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Medienrundschau:
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News vom 01.
- 15. August 2001
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- STENGEL,
Eckhard (2001): Gemeinschafts-Wohnprojekt geht
das Geld aus.
Ein bundesweit offenbar
einmaliges Frauenwohnprojekt, der kürzlich
eröffnete 38 Millionen Mark teure Bremer
"Beginenhof", ist finanziell
gescheitert - die Betreiberinnen meinen wegen
nicht eingehaltener Förderzusagen des Landes
Bremen.
in:
Frankfurter Rundschau v. 15.08.
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- WEYERER,
Godehard (2001): Im Mütterzentrum Salzgitter
treffen sich Jung und Alt,
in: Frankfurter Rundschau v. 15.08.
- Inhalt:
WEYERER berichtet
über die Idee eines
generationsübergreifenden Lebens, das im
Salzgitter Mütterzentrum verwirklicht
werden soll.
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- FRICKE,
Harald (2001): Aufstieg in die Kombi-Generation.
Es
gibt sie also doch: die automobile neue Mitte,
die im geleasten Fünfsitzer, blaumetallic, durch
die Republik düst,
in: TAZ v. 15.08.
- Kommentar:
Nach FRICKE ist die
"Generation
Golf" zur
Kombi-Generation aufgestiegen, will
heißen, dass jetzt VW Variant gefahren wird, um Hund
oder Kind unterzubringen.
Vielleicht sollte Mariam
LAU nach den Kindern nicht in den deutschen Schlafzimmern
suchen, sondern auf den Rücksitzen der deutschen Autos:
"man wird den Eindruck
nicht los, die kinderlose neue deutsche Mitte verbringe
immer größere Strecken ihrer Zeit im Bett", schreibt sie in
der Welt vom 15.08.2001...
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- LAU,
Mariam (2001): Bis dass die Ritze euch scheidet.
Von
Eichenbett und Matratzenlager zu Kuschelhöhle
und ergonomischer Multifunktionsfläche:
Schlafzimmer im Wandel
in:
Welt v. 15.08.
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- STEPHAN,
Beat A. (2001): Das wars doch nicht schon?!
Autorin
Elke Heidenreich über den Verlust von Illusionen
und Leidenschaft, die Schönheit des
Älterwerdens und das Skandalon des Sterbens.
in: Brückenbauer Nr.33 v.
14.08.
- Inhalt:
Die kinderlose
68erin Elke HEIDENREICH über Deutschland
in den 50er Jahren:
"Das
Land lag in Trümmern, wir waren die im
Krieg gezeugten Kinder, die niemand
richtig wollte. Die Väter kamen
zerstört aus dem Krieg zurück, und die
Mütter, die im Krieg alleine sein
mussten, waren hart geworden. Keine
Grundlage für eine glückliche Kindheit.
Diese Zeit wurde durch ein
melancholisches Lebensgefühl geprägt,
das in meinen Erzählungen immer wieder
aufscheint."
Zu den
Kindern der 68er meint HEIDENREICH:
"Ich habe selbst keine Kinder, aber
viele meiner Freunde sind nicht gerade
superglücklich mit ihren Kindern, die
sie für allzu bieder halten. Wobei es
eine normale Erscheinung ist, dass das
Pendel zurückschlägt: Kinder, die ihre
Eltern früh beim Vornamen nennen mussten
und denen Mutti die Joints drehte, sehnen
sich nach einem anderen, bürgerlichen
Leben."
Beispiele für diese Sicht
finden sich bereits in der Literatur,
z.B. bei
Jess
JOCHIMSENs "Dosenmilchtrauma" oder
Ulrike
KOLBs "Frühstück mit Max" und
weiteren
Literaten der
Generation Golf.
HEIDENREICH
sieht sich als Angehörige der ersten "Generation, die
entscheiden kann, ob sie Kinder haben will oder nicht." und
die Ehe und Familie skeptisch gegenüber steht:
"Normalerweise
verschwindet in einer Ehe mit der Zeit die Leidenschaft. Sie
ist nicht auf eine Dauer von 30 Jahren angelegt. Wie
tragfähig und stark die Liebe ist, zeigt sich, wenn die
Leidenschaft einmal weg ist. Das Glück in der klassischen
Kleinfamilie ist wohl eher die Ausnahme (...). Jeder muss
selbst entscheiden, ob er ohne Leidenschaft leben will. Das
ist eine Frage des Lebensentwurfs, den wir heute selber
wählen können: Wollen wir allein oder zu zweit leben? Wollen
wir langfristige Beziehungen oder Veränderung?"
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- PETSCH,
Martin (2001): Das Bett im Wohnzimmer.
Ungewohnte
Transparenz: Ein Wohnexperiment am Teutoburger
Plaz,
in: Berliner Zeitung v.
14.08.
- Inhalt:
PETSCH stellt das
Wohnhaus Christinenstraße 3 im Berliner Altbauviertel um den Teutoburger Platz
vor. U.a. soll die Anlage "als
Wohnmodell vor allem für Singles"
dienen:
"Die
Grenzen der Doppel- und Dreifachnutzung
liegen bei traditionellen
Wohnvorstellungen und beim Aufkommen
turbulenten Familienlebens: Nicht jeder
möchte Küche und Wanne als Möbel im
Wohnzimmer haben, und manchmal braucht
man Ruhe. Die dem Loftwohnen abgeschaute
Offenheit fordert ihre Klientel in jeder
Hinsicht, gibt ihr aber das Image
modernen, kommunikativen Lebens."
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- VOLLWEITER,
Rainer (2001): Im Vordertaunus ist das schwache
Geschlecht stark vertreten.
Frauenüberschuss in Kronberg und
Bad Homburg bietet Anlass zu Spekulationen /
Neuerdings mehr männliche Babys
in: Frankfurter Rundschau
v. 14.08.
- Kommentar:
Was machen
Journalisten, wenn sie über die
Veröffentlichung neuer statistischer
Daten berichten sollen? Sie versuchen
unbrauchbare Daten mit einem allgemein
interessierenden Thema zu verbinden und
heraus kommt dann solch ein Artikel.
Was soll
man von Angaben halten, die sich nur auf
die regionale Verteilung von Männern und
Frauen beziehen, aber sinnvolle
Altersgruppen vermissen lassen?
VOLLWEITER
jedenfalls spekuliert angesichts des
Datendefizits über die Chancen von
Frauen auf dem Partnermarkt in zwei
hessischen Gemeinden. Man erfährt, dass
Frauen der Altersgruppe 0-26 derzeit gute
Chancen haben einen Partner zu finden!
"Früh gefreit, nie gereut"
heißt deshalb sein Motto. Am besten
schon für Säuglinge auf Partnersuche
gehen.
Offensichtlich gibt es vor allem bei
über 60jährigen einen
Frauenüberschuss. Über die Chancen im
mittleren Alter erfährt man nichts.
Angesichts
"globaler Nomaden"
scheinen solche regionalen
Ungleichgewichte der Geschlechter für
Partnersuchende im mittleren Alter an
Bedeutung zu verlieren und
Fernbeziehungen halten
sich sowieso nicht an die Grenzen von
Statistikbezirken...
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- VAN RAHDEN,
Till (2001): Macht und Zärtlichkeit.
Ein Überblick über die
neuere historische Forschung zu Männlichkeit und
Vaterschaft (Teil II),
in: Frankfurter Rundschau
v. 14.08.
- Inhalt:
Fortsetzung der
Bestandsaufnahme von VAN RAHDEN (siehe FR vom
07.08.2001).
Diesmal
steht die Studie Life
with Father. Parenthood and Masculinity
in the Nineteenth-Century American North
(Baltimore 1998) von Stephen FRANK im
Mittelpunkt des Beitrags, der nicht das
viktorianische England, sondern die USA
zum Gegenstand hat.
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NEWSWEEK-Titelgeschichte:
The Truth About Fertility.
Don't Believe the Hype - Even Fertility Specialists Say Younger
Is Better |
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- JANCSY,
Irene (2001): Die Ratgeberkatastrophe.
Bücher
über Erziehung gibt es wie Sand am Meer. Meist
rückwärts gewandte. Gut, dass die meisten
Eltern kaum Zeit haben, sie zu lesen,
in: Der Standard v. 13.08.
- Inhalt:
JANCSY berichtet
über die gegenwärtige
Erziehungsdebatte:
"Konjunktur haben Experten, die
Strenge und Autorität einfordern. Sie
rufen nach Disziplin und Tischmanieren -
gerade so, als läge das Geheimnis
geglückter Erziehung im Drill
vergangener Epochen. Diesem Muster folgt
auch jenes Buch, das die heurige Debatte
ausgelöst hat: 'Die
Erziehungskatastrophe' von
Susanne
Gaschke"
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- SACK,
Adriano (2001): Der Pin-up-Mann.
Wie
der Schauspieler Brad Pitt das Körpergefühl
seiner Generation prägte,
in: Welt am Sonntag v.
12.08.
- Inhalt:
Adriano SACK stellt die
Frage: Was macht Brad PITT zum Phänomen?
"Pitt
steht für die Befreiung des maskulinen
Narzissmus, die zuletzt zu beobachten
war. Er spiegelt sexuelle
Selbstbedienungsmentalität bei Frauen
und verändertes Körperbewusstsein
junger Männer, Schönheitswahn und
Verwirrung zwischen den Geschlechtern -
Themen, die seit den 80er-Jahren sowohl
den Small Talk im Fitness-Center als auch
den Diskurs in Gender-Studies-Seminaren
prägen."
PITTs Karriere beginnt mit dem Film
"Thelma und Luise".
"Dabei verhieß die Rolle nicht
gerade den Durchbruch: Ein junger Mann,
der zwei Frauen trifft, mit der einen ins
Bett geht, sie beklaut und wieder aus dem
Film verschwindet. Eine verhängnislose
Affäre, ein Quickie ohne Folgen. Doch
die kurze Szene in diesem (wie sich
später herausstellte) großen Film
etablierte ein Novum: den Mann als
Lustobjekt selbstbestimmter Frauen.
"
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- DEUTSCHE
WELLE (2001): Immer mehr Menschen leben allein,
in:
Tagesthema im Journal. Sendung der Deutschen
Welle v. 11.08.
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- MEISEL,
Gerhard (2001): Wenn die Biodesigner sprechen.
John
Kotre fragt nach der menschlichen Biographie,
in: Tagesspiegel v. 11.08.
- Kommentar:
John KOTRE, ein
Psychologieprofessor an der University of
Michigan hat ein Buch mit dem Titel
"Make it count" (deutsch:
"Lebenslauf und Lebenskunst - Über
den Umgang mit der eigenen
Biographie", Hanser Verlag)
geschrieben, in dem das Konzept der
Generativität des Psychoanalytikers
Erik
H. ERIKSON eine zentrale Rolle spielt.
Die
Vorstellungen des Lebenszyklus-Modell von
ERIKSON waren bis in die 70er Jahren
unumstritten. Erst mit dem Aufkommen der
US-amerikanischen Single-Bewegung
gerieten die normativen Annahmen des
Konzeptes - das nur die klassische
Kleinfamilie als normale Lebensform von
Erwachsenen anerkannte - in die Kritik.
Peter
STEIN & Henry ETZKOWITZ ("The
Life Spiral. Human Needs and Adult
Roles", 1978) stellten dem
Lebenszyklus-Modell das Konzept der
Lebensspirale ("Life Spiral")
entgegen. Die Vorstellungen von der
Lebensspirale rechtfertigen im Gegensatz
zu ERIKSON das
Modell der
"sexuellen Monogamie" und das
Alleinleben:
"The life spiral is a
nonlinear definition of the life span. It
enables us to view individuals woh choose
alternate paths of life not as deviants
(their definition under stage theory) but
as conscious actors who occupy new roles
in one or more areas of life."
Wenn KOTRE
an das ERIKSONsche Konzept der
Generativität anknüpft und es für die
Altersphase fruchtbar macht, dann sollen
damit die Merkmale des männlichen
Erwachsenenlebens auf die Altersphase
ausgedehnt werden:
"Generativität,
also kreatives Weitergeben statt
Ruhestandsphantasien heißt die
Aufforderung Kotres". Das Konzept
dient in diesem Sinne dem
"demographischen Umbau der
westlichen Gesellschaften", wie
MEISEL schreibt.
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LEBERT,
Stephan & Tanja STELZER (2001): "Jetzt
kämpfen Mütter gegen Mütter".
Wie
geht's der deutschen Frau? Gar nicht so gut, sagt
Anne Volk. Aber sie hat ein paar Tipps: Redet
nicht mit Euren Töchtern über Sex. Und haltet
Euch an die Raucher,
in: Tagesspiegel v. 11.08.
- Inhalt:
Interview mit Anne
VOLK, der langjährigen Chefredakteurin
und jetzigen Herausgeberin der
Frauenzeitschrift Brigitte:
"Es
ist von den neuen Müttern die Rede.
Diese Mütter sind nur die eine Fraktion,
da hat sich etwas verändert, es gibt
nicht mehr diese Grundsolidarität der
Gleichaltrigen. Da sind diese Frauen, die
ihr Muttersein wie in den 50er, 60er
Jahren leben, die bekommen zwei, drei,
vier Kinder, und dann gibt es die
Mütter, die weiter einen Beruf haben und
Karriere machen wollen. Früher gab es
Streit zwischen Mutter und Tochter über
die Frauenrolle, jetzt zanken sich
Mütter und Mütter. Es ist der Angriff
der Übermütter, die den Berufstätigen
vorwerfen, dass sie ihre Kinder
vernachlässigen. Das ist schon gewaltig.
Auf welche Seite
schlägt sich die "Brigitte"?
Wir haben eher die Haltung, dass man
einen Beruf ein Leben lang machen soll,
mit Kinderpause oder ohne. Wir würden
nie sagen, dass man nicht mit Kindern zu
Hause bleiben darf. Aber eine Frau sollte
wissen: Eine Ehe ist keine Versicherung
mehr."
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- WEBER, Antje (2001):
Stadtansichten (13). Dröhnende Schuhschachtel.
Matthias Polityckis
"Mann von vierzig Jahren" liebt
Kneipen,
in: Süddeutsche Zeitung v.
11.08.
- Inhalt:
WEBER stellt den
München-Roman Ein Mann von vierzig
Jahren von
Matthias
POLITYCKI vor:
"Auf alle Fälle ein Liebesroman
(dazu später), ein Neue-Medien-Roman
(der Klappentexter entdeckt das Mailen
und den @-Klammeraffen), ein 90er-Jahre-
Roman (Lumibären beleuchten Gregors Weg)
unbedingt jedoch ein
München-Roman, der insbesondere die
Kneipenszene derart liebevoll detailliert
beschreibt, dass man sofort in die
'Schwabinger Sieben' einfallen möchte,
'a Bia essn' und feststellen: Es ist dort
genau so, wie Politycki es beschrieben
hat."
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MESSMER,
Susanne (2001): Helden wie wir.
Popliteratur
war schon immer affirmativ, allein mit
Moralargumenten ist ihr nicht beizukommen. Von
Rolf Dieter Brinkmann bis zu Christian Kracht -
eine kleine Ehrenrettung des Genrebegriffs
in: TAZ v. 11.08.
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- HASSE, Kai
(2001): Landwirt, jung, ledig sucht.
Wie soll es mit der Agrarwende je
was werden, wenn der deutsche Bauer keine Frau
findet? Nur glückliche Landwirte züchten
gesundes Fleisch. Vielleicht kann das Internet
einsamen Landsingles helfen?
in: Frankfurter Rundschau
v. 11.08.
- Inhalt:
HASSE testet das
Internet-Angebot Landflirt.de:
"Zugegeben, diese Anzeigen bei Landflirt.de sind
amüsant. Doch im Kern helfen sie nicht
weiter. Frauen, die mir gefallen, sind
weiter weg, und die in der näheren
Umgebung möchte man viel näher gar
nicht kennen lernen. Und irgendwie find
ich keine Eigenschaft, die mir sagen
könnte: Die ist es. Denn wir lieben doch
alle irgendwie die Natur, sind irgendwo
aktiv und sehen uns als humorvollen,
sympathischen Zeitgenossen. Und was da
nun steht, Kinder, Hunde, Pferde, Pfunde
oder Pfänder, wenn es einen erwischt,
ist sowieso alles egal."
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- HEINEMANN,
Mirko (2001): Allein in Luxor.
Vier Jahre nach den Anschlägen
auf Touristen wurden in Ägypten viele
Reisebeschränkungen aufgehoben. Erkunden lässt
sich das Land auch wieder ohne Veranstalter. Doch
wie gefährlich ist das Reisen auf eigene Faust?
in: Frankfurter Rundschau
v. 11.08.
- Inhalt:
"'Sie fahren
allein durch Ägypten?', lautet die
Standardfrage von Pauschalreisenden, 'ist
das nicht gefährlich?' Eine klare
Antwort fällt schwer. Die Menschen
leiden unter einem dramatischen Einbruch
ihrer Wirtschaftskraft. Ihr
Lebensstandard ist eng mit der Anzahl der
Touristen im Land verknüpft. Nach einer
Reise allein durch Ägypten verbleibt als
persönlicher Eindruck: Ägypten ist
sicher.
Trotzdem ist da ein mulmiges
Gefühl", meint HEINEMANN.
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- TERKESSIDIS,
Mark (2001): Melodie einer Zeit.
Im
Halseisen der Klischees. Viviane Forrester und
Matthias Horx markieren zwei extreme
Meinungs-Pole zum Thema Globalisierung,
in: Freitag Nr.33 v. 10.08.
- Inhalt:
Mark TERKESSIDIS stellt
der Globalisierungsgegnerin FORRESTER den
glücklichen
Globalisierer Matthias HORX
gegenüber:
"Dass
Horx ein lächerlicher Ideologielieferant
ist, wäre vielleicht nicht mal so
tragisch, wenn er denn irgendwelche
brauchbaren Beschreibungen liefern
würde. Kürzlich erschien auf Deutsch
das Buch des US-amerikanischen
Wirtschaftsjournalisten
David
Brooks über die »Bobos«, die neue
»Bildungselite«. Auch Brooks liebt das
Objekt seiner Studie und zählt sich gar
selbst dazu. Doch sein Buch war voll von
interessanten Beobachtungen. Bei Horx
findet sich nichts derartiges."
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- HÄNTSCHEL, Jörg
(2001): Reise zum Mittelpunkt der Herde.
Träumen Nomaden vom
elektronischen Schlafplatz? Die Schauplätze des
modernen Wohnens liegen in den exterritorialen
Räumen zu Lande, zu Wasser und in der Luft
in: Süddeutsche Zeitung v.
10.08.
- Inhalt:
HÄNTSCHELs zentrale
These lautet:
"Der 'globale Nomade',
der überall zu Hause ist, hat sich zum
Heldentypus der Gegenwart entwickelt, und
mit ihm verändert sich die kollektive
Vorstellung vom Wohnen."
Auto,
Schiff und Flugzeug werden zur ortsunabhängigen Heimat der mobilen
Existenz. Transitorische Räume wie
Business-Lounges auf Flughäfen werden
zeitweilige Heimaten und Flugpläne
stiften neuartige Nachbarschaften:
"Bisher war Gemeindezugehörigkeit
eine Frage des Wohnorts, heute ist es
eine des Flugplans. Immer dieselben
Gesichter in denselben Maschinen".
Dies ist für HÄNTSCHEL die Konsequenz
des individualistischen Rebellentums der
massenhaft Alleinreisenden, das sich
gegen das einstige "idealistische
Rebellentum des Alleinreisenden"
durchzusetzen beginnt.
Seinen
literarischen Ausdruck hat dieses letzte Rebellentum im
Roman "Up in
the Air" von Walter KIRN gefunden.
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- KNIPPHALS,
Dirk (2001): "Neue Nachbarschaften
schaffen".
Die
große Was-ist-meine-Welt-Frage: Die
Schriftsteller Sven Lager und Elke Naters über
ihre neue Anthologie "the Buch", ein
soziologisches Verständnis von Popliteratur, das
Interesse am Leben um einen herum und das
Fremdsein im Literaturbetrieb
in: TAZ v. 10.08.
- Inhalt:
Ist die Popliteratur
politisch? Die Antwort von Elke NATERS:
"Popliteratur ist für
mich soziologisch. Es wird viel über
Kontakte, Beziehungen, Zusammenleben
geschrieben. Und was sollte daran nicht
politisch sein?"
Elke NATERS und
Sven LAGER wollen neue Nachbarschaften
schaffen, um der "Literaturwelt, in
der man sich nicht sehr zu Hause fühlt,
etwas gegenüberstellen."
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- BLUM,
Mechthild (2001): In Bullerbü war die Welt noch
in Ordnung.
Susanne Gaschkes Buch
"Die Erziehungskatastrophe" bezichtigt
Eltern, Schulen und Medien einer schlimmen
Kindererziehung,
in: Badische Zeitung v.
09.08.
- Inhalt:
BLUM sieht die
Zunahme der Ein-Eltern-Familien
(Alleinerziehenden) - im Gegensatz zu
Susanne
GASCHKE - nicht als
Konsequenz der Frauenbewegung, sondern
als Folge der finanziellen
Unabhängigkeit berufstätiger Frauen und
damit des Wandels der Bildungs- und
Arbeitsmarktstrukturen im
Nachkriegsdeutschland.
Zudem sind für
BLUM viele der sogenannten "vollständigen Familien"
aufgrund abwesender Väter de facto ebenfalls
Ein-Eltern-Familien. BLUM fordert deshalb:
"In einer
individualisierten, pluralistischen Welt bedarf es
individueller, pluralistischer Lösungen. Und eines flexiblen
Staates, der sie möglich macht. Darauf lohnt es sich, einen
genauen Blick zu werfen. Nicht in einem kurzen Prozess à la
Gaschke, sondern in einem langen. Und zusammen mit und nicht
gegen Eltern."
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- BRUHNS,
Meike (2001): Politik aus dem Bauch.
Eine
KINDERPARTEI sind die Grünen schon längst, sagt
deren Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz, 30.
Einige wollen es nur nicht wahrhaben,
in: MAX v. 09.08.
- Kommentar:
BRUHNS porträtiert
Ekin DELIGÖZ, die sich für MAX als
"hochschwangere Sonnenblume im
Roggenfeld" ablichten ließ. Ihre
Begründung:
"Ich finde meinen Bauch
wunderschön, deshalb sollen ihn ruhig
alle sehen".
In der Popmoderne
unterliegen eben auch Politiker den
Gesetzen des Pop. Die Grünen Claudia
ROTH und Kerstin MÜLLER lehnen den
Primat der Kinderpolitik ab. Ihre
Ablehnung wird jedoch nicht als
politischer Standpunkt anerkannt, sondern
als persönliches Problem abgetan:
"'Die fühlen sich bei dem Wort
Kinder gleich in ihrem Lebensentwurf
angegriffen.' Die nächste Generation, so Deligöz, könne
aber nicht einsehen, dass nicht beides möglich sein soll:
Kinder und Karriere."
DELIGÖZ
wird dagegen als Politikerin vorgestellt, die als Vorbild
die geforderte Familie auch lebt:
"Sie selbst hat ihr Leben
bereits familienfreundlich organisiert. Ehemann
Heinz-Jürgen, 29, ist nach Berlin gezogen und hat unweit
ihrer Wohnung in Prenzlauer Berg die Kneipe 'Oscars'
miteröffnet. So kann er sich tagsüber, wenn sie im Bundestag
hockt, um seinen frisch geborenen Sohn kümmern."
Ist
DELIGÖZ also auf dem Weg zum Familien-Popstar der Partei?
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- HUEMER,
Peter (2001): Die neuen Sexfronten.
Mariam
Lau über das Schicksal der sexuellen Revolution,
in: Gehört Gehört.
Sendung auf Ö1 v. 09.08.
- Kommentar:
Mariam LAU
rechtfertigt die Ehe im Gespräch mit
HUEMER. Zufriedene Ehepaare versus sexuell unzufriedene
Singles und das verlöschende Begehren sind die beiden Topoi,
die das Credo von LAU bestimmen.
Solch
allgemeine Aussagen sind jedoch angesichts der Heterogenität
der beiden gegenüber gestellten Gruppen mehr als fragwürdig.
Die
Scheidungszahlen sprechen nicht gerade für die Zufriedenheit
der Ehepartner, während bei den Singles mindestens zwischen
freiwilligen bzw. unfreiwilligen Partnerlosen und Paaren
unterschieden werden muss.
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Stern-Coverstory:
Eifersucht
- KOCH,
Christoph (2001): Eifersucht.
Welcher Mann
gibt schon zu, dass er seine Frau ungern
ausgehen lässt? Welche Frau, dass sie
dem Mann bei jeder Dienstreise misstraut?
Der Argwohn in der Liebe hat ein
miserables Image - völlig zu Unrecht,
meinen Wissenschaftler,
in: Stern Nr.33 v.
09.08.
- Kommentar:
Sommer,
Sonne, Seitensprung. Auch der
Stern hat nichts interessanteres
zu berichten, nur die
Schwerpunktsetzung unterscheidet
den Bericht vom Rest der
diesjährigen hochsommerlichen
Beiträge zum Thema.
KOCH berichtet über die trendige
Perspektive des Evolutionspsychologen David BUSS:
"Die Idee, ein
Verhaltensprogramm wie die Eifersucht sei erlernt
und von der modernen Gesellschaft produziert, wird
von Genetikern und Evolutionsforschern lustvoll
zertrümmert. Ihre Studien zeigen, dass der bohrende
Zweifel an der Treue des Partners universell ist:
Jeder Mensch kann Eifersucht verstehen und
empfinden, und überall, wo Menschen leben, kann sie
sich in zerstörerischer Gewalt entladen. Aus der
Traum vom Südseeparadies der freien Liebe, in dem
Eifersucht und Monogamie keine Chance haben."
Die Plausibilität solcher
Aussagen ergibt sich in erster
Linie aus der Dominanz der
"seriellen Monogamie"
als normatives Beziehungsmuster
in den westlichen
Industrieländern. Sukzessive
Monogamie beinhaltet einen
rigiden Treuebegriff, der sowohl
die gelebte als auch die
kommunizierte Treue umfasst. Wenn
die Eifersucht als erwünschtes
Gefühl, das auf die
Überprüfung der Treue im Alltag
ausgerichtet ist, rehabilitiert
werden soll, dann wird damit die
kulturelle Norm der
"seriellen Monogamie"
wissenschaftlich gerechtfertigt.
Der gegenwärtige Kulturkampf in
den westlichen Ländern stellt
nicht die Treue an sich in Frage,
sondern nur, ob Treue auch
praktiziert (serielle Monogamie)
oder nur kommunikativ simuliert
werden muss. Im ersten Fall wird
der Seitensprung des Partners
generell abgelehnt und geahndet,
im anderen Fall ist höchstens
das Wissen um einen Seitensprung
ein Trennungsgrund.
Regine SCHNEIDER hat in dem
Buch
"Die Liebe kommt, die Liebe
geht"
die serielle Monogamie mit dem
Leitbild des "Paars auf
Zeit" verknüpft und die
damit verbundenen Chancen
beschrieben. Sie möchte damit
einen Beitrag zur aktuellen
politischen Debatte leisten.
In
meiner Rezension lesen Sie, ob
ihr das gelungen ist.
- LEYENDECKER,
Karolin (2001): "Ich trau dir,
aber...",
in: Stern Nr.33 v.
09.08.
- Inhalt:
Meinungen
von Interviewten zum Thema
Eifersucht
- KOCH,
Christoph (2001): "So wichtig wie
Liebe und Sex",
in: Stern Nr.33 v.
09.08.
- Inhalt:
Interview
mit dem US-amerikanischen
Evolutionspsychologen David BUSS,
der die Eifersucht rehabilitieren
möchte.
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- OTT,
Notburga (2001): Für den
Drei-Generationen-Vertrag.
Die
Familienpolitik bestraft die Familien - damit
muss Schluss sein
in:
Die ZEIT Nr.33 v. 09.08.
- Kommentar:
OTT hält sich nicht
an die hochsommerliche Kampfpause in der
Kontroverse "Familien contra
Singles", obwohl sie nichts Neues zu
berichten weiß...
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- DANIELS,
Corinna (2001): Sexy Single sucht...
.
. . und der Amateursoziologe John Miller findet:
Kontaktanzeigen sind Konzeptkunst
in:
Welt v. 09.08.
- Inhalt:
Die Kontaktanzeige
wird zum Kunstwerk...
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- REITZ,
Edgar (2001): Als Dialekt zur Folklore wurde.
Heimat,
eine Verlustanzeige: Wie die globale Konsumkultur
unsere Erinnerungen und Sehnsüchte verwandelt
in: Tagesspiegel v. 08.08.
- Kommentar:
Der Filmemacher
REITZ schreibt wie
Martin
HECHT (siehe heutige SZ)
über die Globalisierung als eine im
Bewusstsein aller Menschen durchgesetzte
Globalisierung. Die Vielfalt der
Heimaten, deren Verlust die
Heimatromantiker beklagen, ist dann durch
die Weltheimat ersetzt worden. Grundlage
dafür ist eine Warenproduktion, die den
letzten Winkel der Welt flächendeckend
vereinheitlicht hat. In dieser Weltheimat
muss die Generationenzugehörigkeit die
Ortsidentität als
gemeinschaftsstiftendes Gefühl ersetzen:
"Ein
deutsches Kind unserer Zeit wird zwanzig
Jahre später einem anderen begegnen, das
in Spanien, Amerika oder Japan
aufgewachsen ist, und vor Rührung
weinen, denn es hatte im gleichen Jahr
ein Tamagochi, im gleichen Alter einen
Rolli. Bei der Kennmelodie von Windows 95
werden eines Tages Hunderttausende von
"Usern" Tränen der Erinnerung
vergießen. Ganz neue Gefühle sind durch
diese frappierenden Gemeinsamkeiten
entstanden. Unsere Heimat ist jetzt die
Zeit, nicht mehr der Ort. Soll man das
noch Heimat nennen?". Die Frage, die
REITZ hier stellt, ist eine rhetorische,
denn für REITZ kann die
Generationenzugehörigenkeit die
Ortsidentität nicht ersetzen.
Sein Fazit
deshalb: "Das Gemeinschafts-Gefühl
einer ganzen Generation versagt, wenn es
um die Liebe zu den speziellen
Erinnerungen geht."
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- BUHR, Elke
(2001): Was macht eigentlich
der...Postfeminismus?
in: Frankfurter Rundschau v. 08.08.
- Inhalt:
Elke BUHR erzählt die
Geschichte des Feminismus seit den 70er
Jahren im Schnelldurchlauf.
Nach BUHR ist
der Postfeminismus in Deutschland Mitte
der 90er Jahre angekommen. Frauen nannten
sich Girlies und
Hera LIND
schrieb "Superweib". Das
Fazit: "Der Postfeminismus wollte
nichts erfinden; er wollte genießen. Ein
letztes Mal gelang ihm das als
Dotcom-Girl, mit Whirlpool im Keller und
den Aktien der eigenen Internet-Firma im
Schrank. Nur ist die jetzt pleite, und
die Jobaussichten schlecht (...). Der
Postfeminismus aber war letztens mal
wieder beim Spiegel. Sein
Bauch wird seitdem immer dicker. Er
schult um, auf neue Mutter."
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- HECHT, Martin (2001):
Das Fremdenzimmer,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.08.
- Kommentar:
Der
Heimatromantiker
Martin HECHT über die
vor-globale Zeit der 60er Jahre - als
Gästezimmer noch Fremdenzimmer hießen -
und über den Verlust der
Fremdheitserfahrung in der globalisierten
Welt:
"Das freudvolle Versprechen des
Projekts der Globalität liegt in der
Freiheit einer bindungslos-unabhängigen
Existenzweise, in der Coolness, ihr
selbst eine eigene Identifikationsweise
abzuringen, Wurzeln und Halt im Stadium
des ewigen Aufbruchs zu finden. Es
bedeutet aber auch die Verlusterfahrung,
sich auf dieser Suche nicht einmal mehr
fremd fühlen zu können und Fremdheit
nicht mehr zu erleben, wo sie ihre
schönsten Seiten hatte: im Unbekannten,
Unerforschten, Ungezähmten."
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- ROHRHOFER,
Barbara (2001): Aufriss im Supermarkt,
in:
Oberösterreichische Nachrichten v. 07.08.
- Inhalt:
Anbaggertipps für
Frauen, die Mann auf seine Weise nutzen
kann: entweder um Anbaggerversuche von
Frauen als solche überhaupt zu erkennen
oder um seine Chancen zu erhöhen,
überhaupt angebaggert zu werden. Tatort
ist der Supermarkt, Tatzeit freitagabends
vor Ladenschluss. Wer als gestresster
Vater ein Bett zum Ausschlafen sucht, der
darf dann keine Hipp-Gläser und
Höschenwindeln in seinen Warenkorb
laden, sondern muss Chips und 3
Minutenminüs einkaufen...
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- PATRIOT
(2001): Wie Singles und Senioren sparen,
in: Der Patriot v. 07.08.
- Inhalt:
Hinweis auf einen
Steuerratgeber von Markus KAHR:
"Das Buch Steuertipps für
Singles (erschienen im Falken-Verlag) zeigt Alleinstehenden
Wege auf, wie sie ihre vergleichsweise hohen Abzüge senken
können."
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- VAN
RAHDEN, Till (2001): Das tägliche Gebet.
Ein
Überblick über die neuere historische Forschung
zu Männlichkeit und Vaterschaft,
in: Frankfurter Rundschau
v. 07.08.
- Kommentar:
"Neue Männer
braucht das Land" sang Ina DETER in
den 80ern, nun hat das Ministerium von
Christine BERGMANN stattdessen die Parole
"Neue Väter braucht das Land"
ausgegeben. Dies hat auch Folgen für die
Geschichtsschreibung. Das Bild des Vaters
muss revidiert werden. VAN RAHDEN
berichtet deshalb über die Neuschreibung
des viktorianischen Familienbildes durch
die neuere historische Familienforschung.
Das Paradigma der Frauenforschung in der
Tradition von Karin HAUSEN wird dadurch
korrigiert:
"In
den 90er Jahren hat die
Geschlechtergeschichte die Denkfigur der
polarisierten Geschlechtscharaktere
zunehmend in Frage gestellt. Heute
scheint es kaum noch überzeugend, einen
privat-weiblichen Raum der Familie und
einen öffentlich- männlichen Raum der
Berufswelt und der Politik
gegenüberzustellen."
Im
Mittelpunkt des Beitrags steht die Studie A Man's Place.
Masculinity and the Middle-Class Home in
Victorian England
(New Haven 1999) des englischen
Sozialhistorikers John TOSH, der vier
Verhaltensmuster von Vätern im
Viktorianischen Zeitalter aufgefunden
hat:
"den
'abwesenden Vater', der sich in Beruf und
männliche Geselligkeit flüchtete und
den privaten Raum der Mutter überließ;
den 'tyrannischen Vater', der sich dem
wachsenden Ansehen der Mutter
entgegenstellte und mit allen Mitteln
versuchte, einzelne Aspekte der
traditionellen patriarchalen Autorität
zu behaupten; den 'distanzierten Vater',
der sich von der emotionalen Intimität
des Familienalltags fernhielt und seine
Aufgabe darin sah, die Kinder, vor allem
die Söhne, auf Anforderungen der
bürgerlichen Arbeitswelt vorzubereiten;
schließlich den 'innigen Vater', der
keine Angst vor Spontaneität,
Zärtlichkeit und emotionaler Nähe hatte
und den engen Kontakt zu den Kindern
suchte."
So wie Ina
DETER in den 80ern nur den Mann in seiner
Partnerrolle meinte, so wird heute der
Mann auf die Vaterrolle reduziert...
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KAHLWEIT,
Cathrin (2001): Ungeplant, aber nicht ungewollt.
Sie
stürzen sich früh in ein Leben mit Kind und
träumen von einer intakten Familiewarum
Teenager als Mütter oft völlig überfordert
sind,
in: Süddeutsche Zeitung v.
07.08.
- Kommentar:
Junge Mütter sind
die Lieblinge der
Bevölkerungswissenschaftler, aber
Teenager-Mütter sind weniger ein Lösung
des Bevölkerungsproblems, sondern eher
eine ungelöstes gesellschaftliches
Problem.
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- MERLE,
Julia (2001): Große Männer gehen häufiger
fremd als kleine.
Neue
US-Studie belegt: Der kleine Mann ist treuer -
Sehnsucht nach dem großen Mann ein Relikt aus
der Steinzeit
in:
Welt v. 07.08.
- Kommentar:
Für Menschen, die
innere Werte bereits auf den ersten Blick
erkennen möchten. Aber Vorsicht! Die
Statistik hat einen Haken: Ihr kleiner
Mann könnte untreu sein...
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- GAEHME,
Tita (2001): Barbara Vinken: Die deutsche Mutter,
Der lange Schatten eines Mythos,
in:
Politische Literatur.
Sendung des DeutschlandRadio
v. 06.08.
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- BESTE,
Ralf & Petra BORNHÖFT (2001): Das Ende der
Generation Lila.
Die
SPD hat die Frauenbewegung für tot erklärt.
Kanzler Schröder sieht in der Familie die
Keimzelle des Staates und die Arbeitsreserve für
den Standort Deutschland. Auch unter den jungen
Frauen des linken Flügels spielt der Feminismus
keine Rolle mehr,
in: Spiegel Nr.32 v. 06.08.
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- SCHMELCHER,
Antje (2001): Wie oft ist eigentlich noch normal?
Schlag
lieber nach bei Fromm: Ratgeber-Bücher
offenbaren, wie weit die Pathologie der Liebe
vorangeschritten ist
in:
Welt v. 06.08.
- Inhalt:
SCHMELCHER
vergleicht neuere Ratgeber zum Thema
Liebe & Sex mit dem Klassiker
"Die Kunst des Liebens" von
Erich FROMM. Gemessen an diesem Buch
erscheinen der Autorin die Formen der
Liebe seit 1968 als pathologisch.
Als
Ratgeber werden analysiert: Alex COMFORTs
"New Joy of Sex" (1972),
"Wenn die Liebe ein Spiel ist, sind
dies die Regeln" von Chérie
CARTER-SCOTT, Bo COOLSAET "Liebe,
Lust und was wirklich zählt" und
der angebliche Anti-Ratgeber von Michael
MARY "Fünf Lügen die Liebe
betreffend", der dieses Jahr
medienwirksam vermarktet wurde.
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- BECKER,
Silke (2001): Die Katastrophe im Kopf.
Späte
Mütter gehen das Projekt Familie häufig
professionell an. Einige lassen bei der Geburt
Blut aus der Nabelschnur einfrieren. Vielleicht
können die darin enthaltenen Zellen später
Krankheiten heilen, vielleicht auch nicht. Es ist
ein spekulatives Geschäft mit der Hoffnung.
in: Tagesspiegel v. 05.08.
- Kommentar:
Ein Komödienthema
wird neuerdings in neuer Form
wieder entdeckt: die
späten Mütter als
Reinkarnation der überängstlichen, und
deshalb überreagierenden Mütter. Die
Folge: überbehütete (overprotected) Kinder.
War
dies früher ein Vorwurf an eine ganze Müttergeneration, so
werden nun - im Einklang mit der gegenwärtigen
bevölkerungspolitischen Interessenslage - die späten Mütter
zur Zielscheibe solcher Vorwürfe. Ein Thema, dessen
Hochkonjunktur noch bevorsteht...
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- HODEIGE,
Christian (2001): Männer an den Herd.
Ein Kochbuch für Singles,
in: Badische Zeitung v.
04.08.
- Kommentar:
HODEIGE stellt ein
Kochbuch vor, das für den frischgebackenen Single-Mann
geeignet sein soll: Gertrude FEIN "Das Kochbuch für den
Mann" aus dem Eichborn Verlag.
Warum das Buch nur
für Singles gut sein sollte, ist wohl das Geheimnis des
Rezensenten. Immerhin gibt es genügend Männer, die trotz
Partnerschaft durchaus ab und zu zum Alleinleben "verdammt"
sind. Und zudem soll es zunehmend mehr Frauen geben, für die
Kochen ein Fremdwort ist...
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- MOSER, Ulrike
(2001): Unter Barbaren.
Wie sollen Kinder erzogen
werden? Der Konsens darüber ist verloren
gegangen. Eine konservative Pädagogik fordert
die Rückkehr zu Strenge, Gehorsam und
Pflichtbewusstsein,
in: Die Woche Nr.31 v.
03.08.
- Inhalt:
MOSER setzt sich mit
Susanne
GASCHKEs
"Erziehungskatastrophe" und das
vom Spiegel herbeigeschriebene
"Comeback
der Vollzeitmutter" (Nr. 29 v.
16.07.2001)
auseinander. MOSER sieht zwar auch die Familie in der Krise:
"Weil sie keine
Versorgungsinstitution und kein Bündnis für die Ewigkeit
mehr ist. Und weil die Arbeitswelt funktioniert, als gäbe es
keine Kinder."
Sie
sieht jedoch keinen Grund, die Forderung nach besserer
Vereinbarkeit von Beruf und Familie deswegen aufzugeben.
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- STECHER,
Thorsten (2001): Die Stunde der heiligen
Backfische.
Mit
seinen neuesten Superheldinnen Bridget Jones und
Amélie Poulain restauriert das Kino einen
Frauentyp, den es eigentlich gar nicht mehr geben
dürfte,
in: Weltwoche Nr.31 v.
02.08.
- Inhalt:
Gemäss STECKER
berichten die Tagebuchaufzeichnungen der
Bridget Jones "nicht von idyllischen
Verhältnissen. Im Gegenteil, ihr Thema
ist das Schicksal so genannter
'Cosmo-Girls'. Die bemitleidenswerten
Frauen aus der englischen Hauptstadt sind
über dreissig und haben
Lifestyle-Magazine wie Cosmopolitan zur
Bibel erklärt. Jetzt müssen sie
einsehen, dass die Freuden der weiblichen
Selbstverwirklichung ausgeblieben sind.
Die Schöpferin von Bridget Jones, die
Journalistin
Helen Fielding, (...)
kommentierte: 'Diese Frauen haben den
schicken Wagen und das schicke Apartment,
gehen regelmässig ins Fitnesscenter und
fragen sich trotzdem: Warum bin ich nicht
verheiratet?' (...) Bridget ist die
Gewährsdame eines neuen, eher putzigen
Feminismus. Nach ihrem Vorbild haben sich
in England bereits erste Verhaltensmuster
ausgeformt. 'Very BJ' zu sein, gilt als
Kompliment an alle, die sich mit etwas
Selbstironie und einer grossen Portion
Naivität im harten Londoner Frauenalltag
zurechtfinden."
Für STECKER ist die
Film-Bridget
Jones eine Reinkarnation
des Liebchen aus den fünfziger Jahren.
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- STUCK,
Silke (2001): Weiblich, ledig, jung sucht...
Die
Single-Porträts von Corinn Philipps gehen übers
Klischee nicht hinaus,
in: Berliner Zeitung v.
02.08.
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- BUTTINGER
(2001): Parasiten-Singles
in: Oberösterreichische Zeitung v. 01.08.
- Inhalt:
Ein Kommentar u.a. zu
den japanischen Singles. Nesthocker im
Konsumrausch werden von dem japanischen
Soziologen Asahiro YAMADA als
"parasitäre Singles"
bezeichnet.
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- Kommentar:
Das Themenmagazin
vom August beschäftigt sich ausgiebig
mit der problematischen Zielgruppe
"Alleinlebende".
Über
Singles wird zwar viel geredet - vor
allem in politischen Zusammenhängen - ,
aber es gibt kaum brauchbare Studien, die
Wirtschaftsunternehmen Auskunft über das
Konsumverhalten der Singles geben
könnten.
Der
Alleinlebende ist in ökonomischer
Hinsicht das unbekannte Wesen. Vor diesem
Hintergrund ist das Themenheft ein
wichtiger Beitrag. Es wird - im Gegensatz
zu vielen anderen Publikationen -
versucht dem Single in seiner Vielfalt
gerecht zu werden.
Wer sich
für Marketingkonzepte, spezielle
Singlemärkte und Produkte für Singles
interessiert, der wird in dem
Themenmagazin umfassend informiert.
ROSBACH,
Britta (2001): Solisten mit Tücken.
Singles
sind eine komplexe Gesellschaftsgruppe.
Bunt gewürfelt, eigenwillig, unbekannt.
Und in der Statistik gelten sie als
wackelige Größe. Der gemeinsame Nenner:
Sie alle müssen selbstständig
wirtschaften,
in: LebensmittelZeitung Spezial Nr.3,
August
- Kommentar:
ROSBACH
sieht im Kriterium
"Alleinwirtschaften"
die Gemeinsamkeit aller
Singlegruppen.
Damit stellt sie jenes Kriterium
in den Mittelpunkt, das auch in
der Statistik des Bundesamtes in
Wiesbaden dominiert. Während
jedoch mit dem amtlichen Begriff
"Alleinlebende" meist
weitreichende Annahmen über die
Lebensweise dieser Gruppe
verbunden sind, wird bei ROSBACH
deutlich, dass von dieser
Sichtweise Abschied genommen
werden muss.
Nachfolgend
eine kleine Auswahl der Artikel aus dem Magazin.
- ROSBACH,
Britta (2001): Das Familien-Credo.
Alleinlebende
sind durchaus auch ein Thema für die
Sozialpolitik, meint Familienministerin
Christine Bergmann. Doch konkrete
Konzepte fehlen,
in: LebensmittelZeitung Spezial Nr.3,
August
- Kommentar:
ROSBACH
stellt der Familienministerin
Fragen, die Singles
interessieren. Befriedigende
Antworten: Fehlanzeige!
-
ROSENKRANZ,
Doris (2001): Dinner for one.
Wie
leben, fühlen, konsumieren Singles? Nur
wenig ist darüber bekannt,
in: LebensmittelZeitung Spezial Nr.3,
August
- RÜCK,
Daniela (2001): Das verlockende Tabu.
Das
Geschäft mit dem Single machen viele -
etwa die Tourismus-, Unterhaltungs- und
Ernährungsbranche. Sie kennen die
Bedürfnisse der Alleinlebenden, sprechen
sie aber werblich nicht direkt an. Der
Begriff Single ist ein Reizwort,
in: LebensmittelZeitung Spezial Nr.3,
August
- Kommentar:
Spätestens
seit Anfang der 90er Jahre ist
der Begriff "Single"
durch die sozialpolitische
Debatte negativ besetzt.
Wer sich
heute als Single outet, der muss
damit rechnen, dass er als
Sozialschmarotzer angepöbelt
wird. Es ist daher nicht
verwunderlich, dass
Marketingexperten den Begriff
meiden.
Nur jene Branchen, die vom
Versprechen leben, das
Single-Dasein zu beenden,
sprechen Partnerlose als Singles
an.
RÜCK schreibt, dass das
Single-Magazin "Solos",
das letztes Jahr als Magazin für
"Power-Singles"
gestartet ist, "gerade
gefloppt" ist.
Single-dasein.de
hat im Oktober 2000 kritisch
über dieses Magazin berichtet
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- JELLOUSCHEK,
Hans (2001): Die Liebe retten.
Was Paare wissen sollten,
ehe sie sich trennen,
in: Psychologie Heute,
August
- ERNST, Heiko
(2001): Nach dem Happy End wird abjeblendt...
Die sieben Szenarien der
Liebe,
in: Psychologie Heute,
August
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Marie
Claire-Coverstory: "Single-Frauen und
Sex" zum Film-Start von "Bridget
Jones"
- MESCHEDE,
Eva (2001): Die Superratten kommen!
Begleitet werden sie
von einer Flut neuer Frauen-Kultfilme,
in: Marie Claire,
August
- REHFELD,
Nina (2001): "Ich bin wie
Bridget".
Sie lebt allein, ist
auf der Suche nach einem Seelenverwandten
und zieht Missgeschicke magisch an: Die
Schauspielerin Renée Zellweger hat
erstaunliche Ähnlichkeiten mit ihrer
Filmheldin Bridget Jones. Im
MARIE-CLAIRE-Interview enthüllt sie ihre
liebenswerten Schwächen,
in: Marie Claire,
August
- SPÄTH,
Natalie (2001): Sex and the Single-Girl.
Zwischen Frust und
Lust: sechs Frauen über ihr Liebesleben
ohne festen Partner,
in: Marie Claire,
August
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 16. bis 31. Juli
2001
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