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Medienrundschau:
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News vom
01. - 07. Januar 2006
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Zitat
des Monats:
"Jener
bereits erwähnte Wirtschaftsforschungsinstitutsleiter
schrieb: »Wenn alle Menschen gleich viele Kinder hätten,
brauchte man die Rentenversicherung eigentlich nicht, denn jeder
könnte seine Rente von den eigenen Kindern beziehen.« Die
eigenen Kinder, die eigenen Alten, das Eigene...
Moderne Gesellschaftspolitik stellte der persönlichen
Solidarität einen vergesellschafteten Solidarverband an die
Seite, um die »eigenen« privaten Risiken von Krankheit,
Arbeitslosigkeit, Kinderlosigkeit usw. zu mindern - ein
Vorgehen, das umso gerechtfertigter war und ist, als die Nöte
der individuellen Lebensgeschichte von der herrschenden Ökonomie
und Ökologie mitverursacht sind.
Eine Politik, welche die soziale Solidarität in die familiären Bahnen
zurückdrängen möchte, widerspricht der gesellschaftlichen
Entwicklung, in deren Verlauf sich Solidarität von biologischen
Fesseln befreit hat. Eine Rückkehr zu vormodernen Verhältnissen
würde die Gestaltungs- und Freiheitsräume der Menschen verengen
und ihre Unterworfenheit unter die Natur wieder festigen.
Moderne Länder wie Deutschland würden durch vormoderne
Experimente das verschleudern, was die Länder des Südens
aufgrund der Abnahme familiärer Solidarität erst aufzubauen
versuchen."
(Judith
Klein in der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte,
Nr.12, Dezember 2005)
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LEBER, Sebastian (2006): Bei Anruf Flirt.
Eine Chance für die Liebe: Matthias Bauers „Frühling-Bar“ ist nur
für Singles. Zum Anbändeln gibt es das gute alte Tischtelefon,
in: Tagesspiegel v. 07.01.
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DENK, David (2006): Saufen einmal rund ums Eck.
Die Eckkneipe hat die Abschaffung der Lohntüte überlebt wie auch
den Siegeszug von Fernsehen und Internet. Die Kneipe, so scheint es,
meistert jede Krise, zwischen Trinkertristesse und
Nachbarschaftstreff,
in: TAZ v. 07.01.
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- JÖTTEN, Frederik (2006): Schluss mit lustig.
Die Wohngemeinschaft war sein Leben, im Sommer war was los, Moritz
fand seine besten Freunde hier und seine große Liebe. aber alles hat
sich geändert, Zeit zu gehen für den WG-Ältesten. Ein
Abschiedsrundgang,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.01.
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- HALTER, Martin (2006): Adornos Handwerker.
Wenn es ein richtiges Leben im falschen gibt, dann auf dem platten
Land: Jochen Schimmangs Erzählungen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.01.
- Inhalt:
"Schimmang, der rat- und rastlose Flaneur, galt
einmal als Protagonist jener »Neuen Innerlichkeit«, die sich nach
dem Ende der Utopien in eine weltlos-narzißtische Selbstreflexion
zurückzog. Inzwischen arbeitet er wie ein holländischer Genremaler
und Bilderrahmer: liebevoll im Detail, schnörkellos in der Sprache,
unaufgeregt melancholisch im Wissen um Tod und Vergänglichkeit",
schreibt HALTER über die Erzählungen
"Auf Wiedersehen, Dr. Winter" von Jochen SCHIMMANG.
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- MANGOLD, Ijoma (2006): Der Gott auf Reisen.
Stadtwanderungen: Für das Geheime Deutschland war Heidelberg die
Hauptstadt - und Stefan George der einzige legitime Herrscher. Er
regierte seinen Dichterstaat vor einer ehrwürdigen Theaterkulisse,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.01.
- Inhalt:
Ijoma MANGOLD hat sich in
Heidelberg auf die Spurensuche nach Stefan GEORGE gemacht und dazu
den Schriftsteller
Michael BUSELMEIER und Jakob
KÖLLHOFER, den Direktor des Deutsch-Amerikansichen Instituts,
befragt.
Während
für ersteren der elitäre Zirkel um GEORGE eine reaktionärer Kult
war, weist letzterer auf die Ergänzung des Aristokratischen durch
das Bäuerliche hin.
MANGOLD
fasziniert am elitären GEORGE-Zirkel dagegen die Ironiefreiheit:
"Sie
lebten ihre Kunstreligion ohne jede ironische Brechung. In diesem
Ernst liegt die ungebrochene Faszination des George-Kreises bis in
die Gegenwart".
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DÄKE, Karl Heinz (2006): Ausnahmen bestätigen nur die Regel.
Eine Begrenzung des Ehegatten-Splittings ist aus
steuer-systematischen Gründen strikt abzulehnen,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.01.
-
ZULEEG, Manfred (2006): Die Kinder aber gehen leer aus.
Das Ehegatten-Splitting gehört ersatzlos gestrichen, denn Eltern
kommen nur als Eheleute in den Genuss des Vorteils,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.01.
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WAGNER, Gert G. (2006): Es kann keine exakte Bevölkerungsstatistik
geben.
Planen in der Nichtplanwirtschaft: Plädoyer für einen "registergestützten
Zensus" statt einer Volkszählung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.01.
- Kommentar:
Gert G. WAGNER wendet sich gegen Reiner
KLINGHOLZ, der für eine
Volkszählung plädiert.
Der
Streit ist jedoch absurd, denn weder das eine noch das andere
Verfahren garantiert per se, dass relevante Daten erhoben werden.
Dies lässt sich an der
Debatte um den Geburtenrückgang
aufzeigen.
Keiner
Partei kann es daran gelegen sein, dass das tatsächliche -
wesentlich niedrigere - Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit
offen gelegt wird, denn alle Positionen profitieren davon, dass das
Ausmaß unbekannt bleibt.
Nationalkonservative
wie Herwig BIRG benötigen hohe Kinderlosenzahlen genauso wie die
Verfechter für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
Die
Debatte um das Elterngeld offenbarte, dass im Kampf um die
statistische Wirklichkeit jedes Mittel recht ist, solange es die
eigene Position belegt.
Beiden
Vertretern geht es zu allererst um Normatives. Empirisches stört da
nur. Wer Sollenspostulate vertritt, das zeigt am deutlichsten
Ulrich BECKs Individualisierungsthese, interessiert sich nicht
für die Lebenswirklichkeit, denn er will ja gerade diese Realität
überwinden.
Es
darf deshalb nicht verwundern, dass zwar seit Anfang der 80er Jahre
bekannt ist, dass die Bevölkerungsstatistik aufgrund ihrer Fixierung
auf die lebenslange Ehe, gar nicht mehr in der Lage ist, die
Lebensverhältnisse zu beschreiben. Obwohl sowohl methodisch als auch
statistisch alle Voraussetzungen vorhanden wären, werden sie nicht
genutzt. Es gibt nur eine Erklärung dafür: Die Empirie würde keine
der dominierenden Positionen stützen.
Weder
die Volkszählung noch die registergestützte Zählung ändert etwas
daran, dass hinsichtlich der Geburtenentwicklung Licht im Dunkel
unerwünscht ist.
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KEEL, Aldo (2006): Jung mit alten Wurzeln.
Islands Bevölkerung wächst rasant,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.01.
- Inhalt:
Anlässlich der bevorstehenden Geburt des 300.000sten
Einwohners berichtet KEEL über Island.
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GASCHKE, Susanne (2006): Auf Hoffnung gebaut.
Meine Strasse. Kiel Ende der sechziger Jahre. Ein Viertel voll
ambitionierter Akademiker, kleinbürgerlicher Beamter und
Gaststudenten. Das große Miteinander ist heute Geschichte,
in: Die ZEIT Nr.2 v. 05.01.
- Inhalt:
Susanne GASCHKE verdankt der Volkszählung 1987
unrechtmäßiges Wissen über das Wohnumfeld der Eltern:
"Einen
weitergehenden Blick hinter die Fassaden meiner Straße tat ich als
Studentin, und zwar als Volkszählerin 1987. Natürlich hätte ich
eigentlich nicht in einem Bezirk eingesetzt werden dürfen, den ich
so gut kannte, doch am Ende blieb es aus irgendeiner bürokratischen
Unachtsamkeit dabei. Nun traf ich die Leute, die ich üblicherweise
nicht auf der Straße sah."
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LANG, Susanne & Jan FEDDERSEN (2006): "Oh, ich bin ganz schön zickig".
Anne Will, 39, ist eine der erfolgreichsten politischen
Journalistinnen im deutschen Fernsehen. Die "Tagesthemen"-Moderatorin
sagt: "Frauen neigen dazu, sehr selbstkritisch zu sein, manchmal bis
hin zur Selbstverleugnung." Moment, Frau Will! War 2005 nicht das Jahr
für Frauen? Das taz-Gespräch über Kanzlerin Angela Merkel, Kollegin
Sabine Christiansen und Beziehungsgespräche,
in: TAZ v. 05.01.
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LENZEN-SCHULTE, Manuela (2006): Nicht vor meinem Haus.
No kidding: Kinderhasser unterstützen einander im Internet,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.01.
- Kommentar:
Das SCHIRRMACHER-Feuilleton benötigt das
Feindbild der Kinderhasser, das rot unterlegt auf der ersten Seite
angekündigt wird. Geht es der FAZ wirklich schon so schlecht,
dass Sie die Bildzeitung zum Leitmedium der Republik
emporheben muss, und nicht umhin kommt es nachzuäffen?
LENZEN-SCHULTE
muss jedenfalls nach Amerika blicken, um diese Kinderfeinde
überhaupt zu finden. Dort
gibt es die
"childfree"-Bewegung. In
Deutschland hat man dagegen offenbar ganz andere Sorgen:
"Die
deutsche Website von nokidding.org ist so erbärmlich übersetzt, daß
man sich fragen muß, ob es sich dabei um ein absichtliches
Abschreckungsmanöver handelt. Offensichtlich hat sich noch niemand
bereit gefunden, hier sprachglättend der Netzgemeinschaft der
Kinderlosen unter die Arme zu greifen."
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- POFALLA, Ronald (2006): Neue Gerechtigkeit
durch mehr Freiheit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.01.
- Inhalt:
Der Generalsekretär der CDU rechtfertigt das
Elterngeld:
"Das
traditionelle Familienbild mit dem Mann als Alleinverdiener und der
Frau als Mutter und Hausfrau entspricht heute vielfach nicht mehr
der Lebenswirklichkeit. Zum einen werden die Formen der Arbeitswelt
immer differenzierter. Zum anderen war das Bildungsniveau vieler
Frauen nie so hoch wie heute, und allein daraus ergeben sich neue
berufliche Perspektiven. Auf diese grundlegende Veränderung reagiert
die Bundesregierung vor allem mit dem Elterngeld, mit mehr
Verständnis für die Lebenswirklichkeit von Doppelverdienern und
neuen Anreizen für junge Paare."
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BUDE, Heinz (2006): Vom Rand in die Mitte.
Zum Linkssein gehört ein Begriff von sozialer Exklusion,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.01.
- Kommentar:
Heinz BUDE, ein Vertreter der neu
formierten Elitensoziologie der Neuen Mitte, macht der
gefühlten Linken den
Begriff der sozialen Exklusion
schmackhaft.
Darunter
kann sich jeder nach seiner eigenen Façon zum Opfer stilisieren,
denn: "Der Exklusionsbegriff stellt eine Verbindung zwischen der
Mitte und dem Rand unserer Gesellschaft her". Was aber ist ein solch
sinnentleerter Begriff Wert, der keinerlei Rücksicht auf das
unterschiedliche Kapital nimmt, das der einzelne durch Geburt und
Lebensverlauf mitbringt? Die gefühlte Exklusion wird dann zur
Identität einer Gefühlslinken, der damit zugleich ein Verzicht auf
sozialstaatliche Absicherung verordnet werden kann.
Herfried
MÜNKLER hat in der
Zeitschrift Merkur
dazu passend den Republikanismus als Herrschaftsmodus der Stunde
ausgerufen.
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NESSLER, Susanne (2006): "Ich finde es eher rührend".
Wiglaf Droste über die "neue Bürgerlichkeit",
in: DeutschlandRadio v. 04.01.
- Kommentar:
Nachdem selbst
Diedrich DIEDERICHSEN
das Bürgertum zur alternativlosen Angelegenheit erklärt hat, ist nun
jeder gezwungen dazu Stellung zu beziehen. Heute ist
Wiglaf DROSTE an der Reihe:
"Nessler:
Wie halten Sie es denn mit solchen Werten wie Moral, Disziplin
Manieren und Familie?
Droste:
Ja, das erste Gesetz der Bürgerlichkeit, so wie ich sie verstehe,
heißt erst mal Nein sagen können. Und das muss man lernen. Das
heißt, die Moden sind vollkommen egal, man muss eigene
Qualitätskriterien entwickeln und bitte dabei auch nicht auf
irgendwas zurückgreifen, was sich historisch bereits als erledigt
erwiesen hat. Also, wenn da jemand sagt, die Familie, die Familie,
dann kann ich nur sagen, Familie ist das böse Wort mit "F". Wir
leben in der Zeit des Patchwork. Das ist so, das wird sich auch
nicht mehr rückgängig machen lassen. Und wenn da jemand das für sich
machen möchte, ist das völlig in Ordnung. Das als
Gesellschaftsmodell auszurufen ist, ganz freundlich gesagt, naiv."
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SCHNIBBEN, Cordt (2006): Das bürgerliche Dilemma.
Die Große Koalition ist mehr als ein Zufallsprodukt, sie spiegelt
eine gesellschaftliche Entwicklung wider, die zur Implosion der
politischen Lager geführt hat. Die kulturelle Kluft, die seit den
sechziger Jahren linke Deutsche von rechten Deutschen trennte,
schwindet - was besonders den Konservativen Sorgen macht,
in: Spiegel Nr.1 v. 02.01.
- Kommentar:
Cordt SCHNIPPEN zieht Parallelen
zwischen 40 Jahre Beat Club und neuem Bürgertum:
"am
25. September 1965 geschah etwas, was das Leben in der
Bundesrepublik zu verändern begann. (...).
Radio Bremen sendete von nun an
einmal im Monat den »Beat-Club»,
eine Musiksendung, die nicht nur die Botschaften von Jimi Hendrix
und Frank Zappa, den Stones, Who, Doors, Status Quo und Steppenwolf
bis in die deutschen Wohnzimmer des letzten Provinzdorfes brachte,
sondern auch die Mode, die Sprache und die Regeln einer bis dahin
undeutschen Kultur.
(...).
Die Heftigkeit, mit der über eine - aus heutiger Sicht - rührend
harmlose Fernsehsendung gestritten wurde, beschreibt den Beginn
eines Kulturkampfs, der das deutsche Bürgertum auseinanderzutreiben
begann: auf der einen Seite die konservativen Altbürger (...); auf
der anderen Seite die Bürgerkinder, die eigentlich nicht mehr
wollten als ein freieres, toleranteres, weltoffeneres Leben."
SCHNIPPEN
beschreibt diese kulturelle Entwicklung entlang von Denkmodellen,
die zum einen der Neokonservative David BROOKS ("Bobos"
- bourgeois bohème) und andererseits Joseph HEATH & Andrew POTTER ("Konsumrebellen")
geprägt haben. Beide Denkmodelle kumulieren in der "neuen Mitte",
die SCHNIPPEN auf den Punkt bringt:
"die
»neue Mitte« hatte kein Programm, keine Vision, keine Forderungen,
es war ein Verteidigungsbündnis zur Abwehr des sozialen Abstiegs."
Ihr
längst überfälliges Coming-Out als Neubürgerliche verlegt SCHNIPPEN
in den 2002er Wahlkampf:
"Teile
der rot-grünen Boheme entdeckten ihre neue Bürgerlichkeit, die
eigentlich ihre alte war, und die jüngeren von ihnen schmückten ihre
Neuentdeckung verzückt mit der Pose des Rebellen."
Das
gesamtbürgerliche Lager ist noch kulturell gespalten:
"Das
bürgerliche Lager zerfällt in Reformbürger und Altbürger, und die
trennt mindestens so viel wie Kommunisten von Sozialdemokraten".
Daraus
resultiert das gesamtbürgerliche Dilemma:
"Das
bürgerliche Lager fordert von seinen Anhängern und Wählern,
schizophren zu sein.
Vertraue dem Markt, aber rechne mit seiner Willkür; plane
weitsichtig, aber riskiere alles; konsumiere aus vollen Händen, aber
sorge fürs Alter; suche das Neue, aber schätze die Tradition; denke
global, aber liebe deine Heimat; misstraue dem Staat, aber gehorche
ihm.
Der Neoliberale will, dass sich der Staat so wenig wie möglich in
die Wirtschaft einmischt, der Neokonservative will, dass der Staat
die Moral, die Familie, den Gemeinsinn schützt."
Im
Gegensatz zur
neobourgeoisen
FEDDERSEN-taz, findet SCHNIPPEN
für
Udo Di FABIO deutliche Worte:
"Zum
»Reformer des Jahres« haben die Initiative »Neue Soziale
Marktwirtschaft« und die »Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung« in
den letzten drei Jahren nacheinander den Steuerreformer Paul
Kirchhof, den Bierdeckelökonomen Friedrich Merz und
zuletzt den
Verfassungsrichter Udo Di Fabio gekürt. Die Wahl dieser Männer
sagt einiges über die Reformphantasie des bürgerlichen Lagers,
besonders der glückliche Familienvater Di Fabio, der strenge Bürger
mit dem Zweitagebart, beseelt von dem Gedanken, dass im
Kinderkriegen der Sinn der bürgerlichen Freiheit liege, ist so etwas
wie der
Peter Hahne
der Rechtsintellektuellen. Sein Buch »Die Kultur der Freiheit« ist
ein
Plädoyer für die Rückkehr der Heuchelei; den Deutschen empfiehlt
er den Kanon der Werte, an dem schon in den fünfziger Jahren die
bürgerlichen Familien scheiterten. Als im besten Fall
volksromantisch ist sein Glaube zu bezeichnen, man könne ein Volk zu
Werten und Sinn bekehren, mittels Debatten, Werbekampagnen oder
Fernsehserien. Die Überschätzung der Propaganda, der er erliegt, ist
die Umkehrung seiner Behauptung, die Deutschen seien von Hitler mit
allen Mitteln moderner Propaganda verführt worden."
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WORATSCHKA, Rainer (2006): Männer sind die Verlierer,
in: Tagesspiegel v. 02.01.
- Kommentar:
Bernd RAFFELHÜSCHEN, Lobbyist der Versicherungsindustrie,
kritisiert die Pflegeversicherung. Unisex-Tarife benachteiligen
insbesondere die jüngeren Männer, während sie die älteren Frauen
privilegieren.
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KLOEPFER, Inge (2006): Kinder - Armutsrisiko in Deutschland.
Zwei Einkommen sind nötig, um Kinder großzuziehen. Alleinerziehende
haben kaum eine Chance,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.01.
- Kommentar:
KLOEPFER versucht Kinder generell als Verlierer und
Kinderlose generell als Gewinner in unserer Gesellschaft
hinzustellen. Dies ist zwar politisch korrekt, aber entspricht nicht
den Tatsachen.
Tanja
MÜHLING weist dagegen in ihrer empirischen Untersuchung nach, dass
neben den Alleinerziehenden besonders
ältere Alleinlebende von Armut betroffen sind.
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MWE (2006): Ohne Kinder und meist allein.
Familienreport 2005: Wie die Deutschen leben,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 01.01.
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LINDNER, Martin (2006): Echolot Europas.
Ohne das EU-Statistikamt Eurostat wäre eine europäische Politik
kaum mehr möglich. Jetzt wollen sogar die Schweizer dabei sein. Ein
Behördenbesuch,
in: NZZ Folio, Nr.1, Januar
- Kommentar:
Im
Themenheft "Statistik" zeigt
LINDNER die Bedeutung des europäischen Statistikamts auf:
"Das
Zählen ist selbst bereits Politik". Diesen Kernsatz hat
single-dasein.de immer wieder belegt. Dies gilt insbesondere
auch für die
Bevölkerungspolitik und die
politische Konstruktion der Geburtenkrise.
"Das
Problem: Lassen sich etwa italienische Zahlen mit deutschen
vergleichen und einfach in derselben Tabelle addieren? Glaubt man
Marie Bohatá, ist das keine Frage der Genauigkeit, sondern der
Definitionen."
Auch
auf dieses Problem wurde hier immer wieder hingewiesen, wenn in den
Medien unseriöse internationale Vergleiche präsentiert wurden.
Gerade
die neue Demografiepolitik versucht hier durch
verzerrende Vergleiche der nationalen Bevölkerungsentwicklungen
Stimmungen gegen Kinderlose zu erzeugen.
Von
einer gemeinsamen statistischen Sprache ist die Europäische Union
noch weit entfernt, denn die Behörde führt keine eigenen Erhebungen
durch, sondern ist auf die nationalen Statistikämter angewiesen.
Deutschland erweist sich hier als ausgesprochen vormodern, wenn
nicht die Geburten pro Frau erhoben werden, sondern nur die
Geburten pro Ehe.
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FAULKNER, Ingeborg (2006): All-Eins-Sein,
in: Psychologie Heute, Januar
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- NEON (2005): "Ich bin ein
Kontrollfreak!"
Ehrliche Kontaktanzeigen.
Nichts als die Wahrheit, 13. Teil: NEON-Singles erzählen aufrichtig
von ihren Macken - und warum es sich trotzdem lohnt, sie kennen zu
lernen,
in: Neon, Januar
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- LUGERT, Verena (2006): Sinnsucher im
Surrealen.
Wer Haruki Murakami liebt, darf sich freuen: Es gibt eine Menge
japanischer Autoren, die sich ähnlichen Themen verschrieben haben,
in: Neon, Januar
- SIEGER, Nadine (2006): "Die Beach Boys
wissen alles über mich".
Der Soundtrack meines Lebens: In den Romanen des Bestsellerautors
Haruki Murakami ("Kafka am Strand", "Naokos Lächeln") geht es
ständig um Musik. Hier erzählt er, warum der Ton die Literatur
macht,
in: Neon, Januar
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GRIMM, Fred (2006): Wer ist Dr. Flöttmann?
Der Autor begab sich auf die Suche nach dem Herrn, der der FAZ als
Frauenexperte gilt - und geriet nicht schlecht ins Staunen,
in: Emma, Januar/Februar
- Kommentar:
Ein halbes Jahr nach dem FAZ-Artikel
"Der Wunsch nach
einem Kind" von Holger Bertrand FLÖTTMANN druckt die Emma
nun ein Porträt des Kieler Psychiaters.
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Literaturen-Titelgeschichte:
zu zweit.
Geschichten vom Paar |
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THOMÄ, Dieter (2006): Uns gibt es nur zu zweit.
Neue Wege beim Nachdenken über die Zweisamkeit: Der Mensch wird
erst als Paar zum Menschen, sagt Ferdinand Fellmann. Und Harry
Frankfurt macht die Liebe gegen Kosten-Nutzen-Abwägungen stark,
in: Literaturen Nr.1/2, Januar/Februar.
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LAU, Jörg (2006): Experimenteller Konservatismus.
Udo Di Fabios "Kultur der Freiheit",
in: Merkur Nr.681, Januar
- Kommentar:
Der Antifeminist
Jörg LAU sieht in
Udo Di FABIO die Ikone einer
neokonservativen, linken Bürgerlichkeit,
die endlich das Dilemma
des Konservatismus beseitigt:
"Deutschland
ist heute unter den großen westlichen Demokratien ein Sonderfall
darin, daß es hierzulande keinen Gesellschaftsentwurf rechts der
Mitte gibt, der als Gegenstand allgemeiner Debatten taugte.
Udo Di Fabio hat das Zeug, diese Lage zu verändern."
Was
ist so sexy an diesem Konservativen? Es hat weniger etwas mit Di
FABIO zu tun, sondern vielmehr mit der Art und Weise, wie er von
neubürgerlichen Journalisten zum Rebellen wider die Rebellen
stilisiert wird.
LAU
wendet hier die
gleiche Methode wie Jan FEDDERSEN an, um Di FABIO in jenen
neubürgerlichen Kreisen salonfähig zu machen, die sich immer noch
durch einen antibürgerlichen Affekt auszeichnen.
Diese
Art der Antibürgerlichkeit von der Stange, findet sich immer wieder
in dem Buch
"schöne junge welt" von Claudius SEIDL, das diesem Typus des
Neobourgeois ein Denkmal setzt.
Dieser
antibürgerliche Affekt ist gleichzeitig der Hebel, an dem die
Methode LAU und FEDDERSEN ansetzt, insofern Di FABIO zum typischen
antibürgerlichen Bürger stilisiert wird, und der Linke als wahrer
Spießer erscheint:
"Das
ursprünglich einmal reklamierte Lustprinzip, so Di Fabio, sei im
Zuge der Revolte »linksviktorianisch denaturiert worden, der
prickelnde Unterschied von Frauen und Männern geleugnet und unter
Diskriminierungsverdacht gestellt«."
Vor
diesem Hintergrund erscheint dann Kinderkriegen richtiggehend sexy!
Denn nichts anderes liegt den Sympathisanten des Udo Di FABIO mehr
am Herzen.
Nicht
wegen des Crashs der Sozialsysteme (völlig unsexy!), sondern weil
Kinderlosigkeit ein "Symptom der Lebensangst und der mangelnden
Vitalität ist".
Mit
dieser Logik lässt sich dann auch die nationalkonservative Position
der Einwanderungsgegner und fanatischen Unterjüngungs-Theoretiker
begründen:
"Warum
sollten sich
Migranten aus einer vitalen Herkunftskultur
in eine Gesellschaft
integrieren, die durch ihren Zeugungs- und Gebärstreik ersichtlich
macht, das sie nicht an sich selbst glaubt?"
Wer
von Zeugungs- und Gebärstreik spricht, der beruft sich dabei
implizit auf ein bestimmtes
demografiepolitisches Konzept, das
er jeder politischen Debatte entziehen möchte.
Wenn
jede Entgegnung darauf bereits als spießig gilt, dann ist die
kulturelle Hegemonie gesichert.
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DAHRENDORF, Ralf (2006): Versuchungen der Unfreiheit.
Die Intellektuellen in Zeiten der Prüfung,
in: Merkur Nr.681, Januar
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MÜNKLER, Herfried (2006): Der Wettbewerb der Sinnproduzenten.
Vom Kampf um die politisch-kulturelle Hegemonie,
in: Merkur Nr.681, Januar
- Kommentar:
Herfried MÜNKLER überträgt die
klassische machiavellische Elitetheorie auf die Gegenwart.
In
seinem Beitrag unterscheidet er 3 Modi der Gesellschaftssteuerung:
Liberalismus, Republikanismus und Fundamentalismus.
Diesen
3 Herrschaftstypen der Werteeliten, die durch unterschiedliche
Reichweiten ihrer Herrschaftssphäre gekennzeichnet sind, ordnet er 3
Modi der Sinnproduktion und -bewirtschaftung zu: Wettbewerb
(Liberalismus), Kampf (Republikanismus) und Letztverbindlichkeit
(Fundamentalismus).
Für
MÜNKLER ist die Zeit des Liberalismus und damit einer pluralistischen
Gesellschaft abgelaufen.
Nun
schlägt die Zeit des Republikanismus als Gegenpart zum (nicht nur
islamistischen) Fundamentalismus, denn:
"Die
auslagenförmige Präsentation unterschiedlicher Sinnangebote, aus denen
jeder Gesellschaftsangehörige das ihm Passende zusammenstellt, (...)
führt (...) zu sozialmoralisch desintegrierten Gesellschaften, die den
inneren wie äußeren Herausforderungen nicht gewachsen sind."
MÜNKLER
hat damit explizit zum
Kampf der Lebensstile aufgerufen, der
auf single-dasein.de bereits seit 5 Jahren als zentrales
Kennzeichen dieser Gesellschaft beschrieben wird.
Der
Modus des Kampfes zielt darauf ab, "daß eines der Sinnangebote sich
durchsetzt und danach Verbindlichkeit für die Gesamtgesellschaft
erlangt".
Damit
steht die Kategorie "Devianz" wieder auf der Agenda. Dies ist nicht
nur das Ende des Pluralismus, sondern auch der Differenz (mehr dazu
liefern HEATH & POTTER in ihrem Buch
"Konsumrebellen").
Was
dies bedeutet, beschreibt MÜNKLER folgendermaßen:
"Die
politischen Theorien des Republikanismus haben eine starke Vorstellung
davon, daß es Sinnproduzenten und Wertbewirtschafter gibt, die nicht
zum Wettbewerb um die gesellschaftliche Sinnstiftung zugelassen werden
dürfen, weil sie den gesellschaftlichen Grundkonsens zerstören. Sie
sind mit allen zulässigen Mitteln zu bekämpfen. Liberalität in dem
Sinne, daß jeder die Chance haben soll, seine Wertangebote und
Sinnvorstellungen anbieten zu können, ist nach republikanischer
Auffassung hier fehl am Platze."
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 25. -
31. Dezember 2005
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