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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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25.-31.Dezember 2002
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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 01. - 05. April 2004

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Sie haben das Privileg, zu einer Generation zu gehören, die nicht aufs Abstellgleis geschoben werden kann. Der Grund dafür ist einfach: Die Alterspyramide erfährt eine dramatische Umkehrung, die Tanne verwandelt sich in einen Atompilz.
      
   Altwerden als Massenphänomen wird vor allem die Industriegesellschaften grundlegend verändern.
(...).

      
   Während diese Entwicklung gemeinhin als Schreckensszenario dargestellt wird, das der Jugend ihr Recht auf Zukunft nimmt und generell unfinanzierbar ist, birgt es für die Alten von morgen - und das sind wir- ungeahnte Chancen.
(...). Die umworbene Masse ist automatisch die privilegierte Klasse. Nur was uns interessiert, lässt sich verkaufen oder politisch durchsetzen. (...).

      
   Die Investmentbank UBS Warburg vertritt die These, dass die Gesellschaft zwar altert, aber alle davon profitieren. Da sich in der Gruppe der heute 30- bis 49-Jährigen ein überdurchschnittlich großer Anteil von Singles oder »Dinks« (Double income, no kids) tummelt, ständen der Wirtschaft goldene Zeiten bevor - ganz unabhängig von der US-Wirtschaft oder strukturellen Reformen in Europa. Dinks und Singles geben ihr Geld aus, statt es für die Nachkommen fest anzulegen.
      
   Die Rentendiskussion ist wie ein letztes Aufbäumen der Angstmacher."
(aus: Martin Schacht "Die ewige Zielgruppe", 2004, S.12ff.)

 
       
       
   

LEHMKUHL, Frank (2004): Im Netz hat's gefunkt.
Die Webseite eines Kölners hilft verwitweten Menschen über die Trauer hinweg. Manche finden dort einen neuen Partner,
in: Focus Nr.15 v. 05.04.

 
       
     
       
   
  • NUTT, Harry (2004): Pophistoire,
    in: Frankfurter Rundschau v. 05.04.

Vom Jugendwahn zum coolen Alten geht der Trend nicht nur bei Harry NUTT, aber schon droht das Pophistoire:

"Das Popgedächtnis ist zum Rückzugsort Arrivierter geworden, die ihr Wohlgefühl aus den Tagen der Revolte auch in Zeiten drohenden sozialen Wandels nicht aufgeben möchten."

Als sex & drugs im eigenheim - ein zerfall hat das dagegen Patrick WAGNER auf Hell in Hell treffend bezeichnet.

 
       
   
  • PROFIL (2004): Das erste Mal.
    Romantische Erfüllung, Desaster oder so lala: Der erste Sex ist ein Meilenstein an der Schwelle zum Erwachsenwerden. Jugendliche berichten über ihre sexuelle Initiation, Prominente erinnern sich, wie es damals war,
    in: Profil Nr.15 v. 05.04.

  • PROFIL (2004): "Wilde Fantasien sind wichtig".
    Der Kinder- und Jugendpsychiater und Neurologe Max Friedrich über die Bedeutung des ersten Mals und Verhaltensfehler der Eltern,
    in: Profil Nr.15 v. 05.04.

  • PROFIL (2004): "Das Interessante ist nicht der Akt".
    Die Berliner Autorin Alexa Hennig von Lange, 31, über das erste Mal in kleinen Iglu-Zelten an südfranzösischen Stränden oder Badewannen, auf deren Ränder Kerzen geklebt  werden,
    in: Profil Nr.15 v. 05.04.

 
       
     
       
     
       
     
       
     
       
   
  • Das Single-Dasein in der Schweiz

    • GIRSBERGER, Esther (2004): "Wenn die Gesellschaft das wie Blocher sieht, dann stirbt die Schweiz in 100 Jahren aus".
      Buchautor über Kinderbetreuung als Privatsache, Notstände bei Vätern und eine gewisse Ratlosigkeit,
      in: SonntagsZeitung v. 04.04.

 
       
   
  • BINDER, Elisabeth (2004): Den Liebesführerschein machen,
    in: Tagesspiegel v. 04.04.

 
       
     
       
   
  • UNFRIED, Peter (2004): Ich bin nicht wegdenkbar.
    Jetzt sind die 40-Jährigen ins Visier der Generationsdeuter geraten: Diekmann, Klinsmann, Kerner und solche. 17 unzusammenhängende, persönliche Anmerkungen eines 40-Jährigen,
    in: TAZ v. 03.04.

Peter UNFRIED reagiert auf den Spiegel-Bericht von Thomas TUMA:

"Was die These betrifft, dass wir uns vom Neoliberalen weg- und wieder gen soziale Gerechtigkeit bewegen. Genau darüber reden wir jetzt auch unter uns linken Kita-Eltern. Und darüber, ob man die Kinder der sozial Schwächeren tatsächlich immer weiter mitfinanzieren muss - wenn deren doofe Eltern ihr ganzes Geld für Zigaretten ausgeben. Darauf muss ich eine individuelle Antwort finden."

Ob das eine individuelle Antwort sein wird, ist fraglich. Das ist wohl eher nur das Echo der neoliberalen Generation Reform...

 
       
     
       
   
Herwig BIRG darf - dank Generation Methusalem-SCHIRRMACHER -  im Vorfeld der Veröffentlichung der neuesten Geburtenzahlen durch das Statistische Bundesamt, schon einmal die erwünschten Denkbahnen prägen, auf denen sich die öffentliche Debatte bewegen soll:

"Wir sind mitten in einem neuen Geburtenrückgang, der ab 2030 wiederum zu einem Eltern- beziehungsweise Geburtenrückgang führt."

Diesen zentralen Satz finden wir nach einer langen Einleitung, in der das Altern der Gesellschaft auf das Problem der Unterjüngung reduziert wird.

Zwischen 1965 und 1978 gingen die Geburtenzahlen in Westdeutschland von ca. 1,05 Mill. um 500.000 auf ca. 550.000 Geburten zurück. Die Frauen des Jahrgangs 1964 sind mittlerweile im 40. Lebensjahr, d.h. dieser geburtenstärkste Jahrgang wird kaum mehr zur Geburtenrate der kommenden Jahre beitragen. Ein drastischer Rückgang der Geborenenzahlen ist also in den nächsten Jahren zu erwarten - selbst wenn die Geburtenrate in den letzten Jahren angestiegen ist,  wie single-generation.de - im Gegensatz zu BIRG annimmt. Die absolute Zahl der Geburten wird also zurück gehen und nur darauf spielt BIRG an. Nichts ist damit darüber ausgesagt, ob die jungen Frauen tatsächlich gebärfauler sind, als ihre Vorgängerinnen. Dieser Punkt ist es jedoch, der von BIRG verschwiegen wird, und der von single-generation.de hervorgehoben wird.

Es geht hier um die zentrale Frage, ob junge Singles die GANZEN LASTEN der zukünftigen demografischen Entwicklung tragen müssen. Es ist zumindest offensichtlich, dass die 68er-Generation genau das politisch durchsetzen möchte. Der Baby-Boom der 1960er Jahre ist im Grunde eine Altlast der Generation Adolf HITLER. Ohne die infolge des zweiten Weltkrieges ausgefallenen Geburten und den dann in den Zeiten des Wirtschaftswunders nachgeholten Geburten hätte es kaum zu einem solch außergewöhnlichen Baby-Boom kommen können. Dieser Aspekt wird jedoch in allen Debatten konsequent ausgeblendet, stattdessen wird der schwarze Peter jenen Generationen zugeschoben, die in diese a-normale Altersstruktur hineingeboren wurden. Mit moralischen Totschlagargumenten soll jeder Widerstand gegen die geplanten Reformen zu Lasten der jungen Generation bereits im Keim erstickt werden.

Wenn jetzt gut situierte Rentner auf die Straße gehen, um ihren Besitzstand zu verteidigen, dann werden sich die jungen Singles dazu genötigt sehen, aus dem Rentensystem auszusteigen! Niemand kann sie dazu zwingen, Beitragszahler in einem System zu werden, das radikal von jung zu alt umverteilt. Die Flucht in die Selbstständigkeit oder in die Reduzierung der Arbeitszeit wird dem Rentensystem die notwendigen Beiträge entziehen. Nicht Voice, sondern EXIT ist die Konsequenz. Das Rentensystem würde dadurch vorzeitig kollabieren. Dies würde dann bereits die 68er-Generation treffen und nicht erst - wie geplant - die Post-68er.BIRG beschreibt in seinem Artikel fünf angeblich demografisch verursachte Konfliktlinien:

1) der Interessengegensatz zwischen Jung und Alt
2) der Interessengegensatz zwischen alten und neuen Bundesländern
3) der Konflikt zwischen der "autochthonen" (alteingesessenen, eigentlich müsste es hier deutsche Bevölkerung heißen, denn alle Bevölkerungspolitik ist im Kern nationalistisch!) und der zuwandernden Bevölkerung
4) den Krieg der Familien(-haushalte) gegen die Single(-haushalte), den BIRG und Kumpanen gerade mit aller Macht anzetteln zu versuchen
5) der Konflikt zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Wo Konflikt ist, da ist der Streß nicht weit und BIRG spricht in diesem Zusammenhang vom "Generationenstreß". Was BIRG jedoch verschweigt: die genannten Konfliktlinien beruhen auf einer speziellen Problemdefinition und auf einem ganz speziellen Lösungsversuch. Grundlage ist der katholische Sozialstaat. In dieser Sicht wird von einem Drei-Generationen-Vertrag ausgegangen. In seiner zu Ende gedachten Konsequenz wird oftmals die Beitragsdifferenzierung nach Kinderzahl propagiert. Die Politikwissenschaftler NULLMEIER & RÜB haben diesen Denkansatz folgendermaßen charakterisiert:

"Die Beitragssatzdifferenzierung nach Kinderzahl verschiebt die gesellschaftliche Verantwortung für Bevölkerungszahl und Altersstruktur auf die Familie; Arbeitnehmer und Staat bleiben von der Finanzierung des generativen Beitrags verschont. Der Familienlastenausgleich, immer dem Staat als ureigenste Aufgabe zugeschrieben (...), würde zu einer internen Angelegenheit der Arbeitnehmerschaft werden." (1993, S.382)

In dieser Sicht wird ein ursprünglicher Klassenkonflikt elegant zum Konflikt innerhalb der Arbeitnehmerklasse (Sozialismus in einer Klasse à la LaFONTAINE) umgebogen. Familien- und Bevölkerungspolitik wird dadurch von den lebenslang Kinderlosen (zu wenig) UND den Kinderarmen (Ein- und Zwei-Kind-Familie) finanziert.

"Der Staat kann so als Finanzier des Familienlastenausgleichs zurücktreten, diese öffentliche Aufgabe in die Gesellschaft rückverlagern und auf eine Teilgruppe der Bevölkerung abwälzen" (1993, S.387).

Aus den Ausführungen wird deutlich, warum Unternehmer, Arbeitgeber, Selbständige und Staat an einem Strang ziehen, während sich abhängig beschäftigte Eltern und Kinderlose erbitterte Kämpfe liefern.

 
       
     
       
   
  • BUCHHEIM, Christoph (2004): Bevölkerung, Wirtschaft, Wohlstand.
    Zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist die Geburtenrate in Deutschland so gering wie nie. Freilich werden nicht erst seit der Verbreitung der Antibabypille immer weniger Kinder geboren. Wo die direkten Kosten stiegen und wirtschaftlicher Nutzen der Kinder abnahm, sank ihre durchschnittliche Zahl je Ehepaar schon im 19. Jahrhundert. Die innereheliche Geburtenkontrolle verdrängte den großen Regulator der Vergangenheit: den Hunger,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.04.

Das Märchen der Befürworter einer rigorosen Bevölkerungspolitik lautet: Eine Zunahme der Bevölkerung geht mit vermehrtem Wohlstand für alle einher. Christoph BUCHHEIM, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität Mannheim, zeigt anhand der Betrachtung der vorindustriellen Situation in Deutschland, dass Bevölkerungswachstum nicht im Interesse aller war:

"Das Wachstum der Bevölkerung trug (...) zum Wachstum des Sozialprodukts bei. In bestimmten Perioden fiel jedoch zur selben Zeit das Sozialprodukt pro Kopf.
Das traf vor allem die Unterschichten, etwa (...) die Dienstboten in den Städten, von denen ein gutbürgerlicher Haushalt durchaus fünf beschäftigen konnte. (...).
In Zeiten hohen Bevölkerungswachstums vergrößerten sich diese Schichten."

Die zynische Logik dieses Mechanismus skizziert BUCHHEIM anschaulich:

"Die ehrbaren Stände konnten nur gut leben, wenn sie es einerseits verstanden, sich nach unten abzuschließen, es andererseits aber zuließen, daß vor allem die Unterschichten von dem wachsenden Nahrungsspielraum profitierten. Für deren Unterhalt war weit weniger erforderlich als für ihre eigene standesgemäße Lebensführung. Die Folge war, daß die Unterschichten wuchsen und das Reservoir an verfügbarer Arbeitskraft sich stark vergrößerte. Die Löhne gingen daraufhin tendenzielle zurück, und der Lebensstandard der besseren Schichten der Gesellschaft nahm zu."

Die postmoderne Dienstleistungsgesellschaft und die Einführung eines Niedriglohnsektors könnte durchaus - zumal in Verbindung mit bevölkerungspolitischen Anreizsystemen - zur Wiederkehr solcher Verhältnisse führen...

 
       
     
       
   
Nachdem Susanne GASCHKE mit ihrem Buch Erziehungskatastrophe viel Prügel von der Neuen Mitte bezogen hat, reiht sie sich nun brav in die neue Werteelite ein und definiert wie Paul NOLTE die Kinder aus sozial schwachen Familien als Objekt der neuen SPD-Sozialpolitik:

"Die Schule hat kein privates Gegenüber mehr. Hauptschullehrer nennen zwei Problemgruppen: Kinder aus hoffnungslosen deutschen Sozialhilfemilieus, besonders aus zerrütteten Familien. Und Migranten- oder Aussiedlerkinder, die kaum Deutsch sprechen."  

 
       
   
  • KLOTH, Hans Michael (2004): Parteigänger in Pampers.
    Der Bundestag debattiert heute erstmals über ein Wahlrecht für Kinder von Geburt an. Was nach einer Marotte klingt, wird von Politikern aller Lager und führenden Verfassungsrechtlern befürwortet,
    in: Spiegel Online v. 01.04.

 
       
   
  • Das neue Magazin Monopol in der Debatte

    • FRANK, Arno & Mia RABEN (2004): Golf gibt jetzt Gas.
      Mit dem Kunstmagazin "Monopol" sucht Florian Illies "Schnittstellen von Kunst und Leben" - und sich selbst ein Logenplätzchen im Establishment
      in: TAZ v. 01.04.

    • HAIBACH, Philipp (2004): Wofür Joop sein letztes Geld ausgab.
      In Berlin herrscht Gründerstimmung für Zeitschriften: Morgen startet "Monopol",
      in: Welt v. 01.04.

    • PREUSS, Sebastian (2004): Kreuzberger Punk und Mitte-Pop.
      Lang ersehnt: Mit Monopol und u-Spot sind jetzt gleich zwei Berliner Kunstmagazine auf dem Markt,
      in: Berliner Zeitung v. 01.04.

    • TILMANN, Christina (2004): Bloß keine Berührungsängste.
      "Monopol" - das Berliner Magazin für Kunst und Leben von Florian Illies und Amélie von Heydebreck,
      in: Tagesspiegel v. 31.03.

 
       
   
NEON-Titelgeschichte: Warum kriegen wir so wenige Kinder?
Gebärstreik, Egoismus, degenerierte Spaßgesellschaft - so lauten die schrillen Vorwürfe an die jungen Erwachsenen. 2,1 Kinder pro Frau wären nötig, um die Bevölkerungszahl in diesem Land stabil zu halten - was sind die Gründe dafür, dass Deutschlands Frauen im Schnitt nur noch 1,35 Kinder zur Welt bringen? Acht NEON-Autoren antworten auf die Vorwürfe an unsere Generation
Die Neon-Elite probt einen letzten Aufstand gegen die sich etablierende nationalkonservative Demografiepolitik in Deutschland. Gerade ist von Frank SCHIRRMACHER das Buch Das Methusalem-Komplott erschienen. Darin wird die Demografiepolitik aus der familienpolitischen Einengung befreit, ein Schritt, der für die Durchsetzung der Demografiepolitik zukünftig entscheidend sein wird. Kinderlosigkeit wird dadurch zum geopolitischen Skandal. Einen ersten Eindruck vermittelt ein Artikel von Paul S. HEWITT in der FAZ v. 23.03.2004. Die Neon-Elite ist angesichts dieser anschwellenden Debatte hoffnungslos antiquiert.

Kinderlosigkeit wird nun wieder unter militärstrategischen Gesichtspunkten diskutiert. Wenn aber die Verteidigungsfähigkeit des Vaterlandes von der Gebärfreudigkeit der Frauen abhängt, dann erhöht dies den Druck auf die Kinderlosen weit mehr, als wenn "nur" die sozialen Sicherungssysteme bedroht sind.  

KNIEBE, Tobias (2004): 1. Vorwurf.
"Die junge Generation ist bindungsunfähig!",
in: Neon, April

Tobias KNIEBE schreibt aus der Perspektive des individualisierten Milieus, das die "Liebe als Religion" (U. BECK) zelebriert.

Der französische Soziologe Jean-Claude KAUFMANN hat sich diesem neuen Liebesmodell in dem brandaktuellen Buch Der Morgen danach gewidmet. Darin geht es um den "Erfahrungshunger" bei der Partnerwahl. Im Thema des Monat April werden die Konsequenzen dieses neuen Liebesmodells erörtert werden KNIEBE beschreibt die "neue Kinderlosigkeit" als Folge des neuen Partnerschaftsideals.

Marc DECKERT will nicht einsehen, dass die Jungen den Generationenvertrag gebrochen haben.

"Die jungen Kinderlosen pinkeln sich selbst ans Bein. Das aber kann uns eigentlich niemand vorwerfen, oder?"

Poppen für die Rente findet er keinen vernünftigen Grund fürs Kinderkriegen. In Kindern nur die Einzahler zu sehen, das ist blanker Zynismus. Und Kinder in eine überalternde Gesellschaft zu setzen, das will erst recht überlegt werden. DECKERT befürchtet, dass Zukunftsinvestitionen zugunsten des Hier und Jetzt vernachlässigt werden.

Ach ja. DECKERT hat noch eine milde Kolumne über die jungen Milden geschrieben, die ist so milde, dass es kaum jemanden aufregen wird. Neon ist ein braver Teil der Konsensgesellschaft, denn wirklich brisante Themen werden erst gar nicht aufgegriffen. Die Verteidigung der Kinderlosen ist so lau, dass sie niemanden wirklich provozieren wird...    
  • SCHNITZLER, Meike (2004): 3. Vorwurf.
    "Die junge Generation will nicht erwachsen werden!",
    in: Neon, April

Meike SCHNITZLER stellt einen Zusammenhang zwischen der neuen Langlebigkeit und der Fruchtbarkeit her. In einer Gesellschaft der Langlebigen werden Spätgebärende die Norm sein. Die Kehrseite ist die zunehmende ungewollte Kinderlosigkeit und die vermehrte Inanspruchnahme der Reproduktionsmedizin.
  • KIENLE, Dela (2004): 4. Vorwurf.
    "Junge Frauen sind nur noch auf Karriere aus!",
    in: Neon, April

Dela KIENLE weist darauf hin, dass nicht das Karriere-Paar die Norm ist, sondern das Doppelverdiener-Paar. Die niedrige Geburtenrate von Akademikerinnen führt KIENLE auf die mangelhafte Versorgung mit staatlicher Kinderbetreuung zurück.
  • SCHNURR, Eva-Maria (2004): 5. Vorwurf.
    "Junge Männer drücken sich vor der Verantwortung!",
    in: Neon, April

Eigentlich sollte diesen Artikel ein "neuer Vater" schreiben, aber offenbar hat sich keiner bereit gefunden. Also vertritt Eva-Maria SCHNURR hier ihre implizite Gebärstreikthese.
  • MOCEK, Ingo (2004): 6. Vorwurf.
    "Die junge Generation hat eine völlig maßlose Auffassung von Freizeit!",
    in: Neon, April

Der übliche Spaßgesellschafts-Vorwurf mit seinen porschefahrenden kinderlosen Egoisten ist eigentlich allseits bekannt. Ingo MOCEK führt ihn nochmals weitschweifend aus, um ihn anschließend kurz zurück zu weisen.
  • STOLLE, Oliver (2004): 7. Vorwurf.
    "Die deutsche Kulturnation stirbt aus - und der jungen Generation ist das egal!",
    in: Neon, April

Oliver STOLLE plädiert im Gegensatz zum Geburtenwettlauf à la Herwig BIRG für mehr Zuwanderung.
  • KLOTZEK, Tim (2004): 8. Vorwurf.
    "Die junge Generation traut sich nicht, das materielle Risiko einzugehen, das Kinder nun mal mit sich bringen!",
    in: Neon, April

Tim KLOTZEK rechnet uns noch einmal vor, was Kinder kosten, um dann das Kostenargument zur Seite zu schieben. Eher mangelt es ihm an Sicherheit angesichts des Schwindens von Normalarbeitsplätzen.
 
       
   
  • KLEIN, Richard (2004): Der Ort der Popmusik im Leben,
    in: Merkur Nr.660, April

 
       
   
Bereits die Ankündigung der neuen Zeitschrift hat die Mitte-Medien in Aufruhr versetzt. Kein Blatt, das nicht ausführlich berichtet hat. Niemand hat ernsthaft etwas wirklich Neues erwartet und die erste Ausgabe hat dies bestätigt. Die einzige Neuerung: wer bisher neoliberale Predigten nur auf billigem Zeitungspapier oder allenfalls in Spiegel-Qualität lesen konnte, der kann sich nun die Predigten auf Hochglanzpapier kaufen. Der Preis schließt den Pöbel aus, man ist also unter sich. Das große Latinum ist jedoch noch nicht erforderlich, um die Artikel lesen zu können.

"Der Pessimist ist jemand, der vorzeitig die Wahrheit erzählt. Fragt man Pessimisten, und davon gibt es derzeit viele, nach ihren vorzeitigen Wahrheiten über Deutschland, dann werden sie ironisch. Das ist kein gutes Zeichen. Denn die Ironie ist immer die letzte Phase der Enttäuschung.
Deutschland tritt inzwischen den kollektiven Übergang vom Pessimistischen zum Ironischen an",

schreibt WEIMER, dem Selbstzweifel absolut fremd sind. Aber das ist das Kennzeichen unserer neuen neoliberalen Werteelite. Eine originelle Charakterisierung dieses - allen Zweifels erhabenen -  Eliten-Typus hat bisher leider noch kein ernstzunehmender Kritiker dieser Strömung hervor gebracht. Der neue Linkspopulismus leidet vielmehr darunter, dass er mit völlig uncoolen rhetorischen Figuren und abgestandenen Argumentationsmustern gegen die scheinbaren Evidenzen neoliberaler Glaubenssätze ankämpfen muss. Der Neoliberalismus ist zur Religion der Mitte-Eliten geworden. Die Medien haben die Kanzeln ersetzt. Wir Nicht-Eliten dürfen andächtig lauschen, sollen unsere Sünden bekennen und anschließend Buße tun. Ein politischer Konflikt muss unter diesen Bedingungen die Form eines Glaubenskrieges annehmen. Der Linkspopulismus benötigt also eher einen neuen Religionsstifter wie Martin LUTHER und keinen Alt-Sozialisten à la LaFONTAINE.

Auf WEIMER und die grassierende neoliberale Pest gibt es nur ein einziges Gegengift: das Jenseits der neuen Ernsthaftigkeit! Nicht Ironie ist der Ausweg, sondern ein neuer Infantilismus! 

 
       
   
  • FLAMMER, August (2004): Brauchen wir wieder Übergangsrituale?
    in: Psychologie Heute Nr.4, April

"Eine verheiratete Frau spricht man nicht gleich an wie eine unverheiratete"

schreibt August FLAMMER über die orientierungsstiftende Funktion von Ritualen. Seit ASSERATEs Manieren träumt so mancher Reaktionär wieder von einer Gesellschaft, in der die Hierarchien den Menschen unzweideutig anzusehen sind. FLAMMER geht nicht ganz so weit, sondern plädiert für die Aufgliederung großer Übergänge "in mehrer kleinere, aufeinander folgende, aber doch markante Übergänge".

Eine solche Altersklassengesellschaft würde sozusagen den einen großen Übergang vom Jugendalter ins Erwachsenenalter auf mehrere Übergangsriten verteilen: Auszug aus dem Elternhaus, Führerschein, Berufsabschluss etc. Solche Überlegungen stehen jedoch der Tatsache gegenüber, dass lebenslanges Lernen und Lebensspiralen einer solchen kontinuierlich aufsteigenden Entwicklung entgegenstehen. Aber es arbeiten möglicherweise bereits einige Denker an rigiden Gesellschaftsmodellen.

 
       
   

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Zu den News vom 24. - 31. März  2004

 
       
   
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