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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 01. - 05. Juli 2004

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Als gewollt Kinderloser sollte man sich beizeiten ein dickes Fell zulegen. (...).
Der »Egoismus«-Vorwurf ist (...) der wohl populärste und dennoch nur das erste Glied in einer langen Kette von Vorurteilen und Vor-Verurteilungen, denen sich die Kinderlosen ständig ausgesetzt sehen. Wohl denen, die da wenigstens alleine sind, greift doch bei ihnen das double-income-no-kids-Argument nicht sogleich, wenn die Gegnerschaft auch nicht müde wird zu betonen, dass Steuern zahlen allein den Generationenvertrag ja wohl nicht retten könne. Jetzt sind wir also auch noch Schuld an der Unsicherheit der Renten. All denen, die daran glauben, sei hier mitgeteilt, dass auch unsere Altvorderen vom Beginn bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts es nicht zum, für einen funktionierenden Generationenvertrag entscheidenden, Reproduktionsniveau schafften. Heißt, schon vor 70 Jahren wurden nicht genügend Kinder geboren, um das Bevölkerungsniveau konstant zu halten.
Ein anderes Vorurteil, das sich so hartnäckig hält wie vermeintliche Eisenanteile in Spinat, ist die Einsamkeit der Kinderlosen im Alter. Ein echtes Ammenmärchen. Schließlich ist alles andere als bewiesen, dass Kinderreiche per se im Alter besser dran wären, was die Quantität und Qualität ihrer Sozialkontakte oder die Bereitschaft ihrer Kinder zur Versorgung und Pflege anginge. Längst ist nicht mehr selbstverständlich, dass die eigenen Kinder im Alter für Betreuungsaufgaben zur Verfügung stehen, und in den wenigsten Familien leben mehr als zwei Generationen dauerhaft unter einem Dach.
"
(Mattias WINKLER in der Wochenzeitung Freitag Nr.29/30 vom 09.07.2004)
 
 
 
  • HASELBERGER, Stephan & Hans MONATH (2004): "Das ist ein Durchbruch".
    Familienministerin Schmidt über den Wert der Hartz-Gesetze für Kinder – und die Hilfe des Präsidenten,
    in: Tagesspiegel v. 05.07.
 
 
 
 
  • KNIPPHALS (2004): Vom Glück des Bolzens.
    Porträts der jungen Intellektuellen mit aufgeratschten Knien, abgeschalteten Vätern und bunten Murmeln: Klaus Theweleit, Michael Rutschky und Botho Strauß haben in ihre aktuellen Bücher autobiografische Szenen aus ihrer Kindheit eingebaut,
    in: TAZ v. 05.07.
 
  • SCHNEIDER, Peter (2004): Die deutsche Lähmung.
    Peter Schneider über Fußball, Politik und das Versagen der Intellektuellen in der aktuellen Reformdiskussion,
    in: Spiegel Nr.28 v. 05.07.
    • Inhalt:
      Peter SCHNEIDER sieht Parallelen zwischen der Fußballpleite und der wirtschaftlichen Situation in Deutschland:

            
        "Unbestreitbar ist, dass die kleinen Länder Europas sich gegen die großen durchgesetzt haben. (...) Zufällig oder nicht: Es handelt sich bei den kleinen, frechen Siegern fast durchwegs um Mannschaften aus Ländern, die jene wirtschaftlichen Reformen, die Deutschland, Frankreich und Italien noch bevorstehen, längst hinter sich gebracht haben. Die Arbeitslosigkeit in den Siegerländern ist entweder halb so groß wie in den großen Verlierernationen oder das Wirtschaftswachstum weit dynamischer. Kann es sein, dass reformfreudigere Länder am Ende auch besser Fußball spielen?"
 
  • POSCHARDT, Ulf (2004): Die Rebellion der Kaschmir-Kinder.
    Vor 25 Jahren wurde in Hamburg der Popper erfunden. Obwohl höflich und elegant im Auftritt, wurde daraus die verhassteste Jugendkultur. Eine Ehrenrettung,
    in: Welt am Sonntag v. 04.07.
    • Kommentar:
      Ulf POSCHARDT outet sich zuerst als Popper, um anschließend die Popper zur jugendlichen Gegenkultur zu stilisieren, die zuerst den 68er-Mainstream Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre mit ihren Stilisierungen provozierten, und nun als Neocons für den notwendigen Ruck in Deutschland sorgen:

            
        "Die Popper benahmen sich anständig, nahmen keine Drogen, trugen Kaschmir-Pullover und College-Loafer, wollten später Juristen oder Manager werden, um viel Geld zu verdienen. Die obszöne Offenheit, mit der sie bürgerliche Werte und Ideale skandierten, machte sie zu Provokateuren. 23 Jahre vor Arnulf Baring waren diese jungen Bürger auf den Barrikaden. Die Avantgarde nicht der Angepassten, sondern als neubürgerlichen Vernunft, die sich in Deutschland erst im 21. Jahrhundert durchsetzen kann."
            
        Sein wenig bescheidenes Fazit:
            
        "25 Jahre danach darf man sagen: Die Popper waren und sind die unterschätzteste deutsche Jugendkultur. Ihr Instinkt hat jenen bürgerlichen Ruck vorweggenommen, den Präsidenten wie Herzog und Köhler heute beschwören."
 
 
 
  • RUTSCHKY, Michael (2004): Askese im Konsum.
    Der Philosoph Alfred Pfabigan analysiert, ob die neue "Geiz ist geil"-Stimmung ein Gag ist oder das Konsumverhalten wirklich ändert,
    in: TAZ v. 03.07.
    • Inhalt:
      Michael RUTSCHKY beschäftigt sich anlässlich eines Buches von Alfred PFABIGAN mit der "Geiz ist geil"-Debatte, die seit dem Jahr 2002 die Perspektive auf den Konsumbürger prägt:

            
        "Was am Konsumismus als herrschender Lebensform auffällt: dass er nur wenig intellektuelle Aufmerksamkeit anzieht. Zwar hat der fürwitzige Norbert Bolz 2002 ein konsumistisches Manifest veröffentlicht, aber das manifestierte eben vor allem diesen Fürwitz. Pierre Bourdieus meisterhafte Darstellung der feinen Unterschiede (1982), in denen sich die Klassengesellschaft schärfer auspräge als im Gegensatz von Kapital und Arbeit, kam in der Intelligenzija, wenn ich richtig sehe, nur undeutlich an. Das mag damit zusammenhängen, dass Bourdieus Beschreibungen zu folgen die Intelligentzija kränkt. Sie erhält einen Platz zugewiesen in diesen Kämpfen, statt von ihnen freigesprochen zu werden (aber das ist ein anderes Thema, "die Bourdieusche Kränkung").
      Der Wiener Philosoph Alfred Pfabigan veröffentlicht jetzt ein Buch, das den Konsumismus durch Geistesgegenwart zu stellen versucht. Seine Thema ist die aktuelle Version der Askese, die unter der hübschen Parole »Geiz ist geil«, wenn man den Ökonomen glauben darf, die Konjunktur daran hindert, sich zu beleben.
      "
 
  • SPIEGEL, Hubert (2004): Das Mysterium der Welt unter Tage,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.07.
    • Inhalt:
      Hubert SPIEGEL kündigt den Vorabdruck des neuen Romans "Junges Licht" von Ralf ROTHMANN in der FAZ an. Das Werk und den Autor beschreibt SPIEGEL folgendermaßen:

            
        "Ralf Rothmann ist auf dem besten Wege, zu einem Klassiker der deutschen Gegenwartsliteratur zu werden. Wie kein anderer Autor seiner Generation, der um 1950 Geborenen, versteht er es, eine bestimmte Region und die in ihr vorherrschende Mentalität einzufangen.
      Rothmanns Terrain ist das Ruhrgebiet der Bergarbeiter und kleinen Leute. Aber noch wichtiger ist ihm ein Thema, das an keinen Ort und keine Zeit gebunden ist: Es ist das Ende der Kindheit, jene flimmernde, sich scheinbar endlos dehnende Phase des Übergangs, die doch im Handumdrehn vorüber ist."
 
  • HALTER, Martin (2004): Liebe geht, Arbeit bleibt.
    Vierzig verweht: Iris Hanika nagt am Schwarzbrot des Lebens,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.07.
    • Inhalt:
      "»Loch im Brot« ist nicht das Manifest einer Generation", vermittelt aber "das Lebensgefühl einer Generation, die aus Zeit und Welt herausgefallen ist und nun orientierungslos und meinungsstark an ihren Rändern nistet," charakterisiert Martin HALTER das Buch von Iris HANIKA.
 
 
  • FEDDERSEN, Jan (2004): Eigentlich sind wir ja mit dem Fahrrad da.
    Lange Zeit war das Auto der schlimmste Feind der Grünen. Zumindest offiziell, wenn man nicht gerade aufs Land fuhr, Unabhängigkeit und Freiheit genoss. Damit ist jetzt Schluss. Heute bekennen sich die Grünen nicht nur zum Auto, sondern auch zu all den anderen Lebenslügen. Nur das hat Zukunft,
    in: TAZ v. 02.07.
    • Kommentar:
      "Der Grün-Wähler hat ein soziales Gewissen, quält sich aber nicht rund um die Uhr damit, stets so zu leben", zitieren Gerald JOHN & Eva WEISSENBERGER eine grüne Wiener Stadträtin in einer Titelgeschichte über das "Buhlen um die Bobos", die vor kurzem im Wiener Stadtmagazin FALTER erschien.
            
        Jan FEDDERSEN hat offensichtlich das gleiche Milieu im Auge, jenes Milieu dem Florian ILLIES die "Anleitung zum Unschuldigsein" gewidmet hat, jene urbanen Aufsteiger, die der konservative Journalist David BROOKS auch mit dem Begriff der "bourgeoisen Bohemien" (Bobos) bezeichnet hat.
            
        Politik wird in dieser Perspektive zum Ausdruck eines Lebensgefühls.
            
        Jan FEDDERSEN möchte deshalb die kritischen 60er/70er Jahre verabschieden und präsentiert die Wirtschaftswunderzeit der 50er Jahre als neues Wohlfühlzeitalter für die Bobo-Partei der Grünen:
            
        "Eine Partei, deren Milieus nicht mehr nur hinaus aufs Land wollen, um sich von der Welt fern zu halten, um sich reinlich zu halten vom Schmutz der »Unwirtlichkeit der Städte« (Alexander Mitscherlich): die hat Zukunft. Das ist keine Formation mehr der Frommen und Sauerlaunigen und Übelnehmenden. Sie würde an das Lebensgefühl der Fünfziger anknüpfen, als die Westdeutschen lernten, das Fremde, die Fremden an sich heranzulassen, indem man sich auf sie einlässt, in Rimini, am Wolfgangsee oder in Kroatien: beim Grillabend, in der Dorfdisko."
 
  • LONGMAN, Phillip (2004): Die Wiege ist leer.
    Geburtenrückgang. Die Weltbevölkerung wächst. Doch das Tempo wird immer langsamer - mit dramatischen Folgen nicht nur für die Industriestaaten.
    Deutschland und Japan hatten das Glück, reich zu werden, bevor sie alt wurden. Hingegen altern Mexiko und China, ohne sich das leisten zu können.
    in: Rheinischer Merkur Nr.27 v. 01.07.
    • Kommentar:
      Der Rheinische Merkur druckt nun exklusiv Artikel der US-Zeitschrift Foreign Affairs in deutscher Übersetzung ab.

            
        Phillip LONGMAN, der Autor des Buchs "The Empty Cradle", kehrt in dem Foreign Affairs-Artikel die alte Doktrin der Bevölkerungspolitik einfach um.
            
        Galt in den 60er Jahren die Weltbevölkerungsexplosion als Bedrohung und existenzielles Problem (z.B. Paul EHRLICH "Die Bevölkerungsbombe"), so werden neuerdings die altbekannten  Argumente dem Geburtenrückgang zugeschrieben. So simpel kann man komplexe Themen behandeln!
            
        Wie es sich für den Rheinischen Merkur gehört, darf dabei der Kulturkampf um Ehe und Familie nicht fehlten:
            
        "Es gibt starke wechselseitige Beziehungen zwischen religiösen Überzeugungen und hohen Geburtsraten. In den USA meinen 47 Prozent der Menschen, die regelmäßig in die Kirche gehen, zu einer idealen Familie gehörten drei oder mehr Kinder. Unter denen, die selten in die Kirche gehen, sind nur 27 Prozent dieser Ansicht. In Utah, wo 69 Prozent der Einwohner Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage sind, findet man die höchsten Geburtenraten in den USA. Jährlich bringen in Utah 1000 Frauen 90 Kinder zur Welt. Zum Vergleich: In Vermont, dem einzigen Staate, der einen Sozialisten in den Kongress entsandte und als erster Staat Ziviltrauungen für Homosexuelle zuließ, sind es 49 Kinder."
 
 
  • FUHR, Eckhard (2004): Volk ohne Bühne.
    Die Linke ratlos: Wer übernimmt das Banner der Erniedrigten und Beleidigten?
    in: Welt v. 01.07.
    • Kommentar:
      Nach Dietmar DATH macht sich nun auch Eckhard FUHR Gedanken zum "kulturellen Tod der Linken":

            
        "In der »FAZ« suchte Dietmar Dath ratlos in den Krümeln, die vom intellektuellen Linksuniversum übrig geblieben sind und stellte resigniert fest, dass die Krümel sich weiter verkrümeln, obwohl doch die soziale Realität eigentlich eine Blüte linker Gesellschaftskritik herbeiführen müsste. (...). Wer diesen »Revolutionsstau« auflösen könnte, weiß er allerdings auch nicht.
      Ein politisch-ästhetischer Radikalismus à la Castorf kann es zurzeit offensichtlich nicht, obwohl er dem geölten Modernisierungs-Konformismus der Medien und der Politik einen eigensinnigen Kosmos der Dissidenz entgegensetzt und damit Voraussetzungen schaffen könnte für Verweigerung, Widerstand, Selbstbehauptung.

            
        Nach FUHR gibt es zwischen CASTORF und der Neuen Mitte mehr Verbindungen als zur alten Arbeiterbewegung:
            
        "so wie Gerhard Schröders »Neue Mitte« Versatzstücke der großen sozialen Erzählungen zu einem neuen Text zusammensetzte, so verfuhr Castorf mit dem Erbe des politischen und sozialkritischen Theaters. Abschied von der Utopie, von den »großen Gesängen« des zwanzigsten Jahrhundert nahmen beide. Schröder verkaufte das als Gewinn, Castorf ließ auch Trauer zu."
            
        Für FUHR ist das Problem nicht zuletzt eine Generationenfrage:
            
        "Bleibt die Frage, wie sich das unübersehbare soziale Protestpotenzial in Deutschland künftig politisch artikuliert. Den Humus für eine neue Linkspartei bildet es nicht. Wer sollte eine solche Partei bilden, wer für sie stehen? Das ist nicht zuletzt eine Generationenfrage. Jene Linken, denen durch die Wende von 1989 das Wort abgeschnitten wurde und die sich danach in mehr oder weniger heftigen Wendungen und Windungen der Geschichte hinterher quälten, haben sich verbraucht oder sind Teil des politischen Establishments und also selbst Objekt des Protests geworden. Das nachfolgende Generationensammelsurium Golf & Co. hat die besten Jahre damit verplempert, sich eine freudlose Routine im Kampf gegen die linken Väter anzutrainieren und ist für jegliches linkes Projekt verloren. Der Glaube an die grenzenlosen Glückschancen des globalen Marktes ist ihm jedoch ebenso gründlich vergangen.
            
        Bei seiner Suche nach dem Führer denkt FUHR auch über die C-Parteien nach:
            
        Wer ergreift also das Banner der Erniedrigten und Beleidigten? (...). Wenn es in den C-Parteien (...) einen gäbe, der mit der Volksbühnen-Welt unterirdische Verbindungen eingehen könnte, dann wäre das eine schlagartige Veränderung der politischen Szene in Deutschland. (...). Die C-Parteien haben aber einen solchen nicht. Sie haben nur Merkel, März und Stoiber."
 
  • MULLAN, Phil (2004): gute Preise, goldene Jahre: Die Zukunft ist bezahlbar!
    Kann die Gesellschaft sich so viele alte Menschen leisten? Phil Mullan zeigt am Beispiel Großbritanniens: Sie kann,
    in: Novo, Juli/August
    • Inhalt:
      MULLAN widerspricht der allgemeinen Hysterie hinsichtlich des demographischen Wandels.

            
        Er lässt die demografischen Begründungen in der Rentendebatte nicht gelten, sondern verweist auf politische Zielsetzungen, die die jetzigen Anpassungen notwendig machen.
            
        Auch die sinkenden Geburtenzahlen sind für MULLAN kein Grund zur Aufregung, denn nicht das Verhältnis junger zu alten Menschen bestimmt die Rentenfinanzierung, sondern das Verhältnis von Erwerbstätigen zu Nicht-Erwerbstätigen.
            
        Für Großbritannien rechnet MULLAN vor, dass die angenommenen Beitragszahlerquoten unrealistisch sind:
            
        "Hochrechnungen auf Grundlage der Beitragszahlerquote lassen außer Acht, dass zurzeit eine große Anzahl von Menschen im "Arbeitsalter" überhaupt nicht arbeitet. In Großbritannien sind dies ungefähr neun Millionen Menschen (in Ausbildung und Hochschule, Arbeitslose und andere, die wirtschaftlich nicht aktiv sind). In den meisten entwickelten Ländern stellt diese Gruppe ein Viertel bis ein Drittel der Menschen im "arbeitsfähigen" Alter dar. Mithin entspricht die angenommene Beitragszahlerquote nicht der tatsächlichen.
      Berechnungen auf Grundlage der tatsächlichen Beitragszahlerquote sähen daher ganz anders aus. Sie würden auf dem Verhältnis zwischen arbeitenden und nicht-arbeitenden Menschen beruhen, welches eindeutig bestimmbar ist: von den 59 Millionen in Großbritannien lebenden Menschen arbeiten 27 Millionen Menschen, d.h. das Verhältnis Beitragszahler zu Nichtzahlern liegt bei 27:32, die reale Beitragszahlerquote ist somit nicht 3,4, sondern 0,84.
      An sich ist die Höhe der realen Beitragszahlerquote relativ unbedeutend. Wichtig ist aber, wie sich diese Zahl künftig entwickeln wird. Die wie immer pessimistischen offiziellen Projektionen gehen davon aus, dass im Jahre 2030 bei einem Bevölkerungsanstieg um 6 auf 65 Millionen die absolute Anzahl der Arbeitenden auf heutigem Niveau geblieben sein wird. Dementsprechend würde das Verhältnis von Arbeitenden zu Nicht-Arbeitenden von 0,84 auf 0,71 absinken, also ein Arbeitender im Vergleich zu heute ein Fünftel mehr Unterstützung leisten müssen. Zum Vergleich: Prognosen auf Grundlage der konventionellen und irreführenden Beitragszahlerquote gehen von einer Verdoppelung der individuellen Beitragszahlerlast aus.
      "
 
  • HOCHSCHILD, Arlie (2004): Die Warenfront.
    Zur Kommerzialisierung des privaten Lebens,
    in: Familiendynamik, Heft 3, Juli
    • Kommentar:
      Die 68erin Arlie R. HOCHSCHILD beschäftigt sich mit der "Mami"-Industrie.

            
        Das ist jene Industrie, die die amerikanische (oder sinngemäß auch die deutsche) Mutter in Dienstleistungsfunktionen zerlegt und marktförmig den Haushalten anbietet.
            
        In der Debatte um den Wandel der Dienstleistungsgesellschaft geht es hier um die Frage, ob bestimmte Tätigkeiten besser von den Haushaltsmitgliedern selbst, dem Markt, dem Staat oder der Zivilgesellschaft angeboten werden sollen.
      HOCHSCHILD zeigt nun auf, dass diese Frage ein Identitätsproblem aufwerfen kann.

            
        Mütter könnten sich ob dieser Bedrohung durch den Markt überflüssig fühlen. Ausgangspunkt einer solchen Betrachtung ist die Vorstellung der Familie als letztes Bollwerk gegen den Kapitalismus.
            
        Diese Sichtweise wird jedoch zunehmend fragwürdig, denn inzwischen wird durch die Ökonomisierung der Familie die Mutterrolle als Marktangebot definiert.
            
        In der Politik wird dieser Aspekt auch als Problem der Opportunitätskosten debattiert.
            
        HOCHSCHILD hat mittels einer Umfrage in ihrem Seminar festgestellt, dass die jüngere Generation keine Berührungsängste mehr damit hat, einstmals "private Beziehungs- bzw. Hausarbeit" warenförmig anzubieten.
            
        Caitlin FLANAGAN hat diesen Einstellungswandel postfeministischer Karrierefrauen kürzlich anhand des Kindermädchens beschrieben.
   
DUMMY: Spaß
  • HEINE, Matthias (2004): What's so funny about?
    Von Platon und Hesiod bis zu Kohl und Adorno, von Fürstenhöfen in Flandern bis zur Meuterei auf der Bounty: Die Geschichte der Menschheit ist eine Geschichte von Spaßklassenkämpfen,
    in: Dummy, Nr.3, Sommer
    • Kommentar:
      Matthias HEINE erzählt von 3000 Jahren Spaßklassenkämpfen.

            
        Dabei sehen sich gegenwärtig neoliberale Oberschichtschmarotzer und konservative Ende-der-Spaßgesellschaft-Ausrufer der "Spaßgeilheit des Pöbels" gegenüber. Um den eigenen Spaßprofit zu maximieren, geht es ihnen in diesem Nullsummenspiel um die Eindämmung des Proleten-Spaß.
            
        In einem Rundumschlag von der Antike über den Frühsozialisten Charles FOURIER ("Die neue Gesellschaft wird nach Fourier eine Spaßgesellschaft sein, oder sie wird nicht sein") bis zu den Spaß-Verdammten der Erde, erörtert HEINE die Spaßgesellschaften dieser Welt, hinter denen dann doch wieder nur die Angstgesellschaften lauern:
            
        "der vermeintliche Spaß war immer vor allem Hysterie, die Kehrseite der Angst".
            
        HEINEs Spaß-Ideal hat sich nur in den kurzen Swinging Sixties als Spaß-Realität manifestiert, aber irgendwo am Horizont leuchtet dann doch noch die Utopie der Spaß-Revolution für alle Zu-Spätgeborenen, die - wie HEINE - die Sechziger-Jahre nur aus den 68er-Erzählungen kennen:
            
        "Die Sehnsucht nach Spaß ist eines der großen revolutionären Potenziale der Menschheit", verkündet HEINE und sieht die Multitude als Spaß-Verdammte der Erde aufmarschieren...
            
        Bis dahin aber, verfasst HEINE schon einmal Artikel, in denen diese Spaß-Verdammten auch für konservative Spaßverächter goutierbar werden.
  • RÖHL, Bettina (2004): Est Galeere, dann Palmenstrand.
    Zeitschrift "Tempo" hat eine ganze Journalistengeneration geprägt: Revision einer Legende,
    in: Dummy, Nr.3, Sommer
    • Inhalt:
      Bettina RÖHL liefert einen Insider-Bericht aus der TEMPO-Redaktion im Spaßjahrzent.

            
        Für die Zeitgeist-Zeitschrift haben u.a. Matthias HORX, Maxim BILLER, Claudius SEIDL und Christian KRACHT geschrieben haben.
            
        RÖHL berichtet über die popkulturellen Kulturkämpfe einer neuen Generation:
            
        "Die TEMPO-Redakteure waren im Schnitt gut Mitte 20 und kamen entgegen dem gängigen Vorurteil, TEMPO beschäftige nur Yuppies, eher aus linken Medien - von »konkret«, »taz«, »Pflasterstrand«. Doch um links oder rechts ging es hier nicht mehr."
            
        RÖHL beschreibt den anfänglichen Kampf gegen drei Medien-Fraktionen: die Normalo-Verlage, die 68er-Feuilletonisten und die Hamburger Underground-Szene (Stadtzeitschrift "Szene", Diedrich DIEDERICHSEN).
            
        Für RÖHL hat sich diese Kluft zwischen den Szenen Ende der 80er Jahre verringert:
            
        "Ein paar Jahre später versöhnte sich die vergrätzte Hamburger Szene, die zu »Spex« und »Sound« abgewandet war, mit uns. Einer aus der Clique, Olaf Marx, wurde TEMPO-Redakteur. Die Undergrounds der 80er Jahre, verkündete der Schriftsteller Rainald Goetz 1988, erkannten TEMPO nun als einzig ernsthafte Plattform für die jüngere Generation an."    
 
   

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Zu den News vom  24. - 30. Juni  2004

 
 
   
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