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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
     
       
       
   

News vom 1. bis 15. Juni 2001

 
       
     
       
       
     
     
   
  • STEINKOHL, Sibylle (2001): Die Lego-Familie.
    Zerlegt, vermischt und neu zusammengesetzt: Warum manche Verwandtschaften so verwickelt sind,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.06.
  • NOBEL, Inga (2001): Ein Recht auf beide Eltern,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.06.
  • STEINKOHL, Sibylle (2001): "Nicht gleich Ersatzpapa sein",
    eine Psychologin rät neuen Partnern zu Geduld,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.06.
 
   
  • DEGEN, Rolf (2001): Sich oft vergleichen - kein gutes Zeichen.
    Glückliche Menschen messen ihre Leben seltener an anderen, Miesepeter umso häufiger,
    in: Tagesspiegel v. 12.06.
 
   
  • PAPIER, Hans-Jürgen (2001): Das Rentenversicherungsrecht vor dem Grundgesetz.
    Eigentum, Gleichheit und Schutz der Familie,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.06.
 
   
  • SOHN, Manfred (2001): Das Einfache, das so schwer zu machen ist.
    Wo Kapitalismus sich ausbreitet, sinkt die Geburtenrate. Und seit 1989 breitet sich der Kapitalismus weltweit ungehemmt aus (Teil 3),
    in: junge Welt v. 11.06.
    • Kommentar:
      SOHN ist ein Vertreter der Wohlstandstheorie. Nach dieser Theorie sind die Geburtenraten dort am geringsten, wo der Wohlstand am größten ist. Die Lösung des Problems ist für SOHN eine Umverteilung, die er in einem 5-Punkte-Programm zusammenfasst:
                  "1. Gesetzliche Durchsetzung eines mindestens 50- prozentigen Zeitanteils der Männer an der Erziehungsarbeit ihrer Kinder von deren Geburt an.
      2. Parallel dazu radikale Reduzierung der gesellschaftlich tolerierten Erwerbsarbeit auf die 25 Wochenstunden, die bei Vollbeschäftigung und rationaler Arbeitsorganisation schon heute ausreichen würden, um den in den entwickelten kapitalistischen Ländern erreichten Lebensstandard zu sichern.
      3. Aufbau einer umfassenden staatlichen Kinderversorgung ab dem dritten Lebensjahr als Angebot an die Eltern ohne Pflicht, so daß sie die Nutzung dieser Einrichtung nicht von der Not der Versorgung, sondern von deren qualitativer Überlegenheit gegenüber der Erziehung zu Hause abhängig machen - und/oder Aufbau von Kinderbetreuungsdiensten für zu Hause.
      4. Pflicht aller Betriebe und Behörden, die Arbeitszeit ihrer Beschäftigten an deren Kinderbetreuungsbedürfnisse anzupassen statt umgekehrt.
      5. Bezahlung der Erziehenden in den Kindereinrichtungen mit Gehältern, die mit denen in der nichtreproduktiv tätigen Wirtschaft des Landes mindestens gleich sind."

                  Die Alternative zur Durchsetzung dieser Forderungen ist für SOHN das Aussterben der Deutschen.
 
     
   
  • BOHNKE, Brigitte (2001): Zum lebendig alt werden gehört: "Nicht jammern, vorwärts schauen".
    "Alltag im Alter": Lebensläufe. Dem leben alleine eine verlässliche Struktur geben,
    in: Oberhessische Presse v. 11.06.
 
   
  • FOSEN, Griselda (2001): Ein Großteil der neuen Bewohner sind Singles,
    in: Oberösterreichische Nachrichten v. 11.06.
    • Kommentar:
      Selten wird der Zusammenhang zwischen Haushaltszahlen und kommunalen Interessen erwähnt:
                  "Ein Rohrbacher ist 7000 Schilling wert, für die Stadt bedeuten die 220 zusätzlichen Bewohner ein Zusatzeinkommen von 1,54 Millionen Schilling. (...)
      In einigen wenigen Fällen ist die Hauptwohnsitzfrage noch unklar, in den nächsten Wochen wird Stadtchef Josef Oyrer (VP) mit seinen Mitstreitern entscheiden, ob diese beeinsprucht werden sollen. Mit vielen Studenten sind die Stadtväter zufrieden. Immerhin ließen diese die vielen Zuckerln der Universitätsstädte kalt, mit denen sie geködert werden sollten."
 
   
  • RÖHRS, Christine-Felice (2001): Fünf Etagen Berlin.
    Ein Mietshaus in Prenzlauer Berg: Einer aus dem Osten, sechs aus dem Westen, drei Ausländer, sechs Singles, ein Pärchen und eine Familie erzählen, wie sich ihre Stadt anfühlt,
    in: Tagesspiegel v. 10.06.
    • Kommentar:
      repräsentativ ist das nicht, aber es passt zu den Klischees!
 
   
  • SOHN, Manfred (2001): Die Emanzipation ist schuld?
    Wo Kapitalismus sich ausbreitet, sinkt die Geburtenrate. Und seit 1989 breitet sich der Kapitalismus weltweit ungehemmt aus (Teil 2),
    in: junge Welt v. 09.06.
 
   
  • BOMMARIUS, Christian (2001): Der Ehevertrag.
    Vom Nutzen und Nachteil notariell beurkundeter Ernüchterung,
    in: Berliner Zeitung v. 09.06.
 
   
  • BASLER ZEITUNG (2001): Viele Senioren wollen gemeinsam wohnen,
    in: Basler Zeitung v. 09.06.
 
   
  • STEIN, Christiane (2001): Singles bekommen eigene Messe.
    Bundesweit erste Veranstaltung in Wiesbaden. Vom Ein-Personen-Kochtopf bis zum Bügelkurs,
    in: Allgemeine Zeitung v. 09.06.
    • Inhalt:
      Bericht über die "SingleWorld - Messe für das Single-Leben", die vom 28. Juni bis 1. Juli in Wiesbaden stattfindet.
      • Kommentar:
        Die Zahlen, die von den Veranstaltern auf der Homepage präsentiert werden, scheinen doch allzu optimistisch. Die einzelnen Statistiken beziehen sich zudem auf unterschiedliche Altersgruppen. Einmal werden die 25-45jährigen, dann wieder die 25-55jährigen als Zielgruppe genannt.

                    Indem die hohe Kaufkraft in den Vordergrund gestellt wird, möchte man suggerieren, dass es sich vor allem um Yuppies handelt.
                    Die Kaufkraft ist jedoch bei den Alleinlebenden sehr ungleichmäßig verteilt. Man muss vor allem zwischen Männern und Frauen unterscheiden. Die Männer dominieren im mittleren Lebensalter. Sie sind jedoch zum einen weniger gut gebildet als die Frauen und sie gehören zum anderen in höherem Masse zu den Geringverdienenden.
                    Davon abgesehen ist die Messe nicht nur für Alleinlebende, sondern vor allem für individualisierte Paare interessant. Hier liegt wohl auch das eigentliche Konsumentenpotenzial. Doppelverdienende Paare, sogenannte DINKs (Double Income No Kids) sind diejenige Gruppe, die den höchsten Lebensstandard in Deutschland haben. Nach Abzug der Miete bleibt den Alleinlebenden wesentlich weniger als diesen DINKs, deren Zahl auch bedeutend höher ist, da sie zwar haushaltstatistisch oftmals zu den Einpersonenhaushalten gezählt werden, aber nicht alleine, sondern zusammenwohnen.
                    Das Statistische Bundesamt kennt keine Paare, sondern nur Wirtschaftsgemeinschaften. Diese Verzerrung führt zu falschen Vorstellungen bei Produzenten und Dienstleistern über ihre Zielgruppe.
 
   
  • PFEIFFER, Franziska (2001): Lass mich Dein Untermieter sein.
    Sie sind jung, ledig, vermögend und suchen eine Stadtwohnung? Geben Sie es auf. Drei Zimmer, Küche, Bad gibt es nur in Verbindung mit Ehefrau, Babys oder schrulligen Wirtinnen. Falls es Sie tröstet: Sie sind nicht allein.
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.06.
    • Kommentar:
      In den Zeiten der Familienpolitik ein politisch unkorrekter Artikel über den Wohnungsmarkt für Singles.
 
   
  • SCHAYANI, Isabel (2001): Mädchen, schon mal was von der Pille gehört?
    Ich bekomme ein drittes Kind - und von meinen Kollegen und Kolleginnen jede Menge Ratschläge. Ein Erfahrungsbericht,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.06.
    • Kommentar:
      Medienalltag in der Mediengesellschaft. Da können nur Klischees herauskommen...
 
   
  • EXLER, Andrea (2001): Erst Kinder machen aus einem Paar eine Familie.
    Das Ehegattensplitting geht zu Lasten der heranwachsenden Generation - In anderen europäischen Ländern hat man das längst erkannt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.06.
 
   
  • SOHN, Manfred (2001): Das Reproduktionsproblem.
    Wo Kapitalismus sich ausbreitet, sinkt die Geburtenrate. Und seit 1989 breitet sich der Kapitalismus weltweit ungehemmt aus (Teil 1),
    in: junge Welt v. 08.06.
    • Kommentar:
      SOHN sieht die wahrscheinlichste Lösung des Reproduktionsproblem im Entstehen einer Klonindustrie:
                  "Mit Hochdruck arbeiten gegenwärtig bekanntlich Labore in allen drei kapitalistischen Zentren am Klonen von Säugetieren und betrachten das ganz unverhohlen als Testfeld für die künstliche Reproduktion von Menschen. In den USA ist eine heftige Diskussion um die damit zusammenhängenden ethischen Fragen entbrannt. Türöffner für die Legitimität dieser Versuche sind die 3,5 Millionen ungewollt kinderlosen Paare in den USA, denen auf diesem Wege geholfen werden könnte, Kinder zu bekommen. Der Schritt, das Klonen von Menschen als Lösung nicht nur der Kinderlosigkeit von Millionen Einzelpaaren, sondern einer kinderlosen Gesellschaft anzubieten, dürfte bald folgen."
 
     
   
  • GAULAND, Alexander (2001): Wo sind die deutschen Konservativen?
    Parteiübergreifend macht sich haltloser Ökonomismus breit - und die Union gibt klein bei,
    in: Welt v. 08.06.
    • KOMMENTAR:
      GAULAND sehnt sich nach einem Bollwerk gegen Zivilgesellschaft und Markt. Dies ist für ihn nicht die Familie, sondern der deutsche Konservatismus (z.B. die royale Tristesse des Geists von 1914), an dem auch die deutsche Familie genesen soll:
                  "Eine konservative Position darf nicht länger auf die Zersetzung der Vorurteile setzen, sondern muss auch Vorurteile auf ihre gesellschaftliche Nützlichkeit prüfen. Ist es wirklich so schwer verständlich, warum finanzielle Familienpolitik nichts mehr ausrichtet? Eine Gesellschaft, die sich nicht mehr im Burkeschen Sinne als die Gemeinschaft der Lebenden, der Toten und der noch nicht Geborenen begreift, kann kein Interesse am biologischen Fortbestand haben. Warum soll ich die Mühsal der Fortsetzung des Volkes in der Familie auf mich nehmen, wenn ein paar Millionen Einwanderer das Fortbestandsproblem auch lösen? Die Wiedergewinnung der Transzendenz könnte deshalb mehr für den Generationenvertrag bewirken als die großzügigste finanzielle Ausstattung."
 
   
  • LINTZEL, Aram (2001): Im Klub mit der Regierung.
    Generation Berlin und ihre Popkultur in Berlin-Mitte.
    Berlin-Mitte ist ein Reagenzglas, in dem Pop und Establishment, Mainstream und Underground stets neue Mischungsverhältnisse bilden. Dabei hat es den Anschein, als entstehe hier die nächste Generation jener Bobos
    («Bourgeoise Bohemians»), die der Amerikaner David Brooks beschreibt,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 07.06.
 
   
  • HONNIGFORT, Bernhard & Franz SCHMIDER (2001): Zur Arbeit ohne Rückfahrkarte.
    Eine ostdeutsche Familie: Der Vater jobbt in Bayern, die Mutter in Sachsen und die Töchter in Baden-Württemberg,
    in: Frankfurter Rundschau v. 07.06.
    • Kommentar:
      "Living apart together" nannte sich Anfang der 90er Jahre die freiwillige Bindungsform der "Aristokraten der Liebe" (HORX), heutzutage stehen dagegen die berufsbedingten Formen der "Spagatfamilie" (Ulrich BECK), "Commuter-Ehe" (PEUCKERT) oder "Fernliebe" im Brennpunkt.
                  Die Romantisierung der Familienpolitik - wie sie z.B. im Imagewandel der Grünen zum Ausdruck kommt (siehe TAZ vom 07.06.2001) - verkennt die Realitäten in Deutschland. Fehlende Arbeitsplätze und damit verbundene Abwanderungsprozesse führen genauso zum Bevölkerungsrückgang wie die Hoffnungslosigkeit der Daheimgebliebenen:
                  "was Tochter Nicole in Lörrach auffiel (...): 'Man sieht hier so viele Kinder überall.' Im letzten Jahr vor der Wende wurden in den ostdeutschen Ländern noch 220 000 Kinder geboren. 1994 waren es gerade noch 79 000, im vergangenen Jahr 104 000. Nirgendwo sonst auf der Welt werden weniger Kinder geboren als in Ostdeutschland: 1,1 pro Frau (...). Die fünf ostdeutschen Länder haben in den vergangenen zehn Jahren eine Million Einwohner verloren. Hält der Trend an, wird die Bevölkerungszahl bis 2020 noch einmal um eine halbe Million sinken. Europaweit haben Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die höchsten Abwanderungsraten. Nur die portugiesische Armenregion Alentejo weist vergleichbare Zahlen auf. Noch schmerzlicher als die reine Zahl ist, dass vor allem die hoch qualifizierten und jungen Menschen den Osten verlassen."
 
     
   
  • WEILAND, Severin (2001): Grüne kennen nur noch Kinder.
    Eine Gruppe von Bundes- und Landespolitikern der Grünen legt ein Papier zur Kinder- und Familienpolitik vor. Flügelübergreifend wird jede Sparte der Politik von Umwelt bis Soziales mit kinderfreundlichem Blick betrachtet. Fazit: Was den Kleinen nutz, ist sowieso grün,
    in: TAZ v. 07.06.
  • WEILAND, Severin (2001): Grüne entdecken die Familie.
    Für einen Augenblick haben die Grünen ihre Flügelkämpfe beiseite gelegt: In einem Papier fordern Bundes- und Landespolitiker eine kindgerechte Politik - mit Familien als "Verantwortungsgemeinschaften" sowie kostenlosen Kitas und Ganztagsschulen,
    in: TAZ v. 07.06.
  • PÖTTER, Bernhard (2001): Harte Politik, kein Kinderspiel.
    Die Grünen sind auf dem Weg zu einer gerechteren Familienpolitik,
    in: TAZ v. 07.06.
    • Kommentar:
      Die Grünen betreiben eine Romantisierung der Familienpolitik.
                  Der Begriffswandel von der "Familienpolitik" zur "Kinderpolitik" soll einen Politikwechsel andeuten. Nicht mehr Frauen- oder Eheförderung, sondern Kinderförderung und damit die Lebensqualität von Kindern soll nach WEILAND im Zentrum der neuen grünen Politik stehen.
                  Fragt sich nur, wie dies durchgesetzt werden soll. Wer kann verhindern, dass das Kindergeld nicht den Eltern, sondern den Kindern zugute kommt? Ein Kasten Bier mehr für den Familienvater, eine Flasche Champagner für die Mutter. Schließlich sind die Eltern die neuen Leistungsträger der Gesellschaft und das Kindergeld quasi Ersatzlohn!
                  Wie soll verhindert werden, dass die Kluft zwischen den benachteiligten Kindern - also den familienlosen Kindern sowie den ungewollten Kindern - und den besser gestellten Kindern fördernder Eltern nicht noch größer wird?
      Durch einen Kinderschutzbeauftragten wie PÖTTER fordert? Dagegen spricht die bürgerliche Privatreligion "Kind". Der Staat soll zwar die Familie fördern, aber gefälligst die Privatsphäre Familie unangetastet lassen, denn die Familie ist in romantischer Sicht das letzte Bollwerk gegen den globalen, digitalen Kapitalismus wie es Peter GLOTZ oder Michel HOUELLEBECQ formulieren.
                  Auch die demographische Entwicklung erfordert gemäß deutschem Mainstream mehr Kinder, um den Wohlstand der heutigen Erwachsenen zu sichern. Es erstaunt jedoch, dass selbst ostdeutsche Politiker fehlende Kinderbetreuungseinrichtungen für den Kindermangel verantwortlich machen.
      Gerade die neuen Bundesländer zeigen jedoch, dass sich Geburtenausfall und Vorhandensein von Kinderbetreuungseinrichtungen keineswegs ausschließen.
      In Ostdeutschland mit seiner kinderfreundlichen Infrastruktur liegt die Geburtenrate gegenwärtig bei 1,1, während sie in Westdeutschland mit seiner kinderfeindlichen Infrastruktur bei 1,5 liegt.
                  Die Babyflaute muss also auch andere Ursachen haben, die sich nicht mit einer Familienpolitik für wohlhabende Großstadtyuppies mit Kinderwunsch (Die Stadtsoziologin Monika ALISCH hat hierfür den Begriff "Family-Gentrification" geprägt) aus der Welt schaffen lassen.
                  Die Schaffung sicherer, zukunftsfähiger Arbeitsplätze, mit denen sich Familien ernähren lassen, ist möglicherweise die bessere Familienpolitik. Eine Kindergrundsicherung ist dagegen das Eingeständnis, dass die Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik versagt hat.
 
   
  • DRIBBUSCH, Barbara (2001): Wo Liebe hinfällt - und wann,
    in: TAZ
    v. 07.06.
    • Kommentar:
      Die "Onkel-Ehe" besitzt eine erstaunliche Kontinuität im Nachkriegsdeutschland:
                  "'Die nichteheliche Lebensgemeinschaft ist ein Schlager unter den Älteren', sagt Sozialforscher Christian Alt vom Deutschen Jugendinstitut in München. Späte Liebschaften enden oft nicht vor dem Traualtar, weil Witwen und Geschiedene nicht ihre Renten- oder Versorgungsansprüche mindern wollen." Die "Ehe ohne Trauschein" ist also keine Erfindung der 68er, wie das fälschlicherweise angenommen werden könnte, sondern ein Nebenprodukt der Sozialgesetzgebung. Die Vorbildwirkung der Onkel-Ehen war erstaunlicherweise nie ein Thema. DRIBBUSCH geht auch auf den Heiratsmarkt in Verbindung mit traditionellen Rollenvorstellungen von Mann und Frau ein: "Umfragen haben ergaben, dass die Partner in nichtehelichen Lebensgemeinschaften, in denen die Frau wirtschaftlich stärker ist, eher dazu tendieren, nicht zu heiraten, selbst wenn ein Kind da ist".
 
   
  • ALEXANDER, Robin (2001): Not- und Hilfsgemeinschaft.
    Friedrich Schiller und die Geschichte lehren uns, wie wichtig gute Nachbarschaft ist. Nur: Das Leben spricht dagegen,
    in: TAZ v. 07.06.
    • Inhalt:
      Ein Beitrag aus der Perspektive linksalternativer Stadtteil- und Wohnkultur.
 
   
  • LOHSE, Eckart (2001): Noch hat das schöne Papier vom Kinderparadies keine Flecken.
    Über die Finanzierung ihrer Vorschläge beraten die jungen Grünen ein andermal,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.06.
    • Kommentar:
      LOHSE vergleicht das Thesenpapier der Familiengrünen mit den "romantisierenden Zeilen" des Popstars Herbert GRÖNEMEYER ("Kinder an die Macht"). LOHSE spricht von einem "Formelkompromiss", der sowohl den Realos als auch dem linken Flügel gerecht wird. Der Preis dafür ist jedoch die Ausklammerung der Finanzierungsfrage.
 
     
   
  • BENDKOWSKI, Halina (2001): "Herstory" - ohne Geschichte.
    Alice Schwarzer warb einst für das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung nicht Mitleid heischend, sondern emanzipatorisch. Heute ist sie berührt - aber wofür steht sie noch?,
    in: TAZ v. 06.06.
 
     
   
  • STEIN, Rosemarie (2001): Der verheimte Mensch.
    Die Pflege von Hilfsbedürftigen leidet unter Personalmangel,
    in: Tagesspiegel v. 06.06.
 
     
     
   
  • PCA (2001): Geburtenrückgang und wachsende Mobilität in Sachsen.
    Der Bevölkerungsrückgang ist nur bedingt auf die Abwanderung in die alten Bundesländer zurückzuführen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.06.
    • Inhalt:
      Bericht über eine Untersuchung zu den Ursachen den Bevölkerungsrückgangs in Sachsen.
                  "Wesentlich für den Bevölkerungsrückgang ist die Tatsache, dass in Sachsen weniger Kinder zur Welt kommen als früher, die Geburtenrate liegt bei 1,2, im Westen beträgt sie etwa 1,5".
      • Kommentar:
        Was in der familienpolitischen Debatte immer verschwiegen wird: der wiedervereinigungsbedingte Geburtenausfall in den neuen Bundesländern drückt die gesamtdeutsche Geburtenrate.
                    Das ganze Ausmaß ist auch hier nicht sichtbar, sondern nur in einem Vergleich über die Jahre von 1989 bis heute. Eine Familienpolitik, die diesen Aspekt ausblendet, muss scheitern.
 
   
  • LAU, Mariam (2001): Mit den Kleidern fällt das Kollektiv.
    Noch ein Paradigmenwechsel: Von der Öffnung des Badezimmers in Richtung Wohnraum,
    in: Welt v. 02.06.
    • Kommentar:
      Mariam LAU hat einen Paradigmenwechsel in den Paarbeziehungen der Neuen Mitte wahrgenommen, dessen Ort das Badezimmer ist: vom Konflikt zwischen Mann und Frau zum Konsens von Schwestern (und Brüdern). Der Mann wird zum Bowlen geschickt, welches gemäß Robert D. PUTNAM ("Bowling alone") seinen Charakter ebenfalls verändert hat...
 
   
  • KÖSTER, Klaus (2001): Plön hat ein Männerproblem.
    Statistische Schieflage zu Lasten der Frauen,
    in: Kieler Nachrichten v. 02.06.
 
   
  • DAHLHELM, Holger (2001): Vom Siechenhaus zum Jungfernstift.
    Von alters her tragende Säulen der Gesellschaft: Stiftungstag in Reutlingen stellt soziale und kulturelle Leistungen vor,
    in: Reutlinger Generalanzeiger v. 02.06.
    • Textauszug:
      "Neben der Kranken- und Armenfürsorge war die Unterstützung der Ausbildung Benachteiligter ein Stiftungszweck, der zum Beispiel durch das »Gregor Zieglersche Stipendium und Stiftung für zwei Arme Jungfrauen, welche sich verehelichen« verfolgt wurde. Im Zeitraum zwischen 1527 und 1811 konnten sich würdige Jungfrauen zu einem jährlichen Termin bewerben. Kriterium für die Vergabe von Stiftungsmitteln an jeweils zwei junge Frauen war die Tugendhaftigkeit, die bei Kinderlosigkeit als gegeben angesehen wurde."
 
   
  • GERMIS, Carsten (2001): Ganz schnell auf der Matte.
    Richter Borchert fordert Entlastungen für Familien in der Rentenversicherung und droht mit Klagen,
    in: Tagesspiegel v. 02.06.
 
   
FOCUS-Titelgeschichte: Böse Männer, gute Frauen?
  • GERBERT, Frank (2001): Adam ist an allem schuld.
    Sind sie bloß gewaltbereite Gefühlskrüppel? Männer erkennen ihre Abwertung durch den weiblichkeitsseligen Zeitgeist - und einige wehren sich sogar,
    in: Focus Nr.23 v. 02.06.
    • Inhalt:
      "Für Männer kommt es einer Mutprobe nahe, gegen all die Vorurteile anzugehen, auf die sich die Feindlichkeit gegen ihr Geschlecht beruft. Paul-Hermann Gruner und das Autorenduo Peter Köpf und Alexander Provelegios haben es in ihren Büchern (...) dennoch getan; ihre Argumente sind nicht leicht von der Hand zu weisen", schreibt GERBERT.
  • GERBERT, Frank (2001): Expedition ins Land Masculinia.
    Dietrich Schwanitz erklärt die Freuden und Tücken des Mannseins - und warum es Frauen so schwer fällt, Männer zu verstehen,
    in: Focus Nr.23
    v. 02.06.
  • GERBERT, Frank (2001): Vorbild Gentleman.
    Dietrich Schwanitz über männliche Krisenerscheinungen und die Auswirkung des weiblichen Kommunikationsstils auf die Gesellschaft,
    in: Focus Nr.23 v. 02.06.
 
   
  • JÄHNER, Harald (2001): Das Glück schien machbar.
    Heute vor vierzig Jahren wurde die Anti-Baby-Pille erstmals in der Bundesrepublik verkauft,
    in: Berliner Zeitung v. 01.06.
    • Kommentar:
      "In Westdeutschland fiel trotz steigender sexueller Aktivität die Geburtenrate zwischen 1964 und 1978 um 46 Prozent. Nach dem statistischen Pillenknick, zeitlich identisch mit der so genannten sexuellen Revolution, stieg die Geburtenrate wieder kontinuierlich an."
                  JÄHNER meint offensichtlich nicht die GeburtenRATE, sondern die GeburtenZAHLEN. Die GeburtenRATE hatte ihr Minimum Mitte der 80er Jahre erreicht.
  • EHRENSTEIN, Claudia (2001): Frauen werden immer später zu Müttern.
    40 Jahre Antibabypille - Auch die Gene bestimmen Zeitpunkt des Kinderwunsches,
    in: Welt v. 01.06.
    • Kommentar:
      Im Gegensatz zu JÄHNER vermeidet EHRENSTEIN den Eindruck einer Wende in der Geburtenentwicklung:
                  "Die Pille ermöglichte es den Frauen erstmals, Zeitpunkt der ersten Geburt und Zahl der Kinder mit großer Zuverlässigkeit selbst zu bestimmen (...). Tatsächlich zeichnete sich Mitte der sechziger Jahre ein deutlicher Geburtenrückgang ab, der mit Sicherheit auch auf die Einführung der Pille zurückzuführen ist. Zwischen 1963 und 1978 sank in Deutschland die durchschnittliche Zahl der Kinder pro Frau von 2,5 auf 1,4".
                  EHRENSTEIN nimmt den Gipfelpunkt des Baby-Booms, also einer historischen Ausnahmesituation, um den Eindruck der Normalität zu vermitteln. Danach wechselt sie geschickt das Thema von der Kinderzahl pro Frau auf das Durchschnittsalter der Erstgebärenden. Dadurch kann sie den Eindruck erwecken, dass es 1978 keine Wende bei der Geburtenentwicklung gab.
                  Danach lässt sie einen Professor zu Wort kommen, der an ihre Argumentation des "sinkenden Sinkens" anknüpft:
                  "Der Anteil der Frauen, die kinderlos bleiben, nimmt ständig zu, schreibt Professor Johannes Dietl von der Universität Würzburg im 'Deutschen Ärzteblatt'. Nur jede zehnte der Frauen, die zwischen 1930 und 1950 geboren wurden, hatte keine Kinder, und das oft unfreiwillig. Heute, so Dietl, werde dagegen auch freiwillig auf ein Kind verzichtet. Von den Frauen, die nach 1965 geboren wurden, dürfte jede dritte kinderlos bleiben."
                  So etwas nennt man Dramatisierung des Geburtenrückgangs!
 
   
  • SIEMS, Dorothea (2001): Die Überalterung ist unaufhaltsam,
    in: Welt v. 01.06.
    • Kommentar:
      Zwei Mythen tischt SIEMS dem Leser auf.

                  Paare, "die sich erst einmal für ein Kind entschieden haben, bekommen in den meisten Fällen zwei und mehr Kinder. Und zwar unabhängig davon, welcher sozialen Schicht sie angehören (...), schreibt SIEMS, um dann darauf hinzuweisen, dass (...) "der Anteil der Akademikerinnen, die kinderlos bleiben werden, mittlerweile doppelt so hoch wie der der Hauptschulabsolventinnen" ist.
                  Dies ist die so genannte "Polarisierungsthese", die von den Theoretikern des Familiensektors vertreten wird, die aber in dieser Form nicht haltbar ist. Die Anzahl der Kinder pro Frau ist schichtabhängig. Mittelschichtfrauen haben weniger Kinder als Unterschicht- und Oberschichtfrauen.
                  Der zweite Mythos ist noch gravierender:
            "Jahrhundertelang waren Kinder für die Menschen unverzichtbar, um das eigene Alter abzusichern. Inzwischen hat hier zu Lande und weit gehend auch in allen anderen europäischen Staaten der Sozialstaat diese Funktion des eigenen Nachwuchses abgelöst. Damit ist die Entscheidung für oder gegen Kinder erstmals völlig losgelöst vom ökonomischen Zwang zur Vorsorge."
                  Die Rentenversicherung wurde erst notwendig, weil die Lebenserwartung gestiegen ist, d.h. die Lebensphase "Alter" ist neu.
                  Der Altersforscher Martin KOHLI weist darauf hin, dass vor 120 Jahren kaum jemand das Rentenalter von damals 70 Jahren erreichte (siehe Weser Kurier vom 31.05.2001). Er weist zudem darauf hin, dass die junge Generation von Transferzahlungen aus dem Rentensystem profitiert: "Der Wohlfahrtsstaat verdränge die familiären Leistungen daher nicht, sondern ermögliche sie erst", wird KOHLI zitiert.
 
     
     
       
       
   

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Zu den News vom 16. bis 31. Mai 2001

 
       
   
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