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Medienrundschau:
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News vom
01. - 04. August 2005
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Zitat
des Monats:
"Was
heute an den demografischen Klagemauern bejammert wird -
Geburtenrückgang, Vergreisung, Migration -, sind nicht Irrläufer
und Ausläufer der Evolution. Eher kündigt sich darin eine neue
Entwicklungsstufe mit neuen Problemlösungen an. Gesellschaften
stellten ihre Nachwuchssicherung um: von vielen, riskanten und
kurzen auf wenige, sichere und längere Lebensläufe; von
Quantitäten auf Qualitäten; von biologischer auf soziokulturelle
Reproduktion; von Autarkie auf Arbeitsteilung. Diese neue
Arbeitsteilung zwischen produktiven und reproduktiven,
kinderarmen und kinderreichen Gesellschaften gilt womöglich nur
für eine Übergangsphase von 50 oder 100 Jahren. nach und nach
werden alle Kulturen sich umstellen: von einer breiten
Reproduktionsbasis mit hoher Sterblichkeit auf eine schmale
Basis lang lebender Individuen.
Dies
zu begreifen und zu akzeptieren, fällt uns schwer."
(Karl
Otto Hondrich im Cicero, August 2005)
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SCHMIDT, Helmut (2005): Unsere Rentensünden.
Immer weniger Beitragszahler, immer mehr Rentner: Die möglichen
Auswege sind seit langem bekannt und tauchen doch in den
Wahlprogrammen nicht auf,
in: Die ZEIT Nr.32 v. 04.08.
- Kommentar:
"Eigentlich wäre seit Anfang der sechziger Jahre
erkennbar gewesen, dass die Kinderzahl pro Frau in beängstigendem
Maße sank", meint Altbundeskanzler SCHMIDT.
Im
Nachhinein ist man eben immer schlauer, nur damals arbeitete man
nach den gleichen Berechnungsprinzipien wie heute.
Noch
1963 wurde von Karl SCHWARZ eine Bevölkerungsvorausberechnung geliefert, die
einen rasanten Bevölkerungszuwachs prognostizierte.
Heute
wird mittels der gleichen Prinzipien, also beruhend auf den
Vorstellungen von gestern, ein weiterer Geburtenrückgang
vorausgesagt. Nichts spricht dafür, dass wir heute schlauer sind als
damals.
Es
kommt sogar noch schlimmer: Unsere Bevölkerungsstatistik ist völlig
veraltet. Für Ostdeutschland sind seriöse Trendaussagen überhaupt
nicht mehr zu treffen, weil unsere Statistik ehezentriert ist.
Über
50 % der Geburten in den neuen Ländern sind außerehelich. Die
Zuordnung dieser Geburten zu den Frauen ist deshalb nicht möglich.
Über den Anteil der Kinderlosen kann auch deswegen nur spekuliert
werden.
Olga PÖTZSCH vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden hat dieses
Desaster, das zwar seit langem bekannt ist, aber selten
thematisiert, deutlich gemacht.
Sowohl
die Bundesregierung als auch das Bundesverfassungsgericht betreibt
Politik, ohne zu wissen, ob die Annahmen über die
Bevölkerungsstruktur stimmen. Entscheidend ist, welche Experten
jeweils gehört werden.
Das
Pflegeurteil aus dem Jahr 2001 lieferte den Präzedenzfall
für diese Art von politischer Willkür, der die empirische Basis
fehlt.
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MÄRZ, Ursula (2005): Verschwunden im Netz.
Die Resignation des Literarischen: Birgit Vanderbekes Roman "sweet
sixteen" opfert sich exemplarisch seinem Sujet,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.08.
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KOCH, Hannes (2005): "Ab 5.000 Euro macht Solidarität erst Spaß".
Die Alterung der Gesellschaft ist kein Problem für die
Rentenkassen, wird der Reichtum klug verteilt. In Deutschland ist das
seit Mitte der 70er-Jahre nicht mehr der Fall. Mit der
Bürgerversicherung kann der Sozialstaat gerettet werden
in: TAZ v. 03.08.
- Inhalt:
"Einen notwendigen Zusammenhang zwischen der
demografischen Entwicklung, beispielsweise der Alterung einer
Gesellschaft, und der Rente gibt es nicht. Die Höhe der
Altersversorgung ist ökonomisch und politisch bedingt, nicht
biologisch. Es kommt darauf an, welchen Reichtum die Gesellschaft
erwirtschaftet und wie er auf die Altersgruppen verteilt wird", sagt
Christoph BUTTERWEGGE. Er plädiert deswegen für eine
Bürgerversicherung.
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BUTTERWEGGE, Christoph (2005): Mit dem Sozialstaat stirbt die
Demokratie.
Eine Erinnerung an die Weimarer Republik - Unterschiede und
Gemeinsamkeiten mit der Situation Heute,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.08.
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STÖTZEL, Regina (2005): Wer hat Angst vorm alten Mann?
Die Rede von der »überalterten Gesellschaft« dient vor allem dazu,
den Sozialabbau voranzutreiben,
in: Jungle World Nr.31 v. 03.08.
- Kommentar:
STÖTZEL beschäftigt sich mit dem Mythos
Demografie, bleibt dabei jedoch brav auf der harmlosen
Gewerkschaftsfunktionärslinie.
Sie
schreibt zwar von "gängigen Berechnungen", verschweigt jedoch, dass
es alternative Berechnungen gibt. Warum? Offenbar ist es mit einer
Kritik doch nicht allzu weit her.
Das
Statistische Bundesamt hat im Juni 2005 einen
Beitrag von Olga PÖTZSCH
veröffentlicht, der bereits einen Vorgeschmack auf künftige
Bevölkerungsvorausberechnungen und das neue bevölkerungspolitische
Feindbild der Familienfundamentalisten gibt.
Die
nächste Bevölkerungsvorausberechnung steht bereits im Jahr 2006 an,
wäre also rechtzeitig zum Bundeswahlkampf gekommen. Nun muss der
Familienwahlkampf ohne diese Schützenhilfe auskommen.
Im
Demografiekrieg ist mittlerweile eine neue Front eröffnet worden.
Nachdem
die 1965 geborenen Frauen die Prognosen der Demografen bezüglich
ihres Geburtenverhaltens Lügen gestraft haben. Noch vor kurzem
sprach man von einem Anteil der Kinderlosen über 30 %.
Gert
HULLEN vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung kam jedoch
zum Ergebnis, dass die in den 60er Jahren geborenen Frauen sogar
einen geringeren Anteil von Kinderlosen aufweisen als die in den
50er Jahren geborenen Frauen.
Nun,
da sich also die früheren Berechnungen als haltlos erwiesen haben,
wird den um 1970 Geborenen der Prozess gemacht.
Single-generation.de
hat bereits vor einiger Zeit diese neue Front anhand des
Romans Die Jugend von heute von Joachim LOTTMANN
beschrieben.
Nichts
von alledem ist bei STÖTZEL zu lesen. Stattdessen wird lediglich
wiedergekäut, was bereits in den Mainstream-Medien zu lesen war. Als
Zugabe gibt es ein bisschen kritisches Bewusstsein.
Das
vorgestellte Spektrum reicht vom
letzten Spiegel-Deutschen über die so genannte
Kinderpolitik der Katrin GÖRING-ECKART, den Auflöser des
Bundestages Horst KÖHLER
bis zu Thomas
STRAUBHAAR, der bezüglich des Bevölkerungsrückgangs im Gegensatz
zu seinen Ökonomiekollegen keine Probleme sieht, solange wir auf dem
geraden Weg zum Klassenstaat sind.
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WEYH, Florian Felix (2005): Die Aufsteiger,
in: DeutschlandRadio v. 03.08.
- Inhalt:
WEYH hat mit einiger Verspätung Michael
HARTMANN entdeckt:
"Für
mich als Kind der 70er-Jahre mit ihrem Aufstiegsversprechen -
Bildung für alle! Kultur für alle! Die Herkunft ist egal, es zählen
nur deine Fähigkeiten! - kam die Niederlage jüngst auf leisen
Sohlen. Das Buch, das mich deprimiert hinterließ, weil es mir
äußerst unsentimental die letzten Flausen austrieb - Du kannst es!
Du schaffst es! Du bist schlau und Teil der Elite! - erschien
bereits 2003. Es ist ein sprödes soziologisches Werk, lässt aber
seine Sprengkraft schon im Titel anklingen:
»Der Mythos von den Leistungseliten«. Nüchterner als im Resümee
des Darmstädter Soziologen Michael Hartmann kann das Scheitern einer
sozialdemokratischen Leitidee kaum formuliert werden: Das
Elternhaus, das Elternhaus und nochmals das Elternhaus entscheidet
darüber, wie weit einer es in dieser Gesellschaft bringt. Brillante
Bildungsabschlüsse, exorbitante Leistungsprofile garantieren
keineswegs den Weg an die Spitze von Firmen und Institutionen. Mit
einer Ausnahme, die uns beim Blick ins Parlament sinnfällig
erscheint: In der Politik kommt auch der kleine Mann ganz nach oben.
Aber wer will schon in die Politik? Echte Eliten meiden dieses Feld
wie der Teufel das Weihwasser."
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FENGLER, Susanne (2005): Mein Karma als Käsebrötchen.
Manifest einer globalen Arbeitsnomadin und passionierten
Billigfliegerin,
in: TAZ v. 02.08.
- Inhalt:
Susanne FENGLER beschreibt sich als
Angehörige einer neuen Klasse globaler Arbeitsnomaden, den
Billigflug-Pendlern:
"Zugegeben:
Das beißt sich mit dem elitären Eindruck, der entstehen mag, wenn
man beispielsweise aufmerksamer Leser der FAZ ist.
War dort doch neulich schon wieder von der Abwanderung der mobilen
deutschen »Elite« ins Ausland die Rede. Im ersten Moment denke ich
bei solchen Wendungen immer an deutsche Genforscher, die nach Korea
gehen, um zu klonen, was das Zeug hält. An Unternehmensberater.
Investmentbanker. Mag alles sein. Doch die Realität sieht anders
aus. Die Realität ist auf der Strecke Berlin-Zürich. An Bord finden
Sie: Krankenschwestern. Manchmal ist schier das ganze Flugzeug
voller Krankenschwestern, die vor dem deutschen Krankenhausnotstand
in die Spitäler von Bern und Basel geflüchtet sind. Sie finden
Vertreter für Klassik-CDs. Professorinnen für Ethnologie.
Ingenieurs-Ich-AGs (...). Mir fällt es selbst schwer, daran zu
glauben, aber vielleicht sind wir tatsächlich diejenigen, deren
Abwanderung die FAZ so fürchtet."
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DIEDERICHSEN, Diedrich (2005): Globale Gläubigkeit.
Political Studies (V): Sollte Schwarz-Gelb im September an die
Macht kommen, werden Kirche und Kapital mit ihren ganz
unterschiedlichen Spielarten reaktionärer Politik für ordentlich
Trouble sorgen,
in: TAZ v. 02.08.
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SAUGA, Michael (2005): Fernab der Realität.
Wege aus der Krise (2): Während die Parteien von weiteren Reformen
nichts wissen wollen, klaffen in den Alterskassen Milliardenlöcher.
Der Staatshaushalt droht unter der Alterslast zusammenzubrechen, die
jüngsten Sanierungsmaßnahmen wirken nicht. Muss das System auf eine
Grundversorgung schrumpfen?
in: Spiegel Nr.31 v. 01.08.
- Kommentar:
"Wer Kinder erzieht, muss im Rentensystem besser
gestellt werden - entweder über eine verbesserte Familienförderung
oder einen Kinderbonus beim Beitrag", fordert SAUGA als Baustein zur
Rettung des Rentensystems.
Nahe
gelegt wird, dass die Rentenreform von 1957 den Geburtenrückgang
verursacht hat. Warum ist dann aber der Geburtenrückgang ein
Phänomen, das bereits vor dem Jahr 1900 eingesetzt hat?
Ein
weiterer Grund wird mit der Privilegierung der Kinderlosen zum
Nachteil der Eltern angeführt.
Diese
- durch keinerlei seriöse wissenschaftliche Belege gestützte -
Behauptung, die unermüdlich vom angeblichen "Robin Hood" der Eltern,
dem Richter Jürgen BORCHERT vertreten und von den Medien gern
aufgegriffen wird, ist nur aufrechtzuhalten, weil nicht lebenslang
Kinderlose der Referenzpunkt sind, sondern sowohl Noch-Kinderlose
als auch Eltern, deren Kinder außer Haus leben, in die Betrachtungen
mit einbezogen werden.
Nur
eine lebenslaufbezogene Betrachtung könnte die tatsächlichen
Verhältnisse erfassen.
Diese
wird von der familienfundamentalistischen Familienlobby jedoch
wohlweislich mit allen Mitteln verhindert.
Es
deutet vieles darauf hin, dass lebenslang Kinderlose mehrheitlich zu
den Verlierern dieser kinderlosenfeindlichen Gesellschaft zählen.
Wer
wie
Jürgen BORCHERT Familienväter mit
Sportwagenvergangenheit als Beispiel für die Benachteiligung von
Familien aufführt, der wird irgendwann einmal die Rechnung
präsentiert bekommen.
Spätestens
dann, wenn die Eltern merken, dass sie von BORCHERT für dumm
verkauft worden sind.
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KONOVSKY, Michael & Martin SCHERER (2005): Demokraten wider Willen.
Revolution gescheitert, Republik trotzdem verändert: Der
Kulturbruch von 1968 hat Deutschland - je nach Standpunkt des
Betrachters - ruiniert oder liberalisiert. Nun treten die
Ex-Revoluzzer ab,
in: Focus Nr.31 v. 01.08.
- Kommentar:
Die Autoren sind Schlauberger: sie bieten dem
Leser mehrere 68er-Definitionen an.
Das
hat den Vorteil, dass jeder sich die ihm genehme heraussuchen kann,
und die Autoren das größtmögliche Neid- und Feindbildpotential
ausgeschöpft haben.
Da
wäre zum einen die Altersgruppe der 1944 - 1948 Geborenen, dann die
Aktiven der 68er-Bewegung und zuletzt die vom 68er-Zeitgeist
infizierten Bürger:
"68er
sein bedeutet nicht, Angehöriger einer Generation, sondern Träger
eines Zeitgeistes zu sein, der sich
kritisch-antiautoritär-emanzipatorisch gibt und dessen Vertreter
sich bei aller karrierebedingten Anpassungsbereitschaft nie ganz von
der Idee verabschiedet haben, dass der Kapitalismus das falsche
Wirtschaftssystem sei, die Bundesrepublik der falsche Staat und die
Deutschen darin das falsche Volk".
Zum
Schluss gibt es dann einen Beitrag zur Neiddebatte:
"Sie
gehören zur letzten Generation, die in die Vollbeschäftigung
hineinwuchs und die von jenem Staat, den sie ablehnten, eine Rente
beziehen wird."
Eines
ist jetzt klar: Die 68er sind immer die anderen!
-
KLONOVSKY, Michael (2005): "Die Freigabe aller Dinge".
1968 begann vor allem der Marsch in den totalen Konsum, meint der
Philosoph Peter Sloterdijk,
in: Focus Nr.31 v. 01.08.
- Kommentar.
Der 68er
Peter SLOTERDIJK ist immer auf der Höhe des Zeitgeistes. Deshalb
sagt er heute das Gegenteil von Gestern, denn nur wer sich ändert,
wird bestehen (Friedrich MERZ).
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RABEN, Mia (2005): Liebe kann Sünde sein.
Sie sind tief gläubig und haben Sex vor der Ehe. Sie erhoffen sich
Absolution durch die Beichte und lieben ihre Freunde. Wie junge
Katholikinnen in Polen versuchen, mit diesem Widerspruch zu leben,
in: TAZ v. 01.08.
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BIRKE, Burkhard (2005): "Das Konzept der Bundesregierung ist falsch".
Finanzexperte Raffelhüschen zur Zukunft der Pflegeversicherung,
in: DeutschlandRadio v. 01.08.
- Kommentar:
"Die Pflegeversicherung ist ein demographisches
Problem. Wir haben in der Pflegeversicherung einen
Generationenvertrag begründet und wussten dennoch ganz genau, dass
die Generation, die Generation, die ihn erfüllen soll, im Grunde gar
nicht geboren worden ist. Denn durch den Pillenknick sind die
entsprechenden Beitragszahler nicht da", behauptet Bernd
RAFFELHÜSCHEN.
Wir
haben es nicht - wie RAFFELHÜSCHEN weismachen will - mit einer
Geburtenkrise, sondern mit einer
Arbeitsmarktkrise zu tun.
Nicht
die Geborenen fehlen, sondern die Erwerbsarbeitsplätze.
Arbeitslose Geborene zahlen keine Beiträge!
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HERDEN, Birgit (2005): Kinder aus dem Kühlschrank.
Die Befreiung der Fortpflanzung von biologischen Zwängen könnte
die traditionelle Lebensplanung und ganze Gesellschaftsstrukturen
auf den Kopf stellen,
in: Technology Review, August
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PSYCHOLOGIE
HEUTE-Titelgeschichte:
Anders alt werden.
Lebenskunst für Fortgeschrittene |
- SCHENK, Herrad (2005): Altwerden:
Lebenskunst für Fortgeschrittene,
in:
Psychologie Heute
Nr.8, August
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- Der wichtige Artikel:
HONDRICH, Karl Otto (2005): Die Bevölkerung
schrumpft? Wunderbar!
Deutschland jammert über den Geburtenrückgang und die Alterung der
Bevölkerung. Bestürzt registriert die nationale
Erschreckensgemeinschaft alle Szenarien der kollektiven Vergreisung.
Dazu gibt es keinen Grund: Die demografische Transformation ist das
Ergebnis einer sozialen Erfolgsgeschichte und ermöglicht die Lösung
zahlreicher Probleme. Denn der Geburtenrückgang verschafft der
Gesellschaft mehr Luft und Leistungsraum,
in: Cicero, Nr.8, August
- Kommentar:
Karl Otto HONDRICH, der bislang
nicht gerade als Verfechter des Lebensstilpluralismus bekannt war,
erkennt nun im Geburtenrückgang das Gute und wettert gegen die
Apokalyptiker:
"2,1.
Für die demografischen Gefahrenbeschwörungsgemeinschaft ist dies
eine magische Zahl. Eine Geburtenrate, die tief darunter liegt, wird
zum Inbegriff des Untergangs.
Bei
genauer Betrachtung ist der Geburtenrückgang eine Lösung für viele
Probleme."
Wie
kommt HONDRICH zu dieser neuen Sicht?
Zum
einen greift er auf ein Alternativszenario zurück, das
single-dasein.de
bereits im Mai 2002 für ein Deutschland ohne Verhaltensänderung
entworfen hat:
"Der
Fall der Geburtenrate (...) verhinderte (...), dass sich heute in
Deutschland zwischen 100 und 200 Millionen Menschen drängeln. Man
kann nicht alles zugleich haben: ein längeres Leben, eine
jugendliche Gesellschaft und eine stabile Gesellschaft."
Zum
anderen vertritt HONDRICH im Gegensatz zu den Polarisierern, deren
Argumentation der Soziologe Franz-Xaver KAUFMANN in seinem neuen
Buch
Schrumpfende Gesellschaft
zu einem reaktionären Cocktail vermixt hat, eine Entkopplungsthese:
"Bevölkerungswachstum
und Wirtschaftswachstum scheinen historisch zusammenzugehören.
(...). Entscheidend ist aber, dass das Wirtschaften selbst (...) ein
sozialer Prozess ist, der sich von demografischen Schwankungen
unabhängig macht. Je besser die Wirtschaft funktioniert, desto
weniger Menschen braucht sie."
HONDRICH
räumt auf mit der Vorstellung, dass die Jungen die Alterslasten zu
tragen hätten:
"Es
sind nicht die Jungen, die die Alterslast tragen, sondern die
Hochleister der mittleren Jahre, Männer wie Frauen. (...). Keine
Kinder zu bekommen, bedeutet für sie nicht nur Verzicht, sondern
auch Entlastung."
Einem
weitverbreiteten Mythos tritt HONDRICH ebenfalls entgegen, dass
nämlich der demografische Wandel die sozialen Sicherungssystem
gefährden würden:
"Wenn
die hochproduktive, unablässig rationalisierende Wirtschaft nur noch
kleine, jüngere »Olympiamannschaften« in den Unternehmen belässt,
kreiert sie Arbeitslose und Alte und schiebt sie im gleichen Atemzug
auf die Systeme der sozialen Sicherung ab.
Aber ist deren Problem ein demografisches Problem? Es ist in erster
Linie durch die Wirtschaft gemacht, und zwar nicht durch ihr
Erlahmen, sondern durch ihre Effizienz. Es ist zweitens ein Problem
der offenen Gesellschaft, das die Politik auf die Sozialsysteme
übergewälzt hat."
Sein Fazit zum Sozialsystem lautet deshalb:
"Die
Zerreißprobe, auf die das Sozialsystem jetzt gestellt wird, hat
wenig mit Geburten- und Sterbeziffern zu tun, aber viel mit
politisch überdehnter und überforderter Solidarität".
Nicht
im demografischen Wandel, sondern in den veränderten
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sieht HONDRICH deshalb den
notwendigen Umbau des Sozialsystems begründet:
"Dass
eventuell alle Generationen kürzer treten müssen, ist weniger
demografischen Faktoren geschuldet als Veränderungen im
Leistungsgefüge der Weltwirtschaft."
Die
Überschätzung des Problems der lebenslangen Kinderlosigkeit ist
mittlerweile auch bei HONDRICH angekommen:
"»40
Prozent aller Akademikerinnen bleiben kinderlos!«, tönt der Chor der
demografischen Tragödie. Und noch bevor wir von
besonnenen Statistikern erfahren, dass die Zahl völlig
ungesichert ist, haben sich ihre vermeintlichen Folgen schon in
unsern Köpfen festgesetzt".
Auch
mit dem gefühlten Niedergang der Familie wird es nichts:
"Geburtenrückgang
und Langlebigkeit führen dazu, dass Familien weniger in die Breite,
sondern als »Bohnenstangenfamilie«, in die Länge dehnen. Auch
Menschen ohne Kinder können, sich an Verwandte und Freunde
anschließend, ihre Familie »machen«.
Entgegen den Vorurteilen von der zerfallenden und verstreuten
Familie sind Familienbande heute eher wichtiger und dichter als vor
einem halben Jahrhundert."
Um
seinen Überlegungen noch mehr Stringenz zu verleihen, sieht HONDRICH
im Geburtenrückgang sogar das Ergebnis einer neuen Stufe der
gesellschaftlichen Evolution:
"Was
heute an den demografischen Klagemauern bejammert wird -
Geburtenrückgang, Vergreisung, Migration -, sind nicht Irrläufer und
Ausläufer der Evolution. Eher kündigt sich darin eine neue
Entwicklungsstufe mit neuen Problemlösungen an. Gesellschaften
stellten ihre Nachwuchssicherung um: von vielen, riskanten und
kurzen auf wenige, sichere und längere Lebensläufe; von Quantitäten
auf Qualitäten; von biologischer auf soziokulturelle Reproduktion;
von Autarkie auf Arbeitsteilung. Diese neue Arbeitsteilung zwischen
produktiven und reproduktiven, kinderarmen und kinderreichen
Gesellschaften gilt womöglich nur für eine Übergangsphase von 50
oder 100 Jahren. nach und nach werden alle Kulturen sich umstellen:
von einer breiten Reproduktionsbasis mit hoher Sterblichkeit auf
eine schmale Basis lang lebender Individuen.
Dies
zu begreifen und zu akzeptieren, fällt uns schwer."
Damit
wendet sich HONDRICH auch gegen eine unrealistische Politik, die den
gesellschaftlichen Fortschritt
an der Bestandserhaltungszahl orientieren
möchte:
"Dass
die Politik (...) die Geburtenrate der magischen »2,1« annähern könnte, ist nur
ein Wunschtraum. Die Systeme der Wirtschaft, de sozialen Sicherung,
der Familie und der Kultur haben sich auf andere Größen eingestellt.
Ihr Eigen-Sinn und ihre Fähigkeit zur Selbststeuerung sind
ausgeprägt - über nationale Grenzen hinweg."
Regelmäßigen
Lesern von single-dasein.de ist das alles nicht neu. In den
Themen des Monats und diversen
Debattenbeiträgen wurden die meisten Aspekte bereits vor längerem
abgehandelt, aber
HONDRICH hat die einzelnen Elemente in einer positiven,
gesellschaftlichen Vision zusammengefasst, die
- zumindest in dieser allgemeinen Fassung - auch die Bedürfnisse der
Singles ernst nimmt.
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SEILS, Christoph (2005): Generation 1955.
Die 68er treten ab, die 89er sind noch zu jung. Die politische
Bühne wird frei für die heute Fünfzigjährigen. Was haben Menschen wie
Ole von Beust, Doris Dörrie, Claus Kleber und Claudia Roth gemeinsam?
in: Cicero, Nr.8, August
- Inhalt:
SEILS charakterisiert die Generation 1955
folgendermaßen:
"Merz
und Müller, Künast und Kuhn, Bodewig und von Beust, sie alle wurden
in dem Jahr geboren, in dem die Nachkriegszeit zu Ende ging, die
Teilung des Landes besiegelt wurde und das westdeutsche
Wirtschaftswunder begann, neunzehnhundertfünfundfünfzig."
Danach
ordnet er die 1955er in die
Generationendebatte ein:
"Viel
ist über die Nach-68er-Generation gespottet worden, über die
»Zaungäste der Revolte« (...). Bei den 78ern oder
Neunzehnhunderfünfzigern gibt es keinen Generationenkitt mehr (...).
Anfang der siebziger Jahre (...) ist die Individualisierung der
westdeutschen Gesellschaft schon weit fortgeschritten.
Dabei
gibt es ein erfolgreiches politisches Projekt der
Neunzehnhundertfünfundfünfziger: die Grünen. Nicht die Partei der
68er sind sie, das ist ein Etikettenschwindel, sondern die Partei
der heute Fünfzigjährigen. (...). Die Themen und das Lebensgefühl
dieser Generation haben die Gesellschaft genauso geprägt wie die
68er. Nur hatten die 78er nie ein erfolgreiches Label."
SEILS
sieht die Generation 1955 am Ende:
"Das
Projekt Rot-Grün ist am Ende. aber nicht nur die Grünen, der ganze
Jahrgang 1955 scheint müde. 25 Abgeordnete stellt der Jahrgang
derzeit im Bundestag, damit ist dieser (...) überproportional stark
vertreten.
(...).
Das wäre jetzt die Chance für die CDU-Fünfziger. Doch auch dort
Fehlanzeige, eine ganze Generation kneift, links wie rechts."
Aber
die Rettung ist bereits da:
"Da
ist die nächste Generation anders. Die Vierzigjährigen oder auch
89er stehen längst in den Startlöchern."
SEILS
nennt Ute VOGT, Sigmar GABRIEL, Christian WULFF, Eckart KLAEDEN,
Katrin Göring-Eckart und Guido Westerwelle als Hoffnungsträger.
"Nur
für den Griff nach dem Kanzleramt sind sie alle 2006 zu jung",
weshalb notgedrungen auf Angela MERKEL, Jahrgang 1954,
zurückgegriffen werden muss.
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LEITNER, Sigrid (2005): Kind und Karriere für alle?
Geschlechts- und schichtspezifische Effekte rot-grüner
Familienpolitik,
in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr.8, August
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MELLER, Marius (2005): Morbus 68?
Literaturkolumne,
in: Merkur Nr.676, H.8, August
- Inhalt:
Marius MELLER, Angehöriger der Generation
Golf, zeichnet die 68er-Kritik nach, um am Schluss zu einer
Neubewertung von 1968 zu kommen, die für die jüngeren Generationen
einen gangbaren Weg aus der gegenwärtigen Misere weist.
Als
Schlüsseltext der 68er-Kritik sieht MELLER den Spiegel-Essay
Anschwellender Bocksgesang von
Botho STRAUß an:
"Einerseits
in seiner Provokationsstrategie perfekt wie andererseits
erschreckend humorlos brachte er die Selbstrevision der
Achtundsechziger so richtig auf Trab und die Kritik der Jüngeren auf
die Spur."
Die
Selbstrevision der Achtundsechziger wird von MELLER nicht weiter
verfolgt, stattdessen widmet er sich ausgiebig der Kritik der
Jüngeren.
Die
Programmschrift
"Tristesse Royale" markiert hier
für MELLER den Beginn einer forcierten 68er-Kritik:
"Der
Typus des Dandy wurde aus der Klamottenkiste geholt. Die Erzählungen
aus dem schäbigen Leben der Popper sind dezidiert
anti-achtundsechzig, behalten allerdings den melancholischen
Grundmodus der gesellschaftlich Enttäuschten oder messianisch
Deprimierten bei, biegen jedoch das Engagement auf die Oberfläche
des Ich zurück."
Mit
der
Gründung der Zeitschrift
Der Freund sieht MELLER die
Popliteraten auf dem Trip Richtung elitärem Georgekreis, einer
Überbietungsstrategie, die den "Abstand zur verprollten Welt" der
68er gewährleisten soll.
Die
bislang vehementeste 68er-Kritik sieht MELLER in Uwe TELLKAMPs Roman
"Der Eisvogel":
"Weniger
subtil, aber ungleich brutaler und - man muß es befürchten -
womöglich schulbildend ist die jüngste Achtundsechziger-Kritik des
1968 in Dresden geborenen Schriftstellers Uwe Tellkamp."
Nicht
allein das Buch, sondern vor allem die Feuilleton-Rezeption des
Buches sieht MELLER als Problem.
Er
hebt in diesem Zusammenhang besonders
Ijoma MANGOLD hervor, der jedoch nicht genannt wird.
Mit
KOSSLER in der NZZ vom 31.05. fragt sich MELLER, ob es sich
bei TELLKAMP um ein reines Ossi-Problem handelt.
Dafür
spricht der Roman
"Kirillow" von Andreas MAIER, den
MELLER als komplementären Post-Achtundsechziger-Roman zu TELLKAMP
vorstellt.
Die
Twentysomething von MAIER sind zwar "melancholisch wie die
Popliteraten, nur ökologisch-radikal statt radikal unpolitisch." Am
Anfang zwar demokratiekritisch, aber im Laufe der Geschichte
ergreift sie "eine Art selbstveränderndes Mitleid" mit den Normalos,
das die verachteten Mitmenschen in einem neuen Licht erscheinen
lässt.
Beim
Vergleich zwischen TELLKAMP und MAIER zieht MELLER eindeutig
letzteren vor:
"Es
ist weniger ein moralisches, sondern vor allem ein überzeugtes
ästhetisches Urteil, wenn man der Aufputschprosa von Uwe Tellkamp
das nominalistische Deeskalierungsprojekt Andreas Maiers vorzieht.
Dem Durchbruch zum Neuheroismus steht die Rückbauarbeit an der
übergroßen Seele zum glücklichen Sozialarbeiter und Mülltrenner
gegenüber, diesetis der Ökopax-Utopie."
Mit
der Popliteratur und Andreas MAIER sieht MELLER die
Post-Achtundsechziger-Literatur auf einem Weg zur neuen
Bürgerlichkeit.
Während
jedoch bei den Dandys der Tristesse-Royale-Fraktion die Reise
ungewiss ist, sieht er bei MAIER einen Liberalisierungsschub, den
die jüngeren Generationen einlösen könnten.
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ADAM, Konrad
(2005): Vom Auftritt und vom Abtritt einer Generation.
Das Echo auf Gerhard Schröders Entschluss, das rot-grüne
Reformprojekt nach sieben Jahren vor der Zeit abzubrechen und für den
Herbst Neuwahlen anzustreben, war überraschend klar. Nicht nur in
Deutschland, sondern quer durch Europa sprach man vom Ende einer
Epoche,
in: Universitas, August
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WALTER, Franz (2005): Ende einer Ära. Die Generation der 68er geht
in den politischen Ruhestand.
Es spricht viel dafür, dass in diesen Monaten in Deutschland eine
kulturelle und politische Ära zu Ende geht. Die Generation der
"1968er" tritt ab, für die SPD sah es schon besser aus. Die jüngsten
Entwicklungen in der politischen Landschaft, insbesondere die Gründung
einer neuen Linkspartei, könnten jedoch die Möglichkeit eröffnen, eine
neue Rolle zu übernehmen - vielleicht als Partner in einer großen
Koalition,
in: Universitas, August
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WALTER, Klaus (2005): History-Remixer.
Der britische Musiktheoretiker Simon Reynolds erzählt seine
spannende Version des Post-Punk,
in: Rolling Stone, August
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SIMMONS, Sylvie (2005): Jeffrey Lee Pierce,
in: Rolling Stone, August
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WILLANDER, Arne (2005): Giftige Ekstasen.
Die Alben des Gun Club, Pierces Solo-LP und Ramblin' Jeffrey Lees
Platte mit Blues-Songs,
in: Rolling Stone, August
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- FUSS, Birgit (2005): Sympathien für
Extreme.
Mit "Pink Moon" entfernt sich Frank Goosen vom Kabarettistischen,
in: Rolling Stone, August
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Zu den News
vom
25. - 31. Juli 2005
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