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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 01. - 15. August 2002

 
       
     
   
Zitat des Monats:
"Einer meiner ersten bezahlten Jobs bestand in der freien Mitarbeit als Szene-Reporterin in der Frankfurter Prinz-Redaktion. Auch dort wurden Lifestyle-Trends gemacht beziehungsweise frei erfunden. Oder gab es sie wirklich? Man konnte nie sicher sein, was zuerst da war, der Trend oder die Idee des Trends."
(Katja Kullmann in "Generation Ally", 2002)
 
       
   
  • GRIEDER, André (2002): "Ich bin ein Egomane".
    Hugh Grant kommt mit "About a Boy" ins Kino. Im Gespräch stellt er sich als Neurotiker dar,
    in: Facts Nr.33 v. 15.08.
    • Inhalt:
      Die Gebrüder Chris & Paul WEITZ haben das Buch "About a Boy" von Nick HORNBY verfilmt. GRIEDER spricht mit dem Hauptdarsteller Hugh GRANT:

                  "Facts: Wollen Sie einmal heiraten?
      GRANT: Es gab Zeiten, als alle meine Freunde heirateten und sie mich fragten: «Hughie, was ist los mit dir, weshalb heiratest du nicht?» Jetzt sind sie alle in Scheidung, und ich sage mir: «Gut, muss ich da nicht durch.» Da fühle ich schon ein bisschen Schadenfreude."
 
   
  • ROSSUM, Walter van (2002): Im Herzen des Müllcontainers.
    "Schluß mit cool" - T. C. Boyle erklärt der zierlichen Verzweiflung den Krieg,
    in: Die ZEIT Nr.34 v. 15.08.
 
   
  • KONRAD, Kai (2002): Paare in der Steuerfalle.
    Das Ehegattensplitting ist frauenfeindlich und kann Familien zerstören,
    in: Die ZEIT Nr.34 v. 15.08.
    • Kommentar:
      Eine Kritik am Ehegattensplitting aus der Perspektive von Doppelkarrierepaaren. Unberücksichtigt bleibt jedoch, dass neben der traditionellen geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung auch der Rollentausch gefördert wird.
 
     
   
SPIEGEL -Titelgeschichte: Jung, erfolgreich, entlassen.
Die Arbeitslosigkeit erreicht die Mittelschicht
 
   
  • HEFNER, Claudia (2002): Babys auf Bestellung.
    Vor 20 Jahren wurde Österreichs erstes Retortenbaby geboren. Aus der einst exklusiven künstlichen Befruchtung ist längst ein boomendes Geschäft geworden: Immer mehr Paare wünschen sich Kinder aus dem Labor – und wollen so die sinkende Zeugungsfähigkeit kompensieren,
    in: Profil Nr.33 v. 12.08.
 
     
   
  • ADORJAN, Johanna (2002): Katherina Reiche ist die Frau, mit der Stoiber im Wahlkampf auf Frauenfang gehen will,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.08.
 
   
  • kl (2002): Saar-Ehen gehen häufiger zu Bruch.
    Nur Stadtstaaten haben mehr Scheidungen - Soziologin: Partner verlangen mehr Beziehungs-Qualität,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 10.08.
  • KLOSTERMANN, Dietmar (2002): Ehe nicht ehern wie ehedem.
    Hohe Qualitätsansprüche führen zu Scheidungen,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 10.08.
  • PFEIFFER, Christine (2002): Keine Trennung auf Kosten der Kinderseele.
    Psychologin: Ehe nicht mehr unbedingt Lebensbund - Hohe Scheidungsquote im Saarland,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 10.08.
    • Inhalt:
      Interview mit der Diplom-Psychologin Dorothee LAPPEHSEN-LENGLER
 
   
  • HAAS, Claudia & Roland LOSCH (2002): "Gedöns" wird zum Wahlkampfknüller.
    Familie und Kinder sind inzwischen Top-Themen für die Bundestags-Parteien - und alle wollen tief in die Kasse greifen
    in: Saarbrücker Zeitung v. 10.08.
  • SATOR, Antje (2002): Familie Stoiber gegen den Kanzler,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 10.08.
 
   
  • FRECH, Günter (2002): Hartz und die Haushaltsvorstände,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 10.08.
    • Kommentar:
      Margret MÖNIG-RAANE, Vizechefin der Dienstleistungsgewerkschaft VERDI kritisiert das konservative Frauen- und Familienbild des Hartz-Konzeptes:
                  "Ob gewollt oder nicht, hier hantiert die Kommission mit dem Ernährer-Modell aus den Fünfziger Jahren". Die Kritik greift zu kurz, denn das Modell ist zugleich singlefeindlich.
 
   
  • WETZEL, Maria (2002): Akademiker ohne Kinder.
    Familienforscher fordert mehr Entlastung für Eltern,
    in: Stuttgarter Nachrichten v. 10.08.
  • WETZEL, Maria (2002): "Finanzielle Anreize erhöhen die Geburtenzahl nicht".
    Familienforscher Fthenakis fordert eine Neuorientierung der Familienpolitik,
    in: Stuttgarter Nachrichten v. 10.08.
  • WETZEL, Maria (2002): Kinder und Karriere,
    in: Stuttgarter Nachrichten v. 10.08.
 
   
  • SEIBT, Gustav (2002): Auf Wiedersehen Schönheit.
    In der demographischen Zeitenwende (1): Die gealterte Gesellschaft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.08.
    • Kommentar:
      Wenn jemand Bücher liest wie Die deformierte Gesellschaft (Meinhard MIEGEL) oder Die demographische Zeitenwende (Herwig BIRG), dann könnte dieser Jemand auf solche Fragen kommen wie:
                  "Werden kritische Fernsehserien die Geschichte aufarbeiten und die Verbrechen der Selbstverwirklichung ums Jahr 2000 anprangern?"
                  Leider stellt sich Gustav SEIBT die näher liegende Frage nicht: Was ist von solchen Prognosen überhaupt zu halten?
                  SEIBT hätte sich die demographische Literatur um das Jahr 1965 ansehen sollen. Damals hatten Demographen aufgrund des Verhaltens in den 50er Jahren auf das Verhalten im Jahr 2000 kurzgeschlossen, so wie heutzutage Demographen vom Verhalten der 70er Jahre auf das Verhalten im Jahr 2030 oder noch weiter in die Zukunft schließen.
                  1966 gab Hans-Joachim NETZER das Buch Die Gesellschaft der nächsten Generation heraus. In dem Beitrag von Hermann SCHUBNELL über die "Entwicklung unserer Bevölkerung" zieht der Autor den Schluss:
                  "die weitere Verbesserung der Einkommens- und vor allem der Wohnverhältnisse für breitere Bevölkerungskreise vorausgesetzt - (werden) in der künftigen Generation sicher nicht weniger Kinder geboren werden als in der heutigen und daß die Tendenz besteht, eher drei Kinder als nur zwei haben zu wollen." (S.63)
                  SCHUBNELL bezieht sich bei seinen Prognosen zum Geburtenüberschuss auf die Bevölkerungsvorausberechnung von Karl SCHWARZ, der die Geburtenhäufigkeit von 1964 ins Jahr 2000 hochrechnete:
                  "Auf Grund dieser Annahmen zeigt es sich, daß wir bis zum Jahr 2000 mit einem Geburtenüberschuß rechnen können, der zwischen 3,7 Promille und 6,1 Promille liegt".
                  Bereits zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Prognosen hatte sich das Gebärverhalten der Frauen verändert. Kein Demograph hat dies damals rechtzeitig prognostiziert. Es ist davon auszugehen, dass dieses Schicksal auch den Prognosen von Herwig BIRG beschieden sein wird. MIEGEL bezieht sich mit seinen Daten auf BIRG so wie SCHUBNELL damals auf SCHWARZ.
                  Es muss also erstaunen, dass die Prognosen der Demografen nicht stärker in Zweifel gezogen werden und stattdessen von Kulturpessimisten wie SEIBT Horrorvisionen auf der Basis demografischer Unwahrscheinlichkeiten verbreitet werden.
 
   
  • LIEBS, Holger (2002): Soft sells.
    Weniger Muskeln, mehr Haare: Die Werbung hat ein neues Männerbild entdeckt – es ist auch ein altes,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.08.
    • Inhalt:
      "Härte und Männlichkeit waren bei den Slackern nicht gefragt, Schmerz und abgerissene Melancholie traten an ihre Stelle. Diese nihilistischen Babyboomer waren passiv und kraftlos, weil sie keinen Anschluss an die New Economy, ja nicht einmal an die digitalen Nerd-Gewinnspiralen hatten. Beck sang 'I’m a loser', die Dream Warriors legten nach mit 'I got a hole in my soul about 10 feet wide. What’s the year? It’s the 90s. Life’s a bitch', und diesen Untergangs-Lifestyle schrieb niemand besser auf als Douglas Coupland im Roman Generation X, der auch den Begriff des 'mentalen Ground Zero' geprägt hat.
                  Und nun kehrt all das also wieder, in einer verfrühten Retro-Laune", fragt sich empört LIEBS nach einem Blick in aktuelle Mode- und Männerzeitschriften.
 
   
  • FUNK, Albert (2002): "Kinder statt Ehe fördern".
    DIW schlägt Umbau der Unterstützung für Familien vor,
    in: Tagesspiegel v. 09.08.
 
     
   
  • DPA/GMS (2002): Wenn Paare und Singles aufeinander treffen,
    in: Thüringische Landeszeitung v. 07.08.
    • Inhalt:
      "In Deutschland (...) sitzen Singles ganz selbstverständlich bei Paaren mit am Tisch - zumindest in der Theorie der Benimmregeln. In der Praxis ist das Verhältnis nicht unproblematisch", so wird in dem Bericht ein Alltagsproblem von Singles beschrieben.
 
   
  • JACOBI, Robert (2002): Die Rentner sind sicher.
    Aber die Rückkehr der Alten macht die Jugend nur noch stärker,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.08.
    • Kommentar:
      JACOBI verbreitet Durchhalteparolen für die Generation Golf und schiebt der Single-Generation die Schuld für die Misere der jungen Elite in die Schuhe:
                  "Generation Zwei hat den Boom ausgenutzt, gruppiert sich um die Vierzig- bis Fünfzigjährigen, die Middelhoffs dieses Landes, die in den neunziger Jahren schnell nach oben kamen und lernten, von dünner Luft zu leben. Sie wagten und gewannen, zogen Neid auf sich und Spott, weil sie den Shareholder-Value für wichtiger hielten als das kulturelle Erbe des Abendlandes. Ohne ideologischen Ballast kletterten sie durch Netzwerke, die lange hielten, nur um sich plötzlich in Luft aufzulösen. Geben haben sie abgeschafft, wenn es nicht mit Nehmen verbunden war. Arm dran ist vor allem der zweite Teil dieser Generation Zwei, jene Menschen, die vermeintlich zeitgeistgemäß für den Erfolg sogar auf Familie verzichtet, es aber trotzdem nicht nach oben geschafft haben. Sie erreichen ein Höchstmaß persönlicher Frustration und hemmen, was kreativ und erfolgversprechend ist, nur weil es von anderen kommt. Deren Kampf ist längst verloren."
                  Momentan profitieren jedoch die jungen Alten vom Scheitern der "Spassgeneration", aber JACOBI sieht Licht am Ende des langen Tunnels:
                  "Generation Eins, zwangsläufig die Generation der Zukunft, hat also keinen Grund, den Frustpegel weiter steigen zu lassen. Die Warteschleife ist nur etwas ausgedehnter als vor zehn Jahren die der hyperflexiblen Vorgängergeneration, deren Mitglieder mangels cash flow demnächst ihre Strandbungalows räumen müssen. Weg mit euch! (...).
                  Wenn etwas später auch die Alten das Feld räumen, dann bekommt keinesfalls die diskreditierte Generation Zwei ihre zweite Chance. (...).
                  Abgeschreckt vom lautstarken Scheitern der Spaßgeneration und einem Kanzler der leeren Worte wissen die Jungen, was Werte sind. (...). Wir Jungen können warten, die aufgezwungene quarterlife crisis mit Gewinn durchleben und uns in aller Ruhe auf den leisen Umsturz vorbereiten."
                  Den Kampf gegen die Alten hat Jan BRANDT (TAZ vom 03.08). im Vergleich mit dem "Jahrgang 1902" (Ernst GLAESER) anschaulich beschrieben und Bodo MROZEK - ein entlassener Kollege von JACOBI sieht in der TAZ vom 30.07. die Angelegenheit seiner Generation Golf wesentlich selbstkritischer:
                  "Dass die Entlassung von ein paar hundert Journalisten (...) zum generationellen Debakel aufgeblasen wird, war erwartbar. Journalisten schreiben am liebsten über Journalisten, und wenn man sich schon immer selbst als Maßstab aller Dinge genügte, dann muss die Lage der Nation geradezu zwangsläufig vom eigenen Schicksal abhängen."
 
   
  • KISTER, Kurt (2002): Adieu, Berliner Republik,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.08.
    • Inhalt:
      KISTER nimmt Abschied von der Generation Berlin:
                  "Die Berliner Republik ist eine intellektuelle Schimäre geblieben. Eine Zeitschrift gleichen Namens dümpelt vor sich hin, gemacht von den jungen Veteranen einer kaum über den Status der Hoffnung hinaus gediehenen Bewegung. In den Fraktionen herrschen die, die immer schon herrschten, und wenn ein paar Neue dazugekommen sind, dann machen sie es wie die Alten."
 
   
  • STEMMLER, Kristian (2002): Nichts wie raus aus der City.
    Stadtplaner registrieren einen rapiden Einwohner-Zuwachs an der Peripherie.
    in: Hamburger Abendblatt v. 06.08.
    • Kommentar:
      "Aus der Stadtflucht ist eine Innenstadtflucht geworden", beklagt STEMMLER.
                  Bei näherem Hinsehen stimmt dies nicht, denn die Innenstadt ist bei den Yuppies gefragt, während die jungen Familien nach ihrem Yuppieleben in die Reihenhaussiedlungen am Stadtrand ziehen. Die Yuppifizierung von innerstädtischen Bezirken ist ein Phänomen, das seit den 80er Jahren im Blickpunkt steht. Dagegen gerät die Suburbanisierung erst neuerdings in den Blick und das, obwohl beide Prozesse zeitgleich stattgefunden haben.
 
     
     
   
  • GERBER, Torsten (2002): Klares Nein zur Halbierung der Rente von Nichteltern.
    Seltene Einigkeit von SPD und CDU,
    in: Welt am Sonntag v. 04.08.
 
   
  • HEYDEBRECK, Amelie von (2002): Die Entmachtung der Jugend.
    Die Alten schlagen zurück: Im deutschen Kunst- und Kulturbetrieb haben junge Menschen immer weniger zu melden,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.08.
    • Kommentar:
      Die Autorin sieht die Jugend im Verschwinden und beschwört die Altenrepublik:
                  "Die Masse, das werden schon bald die über 60jährigen sein. Nach Schätzungen des Bundesinnenministeriums wird ihr Anteil bis zum Jahr 2030 auf mehr als 35 Prozent steigen. Diese Erkenntnis hat inzwischen auch Grauhaarige in die Werbung gebracht - Hauptsache allerdings, nicht zu alt, und Hauptsache, braungebrannt. Ein bißchen Schönheitschirurgie an der Wirklichkeit muß sein. Eben weil die Zielgruppe bislang von der Werbewirtschaft vernachlässigt worden sei, will der Leipziger Fernsehproduzent Moviemaxx ab Oktober ein deutschlandweites Seniorenprogramm anbieten. Nicht nur Volkmusik, bewahre: Mittlerweile seien ja auch die Rolling Stones seniorenkompatibel."
 
   
  • BRANDT, Jan (2002): Abschied vom Aufstieg.
    Die "Generation Golf" ist in der Krise. Schon einmal hatte eine ganze Altersgruppe in Deutschland das Gefühl, überflüssig
    zu sein: der "Jahrgang 1902", zu dem auch die Schriftsteller Ernst Glaeser und Ernst von Salomon gehörten. Ein Rückblick

    in: TAZ v. 03.08.
    • Inhalt:
      BRANDT zieht Parallelen zwischen dem "Jahrgang 1902", dem ersten Jahrgang, der nicht als Soldat in den 1. Weltkrieg ziehen musste, und der "Generation Golf":
                  "Wer für die Misere verantwortlich war, darüber bestand bei den Jungen kein Zweifel. 'Der Krieg', sagt jemand im 'Jahrgang 1902', 'das sind unsere Eltern', und bringt damit zum Ausdruck, was viele seiner Altersgenossen dachten, die davon überzeugt waren, als erste Generation gegenüber vorangegangenen 'als ganze, große Schicht enterbt und ausgesetzt' worden zu sein. Die nach dem Krieg einsetzende Rezession, die Inflation und die bürgerkriegsähnlichen Zustände schienen die Erwartungen, dass es mit einer demokratisch gewählten Regierung auch nicht besser werden würde, zu bestätigen. Zudem sahen sich Arbeiter, Angestellte und Akademiker - wie heute auch - mit einer außergewöhnlich hohen strukturellen und konjunkturellen Erwerbslosigkeit konfrontiert.
      In diesem Klima allgemeiner Sinnsuche und Verwirrung begannen sich vor allem in konservativen Kreisen revolutionäre Ideen zu entfalten. Viele junge Männer waren nicht länger gewillt, die gesellschaftlichen Verhältnisse hinzunehmen, sondern wollten aktiv an ihrer Gestaltung mitwirken und die 'Republik der Greise' (Joseph Goebbels) durch die Herrschaft einer 'jungen Generation' ablösen.
      Das einzige, was junge Linke und Rechte einte und die 'Kriegsjugendgeneration' des Jahrgangs 1902 mit den Frontsoldaten zu verbinden schien, war der 'Kampf gegen die Alten', die den Krieg verschuldet hatten und danach wieder wichtige Positionen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit einer Selbstverständlichkeit besetzten, als ob nichts gewesen wäre."
 
   
  • TAZ-THEMA "Wahl 2002 - Die Frauen- und Familienpolitik".
     Der demografische Schock und die Debatte über Zuwanderung haben die Familienpolitik zum Wahlkampfthema gemacht. Entsprechend groß fallen die Versprechungen aus: Die Parteien kämpfen um die Gunst der Wählerinnen, die zahlreicher sind als die Wähler. TEIL 8 DER TAZ-SERIE ZUR WAHL

    in: TAZ v. 02.08.

 
     
   
  • LOJEWSKI, Günther von (2002): Renaissance eines Politikthemas: Den Worten folgen nur wenige Taten. Alles Krokodilstränen.
    Familiengeld, Betreuung von früh bis spät - ist das wirklich zum Besten der Kinder, wie die Parteien sagen? Unser Autor bezweifelt das,
    in: Rheinischer Merkur Nr.31 v. 01.08.
  • GIERTH, Matthias (2002): Weg mit der Erwachsenenbrille,
    Was ist kindgerecht? Die Kommunalpolitik ist gefordert,
    in: Rheinischer Merkur Nr.31 v. 01.08.
    • Inhalt:
      Interview mit Alois GLÜCK
 
   
  • KRAUSE, Tilman (2002): Renaissance des Bürgerlichen.
    Eine Familiengeschichte,
    in: Merkur Nr. 8, August
    • Kommentar:
      Tilman KRAUSE erzählt nicht eine, sondern SEINE Familiengeschichte. In seinem autobiografischen Text wird deutlich, warum er zum einen das altehrwürdige Bildungsbürgertum verteidigt und anderseits das neue Bürgertum und die Emporkömmlinge der 68er-Generation ablehnt. KRAUSES Großvater mütterlicherseits war ein Emporkömmling der wilhelminischen Spassgesellschaft, der durch seine Hochzeit den Aufstieg festigen wollte, jedoch sozial abstieg:
                  "Nach nicht einmal sechs Monaten wurde Hochzeit gefeiert. Dummerweise verlor der Prinzenerzieher, dessen Position nur für ledige Personen in Frage kam, seine Stelle und mußte sich etwas Neues suchen. Es fand sich im ganzen großen Deutschen Reich, das gerade eine Lehrerarbeitslosigkeit durchmachte, anscheinend nur eine Stelle als Oberlehrer in Kiel."
                  Dem Statusverlust entsprach jedoch kein Bewusstseinwandel, denn als "Mitglieder jener kulturtragenden Elite (...), die das gehobene Beamtentum zwischen Kaiserreich und Nazizeit in Deutschland darstellte", konnte der individuelle Abstieg kompensiert werden.
                  Dieses Elitenbewusstsein ließ ihn die Nazis verachten und die 50er-Jahre unter ADENAUER begrüßen. KRAUSE identifiziert sich offensichtlich mit seinem Großvater, während seine Eltern den Bruch mit dieser Welt vollzogen:
                  "Ich wohnte damals mit meinen Eltern in Kiel. Sie waren geradezu prototypische Vertreter der 'skeptischen Generation', schon auf dem Sprung, die Verkrustungen der bundesrepublikanischen Restauration aufzubrechen. Beide waren Studienräte, auch meine Mutter war berufstätig, in den Augen der älteren Generation ein Skandal, wenn man heranwachsende Kinder hatte. Sie vollzogen, wo sie nur konnten, die Abkehr von der Welt ihrer eigenen Eltern."
                  Das neue Bürgertum, das KRAUSE im gegenwärtigen Berlin entstehen sieht, beurteilt er mit dem strengen Blick seines Großvaters und seiner Großmutter:
                  "kulturprotestantisch geprägt wie sie waren, hätten sie sofort nach dem Sein hinter dem Schein gefragt. Welche eigene Leistung liegt der ausgestellten Repräsentationskultur eigentlich zugrunde? (...). Vor allem aber dürfte ihnen fehlen, was ihrem gesamten sozialen und emotionalen Leben zugrunde lag: Verwurzlung in der deutschen Bürgerkultur."
                  Verwurzelung das ist KRAUSEs Gegenbegriff zur Gegenwart, in der Mobilität, Flexibilität und Promiskuität (hier führt er seinen Gewährsmann HOUELLEBECQ an) die Angst vor Beliebigkeit und Ichverlust schüren und gleichzeitig die Sehnsucht nach einer stabilen Bürgerwelt steigern.
                  Die Familie, das ist für das Bürgertum wie es KRAUSE vorschwebt, das A und O:
                  "wer die Lebensgrundnorm und -grundform, also die Familie, nicht hinbekam, war ein Mensch zweiter Klasse. Mal mit mehr, mal mit weniger Mitleid bemäntelte sich Verachtung für Ehelose. 'Alte Jungfer' war eine gängige, völlig unhinterfragte Bezeichnung".
                  Es mag als Ironie des bürgerlichen Schicksals erscheinen, dass KRAUSEs Großvater zwar seine Familie hinbekam, gleichzeitig aber seinen Ledigenberuf verlor und damit sozial abstieg! Das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie war also bereits im Bildungsbürgertum der wilhelminischen Spassgesellschaft angelegt und ist somit kein historisches Novum wie das Sozialpopulisten heutzutage verkünden.
 
       
       
   

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