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Medienrundschau:
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News vom
01. - 06. April 2005
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Zitat
des Monats:
"Im
Netz steht die körperliche Vereinigung nicht am Anfang, sondern
am Ende des Kennenlernens.
Bilden sich heutige Beziehungen zunehmend aus Bettgeschichten,
steht das Liebesspiel im Internet notgedrungen nicht an erster
Stelle. (...).
Dem Jammern über die Last
der ungezügelten Lust und dem Klagen über eine Rationalisierung
der Romantik steht eine Vielfalt von neuen Qualitäten und
Chancen gegenüber. Und gerade der virtuelle Raum bietet dem
modernen Menschen maximale Möglichkeiten, seinen persönlichen
Weg in einer unübersichtlichen Gesellschaft zu finden, auch und
ganz besonders in der Liebe. So überlebt der Liebescode auch im
Zeichen der Massenmedien. Seine Form hat sich den aktuellen
Gegebenheiten angepasst: Die Liebe ist in den Zeiten des
Internets so pragmatisch geworden, dass sie wieder romantischer
werden kann".
(aus:
Christian Schuldt "Der Code des Herzens. Liebe und Sex in den
Zeiten maximaler Möglichkeiten", 2005, S.135) |
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FRERK, Carsten (2005): Vorfahrt für Gott.
Gesetzliche Privilegierung
und staatliche Finanzierung fördern die kirchlichen
Wohlfahrtsverbände. Sie dominieren weite Bereiche der Sozialarbeit, in
ihren Konzernen gilt kirchliches Arbeitsrecht,
in: Jungle World Nr.14 v. 06.04.
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WINKELMANN, Ulrike (2005): Ein Haus, geopfert für die Pflege.
Die Kommunen sind pleite.
Deshalb verlangen sie die Heimkosten von Pflegebedürftigen zunehmend
von deren Kindern zurück. So wird die wachsende Pflegelast jetzt bei
der Generation abgeladen, die selbst gerade ins Rentenalter kommt,
in: TAZ v. 06.04.
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- HB (2005): Vergisst Familienpolitik
Akademiker?
Studie sieht drastisches Gerechtigkeitsproblem,
in: Tagesspiegel v. 05.04.
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- BARBIER, Hans D. (2005): Wer heute
vierzig ist, schaue in den Spiegel und sage "Selbst schuld!".
Ordnung des Landes (9): Wer soll welche Risiken tragen? Bernd
Raffelhüschen im Gespräch über die Renten, den Wohlfahrtsstaat und die
Bevölkerungsentwicklung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.04.
- Kommentar:
Der Vierzigjährige
Bernd RAFFELHÜSCHEN sollte in den eigenen Spiegel schauen, statt
anderen Ratschläge erteilen!
Wer Politik
macht, der sollte zuerst dafür sorgen, dass seriöse Daten zur
demografischen Lage vorhanden sind. Die deutsche Geburtenstatistik -
das zeigt sich mittlerweile immer deutlicher wie die Kritik von
Michaela KREYENFELD und
Christian SCHMITT zeigt - ist
VORSINTFLUTLICH!
Obwohl in
Deutschland die lebenslange Ehe nicht mehr die Regel ist - ist die
Bevölkerungsstatistik immer noch darauf ausgerichtet. Dies hat
FATALE FOLGEN! Das Ausmaß der Kinderlosigkeit wird deshalb
überschätzt. Die Geburtenrate lässt sich mit dem veralteten
Instrumentarium nicht angemessen erfassen.
Die Folge:
Die Geburtenrate der älteren Jahrgänge wird zu positiv beschrieben
und die jüngeren Jahrgänge kommen zu schlecht weg.
Eine
Betrachtung der Geburtenraten nach Geburtsjahrgängen - wie sie
KREYENFELD & KONIETZKA ansatzweise
versucht haben - wäre erforderlich. Dies jedoch ist politisch gar
nicht gewollt. Man möchte sich mit den älteren Rentnern nicht
anlegen, was angesichts deren Wahlmacht verständlich, aber nicht
sozial gerecht ist.
Bereits der nostalgisch verklärte Babyboom der 60er Jahre war nicht
in erster Linie ein Anstieg der Fruchtbarkeit, sondern die
Konsequenz des Zusammentreffens zweier unterschiedlicher
Familiengründungsmuster.
Die zu niedrig
ausgegebenen Geburtenraten der jüngeren Generation sind die
Konsequenz des Anstiegs des Erstgebäralters. Dies sagt jedoch nichts
aus über die endgültige Kinderzahl. Diese könnte in den jüngeren
Generationen höher sein als bei älteren Jahrgängen.
Bevor uns die
Politik also mit Schuldzuweisungen kommen kann, sollte sie ihre
Hausaufgaben machen und seriöse Daten statt politisch korrekte
Spekulationen liefern.
Wer sich dagegen
nicht wehrt, der lebt verkehrt. Wir sagen Euch hiermit den Kampf an!
Wider die Betonfraktion der Amtsstatistiker...
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RÜHLE, Alex (2005): Morgen früh, wenn Gott will.
Bernward Vesper war der Sohn
eines von Hitler geehrten Nazi-Dichters und er war der Verlobte von
Gudrun Ensslin. Außerdem war er Autor eines psychedelischen
Roman-Fragments, das jetzt wieder aufgelegt wurde,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.04.
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BAUTZ, Christoph (2005): Überholter Zündstoff.
Erkundungen für die
Präzisierung der Gefühle rund um einen Aufstand (6): Rudi Dutschkes
Ansätze liefern wenig Antworten auf die Herausforderungen, die sich
sozialen Bewegungen heute stellen. Die Rahmenbedingungen haben sich
geändert,
in: TAZ v. 05.04.
- Inhalt:
BAUTZ begründet, warum heute soziale
Bewegungen etatistisch sein müssen und warum die Grünen und die
68er-Revolte deshalb kein Vorbild mehr sein kann:
"Dutschkes
Ansätze liefern wenig Antworten auf die Herausforderungen, die sich
Bewegungen heute stellen. Dies ist wenig verwunderlich, haben sich
die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen doch fundamental geändert.
In den 68ern ging es darum, Freiheit von staatlichen Eingriffen zu
erkämpfen, die Täter des Faschismus aus den Institutionen zu jagen
und den Muff unter den Talaren zu vertreiben. Diese zutiefst
kritische und misstrauische Haltung gegenüber dem Staat zeichnete
Dutschke aus. Sie bleibt bis heute tief in allen Ebenen der Grünen
verankert und erklärt ihre Offenheit gegenüber neoliberalen
Politikansätzen des schlanken Staats.
Das libertäre Element
Dutschkes ist Bewegungen fremd geworden, die in Zeiten neoliberalen
Angriffs auf soziale Sicherungs- und Steuersysteme für einen
regulierenden und umverteilenden Sozialstaat eintreten. Denn: Ging
es 68 noch um übertriebene und fehlgeleitete Steuerungsfähigkeit des
Staats, so droht diese in Zeiten eines globalen Standortwettbewerbs
zerrieben zu werden. Globalisierung liefert die (Droh-)Kulisse, vor
der soziale Sicherung und gesellschaftliche Umverteilung abgebaut
werden. Als Folge bröckelt der soziale Kitt der Gesellschaften."
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- DATH, Dietmar (2005): Wo wir alle
herkommen.
Und wie man nicht kämpft: Dietmar Daths neuer Roman "Für immer in
Honig" - Ein Vorabdruck,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.04.
- Inhalt:
Romantisch korrekt erzählt
Dietmar DATH von der einsamen
Karrierefrau, die nach dem 11. September 2001 in einer Bar auf den
Spießer Freddy trifft:
"Die Idee einer
einigermaßen vernünftigen, tragödienfreien Lebensplanung hatte ab
dem Moment jener Bar-Begegnung (...) nicht nur bei ihm, sondern bei
allen beiden nichts mehr zu bestellen: Springen wir rein, auf
geht's."
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LEHNARTZ, Sascha (2005): Tränenloser
Abgesang.
Dem rot-grünen Projekt weinen auch ihre engsten Freunde nicht nach.
Womöglich weil sie inzwischen heimlich zu "Neocons" mutiert sind,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.04.
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MATUSSEK, Matthias (2005): Papst Johannes Paul.
Vermächtnis des Löwen,
in: Spiegel Online v. 02.04.
- Kommentar:
Katholizismus ist der
neueste Pop der Anti-Popper.
Matthias HEIN hat in der
WELT vom 26.03.2005 die
Attraktivität der Religion für die Neue Mitte damit begründet, dass
sie Distinktionsgewinne beschert:
"Die jungen Wertsuchenden
entstammen oft einem Milieu, das man in der »neuen Mitte«
lokalisiert. Arbeiter machen bei den evangelischen Eintretenden
weniger als 20 Prozent aus. Eine religionssoziologische Studie von
Gerald Kretzschmar faßt zusammen: »Vor allem bei den Vertretern der
beruflichen Mittel- und Oberschichten ist mit einer bewußten
Entscheidung für den Eintritt in die Kirche zu rechnen.«
Diese Leute nannte ein Autor der »Süddeutschen Zeitung« kürzlich
nach US-Vorbild »Neocons«. (...).
Vieles spricht dafür, daß der zarte Trend sich noch entwickeln wird:
In dem Maße, in dem der Staat sich aus vielen Lebensbereichen
zurückzieht, entstehen Leerstellen, die nur die Kirchen füllen
können - das gilt nicht nur für die Schulen und die Caritas. Und das
Hiob-Gefühl angesichts einer als katastrophal empfundenen Gegenwart
läßt ja schon lange den Aberglauben boomen. Warum soll daraus nicht
wieder Glauben werden? (...).
Trotzdem erlangen die Kirchen in
Deutschland vermutlich nie wieder die alte Massenbasis. Ihre Zukunft
ist eher die einer Elite, die gerade aus der Abgrenzung ihr
Selbstwertgefühl schöpft.
Mit Bourdieu könnte man sagen: Religion beschert Distinktionsgewinne."
Man könnte es aber auch
viel darwinistischer formulieren: Kulturarbeiter gehören
mittlerweile - an vorderster Front - zu den Überflüssigen dieser
Gesellschaft.
Wer könnte ihnen also die
Garantie eines sicheren Arbeitsplatzes bieten? Die Kirchen oder
kirchenartige Organisationen bieten sich nach Wegbruch von Staat und
Markt als Ersatz an. Distinktion wird damit zur existentiellen
Überlebensfrage.
Da dies alles andere als
glamourös ist, muss Antipop zum neuen Pop werden. Der Katholizismus
bietet derzeit den größten Distinktionsgewinn. Die neueste
Punkbewegung ist also zwangsläufig katholizistisch!
Matthias MATUSSEK arbeitet in
seiner Papst-Hymne bereits an dieser neuen Pop-Front:
"Seine Moraltheologie galt
Kritikern stets als Skandal. Wobei es durchaus aufschlussreich ist,
dass es heutzutage die Aufrufe zu Keuschheit und Monogamie sind, die
als skandalös empfunden werden.
Zumindest in der ersten Welt hat man bisweilen den Eindruck, dass
kein Recht so vehement verteidigt wird wie das auf sofortigen
Orgasmus, wo, wie, wann und mit wem auch immer.
In einem Schreiben zu seinem silbernen Amtsjubiläum präzisierte
dieser Papst dagegen nochmals seine Position zum Zölibat: »Für die
Kirche und die Welt von heute stellt das Zeugnis der keuschen Liebe
auf der einen Seite eine Art spirituelle Therapie für die Menschheit
dar, auf der anderen Seite einen Protest gegen die Vergötzung des
Sexualtriebs.«
(...).
Man muss dieses Papsttum als Gegenoffensive lesen. Seine über 1.300
Seligsprechungen und seine fast 500 Heiligsprechungen etwa, mehr als
alle anderen Päpste vor ihm: es ist, als ob er gegen den heillosen
Zirkus der Pop-Idole und Ikonen seine eigene katholische Armee
aufmarschieren lassen wollte."
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- BOMBOSCH, Frederik (2005): Adelheid und
Rosi laden ein Kuschelweich.
Achtung, alle legen sich auf
einen großen Haufen – Kuschelpartys sind der neue Trend aus New York,
in: Tagesspiegel v. 02.04.
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- WAGNER, David (2005): Schluss mit dem
Parkplatz-Realismus.
Jung, empfindsam,
sehnsüchtig? Nach zwölf Jahren klingt die deutsche Erfolgsband
Tocotronic erwachsen – und ziemlich verrätselt,
in: Tagesspiegel v. 02.04.
- Inhalt:
Der Schriftsteller
David WAGNER schreibt über die
12jährige Geschichte der Band Tocotronic, deren kürzlich
erschienenes Album
"Pure Vernunft darf niemals siegen"
einen Wendepunkt in der Bandgeschichte markiert.
Am Ende fragt sich David
WAGNER, wohin das führen könnte:
"»Tag
der Toten« ist ein Allerheiligenlied und das katholisch-romantische
»Mein Prinz« (»Es ist für den, der uns begleitet/ Der unserer
Schritte lenkt und leitet«) könnte mit wenigen Korrekturen auch ein
Lied über Jesus sein. So genau lässt sich das nicht mehr
entscheiden, eins zu eins ist längst vorbei. »Ich habe Stimmen
gehört« muss auch der, der diesen Liedern lauscht, erst einmal
sagen. Kann Tocotronics Weg in die artifizielle Transzendenz oder
den spirituellen Naturalismus, wie Huysmans ihn sich ausgedacht hat,
noch aufgehalten werden? (...).
Gleiten Tocotronic am Ende in
den Katholizismus? Gehen Tocotronic den Weg von Bob Dylan und
Friedrich Schlegel? Werden sie wie Joris-Karl Huysmans, der 1892,
nachdem er sich in Sachen Dekadenz und Teufelsanbetung ausgetobt
hatte, zum Katholizismus konvertierte, Laienbrüder in einem
Benediktinerkloster werden? Vielleicht erleben wir noch
Überraschungen."
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KRAFT, Steffen (2005): Ich habe nicht abgetrieben.
Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet (9).
Im Zweifel für das Kind: Früher mobilisierte
der Paragraf 218 Hunderttausende, heute ist ein Abbruch im besten Fall
reine Privatsache,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.04.
- Inhalt:
"Nicht
die gezeugten Kinder sind heute ein Problem, sondern die
ungezeugten. Die Zeiten, als zumindest das politische Bekenntnis zum
Schwangerschaftsabbruch für fortschrittliche Frauen ein Muss war,
sind vorbei.
Heute wollen viele junge Frauen selbst ein ungeplantes Kind
austragen",
erklärt uns Steffen KRAFT.
Gerade bei "kirchenfernen
Protestanten" sei das Austragen heute eine quasireligiöse,
spirituelle Lifestyle-Entscheidung.
- Kommentar:
Bereits Mitte der 90er Jahre hat der Soziologe Günter
BURKART den Übergang zur Elternschaft als "Entscheidungstypus"
beschrieben, der selten rationalen Erwägungen folgt, sondern unter
Bedingungen von struktureller Überforderung oder Entscheidungsdruck
zu ungeplanter Elternschaft führt.
Dies gilt nach BURKART vor
allem für das so genannte individualisierte Milieu der Akademiker...
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- MANGOLD, Ijoma (2005): Mein Mitmensch
ist kein Trottel.
Eine Einladung zur Aussöhnung mit der BRD: Hans Pleschinskis
"Leichtes Licht",
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.04.
- Inhalt:
Ijoma MANGOLD sieht im Massentourismus das Paradigma
moderner Gesellschaften schlechthin. Es gefällt ihm, dass PLESCHINSKI in dem Roman
"Leichtes Licht" nicht "im Bild des Pauschalreisenden den
hässlichen Deutschen zu entlarven" versucht. Die Protagonistin, eine
allein lebende Karrierefrau im mittleren Lebensalter, entdeckt
stattdessen die Anmut und Demut. MANGOLD sieht in der Demut eine
hilfreiche Haltung für massentouristische Normal-Situationen.
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- RÜDENAUER, Ulrich (2005):
Weltaneignungsmodell Pop.
Frank Witzel und Klaus Walter
haben zusammen mit Thomas Meinecke das Buch "Plattenspieler"
herausgegeben - ein Gespräch über Musik und den Jahrgang 1955,
in: Frankfurter Rundschau v. 01.04.
- Inhalt:
Klaus WALTER sieht im Jahrgang 1955 die
Berufsjugendlichen des Pop und erklärt den Unterschied zwischen
Frankfurt und Hamburg:
"Sie
sind in den 60ern mit Pop sozialisiert worden, scheinen aber nie
Teil einer Szene gewesen zu sein. Hatte das zur Folge, dass Sie
rasch einen intellektuellen Zugang zur Musik gesucht haben?
Walter: Das ist ein
Spezifikum des Jahrgangs 55. Da muss ich leider den doofen Sting
zitieren, einen seiner wenigen richtigen Sätze: »Born in the '50s«,
ein früher Police-Song. Da wird genau das beschrieben: Zu alt für
Punk, um identifikatorisch in einer Bewegung aufzugehen und sich
entsprechend anzuziehen. Und zu jung, um richtig Hippie zu sein.
Dann aber hatten wir doch die Fähigkeit oder die Naivität, in einem
relativ hohen Alter von 23, 24 noch mal neu zu starten, uns zu
motivieren und zu entdecken, dass da
mit Punk etwas Wichtiges passiert. Wir haben so eine Art
Kulturtechnik erlernt, auch weitere Neustarts zumindest nicht
abzuwehren, sondern wohlwollend zu beobachten. Es stimmt vollkommen:
Wir waren wahrscheinlich alle drei nie Teil einer Bewegung, oder
wenn, dann nur temporär.
In Frankfurt war zu der Zeit, als ich jung war, Politik das
vorrangige Identifikationsangebot.
Ganz anders in Hamburg, wo
Thomas groß geworden ist. Da spielten ganz andere Dinge eine
Rolle. Es gibt ja wahnsinnige Unterschiede der Prägung durch die
Besatzer. Ob man im AFN- oder BFBS-Einzugsgebiet aufgewachsen ist,
hat immense Bedeutung. Hamburg hatte den relativ schnellen Seeweg
nach England. Punk zum Beispiel fand in Frankfurt nie statt."
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RÖHL, Bettina (2005): Die Sex-Mythen des Feminismus.
Seit den siebziger Jahren hat
der Feminismus die Erweiterung der Kampfzone betrieben: das Bett als
Schlachtfeld, die Sexualität als Lackmustest korrekter
Frauenbewegtheit,
in: Cicero Nr.4, April
- Kommentar:
Bettina RÖHL erzählt - aus der Perspektive der
Single-Generation - die Geschichte des Feminismus von den 70er
Jahren (Alice
SCHWARZER,
Svende MERIAN, Shere HITE, Susan
FALUDI) bis zur Gegenwart des Anti-Feminismus eines
Matthias MATUSSEK.
Im Gegensatz
zur
68er-Geschichtsschreibung des Mainstream,
nach der wir angeblich in den 90er Jahren in der Single-Gesellschaft
lebten, ereignete sich die entscheidende Trendwende bereits Ende der
80er Jahre:
"Die
achtziger Jahre bestanden daraus, Beziehungen zu beenden, kurzen
Affären nachzujagen und oft ohne Anlass das Handtuch zu schmeißen,
immer auf der Suche nach etwas Besserem und dem ultimativen Thrill.
Warum sollte man in einer öden Beziehung feststecken, wenn es so
schön war, frei zu sein? (...)
Die alten Emanzen jammerten damals, dass wir Jüngeren die Vorteile,
die sie erkämpft hatten, undankbar genössen, und im Übrigen wieder
dumme Hühner seien. Sie übersahen zunächst, dass wir längst weich
verpackte Super-Feministinnen geworden waren und dies noch nicht mal
selber wussten. Nur die Beziehungen zu Männern waren plötzlich
unendlich kompliziert. Mal wegen zu weniger Worte, mal wegen zu
vieler Worte, mal wegen der falschen Worte.
Das war die plötzliche Ernüchterung: die Singlegesellschaft. Während
der Feminismus in neuem Kleid als Girlie-Bewegung seinen nächsten
Höhepunkt feierte – die rotzfreche Göre löste in den neunziger
Jahren die Karrierefrau ab – landete meine Generation mit Anfang
dreißig im Single-Frust. Frust gab es nun nicht nur in der Ehe,
sondern in der Einsamkeit der leeren Wohnung. Es war ganz anders,
als die alten Feministinnen es uns vorausgesagt hatten."
Diese
Sichtweise eines
"Wandels des Wertewandels"
in den 90er Jahren wird neuerdings selbst von der empirischen
Sozialforschung bestätigt. Single-dasein.de hatte diese Sichtweise
dagegen von Anfang an vertreten.
Man kann
sogar noch weiter gehen: Die neue Lifestyle-Familie wurde ebenfalls
Ende der 80er Jahre erfunden. In seinem Buch
"Der Code des Herzens" schreibt
dazu Christian SCHULDT:
"Familienwerte
(feiern) heute eine Renaissance. Diese Trendwende setzte bereits
Ende der 80er Jahre ein, als Magazine wie »Tempo« die neuen
Lifestyle-Familien propagieren".
Bernd
KITTLAUS hat in seiner Magisterarbeit
"Das Single-Dasein" (1998) diese
Trendwende beschrieben.
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- HOFFINGER, Isa (2005): Endlich bereit
für Mr. Right.
Warum geraten manche Frauen immer wieder an den Falschen? Und kann
Single-Coaching helfen, endlich eine glückliche Beziehung zu führen?
Ein Erfahrungsbericht,
in: Cosmopolitan Nr.4, April
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- MICHAELIS, Kristina (2005): Und dann
bin ich wieder rot angelaufen.
Fast jeder wird bisweilen rot vor Scham - eine normale körperliche
Stressreaktion. Doch für manchen wird sie zur quälenden Belastung.
"Erythrophobie" nennen Experten eine Angst vor dem Erröten, die so
stark werden kann, dass sie den Alltag ernsthaft einschränkt,
in:
Psychologie Heute Nr.4, April
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- SCHÖNHERR-MANN, Hans-Martin (2005):
Kulturkampf im Schlafzimmer.
Romantische Liebe ist keineswegs ein Hort der Freiheit, stellt Karl
Otto Hondrich klar,
in:
Psychologie Heute Nr.4, April
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- WEBER-HERFORT, Christine (2005):
Mitleid mit den Sitzpinklern.
Elisabeth Badinter wendet sich gegen das Bild des weiblichen
Opferlammes und konstruiert ein neues: das männliche,
in:
Psychologie Heute Nr.4, April
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- DUMMY (2005): Der letzte Hysteriker.
Geschlechterkämpfer Matthias Matussek soll das SPIEGEL-Feuilleton
wieder sexy machen,
in: Dummy,
Thema Sex, Nr.6, Frühjahr
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- AGUIGAH, René (2005): Alterssorgen,
in: Literaturen Nr.4, April
- Inhalt:
Für AGUIGAH segelt Claudius SEIDL mit seinem
Buch
"schöne junge welt"
im Windschatten von Florian ILLIES' "Generation Golf" und Frank
SCHIRRMACHERs "Methusalem-Komplott". Sein Resümee:
"geschmeidige Lektüre, von
der man ein, zwei unterhaltsame Abende, aber keinen Erkenntnisgewinn
oder auch nur Neuigkeiten erwarten sollte."
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- AUFFERMANN, Verena (2005): Die Dämonen
kehren zurück.
Wie der Bachmann-Preisträger zwei empörte junge Männer gegen den
Rest der Welt antreten lässt und einen demokratiefeindlichen
Polit-Thriller produziert,
in: Literaturen Nr.4, April
- Inhalt:
AUFFERMANN sieht TELLKAMPs Roman
"Der Eisvogel"
in der Tradition der Futuristen:
"Die ästhetische
Rückendeckung holt sich Uwe Tellkamp nicht von den Zehn Geboten,
sondern aus Filippo Tommaso Marinettis »Furturistischem Manifest«.
(...).
1910 waren den radikalen Futuristen um Marinetti die
Plüsch-Monarchien zuwider, die Welt zu lahm und still, das Leben
insgesamt zu satt und blöd. Marinetti & Friends wollten Tempo,
ratternde Maschinen statt Museen und Krieg statt Frieden. Ihre
martialischen Papierwünsche gingen grausam in Erfüllung."
AUFFERMANNs
Resümee:
"Uwe Tellkamp wollte einen
subversiven Polit-Thriller schreiben, durchsetzt mit
demokratiefeindlichen Gedanken. Herausgekommen ist eine Feier des
Selbstmitleids und der Selbstüberschätzung, gedacht als Antwort auf
den sich selbst auffressenden Kapitalismus. (...) Uwe Tellkamp ist
ein begabter Fuchs: Er riskiert viel, sein »Eisvogel« birgt
politischen Zündstoff - und nachlässige Sprachbilder."
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom
29. - 31. März 2005
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