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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom Februar 2004

 
       
     
     
     
       
   
Zitat des Monats:
"Es wird rückblickend zu den großen gesellschaftlichen Verschiebungen in Deutschland gezählt werden, daß seit dem vergangenen Jahr der demographische Wandel in allen Facetten in das Bewußtsein der Bevölkerung eindringt. Zahlreiche sozialwissenschaftliche Doktorarbeiten werden darüber abzufassen sein, wie es möglich war, daß Kindermangel, Stadtschrumpfung und kollektive Alterung derart lange tabuisiert geblieben sind. Von »verlorenen Jahrzehnten« ist nun dramatisierend die Rede"
(Christian Schwägerl in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27.01.2004)
 
       
   
  • KREYE, Andrian (2004): Voll auf die Zwölf.
    Die Jugendgewalt: Fragen an Medien, Popkultur und Internet,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.02.
    • Inhalt:
      Anlässlich der Vorfälle in Hildesheim denkt Andrian KREYE schon einmal über die möglichen Themen einer neuen Jugendkultur- Debatte nach:

            
         "welche Rollen spielen die zunehmende Instabilität der Familienstrukturen, demografische Veränderungen und die sozialen Härten der Wirtschaftskrise? Und führen all diese Fragen nicht doch zu weit vom Thema ab? Nur eines steht fest – Gewalt ist immer das Extrem eines größeren Phänomens."
 
   
  • REST, Tanja (2004): Sex und hopp.
    Die Probleme der deutschen Teenager mit dem Intim-Rausch bei Medien wie "Bravo", "Yam", MTV und RTL,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.02.
    • Kommentar:
      Ein Bericht aus neobildungsbürgerlicher Perspektive über Sex in den Medien, in dessen Rahmen auf eine wissenschaftliche Studie hingewiesen wird:

            
         "Jutta Stich vom Deutschen Jugendinstitut hat im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine Studie über »Sexuelle Erfahrungen im Jugendalter« erarbeitet."
 
   
  • PEITZ, Dirk (2004): Die Krise der Musikindustrie - Pop, was nun?
    Die Macht sein mit dir! Anti-Ekstase: Zu viel Vergangenheit löscht die Gegenwart aus,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.02.
    • Kommentar:
      Dirk PEITZ hat eine "Pop-Verdrossenheit" geortet! Dem Begriff liegt die gleiche fatale Fehleinschätzung zugrunde, die bereits den Begriff "Politikverdrossenheit" prägt: Der Elite in Musikindustrie und Popkritik ist die Masse verlustig gegangen. Die Elite sucht nun - orientierungslos geworden - nach dem Stein des Weisen. Nicht-Eliten kann das nur recht sein...   
 
     
     
   
  • HEINE, Heinrich (2004): Warum Kant gefährlich ist.
    Unser Sonderkorrespondent in Paris, Heinrich Heine, erklärt seinen französischen Lesern die kopernikanische Wende des Denkens,
    in: Welt v. 07.02.
    • Kommentar:
      Die Schweizer Weltwoche hatte bereits vor Wochen HEINEs Diffamierung des KANTschen Lebensstil zitiert. In der Welt ist das nun ausführlich nachzulesen.
 
     
   
  • GENSICHEN, Hans-Peter (2004): Wie schwul war Kant?
    Eleganter Magister. Der große Philosoph pflegte tiefe Männerfreundschaften,
    in: Freitag Nr.7 v. 06.02.
    • Kommentar:
      Zu Zeiten KANTs war das Single-Dasein ein abweichendes Verhalten. Heinrich HEINE griff KANTs Denken an, indem er sein Single-Dasein diffamierte.

            
         Der 68er Reimut REICHE wird im SPIEGEL-Titel über den "letzten Deutschen" zitiert, um das Verhalten Kinderloser auf den Aspekt einer "Homosexualisierung der Sexualität" einzuengen. Gleich danach werden Kinderlose als hedonistische DINKs gebranntmarkt.
            
         Neben diesem negativen Bezug, steht GENSICHENS positive Diskriminierung von Singles, wenn er schreibt:
            
         "Die charmanten Flirt-Elemente in Kants Kontakt zu Frauen werden gewöhnlich in dem Sinne interpretiert, Kant sei "dem weiblichen Geschlecht gegenüber nicht verschlossen" gewesen, würde also eventuell auch Gefallen am Heiraten gefunden haben können. Aber wenn es dann "so weit" gewesen sei, habe Kant zu lange gezögert. Ein heterosexueller Hintergrund wird also fraglos vorausgesetzt. Aber heißt das etwas? Ein galanter und verständnisvoller Umgang mit Frauen ist nicht unbedingt ein Alleinmerkmal der Heterosexuellen."
            
         Allen diesen Versuchen ist gemein, dass sie die Heterogenität des Single-Daseins auf spezifische Klischees reduzieren möchten.
 
     
   
  • MAINKA, Iris (2004): Full House.
    Serie: Wo sind die Kinder? (Teil4) Wer leistet sich heute noch viele Kinder? Und warum? Antworten von Eltern, die es gewagt haben,
    in: Die ZEIT Nr.7 v. 05.02.
 
     
   
  • HEIN, Till (2004): Vermessene Schönheit.
    Was zieht Frauen an und umgekehrt? Psychobiologen suchen nach der Weltformel der Attraktivität. Dabei wird sogar der Ödipus-Komplex wiederentdeckt,
    in: Die ZEIT Nr.7 v. 05.02.
 
   
  • WILLEKE, Stefan (2004): Wie man in Deutschland arbeitslos ist.
    Leben in Deutschland (19). Es kann jeden treffen, jederzeit. Claudia Pflug ist jung und gut ausgebildet. Als sie ihren Job verliert, bleibt sie zunächst optimistisch. 70 Absagen später ist ihr Leben aus dem Takt geraten,
    in: Die ZEIT Nr.7 v. 05.02.
 
     
   
  • RB (2004): "Alte sind seltener arm".
    DIW für rasche Rentensteuer,
    in: Frankfurter Rundschau v. 05.02.
    • Kommentar:
      Die Schlagzeile ist irreführend, zumindest für die Gruppe der älteren Alleinlebenden gilt:

            
         "Innerhalb der Gruppe der Alten sind vor allem Alleinlebende von Armut stark betroffen.
      Seit Mitte der 80er Jahre konnten die Alten insgesamt ihre Einkommensposition nachhaltig verbessern, während die Jüngeren eine Stagnation oder sogar eine Verschlechterung hinnehmen mussten. Parallel zu dieser Entwicklung ist auch die Altersarmut merklich zurückgegangen. Mehr als zwei Drittel der Alten sparen oder leisten beachtliche Transfers an Kinder und Enkel.
      Das Einkommen der Alten variiert mit dem Haushaltstyp und zwischen Ost und West: So sind ältere Menschen östlich von Elbe und Werra deutlich schlechter gestellt als in Westdeutschland und Alleinlebende - hier besonders Frauen - stärker von Armut betroffen als Paarhaushalte."
 
   
  • STEINFELD, Thomas (2004): Das deutsche Schreib-Amt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.02.
    • Inhalt:
      Thomas STEINFELD klagt, "
      wenn aus »alleinstehend«, einer Bezeichnung für eine menschliche Lebensform, ein »allein stehend« zu werden hat, das nichts dergleichen mehr bedeutet, dann muss diese Reform als schiere Willkür, als herrische Anmaßung und grundlose Zumutung erscheinen."
 
   
  • BRONFEN, Elisabeth (2004): Die romantische Revolution.
    Als das Kino mutig wurde, nannte es sich „New Hollywood“ und brachte Stars wie Robert De Niro, Dennis Hopper und Faye Dunaway hervor . Die Berlinale widmet dem amerikanischen Kino der wilden Sechzigerjahre ihre diesjährige Retrospektive
    in: Tagesspiegel v. 05.02.
 
   
 
   
  • CHB (2004): Sollen Kinderlose grundsätzlich mehr bezahlen?
    Die Diskussion, ob Eltern weniger in die Sozialversicherungen einzahlen sollen, wird oft polemisch geführt,
    in: Ärzte Zeitung v. 04.02.
    • RICHTER, Eva (2004): Pro.
      Kinder sind dem Sozialsystem lieb, aber für Eltern teuer,
      in: Ärzte Zeitung v. 04.02.
    • BADENBERG, Christiane (2004): Contra.
      Kinderlos, das klingt schon fast wie ein Schimpfwort,
      in: Ärzte Zeitung v. 04.02.
 
   
  • HARTMANN, Michael (2004): Freie Bahn den Aufsteigern!
    Der Umbau des Hochschulwesens wird nicht nur von den Unternehmerverbänden forciert, sondern auch von den sozialen Aufsteigern, die Vorteile für ihre Kinder sichern wollen,
    in: Jungle World Nr.7 v. 04.02.
    • Inhalt:
      Michael HARTMANN schreibt über die gesellschaftlichen Interessen an Eliteuniversitäten:

            
         "Ausschlaggebend für die derzeit verfolgte Bildungspolitik ist (...) das soziale Kräfteverhältnis. Es wird geprägt durch die Interessen erheblicher Kreise des Bürgertums, vor allem unter den (zum Teil vom sozialen Abstieg bedrohten) akademischen Freiberuflern und höheren Beamten, und der sozialen Aufsteiger der sechziger und siebziger Jahre. Sie bestimmen, erstere bei CDU/CSU und FDP, letztere bei SPD und Grünen, den Kurs in Fragen der Schul- und Hochschulbildung, da es trotz der Proteste der Studierenden insgesamt nur relativ geringen Widerstand in der Gesellschaft gibt. Für sie sind dabei zwei Fragen vorrangig: Wie kann dem eigenen Nachwuchs eine gute Ausbildung garantiert werden, ohne dass die Ausgaben für das Bildungssystem deutlich erhöht werden und damit die eigene steuerliche Belastung steigt bzw. geplante Entlastungen nicht realisiert werden können? Und wie kann die eigene soziale Stellung qua Bildungsabschluss an die eigenen Kinder vererbt werden?
      Für den schulischen Bereich lautet die Antwort eindeutig: Beibehaltung der Dreigliedrigkeit. Sie sorgt vergleichsweise effektiv dafür, dass der Nachwuchs aus der Arbeiterschaft und auch aus den unteren und mittleren Angestellten- und Beamtenhaushalten frühzeitig aussortiert wird. Dadurch verbessert sich nicht nur die Konkurrenzlage der eigenen Kinder wesentlich, die überproportional hohen Aufwendungen für die Gymnasialausbildung können so auch gesichert werden.
      "
 
   
  • SCHÄFER, Frank (2004): Goldt sei Dank.
    Gibt es Vorbilder? Wo bleibt der Roman? Und welche Rolle spielt die Stadtrundfahrt im Werk des Kolumnisten? Fragen von frank schäfer und Antworten von max goldt,
    in: Jungle World Nr.7 v. 04.02.
 
   
  • ALANYALI, Iris (2004): "Es wurde unter ideologischen Gesichtspunkten lektoriert".
    Der Autor Thor Kunkel zur Rücknahme seines Romans "Endstufe" über die NS-Pornoindustrie durch den Rowohlt,
    in: Welt v. 04.02.2004
    • Inhalt:
      Thor Kunkel verteidigt seinen Roman:

            
         "Der Roman hat eine visionäre Dimension. Wenn man Behauptungen darüber aufstellt, was gentechnisch in 50, 60 Jahren möglich sein wird, dann befürwortet man doch diese Entwicklung nicht auch automatisch. Ich verstehe mich als Mahner, deshalb fühle ich mich moralisch im Recht. Wir können doch nicht den Spielraum, mit Gedanken zu experimentieren, den der Roman als vielleicht letztes Medium im 21. Jahrhundert noch bietet, auch noch den Regeln der Konformität unterwerfen."
 
   
  • STEINFELD, Thomas (2004): Skandal.
    Alle zwei Wochen neu: Das obszöne Buch und sein Verlag,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 04.02.
    • Kommentar:
      "
      Seit fast zwei Jahren, seit der Auseinandersetzung um Martin Walsers kleinen Roman »Tod eines Kritikers«, gehört der Skandal zur Normalität des Verlagswesens wie der Literaturkritik", leitet der Imagedesigner Thomas STEINFELD, eine Vorverurteilung von Thor Kunkel ein.
            
         Offenbar in Unkenntnis des Textes nennt er KUNKEL einen "manischen Spekulanten auf den Zeitgeist":
            
         "Das moderne Trüffelschwein forscht die Skandalpotentiale der Gesellschaft mit großer Sorgfalt und Beflissenheit aus, es drängt mit Macht in jeden dunklen Winkel, und was dabei herauskommt, verhalten noch bei Maxim Biller, deutlicher schon bei Alban Nikolai Herbst, in brutaler Aufdringlichkeit bei Thor Kunkel, gehorcht vor allem dem Diktat des Widerlichen und des Spektakulären."
 
     
     
   
  • FR (2004): "Liebe Genossinnen, liebe Genossen (bisher)".
    In Partei-Austrittserklärungen rechnen - zum Teil langjähirge SPD-Mitglieder mit der Reformpolitik der Bundesregierung ab. Auszüge,
    in: Frankfurter Rundschau v. 03.02.
    • Kommentar:
      Die SPD bekommt ihre Quittung serviert und die Rundschau bringt (un!)passend dazu Politikverdrossenheit als Tagesthema in der typischen Manier unserer journalistischen Klasse, die längst in der gleichen Glaubwürdigkeitskrise wie die Mitte-Parteien steckt. Wer will so etwas überhaupt noch lesen?
 
     
   
  • SPIEGEL, Hubert (2004): NS-Porno.
    Rowohlt liefert Thor Kunkels Roman "Endstufe" nicht aus,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.02.
    • Kommentar:
      Hubert SPIEGEL schreibt zum Thema des Romans: "das Verhältnis zwischen NS-Ideologie, den aus ihr hervorgegangenen Perversionen und dem Bereich der Sexualität stellt das wohl letzte Residuum der nationalsozialistischen Geschichte dar, das nicht auf die eine oder andere Weise ausgeschlachtet wurde".

            
         SPIEGEL hält den Autor Thor KUNKEL für am Thema gescheitert, was der Leser glauben kann oder auch nicht, lesen darf er es jedenfalls nicht wie geplant.
            
         Wäre  Thor KUNKEL ein Martin WALSER, dann gäbe dies einen Sturm der Entrüstung, aber so handelt es sich nur um einen Nachwuchsautor, der der Verlagsraison geopfert wird.
            
         In Zeiten, in denen der Umgang mit dem Nationalsozialismus normalisiert werden soll, um z.B. eine nationalkonservative Bevölkerungswissenschaft ohne Widerstände etablieren zu können. In Zeiten, in denen neue Werteeliten ihren Führungsanspruch anmelden und Patriotismus den Sozialstaat ersetzen soll, da kommt ein Roman ungelegen, der sich mit dem Menschenbild der NS-Zeit beschäftigt, in der eine Elite den Mythos Jugend benutzte, um ein menschenverachtendes Herrschaftssystem zu errichten.
  • MELLER, Marius (2004): Falten und Fallen.
    Thor Kunkels Roman „Endstufe“ handelt von Nazi-Pornos. Kurz vor Druckbeginn trennt sich Rowohlt nun vom Autor,
    in: Tagesspiegel v. 02.02.
    • Inhalt:
      "
      Sensationsgier ist Thor Kunkel mit »Endstufe« (...) nicht zu unterstellen, kennt man Werk und Autor. Das neue Buch soll auf realen Begebenheiten basieren und ist thematisch wohl eine Fortsetzung seiner früheren Bücher: Sein Projekt ist die Kritik von Wissenschaft, wenn sie zur inhumanen Ideologie wird. Ein höchst aktuelles Thema. Der Blick dieser Art von Wissenschaft auf die Natur, so der Autor, sei im Grunde pornographisch. Um die symbolische Engführung von biologistisch-naturwissenschaftlicher Nazi-Ideologie und Pornographie gehe es in »Endstufe«. Keine schlechte Idee für einen Roman, möcht man meinen", merkt MELLER an.
 
   
  • VOGEL, Sabine (2004): Freundschaftsdienste.
    Der Bestseller des Prinzen Asserate und die Manieren des Literaturbetriebs,
    in: Berliner Zeitung v. 02.02.
    • Kommentar:
      Was passiert eigentlich, wenn man ein Thema lancieren möchte und keinen passenden Autor hat?

            
         Man beherzigt das moderne Prinzip der Arbeitsteilung: einer schreibt das Buch, der andere präsentiert es politisch korrekt in der Öffentlichkeit. Ghostwriter gibt es in allen Bereichen. Authentizität ist oberstes Gebot, notfalls muss sie künstlich erzeugt werden. Imagedesigner sorgen dafür, dass Bild und Werk optimal aufeinander abgestimmt sind.
      Wir wissen natürlich nicht, wie es sich im Falle des äthiopischen Prinzen und seines Bestsellers "Manieren" verhält. Wir wollen es auch gar nicht wissen!

            
         Wir glauben längst nicht mehr an Authentizität. Wir interpretieren nur noch Oberflächen und dabei liegen wir sicherlich genau richtig. Hinter dem schönen Schein gähnt die Leere, die einmal Gott ausfüllte. Für manche war das auch ganz in Ordnung.
            
         Sabine VOGEL berichtet nun darüber, weshalb im Feuilleton der so genannten Qualitätszeitungen z. Z. über ein Gerücht debattiert wird und wie es dazu überhaupt hatte kommen können. VOGEL plaudert sozusagen aus den Nähkästchen der Kultureliten.
            
         Was für die Nicht-Eliten die Yellow Press ist, das ist für die neue Möchtegern-Elite mit Hang zum Niveaumilieu das einstige "Hochfeuilleton".
            
         Bei diesem Klatsch handelt es sich um das, was die TAZ auch "taz zwei" nennt oder woanders mit Boulevard tituliert wird. Wer sich also für das Klatschsystem des Feuilletons interessiert, für den ist das interessant, was VOGEL so schreibt.
            
         Bei Alphons Silbermann erfährt man dagegen Näheres über die Funktion von Klatsch in jenen Situationen, die nun wieder modern werden.
            
         Für alle anderen reicht es vollkommen, wenn sie wissen, warum ein Buch wie "Manieren" gerade jetzt gebraucht wurde.
            
         Welche Rolle Gustav SEIBT, Katharina RUTSCHKY, Martin MOSEBACH und Hans Magnus ENZENSBERGER (hat in der FAZ v. 27.01. die "Boulevardinquisition" beklagt) bei diesem Gesellschaftsspiel zugedacht werden, das darf jeder selbst nachlesen.
  • MANGOLD, Ijoma (2004): Märchenprinz und Nebelfürst.
    Zweifel an der Autorschaft des Bestsellers "Manieren",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.02.
    • Kommentar:
      "
      Der Fall Asserate schien da ein weiterer Beleg für höchst undurchsichtige Autor-Mystifikationen der Reihe zu sein. Doch das ist ein Kurzschluss, denn die Fälle liegen sehr verschieden: »Manieren« lesen wir, anders als die Anonyma, nicht als erschütterndes historisches Dokument – bei diesem Buch ist die Frage nach der Authentizität tatsächlich entscheidend. Die Frage der Autorschaft der »Manieren« mag dagegen unterhaltsam sein, erheblich ist sie nicht", meint MANGOLD.
            
         Wäre es dann nicht ehrlicher z.B. ganz auf Autorennamen zu verzichten? Marketingkonzepte, die auf Identifizierung beruhen, wären dann nutzlos und solche Debatten würden sich erübrigen.
 
   
  • MÜNKLER, Herfried (2004): Eilige Rückholaktion.
    Plädoyer für eine Resozialisierung der Elitevorstellungen in der Bundesrepublik,
    in: Frankfurter Rundschau v. 02.02.
    • Kommentar:
      "
      Die Qualität der Eliten ist ausschlaggebend für das Wohlergehen eines Landes, denn Elitenversagen entwertet die Anstrengungen und Mühen aller anderen. Erfolgreiche Eliten verstehen es, den in der Gesellschaft vorhandenen Leistungswillen zu fördern und Früchte tragen zu lassen", behauptet Herfried MÜNKLER.
            
         Uns Nicht-Eliten wird damit die Untertanen-Rolle zugewiesen. Gemäß Gabriel de TARDE ist Nachahmung der zentrale Mechanismus gesellschaftlicher Veränderung. Wo Nachahmung (der Massen) ist, da muss auch ein Vorbild (der Eliten) sein, also Werteeliten. Danke, für die Belehrung!
 
   
  • KÖTTKER, Verena/OPITZ, Olaf/PÖRTNER, Rainer/THEWES, Frank (2004): Roter Selbstbetrug.
    Kanzler Gerhard Schröder kapituliert vor miserablen Umfragewerten. Zu Beginn des Jahres mit 14 Wahlen bremst er die Reformen,
    in: Focus Nr.6 v. 02.02.
    • Kommentar:
      Die Reform der Pflegeversicherung hat zu einer sprachlichen Innovation geführt.

            
         Single-dasein.de hat schon im Jahr 2001 die Umdefinition von Eltern in Kinderlose angeprangert.
            
         Bei der Reform der Pflegeversicherung wollte man nun ganz besonders schlau sein und differenzierte zwischen Erziehenden und Nicht-Erziehenden. Rentner sollten offenbar nicht dadurch verprellt werden, dass sie - nur weil ihre Kinder nicht mehr im Haus wohnen - als Kinderlose diffamiert werden. Dieser sprachliche Kniff hat offenbar nichts genützt.
            
         Das Desaster der SPD, das einzig der Göttinger Politikwissenschaftler Franz WALTER rechtzeitig vorhergesagt hat, soll nun im letzten Moment abgewendet werden.
            
         Ob das klappt, das haben die Sozialdemokraten nicht mehr selber in der Hand, sondern liegt nun in der Hand der Interpreten, die als moderne Kaffeesatzleser, jetzt den Aufschwung herbei schreiben und reden sollen.
            
         Den Sozialdemokraten kommt zugute, dass sie bisher keine ernstzunehmende Alternative in der Parteienlandschaft zu fürchten haben. Wo alles in die Mitte drängt, da bleibt für Traditionalisten nur die Totalverweigerung. Dies senkt zwar die Wahlbeteiligung, interessiert die Parteien nicht besonders. Darauf spekuliert die Neue Mitte noch...
 
   
  • SALTZWEDEL, Johannes & Marianne WELLERSHOFF (2004): Warum es so einfach ist, ein Superstar zu werden.
    Noch nie war es so einfach, berühmt zu werden. Der Soziologe Sighard Neckel erklärt, warum heute Leistung und Erfolg wenig miteinander zu tun haben,  
    in: KulturSpiegel Nr.2, Februar
 
   
NZZ Folio:
WWW.
Die nächsten zehn Jahre
  • Der lesenswerte Artikel:
    WILLENBROCK, Harald (2004): Der Liebesmaschinist.
    Wie reagieren Sie, wenn Sie auf einer Bananenschale ausrutschen? Mit Ihrer Antwort geht er auf Schatzsuche. Hugo Schmale, Beziehungsstifter bei der Partnervermittlung www.parship.de,
    in: NZZ Folio Nr.2, Februar
    • Kommentar:
      WILLENBROCK porträtiert Hugo SCHMALE, einen Professor für Arbeitspsychologie an der Universität Hamburg (BeziehungsARBEIT heißt es ja nicht umsonst, was in modernen Partnerschaften gefordert ist!), der das Herzstück der Partnervermittlung Parship - einen Persönlichkeitstest - konstruiert hat:

            
         "Diese Tests erschienen zunächst in der Kultzeitschrift «Twen», später erfolgreich in «Marie Claire», «Freundin» und «Playboy». 1999 dann klingelte der Holtzbrinck-Verlag", von da an begann sozusagen eine wunderbare Partnerschaft:
      "
      Nach einer aufwendigen Phase der Konstruktion (über ein Jahr benötigten Schmale und mehrere seiner Doktoranden, um den Test und seine 600 Auswertungsbausteine zu komponieren) läuft ihre Maschine mittlerweile quasi von allein. Im Prinzip müssen die Parship-Gesellschafter Holtzbrinck Networks und «Die Zeit» nur noch die Beiträge von 149 Euro, in der Schweiz (etwa bei nzz.parship.ch) 235 Franken, für eine sechsmonatige Mitgliedschaft kassieren.
      "
            
         Was ist das Besondere bei dieser Form der Partnervermittlung?
            
         "«Wir drehen das klassische Kennenlernritual einfach um», erklärt Schmale, «den Smalltalk und das ganze übliche Balzverhalten überspringen wir. Dabei werden ja dem anderen völlig falsche Signale übermittelt: Man präsentiert sich immer so, wie man glaubt, dass der andere einen mögen könnte. Weil niemand so ein Schauspiel auf Dauer durchhält, gehen so viele Beziehungen in die Brüche.» Bei Parship ist das anders: Dort bekommt man den potentiellen Partner gleich inklusive psychologisch fundierten Persönlichkeitsprofils, Präferenzen und Macken präsentiert. Harte Fakten statt softe Romantik, sozusagen. Die kommt später. Vielleicht."
  • GEISEL, Sieglinde (2004): Tauchen statt Surfen.
    Was seine Journalistenkollegen an Interessantem zu Papier bringen, landet bei ihm im Netz. Thierry Chervel, Kopfspringer bei der Feuilleton-Presseschau
    www.perlentaucher.de,

    in: NZZ Folio Nr.2, Februar
    • Kommentar:
      Selbst single-dasein.de kann dort ab und zu unentdeckte Perlen finden!
  • SHIRKY, Clay (2004): Die Topfcom-Ära.
    Internetreporter fordern den klassischen Journalismus heraus, Websites wie eBay nehmen den Verlagen Werbekunden weg. Die Medien brauchen neue Geldquellen - zum Beispiel Spenden,
    in: NZZ Folio Nr.2, Februar
    • Inhalt:
      Clay  SHIRKY verabschiedet schon einmal die Printmedien:

            
         "Die Letzten, die sich von der Druckerpresse verabschieden, werden die Modemagazine sein, denn der Hochglanzdruck eines Magazinfotos ist noch schwer auf dem persönlichen Drucker reproduzierbar."
 
     
   
  • TÜRCKE, Christoph (2004): Hypertext,
    in: Merkur Nr.658, Februar
    • Kommentar:
      Bei TÜRCKE droht der Untergang des Abendlandes durch den Hypertext. Bei solch einem Thema ist ein ADORNO-Zitat unabdingbar:

            
         "Schon das traditionelle Lesen war nie bloß linear, und das »neue« hört nicht auf, es zu sein.
      Der reale Denkprozeß, schreibt Adorno in den Minima Moralia, ist »so wenig einer des diskursiven Fortschreitens von Stufe zu Stufe, wie umgekehrt dem Erkennenden seine Einsichten vom Himmel fallen. Erkannt wird vielmehr in einem Geflecht von Vorurteilen, Anschauungen, Innervationen, Selbstkorrekturen, Vorausnahmen und Übertreibungen, kurz in der dichten, fundierten, aber keineswegs an allen Stellen transparenten Erfahrung«.
 
   
  • REHRL, Annette (2004): Höflichkeit ist eine Zier.
    ...mit der man - anders als der Volksmund es verbreitet - besser durchs Leben kommt. In einer Emnid-Umfrage meinten 98 Prozent der Deutschen, Höflichkeit mache das Zusammenleben leichter, 91 hielten gute Manieren für unverzichtbar. Warum nur ist dann der Umgang miteinander so rüde geworden, dass jetzt sogar Benimmunterricht an Schulen eingeführt wird? 
    in: Psychologie Heute Nr.2, Februar
    • Inhalt:
      REHRL befragt den 68er Gerhard SCHULZE über den Verfall der Sitten:

            
         "Gerhad Schulze, Soziologe an der Universität Bamberg und Autor des viel beachteten Buches Die Erlebnisgesellschaft, ist fest davon überzeugt, dass wir es jetzt mit den Spätwirkungen der 68er-Generation zu tun haben. »Die 50er Jahre stellten eine Rückkehr in die Zwänge des 19. Jahrhunderts dar, davon haben sich die 68er befreit«, erörtert Schulze »Höflichkeit wurde abgelehnt, weil sie uns aufgezwungen worden war. Und jetzt beobachten wir wieder das Befremden einer Kultur an sich selbst«.
      (...).
      Was die neue Höflichkeit, laut Schulze, von jener der Vor-68er jedoch wesentlich unterscheide, sei dass sie individueller gestaltet werde: »Unsere subjektive Ebene haben wir für uns alleine. Auf der intersubjektiven Ebene kommunizieren wir mit den Mitmenschen. Und auf dieser Ebene muss jeder Einzelne Höflichkeit und Achtung vor dem Nächsten für sich selbst wieder neue definieren. Das ist ein Prozess des Fühlens, nicht der Regeln.«"
 
   

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Zu den News vom 25. - 31. Januar  2004

 
       
   
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