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News vom 25. - 27. März 2006

 
 
     
 
       
   

Zitat des Monats:

"Frauen, die einsam sind, haben in der Wahrnehmung der Außenwelt »keinen abbekommen«. Außer sie sehen aus wie Cameron Diaz, lachen wie Penélope Cruz und haben einen Körper wie Helena Christensen. Einsame Frauen haben ein massives Imageproblem. Während Männer sich als »einsame Wölfe« in ihrer Selbstversunkenheit suhlen und stilisieren dürfen (...), müssen Frauen noch sehr häufig defensiv auftreten. Die selbstbewußte Singlefrau ohne tristen feministischen Überbau und verhärmte Jungfern-Ideologie wurde Anfang des 21. Jahrhunderts erst durch TV-Serien wie »Sex and the City« salonfähig. Die einsame Frau wurde sexy und aufregend, für Männer jeden Alters Herausforderung wie Verlockung. Und dennoch scheint sich dies noch nicht herumgesprochen zu haben.
          
In Deutschland haben einsame Frauen noch das größte Emanzipationspotential. Insofern kann man dieses Buch auch als feministisches lesen. Über Jahrhunderte waren einsame Frauen als Hexen oder alte Jungfern Außenseiter. Im Laufe der Emanzipation des 20. Jahrhunderts hat sich das langsam geändert, aber erst jetzt werden Frauen, die zu ihrer Einsamkeit stehen, selbstverständlich.
          
(...).
          
Der einsame Mann mißversteht sich als Held und verkennt, daß er in einer auf Familie und Gemeinschaft ausgerichteten Gesellschaft ein Mängelwesen ist. Gleichzeitig fungiert er in bürgerlichen Gesellschaften als Leitbild eines konsequenten Individualismus: Sein Freiheitsdrang schreckt auch vor den Härten absolut verstandener Bindungslosigkeit nicht zurück. Aber souverän und nicht pathologisch ist das Einsam-sein-Können nur, wenn ihm gleichwertig das Mit-anderen-sein-Können gegenübersteht."
(aus: Ulf Poschardt "Einsamkeit", 2006, S.48f. & 74f.)

 
 
 
     
   
BERLINER ZEITUNG-Serie: Volk mit Falten
  • WIDMANN, Arno (2006): Autorität und Familie.
    Die 68er nahmen Familie und Kinder ernster als die meisten Generationen vor und nach ihnen,
    in:  Berliner Zeitung v. 27.03.
    • Inhalt:
      "
      Wer glaubt, er müsse dem Werteverfall durch die Restauration einer Familie, in der Papa fürs Geld, Mama für Küche, Kinder und Kirche und die Kinder für den Gehorsam zuständig sind, entgegentreten, wird scheitern. Nicht an der Ideologie der 68er, sondern an den elementaren ökonomischen Tatsachen unserer Gesellschaft. Längst, das übersehen gut verdienende Manager gerne, reicht ein Gehalt - vorausgesetzt, es gibt eins - nicht mehr aus, um eine Familie zu ernähren.
      Natürlich würde es unserer Arbeitslosenstatistik helfen, wenn arbeitslose Frauen aus ihr verschwänden, weil sie sich an den Herd zurückzögen. Aber das wäre nur ein Plus für die Regierung. Für die Gesellschaft wäre es ein nicht wieder gut zu machender Verlust.

                
      (...).
      Wer heute glaubt, er könnte einen Babyboom bewirken, in dem er denen, die keine Kinder haben, ein schlechtes Gewissen macht, der hat nicht nur nicht begriffen, wie Kinder gemacht, sondern auch nicht, wie Menschen motiviert werden. Kaum etwas steht dem Kinderwunsch so entgegen wie seine Dekretierung
      ", meint der 68er Arno WIDMANN.
 
   
  • SIEVERS, Markus (2006): Kinderlose sollen Lasten spüren.
    Ifo-Chef Sinn schlägt Rentenkürzung für alle Nicht-Eltern vor. Kritiker lehnen dies als "falschen Hebel" ab,
    in: Frankfurter Rundschau v. 27.03.
    • Inhalt:
      SIEVERS fasst die Argumente gegen eine Rente nach Kinderzahl folgendermaßen zusammen:

                
      "Der angemahnte Ausgleich für Erziehungslasten sei eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft und nicht allein der Beitragszahler. Selbständige und Beamte etwa zahlen nicht in die Rentenversicherung ein, Gutverdiener nur bis zu bis zur Beitragsbemessungsgrenze. Sie würden also nicht oder nur teilweise für den Familienausgleich herangezogen.
                
      Umgekehrt brächte das Sinn-Konzept nur rentenversicherten Eltern etwas. Ausgeschlossen von Vergünstigungen blieben unter anderen Hausfrauen, Alleinerziehende und Sozialhilfeempfänger. All dies liefe auf eine »Umverteilung von niedrigen zu höheren Einkommen« hinaus, lautete die Kritik der Rürup-Kommission."
 
   
  • TAGESSPIEGEL (2006): Warum die deutsche Kinderdebatte hysterisch ist.
    Vier Fragen an Josef Joffe,
    in: Tagesspiegel v. 27.03.
 
   
  • WIEGAND, Ralf (2006): Cloppenburg.
    Erzkatholisch, familienfreundlich und ein Magnet für Russlanddeutsche, die Verhütungsmittel ablehnen: Ein Porträt der kinderreichsten Stadt der Republik,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 27.03.
 
   
  • SCHWAIGER, Rosemarie (2006): Aussterben, aber richtig.
    Die niedrige Geburtenrate sorgt wieder einmal für hitzige Debatten. Der Kampf um die Kinder ist vor allem ein Kampf gegen die Kinderlosen. Doch die Gefahren der Babyflaute werden massiv überschätzt,
    in:  Profil Nr.13 v. 27.03.
  • LINGENS, Peter Michael (2006): Einzelkind zeugt Einzelkind.
    Wenn die Haltbarkeit von Ehen und Arbeitsverhältnissen ungewiss ist, sinkt die Neigung, Kinder in die Welt zu setzen,
    in:  Profil Nr.13 v. 27.03.
 
   
  • FAS (2006): Schluß mit der feministischen Anti-Männer-Hetze!
    Noch nie haben wir auf einen Artikel so viele Leserzuschriften bekommen wie auf den Text von letzter Woche mit dem Titel "Was ist nur mit den Frauen los?" Johanna Adorján war darin der Frage nachgegangen, warum in Deutschland immer weniger Kinder geboren werden, und zu dem Schluß gekommen, daß Kinder und Beruf hierzulande immer noch als miteinander unvereinbar gelten. Die Reaktionen: empört bis begeistert. Eine Auswahl,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.03.
    • Kommentar:
      Die Redaktion hat 12 Leserbriefe von Männern und 11 von Frauen abgedruckt.

                
      Während die Frauen in der Mehrzahl Angaben über den eigenen Lebensstil machen, stilisieren sich die Männer eher zu Vertretern ihres Geschlechts.
                
      Die Argumente spiegeln lediglich den Stand der Mitte-Presse wider. Vergeblich sucht man darüber hinausreichende Denkmuster.
                
      Die Männer sehen sich überwiegend als Opfer der männerfeindlichen Gesetzgebung. Darüber gab es im letzten Jahr etliche Titelgeschichten.
                
      Frauen sehen in ihrem eigenen Lebensstil das Modell für alle anderen. Kinderlose müssen die Freude über ein Kind vermissen, Frühgebären ist toll, Kinderreichtum ist toll, Vereinbarkeit ist nur mit Partner machbar, Kinderlosigkeit wird nur als freiwillige thematisiert.
                
      Die Ausnahmen, die aber die Regel bestätigen: eine Beraterin sieht ihre Klientel als repräsentativ an und eine Akademikerin bezeichnet sich als gebärwillig, findet jedoch nicht den geeigneten Partner.     
 
   
  • SCHMIESE, Wulf (2006): Degeneriertes Deutschland,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.03.
    • Kommentar:
      SCHMIESE ist der Ansicht, dass es ausreicht, wenn man die Jugend von heute zu den "Helden der Demografie" (Norbert BOLZ nennt das "Helden der Familie") ausruft.

                
      Das spart dem deutschen Staat dann jegliche Familienpolitik! So ungefähr denkt sich das wohl auch Kurt BIEDENKOPF.
 
   
  • PETERSDORFF, Winand von (2006): Mehr Babys für die Rente!
    Wie die Debatte über Kinderlosigkeit ins Rutschen kam,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.03.
    • Kommentar:
      "Wenn die Rente ins Rutschen gerät, weil zu wenige Kinder geboren werden, dann ist die Rentenversicherung zu ändern und nicht das Vermehrungsverhalten der Bevölkerung". So lautet die schlichte, wie falsche Botschaft von PETERSDORFF.
      Das Wörtchen "wenn" verweist bereits darauf, dass es sich hier lediglich um ein Gedankenspiel handelt, das keineswegs mit der deutschen Realität übereinstimmt. Nicht einmal der aktuelle Stern behauptet, dass wir es derzeit mit einer demografiebedingten Rentenkrise zu tun haben. Und was im Jahr 2030 Sache ist, das wissen nur diejenigen ganz genau, die die Interessen ganz bestimmter Wirtschaftsbranchen vertreten, die von der gegenwärtigen Hysterie profitieren.
  • BRAUNBERGER, Gerald (2006): Muß der Staat Kinder finanzieren?
    Selbst liberale Ökonomen sagen ja. Allerdings dürfen Kinder nicht nur verwahrt werden. Sie brauchen Förderung,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.03.
  • PETERSDORFF, Winand von (2006): "Ein Begrüßungsgeld für Kinder wäre gut".
    Der Soziologe Hans-Peter Kohler über das Glück des ersten Sprößlings und die Illusion staatlicher Betreuung,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 26.03.
 
     
   
  • RUTSCHKY, Katharina (2006): Im kranken Volkskörper steckt eine verletzte Seele.
    Katharina Rutschky sieht in der Debatte um die Biopolitik das Symptom einer Hysterie, die ihre tiefste Ursache in den deutschen Traumata des 20. Jahrhunderts hat,
    in: Welt am Sonntag v. 26.03.
    • Kommentar:
      Katharina RUTSCHKY fordert einerseits mildernde Umstände für ihre 68er-Generation, andererseits trägt sie zur sozialpolitischen Demagogie bei, indem sie sich an der Dramatisierung der Geburtenentwicklung mitschuldig macht.

                
      Man muss den Eindruck bekommen, da will jemand nur seine eigene Haut retten, und lässt deshalb gleichzeitig die jüngeren Generationen im Stich.
                
      Die Rede vom deutschen Sonderweg ist absurd, angesichts der Tatsache, dass die Geburtenrate der Schweden genauso wenig bestandserhaltend ist als jene der Deutschen. 
 
     
     
     
   
  • HUNKE, Jörg (2006): "die erde braucht nicht mehr menschen".
    Carl Djerassi, Erfinder der Anti-Baby-Pille, über Geburtenkontrolle, Wunschkinder und die wilden Zeiten in den 70er Jahren,
    in: Frankfurter Rundschau v. 25.03.
    • Inhalt:
      Carl DJERASSI u.a. über die Geburtenkrise:

                
      "Wie kommen die Industrienationen aus dieser Geburtenkrise heraus?
                
      Gar nicht. Gut, ich kann nicht sagen, was in 400 Jahren passieren wird. Aber in den nächsten 100 Jahren werden wir das Problem ohne Immigration kaum lösen können, denn es wird keine Frauen geben, die zwölf Kinder zur Welt bringen wollen wie noch im 19. Jahrhundert. Aber was wäre so schlimm daran, wenn die Zahl der Europäer sinken würde?"
 
   
  • BECK, Ulrich (2006): Gott geht, das Wagnis kommt.
    Doch Paul Nolte wirbt für eine nicht allzu riskante Moderne,
    in: Welt v. 25.03.
    • Kommentar:
      Der Soziologe Ulrich BECK rächt sich mit einer "Nicht-Besprechung" an dem Historiker Paul NOLTE. Das Buch "Riskanten Moderne" wird ganz nebenbei abgefertigt:

                
      "Aus Deutschland sei eine »Risikovermeidungsgesellschaft« geworden, kritisiert Nolte. Darin schwingt wohl auch die Enttäuschung mit, daß die »Generation Reform« (so ein früherer Buchtitel Noltes) sich als Reformvermeidungsgeneration entpuppt hat. Warum das so sein könnte, darüber lohnt es sich allerdings tiefer nachzudenken, als es Nolte tut.
                
      (...).
      Während meine Generation die Universität ohne jeglichen Zweifel verlassen konnte, daß sie einen gutbezahlten Arbeitsplatz finden würde (den Index für die später auszuzahlende Rente hätten wir nur nachschlagen müssen), stehen heute selbst die Besten, die Erfahrensten, Risikobereitesten zunächst meist vor den verschlossenen Türen des Arbeitsmarktes. Wie man zwei Karrieren, einen Haushalt und Elternschaft verbindet, ist zu einem riskanten Kunststück geworden, das keiner Generation zuvor selbstverständlich abverlangt wurde. Es braucht wenig Soziologie, um zu verstehen, daß selbst der unbändige Kinderwunsch sich, wenn noch nicht einmal (wie in Frankreich oder Schweden) Kindertagesstätten angeboten werden, in ein Risiko verwandelt, das Mann und Frau nicht mehr eingehen wollen.
      "
                
      Der Rest ist typischer BECK-Sound, der NOLTE offensichtlich Pate steht.
 
     
   

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