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News vom 23. - 24. März 2006

 
 
     
 
       
   

Zitat des Monats:

"Frauen, die einsam sind, haben in der Wahrnehmung der Außenwelt »keinen abbekommen«. Außer sie sehen aus wie Cameron Diaz, lachen wie Penélope Cruz und haben einen Körper wie Helena Christensen. Einsame Frauen haben ein massives Imageproblem. Während Männer sich als »einsame Wölfe« in ihrer Selbstversunkenheit suhlen und stilisieren dürfen (...), müssen Frauen noch sehr häufig defensiv auftreten. Die selbstbewußte Singlefrau ohne tristen feministischen Überbau und verhärmte Jungfern-Ideologie wurde Anfang des 21. Jahrhunderts erst durch TV-Serien wie »Sex and the City« salonfähig. Die einsame Frau wurde sexy und aufregend, für Männer jeden Alters Herausforderung wie Verlockung. Und dennoch scheint sich dies noch nicht herumgesprochen zu haben.
          
In Deutschland haben einsame Frauen noch das größte Emanzipationspotential. Insofern kann man dieses Buch auch als feministisches lesen. Über Jahrhunderte waren einsame Frauen als Hexen oder alte Jungfern Außenseiter. Im Laufe der Emanzipation des 20. Jahrhunderts hat sich das langsam geändert, aber erst jetzt werden Frauen, die zu ihrer Einsamkeit stehen, selbstverständlich.
          
(...).
          
Der einsame Mann mißversteht sich als Held und verkennt, daß er in einer auf Familie und Gemeinschaft ausgerichteten Gesellschaft ein Mängelwesen ist. Gleichzeitig fungiert er in bürgerlichen Gesellschaften als Leitbild eines konsequenten Individualismus: Sein Freiheitsdrang schreckt auch vor den Härten absolut verstandener Bindungslosigkeit nicht zurück. Aber souverän und nicht pathologisch ist das Einsam-sein-Können nur, wenn ihm gleichwertig das Mit-anderen-sein-Können gegenübersteht."
(aus: Ulf Poschardt "Einsamkeit", 2006, S.48f. & 74f.)

 
 
 
     
   
  • GÖRING-ECKARDT, Katrin (2006): Keine Kinder, große Sorgen.
    Weder Geld noch Gebete steigern die Geburtenrate,
    in:  Tagesspiegel v. 24.03.
    • Kommentar:
      GÖRING-ECKARDT ist ganz Politikerin, d.h. sie tritt den falschen Zahlen über die Geburtenrate nicht wirklich entgegen, sondern nutzt den Alarmismus, um sich selber ins rechte Licht zu setzen.

                
      Man muss schon so dreist lügen wie Christoph KEESE, um überhaupt halbherzigen Widerspruch zu ernten:
                
      "Der »Babynotstand« ist ausgebrochen! Ganz klar: Schuld sind die bösen Karrierefrauen. Wer redet eigentlich über die größere Zahl von Männern, die keine Kinder bekommen und von den Vätern, die es den Müttern ihrer Kinder nicht gerade leicht machen, Beruf und Familie zu verbinden?
                
      Und wie kann man bloß zu der Behauptung kommen, dass »wir« – die Menschen meiner Generation – mehrheitlich keine Kinder wollen? Ich kenne viele Frauen und Männer, die sich Kinder wünschen."
                
      Kennt die Grünen-Politikerin die Zahlen nicht, weil sie - wie jeder schlechte Journalist - auf ihr eigenes soziales Milieu verweist, um einen Trend zu belegen? Vielleicht sind die Grünen auch schon so borniert, dass sie sowieso nur noch ihr eigenes Milieu politisch vertreten wollen?  
 
   
  • CSL (2006): Der letzte Jubler,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.03.
    • Kommentar:
      Verbirgt sich hinter dem Kürzel CSL der Hobbybiologe Frank SCHIRRMACHER?

                
      Man könnte es fast meinen, denn da wärmt jemand kalten Kaffee von vorgestern auf.
                
      Es ist ungefähr ein Jahr her, da hat uns SCHIRRMACHER einen "Deutschlandthriller" präsentiert hat, in dem ein ZEIT-Dossier hochgejubelt wurde und gleichzeitig Albrecht MÜLLER, der dieser Tage in "Der Machtwahn" (Zufall?) mit unserer selbstgefälligen Elite abrechnet, der Lobpreisung der schrumpfenden Gesellschaft bezichtigt.
                
      Anlass dieser Glosse war der dröge ZEIT-Artikel "Kinderschwund - na und? Deutschland ist überbevölkert" des 68ers Josef JOFFE in der gestrigen Ausgabe.
                
      Es ist ja typisch für unsere 68er, dass sie den Jungen die ganzen Lasten aufbürden möchten. Nach uns die Sintflut. Der gestrige Stern-Titel zeigt, wie man die Jungen durch die Demografie-Lüge betrügt.
                
      Man kürzt ihnen die Rente um ein Drittel, obwohl weder die Geburtenrate noch der Anteil der dauerhaft Kinderlosen dieses Ausmaß der Rentenkürzung rechtfertigt.
 
     
   
  • RUTSCHKY, Katharina (2006): Alles Schlampen außer Mutti.
    Mit den Aposteln der demografischen Apokalypse erlebt die Biopolitik in Deutschland eine Renaissance. Mehr deutsche Kinder für einen vitalen Volkskörper, so lautet ihr Credo. Eine Abrechnung mit dem Neokonservatismus der Chattering Class,
    in: TAZ v. 23.03.
    • Kommentar:
      Katharina RUTSCHKY
      möchte für Kriegskinder - wie sie selber (zwischen 1929 und 1945 geboren) - mildernde Umstände bezüglich des Geburtenrückgangs geltend machen. Dies hatte bereits Judith KLEIN getan.
                
      Mit ihrer Vermutung, "dass jeder Auftritt von Schirrmacher im Fernsehen, ganz genauso wie einer von Familienministerin von der Leyen, die Geburtenrate weiter senkt wie die sorgenvolle Debatte überhaupt" liegt sie mit der hier vertretenen These von der Single-Lüge im Einklang.
 
   
Stern-Titelgeschichte:
Wovon sollen wir später leben?
Weniger Kinder, weniger Rente. Was jeder tun kann
  • DONOVITZ, Frank/REUTER, Joachim/WOLF-DOETTINCHEM, Lorenz (2006): Was wird aus meiner Rente?
    Wie ernst ist die Lage?
    in: Stern Nr.13 v. 23.03.
    • Kommentar:
      Die Titelgeschichte ist ein Bravourstück sozialpolitischer Demagogie.

                
      Um sich den Schein der statistischen Glaubwürdigkeit zu geben, wird die Kritik des Bevölkerungsstatistikers Gerd BOSBACH (der ungenannt bleibt) aufgenommen, die dieser am Umgang mit den demografischen Fakten geübt hat.
                
      Dann wird vorgerechnet, dass der Kindermangel noch gar nicht für die gegenwärtige Rentenkrise verantwortlich ist, sondern die Wiedervereinigung und die Frühverrentungspraxis wird als Ursache genannt.
                
      Mit Hinweis auf Bernd RAFFELHÜSCHEN, den Norbert BLÜM der Privatvorsorge,  wird behauptet, dass nun die Rente sicher sei. Der Grund:
                
      "Die Reformen der vergangenen Jahre haben die Ansprüche peu à peu um ein Drittel gekürzt". Und zwar nicht etwa für alle, sondern für die jüngeren Generationen.
                
      Die Diskriminierung der jüngeren Generationen finden die Autoren gerecht, denn die geburtenstarken Jahrgänge von 1955 bis 1966 hätten ihren Teil des Generationenvertrages nicht erfüllt, während ihre Vorgänger dies getan hätten.
                
      Single-dasein.de hat jedoch empirisch nachgewiesen, dass dies falsch ist. Einzig die Gnade des günstigen Altersaufbaus lässt die älteren Generationen in einem günstigeren Licht dastehen.
                
      Es kommt aber noch schlimmer. In der Rubrik "Mehr Kinder" behaupten die Autoren:
                
      "Ein Drittel der jüngeren Frauen bleiben kinderlos, von den Akademikerinnen rund 40 Prozent".
                
      Diese Zahlen wurden sogar vom Statistischen Bundesamt bereits vor längerer Zeit als falsch dementiert. Zuletzt hat Gert G. WAGNER dies bei seiner Besprechung des SCHIRRMACHER-Pamphlets deutlich gemacht.
                
      Warum gibt es keinen Aufstand der Jungen gegen die Alten angesichts dieses dreisten Betrugs?
                
      Die Sache ist klar: Die Erbengeneration hofft auf den privaten Generationenvertrag.
                
      Wer kein Erbe zu erwarten hat, der wird nun auch noch um den öffentlichen Generationenvertrag betrogen.
  • RÖHL, Wolfgang (2006): No kidding!
    Warum wir kinderlosen Steuermalocher keinen Grund haben, uns bei der Erzeugergemeinschaft zu entschuldigen und den Schwanz einzuziehen,
    in: Stern Nr.13 v. 23.03.
    • Inhalt:
      Der kinderlose Stern-Autor RÖHL rechnet mit den "Neo-Nazis" und 1-Kind-Vätern SCHIRRMACHER und MATUSSEK ("Triumphatoren des Zeugungswillens") ab. Wo sollen die Arbeitsplätze für die ersehnten Menschenscharen herkommen, will er wissen. Mit Verweis auf die Zeitschrift Emma rechnet er vor, dass er als Kinderloser zu den steuerlich Benachteiligten gehört.
 
     
     
   
  • SINN, Hans-Werner (2006): Vom Fluch der guten Tat.
    Damit mehr Kinder geboren werden, muss das Rentensystem umgebaut werden,
    in: Die ZEIT Nr.13 v. 23.03.
    • Kommentar:
      Singlefeind Hans-Werner SINN verkündet wieder seine Lieblingslüge: das Rentensystem sei schuld, dass die Deutschen keine Kinder mehr bekommen.

                
      Gerade das Gegenteil ist der Fall: Die Jahre des Babybooms fallen genau in jene Zeit, in der an die Sicherheit der Rente geglaubt wurde.
                
      Mit der Schlechterstellung der JÜNGEREN Generationen und der Besserstellung der ÄLTEREN Generationen durch das Rentensystem seit den 70er Jahren ging ein Vertrauensverlust und der Geburtenrückgang einher.
                
      Das Hause SINN hat zudem nachgewiesen, dass die Kinderlosen mit ihren Rentenbeiträgen überproportional zur Stabilität des Rentensystems beitragen. Davon profitieren jedoch nicht sie, sondern die Vorgängergenerationen.
                
      Völlig abstrus wird es, wenn SINN behauptet, dass die Akademikerinnenkinderlosigkeit zugenommen habe. Die BIEDENKOPF-Studie beweist das Gegenteil!
 
   
  • STEPHAN, Cora (2006): Es sind die deutschen Männer, die keine Kinder wollen.
    Frühlings Erwachen vorm Computer / Kinderlosigkeit und Kostenlosigkeit / Die Rente ist sicher mit einem guten Riesling,
    in: Welt v. 23.03.
    • Kommentar:
      Cora STEPHAN, einst Generation Pflasterstrand, heute mitfühlender Konservatismus:

                
      "Sicher, die Frauen kriegen die Kinder. Aber die Verweigerung der Männer ist womöglich der Grund für die deutsche Spitzenstellung beim Kindermangel. Klar - die Kerle wollen ihren Martini lieber allein trinken. Aber vielleicht liegt es auch daran, daß wir nach uneingeschränkter Männerherrschaft mittlerweile das andere Extrem erleben. Denn während der Mann einst geschwängerte Mädchen sitzenlassen oder als pater familias den Tyrannen geben durfte, ist er heute im Falle des Konflikts oder der Trennung Zahlvater mit Pflichten und so gut wie ohne Rechte".
 
   
  • DPA (2006): Mögliches Aussterben läßt Deutsche nicht kalt.
    in: Welt v. 23.03.
    • Kommentar:
      Das wäre die richtige Schlagzeile, aber bei der Welt reagiert die Ökonomie der Aufmerksamkeit, d.h. das Wörtchen "nicht" wurde gestrichen. Die DPA-Meldung macht Werbung für die Stern-Titelgeschichte "Wovon sollen wir später leben? Weniger Kinder, weniger Rente".
 
   
  • ADAM, Konrad (2003): Biedenkopf, Clement und die Illusionen der Sozialstaatlichkeit,
    in: Welt v. 23.03.
    • Kommentar:
      Konrad ADAM ist der Mann fürs Grobe.

                
      Der Sozialwissenschaftler Albert O. HIRSCHMANN  hat 3 politische Handlungsalternativen beschrieben: Abwanderung (Exit), Widerspruch (Voice) und Loyalität (Loyality).
                
      ADAM kennt dagegen nur die Exit-Option. Leider nur als Drohung, d.h. er lässt lieber andere abwandern - notfalls auch nur virtuell.
                
      Nur für sich selber wählt er immer die Bleiben-Option. Bei der Welt ist er für die Durchsetzung des katholischen Sozialstaat zuständig. Heute geht es um BIEDENKOPF und den Konveriten CLEMENT.
 
   
  • DANKBAR, Christine & Tobias MILLER (2006): "Wenn ich etwas vermisse, dann eigene Kinder".
    Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit über Singles, Kitaplätze und eigenen Nachwuchs,
    in: Berliner Zeitung v. 23.03.
 
   

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