hans-Werner SINN ist die treibende Kraft - nicht nur in der Debatte
um die
Rente nach Kinderzahl (Auch bei der
Berechnung von Kinderkosten lässt
man gerne einiges - zuungunsten der Kinderlosen - unter den Tisch
fallen).
Nun wurde im Ifo
Schnelldienst Nr.5/2006 eine Studie von Robert FENGE & Jakob von
WEIZSÄCKER veröffentlicht, wonach die Kinderlosen und insbesondere
die Karrierefrauen der Generation Ally und der Single-Generation die
jetzigen Rentner "subventionieren". Ein Plus von 7 % der Rentenmasse
geht auf ihr Konto.
Dies
bedeutet, dass die Kinderlosen bereits heute quasi höhere Beiträge
als Eltern einbezahlen.
Nicht dies steht jedoch zur Debatte,
sondern die jetzigen Rentner (und sicher auch
alle zukünftigen Rentner) sollen diesen Anteil zugunsten eines
niedrigeren Beitrages für Eltern abtreten.
Das
wäre sozusagen die
Einführung einer Rente nach Kinderzahl
durch die Hintertür!
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GESTERKAMP, Thomas (2006): Das Hugh-Grant-Komplott.
Wer ist schuld an der
niedrigen Geburtenrate? Die Männer, sagen immer mehr Studien. Denn
vielen potenziellen Vätern ist die Gründung einer Familie schlicht zu
anstrengend,
in: TAZ v. 21.03.
- Kommentar:
"Gebärstreik
statt Zeugungsstreik?
Doch die angeblich abnehmende Geburtenrate ist laut Statistik seit
rund drei Jahrzehnten nahezu konstant. 1,36 Kinder gebären deutschen
Frauen derzeit im Schnitt, hat das Berlin-Institut für Bevölkerung
und Entwicklung eben erst festgestellt. Allerdings sagen die
Forscher deutlich sinkende Zahlen für die Zukunft voraus",
verkündet Thomas GESTERKAMP.
Auch
in der TAZ werden inzwischen des öfteren Halbwahrheiten zur
demografischen Entwicklung verbreitet.
Wenn
GESTERKAMP erst die GeburtenRATE von 1,36 Kinder erwähnt und dann
von sinkenden GeburtenZAHLEN schreibt, dann sind dies
ZWEI verschiedene Dinge, die
man unbedingt auseinander halten sollte.
Ob
die GeburtenRATE tatsächlich sinkt, das ist bislang höchstens
Spekulation. Dass die GeburtenZAHLEN zurück gehen werden ist
angesichts der schwächer besetzten Jahrgänge wahrscheinlich.
In
den nächsten Jahren könnte eine STEIGENDE GeburtenRATE mit FALLENDEN
GeburtenZAHLEN einhergehen. Dies ist höchstens für Laien
verwunderlich.
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MISIK, Robert (2006): Ihre Moral und unsere.
Feine Unterschiede (9): Nur
Neue Bürgerlichkeit gewährleistet wieder Werte - sagen Konservative.
An dieser Argumentation ist die Linke selbst schuld: Sie bekennt sich
nicht zu ihren eigenen Werten,
in: TAZ v. 21.03.
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MÜLLER-MÜNCH, Ingrid (2006): Einsame Wölfinnen.
Das im Fernsehen gezeigte
Familienbild spiegelt ganz und gar nicht die gesellschaftliche
Wirklichkeit wider
in: Frankfurter Rundschau v. 21.03.
- Kommentar:
Nicht einmal im demokratischen Parlament ist
die Bevölkerung hinsichtlich ihres Lebensstils repräsentiert. Dies
aber bemängelt nun eine Studie des Grimme-Instituts ausgerechnet für
das Fernsehen.
Auch
im SCHIRRMACHER-Pamphlet "Minimum" wird diese so genannte
"Single-Ästhetik" kritisiert, genauso wie von Susanne
"Erziehungskatastrophe" GASCHKE.
Dabei ist die Single-Rhetorik dieser
Alarmisten viel fataler.
Schaut Frank SCHIRRMACHER etwa zu viel Fernsehen, weil seine
Zeugungsrate nicht bestandserhaltend ist? (nur mal als nicht ernst
gemeintes Beispiel, denn es sollte klar sein, dass hier
Bestandserhaltung als Bewertungskriterium
generell abgelehnt wird) In der Debatte ums Kinderkriegen ist aber
offensichtlich nichts mehr niveaulos genug:
"So
ist zwar die Geburtenrate in unserem Lande mit 1,3 errechneten
Kindern pro Frau erschreckend niedrig - im Fernsehen wird diese Zahl
noch unterboten: Knapp die Hälfte dieser Fortpflanzungsrate wird
Frauen in Krimis und Fernsehfilmen zugebilligt",
kritisiert MÜLLER-MÜNCH.
Dabei weiß eigentlich jeder, dass Alleinlebende weniger Fernsehen
schauen als der Rest der Bevölkerung. Wen will man also damit
erreichen?
Der
hier geforderte Schulfunk muss sich demnächst wohl mit den Rentnern
begnügen, denn der Rest wird sich kaum dieser Fernseh-Diktatur
beugen. Es gibt ja inzwischen genügend Alternativen...
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Zu den News vom
20. März 2006
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