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Medienrundschau:
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News vom
01. - 06. August 2006
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Zitat des Monats:
"Die
Geburtenrate ist keine individuelle, sondern eine kollektive
Grösse. Sie hat nichts mit individueller Schuld zu tun, sondern
mit gesellschaftlichen Zusammenhängen. Der säkulare Rückgang der
Geburtenrate seit dem 19. Jahrhundert steht in Verbindung mit
einer Reihe von Entwicklungen, die nur positiv gesehen werden
können. Zu diesen Errungenschaften gehören die Hygiene, die
Medizin, die Wissenschaft, die Bildung, die Armutsbekämpfung,
die soziale Sicherheit, die private Freiheit und die
individuelle Lebenserwartung.
Die
Fortschritte in diesen Gebieten beschleunigen sich sogar, obwohl
seit längerem die Geburtenrate in allen Industriegesellschaften
unter die magische Ziffer von 2,1 Geburten pro Frau gefallen
ist, durch die eine stabile Reproduktion der Bevölkerung
angeblich gewährleistet ist. Statt sich dadurch zu schaden,
profitieren moderne Gesellschaften offenbar von den Kindern, die
nicht geboren werden. Sie brauchen die Kinder nicht, zumindest
nicht in gewohnter Zahl. Auch wenn die zahlen- und altersmässige
sowie die kulturelle Zusammensetzung ihrer Bevölkerungen keinen
Bestand haben - darauf kommt es gar nicht an. Die Aufmerksamkeit
der Demographen und der Angstgemeinde, die sich um sie schart,
richtet sich auf Bestände, die irrelevant sind."
(Karl Otto Hondrich in
der Neuen Zürcher
Zeitung vom 29.07.2006) |
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PROBST, Maximilian (2006): Das verwöhnte Leben.
Während die Wellnessbranche
boomt, sinken die Geburtenzahlen. Gibt es da etwa einen Zusammenhang?
in: TAZ v. 05.08.
- Inhalt:
"Selbstverwirklichung
heute heißt: nichts wissen wollen von morgen. Wellness und
Geburtenrückgang spiegeln das auf gleiche Weise wider. Foucaults
»Sorge um Sich« dagegen wird verständlich erst mit einem Wort von
Seneca: »Der Nachwelt Angelegenheit betreibe ich.« Zu dieser
Nachwelt zurückfinden; wieder einen Begriff gewinnen von ihrer
Bedeutung, wo man sie schon selbst nicht in den Griff bekommen wird;
sie im Hier und Jetzt verankern und am Erreichten, dem Vergangenen
bemessen, ist derzeit dringender denn je. Sagen wir's so: Wert kann
nur generiert werden durch den Kurzschluss von Erinnern und
Entwerfen. Findet beides nicht statt, kein Erinnern, kein Entwerfen,
wird, wo Wert wäre, Ware sein. Das wenigstens hat uns die
Wellnesswelle gelehrt.
Hier
zeigt sich aber auch, dass Wellness und Geburtenrückgang nur zwei
Aspekte des allgemeinen Abschieds von der Nachwelt sind, nicht das
Problem selbst, sondern Teil des Problems. Denn der Abschied von der
Nachwelt artikuliert sich zugleich in der Transformation von Politik
in Verwaltung (wahlweise unter dem Titel: Ende der Utopie oder
Sachzwanglogik) und von Kunst in Unterhaltung.
Nicht
um mehr Kinder sollte es darum gehen. Sondern um die Verpflichtung,
an das Kommende die Schuld zu entrichten, die man dem Vergangenen
nicht mehr abtragen kann. Wo auch immer: in der Erziehung, der Kunst
oder der Politik. Das Leben hätte dann - wer weiß - den Geschmack,
den das Verwöhnaroma immer nur versprechen kann. Und wäre am Ende
gar zu genießen."
Anmerkung:
Im Thema des Monats September wird das neue
Ethos der Einsamen im Mittelpunkt stehen. Dabei geht es u.a. um den
Zusammenhang von Wellness und Alleinleben (das traditionell mit
Kinderlosigkeit gleichgesetzt wird).
Im
Gegensatz zu PROBST, der einer Wellness-Orthodoxie (siehe dazu auch
das
"Glossar der Gegenwart") frönt,
wird jedoch kein künstlicher Gegensatz zwischen FOUCAULTs "Sorge um
sich selbst" und dem Wellness-Konzept aufgebaut, sondern Wellness
erscheint im neuen Ethos der Einsamen als Selbsttechnologie, die im
Zeichen der Sorge um sich selbst steht.
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DÖRING, Diether (2006): Der verlorene Charme des Sozialstaats.
Ein Vergleich der verschiedenen europäischen Strategien und ihrer
Auswirkungen auf die Beschäftigung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.08.
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HERRMANN, Ulrike (2006): Der Milliarden-Deal.
"Künftige Lieben" (2): Immer
mehr Deutsche sind angeblich bindungslos und einsam. Tatsächlich ist
die ökonomische Macht der Familien ungebrochen - und wird wichtiger,
in: TAZ v. 04.08.
- Inhalt:
"Es
wird öffentlich nicht wahrgenommen, welch gigantische Summen
innerhalb einiger Familien weitergereicht werden und wie sehr es
sich lohnt, finanzstarke Eltern zu haben. Rund 2,5 Billionen Euro
werden in Deutschland in den nächsten zehn Jahren vererbt. Diese
Transaktionen bleiben jedoch privat; der Staat nimmt jährlich nur
etwa 3 Milliarden Euro Erbschaftsteuer ein. Selbst die Vermögensoase
Schweiz kassiert bei ihren reichen Erben strenger ab",
kritisiert HERRMANN und meint:
"Nur
eine höhere Erbschaftsteuer könnte diesen Trend bremsen. Doch die
deutsche Familien-Ideologie ist stärker".
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STUMBERGER, Rudolf (2006): In Deutschland können immer weniger
Journalisten von ihrem Beruf leben.
Nach einer Studie sinkt bei
den Journalisten die Zahl der freiberuflich Tätigen und ist bei ihnen
Kinderlosigkeit weit verbreitet,
in: Telepolis v. 04.08.
- Inhalt:
"In den Medien arbeiten immer mehr Frauen, ihr Anteil
hat sich von 20 Prozent Ende der 1970er Jahre auf 37 Prozent im
Jahre 2005 gesteigert. Ihr Anteil ist beim Fernsehen am höchsten,
bei Zeitungen am niedrigsten. Zwar dominiert nach wie vor die
geschlechtsspezifische Ressortverteilung (Familie, Kinder, Beauty-
und Wellness-Themen), doch scheinen sich die Grenzen in den
zentralen Ressorts langsam aufzuweichen. Nach wie vor sind in der
Medienbranche Beruf und Familie sehr schwer zu vereinbar: Fast 60
Prozent der Journalisten in Deutschland haben keine Kinder und
Journalistinnen bekommen mit einer Geburtenrate von 0,5 Kinder
deutlich weniger Nachwuchs als die Frauen in Deutschland insgesamt
(1,4 Kinder). Während gut die Hälfte der Journalisten keinen
Nachwuchs hat, sind es bei den Journalistinnen zwei Drittel",
schreibt STUMBERGER
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FELLMANN, Max (2006): Sonnenstrahlen, wie für uns gemacht.
Die Popkultur entdeckt Wiesen und Wälder - "Blumfelds"
'Apfelmann' war nur der Anfang, jetzt kommt die Tier-Offensive von
"Kante",
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.08.
- Inhalt:
Max FELLMANN sieht einen eindimensionalen
Trend Zurück zur Natur, den er an den Alben von
Tocotronic,
Blumfeld und
Kante sowie am Roman
"Waldstein" von Moritz von USLAR festmacht.
Entsprechend
der SZ-Doktrin von der neuen Ernsthaftigkeit, die
neuerdings im Gewande des Neospießertums daherkommt, proklamiert
FELLMANN:
"So
wie der Naturalismus Ende des 19. Jahrhunderts auf die neue
Unübersichtlichkeit des Industriezeitalters reagiert, sucht
vielleicht jetzt die Kunst einen Ausweg aus der Ironie-Sackgasse.
Spätestens seit Mitte der neunziger Jahre ixt ja alles durchtränkt
mit Ironie. (...). Wohin man schaut: Augenzwinkern.
Als
Reaktion darauf bleibt nur größtmögliche Ernsthaftigkeit. Und was
könnte ernsthafter sein als der Anfang von allem? In der Natur
gibt es keine Ironie."
Anmerkung:
Man könnte das Zurück zur Natur von
Tocotronic, Blumfeld und Kante aber auch mit
Judith MAIR & Silke BECKER ("Fake
for real") ganz anders sehen, als Fake nämlich:
"Wo
das Konforme sich rebellisch gibt und die Mächtigen sich um den
Posten des Kritikers rangeln, muss das Nichtkonforme und Kritische
lieb, nett und harmlos daherkommen. (...) Fake dreht den Spieß um:
Wenn da, wo Rebellion draufsteht, nur Harmloses drin ist, muss da,
wo Rebellion drin ist, »harmlos« draufstehen." (2005, S.237)
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BÖTTIGER, Helmut (2006): Die Erfindung des Literaturbetriebs.
Eine kleine Sensation: Hubert Fichtes "Die zweite Schuld" ist eine
Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.08.
- Inhalt:
Der Politikwissenschaftler Franz WALTER hat kürzlich
die These aufgestellt, dass die 68er keine großen Denker
hervorgebracht haben und mit dem Terminus "68er" hauptsächlich
Intellektuelle bezeichnet werden, die generationsmäßig der
vorangegangenen Generation angehören. BÖTTIGER bestätigt dies nun
unfreiwillig, wenn er dem Schriftsteller
Hubert FICHTE den "Furor der 68er" zuschreibt. FICHTE ist für
BÖTTIGER jedoch nur Kulisse, um die Bedeutung der Gruppe 47, hier
speziell Walter HÖLLERER ins rechte Licht zu rücken.
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SCHLESINGER, Katja (2006): Soziologe mach hohe Geburtenraten für
Gewalt mitverantwortlich.
Nach Ansicht des Soziologen
Gunnar Heinsohn tragen die hohen Geburtenraten in den
palästinensischen Gebieten zur Gewalt im Nahen Osten bei. Viele junge
Männer ohne Perspektive seien für religiös motivierte Gewalt
empfänglich, sagte Heinsohn,
in: DeutschlandRadio v. 04.08.
- Inhalt:
SCHLESINGER interviewt Gunnar HEINSOHN, der
mit
"Söhne und Weltmacht" die
youth-bulge-These in Deutschland in die Debatte eingeführt hat:
"Schlesinger:
Sie verweisen seit Jahren auf den Zusammenhang von hohen
Geburtenraten und Gewalt. Peter Sloterdijk nun spricht von der
»Bevölkerungswaffe der Islamisten«.
Übertreibt er da nicht?
Heinsohn: Ich
glaube nicht, dass er übertreibt. Nur, die Entwicklung hat auch eine
positive Seite. Denn in dem Moment, wo diese Jungmänner-Wellen, auf
welche Weise auch immer, abgeklungen sind, dann kann auch wieder
Frieden eintreten. Wir haben das gut beobachten können etwa in
Algerien, wo sich 150.000 Menschen zwischen 1991 und ungefähr 2004
umgebracht haben. Während das passierte, haben die algerischen
Frauen ihre Geburtenzahl auf 1,9 heruntergeschraubt, während ihre
Mütter und Großmütter, die die Kämpfer geboren haben, sechs oder
sieben Kinder hatten. Also das heutige Algerien steht alsbald vor
einem Rentenproblem."
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KAMANN, Matthias (2006): Zweierlei Familienpolitik.
Reiche Kinder, arme Kinder - und die Reaktion von Ursula von der
Leyen,
in: Welt v. 03.08.
- Inhalt:
Für KAMANN steht in der Familienpolitik die
gleiche Entwicklung bevor wie in der Arbeitsmarktpolitik:
"Es
ist wie auf dem Arbeitsmarkt: Während öffentliche Angebote die
Aktiven zusehends weiter aktivieren, fällt dem Staat bei der
Unterschicht nur ein, Geld zu geben, und den Menschen, es zu nehmen.
Da
aber dem Staat das Geld ausgeht und bloße Alimentierung zu noch mehr
Passivität führt, dürften sich analog zum Arbeitsmarkt zwei
verschiedene Familienpolitiken ausdifferenzieren: Die eine richtet
sich als freundliche Abfederung der Selbstständigkeit an
berufstätige Mittelschichten, die andere droht nach unten mit der
Kindergeld-Kürzung, wenn die staatlichen Bildungsangebote, die
letzten Möglichkeiten zur Selbstbefreiung, nicht genutzt werden.
Völlig unklar ist dabei, ob solche Drohungen etwas nutzen und wie
lange es die Gesellschaft aushalten würde, wenn Kinder nach einem
Vollzug der Sanktionen ganz ohne Geld daständen."
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HANLOSER, Gerhard (2006): Fossil aus dem Fordismus.
Das Prekariat hat keine Ferien. Anmerkungen zur Geschichte des
Urlaubs,
in: Jungle World Nr.31 v. 02.08.
- Inhalt:
Das Thema der Jungle World widmet sich heute
der Sozialgeschichte des Sommers.
Felix KLOPOTEK schreibt über die
Sonnenbräune.
Roger BEHRENS über die Abschaffung
des Wetters,
Rudi THIESSEN über Klimawandel und
Lebensgefühl und HANLOSER erzählt die Geschichte des Urlaubs:
"Ist
Urlaub ein Merkmal des »Wohlstandstreibhauses« BRD (Peter
Sloterdijk), wie die Apologeten des Neoliberalismus in scheinbarer
Anknüpfung an die linke Kulturkritik der sechziger Jahre verkünden?
Urlaub ist sicherlich die Verlängerung des Elends der
Lohnarbeitsgesellschaft in die vermeintlich freie Zeit, jeder
Ballermann- und Pauschalurlaub, Inbegriff der proletarischen
Ferienzeit, zeigt das recht deutlich. Der Animateur und der
Vorarbeiter unterscheiden sich in ihrer Impertinenz und ihrem
Drängen mitzumachen nur in Nuancen.
Doch
das heutige freie Proletariat, modisch: Prekariat genannt, kennt
keinen Urlaub mehr. Die Unternehmen sparen sich die Kosten für
bezahlten Urlaub, indem sie Arbeit vermehrt an Freie vergeben.
Verglichen mit den Freelancern, dem wachsenden Segment der
selbständigen Arbeiter, die weder feste Arbeitszeiten noch
Urlaubsansprüche kennen, erscheint der Urlaub des fordistischen
Fossils noch als klitzekleiner Vorschein auf eine Gesellschaft, die
ein Reich der Freiheit für alle bereithält."
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WITTSTOCK, Uwe (2006): Generation Prekariat.
Wer heute jung ist, dem wird
es einmal schlechter gehen als seinen Eltern: Über demographischen
Alarmismus, wirtschaftlichen Sinkflug und den Start in die
Risikogesellschaft,
in: Welt v. 02.08.
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- KÜRTHY, Ildikó von (2006): Hauptsache
jung?
Niemals zuvor sind die Menschen so alt geworden wie heute. Niemals
zuvor hatten wir so viel Zeit, unser Leben zu genießen. Doch was tun
wir? Versuchen, unser Alter zu ignorieren und ewig jung zu bleiben.
Wie unnötig,
in: Brigitte Nr.17 v. 02.08.
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SLOTERDIJK, Peter (2006): Die Bevölkerungswaffe der Islamisten.
Hunderte Millionen junger Männer in der arabischen Welt besitzen
nichts als ihren Zorn. Der radikale Islamismus ist deshalb die erste
rachdurstige Ideologie der Weltgeschichte. Sie ist nur auf Zerstörung
ausgelegt,
in: Cicero, August
- Inhalt:
Peter SLOTERDIJK sieht im Islam den Nachfolger des Kommunismus.
Dazu
präsentiert er drei Thesen, deren Dritte er ausführlich behandelt.
Es handelt sich dabei um die
These vom youth Bulge, die in Deutschland Gunnar HEINSOHN
popularisiert hat und die spätestens durch Frank SCHIRRMACHER
auch in der Mitte salonfähig geworden ist.
Bei SLOTERDIJK
verbindet sie sich zudem mit der modischen Vokabel vom
"Subproletariat".
Damit macht
SLOTERDIJK seine Thesen auf zweifache Weise anschlussfähig an die
westeuropäische Angstgesellschaft, die sich einerseits aus der Angst vor dem
Aussterben und andererseits aus der Angst vor dem eigenen
ökonomischen Untergang speist.
Vom DeutschlandRadio
gibt es ein
Interview mit SLOTERDIJK zum Thema.
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BUSCHE, Jürgen (2006): Der Zeitgeist ist konservativ.
Fahnenmeer, Familiensinn, Religionshappenings und Heimatliebe. Es
bewegt sich etwas in Deutschland. Warum eigentlich? Drei Thesen zur
neuen Bürgerlichkeit und eine Analyse, warum die Union mit ihr nicht
zurecht kommt,
in: Cicero, August
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- BRAUN, Christoph (2006): Kante.
Die Sache mit dem Knoten,
in: Spex, Nr.301, August
- Inhalt:
Peter Thiessen u.a. über den
Albumtitel:
"Der Titel des
Albums ist nicht von mir, den habe ich von
Rolf Dieter Brinkmann. Von seinen Tonbandaufnahmen »Wörter.Sex.Schnitt«.
Da läuft er mit einem Tonband durch Köln und beschreibt
einfach, was er sieht. Meistens schimpft er rum und steigert
sich völlig in sein Schimpfen rein. Als er so an einer
Haustür vorbeiläuft, weist ihn ein Mann zurecht, zeigt dabei
auf einen Hundezwinger und sagt: »Seien Sie still! Die Tiere
sind unruhig«. Mit dieser Aussage spielt Brinkmann dann. Das
beschreibt ganz gut so eine Stimmung, dass etwas bevorsteht,
und man weiß nicht, ob sich die Dinge zum Guten oder zum
Schlechten ändern werden."
BRAUNs
Fazit zum Album:
"Das Schöne an der neuen
Kante-Platte ist (...), dass sie die diffuse Lage da draußen
einfängt wie keine andere Pop-Platte seit dem 11. September
und Hartz IV. Wie eben
Brinkmann in den 70ern und
Goetz in den 90ern."
- OPITZ, Sven (2006): Kante - Unruhe
sanft,
in: Intro Nr.141, August
- Inhalt:
"Spätestens seit »Zweilicht« (2001) zeigen sich Kante
hingerissen von jenen Momenten der Uneindeutigkeit, der Auflösung,
der Katastrophe, die den Horizont jeder Erwartung zerbrechen. Sie
beschwören die Blüten in der Wirtschaft, auf dass die reguläre
Ökonomie durch einen Schattenbereich verdoppelt werde und die
Transaktionskosten zwischen den Orten explodieren. »Zombi« (2004)
inszeniert ein Fest der Ruine, deren Mutation das vormalige Gebäude
im Zusammenbruch zu etwas radikal Neuem umstülpt. Un der
gleichnamige Song ist gar eine Hymne auf die Möglichkeiten der
Untoten. »Die Tiere sind unruhig« führt diese Poetik der Anomie
grundsätzlich fort. Im Titelstück wird das Verhalten der Tiere zum
unergründlichen Seismografen eines zukünftigen Ereignisses, in
dessen Erwartung die Spannung ins Unermessliche steigt. Gleichzeitig
bezeichnet das Tierische immer auch den dem Menschen eigenen
Abgrund. Es verweist auf ein Unheimliches, das ihn im selben Moment
aushöhlt und als menschlich ausweist", beschreibt OPITZ die
Kontinuitäten im Werk der Band Kante anlässlich ihres neuen
Albums "Die Tiere sind unruhig".
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NEON-Titelgeschichte:
Ruf mich bloß nicht an!
Mythos One-Night-Stand: Warum man Sex mit
Fremden fast immr bereut |
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PFEIFER, David (2006): Das verflixte eine Mal.
Überraschender, unkomplizierter Sex mit einer wildfremden Person
und danach sieht man sich nie wieder. Viele sehnen sich nach dem
Abenteuer, das ein ONE-NIGHT-STAND verheißt. In der Realität sieht
die Sache anders aus. Da gilt leider oft: Einmal ist wie keinmal,
in: NEON, August
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KOCH, Christoph (2006): "One-Night-Stands kann man überall finden".
Aber wir sind nicht so abenteuerlustig, wie wir denken, sagt der
amerikanische Sexualforscher Edward Laumann. Wir wildern höchstens
im eigenen Revier,
in: NEON, August
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- SCHRÖDER, Vera (2006): "Ich steh auf
den Schicki-Trash-Style".
Ehrliche Kontaktanzeigen.
Nichts als die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren
Macken - und warum es sich trotzdem lohnt, sie kennen zu lernen,
in: NEON, August
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- DECKERT, Marc (2006): Auf dem Sprung.
"HOCHMOBILE" Menschen leben und arbeiten heute hier, morgen dort.
Ihr Leben klingt verlockend. Aber wie gehen sie mit den ständigen
Ortswechseln um? Und können sie jemals Wurzeln schlagen?
in: NEON, August
- Inhalt:
"Das Recht auf Heimat scheint weltweit in Gefahr zu
sein: Und manchmal lässt sich kaum noch sagen, wie freiwillig oder
unfreiwillig jemand auf Achse ist. Auch den jungen Deutschen geht es
so: Dauerpraktikanten, die nach Abschluss ihres Studiums durch die
Büros oder Agenturen sämtlicher Großstädte tingeln.
Fernbeziehungspaare, die sich jeden Freitagabend auf einem anderen
deutschen Bahnsteig umarmen. Die vagabundische Existenz verspricht
längst keine Karrierevorteile mehr, sondern ist oft die einzige
Chance, überhaupt den Einstieg zu schaffen. Aber dann gibt es ja
auch noch die echten Freiwilligen: Kreative, oft in Medien- oder
künstlerischen Berufen", schreibt Marc DECKERT über die Situation
hochmobiler Menschen.
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- KIENLE, Dela (2006): Funkstille.
Man kann mit Partnern Schluss machen, Freundschaften beenden, wenn
es nicht mehr geht. Aber den Kontakt zur Familie abbrechen? Fast
unmöglich. Die Gespenster der Vergangenheit bleiben lebendig, selbst
wenn sie jahrzehntelang Ruhe geben,
in: NEON, August
- WEWER, Antje (2006): Sprich mit ihnen!
Damit nach einem Konflikt das Verhältnis zu den Eltern nicht für
alle Zeiten zerrüttet bleibt, muss man irgendwann wieder miteinander
reden. Dafür gibt es einen besten Zeitpunkt und ein paar Regeln -
erklärt die französische Psychotherapeutin Isabelle Filliozat,
in: NEON, August
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KULTURAUSTAUSCH-Schwerpunkt:
Die Zukunft der Stadt.
Explodieren Schrumpfen Konkurieren |
- SIEBEL, Walter (2006): Wir Kleingeister.
Warum wir nicht immer nur über Wachstum nachdenken sollten. Auch
Schrumpfen kann gut sein,
in: Kulturaustausch, H.3
- Inhalt:
Für Walter SIEBEL ist das Wachstum der
Städte auch mit dem Aufstieg und Untergang der
Industriegesellschaft verbunden:
"Schrumpfende
Städte sind nichts grundsätzlich Neues. (...). Erst seit der
Industrialisierung ist die europäische Stadt identisch mit dem
Wachstum der Bevölkerung, der Arbeitsplätze und der bebauten
Flächen. Mit dem Rückzug der Industriegesellschaft begannen
deshalb Städte wie Manchester, Liverpool oder das Ruhrgebiet auch
wieder zu schrumpfen. Heute überlagern sich in Deutschland die
Effekte ganz unterschiedlicher Entwicklungen: der Wandel von der
Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft, die Transformation vom
Sozialismus zum Kapitalismus und die massiven demografischen
Veränderungen."
SIEBEL
sieht den Einwohnerrückgang nicht als naturgegebenes Gesetz,
sondern die Politik könne dem entgegenwirken:
"Wie
viele Menschen künftig in der Bundesrepublik leben werden, hängt
von drei Faktoren ab: der Geburtenzahl, dem härtesten Datum der
Prognosen, der Entwicklung der Lebenszeit und der Einwanderung.
Nach sehr optimistischen Prognosen könnten die Einwohnerzahlen
sogar bis 2050 konstant bleiben. Allerdings müssten dazu 300.000
Menschen jährlich zuwandern, und die Lebenszeit müsste sich
stärker als bisher angenommen verlängern. Damit verschöbe sich die
Problematik von quantitativen zu qualitativen Fragen: Das
Gesundheitswesen, die Integrationspolitik und das Bildungssystem
wären sehr viel stärker gefordert."
Der
Bevölkerungsrückgang ist zudem nicht identisch mit einem Rückgang
der Nachfrage nach Wohnungen:
"Beispielsweise
ist trotz Abwanderung in den neuen Bundesländern zehn Jahre nach
der Wende die Zahl der Haushalte und damit die Nachfrage nach
Wohnungen um über 300.000 gestiegen. Wenn heute dort über eine
Million Wohnungen leer stehen, so ist das keineswegs nur Folge der
Bevölkerungsverluste."
Auch
die Entwicklungen im Bereich der sozialen Sicherungssysteme sieht
SIEBEL weniger dramatisch:
"Aber
worin liegt der Unterschied, wenn in den fünfziger Jahren des
vorigen Jahrhunderts in einer traditionellen Familie ein
berufstätiger Mann - neben seinen Abgaben für die
Sozialversicherungen - eine Hausfrau und zwei Kinder zu ernähren
hatte, zu heute, wenn ein Berufstätiger vielleicht zwei ältere
Menschen und ein Kind unterhält? Die Relation zwischen
Erwerbstätigen und Nicht-Erwerbstätigen hat sich dann gar nicht
geändert, sondern die Art und Weise, in der die Gesellschaft die
Transfers organisiert: früher innerhalb des Verwandtschaftssystems
und informell, heute politisch organisiert über
Sozialversicherungssysteme und Geldzahlungen. Dadurch sind die
Belastungen nicht unbedingt gestiegen, aber sie sind sichtbarer
und politisierter."
Das
entscheidende Problem der Kommunen sieht SIEBEL in der jetzigen
Gemeindefinanzierung, bei der die Finanzen eng an die
Einwohnerzahl gekoppelt sind. Er plädiert deshalb für eine
Gemeindefinanzreform, die eine Entkopplung anstrebt:
"Wachstum
produziert Kosten, aber ihm folgen auch Einnahmen. (...). Beim
Schrumpfen müssen Gebäude und Infrastruktur zurückgebaut werden,
aber diese Kosten können von verschwundenen Nutzern schlecht
eingefordert werden."
- PAVKOVIC, Gari (2006): Ihr Kinderlein
kommet.
Warum Zuwanderung besser ist als Abwanderung - und wie die
Integration von Migranten ein Erfolg sein kann: das Beispiel
Stuttgart,
in: Kulturaustausch, H.3
- TERKESSIDIS, Mark (2006): Am Stadtstrand.
Wie wir Touristen in der eigenen Stadt werden,
in: Kulturaustausch, H.3
- HÄUßERMANN, Hartmut (2006): Die ideale
Kommune.
Warum wir uns daran erinnern sollten, wie großartig europäische
Städte sind,
in: Kulturaustausch, H.3
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
29. - 31.
Juli 2006
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