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Medienrundschau:
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News vom
01. - 05. August
2004
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Zitat
des Monats:
"Die
bislang für einen westdeutschen Geburtsjahrgang niedrigste
endgültige Kinderzahl wird mit 1439 für die 1968 geborenen
Frauen geschätzt. Für die danach geborenen Frauen (1969, 1970)
erwarten wir mit 1456 bzw. 1472 leichte Anstiege der endgültigen
Kinderzahl. Der Rückgang der endgültigen Kinderzahlen, der
bereits seit dem Jahrgang 1933 (2224) bestand, ist damit
abgeschlossen."
(Jürgen Dorbritz
in den BIB-Mitteilungen, Nr.2 v. 22.06.2004) |
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RM-Spezial: Deutschland -
Uneinig Vaterland.
Die Armut nimmt wieder zu. Neu
Gegensätze spalten die Republik. Droht ein Klassenkampf wie in der
Vergangenheit?
- KÜHNE, Hartmut (2004): Ramschläden
neben Luxusgeschäften.
Horst Köhler hat in
seiner Antrittsrede gewarnt: Durch unser Land geht ein neuer Graben.
Es gibt eine Unterschicht, um die sich Politiker kaum kümmern,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- KÜHNE, Hartmut (2004): "Von der Mitte
in die Armut".
Fünf Fragen an Walter Hanesch
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- MIROW, Thomas (2004): Der geteilte
Michel.
Entfremdung. Weshalb Politiker die Bürger nicht mehr erreichen,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- GIERTH, Matthias (2004): Suppe gegen
soziale Kälte.
Einsatz für andere: Unser Land braucht mehr bürgerschaftliches
Engagement,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- THIELE, Christian (2004): Von der
Straße ins Parlament.
Linkspartei. Sammelbecken für frustrierte Wähler,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- Kommentar:
Die nachfolgende Konfliktanalyse des RM beruht
auf der
nationalkonservativen Perspektive von Herwig
BIRG, die jedoch ungenannt bleibt.
Im Mai-Heft der
Zeitschrift Internationale Politik hat BIRG den
"demographisch bedingten Verteilungsstress" als Kernproblem mit fünf
Konfliktlinien dargelegt.
Die Konflikte
sind jedoch nicht die unausweichlichen Konsequenzen des
demografischen Wandels - wie es im Merkur erscheint - , sondern sie
werden durch den
katholischen Sozialstaat und seinen
perfiden Umverteilungsmechanismus erst erzeugt.
Grundlegendes Prinzip:
Die Unternehmer und Reichen werden aus den Solidaritätssystemen
entlassen, während die Arbeitnehmer einem Verteilungskampf jeder
gegen jeden ausgesetzt werden.
Einen guten Überblick
über die Konsequenzen der neuen Sozialpolitik vermitteln die
Schriften des Politikwissenschaftlers
Stephan LESSENICH.
Der Angehörige der
Generation Golf wirft einen anderen Blick auf die neuen
Verteilungskämpfe.
RM (2004): Neue Gegensätze: Deutschland zerfällt. Fünf Beispiele,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- GUTSCHKER, Thomas (2004): Inländer
gegen Ausländer.
Stets die Türkei im Blick,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- GIERTH, Matthias (2004): Alt gegen
Jung.
Von Rentnerfluten und Humankapital,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- MEHLITZ, Johannes (2004): West
gegen Ost.
Hoyerswerda blickt in eine blasse Zukunft,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- BÜSSER, Muriel (2004): Kinderlose
gegen Eltern.
1,4 Kinder pro Frau sind zu wenig,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
- BÜSSER, Muriel (2004): Beschäftigte
gegen Arbeitslose.
Das gute Beispiel von DaimlerChrysler,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 05.08.
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WOLF-DOETTINCHEM, Lorenz (2004): Wehe, du wirst arbeitslos.
Bisher galt: Wer gut
verdient, bekommt auch als Arbeitsloser viel. Nun gilt: Gutverdiener
werden am tiefsten stürzen. Denn ab 2005 zahlt der Staat jedem, der
länger als ein Jahr ohne Arbeit ist, nur noch das Überleben,
in: Stern Nr.33 v. 05.08.
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- MEJIAS, Jordan (2004): Der
amerikanische Traum ist ausgeträumt.
Gespräch mit Jeremy Rifkin: Kopf hoch, werte alte Welt. Die
europäischen Werte haben Zukunft, weil sie auf Gemeinschaftlichkeit
setzen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.08.
- Kommentar:
Der US-Amerikaner
Jeremy RIFKIN wird anlässlich
seines neuen Buches über den europäischen Traum interviewt.
Seine Vorstellungen über den
deutschen Sozialstaat stammen aber anscheinend noch aus dem letzten
Jahrhundert.
Politikwissenschaftler wie
der 68er-Pensionär Helmut WIESENTHAL
plädieren gar für eine Politik des Thatcherism, um in Deutschland
eine effiziente Klassengesellschaft durchzusetzen.
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- RÜHLE, Alex (2004): Klirrgeräusche im
Staubsaugerrohr.
Vor dreißig Jahren tauchten die ersten Playmobilfiguren in den
Kinderzimmern auf,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.08.
- Inhalt:
RÜHLE feiert DAS Jubiläum der
Generation Playmobil:
"Als er einmal nach
Vorbildern für seine Männchen mit den kindlichen Proportionen
befragt wurde, fielen dem Erfinder Hans Beck nur die »Peanuts« ein,
jene Figuren von Charles M. Schulz, die in ihren kleinen Kugelköpfen
die Probleme der Erwachsenen wälzen. Umberto Eco fand in den
Dialogen der Peanuts »all die Leichen von Erwachsenen, monströse
infantile Reduktion all der Neurosen des modernen Bürgers«".
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KEUPP, Heiner (2004): Das leere Selbst.
Über Bert Hellinger, seine Anhänger und die Welt, in der sie leben,
in: Jungle World Nr.33 v. 04.08.
- Kommentar:
Der Münchner Sozialpsychologe
Heiner KEUPP,
der
am Wochenende über die Reformen palavern durfte, erklärt
nun den JW-Lesern die Folgen der Individualisierung.
KEUPP spricht gar -
im Anschluss an den konservativen Religionssoziologen Peter L.
BERGER - von "explodierendem Pluralismus".
Lebt der Mensch
eigentlich in Deutschland? Offenbar nicht! Wer heutzutage
Individualisierung als Befreiung und nicht als
Zwangsindividualisierung durch Markt und Staat thematisiert, der hat
die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt.
KEUPP wendet sich hier
natürlich auch nur an den elitären Kreis der Globalisierungslinke,
die Teil der neuen privilegierten globalen Klasse (DAHRENDORF) sind.
Von dieser
Überflieger-Perspektive aus, widmet sich KEUPP den fünf
Identitätserzählungen, die auf die Krise der Moderne reagieren:
"Man
kann fünf Typen von Identitätserzählungen unterscheiden, die in
ihrer jeweiligen Spezifik auf die Krise der Moderne antworten. (...)
Erstens: Der »proteische Typus« sieht in der Erosion moderner
Lebensgehäuse die große Chance für den Einzelnen, sich flexibel und
mobil in immer neuen Gestalten verwirklichen können. Er vertritt
einen neoliberalen Freiheitsmythos. Zweitens: Der
»fundamentalistische Typus« lehnt all das ab, was für den ersten
Typus als »Freiheitsgewinn« verbucht wird, und verspricht die
unverrückbaren Behausungen, in denen man sein gesichertes
Identitätsfundament finden könne. Hier wird in Gestalt des Angebots
von »unverrückbaren Ordnungen« ein Skript geboten, das sich jeder
historisch-kulturellen Reflexivität entzieht. Drittens: Der »reflexiv-kommunitäre
Typus«, für den der gegenwärtig wirksame Individualisierungsschub
und Entbettungsprozess Anlass für die Förderung von
posttraditionalen Einbindungen darstellt, in denen Menschen sich
selbstbestimmt vernetzen und dadurch kollektive Handlungs- und
Gestaltungsressourcen schaffen. Viertens: Der »Typus Selbstsorge«,
der sich den heimlichen Fesseln der allgegenwärtigen
»Pastoralmächte« entzieht und in Empowermentprozessen Eigensinn und
Selbstbemächtigung zu entwickeln versucht. Fünftens: Der »Typus
›beschädigtes Leben‹«, der gegenüber allen vier auf positive
Veränderungsmöglichkeiten setzenden Typen auf der provokanten
Gegenposition beharrt: »Es gibt kein richtiges Leben im falschen.«
Hellinger repräsentiert für mich den Typus des »fundamentalistischen
Selbst«, aber zugleich ist er keine Kopie vergangener Zeiten. Er
stellt für mich den C. G. Jung der Postmoderne dar."
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HERRMANN, Ulrike (2004): "Alle Arbeitslosen haben exakt dasselbe
Problem".
Weil die sozialen Einschnitte
ab 1. Januar alle gleichzeitig betreffen, wird der Druck auf Rot-Grün
erheblich zunehmen, ist der Protestforscher Dieter Rucht überzeugt,
in: TAZ v. 04.08.
- Inhalt:
Der Bewegungsforscher Dieter RUCHT gibt
Rot-Grün u.a. Ratschläge zur Zerschlagung der Proteste von
Arbeitslosen:
"Zynisch
formuliert: Die Politik hätte es genauso anstellen müssen, wie es
oft bei Entlassungen geschieht: häppchenweise staffeln. So dass etwa
erst die Langzeitarbeitslosen über vier Jahre drankommen, dann jene
über drei Jahre und so weiter. Dann hätte jede Gruppe gehofft, dass
es sie vielleicht doch nicht trifft - und würde zu Hause bleiben."
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TEGTMEIER, Sascha (2004): "Wir sind keine Hartz-Sklaven".
Erst waren es 600. Zur
zweiten Magdeburger Montagsdemo kommen mindestens 6.000. Doch den Ruf
"Wir sind das Volk" stimmen die Rechten an,
in: TAZ v. 04.08.
- Kommentar:
Die Magdeburger Montagsdemos zeigen, dass politische
Opposition nicht mehr in Partei, Gewerkschaft und anderen Verbänden
zuhause ist, sondern einzelne Bürger müssen Initiatoren von
Protesten werden, die dann - bei Erfolg - von den Medien verstärkt
werden...
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ZUCKER, Renée (2004): My Generation,
in: TAZ v. 04.08.
- Kommentar:
In der Regierungs-TAZ darf heute
Renée ZUCKER die uneinsichtige
TAZ-Leserschaft mit einem linksalternativen
Gürtel-enger-schnallen-&-schöner-Leben-Pamphlet beglücken.
ZUCKER wird uns als
arme Poeta ("ohne absehbares Erbe und soziale Absicherung")
vorgestellt, um ihrem Geschreibe Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Zielscheibe von ZUCKER
ist die Angst-vor-dem-Absturz-Fraktion. Jene Fraktion also, der die
TAZ bereits zum
Jahresende ein Dossier gewidmet hat und das als renitentes
Widerstandsnest gegen die alternativlosen Agenda-Reformen betrachtet
wird.
Der Text von ZUCKER
aktualisiert die
Erfahrungshunger-Pose der 70er
Jahre agenda2010komform.
Ihr Prinzip ist jenes, das
Fritz ZORN mit seinem Tod bezeugte und das nun ZUCKER mit ihrer
Arme-Poeta-Existenz gleichfalls bezeugen soll. "Existenzielle
Grenzerfahrung macht man eher nicht, wenn man satt und bräsig ist",
schreibt uns ZUCKER ins Gewissen.
Pech nur, dass uns
derlei Pseudo-Existenzialismus anekelt.
Wir hoffen deshalb
inbrünstig, dass die TAZ Frau ZUCKER das Honorar drastisch gekürzt
hat, denn dadurch wird Frau ZUCKER erst so richtig glücklich und der
Beta-Endorphin-Flow rauscht ihr zukünftig dauerhaft durch das
Gehirn. Dies verhindert dann hoffentlich weitere Texte dieser Art.
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HÖGE, Helmut (2004): Sozialer Kosmos Internetcafé,
in: TAZ v. 03.08.
- Kommentar:
HÖGE präsentiert eine Story aus der
Sommerloch-Rubrik Sommer, Sonne, Seitensprung:
"Lange
Zeit wurde dort die Geschichte der »Rothaarigen« verfolgt, die fast
jeden Vormittag in den Laden kam, um ihre E-Mails zu lesen, die sie
aber oft unzufrieden werden ließen. Sie sah so aus, als könnte sie
sich einen Netzanschluss zu Hause leisten. Man fand heraus, dass sie
verheiratet war und per Internet die
Bekanntschaftsanzeigen der Stadtmagazine Tip und
Zitty beantwortete - d. h. all jene »M sucht
W«-Annoncen, hinter denen eine E-Mail-Adresse stand. Zumindest ihre
erste E-Verabredung traf sie dann in einer Kneipe um die Ecke, wo
man sie dann auch schon mehrmals gesehen hatte. Eines Mittags
entpuppte sich eine neue Verabredung dort als ihr Ehemann, der
ebenfalls auf elektronische Partnersuche gegangen war"
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HAMMELEHLE, Sebastian (2004): Plebejer mit Magistergrad.
Fast unbemerkt hat sich Frank
Schulz einen Ruf als Schriftsteller der Generation von 1978
erschrieben. Erst erfolglos, kann er sich heute auf hohe Auflagen und
eine ungemein treue Fangemeinde stützen,
in: TAZ v. 03.08.
- Kommentar:
Welt am Sonntag und TAZ sind sich einig: Frank
SCHULZ hat mit
"Kolks blonde Bräute" einen
Kultroman geschrieben.
Wie bei "Herr Lehmann"
handelt es sich hier um einen Kneipenroman, der jedoch nicht in
Berlin spielt, sondern in Hamburg (jedoch abseits der Szenen wie sie
bei Christoph TWICKEL beschrieben werden).
HAMMELEHLE stilisiert
SCHULZ zum wahren 78er, der im Gegensatz zu Reinhard MOHR und
Matthias POLITYCKI den Zeitgeist jener Generation trifft.
SCHULZ knüpft
unverkennbar an die Ausgangssituation von "Von der Nutzlosigkeit
erwachsen zu werden" (HEINZEN/KOCH) an. Bei HAMMELHELE liest sich
das dann so:
"Grundlage
von Schulz Beobachtungen ist ein Grundkonflikt der eigenen
Altersgruppe: Man ist doch nur die Nachhut von 1968, kann sich
zwischen den beiden Idealfiguren jenes Jahres, dem Intellektuellen
und dem Proletarier, nicht entscheiden, rutscht schließlich ab ins
Dasein als Plebejer mit Magisterabschluss. Dies alles verkörpert
Bodo Morten, der, wie Schulz sagt, »nicht in die Spitze will,
sondern zurück. Er hatte mal einen sozialen Aufstieg verbunden mit
einem intellektuellen Aufstieg, wurde da aber enttäuscht und sucht
immer mehr nach einer Art Heimat.«"
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KNIPPHALS, Dirk (2004): Erzählungen vom Neubeginn.
Der Generationswechsel vollzieht sich, aber die
Verlagskrise ist schneller: Das "Kursbuch" sucht einen neuen Verlag,
in: TAZ v. 03.08.
- Kommentar:
KNIPPHALS entdeckt sein Herz für die bedrohte
Art "Kursbuch".
In der
Erlebnisgesellschaft hilft seiner Meinung nach nur noch eine
eindrucksvolle Inszenierung des Generationenwechsels:
"Vielleicht
kann man von der Kursbuch-Krise lernen, dass es
dann und wann nicht schadet, Aufmerksamkeit durch konsequente
Relaunchs oder ähnliche Erzählungen vom Neubeginn zu generieren."
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KNIPPHALS, Dirk (2004): Helden des Neuanfangs gesucht.
Das "Kursbuch" hat Zukunft - ganz ohne die Achtundsechziger,
in: TAZ v. 03.08.
- Inhalt:
KNIPPHALS sieht in der Debattenstärke den
Mehrwert des "Kursbuch":
"Der
Profit, den es abwerfen kann, ist Debattenstärke - und der ist nicht
zu unterschätzen. Schließlich sind die Zeiten vorbei, als sich die
anspruchsvollen Feuilletons ausdehnten wie Hefeteig. Kann gut sein,
dass sich das intellektuelle Selbstgespräch dieser Gesellschaft
wieder auf andere Formen der Öffentlichkeit verlagert. Und Web-Blogs
decken auch nicht alle Bedürfnisse nach Reflexion ab."
- NUTT, Harry (2004): Bindung und
Verbindungen.
Das "Kursbuch" und die Krise,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.08.
- Kommentar:
Individualisierung könnte man das Problem
nennen, das NUTT zum Strukturwandel der Öffentlichkeit
hochstilisiert.
Seit Anfang der 80er Jahre
muss dieses Schlagwort für die Hilflosigkeit unserer Intellektuellen
und Marktstrategen herhalten, wenn der Elite das Volk abhanden
gekommen ist.
Die Anzahl von Abonnements
ist der untaugliche Indikator, eine Art Quote des
Zeitschriftenmarktes, der die Kundenbindung ausdrücken soll.
Aber offensichtlich ist der
Leser emanzipiert genug, dass er nur das kauft, was ihn jeweils
aktuell anspricht.
Das einzige was unsere Elite
also stört, ist der Unsicherheitsfaktor Kunde!
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SACHSE, Katrin (2004): "Papa öffnet die Türen".
Der Ökonom Dierk Hirschel erforscht Ursachen des Reichtums. Er
begründet, warum die soziale Herkunft mehr zählt als Intelligenz,
in: Focus Nr.32 v. 02.08.
- Inhalt:
Dierk HIRSCHEL
beschreibt den typischen Reichen in Deutschland:
"Er ist männlich, lebt mit
seiner Ehefrau zusammen, hat ein bis zwei Kinder, einen
Hochschulabschluss, wohnt in Süddeutschland und arbeitet in einem
Konzern, vorzugsweise einem Produktionsunternehmen, einer Bank oder
Versicherung. Ziemlich wahrscheinlich besitzt dieser Mensch einen
einflussreichen Vater, der ebenfalls studiert hat."
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LÖHNDORF, Marion (2004): Im Supermarkt.
Seelische Windstille: Jens Wonnebergers Roman "Infarkt",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.08.
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HURRELMANN, Klaus (2004): Ohne Besitzstand.
Pragmatische Jugend - da liegt eine Chance für Rot-Grün,
in: Tagesspiegel v. 02.08.
- Kommentar:
Der Pädagoge HURRELMANN zeigt der SPD auf, wie
sie die 18- bis 30-Jährigen als Wähler gewinnen kann.
HURRELMANN schätzt das
Potential der Leistungs- und Engagementelite auf "weit über die
Hälfte der Angehörigen der jungen Generation".
HURRELMANN hat offenbar auch
die Möchtegern-Elite im Visier, also jene, die sich Hoffnungen auf
eine gute Karriere machen, im "Wettbewerb der besten Köpfe" aber auf
der Strecke bleiben werden. Seine Empfehlung lautet deshalb:
"Die
nächsten Wahlkämpfe entscheiden sich bei den Jugendlichen und jungen
Erwachsenen nicht daran, ob man die Enttäuschten und Resignierten
anspricht, sondern ob man das optimistische Zukunftspotenzial und
die pragmatische Grundeinstellung erreicht, die in der jungen
Generation sehr stark sind."
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HERRMANN, Ulrike (2004): Handreichung für ein paar Euro,
in: TAZ v. 02.08.
- Inhalt:
HERRMANN stellt das umfangreiche Formular zur
Antragstellung des Arbeitslosengelds II vor. U.a. geht es um
Hilfestellungen bei der Frage, was eine "Bedarfsgemeinschaft" ist:
"Wer
das Antragsformular ausfüllt, stößt gleich auf eine Frage, die
entscheidend ist: die nach der »Bedarfsgemeinschaft«. Gibt es einen
Gatten - oder einen Lebenspartner? Wer dort »Ja« ankreuzt, erhält
meist weniger Arbeitslosengeld II. Denn ab Januar wird das Einkommen
des Partners komplett berücksichtigt, ein Paar darf künftig nur noch
über 622 Euro monatlich verfügen.
Ehen sind Ehen, aber ist der Mann, der in der gleichen Wohnung lebt,
wirklich ein Lebenspartner? Oder doch nur ein geschätzter
WG-Genosse? Das ist durch amtliche Hausbesuche nicht unbedingt
festzustellen. Es könnte allerdings aufschlussreich sein, wenn nur
ein Doppelbett in der Wohnung steht."
Die
Jungle WORLD hat letzte Woche bereits diskutieren lassen,
welchen Einfluss HARTZ IV auf die Wahl der Lebensform hat. Auch
Mark SIEMONS von der FAZ hat dies beschäftigt.
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SOFSKY, Wolfgang (2004): Ohne Ungewissheit geht die Rechnung nicht
auf.
Das Prinzip der Assekuranz - und wie es die Sozialversicherungen
auf den Kopf stellen,
in: Welt v. 02.08.
- Inhalt:
Eine Polemik des Soziologen Wolfgang SOFSKY
gegen die Bürgerversicherung und die Grundsicherung:
"Bei
der privaten Assekuranz übersteigen die Prämien die Auszahlungen.
Die Angst der Kunden ist größer als der wirkliche Schaden. Kehrt
sich dieses Verhältnis um, ist das Unternehmen am Ende. Dies ist die
gegenwärtige Lage der Sozialkassen in vielen westlichen Staaten. Die
Beiträge decken schon lange nicht mehr die Kosten von Alter und
Krankheit. Die Ansprüche übertreffen die Einzahlungen. Die
Sozialkassen sind ein Sanierungsfall. Solange die Menschen früh
starben und die ärztliche Versorgung dürftig war, ging die Rechnung
auf. Die wenigen Rentner beanspruchten die Kassen nur kurze Zeit.
Der frühe Tod hielt den »Schaden« überschaubar. Seitdem jedoch immer
mehr Menschen immer älter werden, sind die Sozialkassen zur Quelle
neuer Unsicherheit und Ungerechtigkeit geworden."
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FUHR, Eckhard (2004): Kursbuch am Ende?
in: Welt v. 02.08.
- Kommentar:
Die Zeiten, da das "Kursbuch" die Themen der
tonangebenden Generation widerspiegelte, sind längst vorbei.
Wer nur das noch einmal
aufbrüht, was sowieso in allen Neue-Mitte-Mainstreamgazetten zu
lesen war, der muss sich nicht wundern, dass er überflüssig ist.
Wir trauern dem "Kursbuch"
nicht nach, falls es vom Markt verschwindet...
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VOGEL, Sabine (2004): Nutella ist alle,
in: Berliner Zeitung v. 02.08.
- Kommentar:
VOGEL bringt das Dilemma des Kursbuchs
auf den Punkt:
"Das
Kursbuch und seine Generation machte Sinn und Umsatz, als es noch
Texte und Inhalte gab, die nur in Organen der einst so genannten
Gegenöffentlichkeit publiziert wurden. Das ist vorbei. Die
mittlerweile trendgerechten Themen und Autoren des Kursbuchs sind
längst Standard in den feuilletonistischen Ressorts für Alltagskultur
und »Modernes Leben«.
Auch die Verjüngung brachte nach
VOGEL nicht den gewünschten Erfolg (die Frankfurter Rundschau sieht
das in ihrer heutigen Ausgabe anders und verweist auf den guten
Verkauf des Heftes am Kiosk):
Einen hilflos gutgemeinten
Versuch zur Verjüngung machte die Redaktion mit dem im Dezember
letzten Jahres erschienenen
Heft Nr. 154 über »Die 30jährigen«. Dort legten die
schriftstellernden »Nutellakinder« (Malin Schwerdtfeger) fein
dahergeplauderte Zeugnisse ihrer sprichwörtlichen Erlebnisarmut ab.
Zum aberhundertsten Mal wurde da der lustiger Sozio-Event eines
Klassentreffens beschrieben, eine Kulturredakteurin erfuhr an sich
selbst das echte Abenteuer »Zum ersten Mal entlassen« zu werden und
ein anderer festangestellter Meinungsbildner blähte eine besinnliche
»Selbstbefragung zur Politik der Zukunft« auf.
Nicht genug! VOGEL liefert
genüsslich noch ein paar pikante Details aus der Entstehungsgeschichte
von David WAGNERs "Vater-Text" aus dem
Kursbuch über die 30jährigen:
Der Berliner
David Wagner steuerte einen hübsch gehässigen Text über die eigene
Vaterwerdung und die neue Milde gegenüber seinen »unsympathischen,
kursbuchlesenden Eltern« bei: »Meine Eltern ... hat der fluktuierende
Jugendwahn so im Griff, dass sie keine Großeltern sein wollen. Sie
wollen jetzt, nachdem ihre fünf Kinderchen aus dem Haus sind, lieber
in Ruhe ihr beschissen kaviarlinkes Milieu pflegen, ihr
Wir-sind-die-Guten-Kursbuch lesen, sich frühpensionieren lassen und
Golf spielen.«
Das trifft, aber so steht es dann leider gar nicht im Kursbuch drin.
Jungherausgeberin Ina Hartwig wollte solche Selbstkritik nicht im
Blatt haben. »Kursbuchlesend«, so ihr Vorschlag, sollte einfach durch
»ewig jugendlich« ersetzt werden. Das gefiel dem Autor aber nicht: Im
Endtext sind Davids Eltern nur noch unsympathisch."
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- ZINKANT, Kathrin (2004): Dieses zarte
Band der Sympathie.
Wir haben es geahnt: Liebe ist eine Droge. Ganz besonders die
Mutterliebe. Um so schlimmer, wenn sie fehlt,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.08.
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- HEIM, Cornelia (2004): mia mamma.
Ganz schön schwanger, die
Damen. Und gar nicht mehr so jung. Doch der späte Kinderwunsch hat es
in sich. Ein Report,
in: Tagesspiegel v. 01.08.
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SLOTERDIJK, Peter (2004): Stressfaktor Gott.
Die Seele im technischen Zeitalter: zur Anthropologie des
metapsychischen Thrills,
in: Tagesspiegel v. 01.08.
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WIESENTHAL, Helmut (2004): Wahrheit und Demokratie.
"Neoliberale" Reformen als Katalysator eines neuen Parteiensystems?
in: Kommune Nr.4, August
- Inhalt:
Der Politikwissenschaftler Helmut WIESENTHAL,
seit kurzem Pensionär, verteidigt eine kapitalfreundliche Agenda
2010-Politik und plädiert für die Durchsetzung einer effizienten
Klassengesellschaft.
Die Politik des "Thatcherism",
d.h. die Zerschlagung der Gewerkschaften ist für ihn ein legitimes
Mittel, um eine effiziente Politik, die auch nicht unbedingt sozial
gerecht sein muss, durchzusetzen.
Da das Kapital ausreichend
mobil sei, ist für WIESENTHAL einzig die Arbeitskraft das Problem:
ihre Mobilität muss mit allen Mitteln erhöht werden.
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LEINEMANN, Susanne (2004): Lust auf Erfahrung.
Genug das eigene Ich umkreist: Ehe und Kinder sind für moderne,
emanzipierte Frauen keine Kapitulation. Ein verspätetes Lob auf die
Kleinfamilie von einer Konvertitin,
in: Das Magazin, Nr.8, August
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BISCHL, Katrin (2004): Beziehungen: Solange die Liebe dauert.
Kurze Liebesbeziehungen, ständig wechselnde Partner - sind das
Zeichen für Beziehungsunfähigkeit? Ganz und gar nicht, meint der
Sexualwissenschaftler Gunter Schmidt. Seine aktuelle Studie belegt:
Serielle Partnerschaften sind heute Normalität,
in:
Psychologie Heute Nr.8, August
- Kommentar:
BISCHL berichtet über die Studie, die
Gunter SCHMIDT & Johannes von STRITZKY bereits im April-Heft
der Zeitschrift Familiendynamik vorgestellt haben.
Das Thema des Monats
September wird sich ausgiebiger mit dieser Studie und den Folgen der
sexuellen Revolution beschäftigen.
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HECHT, Martin (2004): Erfolg - was ist das heute noch?
Die Wirtschaftskrise wird zur Orientierungskrise einer ganzen
Generation,
in:
Psychologie Heute Nr.8, August
- Inhalt:
Martin HECHT beschreibt die Folgen,
wenn im Selbstverwirklichungsmilieu der Neuen Mitte nur noch den
Erfolg zählt:
"Das Ziel des Erfolgs vor
Augen, scheuen wir selbst davor nicht zurück, uns die Aura derer
zunutze zu machen, die uns umgeben:
Der Lebenspartner soll
zum Multiplikator der eigenen Ruhmesmehrung werden. Das
zeitgemäße Frauenideal ist bis in die Welt aufgeklärter
Frauenzeitschriften mehr denn je ein männliches Prestigeideal.
Selbst der Entwurf des eigenen Kindes folgt immer öfter einer
Inszenierungsidee des erfolgreichen Lebens, das (Einzel-)Kind wird
zum Erfolgsaccessoire: Im Selbstverwirklichungsmilieu, dem wir
mittlerweile ja alle zugehören - müssen schon die Kleinen erhebliche
Lasten der Prestigeabbildung schultern, indem sie von ihren Eltern
mit einem Individualitätsdesign überzogen werden, das mit Nachdruck
auf die Einzigartigkeit ihrer Eltern verweist. (...). Nachzulesen
ist die Ideologie Woche für Woche im SZ-Magazin in Axel Hackes
Kolumne Das Beste aus meinem Leben, einer Art öffentlichem
Container, in dem der Münchner Erfolgsautor seit Jahren seinen
eigenen Sohn ausstellt."
Mit dem Wandel von
der Leistungs- zur Erfolgsgesellschaft hat sich der Soziologe
Sighard NECKEL beschäftigt.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 22. - 31. Juli 2004
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