| |
|
[
News-Hauptseite
] [ Glossar ] [
Suche ] [ Homepage
] |
|
| |
|
Medienrundschau:
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
News vom
Februar 2004
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
KREYE, Andrian (2004): Voll auf die Zwölf.
Die Jugendgewalt: Fragen an Medien, Popkultur und Internet,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.02.
- Inhalt:
Anlässlich der Vorfälle in Hildesheim denkt
Andrian KREYE schon einmal über die möglichen Themen einer neuen
Jugendkultur- Debatte nach:
"welche
Rollen spielen die zunehmende Instabilität der Familienstrukturen,
demografische Veränderungen und die sozialen Härten der
Wirtschaftskrise? Und führen all diese Fragen nicht doch zu weit vom
Thema ab? Nur eines steht fest – Gewalt ist immer das Extrem eines
größeren Phänomens."
|
|
| |
|
-
REST, Tanja (2004): Sex und hopp.
Die Probleme der deutschen Teenager mit dem Intim-Rausch bei Medien
wie "Bravo", "Yam", MTV und RTL,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.02.
- Kommentar:
Ein Bericht aus neobildungsbürgerlicher
Perspektive über
Sex in den Medien, in dessen Rahmen auf eine
wissenschaftliche Studie hingewiesen wird:
"Jutta
Stich vom Deutschen Jugendinstitut hat im Auftrag der Bundeszentrale
für gesundheitliche Aufklärung eine Studie über »Sexuelle
Erfahrungen im Jugendalter« erarbeitet."
|
|
| |
|
-
PEITZ, Dirk (2004): Die Krise der Musikindustrie - Pop, was nun?
Die Macht sein mit dir! Anti-Ekstase: Zu viel Vergangenheit löscht
die Gegenwart aus,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.02.
- Kommentar:
Dirk PEITZ hat eine "Pop-Verdrossenheit" geortet! Dem
Begriff liegt die gleiche fatale Fehleinschätzung zugrunde, die
bereits den Begriff "Politikverdrossenheit" prägt: Der Elite in
Musikindustrie und Popkritik ist die Masse verlustig gegangen. Die
Elite sucht nun - orientierungslos geworden - nach dem Stein des
Weisen. Nicht-Eliten kann das nur recht sein...
|
|
| |
|
-
- Inhalt:
Die TAZ setzt ihre
Berichterstattung
über das Alleinreisen fort.
SCHOMANN, Stefan (2004): Flitterwochen mit mir selbst.
Allein unter Verliebten oder Das falsche Marktsegment im
Wasserbungalow,
in: TAZ v. 07.02.
-
WOLTERSDORF, Adrienne (2004): Lift the nozzle.
Allein entlang den Detroiter Highways und
die Peinlichkeiten beim Bedienen einer Zapfsäule,
in: TAZ v. 07.02.
-
SCHIRMBECK, Frauke (2004): Seht, da isser!
Allein mit Kind im schicken All-inclusive-Club mit Familienglück,
in: TAZ v. 07.02.
-
BURGHOFF, Christel (2004): Bin ich Rotkäppchen?
Gehen in sonnendurchfluteten Wäldern: Als Frau allein im Wald,
in: TAZ v. 07.02.
-
COOK, Thomas (2004): Frauen ohne männlichen Beistand,
in: TAZ v. 07.02.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
HEINE, Heinrich (2004): Warum Kant gefährlich ist.
Unser Sonderkorrespondent in Paris, Heinrich Heine, erklärt seinen
französischen Lesern die kopernikanische Wende des Denkens,
in: Welt v. 07.02.
- Kommentar:
Die
Schweizer Weltwoche hatte bereits vor Wochen HEINEs Diffamierung
des KANTschen Lebensstil zitiert. In der Welt ist das nun
ausführlich nachzulesen.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
GENSICHEN, Hans-Peter (2004): Wie schwul war Kant?
Eleganter Magister. Der große Philosoph pflegte tiefe
Männerfreundschaften,
in: Freitag Nr.7 v. 06.02.
- Kommentar:
Zu Zeiten KANTs war das
Single-Dasein ein abweichendes Verhalten.
Heinrich HEINE griff KANTs Denken an, indem er sein Single-Dasein
diffamierte.
Der 68er
Reimut REICHE wird im
SPIEGEL-Titel
über den "letzten Deutschen" zitiert, um das Verhalten
Kinderloser auf den Aspekt einer "Homosexualisierung der Sexualität"
einzuengen. Gleich danach werden Kinderlose als hedonistische DINKs
gebranntmarkt.
Neben diesem negativen
Bezug, steht GENSICHENS positive Diskriminierung von Singles, wenn
er schreibt:
"Die
charmanten Flirt-Elemente in Kants Kontakt zu Frauen werden
gewöhnlich in dem Sinne interpretiert, Kant sei "dem weiblichen
Geschlecht gegenüber nicht verschlossen" gewesen, würde also
eventuell auch Gefallen am Heiraten gefunden haben können. Aber wenn
es dann "so weit" gewesen sei, habe Kant zu lange gezögert. Ein
heterosexueller Hintergrund wird also fraglos vorausgesetzt. Aber
heißt das etwas? Ein galanter und verständnisvoller Umgang mit
Frauen ist nicht unbedingt ein Alleinmerkmal der Heterosexuellen."
Allen diesen
Versuchen ist gemein, dass sie die
Heterogenität des Single-Daseins
auf spezifische Klischees reduzieren möchten.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
MAINKA, Iris (2004): Full House.
Serie: Wo sind die Kinder? (Teil4) Wer leistet sich heute noch
viele Kinder? Und warum? Antworten von Eltern, die es gewagt haben,
in: Die ZEIT Nr.7 v. 05.02.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
HEIN, Till (2004): Vermessene Schönheit.
Was zieht Frauen an und umgekehrt? Psychobiologen suchen nach der
Weltformel der Attraktivität. Dabei wird sogar der Ödipus-Komplex
wiederentdeckt,
in: Die ZEIT Nr.7 v. 05.02.
|
|
| |
|
-
WILLEKE, Stefan (2004): Wie man in Deutschland arbeitslos ist.
Leben in Deutschland (19). Es kann jeden treffen, jederzeit.
Claudia Pflug ist jung und gut ausgebildet. Als sie ihren Job
verliert, bleibt sie zunächst optimistisch. 70 Absagen später ist ihr
Leben aus dem Takt geraten,
in: Die ZEIT Nr.7 v. 05.02.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
RB (2004): "Alte sind seltener arm".
DIW für rasche Rentensteuer,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.02.
- Kommentar:
Die Schlagzeile ist irreführend, zumindest für
die Gruppe der älteren Alleinlebenden gilt:
"Innerhalb
der Gruppe der Alten sind vor allem Alleinlebende von Armut stark
betroffen.
Seit Mitte der 80er Jahre konnten die Alten insgesamt ihre
Einkommensposition nachhaltig verbessern, während die Jüngeren eine
Stagnation oder sogar eine Verschlechterung hinnehmen mussten.
Parallel zu dieser Entwicklung ist auch die Altersarmut merklich
zurückgegangen. Mehr als zwei Drittel der Alten sparen oder leisten beachtliche
Transfers an Kinder und Enkel.
Das Einkommen der Alten variiert mit dem Haushaltstyp und zwischen
Ost und West: So sind ältere Menschen östlich von Elbe und Werra
deutlich schlechter gestellt als in Westdeutschland und
Alleinlebende - hier besonders Frauen - stärker von Armut betroffen
als Paarhaushalte."
|
|
| |
|
-
STEINFELD, Thomas (2004): Das deutsche Schreib-Amt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.02.
- Inhalt:
Thomas STEINFELD klagt, "wenn
aus »alleinstehend«, einer Bezeichnung für eine menschliche
Lebensform, ein »allein stehend« zu werden hat, das nichts
dergleichen mehr bedeutet, dann muss diese Reform als
schiere Willkür, als herrische Anmaßung und grundlose Zumutung
erscheinen."
|
|
| |
|
-
BRONFEN, Elisabeth (2004): Die romantische Revolution.
Als das Kino mutig wurde,
nannte es sich „New Hollywood“ und brachte Stars wie Robert De Niro,
Dennis Hopper und Faye Dunaway hervor . Die Berlinale widmet dem
amerikanischen Kino der wilden Sechzigerjahre ihre diesjährige
Retrospektive
in:
Tagesspiegel v. 05.02.
|
|
| |
|
-
LÜTKEHAUS, Ludger (2004): Reklame - die Pest der
Kommerzgesellschaft.
Ein Pamphlet,
in: Literaturkritik, Nr.2, Februar v. 05.02.
|
|
| |
|
-
CHB (2004): Sollen Kinderlose grundsätzlich mehr bezahlen?
Die Diskussion, ob Eltern weniger in die Sozialversicherungen
einzahlen sollen, wird oft polemisch geführt,
in: Ärzte Zeitung v. 04.02.
- RICHTER, Eva (2004): Pro.
Kinder sind dem Sozialsystem lieb, aber für Eltern teuer,
in: Ärzte Zeitung v. 04.02.
- BADENBERG, Christiane (2004): Contra.
Kinderlos, das klingt schon fast wie ein Schimpfwort,
in: Ärzte Zeitung v. 04.02.
|
|
| |
|
-
HARTMANN, Michael (2004): Freie Bahn den Aufsteigern!
Der Umbau des Hochschulwesens wird nicht nur
von den Unternehmerverbänden forciert, sondern auch von den sozialen
Aufsteigern, die Vorteile für ihre Kinder sichern wollen,
in: Jungle World Nr.7 v. 04.02.
- Inhalt:
Michael HARTMANN
schreibt über die gesellschaftlichen
Interessen an Eliteuniversitäten:
"Ausschlaggebend
für die derzeit verfolgte Bildungspolitik ist (...) das soziale
Kräfteverhältnis. Es wird geprägt durch die Interessen erheblicher
Kreise des Bürgertums, vor allem unter den (zum Teil vom sozialen
Abstieg bedrohten) akademischen Freiberuflern und höheren Beamten,
und der sozialen Aufsteiger der sechziger und siebziger Jahre. Sie
bestimmen, erstere bei CDU/CSU und FDP, letztere bei
SPD und Grünen, den Kurs in Fragen der Schul- und
Hochschulbildung, da es trotz der Proteste der Studierenden
insgesamt nur relativ geringen Widerstand in der Gesellschaft gibt.
Für sie sind dabei zwei Fragen vorrangig: Wie kann dem eigenen
Nachwuchs eine gute Ausbildung garantiert werden, ohne dass die
Ausgaben für das Bildungssystem deutlich erhöht werden und damit die
eigene steuerliche Belastung steigt bzw. geplante Entlastungen nicht
realisiert werden können? Und wie kann die eigene soziale Stellung
qua Bildungsabschluss an die eigenen Kinder vererbt werden?
Für den schulischen Bereich lautet die Antwort eindeutig:
Beibehaltung der Dreigliedrigkeit. Sie sorgt vergleichsweise
effektiv dafür, dass der Nachwuchs aus der Arbeiterschaft und auch
aus den unteren und mittleren Angestellten- und Beamtenhaushalten
frühzeitig aussortiert wird. Dadurch verbessert sich nicht nur die
Konkurrenzlage der eigenen Kinder wesentlich, die überproportional
hohen Aufwendungen für die Gymnasialausbildung können so auch
gesichert werden."
|
|
| |
|
-
SCHÄFER, Frank (2004): Goldt sei Dank.
Gibt es Vorbilder? Wo bleibt
der Roman? Und welche Rolle spielt die Stadtrundfahrt im Werk des
Kolumnisten? Fragen von frank schäfer und Antworten von max goldt,
in: Jungle World Nr.7 v. 04.02.
|
|
| |
|
- ALANYALI, Iris (2004): "Es
wurde unter ideologischen Gesichtspunkten lektoriert".
Der Autor Thor Kunkel zur Rücknahme seines Romans "Endstufe" über
die NS-Pornoindustrie durch den Rowohlt,
in: Welt
v. 04.02.2004
- Inhalt:
Thor Kunkel verteidigt seinen Roman:
"Der
Roman hat eine visionäre Dimension. Wenn man Behauptungen darüber
aufstellt, was gentechnisch in 50, 60 Jahren möglich sein wird, dann
befürwortet man doch diese Entwicklung nicht auch automatisch. Ich
verstehe mich als Mahner, deshalb fühle ich mich moralisch im Recht.
Wir können doch nicht den Spielraum, mit Gedanken zu experimentieren,
den der Roman als vielleicht letztes Medium im 21. Jahrhundert noch
bietet, auch noch den Regeln der Konformität unterwerfen."
|
|
| |
|
-
STEINFELD, Thomas (2004): Skandal.
Alle zwei Wochen neu: Das obszöne Buch und sein Verlag,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.02.
- Kommentar:
"Seit
fast zwei Jahren, seit der Auseinandersetzung um
Martin Walsers kleinen Roman »Tod eines Kritikers«, gehört der
Skandal zur Normalität des Verlagswesens wie der Literaturkritik",
leitet der
Imagedesigner Thomas STEINFELD, eine Vorverurteilung von
Thor Kunkel ein.
Offenbar
in Unkenntnis des Textes nennt er KUNKEL einen "manischen
Spekulanten auf den Zeitgeist":
"Das
moderne Trüffelschwein forscht die Skandalpotentiale der
Gesellschaft mit großer Sorgfalt und Beflissenheit aus, es drängt
mit Macht in jeden dunklen Winkel, und was dabei herauskommt,
verhalten noch bei Maxim Biller, deutlicher schon bei Alban Nikolai Herbst, in
brutaler Aufdringlichkeit bei Thor Kunkel, gehorcht vor allem dem
Diktat des Widerlichen und des Spektakulären."
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
HARTWIG, Ina (2004): Gefühlte Literatur.
Kleines aktuelles Sittenbild: Manieren, Neger und Nazipornos,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.02.
- Inhalt:
Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Bücher von
Ghostwritern geschrieben werden, fragt
Ina HARTWIG. Eigentlich gar
nichts!
-
DANICKE, Sandra (2004): Platte Reifen.
Thor Kunkel hat ein Buch über Nazis und Sex geschrieben und ist dem
Nervenzusammenbruch nahe, weil Rowohlt es nicht druckt,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.02.
-
BARTELS, Gerrit (2004): Lesen in Reinbek.
Der Rowohlt Verlag cancelt kurz vor Drucklegung die
Veröffentlichung von Thor Kunkels neuem Roman "Endstufe",
in: TAZ v. 03.02.
|
|
| |
|
- FR (2004): "Liebe Genossinnen,
liebe Genossen (bisher)".
In Partei-Austrittserklärungen rechnen - zum Teil langjähirge
SPD-Mitglieder mit der Reformpolitik der Bundesregierung ab. Auszüge,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.02.
- Kommentar:
Die SPD
bekommt ihre Quittung serviert und die Rundschau bringt (un!)passend
dazu Politikverdrossenheit als Tagesthema in der typischen Manier
unserer journalistischen Klasse, die längst in der gleichen
Glaubwürdigkeitskrise wie die Mitte-Parteien steckt. Wer will so
etwas überhaupt noch lesen?
|
|
| |
|
|
|
| |
|
- SPIEGEL, Hubert (2004):
NS-Porno.
Rowohlt liefert Thor Kunkels Roman "Endstufe" nicht aus,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.02.
- Kommentar:
Hubert SPIEGEL schreibt zum Thema des Romans: "das
Verhältnis zwischen NS-Ideologie,
den aus ihr hervorgegangenen Perversionen und dem Bereich der
Sexualität stellt das wohl letzte Residuum der
nationalsozialistischen Geschichte dar, das nicht auf die eine oder
andere Weise ausgeschlachtet wurde".
SPIEGEL hält den Autor
Thor
KUNKEL für am Thema gescheitert, was der Leser glauben kann oder
auch nicht, lesen darf er es jedenfalls nicht wie geplant.
Wäre
Thor KUNKEL ein Martin WALSER, dann gäbe dies einen Sturm
der Entrüstung, aber so handelt es sich nur um einen Nachwuchsautor,
der der Verlagsraison geopfert wird.
In Zeiten, in denen der
Umgang mit dem Nationalsozialismus normalisiert werden soll, um z.B.
eine
nationalkonservative Bevölkerungswissenschaft ohne Widerstände
etablieren zu können. In Zeiten, in denen
neue Werteeliten ihren
Führungsanspruch anmelden und
Patriotismus den Sozialstaat ersetzen soll, da kommt ein Roman
ungelegen, der sich mit dem Menschenbild der NS-Zeit beschäftigt, in
der eine Elite den
Mythos Jugend benutzte, um ein menschenverachtendes
Herrschaftssystem zu errichten.
- MELLER, Marius (2004): Falten und
Fallen.
Thor Kunkels Roman „Endstufe“
handelt von Nazi-Pornos. Kurz vor Druckbeginn trennt sich Rowohlt nun
vom Autor,
in: Tagesspiegel v. 02.02.
- Inhalt:
"Sensationsgier
ist Thor Kunkel mit »Endstufe« (...) nicht zu unterstellen, kennt
man Werk und Autor. Das neue Buch soll auf realen Begebenheiten
basieren und ist thematisch wohl eine Fortsetzung seiner früheren
Bücher: Sein Projekt ist die Kritik von Wissenschaft, wenn sie zur
inhumanen Ideologie wird. Ein höchst aktuelles Thema. Der Blick
dieser Art von Wissenschaft auf die Natur, so der Autor, sei im
Grunde pornographisch. Um die symbolische Engführung von
biologistisch-naturwissenschaftlicher Nazi-Ideologie und
Pornographie gehe es in »Endstufe«. Keine schlechte Idee für einen
Roman, möcht man meinen",
merkt MELLER an.
|
|
| |
|
- VOGEL, Sabine (2004):
Freundschaftsdienste.
Der Bestseller des Prinzen Asserate und die Manieren des
Literaturbetriebs,
in: Berliner Zeitung v. 02.02.
- Kommentar:
Was passiert eigentlich, wenn man ein Thema
lancieren möchte und keinen passenden Autor hat?
Man beherzigt das moderne
Prinzip der Arbeitsteilung: einer schreibt das Buch, der andere
präsentiert es politisch korrekt in der Öffentlichkeit. Ghostwriter
gibt es in allen Bereichen. Authentizität ist oberstes Gebot,
notfalls muss sie künstlich erzeugt werden. Imagedesigner sorgen
dafür, dass Bild und Werk optimal aufeinander abgestimmt sind.
Wir wissen natürlich nicht, wie es sich im Falle des äthiopischen
Prinzen und seines Bestsellers "Manieren" verhält. Wir wollen es
auch gar nicht wissen!
Wir
glauben längst nicht mehr an Authentizität. Wir
interpretieren nur noch Oberflächen und dabei liegen wir sicherlich
genau richtig. Hinter dem schönen Schein gähnt die Leere, die einmal
Gott ausfüllte. Für manche war das auch ganz in Ordnung.
Sabine VOGEL berichtet nun
darüber, weshalb im Feuilleton der
so genannten Qualitätszeitungen z. Z. über ein Gerücht
debattiert wird und wie es dazu überhaupt hatte kommen können. VOGEL
plaudert sozusagen aus den Nähkästchen der Kultureliten.
Was für die
Nicht-Eliten die Yellow Press ist, das ist für die
neue Möchtegern-Elite mit Hang zum
Niveaumilieu das einstige "Hochfeuilleton".
Bei diesem Klatsch handelt
es sich um das, was die TAZ auch "taz zwei" nennt oder woanders mit
Boulevard tituliert wird. Wer sich also für das Klatschsystem des
Feuilletons interessiert, für den ist das interessant, was VOGEL so
schreibt.
Bei
Alphons Silbermann
erfährt man dagegen Näheres über die Funktion von Klatsch in jenen
Situationen, die nun wieder modern werden.
Für alle anderen reicht es
vollkommen, wenn sie wissen, warum ein Buch wie "Manieren" gerade
jetzt gebraucht wurde.
Welche Rolle
Gustav SEIBT,
Katharina RUTSCHKY,
Martin MOSEBACH und
Hans Magnus ENZENSBERGER
(hat in der FAZ v. 27.01. die "Boulevardinquisition" beklagt) bei
diesem Gesellschaftsspiel zugedacht werden, das darf jeder selbst
nachlesen.
-
MANGOLD, Ijoma (2004): Märchenprinz und Nebelfürst.
Zweifel an der Autorschaft des Bestsellers "Manieren",
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.02.
- Kommentar:
"
Der Fall Asserate schien da ein
weiterer Beleg für höchst undurchsichtige Autor-Mystifikationen der
Reihe zu sein. Doch das ist ein Kurzschluss, denn die Fälle liegen
sehr verschieden: »Manieren« lesen wir, anders als die Anonyma, nicht
als erschütterndes historisches Dokument – bei diesem Buch ist die
Frage nach der Authentizität tatsächlich entscheidend. Die Frage der
Autorschaft der »Manieren« mag dagegen unterhaltsam sein, erheblich
ist sie nicht", meint MANGOLD.
Wäre
es dann nicht ehrlicher z.B. ganz auf Autorennamen zu verzichten?
Marketingkonzepte, die auf Identifizierung beruhen, wären dann nutzlos
und solche Debatten würden sich erübrigen.
|
|
| |
|
- MÜNKLER, Herfried (2004):
Eilige Rückholaktion.
Plädoyer für eine Resozialisierung der Elitevorstellungen in der
Bundesrepublik,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.02.
- Kommentar:
"Die
Qualität der Eliten ist ausschlaggebend für das Wohlergehen eines
Landes, denn Elitenversagen entwertet die Anstrengungen und Mühen
aller anderen. Erfolgreiche Eliten verstehen es, den in der
Gesellschaft vorhandenen Leistungswillen zu fördern und Früchte
tragen zu lassen",
behauptet Herfried MÜNKLER.
Uns Nicht-Eliten wird
damit die Untertanen-Rolle zugewiesen. Gemäß
Gabriel de TARDE
ist Nachahmung der zentrale Mechanismus gesellschaftlicher
Veränderung. Wo Nachahmung (der Massen) ist, da muss auch ein
Vorbild (der Eliten) sein, also Werteeliten. Danke, für die
Belehrung!
|
|
| |
|
- KÖTTKER, Verena/OPITZ, Olaf/PÖRTNER,
Rainer/THEWES, Frank (2004): Roter Selbstbetrug.
Kanzler Gerhard Schröder kapituliert vor miserablen Umfragewerten. Zu
Beginn des Jahres mit 14 Wahlen bremst er die Reformen,
in: Focus Nr.6 v. 02.02.
- Kommentar:
Die Reform der Pflegeversicherung hat zu einer
sprachlichen Innovation geführt.
Single-dasein.de
hat schon im Jahr 2001 die Umdefinition von Eltern in Kinderlose
angeprangert.
Bei der Reform der
Pflegeversicherung wollte man nun ganz besonders schlau sein und
differenzierte zwischen Erziehenden und Nicht-Erziehenden. Rentner
sollten offenbar nicht dadurch verprellt werden, dass sie - nur weil
ihre Kinder nicht mehr im Haus wohnen - als Kinderlose diffamiert
werden. Dieser sprachliche Kniff hat offenbar nichts genützt.
Das
Desaster der SPD, das einzig der
Göttinger Politikwissenschaftler Franz WALTER rechtzeitig
vorhergesagt hat, soll nun im letzten Moment abgewendet werden.
Ob das klappt, das haben die
Sozialdemokraten nicht mehr selber in der Hand, sondern liegt nun in
der Hand der Interpreten, die als moderne Kaffeesatzleser, jetzt den
Aufschwung herbei schreiben und reden sollen.
Den Sozialdemokraten kommt
zugute, dass sie bisher keine ernstzunehmende Alternative in der
Parteienlandschaft zu fürchten haben. Wo alles in die Mitte drängt,
da bleibt für Traditionalisten nur die Totalverweigerung. Dies senkt
zwar die Wahlbeteiligung, interessiert die Parteien nicht besonders.
Darauf spekuliert die Neue Mitte noch...
|
|
| |
|
- SALTZWEDEL, Johannes & Marianne
WELLERSHOFF (2004): Warum es so einfach ist, ein Superstar zu werden.
Noch nie war es so einfach,
berühmt zu werden. Der Soziologe Sighard Neckel erklärt, warum heute
Leistung und Erfolg wenig miteinander zu tun haben,
in: KulturSpiegel Nr.2, Februar
|
|
| |
|
-
Der lesenswerte
Artikel:
WILLENBROCK, Harald (2004): Der Liebesmaschinist.
Wie reagieren Sie, wenn Sie
auf einer Bananenschale ausrutschen? Mit Ihrer Antwort geht er auf
Schatzsuche. Hugo Schmale, Beziehungsstifter bei der
Partnervermittlung
www.parship.de,
in: NZZ Folio Nr.2, Februar
- Kommentar:
WILLENBROCK porträtiert
Hugo SCHMALE, einen
Professor für Arbeitspsychologie an der Universität Hamburg (BeziehungsARBEIT
heißt es ja nicht umsonst, was in modernen Partnerschaften gefordert
ist!), der das Herzstück der Partnervermittlung Parship - einen
Persönlichkeitstest - konstruiert hat:
"Diese
Tests erschienen zunächst in der Kultzeitschrift «Twen», später
erfolgreich in «Marie Claire», «Freundin» und «Playboy». 1999 dann
klingelte der Holtzbrinck-Verlag", von da an begann
sozusagen eine wunderbare Partnerschaft:
"Nach einer aufwendigen Phase der Konstruktion (über ein
Jahr benötigten Schmale und mehrere seiner Doktoranden, um den Test
und seine 600 Auswertungsbausteine zu komponieren) läuft ihre
Maschine mittlerweile quasi von allein. Im Prinzip müssen die
Parship-Gesellschafter Holtzbrinck Networks und «Die Zeit» nur noch
die Beiträge von 149 Euro, in der Schweiz (etwa bei nzz.parship.ch)
235 Franken, für eine sechsmonatige Mitgliedschaft kassieren."
Was ist das Besondere
bei dieser Form der Partnervermittlung?
"«Wir
drehen das klassische Kennenlernritual einfach um», erklärt Schmale,
«den Smalltalk und das ganze übliche Balzverhalten überspringen wir.
Dabei werden ja dem anderen völlig falsche Signale übermittelt: Man
präsentiert sich immer so, wie man glaubt, dass der andere einen
mögen könnte. Weil niemand so ein Schauspiel auf Dauer durchhält,
gehen so viele Beziehungen in die Brüche.» Bei Parship ist das
anders: Dort bekommt man den potentiellen Partner gleich inklusive
psychologisch fundierten Persönlichkeitsprofils, Präferenzen und
Macken präsentiert. Harte Fakten statt softe Romantik, sozusagen.
Die kommt später. Vielleicht."
-
GEISEL, Sieglinde (2004): Tauchen statt Surfen.
Was seine
Journalistenkollegen an Interessantem zu Papier bringen, landet bei
ihm im Netz. Thierry Chervel, Kopfspringer bei der
Feuilleton-Presseschau
www.perlentaucher.de,
in: NZZ Folio Nr.2, Februar
- Kommentar:
Selbst single-dasein.de kann dort ab und zu
unentdeckte Perlen finden!
-
SHIRKY, Clay (2004): Die Topfcom-Ära.
Internetreporter
fordern den klassischen Journalismus heraus, Websites wie eBay nehmen
den Verlagen Werbekunden weg. Die Medien brauchen neue Geldquellen -
zum Beispiel Spenden,
in: NZZ Folio Nr.2, Februar
- Inhalt:
Clay SHIRKY verabschiedet schon einmal
die Printmedien:
"Die
Letzten, die sich von der Druckerpresse verabschieden, werden die
Modemagazine sein, denn der Hochglanzdruck eines Magazinfotos ist
noch schwer auf dem persönlichen Drucker reproduzierbar."
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
TÜRCKE, Christoph (2004): Hypertext,
in: Merkur Nr.658, Februar
- Kommentar:
Bei TÜRCKE droht der Untergang des Abendlandes
durch den Hypertext. Bei solch einem Thema ist ein ADORNO-Zitat
unabdingbar:
"Schon
das traditionelle Lesen war nie bloß linear, und das »neue« hört
nicht auf, es zu sein.
Der reale Denkprozeß, schreibt
Adorno in den Minima Moralia, ist »so wenig einer des
diskursiven Fortschreitens von Stufe zu Stufe, wie umgekehrt dem
Erkennenden seine Einsichten vom Himmel fallen. Erkannt wird
vielmehr in einem Geflecht von Vorurteilen, Anschauungen,
Innervationen, Selbstkorrekturen, Vorausnahmen und Übertreibungen,
kurz in der dichten, fundierten, aber keineswegs an allen Stellen
transparenten Erfahrung«."
|
|
| |
|
- REHRL, Annette (2004): Höflichkeit ist
eine Zier.
...mit der man - anders als der Volksmund es verbreitet - besser
durchs Leben kommt. In einer Emnid-Umfrage meinten 98 Prozent der
Deutschen, Höflichkeit mache das Zusammenleben leichter, 91 hielten
gute Manieren für unverzichtbar. Warum nur ist dann der Umgang
miteinander so rüde geworden, dass jetzt sogar Benimmunterricht an
Schulen eingeführt wird?
in: Psychologie Heute Nr.2, Februar
- Inhalt:
REHRL befragt den 68er Gerhard SCHULZE über
den Verfall der Sitten:
"Gerhad Schulze, Soziologe
an der Universität Bamberg und Autor des viel beachteten Buches
Die Erlebnisgesellschaft, ist fest davon überzeugt, dass wir
es jetzt mit den Spätwirkungen der 68er-Generation zu tun haben.
»Die 50er Jahre stellten eine Rückkehr in die Zwänge des 19.
Jahrhunderts dar, davon haben sich die 68er befreit«, erörtert
Schulze »Höflichkeit wurde abgelehnt, weil sie uns aufgezwungen
worden war. Und jetzt beobachten wir wieder das Befremden einer
Kultur an sich selbst«.
(...).
Was die neue Höflichkeit, laut Schulze, von jener der Vor-68er
jedoch wesentlich unterscheide, sei dass sie individueller gestaltet
werde: »Unsere subjektive Ebene haben wir für uns alleine. Auf der
intersubjektiven Ebene kommunizieren wir mit den Mitmenschen. Und
auf dieser Ebene muss jeder Einzelne Höflichkeit und Achtung vor dem
Nächsten für sich selbst wieder neue definieren. Das ist ein Prozess
des Fühlens, nicht der Regeln.«"
|
|
| |
|
[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 25. - 31. Januar 2004
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die
Inhalte externer Internetseiten
|
|
| |
|
|
|
| |
|
[
Glossar ] [
Suche ] [ Homepage ] |
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|