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Medienrundschau:
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News vom
28. - 31. März 2006
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- Inhalt:
Der Bevölkerungsstatistiker Gerd BOSBACH
widerlegt die Ausführungen von Matthias MATUSSEK und Frank
SCHIRRMACHER in der Spiegel-Titelgeschichte "Jeder für sich.
Wie der Kindermangel eine Gesellschaft von Egoisten schafft".
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Zitat
des Monats:
"Frauen,
die einsam sind, haben in der Wahrnehmung der Außenwelt »keinen
abbekommen«. Außer sie sehen aus wie Cameron Diaz, lachen
wie Penélope Cruz und haben einen Körper wie Helena Christensen.
Einsame Frauen haben ein massives Imageproblem. Während Männer
sich als »einsame Wölfe« in ihrer Selbstversunkenheit suhlen und
stilisieren dürfen (...), müssen Frauen noch sehr häufig
defensiv auftreten. Die selbstbewußte Singlefrau ohne tristen
feministischen Überbau und verhärmte Jungfern-Ideologie wurde Anfang des 21.
Jahrhunderts erst durch TV-Serien wie
»Sex and the City« salonfähig. Die einsame Frau wurde sexy
und aufregend, für Männer jeden Alters Herausforderung wie
Verlockung. Und dennoch scheint sich dies noch nicht
herumgesprochen zu haben.
In Deutschland
haben einsame Frauen noch das größte Emanzipationspotential.
Insofern kann man dieses Buch auch als feministisches lesen.
Über Jahrhunderte waren einsame Frauen als Hexen oder alte
Jungfern Außenseiter. Im Laufe der Emanzipation des 20.
Jahrhunderts hat sich das langsam geändert, aber erst jetzt
werden Frauen, die zu ihrer Einsamkeit stehen,
selbstverständlich.
(...).
Der einsame Mann
mißversteht sich als Held und verkennt, daß er in einer auf
Familie und Gemeinschaft ausgerichteten Gesellschaft ein
Mängelwesen ist. Gleichzeitig fungiert er in bürgerlichen
Gesellschaften als Leitbild eines konsequenten Individualismus:
Sein Freiheitsdrang schreckt auch vor den
Härten absolut verstandener Bindungslosigkeit nicht zurück.
Aber souverän und nicht pathologisch ist das Einsam-sein-Können
nur, wenn ihm gleichwertig das Mit-anderen-sein-Können
gegenübersteht."
(aus:
Ulf Poschardt "Einsamkeit", 2006, S.48f. & 74f.)
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LONGMAN, Phillip (2006): The Return of Patriarchy,
in: Foreign Policy, März/April
- Kommentar:
Schlaue Füchse wie Frank SCHIRRMACHER
schreiben Bücher über den angeblichen Untergang der Familie und
singen Loblieder auf die selbstlosen Frauen.
Phillip
LONGMAN dagegen muss sich nicht mehr wie SCHIRRMACHER verstellen,
sondern verkündet offen die Rückkehr des Patriarchats.
Da sich die
kinderreichen Konservativen stärker reproduzieren als die
kinderarmen Progressiven, wird sich die Debatte um die
Feminisierung der Gesellschaft in den nächsten Generationen von
selbst erledigen.
Nicht die
interkulturellen Konflikte, sondern der intrakulturelle Kampf der
Kinderreichen gegen die Kinderarmen wird für die nächsten
Jahre bestimmend sein.
Nicht der
REICH-RANICKI der Demographie
wird die Gesellschaft verändern, sondern die
"Helden der Familie" (Norbert BOLZ).
Die
Single-Lüge der Politik täuscht darüber hinweg, dass die Weichen
längst ganz anders gestellt sind...
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VOGEL, Sabine (2006): Omas neue Liebhaber.
Späte Heirat nicht
ausgeschlossen: Lob des multikulturellen Sextourismus,
in: Berliner Zeitung v. 31.03.
- Inhalt:
"Was
Thailand für die Houellebecq-Touristen ist Kenia, Gambia oder
Senegal für die »reife« Frau. Hier lümmeln gutgebaute »Toyboys« am
Strand oder in der Hotelbar und bieten ihre Dienste an. Sie lieben
uns alte Schachteln natürlich nicht wirklich, aber sie spielen das
schön vor",
meint Sabine VOGEL.
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BAUREITHEL, Ulrike (2006): Überlebensfabrik Familie.
Schwundstufe.
Im Eisschrank ist schlecht leben oder was
sich aus dem demografischen Dauerbeschuss lernen lässt,
in: Freitag Nr.13 v. 31.03.
- Inhalt:
"Ältere
Sorgenfalte wettert gegen jüngere Gebärstreikzicke und/oder ältere
Abtreibungshexe; Eltern beschwören Kinderglück, und eine ungewohnt
defensive Alice Schwarzer muss sich bei Maybritt Illner von Norbert
Geis (CSU) an den Pranger stellen lassen, sie habe mit ihrer
Abtreibungskampagne für den bevölkerungspolitischen GAU gesorgt.
Die
Katastrophenvorlage für das Drama hat bekanntlich Frank Schirrmacher
geliefert. Nachdem trotz nachdrücklicher Propaganda seine
Methusalems keine Anstalten machen, sich gegen die Jungen zu
verbünden, hat sich der trennungsgeschädigte Demografiebeauftragte
nun auf die andere Seite geschlagen und in einer Art »Reflections in
the Fridge« die demografische Erkältung von 2050 durchgespielt",
meint BAUREITHEL.
Wohin das führen soll, das ist ihr unklar:
"Wollen
wir nun mehr Kinder? Oder sollen wir mit der diskursiven
demografischen Mobilmachung darauf eingestimmt werden, dass wir
selbst schuld daran sind, wenn wir mit weniger Rente und schlechter
Gesundheitsversorgung rechnen müssen?"
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BARTELS, Gerrit (2006): Abreibungskunst.
Das Haltbarkeitsfeuilleton
schlägt zurück: Ein Kultur- und Richtungsstreit in der
Literaturkritik, ausgelöst durch Volker Weidermanns Buch "Lichtjahre",
in: TAZ v. 31.03.
- Inhalt:
Gerrit BARTELS, Fan des FAS-Lässigkeitsjournalismus,
verteidigt den Ex-tazler Volker WEIDERMANN gegen das
Haltbarkeitsfeuilleton:
"Offensichtlich
war bei dieser »Buchvorstellung«,
dass hier drei ältere Literaturkritiker, zwei Fünfzigerjahrgänge,
ein Vierzigerjahrgang, dem 1969 geborenen Weidermann eine Abreibung
verpassen wollten
(...).
Dieser Kulturstreit
ist einer zwischen dem Haltbarkeitsfeuilleton, also dem von
Greiner/Bartmann, und dem Feuilleton neueren Typs, einem Pop-
oder Unterhaltungsfeuilleton, wenn man böse sein will auch:
Trommelfeuilleton, für das Weidermann, die FAS und
neuerdings auch der Kulturteil des Spiegels unter
Matthias Matussek und
Joachim Lottmann stehen. Dazu erkennt man immer noch Spuren des
Unbehagens an der eigentlich für tot erklärten Popliteratur, einen Kampf der
Verfechter und Verehrer von Literatur, die noch in 30 Jahren was
hermacht, gegen die Popschnelldreher, die nur für den Augenblick
geschrieben sind".
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- MANGOLD, Ijoma (2006): Heute schon
geweint?
Die Sehnsucht nach dem Leben in der Literaturkritik,
in: Süddeutsche Zeitung v. 31.03.
- Kommentar:
Ijoma MANGOLD liefert eine weitere
Nacherzählung der Ereignisse um die
Buchvorstellung von Volker WEIDERMANN.
Man
darf MANGOLD wohl eher den Empathikern zuordnen, wenn er schreibt:
"Was meint
der Literaturkritiker eigentlich wirklich, wenn er das eine Werk gut
und das andere schlecht nennt? Ist am Grunde des Urteils nicht stets
ein Wille zur Macht erkennbar, die eben darin besteht, über die
Wahrheit des Lebens Aussagen treffen zu dürfen? Woher sonst die
Erregungspotentiale?"
Für
MANGOLD ist die Überführung von Wahrheits- in Coolnessfragen die
logische Konsequenz der Unentscheidbarkeit letzter Fragen. Wer hat
den besseren Sex, feiert die besseren Partys oder erzeugt den
größten Pulverdampf, das ist dann der Sinn des Literaturwettkampfs.
Die
Gnostiker spielen darin lediglich die Rolle der Spielverderber:
"Die
Empathiker neigen dazu, so zu schreiben, als hätten sie den besseren
Sex. Die Gnostiker werden ihnen das nicht durchgehen lassen."
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FEDDERSEN, Jan (2006): Papa, sei wieder der Boss!
Von "Feminisierung" der Welt
war die Rede und unaufhaltsamer Geschlechterdemokratie: Alles
gestriger Blödsinn? Jetzt debattiert man in den USA gar über die
Renaissance des Patriarchats,
in: TAZ v. 30.03.
- Kommentar:
Nachdem
die SZ
den Artikel von LONGMAN über die Rückkehr des Patriarchats
aufgegriffen hat, nimmt nun auch FEDDERSEN Stellung.
Zuerst ein wehmütiger Rückblick und dann das Eingeständnis, dass die
Stimmung gekippt ist:
"Das
war der soziologische Mainstream des späten 20. Jahrhunderts: Er
trug den für gewiss gehaltenen Befund in sich, vorgetragen von
AutorInnen wie Elisabeth Beck-Gernsheim, Henning Bech, Richard
Sennett oder Anthony Giddens, die Welt sei eine patriarchale gewesen
- aber nun auf gutem Wege. Die Stichworte lauteten: Feminisierung
aller Weltverhältnisse, Geschlechterdemokratie, Liberalität,
Multioptionalität, Pluralität (der Lebensformen) und Abschied vom
soldatischen Mann. Ein Matriarchat, die milde Dominanz des
Gutweiblichen, mochte nicht am Horizont aufschimmern, doch alles
schien auf gutem Weg.
Seit dem Geraune um die demografische Katastrophe, seit der für
glaubwürdig gehaltenen These, die deutsche, ja, die westliche Welt
stürbe, wenn nicht mehr Menschen Kinder produzieren, ist es um die
eher gemütliche Stimmung geschehen. Wie ein Verhängnis dräut es, von
der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über
Bild und Spiegel bis zu allen
Talkshows im hiesigen Fernsehen: Aus Passanten werden keine
(heterosexuellen) Paare, sondern sie bleiben Singles, aversiv
einander begegnend, unfähig zur nachhaltigen Bindung - und damit zum
Nachwuchs"
Es
kommt aber noch schlimmer:
"In
der einflussreichen Zeitschrift Foreign Policy hat
nun der amerikanische, liberale Bevölkerungswissenschaftler Phillip
Longman ziemlich neue Töne angeschlagen. Unter dem Titel
»The Return of Patriarchy« - die Wiederkehr
des Patriarchats - dekliniert er durch, worauf es jetzt ankommen
könne.
Seine Beobachtungen -
die er nicht als seine persönliche Meinung verstanden wissen will -
laufen darauf hinaus, dass Staaten, in denen Liberalität in Bezug
auf die in ihnen gelebten pluralen Lebensformen herrsche, an
Bevölkerung verlieren werden. Der Befund deckt sich weitgehend mit
dem von Frank Schirrmacher".
Sein
Schlusswort spendet wenig Trost für diejenigen, die bis vor kurzem
noch glaubten, dass alles so weitergehen könnte wie bisher:
"Was
Longman nicht fragt: Wenn alle Propaganda - kinderlos bleiben ist
zukunftsfeindlich! - nicht fruchtet, was dann? Verbot der
Abtreibung? Kondome nur noch auf Rezept?
Das Thema
beginnt - drüben wie hüben -, lebensfeindlich zu werden. Spaß, Lust?
Verdächtig."
Auf
single-dasein.de wurde seit der Jahrtausendwende immer wieder
aufgezeigt, dass die jetzige Situation keineswegs unvorhersehbar
war.
Was
Singles und Kinderarme angesichts dieser - nur scheinbar neuartigen
- Situation tun können, das wird in dem Buch
"Die Single-Lüge. Eine
Kritik der Argumentationsmuster im Zeitalter der Demografiepolitik"
aufgezeigt.
Diese erste grundlegende Auseinandersetzung mit dem
nationalkonservativen Paradigma erscheint voraussichtlich im Sommer
dieses Jahres und befasst sich mit dieser aktuellen Debatte um die
Kinderlosigkeit, die bereits seit längerem am Horizont sichtbar war.
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WINKELS, Hubert (2006): Emphatiker und Gnostiker.
Über eine Spaltung im
deutschen Literaturbetrieb – und wozu sie gut ist,
in: Die ZEIT Nr.14 v. 30.03.
- Inhalt:
Hubert WINKELS, Mitbegründer der KiWi-Kultur,
arbeitet an der literaturbetriebshistorischen Legendenbildung.
Anlass ist die Buchvorstellung
"Lichtjahre" von Volker WEIDERMANN,
bei der sich eine Kluft offenbarte:
"Die
einen suchen das wahre Leben, die anderen die wahre Literatur
Die Emphatiker
des Literaturbetriebs, die Leidenschaftssimulanten und
Lebensbeschwörer ertragen es nicht länger, dass immer noch einige
darauf bestehen, dass Literatur zuallererst das sprachliche
Kunstwerk meint
(...).
Wenn man die
literarische Landschaft zurzeit verstehen will, ist eine Zweiteilung
hilfreich: die Unterscheidung zwischen Emphatikern und Gnostikern.
Die Emphatiker sind die mit dem unbedingten Hunger nach Leben und
Liebe; Gnostiker sind die, denen ohne Begreifen dessen, was sie
ergreift, auch keine Lust kommt".
Diese Kluft ist keineswegs besonders neu. Single-dasein.de
hat sich damit bereits im November 2000 befasst. Es stellte sich
damals die
Frage nach dem deutschen HOUELLEBECQ.
Diese Frage hat sich noch nicht erledigt, denn sonst gäbe es den
Artikel von WINKELS gar nicht.
Was
WINKELS als Empathiker beschreibt, das wurde hier bereits vor langer
Zeit als
Imagedesigner
beschrieben.
Popliteraten sind inzwischen selbst
von der Soziologie zu "Seismografen" geadelt
worden, die sozialstrukturelle Verschiebungen vorwegnehmen. Gerade
deswegen ist eine literaturwissenschaftliche Herangehensweise - wie
sie WINKELS hier explizit fordert - dem Phänomen längst nicht mehr
angemessen. WINKELS Argumentation führt deshalb auch konsequent ins
Gesellschaftspolitische:
"Schirrmacher,
als pseudowissenschaftlicher Alarmist selbst Emphatiker, hat für
die wachsende Emphatikerwelle die Frankfurter Allgemeinen
Sonntagszeitung geschaffen, die sich um Stadionberichte aus dem
literarischen Leben bemüht. Hier ist auch eine der Mündungen eines
Stroms aus den achtziger Jahren, der
über Wiener und Tempo die subjektive Schreibweise
propagierte, mit Tom Wolfe und Hunter S. Thompson als amerikanischen
Paten. Maxim Biller,
Moritz von Uslar,
Christian Kracht kommen daher. Der Tempo-Macher Markus
Peichl ist heute Redaktionsleiter bei Beckmann und lässt
gelegentlich Pop-Autoren passieren, wenn sie Drogenprobleme haben
oder Nummer-eins-Bestseller sind. Auftritte in Talkshows wiederum
gehören zu den wichtigsten Zielen jener Buchverlage, die mit
Auflagen ab 50000 rechnen. Dagegen sind Rezensionen in den fünf
klassischen überregionalen Zeitungen ökonomisch relativ unbedeutend.
Schon diese ganz
einfache Ableitung macht klar, wie gut sich der einstmals subversiv
gedachte affirmative Charme der Anti-Hippies und
Anti-Achtundsechziger mit der dynamisierten Warenwelt verträgt."
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BLASBERG, Anita (2006): Tod eines DJs.
Mit der Generation Techno
durchlebte Markus Löffel alias Mark Spoon die Exzesse der Neunziger.
Daran starb er,
in: Die ZEIT Nr.14 v. 30.03.
- Kommentar:
Großkampftag gegen den ZEITgeist. Nicht
nur in der Literatur, sondern auch im Pop tobt der Kampf der
Empathiker.
Jede
Generation hat ihren
Fritz ZORN.
Der ZORN der Partygeneration heißt Mark SPOON.
Man
muss ja nicht gleich wie Joachim BESSING ein ganzes Buch über
Rettet die Familie! schreiben.
Es reicht auch schon eine Frau im Spiegel-hafte Story:
"Wenn
die Familienväter im Umland zum Brötchenholen fahren, beginnt Spoon
seine Frühschicht".
Das
muss gut ungut enden:
"Gerade
erst waren sie aus dem Thailand-Urlaub zurückgekommen. Am letzten
Tag hatte er ihr am Strand von Phuket einen Antrag gemacht, sie
sprachen über Kinder. Er sei noch nie so glücklich gewesen, sagte er
am Abend vor seinen Tod."
Wie sang
die Teenie-Gruppe The Sweet Mitte der 70er? "sixty eight was
out of date/They took the flowers from their hair/And tried to make
us all aware/Too bad, too late".
Den
Kinderlosen ( = Hedonisten) straft das Leben und neuerdings auch die
Rentenversicherung...
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LAU,
Jörg (2006): Das Maß aller Dinge.
Solange es für alle aufwärts
ging, war das Wohlstandsgefälle für die Deutschen kein Problem. Doch
nun fehlt ein gemeinsames Verständnis von Gerechtigkeit,
in: Die ZEIT Nr.14 v. 30.03.
- Kommentar:
In der "Fahrstuhl nach unten"-Gesellschaft
verschafft sich unsere
Ich-zuletzt-Elite Vorteile.
Jörg
LAU kehrt das LUHMANN-Prinzip um. Wo Komplexitätsreduktion herrscht,
da soll nun Komplexität, d.h. Pluralismus sein
Während die neuen Werteeliten den Wertepluralismus bekämpfen,
pluralisieren die Gerechtigkeitsbewahrer den Gerechtigkeitsbegriff.
Das
neue Oben heißt jetzt Inklusion, das neue Unten heißt Exklusion.
Jörg LAU zählt die Begriffe auf, die sich unsere Gesellschaft
erfunden hat:
"Die
Leerformel »soziale Gerechtigkeit« wird ausdifferenziert in
Chancengerechtigkeit, Bedarfsgerechtigkeit,
Generationengerechtigkeit, Risikogerechtigkeit,
Leistungsgerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit,
Familiengerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit und so fort. In einer
komplexen Gesellschaft gibt es viele Sphären der Gerechtigkeit, die
nach ihrer eigenen Logik funktionieren."
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AMEND, Christoph (2006): Die prekäre Generation.
Im Aufruhr von Paris entlädt
sich die Wut einer Jugend, die sich ausgegrenzt fühlt – ein
Lebensgefühl, das auch die Jungen in Deutschland umtreibt. Noch halten
sie still. Warum eigentlich?
in: Die ZEIT Nr.14 v. 30.03.
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DECKERS, Daniel (2006): Kinderreich,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.03.
- Kommentar:
Die FAZ lügt weiter mit
falschen Zahlen zur Kinderlosigkeit in
Deutschland.
Der
Kampf gegen die individuelle Geburtenkontrolle in Deutschland tobt
sich nun auch vermehrt in der
Abtreibungsfrage aus. DECKERS bringt eine neue Zielgruppe
in diese Debatte ein:
"Die
meisten Frauen lassen nicht deshalb abtreiben, weil sie
grundsätzlich keine Kinder wollten. Vielmehr handelt es sich um
Verheiratete, die schon ein oder zwei Kinder haben. Ihnen könnte die
Politik Mut machen zu einem zweiten, dritten oder vierten".
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LANGER, Tanja (2006): Leben lieben.
Kinder haben in Deutschland: Warum Nachwuchs nicht nur eine
Geldfrage ist,
in: Tagesspiegel v. 29.03.
- Kommentar:
Die Schriftstellerin Tanja LANGER,
allein erziehende Mutter mit drei
Kindern, mag über die materialistische Armutsdefinition in
Deutschland die Nase rümpfen.
Der französische
Soziologe Pierre BOURDIEU ("Die
feinen Unterschiede") unterscheidet finanzielles,
soziales und kulturelles Kapital. LANGER mag wenig finanzielles
Kapital haben, aber als Schriftstellerin kann sie dies durch
kulturelles und soziales Kapital ausgleichen. Aus der Perspektive
von BOURDIEU gehört Tanja LANGER also nicht zu den wirklich
Benachteiligten dieses Landes.
Ihr Plädoyer
setzt deshalb einen gewissen Habitus - Gerhard SCHULZE würde hier
von der
Fähigkeit zur Lebenskunst sprechen
- voraus:
"In Deutschland
herrscht eine Lebensmüdigkeit, die man lange und umständlich mit den
Folgen des Nationalsozialismus, dem Zweiten
Weltkrieg und dem Zusammenbruch der DDR erklären kann. Dann wird
man aber eher unfreundlich behandelt, und letztlich bringt es auch
nichts. Wir sind hier zu sehr aufs Materielle aus. Das Leben als
solches, unvernünftig und unlukrativ, verschwenderisch und unsinnig,
ist hier eben nichts wert."
Im Gegensatz zur
traditionellen Sozialforschung wird bei single-dasein.de
dafür plädiert nicht nur den Haushalt, sondern auch die sozialen
Netzwerke (Verwandte, Nachbarn, Freunde usw.) bei der Beurteilung
von Lebenslagen zu berücksichtigen. Dies würde auch die
Debatte um den Umbau des Sozialstaats
in einem anderen Licht erscheinen lassen.
So manche Kritik von
Tanja LANGER würde sich dann von selbst erledigen...
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RULFF, Dieter (2006): Stunde der Schicksalsgemeinschaft.
FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher entdeckt den Wert der Familie
und den Wunsch nach mehr Töchtern,
in: Frankfurter Rundschau v. 29.03.
- Kommentar:
In der FR hat sich mit
Ursula MÄRZ die
Single-Generation in der Einschätzung des nationalen Notstands gegen die
Generation Golf durchgesetzt.
Dieter RULFF nutzt die gegenwärtige Hysterie schamlos aus, die durch
falsche Zahlen zur demografischen Lage in Deutschland entstanden
ist.
Seine Übereinstimmung mit SCHIRRMACHER endet jedoch spätestens bei
den politischen Lösungen: nicht neoliberale Freisetzung aus dem
Sozialstaat, sondern sozialstaatliche Regulierung soll die
angebliche Geburtenkrise lösen:
"Frankreich
oder Schweden - Länder, die gleichermaßen wohlfahrtsstaatlich
organisiert sind.
Deren Beispiel spricht eher dafür, dass ein Wiedererstarken der
Familie paradoxerweise in einem Mehr an öffentlicher Erziehung
gründet. Das bedeutet auch ein Zuwachs an öffentlicher Einmischung,
das Private dürfte in den nächsten Jahren in stärkerer Weise
politisch werden. Dem gegenüber steht das Modell USA einer mangels
staatlicher Autorität und Fürsorge immer schon auf sich selbst
verwiesenen Familie, die auf einem starken Wertefundament ruht."
In
Times Mager darf zum gerechten Ausgleich Christian THOMAS die
"Frankfurter Traktatgeneration" geißeln:
"Angesichts
der deutschen Nachwuchsarmut wird seit Wochen schon der
Geburtenscheinmalus gegen den Lebenserwartungsbonus aufgerechnet.
Dazu, zum Traktatschreiben über den »biologischen Gau«, singt die
06er-Generation das Lied der Vermehrung und der Gebär-Mutter. Und
wienert, wie einst die Putzteufelgeneration, heute die drei großen
Textbausteine der Zukunft blank: Fruchtbarkeit, Familie, Frauen.
Wenn für diese Traktatgeneration und Putzteufelgruppe eine
innerdeutsche Ethnie geradezu extrem minderwertig abschneidet, dann
- da sie für die 06er-Generation noch nicht vom Aussterben bedroht
ist - die 68er-und
78er-Ethnie. Ihre Erkennungsmerkmale? Dass sie
vorm Bauzaun von Brokdorf demonstrierte anstatt Kinder zu zeugen.
Dass sie Hüttendörfer hochzog anstatt in Sicherungssysteme zu
investieren (oder irgendwie so). Oder an der Startbahn West nach
Waldschratmanier herumgammelte, anstatt Norbert Blüms Rentenpolitik
in die Arme zu fallen (oder irgendwie so ähnlich).
Mit anderen Worten: Kein Traktat über die Gemengelage aus
Wirtschaftspolitik, demographischer Entwicklung und sozialen
Sicherungssystemen, in dem die Frankfurter Traktatgeneration (und
Putzteufelfraktion) nicht den moralischen Frevel und die
volkswirtschaftlichen Schulden der 68/78er auszumachen fest gewillt
ist, so dass man den Eindruck bekommen muss, dass dort, wo die
Argumentation fehlt, der Textbaustein seinen Dienst tut."
- Was wäre
geschehen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge das
Bestandserhaltungsgebot befolgt hätten? Diesen demografischen
Schrecken beschreibt:
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STEINBERGER, Petra (2006): Du sollst den Vater ehren!
Die Rückkehr des Patriarchats als Resultat der Kinderlosigkeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.03.
- Kommentar:
"Phillip
Longmans Schrift zum »Patriarchat«, das ist Frank Schirrmachers
Manifest »Minimum«, wenn man ihr dessen Optimismus nimmt, was die
Potenzen der Frau betrifft", erläutert Petra STEINBERGER anlässlich
eines Artikels von LONGMAN, den Leser von
single-dasein.de längst kennen.
Die Schlagzeile der
SZ führt wie immer völlig in die Irre. Kinderlosigkeit ist
höchstens für die Mitte-Presse und den Familienfundamentalismus das
Problem. Die entscheidende Konfliktlinie verläuft dagegen zwischen
Kinderarmen und Kinderreichen.
STEINBERGER hofft auf
den Kapitalismus als Retter des Feminismus: "der Markt verlangt nach
mehr weiblicher Arbeitskraft, als dies mit der traditionellen
Mutterrolle verträglich ist".
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BARTMANN, Christoph (2006): Wilde Männer mitten im Leben.
Volker Weidermann hat eine sehr "Kurze Geschichte der deutschen
Literatur von 1945 bis heute" geschrieben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.03.
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MAGENAU, Jörg (2006): Alternative Wurzeln des Bürgerlichen.
Feine Unterschiede (10): Die
Bürgerinitiativen reformierten das Gemeinwohl, die taz setzte
urbürgerlich auf die Öffentlichkeit - in den Siebzigern kam die Neue
Bürgerlichkeit also von links. Das wird heute gern vergessen, nicht
nur von Konservativen,
in: TAZ v. 28.03.
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- WESTPHAL, Anke (2006): Wenn Opa in
die Dose geht.
Demografische Lösungen im Science-Fiction-Film
in: Berliner Zeitung v. 28.03.
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KEGEL, Sandra (2006): Wir Verlierer.
Eine Generation blickt in den Abgrund,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.03.
- Kommentar:
Sandra KEGEL legt eine
Bankrott-Erklärung ihrer Generationeneinheit
vor:
"Vielleicht
gehört es zu den Eigenarten von Verlierern, schon so weit in die
Defensive geraten zu sein, daß man gegen das eigene Schicksal nicht
mehr aufbegehrt. Als fügte man sich den Göttern. Aber
wen auch sollte man
angreifen? Daß die sozialen Sicherungssysteme nicht mehr halten,
hat inzwischen jeder begriffen. Deshalb müssen sie ja angepaßt
werden. Den heutigen Rentnern, die Krieg und Nachkriegszeit
durchlitten haben, wünscht man einen friedvolleren Lebensabend -
schließlich sind es unsere Eltern und Großeltern."
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
25. - 27. März 2006
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