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Medienrundschau:
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News vom
01. - 05. Juli 2005
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Zitat
des Monats:
"Sie
wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die
Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles
heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des
Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die
Felskanten schien.
Gegen Mittag glühte der Körper
mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher
zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In
Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die
Gischt und das Gesicht."
(aus:
Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.) |
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REINECKE, Stefan (2005): Rasender Stillstand.
Political Studies (1): Angesichts der bevorstehenden Neuwahlen
herrschen Pragmatismus im Wahlvolk - und Sehnsucht nach Differenz. Wo
im Kern des Politischen die Unterschiede verschwimmen, dient die
"Generation" als letztes Distinktionsmerkmal,
in: TAZ v. 05.07.
- Kommentar:
Die taz beginnt eine neue Serie und REINECKE
beschäftigt sich mit dem Zusammenhang von Generation und Politik:
"Das Konzept, Politik unter dem Aspekt
der Generation zu betrachten, hat leicht etwas Windiges.
So kann man seit 15 Jahren eine wundersame Vermehrung der
»Generationen« verfolgen, die auf- und meist auch schnell wieder
abtauchten. Auf die 78er, die kleinen ironisch gestimmten
Geschwister der berühmten 68er, folgten die 89er, die
Wendegeneration, der die Generation Golf auf den Fersen war. Danach
wurden mit Fanfarenstößen noch ein paar Generationen ausgerufen -
allerdings ohne richtigen Erfolg
Der Generationshype scheint ein
Bedürfnis nach Identifikation zu befriedigen. Politisch sind wir
alle Liberale geworden, kulturell alle Teil der gleichen Pop- und
Massenkultur, und in der politischen Kernfrage, der Arbeit, werden
Alternativen nur simuliert. In dieser Lage steigt offenbar das
Bedürfnis nach virtuellen Abgrenzungen. My Generation,
das sagt sich leicht - gender, class, race scheinen
als Kriterien jedenfalls außer Mode zu sein."
Als Beispiel dient u.a.
Frank SCHIRRMACHER:
"Die Generationsfrage als
existenzielle Geste hat Frank Schirrmacher in der FAZ
entdeckt. Wenn jetzt nicht reformiert wird, dass es kracht,
komme für die über Dreißigjährigen alles »lebensgeschichtlich zu
spät«."
Diese Einschätzung ist
verharmlosend, denn bei SCHIRRMACHER geht das Generationengerede mit
einer
Rhetorik des "demografischen"
Ausnahmezustandes einher (siehe auch
WENZEL in der NZZ).
Dagegen ist das
Generationengerede von Joachim LOTTMANN im Zusammenhang mit Marek
DUTSCHKE, das ästhetische Geschmacksfragen in den
Vordergrund stellt, geradezu harmlos
Stefan REINECKE fehlt es an
analytischer Schärfe, wenn er die qualitativen Unterschiede beider
Phänomene nicht herausstellt, sondern sie zusammen in den
inhaltsleeren "Topf Distinktionsmerkmal" wirft.
Da hilft es auch nicht weiter,
wenn REINECKE seinen analytischen Ausgangspunkt bei Ulrich BECK ("Was
zur Wahl steht")
nimmt.
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MISIK, Robert (2005): Das andere Engagement.
Von wegen Utopieverlust: Der Neo-Existenzialismus hat eine große
Zukunft - als Haltung, als Lebensform,
in: TAZ v. 05.07.
- Kommentar:
Robert MISIK überdehnt den klassischen
Existenzialismus so lange, bis er sowohl dem Neoliberalismus als
auch dem inhaltsindifferenten Rebellengestus heutiger
Lifestyle-Linker passt:
"Als
Lebensform entsprechen ihm alle Spielarten des Rebellentums. (...).
Von James Dean bis zur RAF lässt sich vieles in diesem Horizont
deuten.
(...).
Die neoliberale Spielart des Existenzialismus ließe sich so
formulieren: Jeder soll seine Potenziale nutzen, ein allseits
entwickeltes Subjekt werden, einzigartig sein, sich täglich neu
erfinden. Kurzum: eine Ich-AG sein.
(...).
Klingt kitschig, trifft aber den Geist des durchschnittlich
reflexiven Metropolenjugendlichen von heute."
Und wer nun auch noch wissen
will, was SARTRE mit HOUELLEBECQ zu tun hat, der lese
Leopold FEDERMAIR.
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RAPP, Tobias (2005): Ein Blitzgerät als Symbol.
Bernd Cailloux: "Das Geschäftsjahr 1968/69",
in: DeutschlandRadio v. 05.07.
- Kommentar:
"P. G. und seine Freunde wollten schon lange einen
Laden aufmachen, für eine sanfte community der freaks. (...).
Jetzt ging es los. Einige fuhren in Frankfurt herum und suchten auf
den Müllbergen, von denen die Stadt voll ist, brauchbare Tische und
Stühle zusammen. Brummbär malte den Laden innen und außen mit
Regenbogenfarben aus. Innen spannte er eine Plastikwand unter der
Decke auf und betrieb einen kleinen Elektromotor, so daß an der
Decke Wellen erzeugt wurden. Die Gäste kamen sich wie unter der
Meeresoberfläche sitzend vor. (...).
Aus Düsseldorf brachten Bekannte eine Stroboskop.
Das ist ein Gerät, das in kurzer Abfolge starke Lichtquellen, Blitze
aussenden kann, gefolgt von einem völligen Dunkel. Der dauernde
Wechsel von Überhell und Dunkel kann zu Rauschzuständen führen",
so beschreibt nicht Bernd CAILLOUX
Das Geschäftsjahr 1968/69,
sondern Peter MOSLER ("Was
wir wollten, was wir wurden", 1977, S.104) die
Underground-Scene in Frankfurt.
Für Tobias RAPP geht es in dem
Roman von Bernd CAILLOUX, dem das Stroboskop zum Symbol für 1968
wird,
"nicht nur (um) die Geburt der Gegenkultur aus dem
Geiste einer durch Technik ermöglichten Grenzerfahrung - genauso
geht es um den damit einhergehenden Konflikt, der sich immer durch
den Pop zieht: »Mit welchem Anspruch wollten wir demnächst auftreten
(...)?«"
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GEYER, Christian (2005): Ulrich Beck.
Der Großdeuter,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.07.
- Inhalt:
Christian GEYER porträtiert den Münchner
Soziologen Ulrich BECK anlässlich des Erscheinens seines neuen
Buches
"Was zur Wahl steht". GEYER
resümiert, dass BECKs Bücher, "bei allem allem Avantgardeanspruch im
Großen, im Kleinen immer ein paar Jährchen zu spät" kommen:
"Brandts Europa-Vision etwa, die Beck
unverdrossen rekapituliert, hat seit ein paar Wochen Denkpause
eingelegt, und auch die von Beck groß geschriebenen
»Bastelbiographien« stehen derzeit schon aus Kostengründen nicht
mehr zur Wahl."
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GEYER, Christian (2005): Aus einem Guß.
Frau Merkels Rede vom durchregierten Deutschland,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.07.
- Kommentar:
Christian GEYER straft
Thomas STEINFELD
Lügen, wenn er bei Angela MERKEL "rhetorische Projekte" entdeckt.
Dies ist offenbar die neueste
Zerfallsform von Projekten, die Politik aus einem Guss durch
Worthülsen, Lächeln und Schweigen vortäuscht:
"Die »Politik aus einem Guß«, von
der sie oft spricht, ist (...) nichts anderes als diese Verheißung
des Durchregierens - womit zumindest auf der Ebene der politischen
Rhetorik Politik als Bürge jenes vorpolitischen »Ganzen« auftritt,
das die Linken in »Beliebigkeit zerfaserten«"
Mit "Ganzheitsemblemen" wie
Nation, Familie oder Wahrheit sollen gemäß GEYER individuelle
Sinndefizite politikfähig gemacht werden, denn:
"Die vielfach verlorene Einheit der Welt, dieser
größte anzunehmende Modernisierungsschaden, kann zwar auch in
Deutschland nicht mehr behoben, wohl aber zivilholistisch
kompensiert werden."
GEYER sieht in Peter HAHNEs
Bestseller
"Schluß mit lustig" ein Zeichen, dass für einen
christlichen GOTTESSTAAT massenhaft Bedarf besteht:
"In dieser Fibel wird eine Art
politischer Existentialismus entworfen, eine Bedienungsanleitung,
wie sich das Politische als Antwort auf Sinnbedürfnisse verstehen
und sich ein metaphysisch gehaltvolles Profil geben kann. »Gott«
soll demnach in der Gesellschaft durchregieren, das heißt laut Hahne
den einzelnen wieder »danke« sagen lehren und ihm noch andere von
den Achtundsechzigern ausgetriebene Manieren beibringen. Das
Bändchen wird, wie man im Buchhandel hört, zumeist im Mehrpack
erworben und hat sich als persönliches Orientierungsgeschenk fest
etabliert."
GEYER ist der Ansicht, dass
MERKEL die Erhöhung der Mehrwertsteuer mit einem Schuss Peter HAHNE,
Christa MEVES vom Rheinischen Merkur und dem Papst kulturell
rahmen möchte.
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MÜLLER, Oliver (2005): Sorge dich nicht, liebe!
Christian Schuldt gibt den Frauenzeitschriften eine Theorie der
großen Liebe,
in: Berliner Zeitung v. 04.07.
- Inhalt:
MÜLLER über das Buch
"Der Code des Herzens" von
Christian SCHULDT:
"Der neue, von der Erotik des
Stilbewusstseins getragene Konservatismus ist nicht Schuldts Sache.
Er sucht vielmehr nach Indizien eines Wertewandels, die ein solides
partnerschaftliches Leben auf dem Prenzlauer Berg begründen sollen.
(...).
Die gute alte romantische Liebe wird rett- und lebbar, wenn man sie
gut organisiert. Mit seinem Konzept der »pragmatischen Romantik«
gibt Schuldt im Grunde einer rechtschaffenen Nebenlinie der
romantischen Liebe seine Stimme. Die langjährige verdienstvolle
Arbeit der Frauenzeitschriften an unserm Liebesglück, sie bekommt
endlich ihre Theorie".
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VATES, Daniela (2005): Die Frau will zeigen, was sie kann.
Der Politologe Gerd Langguth erklärt Angela Merkels Weg aus ihren
DDR-Erfahrungen,
in: Berliner Zeitung v. 04.07.
- Inhalt:
VATES u.a. über die Entstehungsgeschichte der
Biografie
"Angela Merkel" von Gerd LANGGUTH:
"Ein wenig ist dieses Buch ein
Zufallsprodukt. Denn eigentlich wollte Gerd Langguth eine Biografie
über Joschka Fischer schreiben. Ob er sich als Objekt der
Betrachtung auch Angela Merkel vorstellen könne, fragte der Verlag
zurück. Langguth, Politologe und langjähriges CDU-Mitglied,
orientierte sich flugs um.Dadurch kann der dtv-Verlag kurz nach der
Kür Merkels zur Kanzlerkandidatin der Union mit der aktuellsten
Biografie der Frau aufwarten, die viele bereits als erste Kanzlerin
der Bundesrepublik sehen. In letzter Minute noch wurde das Titelbild
verändert: Bedeutungsschwanger prangt hinter einer strahlenden
Angela Merkel nun ein Gemälde von Konrad Adenauer."
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CRZ (2005): Anatomie der Schweizer Familie.
Gebremster Wandel der Famielienformen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 04.07.
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KEEVE, Viola (2005): Sachliche Romanze.
Passion war gestern. Liebe ist heute realistischer denn je. Vielen
genügt eine pragmatische Allianz der Herzen, die lockere Vorform der
Vernunftehe,
in: Welt am Sonntag v. 03.07.
- Kommentar:
KEEVE hält nichts von den pragmatischen
Romantikern, weder
Christian SCHULDT ("Der Code des Herzens")
noch
Rachel GREENWALD
("Männerbeschaffungsmarketing") haben sie überzeugt,
stattdessen plädiert sie für die Liebe, die Leiden schafft:
"Mein Freund in der Theorie und ich
gehen seit kurzem getrennte Wege. Vielleicht, weil Liebe doch mehr
ist als eine Kommunikationsstrategie oder eine Konsumentscheidung -
und Kafka hätte letztlich recht: »Immer nur das Verlangen, zu
sterben und das Sich-noch-Halten, das allein ist Liebe.«"
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LEHNARTZ, Sascha (2005): Geld oder Liebe?
Die Mitglieder der ehemaligen "Neuen Mitte" hätten genug gute
Gründe, zu Wechselwählern zu werden. Aber schon der Gedanke daran
verdirbt vielen die Laune,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 03.07.
- Kommentar:
Sascha LEHNARTZ mag keine Wechselstimmung "im
linksmittig schäumenden Latte-macchiato-Milieu" wie 1998 erkennen.
Diese Erkenntnis legen die Artikel
von Jörg LAU in der ZEIT
v. 30.06.2005, von
CORDT-SCHNIPPEN ("Der röhrende Hirsch" im
Spiegel vom 13.06.2005) sowie Kurt KISTER im SZ Magazin,
nahe.
LEHNARTZ hat deshalb den
Politikwissenschaftler
Markus KLEIN gefragt, der bereits
vor längerem einen
Wertewandel bei der Generation Golf
festgestellt hat.
Das hält er auch Robert MISIK
entgegen, der in seinem Buch
"Genial dagegen" behauptet, dass Linkssein wieder hip sei.
Zum Schluss versucht LEHNARTZ die
Kulturlinke zu überzeugen, dass mit einem homosexuellen WESTERWELLE
und einer kinderlosen Angela MERKEL "Werte wie Toleranz gegenüber
differierenden Lebensentwürfen, die eigentlich dem rot-grünen Lager
zugeschrieben wurden", auch bei den Konservativen etabliert seien.
Single-dasein.de sieht das
anders.
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BARTELS, Gerrit (2005): Bessere Stapel klingt gut.
Michel Houellebecq, Philip Roth, J. M. Coetzee, Jonathan Safran
Foer und viele andere große Namen mehr: Im Juli beginnt der
Bücherherbst, und der diesjährige verspricht ein hochwertiger zu
werden,
in: TAZ v. 02.07.
- Inhalt:
BARTELS hat das Herbstprogramm der Verlage
studiert und gibt einen kleinen Vorgeschmack:
"Zu
nennen wären da etwa Michel Houellebecqs neuer Roman
»Die Möglichkeit einer Insel«, der Ende August
erscheint und laut Verlag »eine radikale
Abrechnung mit unserer heutigen Gesellschaft«
sein soll und genauso »radikal unsere
Zukunft entwirft«. Das ist schönste
Verlagsprogrammprosa, doch deuten diese Sätze auf Houellebecqs
Topthemen hin: Individualisierungs- und Globalisierungstristesse,
die Mär vom neuen Menschen und der Abschaffung des Alten, das Elend
der spät- und neoliberalen Welt etc. pp. Die hat man zwar in ihrem
ganzen provokanten Türeneinrennenwollen schon hinreichend
diskutiert, sie werden aber erneut ihre Wirkung zumindest in den
Feuilletons haben.
(...).
Ansonsten ist eine Riege von Schriftstellern am Start, die lange
dabei sind, aber noch nicht den Status eines Walsers oder einer Wolf
haben: Hanns-Josef Ortheil hat mit
»Die geheimen Stunden
der Macht«
einen Familien- und Gesellschaftsroman geschrieben, der auch ein
bisschen aus dem Innern des Literaturbetriebs erzählt;
Uwe Timm berichtet von seiner Freundschaft zu Benno Ohnesorg,
mit dem er das Kolleg in Braunschweig besucht hat; und
Matthias Politycki kann mit seinem Roman
»Herr
der Hörner«
zeigen, was
»relevanter
Realismus«
ist. Allerdings findet sich da in der Inhaltsangabe des
Verlagsprogramms keine erste Spur (...).
(...).
Zu guter Letzt gibt es auch Neues von
Benjamin v. Stuckrad-Barre,
»kurzfristig ins
Programm genommen«,
wie der Rowohlt Verlag stolz seinen Neuerwerb verkündet. Doch der
Titel und die Ankündigung verheißen wenig Gutes:
»Was.Wir.Wissen«
heißt das Buch, das ein Internetabfallsuchmaschinenschnipsel-Buch
ist. Dieses lässt einen erneut den Wunsch hegen, Stuckrad-Barre möge
sich einmal drei, vier Jahre zurückziehen und endlich einen
richtigen und vielleicht guten Roman schreiben."
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STEINFELD, Thomas (2005): Jetzt, damals und dann.
Über die Abschaffung der Gegenwart, den historischen Augenblick und
das Ende der Projektemacherei,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.07.
- Inhalt:
Für
Thomas STEINFELD ist die Zukunft intransparent geworden, und damit sind auch alle zukunftsgerichtete
Projekte obsolet geworden:
"Der Begriff der Avantgarde war auf die
Zukunft als plastisch verfügbare Zeitmasse bezogen. Daran glaubten,
unter Aufbietung eines beträchtlichen Maßes an Dezisionismus - sogar
noch die »Futurologen« und »Zukunftsforscher« der 60er und 70er
Jahre. Von ihrer Arbeit blieben nur jämmerliche Schrumpfformen: die
Trendforschung und die demographische Hochrechung. In letzterer,
also in den Prognosen zu Bevölkerungsentwicklung und Altersstruktur,
scheint sich übrigens der ultimative Rest geschichtsphilosphischer
Gewissheit zu verbergen.
Auch die letzte, völlig vage
Verfallsform einer geplanten und als planbar vorgestellten Zukunft -
das »Projekt der Moderne«, für das Jürgen Habermas eines warb, das
»Projekt Rot-Grün«, mit dem noch vor sechs Jahren eine neue Ära der
Politik beginnen sollte - ist längst absurd, ja lächerlich geworden.
Aus gutem Grund redet jetzt niemand über ein »Projekt
Schwarz-Gelb«".
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LIPPITZ, Ulf (2005): Wiedersehen im World's End.
Eine britische Karriere: 1975 ein Punk, 1985 ein Yuppie. Heute sagt
der Werbemanager Stephen Colegrave, er habe den Sex Pistols alles zu
verdanken,
in: Tagesspiegel v. 02.07.
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SPINNEN, Burkhard (2005): Politische Phantomschmerzen.
Burkhard Spinnen diagnostiziert die Amputation von Gesinnungen und
Utopien, die er niemals besessen hat,
in: Welt v. 01.07.
- Kommentar:
Willkommen im Club der 78er!
Burkhard SPINNEN hält es wie
Matthias POLITYCKI mit einer
unverbindlichen Verbindlichkeit, die so manchen Angehörigen unserer
neuen Werteelite auszeichnet, weshalb seine Definition der
Literaturaufgaben den potemkinschen Dörfern eines POLITYCKI in
nichts nachstehen:
"Es ist nicht die Aufgabe der
Kunst, Politik zu illustrieren, abstrakte Programme auf fesch
erzählte Exempel herunterzubrechen. Es ist vielmehr ihre Aufgabe,
aktuelle Politik daraufhin zu befragen, ob sie überhaupt eine
Sprache spricht, mit der sich die Gegenwart erreichen und in der sie
sich sinnvoll gestalten läßt. Relevanz erhält eine solche Literatur
beileibe nicht dadurch, daß sie die gängigen (das heißt
marktgängigen) Themen abhandelt! Wer an der Verschlagwortung der
Gegenwart mitarbeitet, verliert den Namen Literatur.
Dagegen gilt es, exemplarisch
darzustellen, was demnächst sein wird, ohne daß wir jetzt bereits
die Begriffe dafür hätten: die zukünftige Erscheinung etwa von
Freiheit, Alter, Tod und Würde. Themen müssen nicht besetzt, sondern
gefunden werden"
SPINNEN muss sich fragen
lassen, ob Freiheit, Alter, Tod und Würde nicht allesamt
zeitgeistige, marktgängige Themen sind, deren Bestsellertauglichkeit
Frank SCHIRRMACHER bereits bewiesen
hat. SPINNEN rennt sozusagen offene Türen ein.
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LAU, Mariam (2005): Jetzt ist wer dran? Die Neokons, wer sonst?
Die 68er sind angeblich am Ende, und wir müssen uns mit den neuen
Konservativen anfreunden. Sie sind da, sie sind reich, sie sind die
Zukunft. Auch wenn’s verdammt schwer fällt. Ein Annäherungsversuch,
in: SZ Magazin v. 01.07.
- Inhalt:
Mariam LAU ("Die
neuen Sexfronten") widmet sich dem Konservatismus. Sie
beginnt mit einem Blick auf die Situation in Amerika, um dann die
Situation in Deutschland als noch konfuser darzustellen:
"»Der Konservatismus ist nicht
tot. Er war nur noch nie so konfus«, stellt der Kolumnist Andrew
Sullivan fest. Sullivan sieht ein tödliches Ringen am Werk zwischen
den »Konservativen des Glaubens«, die mit Hilfe des Staates moralische
Werte durchsetzen wollen, und den »Konservativen des Zweifels«, die so
wenig Staat wie möglich wollen, schon gar keinen, der den Leuten in
ihr Privatleben hineinregiert. Der deutsche Konservatismus muss noch
ganz andere Zerreißproben aushalten: Marktliberale und
Sozialstaatsbewahrer, Transatlantiker und Europa-Fixierte,
untergehende Nationalkonservative versus Kosmopoliten, Lebensschützer
und Forschungsbegeisterte, kleines c gegen großes C, Dorfschänken
gegen Internetcafés. Sogar eine stattliche Anzahl Neocons, Anhänger
amerikanischer konservativer Strömungen also, haben wir inzwischen,
allerdings meist ohne Parteibindung. Die alle verbindende Klammer des
Antikommunismus fiel mit 1989 weg. Ist nun der Kampf gegen 1968 der
Kitt? Oder verleiht das Diffuse gerade die Geschmeidigkeit, die es
braucht, um in einer weit gehend sozialdemokratisierten Gesellschaft
am Ball zu bleiben?"
Um diese Frage zu beantworten,
begibt sich LAU auf einen Streifzug durch die Konservatismen.
Beginnend mit Eckart von KLAEDEN,
weiter über
Sophie DANNENBERG,
Uwe TELLKAMP,
Alexander von SCHÖNBURG, die
Zeitschrift Cicero, Alexander GAULAND,
Arnulf BARING bis zu den jungen
Neocons der Generation Golf.
Als Vorzeige-Neokon dient LAU
Johannes BOHNEN. Dem wird zum Abschluss der MEISNER-Katholizismus als
konservatives Schreckgespenst gegenüber gestellt.
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NEON-Titelgeschichte:
Willst du mit mir wohnen?
Zehn wichtige Fragen, die Frauen und Männer
vor dem Zusammenwohnen klären sollten |
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BÄUERLEIN, Theresa & Tobias KNIEBE (2005): Komm rein!
Ihr seid verliebt? Toll! Jetzt wollt ihr in eine gemeinsame Wohnung
ziehen. Davor solltet ihr euch eure Partnerin oder euren Partner aber
noch mal ganz genau anschauen. Und euch genau zehn wichtige Fragen
stellen,
in: Neon, Juli/August
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- SCHRÖDER, Vera (2005): "Ich bin ein
eifersüchtiger Klammeraffe".
Ehrliche Kontaktanzeigen.
Nichts als die Wahrheit, 8. Teil: NEON-Singles erzählen aufrichtig von
ihren Macken - und warum es sich trotzdem lohnt, sie kennen zu lernen,
in: Neon, Juli/August
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- KRUMPHOLZ-REICHEL, Anja (2005):
Tiefenstruktur der Liebe.
Das Autorenduo Bierhoff/Rohmann fasst die Psychologie der
Paarbeziehung zusammen. Diana Ecker widmet sich der leidvollen Frage:
Wie holt man nach vielen Jahren das Begehren zurück?
in:
Psychologie Heute Nr.7,
Juli
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- MICHEL, Gabriele (2005): Bastard, Bankert,
Hurenkind.
Sybille Buske hat die Geschichte der Unehelichkeit erforscht,
in:
Psychologie Heute, Nr.7,
Juli
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UNIVERSITAS-Schwerpunkt: Die
Sache mit der Liebe
- RAULAND, Marco (2005): Amors
chemische Pfeile,
in: Universitas Nr.7, Juli
- HILGERS, Micha (2005): Verliebtheit
und die Kunst der dauerhaften Liebe,
in: Universitas Nr.7, Juli
- HÜTHER, Gerald & Inge KRENS (2005):
Attraktive Spermien und verführerische Eizellen,
in: Universitas Nr.7, Juli
- ROTH, Gerhard (2005): Sexualität,
Verliebtsein und Liebe,
in: Universitas Nr.7, Juli
- BORK, Uwe (2005): Es ist nicht gut,
dass der Mensch allein sei.
Der Mensch, die Religion und die Ehe,
in: Universitas Nr.7, Juli
- FISHER, Helen (2005): Die Evolution
der romantischen Liebe beim Menschen,
in: Universitas Nr.7, Juli
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- STRUNK, Heinz (2005): Hühner & Idioten.
Was ist dran am deutschen Pop?
in: Rolling Stone, Juli
- Inhalt:
Heinz STRUNK bekennt sich zur Hamburger Schule (Blumfeld und
Tocotronic) und schmäht den Epigonen-Pop von Juli bis Madsen.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom
28. - 30. Juni 2005
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