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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 01. - 14. Februar 2002

 
       
     
       
   
  • CLAUSNITZER, Beate (2002): Maria und Joseph.
    Vater Staat: Eine Plakataktion der Bundesregierung wirbt für die Familie,
    in: Die ZEIT Nr. 8 v. 14.02.
    • Inhalt:
      CLAUSNITZER kritisiert die Plakataktion der Bundesregierung. Dabei erschließt sich ihre Position nur als Negativum.
                  Sie schildert ein idealtypisches Bild der UR-Familie, deren väterliche Macht immer mehr auf andere Instanzen übergegangen ist: vom leiblichen Vater zum Gottvater und nun zum Vater Staat. Bei dieser Geschichte des Funktionsverlustes der Familie hat ihr offenbar das Buch "Die Heilige Familie und ihre Folgen" von Albrecht KOSCHORKE als Quelle gedient.
                  Staatliche Ganztagsbetreuung ist ihr zu DDR-typisch. Auch die Reduktion der Familie auf den bevölkerungspolitischen Nutzen ist ihr ein Dorn im Auge.
 
   
  • GASCHKE, Susanne (2002): Den lieben langen Tag.
    Schulen müssen mehr sein als reine Lernanstalten. Ein Plädoyer für die Ganztagsschule,
    in: Die ZEIT Nr. 8 v. 14.02.
    • Inhalt:
      Susanne GASCHKE plädiert halbherzig für die Ganztagesschule.
                  Der unumkehrbare Trend zur Berufstätigkeit beider Eltern macht sie als Angebotsschule für Kinder notwendig, die sonst zu Problemkindern werden könnten. Die Schulen sollen deshalb auch vorrangig an "sozialen Brennpunkten" eingerichtet werden. Die Ganztagesschule soll also häusliche Defizite - im Sinne der Charakterbildung - kompensieren. Die deutsche Mutter ist GASCHKEs unausgesprochenes Ideal.
 
     
   
  • FUHRIG, Dirk (2002): Sex hat ein Ende.
    Michel Houellebecq über seinen neuen Roman "Plattform",
    in: Frankfurter Rundschau v. 14.02.
    • Kommentar:
      Befragt danach, warum ihn die Franzosen nerven, geht er auf die Ursachen des erstarkenden Puritanismus in Frankreich ein:
                  "Ich habe nur eine Erklärung dafür, nämlich dass die Franzosen, die ja eine zutiefst ungesunde, neidbehaftete Verbindung zu den Vereinigten Staaten pflegen, die Amerikaner möglichst perfekt imitieren wollen. Was diesen lächerlichen Puritanismus betrifft, ist das ganz offensichtlich."
                  Auch in Deutschland ist der Puritanismus eine erstarkende Bewegung. Im März-Heft von ALLEGRA befindet sich z.B. die Story "Bis hierhin und nicht weiter" über eine Beziehung ohne Sex.
                  Katharina LIEBSCH hat in ihrem Buch "Panik und Puritanismus" die deutsche "True-Love-Waits"-Bewegung als Reaktion auf die kulturellen Modernisierungen seit den 60er Jahren beschrieben.
  • FUHRIG, Dirk (2002): Monsieur Tristesse.
    Der französische Autor Michel Houellebecq las im TAT aus seinem neuen Roman "Plattform",
    in: Frankfurter Rundschau v. 14.02.
 
   
  • KOHSE, Petra (2002): Tröpfelnde Zuwendung im Themenpark.
    Hüpfbälle für alle: Die deutsche Familienpolitik leidet am Mangel an Visionen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 13.02.
 
   
  • MONATH, Hans (2002): Familie wird Spitzenthema.
    Generalsekretär Müntefering will damit die politische Mitte besetzen: "Stoiber spielt bei uns keine Hauptrolle",
    in: Tagesspiegel v. 13.02.
  • HMT (2002): Des Kanzlers neue Kinder.
    Die SPD entdeckt die Familienpolitik
    in: Tagesspiegel v. 13.02.
 
     
   
  • SCHLAFFER, Heinz (2002): Schule der zweiten Frau,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.02.
    • Inhalt:
      SCHLAFFER hebt die Innovationsfähigkeit der viel gescholtenen Geisteswissenschaftler hervor:
                  "Vor dreißig Jahren durften Vorstandsmitglieder oder Politiker an Scheidung und Wiederverheiratung gar nicht denken (...). Die Abschaffung dieser altbürgerlichen Sitten begann nach 1968 an den philosophischen Fakultäten, den Leid- und Lusttragenden der Studentenbewegung (...). Um nicht als Don Juan oder Luftikus verschrieen zu werden, sondern den Ruf akademischer Ernsthaftigkeit zu wahren, heiratete der doppelt so alte Professor seine Lieblingsstudentin und überließ seine altgediente Ehefrau der Vergangenheit.
                  (...).
      Zuerst brüskiert, dann neidisch und schließlich vom professoralen Vorbild inspiriert, gingen Politiker und Manager in die Schule der zweiten Frau (...). Solange die Untergebenen - Amtsboten und Fabrikarbeiter - noch lebenslang bei ihrer ersten und einzigen Ehefrau ausharren müssen, ist der Erwerb einer jungen Frau durch einen alten Mann ein Zeichen ökonomischer Potenz und sozialer Distinktion."
 
   
  • KOSPACH, Julia & Robert TREICHLER (2002): Das Ekel.
    Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq ist einer der erfolgreichsten Autoren der Gegenwart. Ist er deshalb ein ernstzunehmender Denker? Nein. Seine Ansichten sind banal und reaktionär,
    in: Profil Nr.7 v. 11.02.
 
     
     
   
  • POSCHARDT, Ulf (2002): Warum dieser Hass auf unsere Welt?
    Eine Spurensuche am Rande des Nachvollziehbaren,
    in: Welt am Sonntag v. 10.02.
    • Inhalt:
      POSCHARDT rechtfertigt den Selbsthass der Kinder aus gutem Hause, der bis zu Militanz und Terrorismus führen kann, als notwendiges und systemstabilisierendes Element der liberal-demokratischen Gesellschaft. Er bezieht sich dabei auf den Soziologen Niklas LUHMANN:
                  "eine Gesellschaft (muss) ihre Freiheit immer bis zu den Rändern der Selbstbedrohung ausweiten (...), um sich im Moment der Bedrohung wieder über den Wert der Freiheit sowie deren ideellen Kern zu verständigen."
                  Als Beispiel für den Selbsthass weiter Teile des Bürgertums dient ihm u.a. Christian KRACHT und dessen Roman "1979":
                  "Der exponierteste Vertreter junger deutscher Literatur, Christian Kracht, hat mit seinem jüngsten Roman '1979' jene Tendenz zum offenen Bekenntnis der Abscheu vor seiner eigenen Zivilisation perfektioniert. Bei Kracht sind der Ekel und die Verachtung für seine Mitwelt so ausgeprägt, dass sie keinen Zweifel darüber lassen, wie viel sie ihm einst bedeutet haben musste."
 
   
  • KUPCZIK, Ingrid (2002): Unbewusste Suche nach Mutter.
    Neue Erkenntnisse zur Partnerwahl: Ähnlichkeit mit dem eigenen Elternteil ist ein wichtiges Auswahlkriterium,
    in: Welt am Sonntag v. 10.02.
 
   
  • LORENTZ, Frank (2002): Mein wunderbarer Waschsalon.
    Neue Orte für die Kultur: Zwei Salons in NRW sind nicht nur zum Waschen da. Im einen steht eine Bar, im anderen wird Comedy gespielt,
    in: Welt am Sonntag v. 10.02.
 
   
  • KLÜVER, Henning (2002): Pronto? Mamma? Setz die Pasta auf!
    Die Italiener sind ein Volk von Muttersöhnchen – und doch hat sich „la famiglia“ in den letzten Jahren radikal gewandelt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.
 
   
  • Singlefeindlicher Beitrag:
    ZIPS, Martin (2002): Roland - allein zuhaus.
    In Bayerns Großstädten lebt jeder Zweite allein. Besuch bei einem von zwei Millionen Singles - wie ein 40-Jähriger das Leben in der Einsamkeit meistert,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.
    • Kommentar:
      Es ist eine Schande, dass in einer überregionalen Zeitung immer noch Falschmeldungen über die Anzahl der Singles zu lesen sind.
      Es kann gar keine Rede davon sein, dass in Bayerns Großstädten jeder Zweite allein lebt. Der Autor verwechselt die Haushalts- und Personenebene.
                  ZIPS hätte besser bei seinem Kollegen von der Regionalzeitung "MAIN ECHO" (10.12.2002) abgeschrieben, denn dort steht zu lesen, dass "in den bayerischen Städten mit mindestens 100 000 Einwohnern über 26 Prozent der Menschen alleine (lebten). Fast jeder zweite Haushalt (49 Prozent) bestand dort aus nur einer Person."
                  Auch wenn man bei der SZ gerne die Familien als aussterbende Minderheit darstellt, so sollte man nicht versuchen die Anzahl der Singles künstlich zu dramatisieren, denn dies ist singlefeindliche Medienberichterstattung.
            "Nur wenige Singles sind unter 30". Dies ist so richtig wie falsch!
                  Die größte Gruppe sind die älteren Witwen. Aber auch junge Singles unter 30 sind in Bayern mit 18 Prozent eine bedeutende Gruppe. Die Alleinlebenden jedoch, die im Brennpunkt der Medien stehen, sind die 25-45 Jährigen. Nur ist das nicht die Mehrheit, wie es ZIPS nahelegt, sondern eine Minderheit.
                  Nur in einem Punkt liegt ZIPS richtig:
                  Männer dominieren in dieser Gruppe auch wenn die weiblichen Yuppies gerne in den Vordergrund gerückt werden. Das Fallbeispiel eines geschiedenen Alleinlebenden, der Unterhalt zahlen muss liegt näher an der Wirklichkeit des typischen männlichen Singles im mittleren Lebensalter als die üblichen Lifestyle-Yuppie-Geschichten.
                  Der Soziologe Jörg ECKHARDT nennt diese Gruppe die "gebrauchten Junggesellen".
 
     
   
  • US (2002): Wachsende demographische Probleme.
    Beschleunigter Geburtenrückgang in Japan,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 07.02.
 
   
  • MAYER, Susanne (2002): Es ist ein Junge!
    Nachwuchs für die Familienpolitik: Der jüngste Hoffnungsträger heißt - Roland Koch,
    in: Die ZEIT Nr.7 v. 07.02.
 
   
  • JESSEN, Jens (2002): Der große Jammer.
    Ein Meister und sein Epigone: Joris-Karl Huysmans und Michel Houellebecq. Aus Anlass des Romans "Plattform"
    in: Die ZEIT Nr.7 v. 07.02.
  • BURGHOFF, Christel & Edith KRESTA (2002): Der arme Mann!
    Sex im Pauschalangebot fordert der Bestsellerautor Michel Houellebecq. So weit geht die Tourismusindustrie (noch) nicht,
    in: Die ZEIT Nr.7 v. 07.02.
 
   
  • BECK, Ulrich (2002): Arbeit ist ein bewegliches Ziel.
    Schröder regiert wie Kohl. Die Arbeitslosigkeit wird ausgesessen. Die zentrale Frage bleibt: Wie schafft man trotz Rezession und Globalisierung neue Jobs? Versuch einer Antwort,
    in: Die ZEIT Nr.7 v. 07.02.
    • Kommentar:
      Nichts Neues bei Ulrich BECK, dafür aber jede Menge auf den ersten Blick Unverständliches! Bereits im TAZ-Gespräch vom 31.01. hat BECK seine zweitmoderne Linie vom starken Sicherheitsstaat ("ein Land kann sich auch zu Tode neoliberalisieren") bei gleichzeitigem Abbau des Sozialstaats ("Weltwohlfahrtsnische Deutschland") erklärt.
                  Nur in diesem Kontext ist auch seine Behauptung zu verstehen, dass SCHRÖDER sich beim Aussitzen des Arbeitslosenproblems auf den Geburtenrückgang verlassen hat. Außer Ulrich BECK wissen aber alle Experten, dass die
      Entlastung des Arbeitsmarktes durch den Geburtenrückgang
      - wenn überhaupt - erst in einem Jahrzehnt eintritt. Was das Gerede vom Ende der Vollbeschäftigungsgesellschaft soll, vor dem wir angeblich gerade stehen, das weis auch nur BECK. Seit Mitte der 70er Jahre gibt es keine Vollbeschäftigungsgesellschaft mehr.
      Diese sprachmagischen Formeln werden erst verständlich, wenn er zum letzten Punkt kommt:

                  "es gibt knallharte wirtschaftspolitische Gründe für Zuwanderung. Sie ist ein Mittel gegen die drohende Vergreisung der deutschen Gesellschaft".
                  Das Wort von der "Vergreisung Deutschlands" stammt ursprünglich aus dem Jahr 1960. Damals stand Deutschland ein einzigartiger Babyboom und die Gastarbeiterwelle bevor.
                  In der damaligen Situation erschien das Buch Die Überalterung. Ursachen, Verlauf, wirtschaftliche und soziale Auswirkungen des demographischen Alterungsprozesses von Franz-Xaver KAUFMANN im Zürcher Polygraphischen Verlag.
                  Ein Jahr später, 1961, erschien im Econ Verlag das Buch Gebrannte Kinder. Jugend in der Nachkriegszeit von Richard KAUFMANN. In diesem Buch finden sich bereits alle Argumente der gegenwärtigen bevölkerungspolitischen Debatte:
                  "Selten findet man mehr als zwei Generationen (Eltern und Kindern) in einer Wohnung, oft aber nur noch eine Generation, was sich statistisch leicht nachweisen läßt. Ein Viertel aller Ehen des Jahres 1957 war kinderlos. Mangel an Tradition, Verzicht auf Familienerbe und -bindung sind geradezu Kennzeichen der modernen Siedlung", heißt es dort. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird auch damals bereits in Frage gestellt und die Konkurrenz zwischen kinderloser Frau und Müttern behauptet: "Die kinderlose Form der Ehe erhält ein sichtbares Plus - sie wird belohnt (...). Demgegenüber schneidet die 'Ehe mit Kindern' oftmals schlecht ab."
                  KAUFMANN nennt ein Beispiel, das in der Sozialschmarotzer-Debatte heute genauso aktuell ist wie damals:
                  "Der vierundzwanzigjährige Monteur, der 700 Mark im Monat verdient, und seine Frau, die dreiundzwanzigjährige Buchhalterin, die netto etwas mehr als 500 Mark erhält, haben gemeinsam eine Kaufkraft von über 1000 Mark. Davon können sie sich eine Junggesellenwohnung mit Dusche und Kochnische einrichten, können auswärts essen und den Urlaub in Italien verbringen. Bekommt die Buchhalterin aber nacheinander zwei Kinder und gibt ihre Stellung auf, um sich den Kindern zu widmen, dann leben plötzlich vier Menschen in einer zu engen Wohnung von 700 Mark, und das heißt, daß sie in ihrem Lebensstandard nicht mehr mit anderen, kinderlosen Ehepaaren Schritt halten können. Auch solche Hilfen wie Steuervergünstigung oder Kindergeld können den Ausfall an barem Geld, das konsumiert werden darf, nicht entfernt ersetzen. Die Konkurrenz zwischen Mutter und Berufstätiger ist so eindeutig für die berufstätige (kinderlose) Frau entschieden, daß es darüber keine Zweifel mehr geben kann."
                  Auch das HEDONISMUS-Argument fehlt nicht:
                  "Eine Bürovorsteherin sagte mir kürzlich, daß viele junge Mädchen ihres Büros (...) 2/3 bis 3/4 ihres Gehaltes für Kleidung, Friseur, Kosmetik, Reisen und Vergnügungen ausgeben. Bei vielen jungen Männern ist es ähnlich... So kommt bei jung verheirateten Ehepaaren die Angst: wie soll es reichen".
                  Der Autor vermisst die "selbstverständliche Mütterlichkeit" der früheren Generationen. Kinder werden deshalb zur "Mangelware" und die "Überalterung" schreitet fort. Das Thema "Vaterlosigkeit" fehlt genauso wenig wie das Lieblingsthema von Susanne GASCHKE: die "Luxusverwahrlosung" der Mittelschichtkinder.
                  Die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung sind durchaus umstritten.
                  So erschien z.B. am 20. Dezember 2001 in dem Mitteilungsblatt "beziehungsweise" des Österreichischen Instituts für Familienforschung der Aufsatz Was beeinflusst die Bevölkerungszahl? von Wolfgang LUTZ. Darin werden die Unsicherheitsfaktoren bei der Bevölkerungsprognose genannt.
                  LUTZ vertritt die darin die Ansicht, dass "relativ geringfügige Veränderungen der Fertilität die Größe und Altersstruktur der künftigen Bevölkerung deutlich beeinflussen." Mit Fertilität ist hier die Geburtenrate gemeint. Er nennt bei der Berechnung der Geburtenrate auch das Hauptproblem, "dass wir nicht wissen, bis zu welchem Grad diese Trends auf verändertes Timing zurückzuführen sind, d.h. auf ein Aufschieben von Geburten".
                  Die Polarisierungsthese der deutschen Bevölkerungswissenschaftler und deren Adepten von den TICHYs bis zu Meinhard MIEGEL behauptet eine deutliche Zunahme von lebenslang Kinderlosen. Dagegen spricht jedoch, dass die Kinderlosenanteile vom Institut für Bevölkerungswissenschaft in den letzten Jahren ständig nach unten korrigiert werden mussten. Es handelt sich also in erster Linie um eine Erhöhung des Alters bei den Erstgebärenden.
 
     
   
BRIGITTE-Dossier: Mütter gegen Mütter
 
     
   
  • LEHMIG, Malte (2002): Schneller flirten.
    "Speed Dating" ist in den USA die beste Art, zeitsparend einen Partner zu finden,
    in: Tagesspiegel v. 05.02.
 
   
  • STUBER, Manfred (2002): Massakrierte Gedanken.
    Interview mit Wilhelm Genazino über Sehnsucht, Peinlichkeit und Wahnsinn,
    in: Literaturkritik Nr.2, Februar v. 05.02.
    • Kommentar:
      Vom "Angestelltenhasser" und Literaturpapst MRR wurde GENAZINO lange Zeit geschmäht und erst durch den Roman "Ein Regenschirm für diesen Tag" entdeckt.
                  GENAZINO beschäftigt sich mit dem "aus der Rolle fallen" bzw. mit dem Verhältnis der gesellschaftlich geteilten Mythen und dem individuell Überschüssigen. Sein Protagonist in dem neusten Roman lebt z.B. mit der Angst vor dem Wahnsinnigwerden:
                  "Warum? Aufgrund seiner gescheiterten beruflichen Sozialisation hat der Protagonist kein Außenprofil, er hat nur ein Innenprofil. Er ist fast ausschließlich mit sich selbst beschäftigt. Dazu neigen Menschen, die von der normalen Kommunikation in Beruf und Alltag abgeschnitten sind, sie werden stark introspektiv bis an die Grenze zum Autismus. Daher kommt die Angst: Wenn das nicht aufhört mit dieser 'Verschwindsucht', dann werde ich vielleicht noch verrückt. Es ist die Reaktion eines aus dem sozialen Gleichgewicht gebrachten Subjekts. Wie schon Aristoteles gesagt hat, ist der Mensch ein geselliges Wesen, er soll hinausgehen unter seinesgleichen und soll sich austauschen. Wenn ihm das versagt wird, drohen solche merkwürdigen Pathologien. Lange bevor sie manifest sind, werden sie vom Subjekt mit sich selber kommuniziert".
 
   
  • OBERSCHELP, Malte (2002): Gospelchor der Geschworenen.
    Bei Ally McBeal wird nicht nur geklagt und verteidigt, sondern auch gesungen und gerockt. Gastauftritte von bekannten Musikern sind Programm - heute steht Popstar Sting wegen Anstiftung zum Ehebruch vor Gericht (Vox, 22.05 Uhr),
    in: TAZ v. 05.02.
 
     
   
  • KOERNER, Swantje-Britt (2002): Die unglücklichen Frauen der "Generation Ally"
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Online v. 04.02.
 
   
  • SPIEGEL-Coverstory "Die deutsche Titanic".
    Der neue Grass: Die verdrängte Tragödie des Flüchtlingschiffes "Wilhlem Gustloff",
    in: Spiegel Nr.6 v. 04.02.

    • HAGE, Volker (2002): "Das tausendmalige Sterben".
      In seiner neuen Novelle "Im Krebsgang" erzählt Günter Grass von der Tragödie der Versenkung des Flüchtlingsschiffs "Wilhelm Gustloff" 1945 - und schildert packend einen von der deutschen Literatur lange gemiedenen Stoff: die blutige Geschichte der Flucht aus dem Osten,
      in:
      Spiegel Nr.6 v. 04.02.
    • AUGSTEIN, Rudolf (2002): Rückwärts krebsen, um voranzukommen,
      in:
      Spiegel Nr.6 v. 04.02.
 
   
  • GRÄBER, Berrit (2002): Senioren-WG als Alternative zum Heim.
    Trend zum selbstbestimmten Wohnen im Alter,
    in: Welt am Sonntag v. 03.02.
 
   
  • BENDA, Andrea (2002): Rechthaberische Frauen.
    Ally McBeal macht Schule: Deutsche Produktionen zeigen, wie schön und schwierig das Leben vor Gericht ist,
    in: Welt am Sonntag v. 03.02.
    • Kommentar:
      Das deutsche Fernsehen hat die kaufkräftige Zielgruppe "Generation Golf" entdeckt. Das Interesse gilt jetzt speziell dem weiblichen Part: der "Generation Ally". Wie BENDA den AllyMcBealismus sieht:

                  "Ally McBeal (betrat) den fiktionalen Gerichtssaal und seitdem wissen wir es besser. Die neurotische Anwältin mit den Schmoll-Lippen und dem Rehblick vollführte das Kunststück, kurze Röcke tragen zu können, ohne ihren Intellekt gleich mit zu mindern. Fortan war klar: Jura ist sexy. Gleichzeitig verriet Ally alle Ideale der Frauenbewegung, indem sie vorführte, dass auch die toughe Karriere-Singlefrau noch den viktorianischen Drang nach Romantik und der einzig wahren Liebe in sich verspürt. Das Dilemma der modernen Frau: Karriere ja, Familie auch, und dabei noch so gut wie möglich aussehen."
                  "Edel und Starck" sowie "Alicia" sollen das deutsche "Generation Golf"-Publikum nach Ally Mc Beal-Art befriedigen.
 
   
  • OEHMIGEN, Karin (2002): Alles Ally oder was?
    Sie können alles, dürfen alles und wollen alles. Genau das macht es den Frauen der Generation Ally so schwer,
    in: SonntagsZeitung v. 03.02.
 
     
   
  • TAGESSPIEGEL-Thema "Familienpolitik"

    • MONATH, Hans (2002): Suche nach Gesellschaft.
      Familienpolitik hat der Kanzler einst "Gedöns" genannt. Jetzt macht er sie zu einem Wahlkampfthema - und der CDU/CSU damit Konkurrenz. Viele Menschen wissen nicht, wie sie Familie und Beruf vereinbaren sollen. Es macht ihnen Angst. Haben Regierung und Opposition das erkannt?
      in: Tagesspiegel v. 03.02.
    • MONATH, Hans (2002): "Das Familienbild ist gespalten".
      Sozialexperte Frank Decker über Probleme und Strategien von Union und Rot-Grün,
      in: Tagesspiegel v. 03.02.
    • HMT (2002): Kampf um Kinder.
      Was die Parteien vorschlagen,
      in: Tagesspiegel v. 03.02.
    • DERNBACH, Andrea (2002): Nicht in der Stimmung,
      in: Tagesspiegel v. 03.02.
 
   
  • KOHLENBERG, Kerstin (2002): Die menschliche Eiszeit.
    Ein Ehepaar nach der Scheidung: Wem gehören eigentlich ihre eingefrorenen Embryonen? Der Anwalt Vincent Stempel hat diesen Fall in die Schlagzeilen gebracht. Und ist damit berühmt geworden. Ein Bericht aus Amerika,
    in: Tagesspiegel v. 03.02.
 
   
  • FOD (2002): "Männer leiden stärker unter Alleinsein als Frauen".
    Der Gerontologe und Psychiater Dr. Peter Netz sprach über Suizidalität im Alter - "Gesunkenes Selbstwertgefühl" - Diskussion um Sterbehilfe,
    in: Gießener Anzeiger v. 02.02.
    • Kommentar:
      Von den über-65jährigen sollen 25 % sozial isoliert sein. Es wird jedoch nicht angegeben, was darunter verstanden wird.
                  Soziale Isolation wird von einigen Forschern mit dem Führen eines Einpersonenhaushaltes gleichgesetzt, andere verstehen darunter die geringe Kontakthäufigkeit. Beides sind jedoch keine ausreichenden Indikatoren für "Vereinsamung". Witwer scheinen besonders gefährdet.
                  Über die Ursachen wird im Bericht jedoch nur spekuliert. Angeblich soll die Unfähigkeit einen Haushalt allein führen zu können, eine Rolle spielen. Tatsache ist jedoch, dass ältere Männer nur selten einen Einpersonenhaushalt führen, weil sie entweder wieder heiraten oder früher sterben als ihre Ehefrau.
 
   
  • BEISE, Marc (2002): Auf die Familien kommt es an.
    Ministerpräsident Koch hat ein Thema zur Profilierung gefunden,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.02.
    • Kommentar:
      Der umtriebige Promi Jürgen BORCHERT hat einen "Wiesbadener Entwurf" für den hessischen Ministerpräsidenten Roland KOCH verfasst. BEISE bezeichnet BORCHERT als "Richterrebellen" und "brutalst möglichen Querdenker".

                  Das Flair von BORCHERT lebt jedoch vor allem von einem großen Missverständnis, denn der Richter polemisiert zwar gerne gegen Kinderlose, aber so mancher Vater von 4 Kindern, der sich von BORCHERT ausgezeichnet vertreten fühlt, wird letztlich feststellen müssen, dass er SINGLE ist, weil seine Kinder nicht mehr im Haushalt leben.
                  So war das aber nicht gemeint, sondern SINGLE sind immer nur die anderen, d.h. die angeblich so weit verbreiteten lebenslang Kinderlosen. Das Erwachen dieser Eltern wird dann kommen, wenn sie die Zeche der Familienpolitik bezahlen dürfen. Nicht Familienpolitik, sondern Familienhaushaltspolitik müsste es bei BORCHERT korrekt heißen.
 
   
  • HAMMER, Martin (2002): Richtige Mischung aus Genuss und Gesundheit.
    Regale voller Rätsel. Bei der Verbraucherzentrale lernen Münchner Singles, wie man im Supermarkt richtig einkauft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 01.02.
    • Kommentar:
      Die SZ - den Singles selten wohl gesonnen, außer es geht darum sie unter die Haube zu bringen oder sie als Sozialschmarotzer zur Auflagensteigerung zu missbrauchen - hat angesichts über 50 % Single-Haushalte in München den Single als unmündigen Konsumenten entdeckt.
                  Man hat bei der SZ sogar im Archiv gegraben und ein "Lebenshilfe"-Dossier für Singles ins Netz gestellt. Ein Abschied von lieb gewonnenen Klischees fällt der SZ jedoch weiterhin schwer...
 
   
  • KÖHLER, Thomas (2002): Jugendgenerationen im Vergleich: Konjunkturen des (Non-)Konformismus,
    in: Aus Politik und Zeitgeschichte B 5 v. 01.02.
    • Inhalt:
      KÖHLER beschreibt die Abfolge von (un-)politischen Generationen als Abfolge verschiedener Jugendkulturen, wobei er einen engen Zusammenhang zwischen der "identitätsbildenden Ressource Erwerbsarbeit" und dem Wartesaal Jugendkultur herstellt.
                  Beginnend mit der "Flakhelfer-Generation" (Heinz BUDE) bzw. der "skeptischen Generation" (SCHELSKY) und deren "kulturkonservativen Haltungen", über die Rocker-Krawalle der Wirtschaftswunder-Republik und die nonkonformistischen "68er", deren Erfahrungshunger (Michael RUTSCHKY) einen "Informalisierungsschub" (zur Abwechslung WOUTERS statt Ulrich BECK) auslöste, spannt KÖHLER einen Bogen zur Punk-Bewegung (Johnny ROTTON statt HOUELLEBECQs Vorbild Sid VICIOUS) und den Disco-Poppern als Vorläufern der Yuppies.
                  um Schluss geht KÖHLER noch auf die "89er"-Wendejugend ein:
                  "Seit Mitte der neunziger Jahre gewannen bei Jugendlichen aus Ost- und West-Deutschland 'die traditionellen Werte der Höflichkeit und Arbeitsethik und der Sparsamkeit rasch wieder an Bedeutung'; die intergenerationelle Kluft ist zum Ende der neunziger Jahre 'nahezu in sich zusammengebrochen'".
 
   
  • REBHANDL, Bert (2002): Tanz der Autonomen.
    Gregor Schnitzlers Filmkomödie "Was tun, wenn's brennt" trauert dem wilden Kreuzberg nach,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.02.
 
   
  • ROTEN, Michèle (2002): 25 Jahre EMMA.
    Liebe Alice Schwarzer Ich gratuliere Ihnen zu einem Vierteljahrhundert Emma. Vor 25 Jahren war ich noch nicht auf der Welt,
    in: Weltwoche Nr.5 v. 01.02.
    • Kommentar:
      ROTEN hält es lieber mit Britney SPEARs und pfeift auf Alice SCHWARZER und ihre Emma.
 
   
  • GRAUBNER, Hans-Joachim (2002): Keine Angst vor Tabus.
    Michel Houellebecqs Roman "Plattform" auf Deutsch
    in: Stuttgarter Zeitung v. 01.02.
  • SCHÜBLER, Walter (2002): 239 bis 242!
    Derselbe auf Skandal zielende Themenmix, dasselbe Szenario der Erregung wie schon bei den "Elementarteilchen". Michel Houellebecq wirft das Hölzel, und die Meute apportiert - schwanzwedelnd. "Plattform", der neue Roman des Provokateurs. Ein skandalöser Einwurf.
    in: Die Presse v. 01.02.
    • Kommentar:
      Michel Houellebecqs Roman "Plattform" ist auf Deutsch erschienen und die ersten Rezensionen sind bereits erschienen. SCHÜBLER hält zwar nichts von dem französischen Provokateur, bietet jedoch - infotainmentgerecht - einen Leser-Service und nennt alle Seitenzahlen, die auch für die Nicht-Leser von Interesse sind.
 
   
  • GROMBACHER, Welf (2002): Um vier Uhr nachmittags, da fängt das Revolutionsspiel an.
    Die neuen, ziemlich geschwätzigen Belanglosigkeiten von Frankreichs Popliterat Frédéric Beigbeder,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 01.02.
    • Kommentar:
      Wo Houellebecq ist, da ist BEIGBEDER meist nicht weit.
 
   
  • BARONAS, Jurate (2002): So wird er zum Saubermann.
    Er hat noch immer nicht kapiert, dass er nicht mehr im Hotel Mama wohnt. Eine Abreibung hilft da nur wenig. Zeigen Sie ihm lieber, wo der Putzlappen hängt,
    in: Cosmopolitan Nr.2, Februar
    • Kommentar:
      Lebenshilfe für die geplagte Karrierefrau aus der Generation Golf bietet hier BARONAS. Früher erzogen Mütter ihre Kinder mit Liebesentzug, BARONAS wendet dieses Prinzip auf das ausgewachsene männliche "Kind" an:
                  "Grausam aber effizient: Kein Staub gewischt, kein Sex." Statt der Bestrafungsaktion ist auch die Belohnungsstrategie anwendbar: "viel Staub gewischt, viel Sex".
                  Solche behavioristischen Methoden aus der Mottenkiste sollen den Mann entweder zum Putzen animieren oder zur Bezahlung einer Putzhilfe:
                  "Wenn er eine Putzfrau finanziert, ist er die leidige Haushaltsdebatte los."
                  Jean-Claude KAUFMANN hat diese Haushaltsdebatten als Teil des Paarbildungsprozesses in dem Buch "Schmutzige Wäsche" beschrieben. Die Erfolgsaussichten von Erziehungsmaßnahmen auf diesem Sektor beurteilt er eher skeptisch.
 
       
       
   

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Zu den News vom 16. - 31. Januar 2002

 
       
   
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