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Medienrundschau:
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News vom
01. - 05. April 2004
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Zitat
des Monats:
"Sie
haben das Privileg, zu einer Generation zu gehören, die nicht
aufs Abstellgleis geschoben werden kann. Der Grund dafür ist
einfach: Die Alterspyramide erfährt eine dramatische Umkehrung,
die Tanne verwandelt sich in einen Atompilz.
Altwerden
als Massenphänomen wird vor allem die Industriegesellschaften
grundlegend verändern.
(...).
Während
diese Entwicklung gemeinhin als Schreckensszenario dargestellt
wird, das der Jugend ihr Recht auf Zukunft nimmt und generell
unfinanzierbar ist, birgt es für die Alten von morgen - und das
sind wir- ungeahnte Chancen.
(...). Die umworbene Masse ist automatisch die privilegierte
Klasse. Nur was uns interessiert, lässt sich verkaufen oder
politisch durchsetzen. (...).
Die
Investmentbank UBS Warburg vertritt die These, dass die
Gesellschaft zwar altert, aber alle davon profitieren. Da sich
in der Gruppe der heute 30- bis 49-Jährigen ein
überdurchschnittlich großer Anteil von Singles oder »Dinks«
(Double income, no kids) tummelt, ständen der Wirtschaft goldene
Zeiten bevor - ganz unabhängig von der US-Wirtschaft oder
strukturellen Reformen in Europa. Dinks und Singles geben ihr
Geld aus, statt es für die Nachkommen fest anzulegen.
Die
Rentendiskussion ist wie ein letztes Aufbäumen der Angstmacher."
(aus:
Martin Schacht "Die ewige Zielgruppe", 2004, S.12ff.) |
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LEHMKUHL, Frank (2004): Im Netz hat's gefunkt.
Die Webseite eines Kölners hilft verwitweten Menschen über die
Trauer hinweg. Manche finden dort einen neuen Partner,
in: Focus Nr.15 v. 05.04.
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SCHULZE, Gerhard (2004): Katastrophenfolklore.
Das Scheingefecht um die Arbeitszeit,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.04.
- Inhalt:
Der Bamberger Soziologe
Gerhard SCHULZE
("Erlebnisgesellschaft") hat einen neuen Elitenkonsens bei der
Arbeitszeitpolitik entdeckt. Er besteht aus drei übergeordneten
Zielen:
1) Das oberste Ziel ist
Arbeit für alle, die arbeiten wollen,
2) dann folgt der ökonomische Lokalpatriotismus und
3) zuletzt ist Erwerbsarbeit nicht alles.
Gestritten wird nur noch um die Mittel der Zielerreichung.
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NUTT, Harry (2004): Pophistoire,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.04.
- Kommentar:
Vom Jugendwahn zum coolen Alten geht der Trend
nicht nur bei NUTT, aber schon droht das Pophistoire:
"Das Popgedächtnis ist zum Rückzugsort
Arrivierter geworden, die ihr Wohlgefühl aus den Tagen der Revolte
auch in Zeiten drohenden sozialen Wandels nicht aufgeben möchten."
Als "sex & drugs im
eigenheim - ein zerfall" hat das dagegen Patrick WAGNER auf
"Hell in Hell"
treffend bezeichnet.
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PROFIL (2004): Das erste Mal.
Romantische Erfüllung, Desaster oder so lala: Der erste Sex ist ein
Meilenstein an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Jugendliche berichten
über ihre sexuelle Initiation, Prominente erinnern sich, wie es damals
war,
in: Profil Nr.15 v. 05.04.
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PROFIL (2004): "Wilde Fantasien sind wichtig".
Der Kinder- und Jugendpsychiater und Neurologe Max Friedrich über
die Bedeutung des ersten Mals und Verhaltensfehler der Eltern,
in: Profil Nr.15 v. 05.04.
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PROFIL (2004): "Das Interessante ist nicht der Akt".
Die Berliner Autorin Alexa Hennig von Lange, 31, über das erste Mal
in kleinen Iglu-Zelten an südfranzösischen Stränden oder Badewannen,
auf deren Ränder Kerzen geklebt werden,
in: Profil Nr.15 v. 05.04.
- Kommentar:
Alexa Hennig von LANGE über das erste Mal. Der französische
Soziologe hat sich im neuen Buch über den "Morgen
danach" ebenfalls mit diesem Thema
beschäftigt. Er geht jedoch weit über das hinaus, was hier
beschrieben wird.
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ESCH, Christian (2004): Sorge Dich nicht, werde Jünger.
Frank Schirrmacher glaubt, dass alles gut ist. Und es wird noch
besser,
in: Berliner Zeitung v. 05.04.
- Kommentar:
ESCH nimmt erst einmal Bezug auf einen Artikel von
Gustav SEIBT in der SZ vom 10.08.2002, in dem dieser eine
Artikelserie zur "Zukunft der Altengesellschaft" androht.
Diese Bezugnahme ist insofern
konsequent, denn SCHIRRMACHERs Klage über zunehmende Altersrassismen
in Deutschland lässt sich am besten an der diskriminierenden
Schreibe in der Süddeutschen nachweisen.
Ansonsten hat ESCH viele
Fragen, z.B.:
"warum nur setzt diese
Generation, wenn sie schon zu wenig Kinder hinterlässt, nicht
wenigstens bessere Bücher in die Welt?"
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ADAM, Konrad (2004): Lob des Populisten,
in: Welt v. 05.04.
- Kommentar:
Konrad ADAM hat die
Klassengesellschaft und jenes
Bündnis von alter und neuer Mitte entdeckt, das auf diesen Seiten
seit längerem als
Bobokratie
beschrieben wird:
"Der Stil, das ist der ganze Mensch:
dieser Satz gilt in der Politik vom Populisten. Wo er auftritt,
schwingt etwas von jenem Ressentiment mit, das den Abstand zwischen
"Denen da oben" und "Uns hier unten" ausmisst und ausbeutet. In
einer modernen Klassengesellschaft, in der sich Gerhard Schröder mit
Roland Berger und Angela Merkel mit Josef Ackermann verbünden, um
gemeinsam oben zu bleiben, kommt so etwas gut an."
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DIEZ, Georg (2004): Beigbeder,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.04.
- Kommentar:
Eigentlich sollte Georg DIEZ über eine Lesung
von Frédéric BEIGBEDER schreiben, aber offenbar hat er dazu keine
Lust, weshalb er über Michel HOUELLEBECQ schreibt:
"Michel Houellebecq übrigens, der neokonservative
Miesepeter, hatte eine Weile einen anderen Doppelgänger im deutschen
Feuilleton. Der hieß Uli Beck, war eher ein linksliberaler
Schönwetterschreiber und verschwand vor ein paar Jahren mehr und
mehr aus den Zeitungen, so wie Houellebecq weniger und weniger
schrieb, bis er sich ganz in den Rauch seiner Zigartetten aufgelöst
zu haben schien."
Über den
Zusammenhang zwischen den Thesen von Ulrich
"Uli" BECK und Michel HOUELLEBECQ
hat single-dasein.de bereits im Jahr 2000 geschrieben. Bis ins
Mitte-Feuilleton war das bisher nicht durchgedrungen.
Nun,
da es die Spatzen bereits von allen Dächern pfeifen, dass die
Individualisierungsthese zum Ladenhüter geworden ist, wagen auch
Mitte-Journalisten das Thema aufzugreifen.
In diesem Zusammenhang wäre vielleicht noch darauf
hinzuweisen, dass neulich der Lifestyle-Soziologe Stefan HRADIL, der
Mitte der 90er Jahre durch die
These vom Single als Pionier der "Single"-Gesellschaft
aufgefallen war, in einer
Rezension von Michael VESTERs Buch über den Strukturwandel der
Gesellschaft, der "subjektiven" Individualisierungstheorie von
Ulrich BECK eine klare Absage erteilte:
"Ausgiebige empirische Untersuchungen deckten auf,
dass die alltäglichen Lebensweisen der Menschen keineswegs völlig
von ihrer Schichtzugehörigkeit (...) unabhängig sind."
VESTERs Buch über die "pluralisierte
Klassengesellschaft" wurde bereits Anfang der 90er Jahre zum ersten
Mal veröffentlicht. Damals wollte jedoch noch kein seriöser
Mainstream-Soziologe den Begriff Klassengesellschaft verwenden.
Zwei Jahre nach Erscheinen der
vollständig überarbeiteten zweiten Auflage von VESTERs Buch lobt nun
HRADIL dessen Arbeit methodisch als richtungweisend.
VESTERs Milieueinteilungen
scheinen heutzutage jedoch bereits antiquiert, denn neben führenden
Elitemilieus und unterprivilegierten Volksmilieus, gibt es bei ihm
ein so genanntes mittleres Volksmilieu, das in der politische Debatte
auch als alte bzw. neue Mitte gehandelt wird. Hier tun sich jedoch
momentan die Gräben auf...
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DIEZ, Georg (2004): German Psycho.
Der seltsame Weg des Benjamin von Stuckrad-Barre: Von der
Schwierigkeit, mit der Gegenwart auf Augenhöhe zu bleiben,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.04.
- Kommentar:
Anlässlich des Nicht-Erscheinens des neuen Buches
"Festnetzspeicher der Kontrollgesellschaft - Remix II" (sollte im
Februar erscheinen, wurde aber mittlerweile auf Ende Mai verschoben)
von Benjamin von STUCKRAD-BARRE, denkt Georg DIEZ am Beispiel des
Shooting-Stars über die Popliteraten im Zeitalter der neuen
Ernsthaftigkeit nach.
Zwischen dem
Roman "Solo-Album"
und dem
11. September 2001 vollzog sich
nach DIEZ der Aufstieg von STUCKRAD-BARRE zum gleichermaßen
geliebten und gehassten Erfolgsschriftsteller. Seinen Abstieg
formuliert DIEZ folgendermaßen:
"Seine Denkbewegung aber ging immer mehr fort von der
Introspektion (...) hin zu einer Vergewisserung anhand der
Oberflächen und der Öffentlichkeit - er verwandelte sich in eine
jener Figuren, über die er früher so hingebungsvoll lästern konnte.
Wenn Jürgen Drews der Endpunkt ist, dann gelang es Stuckrad-Barre
immer schlechter, diese Grenze nicht zu überschreiten.
Öffentlichtkeit wurde zu einem Wert an sich. Eine Existenz im
Neonlicht. Irgendwann war es nur noch die Notbeleuchtung."
STUCKRAD-BARRE einst Mitglied des
popkulturellen Quartetts, das sich mit
"Tristesse Royale" einst ein
umstrittenes Manifest gab, wird von DIEZ zwei anderen Mitgliedern
des Quartetts gegenübergestellt, um Alternativen aufzuzeigen:
"Der andere Weg ist der, den
Christian Kracht eingeschlagen hat - und auf seine Weise auch
Joachim Bessing, der mit sienem neuen
Buch »Rettet die Familie!« jedes Vorurteil bestätigt, wonach die
Ironieschübe der neunziger Jahre einnen konservativen Kern oder
zumindest eine konservative Konsequenz haben. Kracht jedenfalls
(...) hat den Weg gewählt, sich in eine fast mönchisch geprägte
Sprach- und Kunstwelt zu retten. Eben die Versenkung als
Gegenbewegung zur Verflüchtigung."
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BINDER, Elisabeth (2004): Den Liebesführerschein machen,
in: Tagesspiegel v. 04.04.
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DRIBBUSCH, Barbara (2004): Den Blick der Linken weiten.
Die Linke muss einen neuen Politik-Mix verfechten und gegen
Diskriminierungen wegen Alter, Bildungsstand, familiären
Verpflichtungen kämpfen,
in: TAZ v. 03.04.
- Kommentar:
DRIBBUSCH will neuerdings nicht in erster Linie die
vertikale Gerechtigkeit (zwischen arm und reich) herstellen,
sondern horizontale Gerechtigkeit zwischen Beitragszahlern und
Transferleistungsbeziehern stärker in den Vordergrund stellen.
DRIBBUSCH lässt es jedoch offen, was sie darunter konkret versteht.
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UNFRIED, Peter (2004): Ich bin nicht wegdenkbar.
Jetzt sind die 40-Jährigen ins Visier der Generationsdeuter
geraten: Diekmann, Klinsmann,
Kerner und solche. 17 unzusammenhängende, persönliche Anmerkungen
eines 40-Jährigen,
in: TAZ v. 03.04.
- Kommentar:
UNFRIED reagiert auf den SPIEGEL-Bericht von
Thomas TUMA:
"Was die These betrifft, dass wir uns vom
Neoliberalen weg- und wieder gen soziale Gerechtigkeit bewegen.
Genau darüber reden wir jetzt auch unter uns linken Kita-Eltern. Und
darüber, ob man die Kinder der sozial Schwächeren tatsächlich immer
weiter mitfinanzieren muss - wenn deren doofe Eltern ihr ganzes Geld
für Zigaretten ausgeben. Darauf muss ich eine individuelle Antwort
finden."
Ob das eine individuelle Antwort sein wird,
ist fraglich. Das ist wohl eher nur das Echo der neoliberalen
"Generation Reform"...
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LAU, Miriam & Matthias KAMANN (2004): "Ihr müsst auf nichts
verzichten".
Verzichten muss man nur auf die Illusion vom garantierten Wohlstand
- Paul Nolte und Gabor Steingart diskutieren über Reformen,
in: Welt v. 03.04.
- Kommentar:
Der Untertitel verspricht mehr als das
Interview halten kann.
Paul NOLTE bleibt blass neben dem SPIEGEL-Journalisten STEINGART, der im Gegensatz zu NOLTE weniger
moralisierend und dagegen eher fordernd auftritt:
"Mich treibt einzig und allein die Frage: Wie
erzeugen wir Wohlstand? Wie schaffen wir es, den Energiekern des
Landes wieder zu vergrößern, ohne den Sozialstaat zu liquidieren? In
anderen Ländern werden die großen Vermögen ganz selbstverständlich
zur Staatsfinanzierung herangezogen, in den USA ist die
Erbschaftssteuer beispielsweise dreimal so hoch. In Deutschland
beginnt der Spitzensteuersatz der Erbschaftssteuer bei 25 Millionen
Euro, in Frankreich bei zwei Millionen. Der Ökonom Meinhard Miegel
ist eine Zeit lang in alle Talkshows gegangen und hat gesagt, das
Kapital sei scheu wie ein Reh, es laufe weg, wenn man nur in die
Hände klatscht. Dagegen halte ich, dass auch die Arbeit scheu ist
wie ein Reh, auch sie läuft uns weg, wenn falsche politische
Entscheidungen getroffen werden."
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BIRG, Herwig (2004): Generationenstreß.
Mit und ohne Nachkommen: Die Demographie wird zum Krisenherd,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.04.
- Kommentar:
Herwig BIRG darf - dank "Generation
Methusalem"-SCHIRRMACHER - im
Vorfeld der Veröffentlichung der neuesten Geburtenzahlen durch das
Statistische Bundesamt, schon einmal die erwünschten Denkbahnen
prägen, auf denen sich die öffentliche Debatte bewegen soll:
"Wir sind mitten in einem neuen Geburtenrückgang, der
ab 2030 wiederum zu einem Eltern- beziehungsweise Geburtenrückgang
führt."
Diesen zentralen Satz finden wir nach einer langen
Einleitung, in der das
Altern der Gesellschaft auf das Problem der Unterjüngung reduziert
wird.
Zwischen 1965 und 1978 gingen die Geburtenzahlen in Westdeutschland
von ca. 1,05 Mill. um 500.000 auf ca. 550.000 Geburten zurück.
Die Frauen des Jahrgangs 1964 sind mittlerweile im
40. Lebensjahr, d.h. dieser geburtenstärkste Jahrgang wird kaum mehr
zur Geburtenrate der kommenden Jahre beitragen. Ein drastischer
Rückgang der Geborenenzahlen ist also in den nächsten Jahren zu
erwarten - selbst wenn
die Geburtenrate in den letzten Jahren angestiegen ist,
wie single-generation.de - im Gegensatz zu BIRG annimmt.
Die absolute Zahl der Geburten wird also zurück gehen
und nur darauf spielt BIRG an. Nichts ist damit darüber ausgesagt,
ob die jungen Frauen tatsächlich gebärfauler sind, als ihre
Vorgängerinnen. Dieser Punkt ist es jedoch, der von BIRG
verschwiegen wird, und der von single-dasein.de hervorgehoben wird.
Es geht hier um die zentrale Frage, ob junge Singles
die GANZEN LASTEN der zukünftigen demografischen Entwicklung tragen
müssen. Es ist zumindest offensichtlich, dass die 68er-Generation
genau das politisch durchsetzen möchte.
Der Baby-Boom der 60er Jahre ist im Grunde
eine
Altlast der Generation Adolf HITLER.
Ohne die infolge des zweiten Weltkrieges
ausgefallenen Geburten und den dann in den Zeiten des
Wirtschaftswunders
nachgeholten Geburten hätte es kaum zu einem solch außergewöhnlichen
Baby-Boom kommen können.
Dieser Aspekt wird jedoch in allen Debatten
konsequent ausgeblendet, stattdessen wird der schwarze Peter jenen
Generationen zugeschoben, die in diese a-normale Altersstruktur
hineingeboren wurden.
Mit moralischen Totschlagargumenten soll jeder
Widerstand gegen die geplanten Reformen zu Lasten der jungen
Generation bereits im Keim erstickt werden.
Wenn jetzt gut situierte Rentner auf die
Straße gehen, um ihren Besitzstand zu verteidigen, dann werden sich
die jungen Singles dazu genötigt sehen, aus dem Rentensystem
auszusteigen!
Niemand kann sie dazu zwingen, Beitragszahler in
einem System zu werden, das radikal von jung zu alt umverteilt. Die
Flucht in die Selbstständigkeit oder in die Reduzierung der
Arbeitszeit wird dem Rentensystem die notwendigen Beiträge
entziehen.
Nicht Voice,
sondern EXIT ist die Konsequenz. Das Rentensystem würde dadurch
vorzeitig kollabieren. Dies würde dann bereits die 68er-Generation
treffen und nicht erst - wie geplant - die Post-68er.
BIRG beschreibt in seinem Artikel fünf
angeblich demografisch verursachte Konfliktlinien:
1) der Interessengegensatz zwischen Jung und
Alt
2) der Interessengegensatz zwischen alten und neuen Bundesländern
3) der Konflikt zwischen der "autochthonen" (alteingesessenen,
eigentlich müsste es hier deutsche Bevölkerung heißen, denn alle
Bevölkerungspolitik ist im Kern nationalistisch!) und der
zuwandernden Bevölkerung
4) den Krieg der Familien(-haushalte) gegen die Single(-haushalte),
den BIRG und Kumpanen gerade mit aller Macht anzetteln zu versuchen
5) der Konflikt zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.
Wo Konflikt ist, da ist der Streß nicht weit und BIRG
spricht in diesem Zusammenhang vom "Generationenstreß".
Was BIRG jedoch verschweigt, die genannten
Konfliktlinien beruhen auf einer speziellen Problemdefinition und
auf einem ganz speziellen Lösungsversuch.
Grundlage ist der
katholische Sozialstaat. In
dieser Sicht wird von einem Drei-Generationen-Vertrag ausgegangen.
In seiner zu Ende gedachten Konsequenz wird oftmals die
Beitragsdifferenzierung nach Kinderzahl
propagiert.
Die Politikwissenschaftler
NULLMEIER & RÜB haben diesen
Denkansatz folgendermaßen charakterisiert:
"Die Beitragssatzdifferenzierung nach Kinderzahl
verschiebt die gesellschaftliche Verantwortung für Bevölkerungszahl
und Altersstruktur auf die Familie; Arbeitnehmer und Staat bleiben
von der Finanzierung des generativen Beitrags verschont. Der
Familienlastenausgleich, immer dem Staat als ureigenste Aufgabe
zugeschrieben (...), würde zu einer internen Angelegenheit der
Arbeitnehmerschaft werden." (1993, S.382)
In dieser Sicht wird ein ursprünglicher
Klassenkonflikt elegant zum Konflikt innerhalb der
Arbeitnehmerklasse (Sozialismus in einer Klasse à la LaFONTAINE)
umgebogen.
Familien- und Bevölkerungspolitik wird dadurch von
den lebenslang Kinderlosen (zu wenig) UND den Kinderarmen (Ein- und
Zwei-Kind-Familie) finanziert.
"Der Staat kann so als Finanzier des
Familienlastenausgleichs zurücktreten, diese öffentliche Aufgabe in
die Gesellschaft rückverlagern und auf eine Teilgruppe der
Bevölkerung abwälzen" (1993, S.387).
Aus den Ausführungen wird
deutlich, warum Unternehmer, Arbeitgeber, Selbständige und Staat an
einem Strang ziehen, während sich abhängig beschäftigte Eltern und
Kinderlose erbitterte Kämpfe liefern.
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BREIDECKER, Volker (2004): Bis zum letzten Superlativ.
Erfolgreich altern mit Frank Schirrmacher,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.04.
- Kommentar:
Die Süddeutsche Zeitung hätte eigentlich am wenigsten
Anlass über SCHIRRMACHER zu lästern, denn was sich die SZ zu diesem
Thema mit der demagogischen Serie über die
"Zukunft des Altengesellschaft" geleistet hat, das war wahrlich
kein Ruhmesblatt. Wer im Glashaus sitzt, der sollte nicht mit
Steinen werfen, das ist alles, was zur stümperhaften Rezension zu
schreiben wäre!
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BUCHHEIM, Christoph (2004): Bevölkerung, Wirtschaft, Wohlstand.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Geburtenrate in Deutschland
so gering wie nie. Freilich werden nicht erst seit der Verbreitung der
Antibabypille immer weniger Kinder geboren. Wo die direkten Kosten
stiegen und wirtschaftlicher Nutzen der Kinder abnahm, sank ihre
durchschnittliche Zahl je Ehepaar schon im 19. Jahrhundert. Die
innereheliche Geburtenkontrolle verdrängte den großen Regulator der
Vergangenheit: den Hunger,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.
- Kommentar:
Das Märchen der Befürworter einer rigorosen
Bevölkerungspolitik lautet: Eine Zunahme der Bevölkerung geht mit
vermehrtem Wohlstand für alle einher.
BUCHHEIM, Professor für Wirtschafts- und
Sozialgeschichte an der Universität Mannheim, zeigt anhand der
Betrachtung der vorindustriellen Situation in Deutschland, dass
Bevölkerungswachstum nicht im Interesse aller war:
"Das Wachstum der Bevölkerung trug (...) zum Wachstum des
Sozialprodukts bei. In bestimmten Perioden fiel jedoch zur selben
Zeit das Sozialprodukt pro Kopf.
Das traf vor allem die Unterschichten, etwa (...) die Dienstboten in
den Städten, von denen ein gutbürgerlicher Haushalt durchaus fünf
beschäftigen konnte. (...).
In Zeiten hohen Bevölkerungswachstums vergrößerten sich diese
Schichten. (...).
Die zynische Logik dieses
Mechanismus skizziert BUCHHEIM anschaulich:
Die ehrbaren Stände konnten nur gut leben, wenn sie
es einerseits verstanden, sich nach unten abzuschließen, es
andererseits aber zuließen, daß vor allem die Unterschichten von dem
wachsenden Nahrungsspielraum profitierten. Für deren Unterhalt war
weit weniger erforderlich als für ihre eigene standesgemäße
Lebensführung. Die Folge war, daß die Unterschichten wuchsen und das
Reservoir an verfügbarer Arbeitskraft sich stark vergrößerte. Die
Löhne gingen daraufhin tendenzielle zurück, und der Lebensstandard
der besseren Schichten der Gesellschaft nahm zu."
Die postmoderne
Dienstleistungsgesellschaft und die Einführung eines
Niedriglohnsektors könnte durchaus - zumal in Verbindung mit
bevölkerungspolitischen Anreizsystemen - zur Wiederkehr solcher
Verhältnisse führen...
-
WINGEN, Max (2004): Bevölkerungsbewusste Familienpolitik,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.
- Kommentar:
Der konservativ-katholische Familienpolitiker
Max WINGEN plädiert - implizit - für die gesellschaftliche
Nicht-Anerkennung gewollter Kinderlosigkeit:
"Da Kinder für den einzelnen in seinen
verschiedenen Lebensphasen Unterschiedliches bedeuten, braucht es
naturgemäß lange, bis die Erfahrungen von verbreiteter
Kinderlosigkeit in das öffentliche Bewußtsein gelangen. Bis dahin
können sich Veränderungen in der Bevölkerungsentwicklung in einer
eher gemeinwohlschädigenden Weise ausprägen und spätere Probleme für
den einzelnen und die Gesellschaft zum Teil unveränderbar grundlegen.
Das ist zu bedenken, wo gewollte Kinderlosigkeit selbstverständlich
gesellschaftliche Akzeptanz verlangt."
Familienpolitik ist bei WINGEN
eigentlich ein Euphemismus, denn im Grunde möchte er ganz
unverhohlen Bevölkerungspolitik betreiben...
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HARMS, Ingeborg (2004): Die Zwanziger flirten sehr subtil.
Julia Drost verfolgt die literarische Konjunktur des Garçonne-Typs,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.
- Inhalt:
HARMS stellt ein Studie über die emanzipierte
(vermännlichte) Frau im Paris der 20er Jahre vor:
"Eine starke Reaktion löste die
literarische Welle in konservativen, um die »repopulation« besorgten
Kreisen aus, die schon 1920 ein Verbot der Abtreibung und der
Werbung für empfängnisverhütende Mittel durchgesetzt hatten. (...).
Als weiblichen Egoismus sah die katholische Liga der »Väter
kinderreicher Familien« das modische Junggesellentum der Frauen an
und versuchte vergeblich, die Verbreitung der »Garçonne« zu
unterbinden."
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KLOTH, Hans Michael (2004): Parteigänger in Pampers.
Der Bundestag debattiert heute erstmals über ein Wahlrecht für
Kinder von Geburt an. Was nach einer Marotte klingt, wird von
Politikern aller Lager und führenden Verfassungsrechtlern befürwortet,
in: Spiegel Online v. 01.04.
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FRANK, Arno & Mia RABEN (2004): Golf gibt jetzt Gas.
Mit dem Kunstmagazin "Monopol" sucht Florian Illies
"Schnittstellen von Kunst und Leben" - und sich selbst ein
Logenplätzchen im Establishment
in: TAZ v. 01.04.
- Inhalt:
Warum heißt Monopol eigentlich Monopol? Die
TAZ klärt auf:
"Nun, da nun wirklich gar niemand mehr zur Generation Golf gehören
will, ist es höchste Zeit, dass ihr Erfinder Florian Illies sich
ein neues Publikum, eine neue Rolle in der Öffentlichkeit sucht.
Mit ihrem heute erstmals erscheinenden Monopol
richten sich die miteinander verheirateten FAZ-Königskinder
Illies und Amélie von Heydebreck an ihre 30- bis 55-jährigen
Altergenossen im Geiste.
Eigentlich logisch also, dass Illies sich dem Grafen Kessler
verwandt fühlt. »Graf Cool« (Illies über Kessler) feuilletonierte
nämlich vor einem Jahrhundert in der Frankfurter
Zeitung, einer Vorläuferin der - huch! -
Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Zumindest so lange, bis er
die Gründung der - aha! - Kunstzeitschrift Pan im
- na so was! - Hotel Monopol feierte."
-
HAIBACH, Philipp (2004): Wofür Joop sein letztes Geld ausgab.
In Berlin herrscht Gründerstimmung für Zeitschriften: Morgen
startet "Monopol",
in: Welt v. 01.04.
- PREUSS, Sebastian (2004): Kreuzberger Punk
und Mitte-Pop.
Lang ersehnt: Mit Monopol und u-Spot sind jetzt gleich zwei
Berliner Kunstmagazine auf dem Markt,
in: Berliner Zeitung v. 01.04.
- TILMANN, Christina (2004): Bloß keine
Berührungsängste.
"Monopol" - das Berliner Magazin für Kunst und Leben von Florian
Illies und Amélie von Heydebreck,
in: Tagesspiegel v. 31.03.
- Kommentar:
Single-dasein.de hat angesichts des
WAMS- Interview an ILLIES'
Zielgruppenbeschreibung gezweifelt.
Im Tagesspiegel wird es dann
doch klar, dass es um ein Akademiker-Milieu geht, speziell um das
typische FDP-Besitzbürgertum:
"»Es ist im Idealfall jene Mischung,
die sich bei einer Vernissage findet.« Und von Heydebreck
sekundiert: Gespräche im Freundeskreis hätten gezeigt, dass es
viele Anwälte, Unternehmensberater oder eben Zahnärzte gebe, die
den Kulturteil der Tageszeitungen gar nicht erst lesen, weil sie
Angst hätten, sie wüssten zu wenig. »Genau die möchten wir mit
unserem Magazin erreichen.« Weshalb es auch, in einer Auflage von
10000 Exemplaren, in der Business-Class der Lufthansa ausliegt."
Monopol ist quasi
Ratgeber-Literatur im Magazin-Gewande für jenes Publikum, das sich
seines Geschmackes unsicher ist, und deshalb nach
Orientierungswissen giert.
Orientierungswissen für solche
"besseren Kreise" wird auch als Distinktionswissen bezeichnet.
Monopol schafft sich damit -
wenn es gelingt - sein eigenes Milieu. Wir können hier also
möglicherweise Zeuge der Schaffung eines neuen Erlebnismilieus
werden.
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NEON-Titelgeschichte:
Warum kriegen wir so wenige Kinder?
Gebärstreik, Egoismus, degenerierte Spaßgesellschaft - so lauten
die schrillen Vorwürfe an die jungen Erwachsenen. 2,1 Kinder pro Frau
wären nötig, um die Bevölkerungszahl in diesem Land stabil zu halten -
was sind die Gründe dafür, dass Deutschlands Frauen im Schnitt nur
noch 1,35 Kinder zur Welt bringen? Acht NEON-Autoren antworten auf die
Vorwürfe an unsere Generation |
- Kommentar:
Die NEON-Elite probt einen letzten Aufstand
gegen die sich etablierende nationalkonservative Demografiepolitik
in Deutschland.
Gerade
ist von Frank SCHIRRMACHER das Buch
"Das Methusalem-Komplott" erschienen. Darin wird die
Demografiepolitik aus der familienpolitischen Einengung befreit,
ein Schritt, der für die Durchsetzung der Demografiepolitik
zukünftig entscheidend sein wird. Kinderlosigkeit wird dadurch zum
geopolitischen Skandal. Einen ersten Eindruck vermittelt ein Artikel
von Paul S. HEWITT in der FAZ v. 23.03.2004.
Die
NEON-Elite ist angesichts dieser anschwellenden Debatte hoffnungslos
antiquiert.
Kinderlosigkeit
wird nun wieder unter militärstrategischen Gesichtspunkten
diskutiert. Wenn aber die Verteidigungsfähigkeit des Vaterlandes von
der Gebärfreudigkeit der Frauen abhängt, dann erhöht dies den Druck
auf die Kinderlosen weit mehr, als wenn "nur" die sozialen
Sicherungssysteme bedroht sind.
- KNIEBE, Tobias (2004): 1. Vorwurf.
"Die junge Generation ist bindungsunfähig!",
in: Neon, April
- Kommentar:
KNIEBE schreibt aus der Perspektive des
individualisierten Milieus, das die
"Liebe als Religion" (U. BECK)
zelebriert.
Der
französische Soziologe Jean-Claude KAUFMANN hat sich diesem neuen
Liebesmodell in dem brandaktuellen Buch "Der
Morgen danach" gewidmet.
Darin geht es um den "Erfahrungshunger" bei der Partnerwahl. Im
Thema des Monat April werden die Konsequenzen dieses neuen
Liebesmodells erörtert werden.
KNIEBE
beschreibt die "neue Kinderlosigkeit" als Folge des neuen
Partnerschaftsideals.
- DECKERT, Marc (2004): 2.Vorwurf.
"Die jungen Erwachsenen brechen den Generationenvertrag!",
in: Neon, April
- Inhalt:
DECKERT will nicht einsehen, dass die Jungen den
Generationenvertrag gebrochen haben. "Die jungen Kinderlosen pinkeln
sich selbst ans Bein. Das aber kann uns eigentlich niemand
vorwerfen, oder?"
"Poppen
für die Rente" findet er keinen vernünftigen Grund fürs
Kinderkriegen. In Kindern nur die Einzahler zu sehen, das ist
blanker Zynismus.
Und
Kinder in eine überalternde Gesellschaft zu setzen, das will erst
recht überlegt werden. DECKERT befürchtet, dass
Zukunftsinvestitionen zugunsten des Hier und Jetzt vernachlässigt
werden.
- Kommentar:
Ach ja. DECKERT hat noch eine milde Kolumne über
die jungen Milden geschrieben, die ist so milde, dass es kaum
jemanden aufregen wird.
NEON
ist ein braver Teil der Konsensgesellschaft, denn wirklich brisante
Themen werden erst gar nicht aufgegriffen.
Die
Verteidigung der Kinderlosen ist so lau, dass sie niemanden wirklich
provozieren wird...
- SCHNITZLER, Meike (2004): 3. Vorwurf.
"Die junge Generation will nicht erwachsen werden!",
in: Neon, April
- Inhalt:
SCHNITZLER stellt einen Zusammenhang zwischen der
neuen Langlebigkeit und der Fruchtbarkeit her.
In
einer
Gesellschaft der Langlebigen
werden Spätgebärende die Norm sein. Die Kehrseite ist die zunehmende
ungewollte Kinderlosigkeit und die vermehrte Inanspruchnahme der
Reproduktionsmedizin.
- KIENLE, Dela (2004): 4. Vorwurf.
"Junge Frauen sind nur noch auf Karriere aus!",
in: Neon, April
- Inhalt:
KIENLE weist darauf hin, dass nicht das Karriere-Paar
die Norm ist, sondern das Doppelverdiener-Paar.
Die
niedrige Geburtenrate von Akademikerinnen führt KIENLE auf die
mangelhafte Versorgung mit staatlicher Kinderbetreuung zurück.
- SCHNURR, Eva-Maria (2004): 5. Vorwurf.
"Junge Männer drücken sich vor der Verantwortung!",
in: Neon, April
- Kommentar:
Eigentlich sollte diesen Artikel ein
"neuer Vater" schreiben, aber offenbar hat sich keiner bereit
gefunden.
Also
vertritt SCHNURR hier ihre implizite Gebärstreikthese.
- MOCEK, Ingo (2004): 6. Vorwurf.
"Die junge Generation hat eine völlig maßlose Auffassung von
Freizeit!",
in: Neon, April
- Kommentar:
Der übliche Spaßgesellschafts-Vorwurf mit seinen
porschefahrenden kinderlosen Egoisten ist eigentlich allseits
bekannt. MOCEK führt ihn nochmals weitschweifend aus, um ihn
anschließend kurz zurück zu weisen.
- STOLLE, Oliver (2004): 7. Vorwurf.
"Die deutsche Kulturnation stirbt aus - und der jungen Generation
ist das egal!",
in: Neon, April
- Inhalt:
STOLLE plädiert im Gegensatz zum Geburtenwettlauf à
la Herwig BIRG für mehr Zuwanderung.
- KLOTZEK, Tim (2004): 8. Vorwurf.
"Die junge Generation traut sich nicht, das materielle Risiko
einzugehen, das Kinder nun mal mit sich bringen!",
in: Neon, April
- Inhalt:
KLOTZEK rechnet uns noch einmal vor, was Kinder
kosten, um dann das Kostenargument zur Seite zu schieben.
Eher
mangelt es ihm an Sicherheit angesichts des Schwindens von
Normalarbeitsplätzen.
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WEIMER, Wolfram (2004): Gibt es ein Jenseits der Ironie?
in:
Cicero, April
- Kommentar:
Bereits die Ankündigung der neuen Zeitschrift hat die
Mitte-Medien in Aufruhr versetzt. Kein Blatt, das nicht ausführlich
berichtet hat. Niemand hat ernsthaft etwas wirklich Neues erwartet
und die erste Ausgabe hat dies bestätigt.
Die
einzige Neuerung: wer bisher neoliberale Predigten nur auf billigem
Zeitungspapier oder allenfalls in SPIEGEL-Qualität lesen konnte, der
kann sich nun die Predigten auf Hochglanzpapier kaufen. Der Preis
schliesst den Pöbel aus, man ist also unter sich.
Das
große Latinum ist jedoch noch nicht erforderlich, um die Artikel
lesen zu können.
"Der
Pessimist ist jemand, der vorzeitig die Wahrheit erzählt. Fragt man
Pessimisten, und davon gibt es derzeit viele, nach ihren vorzeitigen
Wahrheiten über Deutschland, dann werden sie ironisch. Das ist kein
gutes Zeichen. Denn die Ironie ist immer die letzte Phase der
Enttäuschung.
Deutschland tritt inzwischen den kollektiven Übergang vom
Pessimistischen zum Ironischen an", schreibt WEIMER, dem
Selbstzweifel absolut fremd sind. Aber das ist das Kennzeichen
unserer neuen neoliberalen Werteelite.
Eine
originelle Charakterisierung dieses - allen Zweifels erhabenen -
Eliten-Typus hat bisher leider noch kein ernstzunehmender Kritiker
dieser Strömung hervor gebracht.
Der
neue Linkspopulismus leidet vielmehr darunter, dass er mit völlig
uncoolen rhetorischen Figuren und abgestandenen
Argumentationsmustern gegen die scheinbaren Evidenzen neoliberaler
Glaubenssätze ankämpfen muss.
Der
Neoliberalismus ist zur Religion der Mitte-Eliten geworden. Die
Medien haben die Kanzeln ersetzt. Wir Nicht-Eliten dürfen andächtig
lauschen, sollen unsere Sünden bekennen und anschließend
Buße tun.
Ein
politischer Konflikt muss unter diesen Bedingungen die Form eines
Glaubenskrieges annehmen. Der Linkspopulismus benötigt also eher
einen neuen Religionsstifter wie Martin LUTHER und keinen
Alt-Sozialisten à la LaFONTAINE.
Auf
WEIMER und die grassierende neoliberale Pest gibt es nur ein
einziges Gegengift: das Jenseits der neuen Ernsthaftigkeit! Nicht
Ironie ist der Ausweg, sondern
ein neuer Infantilismus!
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FLAMMER, August (2004): Brauchen wir wieder Übergangsrituale?
in: Psychologie Heute Nr.4, April
- Kommentar:
"Eine verheiratete Frau spricht man nicht gleich an
wie eine unverheiratete" schreibt FLAMMER über die
orientierungsstiftende Funktion von Ritualen.
Seit
ASSERATEs "Manieren" träumt so mancher Reaktionär wieder von
einer Gesellschaft, in der die Hierarchien den Menschen unzweideutig
anzusehen sind.
FLAMMER
geht nicht ganz so weit, sondern plädiert für die Aufgliederung
großer Übergänge "in mehrer kleinere, aufeinander folgende, aber
doch markante Übergänge".
Eine
solche Altersklassengesellschaft würde sozusagen den einen großen
Übergang vom Jugendalter ins Erwachsenenalter auf mehrere
Übergangsriten verteilen: Auszug aus dem Elternhaus, Führerschein,
Berufsabschluss etc.
Solche
Überlegungen stehen jedoch der Tatsache gegenüber, dass
lebenslanges Lernen und Lebensspiralen einer solchen
kontinuierlich aufsteigenden Entwicklung entgegenstehen.
Aber
es arbeiten möglicherweise bereits einige Denker an rigiden
Gesellschaftsmodellen...
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Zu den News
vom 24. - 31. März 2004
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