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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
     
       
       
   

News vom 01.-15. Juli 2001

 
       
     
       
       
   
  • COSACK, Bettina & Klaus SCHROTTHOFER (2001): Ich bin immer ich.
    Doris Schröder-Köpf über Frauen ihrer Generation und das Leben als Kanzlergattin,
    in: Berliner Zeitung v. 14.07.
 
   
  • BOWLES, Samuel & Herbert GINTIS (2001): Die Gemeinschaft als Regelmechanismus.
    Das "soziale Kapital" zwischen Markt und Staat. Psychologische Grundlagen der Ökonomie IX,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 14.07.
 
   
  • HASELBERGER, Stephan (2001): Kuhn: Wir sind die Kinderpartei.
    Der Grünen-Vorsitzende ruft zur Mäßigung bei der Debatte über das neue Grundsatzprogramm,
    in: Welt v. 14.07.
    • Interviewauszug:
      "DIE WELT: Kinder und Familie spielen in dem Programmentwurf eine herausgehobene Rolle, aber keine Hauptrolle, wie von einer Reihe junger Grüner gefordert. Warum nicht?
                  Kuhn: Wir sind die Kinderpartei, daran gibt es keinen Zweifel. "Wir haben die Erde nur von unseren Kindern geborgt" - dieser Spruch war für uns vor 20 Jahren von zentraler Bedeutung und ist es heute noch. Das findet sich in dem Programm auch an vielen Stellen wieder. Wir machen Kinderpolitik, aber nicht als Lobbypolitik für Lebensgemeinschaften mit Kindern gegen Menschen, die keine Kinder haben. Alle haben etwas davon, wenn es den Kindern gut geht."
 
     
     
   
  • KNA/WAZ (2001): Es geht auch ohne Familie.
    Die Ich-Gesellschaft als Ausdruck von Einsamkeit und Isolation? Der Münchner Sozialpsychologe Heiner Keupp widerspricht dieser Betrachtung und warnt vor "gesellschaftsdiagnostischen Schnellschüssen",
    in: WAZ Wochenende v. 13.07.
    • Inhalt:
      Der Sozialpsychologe Heiner KEUPP widerspricht der These vom Niedergang des Sozialkapitals. Jüngere haben eine neue Form des sozialen Engagements entwickelt:
                  "Menschen in ähnlicher Lebenslage kümmerten sich verstärkt umeinander.
                  Das Gute: Die Hilfe erfolge freiwillig und weniger aus dem Gefühl der Verpflichtung heraus, das durch traditionelle Gemeinschaftsbindungen entstehe. Die neuen Beziehungen beschreibt KEUPP als zwangloser, vielseitiger und beweglicher. Und: Sie seien weniger von einem 'moralisch aufgeladenen Helferpathos' geprägt".
 
   
  • HEISE, Sebastian (2001): Singles trainieren richtigen Einkauf.
    Kampf gegen eine einseitige Ernährung,
    in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 13.07.
    • Inhalt:
      Ernährungshilfe für die Zielgruppe Yettie, Nerd und allein lebende Karrierefrau.
 
   
  • BURGHARDT, Peter (2001): Deutsche Rentner auf Mallorca: „Manchmal ist es furchtbar hier“
    Die Liebe zum Süden kommt in die Jahre. Warum im Sonnenparadies die alternden Menschen eher zu einer Belastung werden könnten als die Kampftrinker und die neuen Grundherren,

    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.07.
    • Kommentar:
      Am 16.05.2001 hat sich Georg KLEIN in der Frankfurter Rundschau mit heimatlosen deutschen Rentnern auf Fuerteventura beschäftigt und BURGHARDT hat nun zwei dieser Exemplare auf Mallorca aufgetrieben. Die Einschätzung eines Pfarrers dazu:
                  "Ohnehin sind die Deutschen zwischen Port d’Andratx und Cala Ratjada für ihn ein soziologisches Phänomen. Ahnert entdeckt 'ein hohes Maß an Individualität und wenig Bindung', er beobachtet 'eine Atomisierung der Gesellschaft', man sei da auf Mallorca 'eine Generation weiter als in Deutschland'".
                  Mallorca als Vorgeschmack auf das zukünftige Deutschland? Da werden selbst Ballermänner (Saufen ist wenigstens eine Gemeinschaftsveranstaltung) und Villenbewohner (Reiche liegen dem Sozialstaat nicht auf der Tasche) zu besseren Deutschen.
 
   
  • Nouvel Observateur-Titelstory: "Le retour des pères",
    in: Nouvel Observateur Nr. 1914 v. 12.07.2001
    • Kommentar:
      Während in Deutschland aufgrund der Väterkampagne des Familienministeriums das Thema "Vaterlosigkeit" im Vordergrund steht, hat man in Frankreich die "Neuen Väter" entdeckt.
 
     
   
  • MARKL, Hubert (2001): Weniger sind mehr.
    Die Bevölkerung reicher Länder schrumpft, die armer Staaten wächst. Was tun?
    in: Tagesspiegel v. 12.07.
    • Inhalt:
      MARKL kann nicht einerseits die Geburten in armen Staaten als "Schadensereignisse" verdammen und andererseits die Geburten in den reichen Ländern als "wertvollstes Gut" begrüßen, deshalb formuliert er das widersprüchliche Ziel weltweiter Bevölkerungspolitik folgendermaßen:
                  "Ein Fünftel der Menschheit braucht dringend mehr, vier Fünftel brauchen dringend weniger Nachkommen - aber alle brauchen sie genügend Nachkommen, um der gesamten Menschheit einen langsam gleitenden, sozial und politisch beherrschbaren Übergang von einem Wachstumspfad zu einem Stabilisierungszustand und - voraussichtlich in einigen Jahrhunderten - zu langsamem Absinken auf eine auf viele Jahrtausende hinweg nachhaltig erhaltungsfähige Populationsgröße zu ermöglichen".
                  MARKL geht von einem linearen Modernisierungsprozess aus, d.h. die armen Staaten werden künftig vor den gleichen Problemen stehen wie die westlichen Industrieländer:
                  "Die unvermeidlichen demographischen Veränderungen der Menschheit, nämlich immer mehr alte, versorgungsbedürftige, oftmals auch kranke Menschen, die von immer weniger jungen Menschen durch deren Arbeitsleistungen mitversorgt werden müssen, werden künftig die Sozialversorgungssysteme aller Nationen, so wie heute schon in wachsendem Maß jene der hochentwickelten Länder, schwer belasten."
                  Sein Rezept: Steigerung der wirtschaftlichen Pro-Kopf-Produktivität bei gleichzeitiger Steigerung der Ressourceneffizenz.
 
   
  • LANGE, Wolfgang (2001): Der Amok-Mann.
    Maxim Biller tobt wider die Deutschen,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 12.07.
 
   
  • BRIGITTE-Dossier: "Glücklich ohne Kind?".
    Ein Kind, ja oder nein? Noch nie war es für Paare so einfach, sich zu entscheiden. Denn medizinisch ist - fast - alles möglich. Doch je planbarer ein Kind ist, desto komplizierter wird die Frage, was zu einem erfüllten Leben wirklich dazugehört,
    in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.

    • MERTENS, Diane (2001): Hört auf zu nerven!
      Ihre Beziehung ist liebevoll. Sie gehen in ihren Berufen auf. Ganz gelassen haben sie sich für ein Leben ohne Kind entschieden. Was bei Familie und Freunden nichts als Unverständnis hervorruft,
      in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.
      • Kommentar:
        "Wird dachten, dass Leben ohne Kinder im Jahr 2001 einfach nur eine von zwei Möglichkeiten wäre. Dachten, Kinderlosigkeit wäre so etwas wie ein gesellschaftlicher Großtrend, schließlich sagen heute schon elf Prozent der Frauen über 35, dass ohne Kind zu leben für sie der ideale Zustand ist. Wir dachten, keinen Nachwuchs zu haben sei sozial akzeptiert in einer Gesellschaft, die die Single-Kultur pflegt und den individuellen Lebensentwurf propagiert. Wir irrten. Kinderlosigkeit gilt noch immer als Makel."
                    Kindersache eine Privatsache? Dagegen wettern die Sozialpolitiker bereits seit Ende der 80er Jahre. Kaum zu glauben, dass ein Kinderloser das nicht mitbekommen hat. Auf der anderer Seite kommen hier zwei Aspekte zusammen: zum einen, dass die Frau in jenes Alter gekommen ist, in dem die soziale Umwelt größeren Druck ausübt und zum anderen die Medienkampagne gegen Singles.
    • GERSTBERGER, Beatrix (2001): Wer sagt eigentlich, dass Kinder glücklich machen?
      Schlaflose Nächte, Stress mit dem Partner. Wir waren bereit, das alles in Kauf zu nehmen für Momente glucksender Seligkeit. Doch manchmal wollen wir es zurückhaben, unser altes Leben,
      in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.
      • Kommentar:
        Das Skript dieser Story entstammt der Studie des Münchners Familiensoziologen Wassilios FTHENAKIS, der im Auftrag der Bausparkasse LBS die Kinderwünsche untersucht hat.
    • HAEGELE, Anja (2001): Sie wollten immer ein Kind - als Krönung ihrer Liebe. Doch bis jetzt blieb ihnen dieser Wunsch versagt. Noch fällt es Britta und Ingo schwer, ihre Träume vom Glück zu dritt aufzugeben,
      in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.
    • HARRIET, Wolf (2001): Warum Frauen auf ein Leben mit Kindern verzichten.
      Es ist keineswegs so, dass sie Kinder nicht mögen. Aber sie haben sich einfach anders entschieden, und sie stehen absolut zu ihrem Entschluss,
      in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.
      • Kommentar:
        Fünf Kinderlose kommen zu Wort. Vier Frauen arbeiten in modernen Berufen, ob es sich nun um eine selbständige Verlagskauffrau, Architektin, Sängerin oder Journalistin handelt. Sie gehören zur postfeministischen Generation Golf. Die 5. Frau repräsentiert dagegen die 70er-Jahre-Feministin und ist Frauenbeauftragte.
                    Diese Frauen repräsentieren also genau jene Milieus, die im Mittelpunkt des Medieninteresses stehen, wenn es um freiwillige Kinderlose geht. In ihren Begründungen stehen deshalb auch Selbstverwirklichung und Unvereinbarkeitsthemen im Vordergrund.
                    Daneben ist jedoch auch das traditionelle Mutterbild dieser Frauen für die Kinderlosigkeit mitverantwortlich. Was Barbara VINKEN als "deutsche Mutter" bezeichnet, das hindert einige dieser Frauen daran, dass sie Kinder bekommen haben:
                    "hätte ich eins, wollte ich die ersten drei bis vier Jahre ganz intensiv mit ihm sein. In einem geborgenen und behüteten Umfeld, denn Kinder haben Anspruch auf Zuwendung (...). Ich weiß nicht, ob ich dieser Rolle gerecht werden könnte".
    • WOLF, Harriet (2001): Brief an ein nie geborenes Kind.
      Eine Frau nimmt Abschied von ihrem Lebenstraum - einem Kind,
      in: Brigitte Nr.15 v. 11.07.
      • Kommentar:
        Das nicht geborene Kind heißt bezeichnenderweise Felix, d.h. der Glückliche! Die Geschichte handelt von einer Frau, die nicht den passenden Partner für ein Kind gefunden hat.
 
   
  • HORRMANN, Heinz (2001): Der verflixte dritte Urlaubstag.
    Psychologen haben herausgefunden, warum sich Paare in den Ferien auseinander leben,
    in: Welt v. 11.07.
    • Kommentar:
      Jede dritte Scheidung wird nach einem gemeinsamen Urlaub eingereicht. Das ist die simple Statistik. Welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind, das ist die andere Sache. Sollte man also gar nicht erst in Urlaub fahren? Nein, sagen die Psychologen im Einklang mit der Tourismusbranche und verordnen den Paaren im Urlaub gut dosiertes Single-Dasein in Form von getrennten Programmen.
                  Single kann sich da nur wundern, denn angeblich ist ja gerade die Nähe der entscheidende Vorteil, den zusammenwohnende Paare gegenüber den Singles haben sollen. Wer nur Nähe kennt, der könnte aber mit der Aufforderung zum "Single-Dasein" erst recht überfordert sein.
                  Wenn Scheidungen nach dem Urlaub und nicht davor eingereicht werden, muss dann die Ursache im Urlaubsverlauf gesucht werden oder ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass die Ehe vorher schon kaputt war?
 
   
  • HASELBERGER, Stephan (2001): Grüne wollen im Wahlkampf nicht die Partei der Familie sein.
    Kerstin Müller: Kinder keine Klammer für Politik,
    in: Welt v. 11.07.
    • Kommentar:
      Nach dem Imageverlust der Partei (siehe TAZ vom 10.07.2001) regt sich erster Widerstand gegen den geplanten Imagewandel der Grünen zur Familienpartei.
                  Eine rein ablehnende Haltung wie jene von Kerstin Müller ist jedoch keine Lösung. Leerformeln wie "Grüne als Partei des sozialen Interessenausgleichs" helfen da kaum weiter.
                  Gefordert ist eine Programmatik, die nicht auf eine polarisierende Begrifflichkeit setzt (Familien- versus Single-Haushalte), sondern soziale Beziehungstypen, generationentypische Lebensläufe und alterstypische Lebensphasen berücksichtigt. Solange diese gesellschaftliche Debatte nicht geführt wird, werden die politischen Parteien ihre veralteten Familienbegriffe nicht aufgeben.
 
     
   
  • SCHLIESSELBERGER, Helmut (2001): Zukunftstrends mal zehn.
    Freunde statt Familie, Leistung als Lebenssinn, Ausgrenzung durch neue Technologien. Die Zukunft hat laut Trendforscher Opaschowski begonnen,
    in: Salzburger Nachrichten v. 10.07.
    • Kommentar:
      Der Freizeitpädagoge Horst OPASCHOWSKI ist bei den Trendforschern der Gegenspieler von Matthias HORX. Sieht HORX nur die positiven Seiten der "Individualisierung", so thematisiert OPASCHOWSKI nur die negativen Seiten dieses angesagten Trends.
                  Der Freizeitpädagoge setzt Individualisierung mit Vereinzelung gleich:
                  "Immer mehr Menschen leben und wohnen allein. Seit 1900 hat sich der Anteil der Einpersonenhaushalte von 7% auf 35% verfünffacht. Hauptursachen: Soziale Aufwertung des Alleinlebens; Aufschub der Familiengründung; gestiegene Mobilitätsanforderungen; verlängerte Ausbildungszeiten.
                  Für die Zukunft ist mit einer weiteren Zunahme dieser Lebensform zu rechnen. Noch Mitte der 80er Jahre waren Familie sowie Ehe und Partnerschaft die persönlich wichtigsten Bereiche im Leben. Jetzt haben erstmals die Freunde und der Bekanntenkreis der Familie den Rang abgelaufen. Singles sind die 'Hätschelkinder der Konsumgesellschaft, weil sie den Konsum anheizen'. Aber wer keine feste private Beziehung mehr wagt, könne in Zukunft auch keine soziale Geborgenheit mehr erwarten."
                  Der Fehlschluss dieser Trendaussage beruht darauf, dass der statistische Begriff "Einpersonenhaushalt" mit dem Beziehungsbegriff "Partnerlosigkeit" gleich gesetzt wird und ein Gegensatz von Familie und Single-Dasein konstruiert wird.
                  Der Mainzer Soziologe Norbert F. SCHNEIDER (siehe Allgemeine Zeitung Mainz vom 23.06.2001) spricht dagegen von einer "paarorientierten Gesellschaft" und die Forschungen zur "multilokalen Mehrgenerationen-Familie" zeigen, dass Single-Dasein und Familie kein Gegensatz sein muss.
 
     
   
  • KÖNIG, Jens (2001): Zwei gute Gründe Angst zu haben,
    in: TAZ v. 10.07.
    • Kommentar:
      "Fischer hat seine Partei aufgefordert, mit fünf einfachen, plakativen Losungen in den Bundestagswahlkampf zu gehen: die Grünen als Partei der Energiewende, des Verbraucherschutzes, der Zuwanderung, der kinderfreundlichen Gesellschaft und als Europapartei."
                  Wer möchte nicht eine kinderfreundliche Gesellschaft? Aber wenn das heißt, dass dazu Familien und Generationen gegeneinander ausgespielt werden müssen, dann sollte dies misstrauisch machen. Die familienpolitische Wende der Grünen setzt auf die Polarisierung "Familien contra Singles" und nicht auf einen Familienbegriff, der allen Altersgruppen gerecht wird. Die Grünen bleiben damit familienpolitisch eine Ein-Generationenpartei.
 
   
  • FOCUS-Coverstory "Erste Liebe"

    • BÖCK, Ingrid (2001): Zwischen Unschuld und Unzucht.
      Jugendliche werden immer früher geschlechtsreif. Verlagert sich die Liebe ins Kinderzimmer? Wissenschaftler diskutieren über Teenagersex,
      in: Focus Nr.28 v. 09.07.
    • FROMME, Claudia (2001): Ahnungslos voll Lust.
      Deutsche Teenager gehören international zu den sexuell Aktivsten, bei Schwangerschaften und Abtreibung liegen sie in der Statistik hinten,
      in: Focus Nr.28 v. 09.07.
    • VARGA, Simone (2001): Immer früher Sex.
      Untersuchungen belegen, dass sich die Sexualreife der Deutschen sowie der Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs stark vorverlagert haben,
      in: Focus Nr.28 v. 09.07.
    • VARGA, Simone (2001): Zur Sache, Herr Professor!
      Sexualpädagoge Norbert Kluge über die Verantwortung der Eltern im Umgang mit ihren frühzeitig geschlechtsreifen und sexuell aktiven Kindern,
      in: Focus Nr.28 v. 09.07.
    • FOCUS (2001): Romantik und Selbstinszenierung.
      Wissenschaftler Volkmar Sigusch beschreibt das jugendliche Liebesleben als wertorientiert. Es zählen Vertrauen und Treue, von Promiskuität keine Spur,
      in: Focus Nr.28 v. 09.07.
    • ROHLEDER, Jörg (2001): Mit frivolen Beats ins Bett.
      Nie war Popmusik so schamlos und direkt wie heute: Musikalisch werden Teens über Treue, Sex und die Penislänge aufgeklärt,
      in: Focus Nr.28 v. 09.07.
      • Kommentar:
        Seit 1980 wird im Auftrag des Bundesfamilienministeriums und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung das Sexualverhalten der Jugendlichen erforscht. Anstoß war nach VARGA die Zunahme der Teenagerschwangerschaften in den siebziger Jahren.
                    Die American Public Health Association führt nach BÖCK frühen Sex auf die irrtümliche Annahme der Teenager zurück, dass ihre Altersgenossen bereits Geschlechtsverkehr vollzogen.
                    Der gleiche Mechanismus führt jedoch dazu, dass wissenschaftliche Befragungen zu einem solchen Thema mehr mit der öffentlichen Debatte und den Vorstellungen unter Gleichaltrigen zu tun haben dürften als mit dem tatsächlichen Sexualverhalten der Jugendlichen.
                    Der Focus bedient deshalb mit Norbert KLUGE (Position: Aufgrund der "medialen Sexflut" ist mit vermehrtem Geschlechtsverkehr, und damit mit vermehrten Kinderschwangerschaften und Abtreibungen bei Jugendlichen zu rechnen) und Gunter SCHMIDT (Position: Die Medien sind verantwortlich für das sexuelle Desinteresse der Jugendlichen) die ganze Spannbreite elterlicher Befürchtungen.
                    Volker SIGUSCH vertritt dagegen den liberalen Mittelweg, wonach Jugendliche vor der Ehe "serielle Monogamie" praktizieren.
 
   
  • HAGER, Angelika (2001): Patient Mann.
    Geschlechtertheorie. Mann, wo bist du? Als Feindbild der Frauenbewegung hat der Mann ausgedient. Jetzt erklären ihn Feminismus und Psychologie zum lukrativen Krisengebiet,
    in: Profil Nr.28 v. 09.07.
  • PROFIL (2001): "Männer sind einander die größten Feinde".
    Amerikas Feminismus-Ikone Susan Faludi setzt sich in ihrem neuen Buch "Das betrogene Geschlecht" mit der Krise des Mannes auseinander. Ein Gespräch über Schmerzen, Begehren und die Kultur der Prothesen,
    in: Profil Nr.28 v. 09.07.
    • Inhalt:
      Susan FALUDI möchte die alten Ziele des Mittelschicht-Feminismus mit neuen Mitteln erreichen. Um einen Stillstand der Frauenbewegung zu verhindern, fordert sie einen Paradigmenwechsel. Nicht mehr das Feindbild Mann ist gefragt, sondern die Koalition mit Männern, die mit den Zielen der Frauenbewegung sympathisieren. FALUDI definiert den Feministen deshalb folgendermaßen:
                  "Feminist sein heißt, sich um die Fürsorge einer Gemeinschaft zu kümmern: um gute Kinderbetreuung für berufstätige Frauen, um gute Gehälter für Frauen."
 
   
  • ADAM, Konrad (2001): Freiheit statt Emanzipation.
    Die SPD und die jungen Mütter,
    in: Welt v. 09.07.
 
   
  • HAHNE, Peter (2001): "Der deutsche Sozialstaat ist ungerecht".
    Nobelpreisträger James Heckman kritisiert das schleppende Reformtempo der europäischen Wohlfahtsstaaten,
    in: Welt v. 09.07.
 
   
  • LAU, Mariam (2001): Der Fisch braucht doch ein Fahrrad.
    Ehemann oder Hund? Das Elend des Postfeminismus im Spiegel neuer Ratgeber,
    in: Welt v. 07.07.
    • Kommentar:
      Mariam LAU hat die gegenwärtige Ehefrauenliteratur durchgesehen, nichts Brauchbares gefunden und endet deshalb mit einem Trost für die Eheunzufriedenen:
                  "die Ehe ist (...) die vernünftigste Art, in der Welt zu leben und zugleich ein höchst unwahrscheinliches Unterfangen."
 
   
  • SIMONIS, Heide (2001): Die Party mit sich selbst.
    Oder: Wo bleiben in der Wissensgesellschaft das "soziale Kapital" und die Chancengleichheit?
    in: Frankfurter Rundschau v. 07.07.
    • Kommentar:
      SIMONIS sieht in der Tradition von Robert D. Putnam ("Bowling alone") auch in Deutschland das soziale Kapital gefährdet:
                  "Zu einer Unterversorgung mit Sozialkapital kommt es, wenn mehr und mehr Bürgerinnen und Bürger einen Lebensstil pflegen, der sich durch eine Fixierung allein auf sich selbst auszeichnet. Liquiditätsengpässe entstehen, wenn persönliche Kontakte, Zusammengehörigkeitsgefühl, soziales und politisches Engagement in Gruppen, Vereinen, Parteien und Verbänden seltener werden. Gesellschaftlicher Konkurs droht, wenn die Familie und die Nachbarschaft als vertrauensvolle, Sicherheit gebende, Fixpunkte an Bedeutung verlieren und durch nichts anderes ersetzt werden."
                  SIMONIS sieht im Internet keine Chance, sondern den Untergang des Sozialkapitals, denn dadurch wird die "Ich-Bezogenheit" gefördert. Solch naive Technikfeindlichkeit gipfelt dann in Verballhornungen wie : "SMS, short message service, (...) zu 'single meets single'" Die Rettung liegt dagegen in der zivilgesellschaftlichen Aufwertung des Sozialkapitals.
 
   
  • MUNKER, B. (2001): Partnerwahl in sieben Minuten.
    Beim Speed-Dating können Singles statt unnötig ausgedehnter Einzel-Verabredungen 15 Kontakte an einem Abend abhaken,
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.07.
 
   
  • KRAUEL, Torsten (2001): Das Ende der "Spaßgesellschaft".
    Die Unverbindlichkeit geht zu Ende. Ihr folgt aber kein neuer Konservatismus alter Prägung,
    in: Welt v. 06.07.
    • Kommentar:
      KRAUEL gehört wie Matthias HORX zu den glücklichen Globalisierern. Sein Credo ist die Koalition der Individualisierungs- und Globalisierungsgewinner, die Wertkonservatismus mit Modernisierung kreuzen:
                  "Der ideale Staatsbürger, der seine Tarifbezahlung am Weltmarkt misst und sich der Verantwortung für die Bevölkerungsstruktur bewusst ist, kann genauso gut einer klassischen Familie angehören wie einem verheirateten lesbischen Paar, das aus demographischer Einsicht Kinder in vitro hat zeugen lassen, dem christlichen Glauben anhängt und ein Dreiliterauto fährt."
                  So viel Harmonie findet sich ansonsten nur noch bei David BROOKs "Bobos in Paradis". Besteht bei den neuen Eliten Konsens, so wird die Jugend kritisch beurteilt. Der Antikapitalismus der Globalisierungsgegner ist für KRAUEL Ausdruck eines Generationenkonflikts:
                  "Die Jungen (...), die nichts als den weltweit entfalteten Kapitalismus kennen, wehren sich gegen diese neue Totalität. Sie suchen Alternativen gegenüber dem wertfrei expandierenden Kapitalismus, dessen Fakten sie überrollen. Sie irritiert der große gesellschaftliche Konsens, die Marktwirtschaft sei die logisch zwingende beste aller schlechten Wirtschaftsformen."
 
   
  • KROBATH, Michael (2001): Aufgeschlossen bis zum letzten Knopf,
    in: Weltwoche Nr.28 v. 05.07.
    • Inhalt:
      KROBATH berichtet über die zunehmende Sexualisierung der Jugend, die ihren Anfang mit dem Siegeszug des Techno in den neunziger Jahren genommen hat:
                  "Nach der Totalverweigerung der No-Future-Kids und der Generation X, begann damals jene grosse Party, die bis heute gefeiert wird: das Zelebrieren des eigenen Körpers. Längst üben Madonna und Jennifer Lopez, Robbie Williams und die drallen Silikon-Lebensretterinnen der TV-Serie 'Baywatch' erzieherische Macht über die Kids aus und setzen Standards, was Aussehen, Verhalten und Einstellungen angeht. Waren früher in der Pubertät politische Statements hoch im Kurs, zählt heute nur noch eins: Schönheit. Und Schönheit bedeutet, gesund und sexy zu sein."
                  Mit der "aesthetic correctness" geht nach KROBATH eine neuer Hypermoralismus einher:
                  "Gemäss verschiedenen Untersuchungen glauben die Kids wieder an traditionelle Werte, wie Enthaltsamkeit, Ehe und Familie. Auf den Punkt gebracht hat dieses Credo der neuen Keuschheit ausgerechnet die amerikanische Popsängerin Britney Spears, die grosse Schwester aller bauchfreien Teenager. Nach ihrem Liebesleben befragt, gab die 19-Jährige zu Protokoll: 'No sex before marriage.'"
 
   
  • ROSS, Jan (2001): Kleines Lob der Rezession.
    Erfindungsreiche Armut prägte die Nachkriegszeit. Den Glauben an die Chancen des Mangels haben wir allerdings verloren. Warum eigentlich? Heute könnte er wieder nützen,
    in: Die ZEIT Nr.28 v. 05.07.
    • Kommentar:
      Jan ROSS sieht den zeitgenössischen Wohlstand durch die Integration von Widerspruch, Distanz und Gewissen geprägt:
                  "Die Symbolgestalt dieser Jahre hat der amerikanische Journalist David Brooks geschaffen mit dem 'Bobo', der Kombinationsfigur aus Bourgeois und Bohemien, kapitalistischen Erfolg und alternative Sensibilität harmonisch verbindend: viel Geld verdienen, aber ohne Schlips in die Firma gehen und bei 'Amnesty' Mitglied sein."
                  Der Bobo ist für ROSS Vorbote eines neuen Spießertums:
                  "ein Syndrom aus materieller und moralischer Selbstzufriedenheit. Scheinbar abenteuerlustig und zu jeder neuen Herausforderung bereit, waren der Prototyp der fetten Clinton-Jahre und seine europäischen Verwandten in Wahrheit im Kern bequem."
                  Ross wünscht sich deshalb die Wiederkehr der 70er Jahre, denn Krisen regen zum Denken an. Petra STEINBERGER (siehe SZ vom 05.07.2001) sieht das dagegen anders. Beide stimmen jedoch darin überein, dass die 80er Jahre ( von ROSS erwünscht und von STEINBERGER bedauert) die logische Konsequenz der 70er Jahre waren.
 
   
  • KLINGST, Martin & Werner A. PERGER (2001): "Wir müssen uns öffnen".
    Wie soll die Reform des Zuwanderungsrechts aussehen? Fragen an Rainer Münz, Bevölkerungswissenschaftler und Mitglied der Süssmuth-Kommission,
    in: Die ZEIT Nr.28 v. 05.07.
 
   
  • LEGGEWIE, Claus (2001): Hochmobile Kohorten.
    Schachzüge und Rotationen: Mit dem Ende der Zaghaftigkeit kommt die Einwanderungsdebatte in der globalisierten Wirklichkeit an,
    in: Frankfurter Rundschau v. 05.07.
 
     
   
  • STEINBERGER, Petra (2001): Prüder zur Sonne.
    Kitsch hat Folgen: Wie die langen siebziger Jahre Amerika verändert haben,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.07.
    • Kommentar:
      Am 28.05.2001 hat sich Louis MENAND im New Yorker mit dem Versuch, die 70er Jahre aufzuwerten, beschäftigt. Seit Tom WOLFE sprechen die Kritiker der 70er Jahre von der "Me-Decade". STEINBERGERs Sicht schliesst daran an:
                  "Die Sucht nach Individualität hat die Ideale der Sechziger in den Siebzigern vollendet und verdreht."
 
   
  • THÜRINGER ALLGEMEINE (2001): Viele Singles mit Wohngeld,
    in: Thüringer Allgemeine v. 04.07.
    • Inhalt:
      Die Hälfte der ca. 97.000 Haushalte in Thüringen, die Wohngeld beziehen, sind Ein-Personen-Haushalte. Das ist jeder siebte "Single-Haushalt".
 
   
  • SESSIONS, Laura (2001): Tagebücher für jedermann,
    in: Welt v. 04.07.
    • Inhalt:
      SESSIONS berichtet aus den USA über Motive ein Online-Tagebuch zu führen. Der Anlass kann z.B. sein, dass ein Freund in eine andere Stadt zieht, und man weiterhin Kontakt halten möchte. Online-Tagebücher bieten vor allem Teenagern ein Forum. Es ist zwischen kurzlebigen Nachrichten per Handy und aufwendigen Chats angesiedelt. Nicknames ermöglichen Anonymität.
 
   
  • HANDKE, Sebastian (2001): Keine andere Wahl, als zu wählen.
    Schriften zu Zeitschriften: Das neue "Kursbuch" macht einen Reigen auf von der Lebensliebe, den Spermienbanken und der olfaktorischen Damenwahl bis hin zu Traumhochzeiten, lesbischen Möwen und möglichen Ehe-Alternativen
    in: TAZ v. 04.07.
    • Kommentar:
      HANDKE rezensiert das Kursbuch 144 "Liebesordnungen", das wenig Neues zu einem alten Thema bietet.
 
   
  • BRAUN, Michael (2001): Das Weltei der Geschlechter.
    Georg Klein, Julia Franck, Wilhelm Genazino und Thomas Meinecke in Sulzbach-Rosenberg bei einem literarischen Wochenende über "Frauen und Männer"
    in: Frankfurter Rundschau v. 04.07.
    • Kommentar:
      BRAUN zieht ein ernüchterndes Fazit:
                  "Eine neue sinnliche Gewissheit der Literatur über 'Frauen und Männer' ist indes nicht in Sicht. Wir werden uns bis auf weiteres auf Reprisen und Variationen einstellen müssen."
                  Der Maßstab von BRAUN ist der Macho, dessen Denken um Einsamkeit und Liebe als ekstatischem Ausnahmezustand kreist. Dagegen sind den gegenwärtigen Protagonisten die Liebe abhanden gekommen und das Scheitern übriggeblieben. Als Beispiel für den "männlichen Sozialisationstyp" werden die "Helden" von Wilhelm GENAZINO angeführt.
 
   
  • SCHULLER, Alexander (2001): Hellas in der Doppelhaushälfte.
    Eltern und Kinder brauchen einander nicht mehr. Über den Tod der Familie,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.07.
    • Kommentar:
      Ein Berliner Soziologe präsentiert eine Zerfallsgeschichte mit allen gängigen Zutaten: Gewalttätige oder bestenfalls egoistische Kinder statt Kinder, die auf ihre Eltern hören; berufstätige Rabenmütter statt liebevolle Hausmütter, machtloser Hausherr statt Paschatum, technische Revolution statt Altersweisheit, Selbstverwirklichung statt Gemeinwohl, schulische Wissensvermittlung und Medienvorbilder statt Elternautorität, Emanzipation statt Herr im Haus, Gebärstreik statt Generationenvertrag, familieninterner Generationenkampf statt Abhängigkeit der Kinder von den Eltern. Heilige Vormoderne statt teuflischer Moderne. Ein Gekränkter möchte zurück in die Zukunft...
 
   
  • GERMIS, Carsten (2001): Neues Erziehungsgeld nach der Wahl?
    Die SPD will mehr Geld für Mütter, Väter und Kinder - und stellt deshalb das Ehegattensplitting auf den Prüfstand,
    in: Tagesspiegel v. 03.07.
  • MONATH, Hans (2001): Kindgerecht.
    Die SPD macht der Union das Wahlkampfthema Familie streitig - den Grünen auch,
    in: Tagesspiegel v. 03.07.
    • Kommentar:
      Die SPD segelt auf dem Zeitgeist, der in der Familie einen "Ort der Geborgenheit in einer Welt rasender Veränderungen" sieht. Peter GLOTZ hat diese Entwicklung in seinem 1999 erschienenen Buch "Die beschleunigte Gesellschaft. Kulturkämpfe im digitalen Kapitalismus" beschrieben und Michel HOUELLEBECQ hat diese Sehnsucht nach Familie zum Thema des Buches "Elementarteilchen" gemacht. Die Romantisierung der Familie geht mit einem Paradigmenwechsel einher: Familie soll nicht mehr als Objekt staatlicher Fürsorge begriffen werden, sondern als DER Leistungsträger der Gesellschaft. Nicht mehr die "Problemfamilien" von Alleinerziehenden stehen deshalb im Mittelpunkt, sondern die Kernfamilien der Neuen Mitte. Für MONATH ist mit diesem Politikwechsel notwendigerweise auch ein Personalwechsel verbunden.
 
   
  • WESSELOH, Julia (2001): Künftige Wähler: SPD entdeckt Kinder.
    Leitantrag für den SPD-Parteitag: Das Ehegattensplitting soll umgestaltet, die Elternzeit besser bezahlt werden,
    in: TAZ v. 03.07.
 
   
  • HELLSTRÖM, Mats (2001): Deutschland hinkt hinterher.
    In Schweden sind längst 80 Prozent der Frauen berufstätig. Denn Kinder und Alte können außerhalb der Familie betreut werden, Ehefrauen sind steuerlich nicht begünstigt,
    in: TAZ v. 03.07.
    • Kommentar:
      Wenn Familienpolitiker auf Schweden zu sprechen kommen, dann kommen sie meist ins Schwärmen, aber ganz so rosig sieht es dort mit der Elternzeit auch nicht aus:
                  "'Vatermonat/Muttermonat', der beiden Eltern zusteht, aber nicht auf den Partner übertragbar ist. Ab dem Jahr 2002 kommt dann noch ein weiterer Monat hinzu. Wird dieser nicht ausgenutzt, verfällt er ganz. Allerdings ist es schon jetzt so, dass nur 50 Prozent der schwedischen Männer von ihrem Vatermonat Gebrauch machen. Zudem sind es - anders, als man in Deutschland manchmal von den schwedischen Männern glaubt - lediglich zehn Prozent, die ihr Recht auf Elternzeit vollständig ausnutzen.
                  Auch manches schwedische Unternehmen hat inzwischen begriffen, dass seine Familienpolitik ein entscheidender Faktor bei Neueinstellungen ist. So garantieren die Firmen ihren wichtigeren Mitarbeitern, dass sie die Differenz zwischen dem staatlichen Elterngeld und dem Gehalt ausgleichen, damit kein Verlust entsteht und man die Elternmonate wirklich genießen kann. Dennoch gibt es leider immer noch viele Männer, die Angst um ihre Karriere haben und auf dieses Angebot verzichten. Daher ähnelt die schwedische Situation dann doch der deutschen."
 
   
  • BECKER, Astrid (2001): Kuchen für das Gemeinwohl.
    Beruf und Familie in Zeiten der Ich-Gesellschaft ,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.07.
    • Kommentar:
      Susanne MAYER, Zeit-Redakteurin, Jürgen SATTARI, Ehrenamtlicher Bundesvorstandssprecher von Robin Wood, die Soziologin Betty SIEGEL und der Unternehmer Thomas WINZER diskutierten im Rahmen der Stadtforum-Reihe 'Sieben Versuche, die Welt über Wasser zu halten' das Thema 'Die Ich AG' . Moderiert wurde die Veranstaltung von SZ-Redakteur Herbert Riehl-Heyse. Die Debatte war offensichtlich überflüssig: Die Vorurteile standen vorher schon fest! Vielleicht hätte man die Debatte auf der 1.Single-Messe in Deutschland veranstalten sollen, dann hätte man nicht ÜBER Yuppies reden müssen, sondern hätte Yuppies befragen können. Nur mit den Alleinlebenden hat das sehr wenig zu tun. Die Mehrheit der Alleinlebenden sind Nicht-Erwerbstätige, weil das partout nicht zum Vorurteil passen möchte, redet man über das Yuppie-Stereotyp und nicht über Alleinlebende, obwohl man diese für die Yuppies par excellence hält. Man müsste sonst über die Individualisierung DER Familie reden und das geht nicht, denn Familie ist politisch korrekt nur sozial denkbar. Also ist die Wirtschaft für das Böse und die Familie für das Gute zuständig. Die böse Wirtschaft schadet der guten Familie. Punkt.
 
   
EMMA -Titelgeschichte: Gebärstreik.
Warum Frauen immer weniger Kinder kriegen
  • SCHWARZER, Alice (2001): Gebärstreik.
    Sterben die Deutschen aus?,
    in: Emma, Juli/August
    • Kommentar:
      Alice SCHWARZER möchte gerne der Boss der Frauengewerkschaft sein, die per Gebärstreik die Arbeitsbedingungen der Frauen verbessern möchte. Der gegenwärtige Geburtenstand ist aber nicht das Ergebnis eines Gebärstreiks, den die Frauenbewegung organisiert hätte.
                  Die Frauenbewegung schreibt sich Erfolge zu, an denen sie so gut wie gar keinen Anteil hat. Der gegenwärtige Geburtenrückgang ist nichts anderes als die Folge des Geburtenrückgangs von 1964 bis 1978. Selbst ein Baby-Boom wie in den 50er Jahren würde diesen Trend nicht umkehren können. Der Trend kehrt sich erst dann um, wenn die Kohorten ab 1978 Mütter werden.
                  Familienpolitik kann durch Kosmetik (z.B. erhöhtes Kindergeld) diese Auswirkungen zu vertuschen suchen, indem potenzielle Mütter dazu ermuntert werden, die Geburt eines gewünschten Kindes um ein paar Jahre vorzuziehen. Am Trend selbst, ändert sich nichts.
                  Der Babyboom der Wirtschaftswunderjahre zeigt vielmehr, dass die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt einen viel größeren Einfluss auf die Anzahl der kinderlosen Frauen hat, als alle anderen Faktoren.
                  SCHWARZER weist zwar auf die gute Infrastruktur bei der Kinderbetreuung in Ostdeutschland hin, ohne jedoch zu erwähnen, dass Ostdeutschland das beste Beispiel dafür ist, dass zwischen Kinderlosigkeit und guter Infrastruktur kein direkter Zusammenhang bestehen muss. In Ostdeutschland ist die Geburtenrate seit 1989 wesentlich niedriger als in Westdeutschland - trotz der besseren Betreuungsstruktur. Auch hier ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt der entscheidendere Faktor.
                  "Gerade die Hausfrauen bekommen die wenigsten Kinder. Die Euroskala der Relation zwischen Frauenerwerbstätigkeit und Geburtenrate enthüllt eine Sensation: Je berufstätiger die Frauen sind, um so mehr Kinder bekommen sie - und je weniger berufstätig sie sind, um so weniger Kinder", meint SCHWARZER.
                  Über die Kinderzahl pro Hausfrau sagt dieser Internationale Vergleich überhaupt gar nichts aus! Es werden hier sozusagen zwei verschiedene Sachverhalte unzulässigerweise vermengt. Aus dem internationalen Vergleich ist weder zu ersehen, ob die Frauen teilzeitbeschäftigt oder vollbeschäftigt sind, ob sie im Agrarsektor, in der Industrie oder im Dienstleistungssektor beschäftigt sind. Sind diese europäischen Länder deshalb überhaupt vergleichbar? Wie sah die demographische Struktur dieser Länder in den letzten 50 Jahren aus? SCHWARZER unterstellt wie so viele andere, dass diese Faktoren keinerlei Rolle spielen. Der gesellschaftliche Wandel ist in diesen Ländern jedoch durchaus unterschiedlich verlaufen.
                  Ein wichtiger Punkt in der Argumentation ist der behauptete Arbeitskräftemangel. Dies ist auch der entscheidende Punkt und nicht die Vereinbarkeitsproblematik von Beruf und Familie.
                  Die Lösung der Vereinbarkeitsproblematik ist abhängig von der jeweiligen strukturellen und konjunkturellen Arbeitsmarktsituation und nicht umgekehrt.
                  Der Niedergang der Frauenbewegung in den 70er Jahren fiel nicht zufällig mit einer veränderten Arbeitsmarktlage zusammen, sondern war vom Ende der Vollbeschäftigung und dem Beginn der Massenarbeitslosigkeit mit bedingt.
                  Wer wie SCHWARZER Bevölkerungspolitik als Frauenpolitik betreiben möchte, der ist von den ökonomischen Verhältnissen direkt abhängig. Die Rede vom "Gebärstreik" versucht diese Abhängigkeit zu negieren. SCHWARZERs "Gebärstreik" ist jedoch nichts als ein Papiertiger...
  • SCHWARZER, Alice (2001): Nach außen emanzipiert. Nach innen abhängig.
    Sie sind ein emanzipiertes junges Paar, und es ging auch lange gut - bis, ja bis die beiden Kinder kamen. Heute findet Anna die Lage nur noch "entwürdigend",
    in: Emma, Juli/August
    • Kommentar:
      Der Mann möchte die Kinder und die Frau hat die Arbeit. Nichts Neues aus der SCHWARZER-Welt.
  • KOPPETSCH, Cornelia (2001): Emanzipierte Frauen vertuschen am meisten.
    Sieh an. Niemand vertuscht die Ungleichheit im Haushalt so eifrig wie - emanzipierte Frauen. Wollen sie damit die Männer über die Gleichheit im Beruf hinwegtrösten?,
    in: Emma, Juli/August
    • Kommentar:
      KOPPETSCH hat nach dem Vorbild von Jean-Claude KAUFMANNs "Schmutzige Wäsche" die häusliche Arbeitsteilung des "egalitären Paares" Paul und Beate analysiert.
                  KOPPETSCH geht es um die "Gleichheitsfiktion" in emanzipierten Beziehungen. Die Prämisse ist dabei, dass der Mann sich der Hausarbeit zu entziehen sucht, während die Frau ihre Mehrarbeit zusätzlich vor sich selbst rechtfertigen muss.
                  Dieses Muster wirkt heutzutage jedoch antiquiert und ist in den Paarbeziehungen der Neuen Mitte schon längst ad akta gelegt worden. In der Dienstleistungsgesellschaft wird der Geschlechterkonflikt mitsamt der Hausarbeit ausgelagert. Die "Generation Golf" ist da pragmatischer als die übrig gebliebenen 70er-Jahre-Emanzen (siehe hierzu Simone ODIERNA).
  • BUSCHHEUER, Else (2001): Der arme Vater und die Rabenmutter.
    Else Buschheuer arbeitet im Fernsehen und schreibt Bücher ("Masserberg"). Und sie hat eine Tochter. Die ist heute 15. Und lebt beim Vater. Dabei gehören die Kinder doch zur Mutter! Oder?,
    in: Emma, Juli/August
    • Inhalt:
      Else BUSCHHEUER liefert einen Erfahrungsbericht über den Wechsel vom Leben mit Tochter zum Leben ohne Tochter und die damit verbundenen Selbstzweifel, Rechtfertigungszwänge und Lügen.
  • NÜRNBERGER, Christian (2001): Die Karrieremutter und der Hausmann.
    Als Erstes, dachte ich, werde ich ein Buch über mein Leben als Hausmann und Vater schreiben. Seht her, werde ich Alice Schwarzer und den anderen mitteilen: Hier bin ich, der neue Mann, ein Held unserer Zeit!,
    in: Emma, Juli/August
  • LESSMANN, Ulla (2001): Jeder fünfte Mann will Teilzeit arbeiten.
    Jetzt können auch Männer Teilzeit arbeiten. Zumindest theoretisch. Denn die ist seit dem 1. Januar ein Rechtsanspruch. Na denn.,
    in: Emma, Juli/August
    • Kommentar:
      Die Überschrift ist irreführend! Es geht nicht um Männer, sondern nur um die Untergruppe der Väter.
  • EMMA (2001): 5 nach 12. Und worauf wartet Vater Staat?
    Mikrosoziologen sind zuständig für das Funktionieren in der kleinsten Zelle: für Bräuche, Sitten oder Gefühle von Menschen. Prof. Hans Bertram lehrt Mikrosoziologie an der Humboldt-Universität Berlin. Und er findet das Verhalten der Geschlechter in Deutschland total gestrig,
    in: Emma, Juli/August
    • Kommentar:
      Der Soziologe Hans BERTRAM fordert Solidarleistungen von allen:
                  " Die Gesellschaft muss von allen ihren Mitgliedern die zeitlich gleiche Solidarleistung für die Gesellschaft verlangen - mindestens fünf Jahre -, und die muss jedes Mitglied in seinem Lebenslauf unterbringen oder aber eine entsprechende Kürzung seiner Rente hinnehmen."
                  BERTRAM plädiert damit für eine zivilgesellschaftliche Lösung, die nicht auf Freiwilligkeit, sondern auf Zwang beruht.
  • SCHENK, Herrad (2001): Mutterliebe Oder: Muttie ist die Dümmste.
    Die moderne 24-Stunden-Mutter ist neu in der Menschheitsgeschichte. Und sie ist eine Reaktion auf die Frauenbewegung. Belegt Herrad Schenk,
    in: Emma, Juli/August
 
       
       
   

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Zu den News vom 16. bis 30. Juni 2001

 
       
   
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