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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 01. - 10. Januar 2003

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Wer jugendlich ist, überschreitet permanent die Grenze zwischen Berufsleben und Privatleben und damit auch das Modell der Kleinfamilie als Ort der Regeneration. Diese Jugend ist daher dem Phänomen des Outburn ausgesetzt. Niemand hält einem mehr den Rücken frei. Im Gegenteil, die Patchwork-Familie verlangt mindestens genauso viel Management wie die eigene Karriere. Beziehungen, Ehen, Familien und Freundschaften gehören längst der gleichen Innovationslogik an und bilden keineswegs mehr den lebensweltlichen Gegenpol zur Teilnahme am Markt als Person."
(Leander Scholz in: Freitag Nr.3 vom 10.01.2003)

 
       
       
     
       
     
       
     
       
     
       
     
       
   
Angela MERKEL setzt sich als Eiserne Lady II. in Szene: "weniger Staat in der Wirtschafts- und Sozialpolitik, aber mehr Verantwortung des Staates in der Innen- und Außenpolitik".
 
       
   
  • KOCH, Claus (2003): Reden, wenn nichts mehr geht,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.01.

"Sozialpolitiker und Wirtschaftsjournalisten können schwerlich begreifen, was dem Historiker vollkommen selbstverständlich ist: Dass es soziale Organisationsformen gibt, die einmalig gelungen sind und sich daher nicht reparieren oder wiederholen lassen"

meint Claus KOCH und fügt hinzu:

"Nun (...) verblasst der sozialstaatliche Code (...). Die künftigen Solidaritäten, die auch keine rein deutschen mehr sein können, brauchen einen ganz neuen Code. Erst aber muss der alte hinweggetan werden. Das braucht noch eine Generation, vielleicht nur zehn Jahre, und ein anderes Volksleben. Notreparaturen sind immerhin möglich und nötig. Aber etwas Ganzes wird aus der Sache nicht mehr."

Dies sollen die Journalisten und Intellektuellen kommunizieren, tun es aber angeblich nicht genug. Es ist als ob KOCH am FAZ-Stammtisch gesessen hätte und GEYERs Kritik an Harald SCHMIDT nochmals SZ-altersmilde aufwärmen möchte:

"Gesagt sein lassen muss sich das harte Wort auch das Feuilleton. Auch wenn es munter auftreten darf, es darf seinen Funken der Aufklärungslust nicht durch Juxerei verschütten, wie es heute auch in den besten Zeitungen viel zu oft geschieht".

Denn:

"Deutschland fehlt es an der Potenz, in die Krise zu geraten. Es mag wirtschaftlich noch auf lange Zeit niedergehen, die soziale Ungleichheit mag in gleichem Schritt zunehmen – einen Anlass zur Krise kann man daraus nicht erwarten. Es fehlt schon die Kraft zur Klage."

 
       
   
  • AFP/dpa (2003): Trauerfall.
    Kultserie "Sex and the City" wird mangels neuer Ideen eingestellt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.01.

 
       
   
  • PILZ, Michael (2003): Trau keinem unter 40!
    In der Krise entdeckt die Pop-Industrie einen neuen Käuferkreis: den "reifen Konsumenten",
    in: Welt v. 10.01.

Michael PILZ beschäftigt sich mit den Folgen des demografischen Wandels für die Musikbranche und macht die 14- bis 29-Jährigen als zunehmend bedrohte "Günstlinge der Werbewirtschaft" aus. PILZ zitiert einen Manager aus der Musikbranche:

"»Der freundliche Teenager setzt immer weniger Trends«, sagt Tim Renner, Deutschlandchef des größten Musikkonzerns Universal. »Dass von der Zielgruppe die Entwicklungen der gesamten Gesellschaft ausgehen, können wir getrost abhaken. Unsere Aufgabe ist es also den 40jährigen Gelegenheitskäufer zu aktivieren. Für diese Zielgruppe brauchen wir Künstler und Formate. Sämtliche Inhalte, die wir ihr anbieten, müssen hochwertig und bequem zu kriegen sein.«
            Das sind die sogenannten Schläfer, die es zu erwecken gilt. Auf diese »Sleepers» hat die Industrie die Markt- und Konsumgüterforschung angesetzt und wurde durch entsprechende Befunde nur bestärkt. Der Über-40-Jährige blickt stolz auf eine Jugend als aktiver Plattenkäufer zurück. In gewohnter Art beschloss er ungefähr mit 25 Jahren, dass sich sein Geschmack nun nicht mehr ändern müsse. Er verlor die Fähigkeit, bei Neuem Unterschiede wahrzunehmen. Alles elektronisch oder postmodern Erzeugte, Techno oder HipHop, fand er abstoßend. Sein Argwohn wuchs. Und traute er sich ins CD-Geschäft, genierte er sich vor den jungen Snobs und Schnöseln an der Theke. Also schlich er heim und fand bei einer 74-er Bob-Dylan-Pressung Trost.
            Dort müsse man den tief im Innern kaufsüchtigen Konsumenten wieder abholen".

PILZ hofft trotzdem, dass die Jugend On the Long Run doch Trendsetter bleibt.

 
       
   
ZEIT-Serie: Land ohne Leute (Teil 2)
 
       
   
  • NAUMANN, Michael (2003): Die Leichenschänder.
    Die 68er sind längst verschwunden. Es waren nur wenige. Doch in der konservativen Presse werden sie täglich wiederbelebt. Irgendeiner muss ja schuld sein an Deutschlands Misere,
    in: Die ZEIT Nr.3 v. 09.01.

Vor einer Woche hat Bernhard SCHLINK im Spiegel die 68er-Generation an der Macht gesehen und heute will NAUMANN keine 68er mehr kennen. Offenbar schreiben beide zwar über 68er, aber während SCHLINK die 68er-Generation meint, schreibt NAUMANN über die 68er-Bewegung. Das ist durchaus nicht dasselbe. Den Unterschied hat z.B. Heinz BUDE in dem Buch Das Altern einer Generation dargelegt.

"Schauprozesse laufen zumeist in der Welt, die selbst in der Hand von einigen konvertierten, ehemaligen 68ern zu sein scheint, die immer neue Abrechnungen mit ihrer eigenen Biografie zu Papier bringen"

schreibt NAUMANN. Dies ist eher ungenau, denn es handelt sich um mehrere Grüppchen, für die die 1970er Jahre zum prägenden Jahrzehnt geworden sind. Der kleinste gemeinsame Nenner ist deshalb die Begriffshülse "68er", die mit den unterschiedlichsten Bedeutungsgehalten angereichert werden kann. Zu diesem 68er-Debattierclub gehören einerseits die 68er-"Hasser" wie Tilman KRAUSE oder der Angehörige der 68er-Generation Konrad ADAM,  Konvertiten wie Alan POSENER und der von NAUMANN genannte Michael STÜRMER, Pflasterstrand-Geschädigte wie Matthias HORX und Cora STEPHAN, Aktivistentöchter wie Mariam LAU und 68er wie Michael RUTSCHKY.

Solange die Begriffshülse "68er" Feuilleton-Debatten ermöglicht, die Aufmerksamkeit auf sich ziehen, solange also kein überzeugendes Nachfolgermodell mit demselben Spaß- bzw. Neidfaktor gefunden ist, solange bleiben uns die 68er erhalten - ob es NAUMANN passt oder nicht. Immerhin spielt er bei diesem Gesellschaftsspiel selbst mit.

 
       
   
Die neoliberalen Besitzstandwahrer haben bereits unter der Regierung KOHL das Rentenniveau für die Nach-68er-Generationen drastisch heruntergesetzt. Dies ist den meisten Bürgern nur verborgen geblieben, weil die Sozialpopulisten viel vom Eckrentner und wenig von den realen Verhältnissen reden. Thomas ÖCHSNER resümiert deshalb:

"der viel zitierte »Eckrentner«. Dieser Durchschnittsverdiener bringt es nach 45 Versicherungsjahren auf eine Monatsrente von 1151 Euro. So viel bekommen aber nur wenige Frauen und gerade einmal 50 Prozent der westdeutschen Männer. Viele von ihnen sehen nun zum ersten Mal schwarz auf weiß, dass ihre Rente weit geringer sein wird".

Diejenigen Neoliberalen, die heute so viel von Generationengerechtigkeit reden, verschweigen erstens, dass die zukünftigen Rentner bereits gegenüber Flakhelfer- und 68er-Generation gravierend benachteiligt wurden und zweitens, dass die Versicherungsjahren-Schere INNERHALB der Nach-68er-Generationen weit auseinanderklafft.  

 
       
   
  • BÜSER, Wolfgang (2003): Arbeitslose müssen umziehen.
    Wohnungswechsel für einen neuen Job gilt als zumutbar. Arbeitsplatzverlust muss den Behörden früher als bisher gemeldet werden. Bescheid wissen, Nachteile vermeiden: Das Hartz-Konzept (1),
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.01.

Wolfgang BÜSER klärt über die singlefeindliche Zumutbarkeitsregel auf, die dem Vermittler - positiv gesagt - Entscheidungsspielraum und - negativ gesagt - Repressionsmöglichkeiten an die Hand gibt:

"Für Arbeitslose ohne familiäre Bindungen bedeutet die Neuregelung nicht zwangsläufig, dass ihnen ein Umzug vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an zuzumuten ist. Hier besteht Entscheidungsspielraum für den Vermittler, der eine Prognose dazu treffen muss, ob eine Beschäftigungsaufnahme in den ersten drei Monaten der Arbeitslosigkeit innerhalb des zumutbaren Pendelbereichs zu erwarten ist. Ist dies der Fall, so wird ein Umzug vom vierten Monat der Arbeitslosigkeit an zumutbar. Bei negativer Prognose muss allerdings vom ersten Tag an Umzugsbereitschaft bestehen."

 
       
     
       
   
  • IMUE (2003): Ach, Deutschland: nie wieder Spitze,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.01.

Heinrich BÖLL ist auf den Hund gekommen! Der Grund ist trivial, aber nicht zufällig. Norbert NIEMANN hat in der ZEIT vom 02.01.2003 eine Hommage auf einen Vater der Ernstler - Heinrich BÖLL - verfasst. Der hat u.a. den Roman Haus ohne Hüter geschrieben, in dem das auch heute noch populäre Modell der Onkel-Ehe behandelt wird. Und da in der SZ so gerne ausgestorben und lamentiert wird, ist es von einem Haus ohne Hüter nicht weit bis zum Aussterben des - nein, ausnahmsweise nicht des deutschen Zweibeiners, sondern - des vierbeinigen Hofhundes.
 
       
     
       
   
  • GRETHER, Kerstin (2003): Die Hamburger Schule im Chill Out.
    Bis auf Weiteres eine Demonstration: Das Zick Zick-Label macht "Geräusche für den Tag danach",
    in: Frankfurter Rundschau v. 08.01.

 
       
   
  • VEIEL, Axel (2003): Im Schatten der Palmen.
    Der Traum deutscher Rentner vom Lebensabend auf Mallorca und was daraus wird,
    in: Frankfurter Rundschau v. 08.01.

Das Feindbild Rentner ist eng verbunden mit der spanischen Insel Mallorca. Axel VEIEL berichtet aus dem deutschen Rentnerparadies mit dem hohen Neidfaktor.
 
       
     
       
     
       
   
  • Fernsehtipp: Dienstag 07.01.2003; 22.15-23.00
    Single sein - glücklich sein?
    Familienstand: ledig, geschieden, verwitwet,
    in: SFB 1 - Berlin Fernsehen

 
       
   
  • PLATH, Jörg (2003): Staatsbelegschaft auf Trab.
    Über die Zukunft des Arbeitens und des Konsumierens,
    in: Frankfurter Rundschau v. 07.01.

Jörg PLATH war auf einer

"Tagung, die vor kurzem das Essener Zukunftsforschungsinstitut Z-punkt veranstaltete. Das Wiesbadener Bundesforschungsinstitut für Bevölkerungsforschung sowie Siemens, Daimler-Chrysler, Karstadt, TUI und Hypovereinsbank stellten ihre Zukunftsprognosen vor."

Das war - wie nicht anders zu erwarten - wenig erbaulich. PLATH spickt seinen Artikel mit den aus ZEIT und Süddeutscher bekannten Plattitüden aus dem Horrorkabinett der Kulturpessimisten, garniert es ein wenig mit dem Konsumoptimismus der Krisengewinnlerbranchen, um schlussendlich dort zu landen, wo unsere Neue-Mitte-Eliten gewöhnlich enden, beim angeblich Unabänderlichen:

"Z-punkt-Direktor Karlheinz Steinmüller projektiert drei Szenarien: die Katastrophe, die glückliche Gesundschrumpfung und den unverhofften Babyboom. Gegen das letzte Szenario spricht jede Wahrscheinlichkeit, das erste muss nicht eigens geplant werden".

Mit der Wahrscheinlichkeit ist es glücklicherweise so wie mit dem richtigen Leben: sie kümmert sich nicht im Mindesten um ihre Interpreten. Diese narzisstische Kränkung verträgt kaum ein Kulturpessimist. 

 
       
   
  • KASTNER, Ruth (2003): "Wir tun, als gäbe es die Kinder nicht...".
    Arme Familien? Eltern zahlen zu viele Steuern und haben zu wenig Zeit, beklagt die Hamburger Familienexpertin Susanne Mayer. Sie fordert eine radikal andere Politik nach dem Vorbild Skandinaviens,
    in: Hamburger Abendblatt v. 07.01.

 
       
     
       
   
  • Franz Innerhofer - Die Holl-Trilogie

    • THUSWALDNER, Anton (2003): Angst vor dem großen Wort.
      Wenn der Mensch ausbleibt: Franz Innerhofers Holl-Zyklus,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.

 
       
   
  • HANIMANN, Joseph (2003): Rekrut Houellebecq,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.

 
       
     
       
   
Frank SCHIRRMACHER unter alten Kameraden, die über das Krisendeutschland schwadronieren. Der Flick-Skandal-gestählte Graf und BARBIER sitzen zusammen mit SCHIRRMACHER im Ohrensessel und philosophieren über den ausbleibenden Aufstand der Jugend. Dabei geht es zu, wie anderenorts am Stammtisch der Neuen-Mitte-Eliten:

"LAMBSDORFF: Was wäre, wenn man sich mit dem vielleicht vernünftigen, vielleicht absurden, jedenfalls revolutionären Vorschlag beschäftigen würde, die Eltern von Kindern mit mehr Stimmrechten auszustatten?
BARBIER: Davon würde ich abraten.
Die stimmen nur für mehr Kindergeld.
BARBIER: So ist es".

So sieht der neue Qualitätsjournalismus aus, der bei Feuilleton-Revolutionären hohes Ansehen genießt.

 
       
     
       
     
       
     
       
   
  • GEBHARDT, Miriam (2003): Die Besserwisser.
    Psycho-Talk ist überall. Sex, Karriere, Mord: Wir glauben, wir können alles deuten. Wie eine Wissenschaft ruiniert wird,
    in: Tagesspiegel v. 05.01.

20-30 Jahre zu spät kommt Miriam GEBHARDT mit ihrer These von der Psychologisierung des Alltags, heute müsste stattdessen von der Soziologisierung des Alltags gesprochen werden. Während der Psycho-Talk im Niedergang begriffen ist, erlebt der Sozio-Talk seit Anfang der 1990er Jahre seinen unaufhaltsamen Aufstieg zur ersten Deutungsmacht im Lande.

Als Beitrag zur Mediengeschichte wäre der Artikel interessant, aber GEBHARDT tut so, als ob es sich hier um DAS Problem dieser Gesellschaft handeln würde. Bezeichnenderweise ist bei GEBHARDT die Psychologie fast identisch mit der in der Psychologie doch recht randständigen Psychoanalyse. Wer heute noch FREUD als Mittelpunkt des Alltagsgesprächs auffasst, der hat sich vielleicht in einen Woody-ALLEN-Film der 1970er-Jahre verirrt. Die Sozio-Gespräche der heutigen Paare sind stattdessen geprägt vom Individualisierungsgerede.

Seit dem Bestseller Das Chaos der Liebe von Ulrich BECK & Elisabeth BECK-GERNSHEIM ist die Richtschnur unseres Alltags geprägt von dem soziologischen Vokabular, das Anfang der 1980er Jahre erfunden wurde, um die Deutungsmacht Psychoanalyse zu ersetzen. Dies ist durchaus gelungen, man muss nur den Tagesspiegel lesen.

Wenn GEBHARDT die Psychologie als Sozialtechnologie kritisiert, dann gehört sie selbst zu den Kindern von Ulrich BECK. In 20-30 Jahren lesen wir dann im Tagesspiegel etwas über die Soziologisierung des Alltags. Das interessiert dann zwar niemand mehr, aber dann ist es endlich cool. 

 
       
   
  • Speed-Dating in der Debatte

    • BLASBERG, Marian (2003): Acht Frauen in 40 Minuten.
      Verbaler Quickie für Verklemmte. Die schnelle Nummer: Beim Speed-Dating lernen Kuppelwillige Singles gleich mehrere potenzielle Partner an einem Abend kennen,
      in: Süddeutsche Zeitung NRW v. 04.01.

 
       
   
  • DECKSTEIN, Dagmar (2003): Alter neu denken,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 04.01.

Dagmar DECKSTEIN denkt das Alter nicht neu, sondern neoliberal, d.h. das Alter soll im "Zeitalter der Wissensarbeit" produktiv gemacht werden. Unter dem Deckmantel der "Generationengerechtigkeit" verhandeln die Neue-Mitte-Eliten zur Zeit den Abbau des Sozialstaats und die Rückkehr zur Klassengesellschaft. Ein Teilziel ist hier die Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Unter dem Begriff "Zwangsverrentung", der DECKSTEINs Ansatz als Befreiung erscheinen lässt, soll der "Anspruch auf Vorruhestand und Altersteilzeit" - in der Diktion von DECKSTEIN als "nahezu Menschenrecht" diskreditiert - auf die neoliberale Müllhalde.
 
       
   
Die FAZ druckt Teile des Papiers ab, das die neoliberale Neue Mitte von rechts bis links entzückt. Es fällt öfters einmal der Begriff "Gerechtigkeit" - aber wohlweislich ohne das Adjektiv "sozial"! Im Zentrum steht der Abbau des Sozialstaats. Ausführlich wird das Beispiel einer fünfköpfigen Familie ausgeführt, die von der Sozialhilfe lebt. Diese Spezies der kinderreichen Familie ist zwar nach landläufiger Meinung vom Aussterben bedroht und auch das Strategiepapier weist an zentralen Stellen auf diesen demografischen Wandel hin, aber wenn es der Argumentation dient, dann müssen quantitativ irrelevante Extremfälle herhalten, um die Notwendigkeit des Abbaus auch weniger klugen Köpfen eindringlich vor Augen zu führen. Zu diesem Thema hat Ulrike HERRMANN in der taz vom 21.12.2002  bereits alles Notwendige gesagt.
 
       
     
       
   
  • KOHLENBERG, Kerstin (2003): Wo das Herz rechts schlägt.
    Meghan und Steve Stier lieben Barbecue-Abende und fahren ein sicheres Auto, sie wollen ein Kind und lesen den konservativen Newsletter. Eine amerikanische Familie, mitfühlend und traditionsbewusst. Es ist diese Idee vom Leben, die George Bush im Irak verteidigen will,
    in: Tagesspiegel v. 04.01.

 
       
   
  • Das Single-Dasein in Österreich

    • PEF (2003): Geburtenrate steigt wieder langsam an.
      Drei Prozent mehr Neugeborene - Erwerbsfähige werden immer älter,
      in: Salzburger Nachrichten v. 04.01.

 
       
     
       
   
  • TÖDTMANN, Claudia (2003): Kampf an allen Fronten.
    Eine aktuelle Studie liefert wenig Hoffnung für Frauen im Job: Wenig Unterstützung gibt es von Chefs oder Kollegen - und erst recht nicht vom Partner,
    in: Handelsblatt v. 03.01.

  • KERBER, Bärbel (2003): Kinder sind Karrierekiller.
    Karrierefrauen sind im geheimen Gebärstreik. Der Grund: Es fehlen Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder, und die Vorurteile gegen Mütter im Job sind zu stark,
    in: Handelsblatt v. 03.01.

 
       
     
       
   
  • RUTSCHKY, Michael (2003): Mäßigung.
    Die Freuden des Verzichts,
    in: Frankfurter Rundschau v. 03.01.

 
       
   
  • GÄRTNER, Peter (2003): Kinderrabatt für Häuslebauer.
    Ostgemeinde gibt jungen Familien billiges Bauland,
    in: Stuttgarter Nachrichten v. 03.01.

 
       
   
ZEIT-Serie: Land ohne Leute (Teil 1)
  • NIEJAHR, Elisabeth (2003): Land ohne Leute.
    Die vergreiste Republik. Deutschland verliert jährlich 200000 Einwohner, da mehr Menschen sterben als geboren werden. Es wächst ein demografisches Problem ungeheuren Ausmaßes heran, doch die Politiker ignorieren es,
    in: Die ZEIT Nr.2 v. 02.01.

 
       
     
       
   
  • VOGEL, Dita (2003): Vom Brain-Drain zur Elternfrage,
    in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Januar

 
       
     
       
   
Ines LANGELÜDDECKE, Jahrgang 1976, ist auf der Suche nach der richtigen Zugehörigkeit: "Bin ich Ossi, Wessi, Wossi - oder etwa ein Ost-West-Zwitter wie Jana Hensel in ihrem Buch Zonenkinder schreibt? (Gern wäre ich natürlich Avantgarde, wie Wolfgang Engler behauptet, der anscheinend große Hoffnungen auf die Bewohner meines Landstriches setzt."
  • DEHÉZ, Dustin (2003): Fast eine Apologie auf die Achtundsechziger,
    in: Merkur, Januar

Umzingelt von den 68ern in der Regierung und den 68ern in der CDU sucht Dustin DEHÉZ, Jahrgang 1978, nach dem generationsstiftenden Schlüsselereignis und findet es im 11. September 2001.

HARTMANN, Bernd (2003): Neue Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten,
in: Merkur, Januar

Auch Bernd HARTMANN, Jahrgang 1978, reiht sich wie Dustin DEHÉZ in die Generation 11-09 ein: "Am 11. September 2001 begann das 21. Jahrhundert. Arbeitslosigkeit bedroht praktisch jeden, der Neue Markt wurde aufgelöst, und langsam wird meiner Generation bewußt, daß der große Spaß vorbei ist. Eine permanent ironische Haltung erscheint nun selbst den Zwanzigjährigen als nicht mehr angebracht. Durch die Feuilletons der Republik hallt es, Pop sei vorbei und die Post-Pop-Ära angebrochen. Doch auf die neue Ernsthaftigkeit sind wir wenig vorbereitet."

SCHABACK, Joscha (2003): Das Land zu ironisch, die Arbeitslosenzahl zu hoch, das Theater zu schlecht: Weshalb ich trotzdem in Deutschland studiere,
in: Merkur, Januar

Joscha SCHABACK, Jahrgang 1975, zählt sich angesichts der Jobkrise der Generation Golf zur Generation Angst. Der Arbeitsgesellschaft geht die Arbeit aus, davon ist er überzeugt und dennoch haben Arbeitslose mit Identitätsproblemen zu kämpfen und für vogelfreie Teilzeitkräfte, wie sie von Mark SIEMONS im Buch Jenseits des Aktenkoffers beschrieben werden, ist das Allerwichtigste endlich eine feste Stelle zu bekommen. Angesichts solch trister Zukunftsaussichten hält Wolfgang ENGLER in dem Buch Die Ostdeutschen als Avantgarde die ultimative Lösung bereit: den sanften, d.h. sozialstaatlich ermöglichten "Ausstieg aus der Arbeitsgesellschaft".

ADAM, Ulrich (2003): Warum ich nicht in Deutschland studiere,
in: Merkur, Januar

 
       
   
  • KULLMANN, Katja (2003): Zwischen Profit und Sehnsucht.
    Katja Kullmann begab sich für EMMA auf eine Reise durch die wundersame Welt von Botox: Die Ware, die Verkäufer, die Kundinnen,
    in: Emma, Januar-Februar

 
       
   
  • BAYER, Felix (2002): Yesterday's Papers.
    Von Popjournalisten und Feuilletonrevolutionären,
    in: Spex Nr.1-2, Januar-Februar

Felix BAYER behandelt den Freundlichen Aufruf zur Revolte von Sascha LEHNARTZ als popkulturelles Phänomen, bei dem ein generationsspezifischer Sound mit einer generationsspezifischen Haltung verknüpft wird. Dies ist für BAYER der archimedische Punkt, wo das Unpolitische ins Politische umschlägt. Dabei könnte die Sache so einfach sein. Wenn man Niklas LUHMANN auf das Phänomen der Selbstreferentialität verkürzt, kann man jene, die dem Aufruf Folge leisten als Uncoole entlarven, die sich in der schönen neuen Welt der Codes verlaufen haben. BAYER will dieser FAS-Auslegung nicht folgen...
 
       
   

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