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Medienrundschau:
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News vom 01. -
10. Juni 2003
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Zitat
des Monats:
"Während heute von den über 75-Jährigen in
Deutschland nur 32 Prozent Männer sind, wird dieser Anteil im
Jahre 2050 auf 42 Prozent steigen. Trotzdem werden es
wahrscheinlich alte Single-Frauen sein, die künftig die Trends
im Zusammenleben, in gegenseitiger Unterstützung und seelischer
Intimität bestimmen - ungeachtet einer Werbewirtschaft, die nach
wie vor das heterosexuelle Kukident-Paar am Nordseestrand als
Altersmodell vorgaukelt."
(aus:
Barbara Dribbusch in der TAZ vom 07.06.2003) |
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- OTT, Annett (2003): 120 verschiedene
Arbeitszeitmodelle,
in: Berliner Zeitung v. 10.06.
- OTT, Annett (2003): "Familienfreundlichkeit
ist keine Wohltätigkeit",
in: Berliner Zeitung v. 10.06.
- Inhalt:
Gespräch mit Stefan BECKER, Geschäftsführer der
Initiative Beruf & Familie der Hertie-Stiftung über
familienfreundliche Gestaltung der Personalpolitik von Betrieben.
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METZLER, Gabriele (2003): Am Ende einer
Epoche.
Warum sich der deutsche Sozialstaat überlebt hat,
in: Berliner Zeitung v. 10.06.
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STEPHAN, Cora (2003): Die Freuden des Alters,
in: Signale. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 09.06.
- Kommentar:
Cora STEPHAN reißt uns den Vorhang unseres
Verblendungszusammenhangs nieder und voilà auch uns sollte nun das
Offensichtliche zugänglich sein.
Bevor
uns das Idyll der Altenrepublik blühen kann, muss
Cora STEPHAN noch kräftig die Werbetrommel rühren, denn die
"Frühpensionierung ab 57 mit goldenem Handschlag" muss weg, das
Rentenalter muss angehoben werden und die Wirtschaft muss die
"unschätzbare intellektuelle, kreative, mobile Ressource" der Alten
lieben lernen.
Mit
diesem Programm hat sich Cora zumindest ihre eigene Stelle
gesichert...
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MURAKAMI, Haruki (2003): The Folklore of our Times,
in: The New Yorker v. 09.06.
- Inhalt:
Der japanische Schriftsteller
Haruki MURAKAMI erzählt in der Kurzgeschichte über das
Aufwachsen in den 60er Jahren - eine Erzählung über die Erfahrung
einer ganzen Generation:
"I
was born in 1949. I started high school in 1963 and went to college
in 1967. And so it was amid the crazy, confused uproar of 1968 that
I saw in my otherwise auspicious twentieth year. Which, I guess,
makes me a typical child of the sixties. It was the most vulnerable,
most formative, and therefore most important period in my life, and
there I was, breathing in deep lungfuls of abandon and quite
naturally getting high on it all. I kicked in a few deserving doors—and
what a thrill it was whenever a door that deserved kicking in
presented itself before me, as Jim Morrison, the Beatles, and Bob
Dylan played in the background. The whole shebang"...
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THEMA - Ein Volk von Jammerlappen
- Kommentar:
Die Deutschen sind Weltmeister im Jammern? Offenbar
gibt es die gleichen Stereotypen auch in anderen Ländern. Diesmal
klagen Schweizer Eliten über ihre Massen. Und auch die Gründe sind
dieselben: Der Umbau des Sozialstaats und die lahmende Wirtschaft.
Selbst
die neoliberale Generation Golf ist kein deutsches Phänomen, auch in
der Schweiz wird der Generationenvertrag in Frage gestellt.
Es
kann nicht geleugnet werden: Die neoliberale Sozialstaats-Rhetorik
ist internationalisiert. Die Folge: vorbildhaft sind immer gerade
die anderen!
-
MORELL, Marco (2003): Ein Volk von Jammerlappen.
Schweizerinnen und Schweizer klönen oft und gerne meist ohne
Grund. Ungesund ist es aber nicht,
in: SonntagsZeitung v. 08.06.
-
EGLI, Lukas (2003): Früher war eh alles besser oder vielleicht doch
nicht?
Von zerrissenen Abfallsäcken bis zur lahmen Wirtschaft,
in: SonntagsZeitung v. 08.06.
-
SONNTAGSZEITUNG (2003): "Ein Erbe, das wir ausschlagen müssen".
Der Jungfreisinnige Yves Müller sieht im Generationenvertrag
einen Grund zum Jammern
in: SonntagsZeitung v. 08.06.
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- LEO, Maxim (2003): Die deutsche Mutter ist
schuld,
in: Berliner Zeitung v. 07.06.
- KERNER, Regina (2003): "Die drei Ks als neue
Ehrentitel etablieren",
in: Berliner Zeitung v. 07.06.
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OSWALD, Georg M. (2003): Verpasste Chance,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.06.
- Inhalt:
Auszug aus der Erzählung "Die Kunst, unsichtbar zu
sein".
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- PIPER, Nikolaus (2003): Was das Land
zusammenhält.
Reformen haben nur eine Chance, wenn die Menschen sie als gerecht
empfinden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.06.
- Kommentar:
PIPER kündigt eine SZ-Serie zur Zukunft des
Sozialstaats an. Getreu dem Kanzler-Motto, dass die Agenda 2010 nur
ein Vermittlungsproblem hat, wird in den nächsten Wochen die
Notwendigkeit des Sozialabbaus näher gebracht. Man darf sicher sein,
dass der Elitenkonsens hier nicht verlassen wird...
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- TAZ-Brennpunkt: Bevölkerungsprognose 2050
Was bedeutet die vom Statistischen Bundesamt aufs Neue bestätigte
deutsche Entwicklung zu einer Gesellschaft der Alten? Die Alten werden
jugendlicher und fitter, aber die Altersarmut wird steigen. Die
Partnerschaften werden wechseln, und alte Single-Frauen werden
Trendsetter
-
SCHULTE, Ulrich (2003): "Das ist eine Dauerbaustelle".
Für die Altersstruktur gibt es keine nachhaltige Lösung, meint
Bevölkerungswissenschaftler Josef Schmid. Er fordert: Rüstige Alte
müssen für ihre eigene Hochbetagtheit vorsorgen,
in: TAZ v. 07.06.
-
DRIBBUSCH, Barbara (2003): Cool bleiben und lässig altern.
Wer heute 25 Jahre alt ist, tut gut daran, über das Altern
freundlich zu denken. Als Rentner wird er unter Rentnern leben, sagt
die Statistik,
in: TAZ v. 07.06.
-
ADEN, Mareke (2003): Alte arme Welt.
Innerhalb der nächsten 50 Jahre wird das Durchschnittsalter um 12
Jahre steigen. Das stellt besonders die armen Länder vor Probleme,
in: TAZ v. 07.06.
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UNFRIED, Peter (2003): Im Namen der Sehnsucht bzw. Oberschenkel.
Unkonventionelle Lebensentscheidungen (III): Ildikó von Kürthy
lesen,
in: TAZ v. 07.06.
- Inhalt:
"Falls einer nicht alles weiß, es gibt drei
von-Kürthy-Bücher: »Freizeichen«, »Herzsprung«,
»Mondscheintarif«. Hunderttausendfach verkauft. Das letzte stand
eben noch in der Spiegel-Rangliste auf Platz 1.
Worum gehts? Heterosexuelle, urbane, kinderlose, unfreiwillige
Single-Frauen von knapp über 30 heißen Cora oder Annabel und warten
nach dem ersten halbwegs glücklich vollzogenen GV auf den Anruf von
IHM", lässt UNFRIED wissen.
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KRUSE, Katrin (2003): Zurück zu den Reversknöpfen.
Die Zukunft der Arbeit (Teil 4): Gibt es Kleider, in denen man
zeigen kann, dass man nicht arbeitet? Der Dandy war wohl die letzte
Figur, die Müßiggang ausstellte. Heute spiegelt sich das Nichstun
höchstens noch in der Rückkehr zum Reifrock oder dem Spiel mit Punk
und seiner Verweigerungshaltung,
in: TAZ v. 07.06.
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Statistisches Bundesamt:
Vorstellung der 10. Bevölkerungsvorausberechnung am 06.06.2003
-
Pressekonferenz "Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis 2050"
- Kommentar:
"Die Unterschiede
zur letzten 9. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung aus dem
Jahr 2000, die auf dem Bevölkerungsstand zum 1.1.1998 basierte,
bestehen vor allem in den Annahmen zur Lebenserwartung" sagt Johann
HAHLEN zur neuesten Bevölkerungsvorausberechnung.
Die
Vorausberechnung basiert auf Daten vom
31.12.2001 und die Geburtenrate ist eine
schlichte Fortschreibung der Vergangenheit, welche in den Medien
nicht als solche kenntlich ist.
Kommentatoren
wie MÖLLER behaupten sogar: "Die Geburtenrate wird weiter sinken".
Das muss der Journalist nicht begründen und es lässt sich auch nicht
begründen, sondern ist reine Spekulation. Genauso
gut könnte sich die Geburtenrate auf 1,7 erhöhen wie HORX dies
vermutet. Dafür gäbe es ebenfalls Gründe.
Eine
Vorausberechnung über eine Zeitspanne von 50 Jahren dient in erster
Linie ideologischen Zwecken.
Dies
wird deutlich, wenn alle Medien die Vorausberechnung im Zusammenhang
mit der Rentenreform zitieren.
- Die Pressekonferenz in den Medien
-
DRIBBUSCH, Barbara (2003): Deutsche sehen alt aus.
Statistisches Bundesamt legt neue Vorausberechnung zur
Bevölkerung vor. Im Jahr 2050 kommt auf zwei Personen im
Erwerbsalter ein Rentner. Ursachen liegen in der niedrigen
Geburtenrate,
in: TAZ v. 07.06.
- Kommentar:
"Derzeit werden in Deutschland 560.000 Babys
im Jahr geboren", behauptet DRIBBUSCH. Davon kann überhaupt keine
Rede sein.
Beim
Präsidenten des Statistischen Bundesamtes, Johan HAHLEN, heißt es
dagegen:
"Wegen
des zu unterstellenden anhaltend geringen Geburtenniveaus wird die
heutige jährliche Geburtenzahl von ca. 730 000 auf etwa 560 000 im
Jahr 2050 sinken".
Es
macht einen gewaltigen Unterschied, ob heute 560.000 oder ca.
730.000 Babys geboren werden!
Die
560.000 Babys sind erst im Jahr 2050 zu erwarten und auch nur
dann, wenn die Geburtenrate in jedem Jahr nur 1,4 Kinder pro
gebärfähiger Frau beträgt.
Ob
dieses Szenario überhaupt realistisch ist, das darf angesichts des
Erklärungsnotstandes der Bevölkerungswissenschaft bezüglich des
generativen Verhaltens bezweifelt werden.
-
HERRMANN, Ulrike (2003): Aktien sind keine Inseln.
Private Altersvorsorge hilft nicht gegen demografischen Wandel,
in: TAZ v. 07.06.
- KERNER, Regina (2003): Deutschland
schrumpft und altert weiter.
Statistisches Bundesamt: Im Jahr 2050 kommen auf 100
Erwerbstätige 78 Rentner,
in: Berliner Zeitung v. 07.06.
- HACKER, Peter (2003): Prognose des
Statistischen Bundesamtes.
Bevölkerung in Deutschland altert dramatisch. Im Jahr 2050 wird
jeder Dritte 60 Jahre oder älter sein. Rückgang auf 75 Millionen
Einwohner erwartet,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.06.
- MENG, Richard (2003): Altersstruktur
verschiebt sich dramatisch.
Bundesamt rechnet mit dreimal mehr 80-Jährigen bis 2050.
Konsequenzen für Rentensystem,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.06.
- MENG, Richard (2003): Agenda 2050,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.06.
-
PH (2003): 2020 gibt es mehr Rentner als Erwerbsfähige.
Statistiker warnen vor "kritischer Beschleunigung" der
Alterung. Grüne wollen Rentenalter auf 67 Jahre anheben,
in: Welt v. 07.06.
-
MÖLLER, Johann Michael (2003): Kinder sind die Zukunft,
in: Welt v. 07.06.
- TAGESSPIEGEL (2003): Im Jahr 2050 nur
noch 75 Millionen Deutsche.
Prognose des Statistischen Bundesamtes. Bürger lehnen
einschneidende Rentenreform ab,
in: Tagesspiegel v. 08.06.
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- STUCK, Silke (2003): "Nur noch Mutter sein -
davor hätte ich Schiss".
Drei junge Frauen reden über ihre Lebensentwürfe und darüber, ob
ein Kind dazu passt,
in: Berliner Zeitung v. 06.06.
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- BRIEGLEB, Till (2003): Wehpüree mit Kunstkäse.
Houellebecqs "Plattform" am Schauspiel Hannover,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.06.
- Inhalt:
BRIEGLEB konnte schon dem
Roman "Plattform" nicht viel abgewinnen. Er wirft deshalb der
Hannoveraner Inszenierung eine mangelnde Stellungnahme vor:
"Nun
könnte Houellebecqs Prosa ja mit etwas gutem Willen von der
moralischen Verlorenheit des kapitalistischen Subjekts handeln, das
sich nur noch im sexuellen Konsum als lebendig erlebt – nur müsste
die Theaterfassung gegenüber dieser defätistischen
Gesellschaftskritik dann irgendeine Haltung einnehmen".
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- MARSCHALL, Luitgard (2003): Vaters Söhnchen.
Mütter von Töchtern haben es auf dem Heiratsmarkt schwerer,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.06.
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WINKLER, Willi (2003): Die menschliche Suppe.
Die neue Doku-Soap "Wir machen ein Baby" oder wie Paare ihre
Bestimmung im Schnuller finden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.06.
- Inhalt:
Willi WINKLER über die
bevölkerungspolitisch wertvolle Inszenierung des Familienglücks
im neuen Agenda-TV:
"Acht
Paare, eine allein erziehende Mutter und ein Prominenten-Doppel
zeigen Glück, Glück und noch mal Glück. Warum nicht, es ist ein freies
Land.
(...). Bäuche schwellen, immer kuhiger schauen die Frauen, die, wie
sollte man es anders verstehen, endlich ihre eigentliche Bestimmung
als Reproduktionsanlage entdeckt haben. (...).
Die ausgewählten Paare spielen eifrig mit, denn es soll ja möglichst
unrealistisch sein. Nur ganz selten dringt die Wirklichkeit durch,
schreit und flennt und jammert".
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RM-Thema: Krank und arbeitslos - Hochbetrieb im Teufelskreis
- ROLOFF, Eckart Klaus (2003): Immer mobil,
aber ohne Orientierung,
in: Rheinischer Merkur Nr.23 v. 05.06.
- Kommentar:
"Etwa jeder sechste Arbeitnehmer, der nicht allein
lebt, ist derzeit aus beruflichen Gründen mobil", behauptet ROLOFF
und bezieht sich auf eine
Studie des Mainzer Soziologen Norbert F. SCHNEIDER.
Dort
heißt es jedoch:
"dass mindestens 16 % der Erwerbstätigen im Alter zwischen 20 und
59 Jahren in einer der von uns untersuchten Formen beruflich mobil
sind". Die Daten wurden bereits 1997 - also vor New Economy-Boom
und Massenarbeitslosigkeit - erhoben. Dabei stellten
Fernbeziehungen von unverheirateten Paaren mit 9 % die größte
Gruppe dar.
Hier
kommt dann das zweite Mißverständnis von ROLOFF hinzu:
Erwerbstätige, die allein leben, also Alleinlebende im Sinne des
Statistischen Bundesamtes, führen jene Fernbeziehungen, die ROLOFF
zu den Nicht-Alleinlebenden zählen möchte.
Die
Gleichsetzung von Alleinleben und
Partnerlosigkeit ist falsch, auch wenn der Sozialpopulismus
dies neuerdings gerne behauptet.
Um
mobile Lebensformen im Sinne von "Jobnomaden" irgendwie ins Thema
zu pressen heißt es zum Schluss bei ROLOFF:
"Groß
ist die Sorge, Defizite zu produzieren. Das kann sich zu einem
Leben zwischen Flucht und Flüchtigkeit auswachsen, gehetzt,
oberflächlich, entfremdet, kaum wirklich präsent und deshalb ohne
Orientierung".
Orientierungslosigkeit
ist das Lieblingswort jener, die meinen, dass es nur eine einzige
richtige Lebensform gibt.
Auf
der Strecke bleibt dann das Problem, dass mobile Lebensformen
Ausdruck unserer erwerbsarbeitzentrierten Gesellschaft sind, die
durch den Sozialabbau im Sinne der Agenda 2010 noch an Bedeutung
gewinnen wird.
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DRIBBUSCH, Barbara (2003): Die neue Angstklasse.
TAZ-SERIE Agenda 2010, Teil 6: Das Konjunkturtief schürt in der
Mittelschicht die Furcht vor dem Abstieg und gefährdet die
Solidarität. Doch die Unterschicht ist stärker betroffen,
in: TAZ v. 05.06.
- Kommentar:
DRIBBUSCH widmet sich der
"Angst vor dem Absturz" in der Mittelklasse.
Nach
den Vorstellungen der Agenda 2010 soll der Sozialstaat nur noch "die
Abstürze nach ganz unten" auffangen, d.h. es ist eine stärkere
Einkommenspolarisierung im Sinne einer neuen Klassengesellschaft
geplant. Im neoliberalen Duktus heißt das "Lohnspreizung". Diese
Polarisierung soll in neoliberaler Perspektive auch noch einen
positiven Effekt haben: der soziale Vergleich und damit der
schädliche Neid soll dadurch verringert werden:
"weil
der Neid um so größer zu sein scheint, je geringer die sozialen
Unterschiede sind, ist die
soziale Demokratie ein guter Nährboden für den Neid", heißt es
z.B. in einem Text zur
ZDF-Sendung "Die Macht des Neides" aus der Reihe "Das philosophische
Quartett".
Dieser
neoliberalen Rechtfertigung des Sozialabbaus entspricht bei
DRIBBUSCH das Problem des Bezugsrahmens.
Nach
DRIBBUSCH ist die Angst der Mittelklasse unbegründet, muss jedoch
bei der Vermittlung des "Umbaus" berücksichtigt werden. Entscheidend
sei stattdessen die Frage:
"Wie
beitragswillig wird künftig die (vor allem westdeutsche)
Mittelschicht aus Facharbeitern, Angestellten, Akademikern sein,
sich an dieser sozialen Sicherung zu beteiligen? Denn von
Langzeitarbeitslosigkeit sind nach wie vor bestimmte Milieus
überproportional betroffen: ältere Ungelernte, Immigranten,
BürgerInnen in bestimmten ostdeutschen Regionen. Sie bilden das
Patchwork der neuen Unterschicht in Deutschland. (...). Die Frage
der Solidarität zwischen Mittel- und neuen Unterschichten ist die
entscheidende Frage. In einigen Jahren wird sie die Sozialpolitik in
Deutschland bestimmen."
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Thema: Blick auf die EU
- TECHNAU, Claudius (2003): Finnland.
Familienpolitik ist Frauenpolitik,
in: Berliner Zeitung v. 05.06.
- KRUSCHE, Lutz (2003): Frankreich.
Viel Tradition und die berühmte La Maternelle,
in: Berliner Zeitung v. 05.06.
- TICHOMIROWA, Katja (2003): Russland.
Viel Arbeit, wenig Kinder,
in: Berliner Zeitung v. 05.06.
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FREITAG, Jan (2003): Fortpflanzen für Deutschland.
Nach "Schnulleralarm" auf RTL 2 und "Hallo Baby" auf Vox ist jetzt
endlich auch Sat.1 schwanger. "Wir machen ein Baby", dokusoapt es zur
besten Sendezeit (20.15 Uhr),
in: TAZ v. 05.06.
- Inhalt:
"Die totale Verarmung bleibt ebenso aus wie die
ungewollte Schwangerschaft. Und so hat »Wir machen ein Baby« doch in
jeder Phase die rosarote Brille auf. Mehr Babys für Deutschland.
Dann klappts auch mit der Rentenkasse", meint FREITAG.
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WIRNER, Stefan (2003): KGE geht aufs Ganze.
Mal kurz durchatmen? Nicht mit den Grünen! Die Mehrheit der Partei
unterstützt die Agenda 2010. Der Fraktionsvorsitzenden Katrin
Göring-Eckardt kann der Sozialabbau gar nicht schnell genug gehen,
in: Jungle World Nr.24 v. 04.06.
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- MERKEL, Wolfgang (2003): Die unverzichtbare
Verantwortung des Einzelnen.
Auf dem Weg zum aktivierenden Staat sind Reformen dringend geboten:
Soziale Gerechtigkeit und der Umbau des Sozialstaats,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.06.
- Kommentar:
Jürgen KOCKA
hat seine Vorstellungen zur sozialen Gerechtigkeit auf die
Prioritätenliste der Gerechtigkeitsziele von Wolfgang MERKEL
gestützt. Nun darf der
Heidelberger Politikwissenschaftler selber über soziale
Gerechtigkeit schreiben.
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- OTTO, Annett (2003): Hohes Armutsrisiko für
Single-Mütter,
in: Berliner Zeitung v. 04.06.
- Kommentar:
OTTO zieht die Grenze des Armutsrisikos zwischen den
besser verdienenden "Paarfamilien" und den allein Erziehenden.
Tatsächlich
ist der Begriff "allein Erziehend" jedoch nicht geeignet, die
Lebensverhältnisse zu beschreiben, denn der Begriff vernachlässigt
sowohl den Aspekt der Partnerschaft als auch die Frage der
Wohnsituation (Alleinwohnen oder Zusammenwohnen).
Ob
allein Erziehende mit einem neuen Partner zusammenleben oder nicht,
das hat auch Einflüsse auf die wirtschaftliche Lage. Und nicht
zuletzt ist das Alleinwohnen wesentlich teurer als das
Zusammenwohnen.
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DECKER, Kerstin (2003): Der panische Untergrund,
in: TAZ v. 04.06.
- Kommentar:
Kerstin DECKER beschreibt eine "Begegnung der Dritten Art", die sie
über den
Zusammenhang zwischen Angst und Sozialstaat nachdenken lässt:
"Es
ist bestimmt leichter, katholisch zu sein und arbeitslos als
protestantisch oder atheistisch und arbeitslos. Weil es auf
weltlicher Grundlage keine Hiobs mehr gibt. Für einen katholischen
Verlierer mag sein Verlierertum eine ihm schwer durchschaubare Stelle im Heilsplan
Gottes darstellen, eine akute Prüfung. Aber der atheistische
Verlierer wird nicht mal mehr geprüft. Und er hat statt Gott nur
noch Deep Purple.
Und damit wir das nicht so merken, hat die westliche, trotz
Kirchentag grundatheistische Zivilisation die Sozialsysteme
erfunden. Sie sind nur sekundär Hängematte, primär sind sie ein
quasimetaphysischer Abschirmdienst gegen den leeren Raum. Eine
nachreligiöse Erneuerung der Botschaft: Du kannst nicht ganz
verloren gehen. Diese schützende Hülle hat der SPD-Parteitag nun
weggezogen. Schon richtig, dass sie es tun musste. Angewandte
Metaphysik ist teuer. Aber der panische Untergrund der Gesellschaft
wird nun spürbarer."
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- ROLL, Evelyn (2003): Deutsche
Austragshäuslkolonie,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.06.
- Kommentar:
Evelyn ROLL macht an der bayrischen Institution des Austragshäusls deutlich, warum die Rentenreform notwendig ist.
Dabei
steht - ausnahmsweise - nicht die niedrige Geburtenrate im
Mittelpunkt der Betrachtung, sondern die höhere Lebenserwartung und
damit das NEUE Miteinander mehrerer Generationen:
"Neben
dem Haupthaus des Hofes steht schon immer ein kleiner Hof, eine
putzige, liebevolle Miniatur des Haupthauses (...). Es gibt in der
bayerischen Abendsonne kein schöneres Symbol für den gelungenen
Wechsel der Generationen. Als der Jungbauer geheiratet und den Hof
übernommen hat, sind seine Eltern in dieses Austragshäusl gezogen.
(...). Das Auskommen und Unterkommen der Alten ist geregelt,
traditionell sowieso und notariell auch noch einmal,
sicherheitshalber. (...).
Und jetzt haben sie auf der anderen Seite des Hofes diese Baustelle.
Inzwischen ist auch schon zu erkennen, was gebaut wird: Noch einmal
ein kleines, zweites Haus mauern sie, einen Miniaturhof (...).
Der Jungbauer wird bald sechzig. (...). Jetzt will er wohl endlich
den Hof übernehmen. Im Austragshäusl aber leben ja noch die
Großeltern, kreuzfidel und mit der heutzutage üblichen hohen
statistischen Lebenserwartung (...). Die beiden werden
wahrscheinlich noch erleben, wie ihre Urenkel zur Schule gehen,
bestimmt aber, wie der älteste Enkel eines Tages heiraten und den
Hof übernehmen wird. Ist eh schon elf, der Bub.
Noch ein Austrag? Und noch einer? Und alles von diesem einen Hof und
ohne jeden Nebenerwerb? Nur weil die Menschen heute so viel älter
werden als früher?"
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- KERNER, Regina (2003): "Das Miefige der
Kleinfamilie ist weg".
Trendforscher sehen neue Lust zum Leben mit Kindern. Geburtenrate
von 1,7 erwartet,
in: Berliner Zeitung v. 03.06.
- Kommentar:
Nach ZITTY und Welt am Sonntag berichtet nun auch
KERNER über den Baby-Boom in den Schickimicki-Vierteln der deutschen
Dienstleistungsmetropolen.
KERNER
stellt der skeptischen Perspektive von
Elisabeth BECK-GERNSHEIM die optimistische Perspektive von
Matthias HORX (in der WAMS nur als Experte tituliert) entgegen:
"Trendforscher
Matthias Horx, Mitautor der Studie »Future Living«. Er prognostiziert
Deutschland eine Steigerung der Geburtenrate in den nächsten fünf
Jahren von derzeit 1,4 auf 1,7 Kinder pro Frau. Er verweist auf die
skandinavischen Länder und Frankreich, wo es einen solchen Anstieg
schon längst gegeben hat."
BECK-GERNSHEIM
wird mit dem Satz zitiert:
"Es gibt keinen Bevölkerungswissenschaftler, der glaubt, dass die
Geburtenrate in den nächsten Jahren steigen wird".
Das
wäre auch wirklich zu viel erwartet! Bereits in den 60er Jahren
wurden die Bevölkerungswissenschaftler vom Wandel des
Geburtenverhaltens überrascht.
Die
simple Fortschreibung von Trends der Vergangenheit in die Zukunft -
das Geschäft von Bevölkerungswissenschaftlern - führt unweigerlich
dazu, dass Wendepunkte im generativen Verhalten "verschlafen"
werden.
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- STEINER, Udo (2003): Sozialstaat und
Verfassungsrecht,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.06.
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Max-Planck-Forum:
"Fortschritte des Alterns - Perspektiven einer älter werdenden
Gesellschaft" (26. Mai 2003)
- STEIN, Rosemarie (2003): Topfit in die
Rente.
Alternsforscher sagen: Viele Senioren sind heute körperlich und
geistig zu jung für den Ruhestand,
in: Tagesspiegel v. 03.06.
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ADAM, Konrad (2003): Die neue Utopie der Altersforschung.
Wie die Überalterung die Gesellschaft verändert und diese sich
einzurichten versucht,
in: Welt v. 03.06.
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- NUTT, Harry (2003): Das Image der
Dörrpflaume.
Es muss alles anders werden: Typologische Nachträge zum
gesellschaftlichen Relaunch,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.06.
- Kommentar:
Der
Rutschkyianer und
Linearist NUTT erklärt den FR-Lesern seine SPD-Moderne.
In
diesem Modernisierungsspiel ist die Rollenverteilung klar: den
Angstreformern stehen die Beharrer gegenüber. Wer bei diesem Spiel
gewinnt, das ist bereits durch das Framing festgelegt.
NUTT
bleibt jedoch mit seinem trivialen Rollenspiel hinter der
modernisierungstheoretischen Konstellation der kollektiven Akteure
zurück, die Volker STORK in seiner Sprachkritik an Ulrich BECK
aufgerollt hat. In seinem
Buch "Die »Zweite Moderne« - ein Markenartikel" gibt es im
Modernisierungsspiel drei kollektive Akteure:
"Den
Parteigängern der Erstmoderne hält die zweitmoderne Theorie ihre
hoffnungslose Antiquiertheit entgegen. Ihren Kämpfen fehlt die
Basis, die verschwindende industriegesellschaftliche Erstmoderne, so
daß sie ungeachtet ihres Selbstverständnisses konservativ sind,
indem sie obsolet gewordenen Deutungsmustern aufsitzen und alte
Schlachten schlagen. Die Politik der Verlierer steht in der Gefahr,
den gesellschaftlichen Wandel pauschal zu verdammen und sich im
Namen fundamentalistischer Positionen von ihm abzuschotten. Beim
Sieg dieser Fraktion droht der Rückfall in eine Gegenmoderne. Die
dritte politische Kraft, die Modernisierungsgewinner, bejaht den
gesellschaftlichen Umbruch und treibt ihn voran, ist also per
definitionem progressiv" (S.56).
Mit
den Parteigängern der Erstmoderne sind bei der Durchsetzung der
Agenda 2010 die Gewerkschaften gemeint. Die Politik der Verlierer
wurde von den Mitgliederbegehren-"Rebellen" betrieben, während sich
SCHRÖDER als fortschrittliche Kraft profilieren konnte.
Wer
das angebotene Framing akzeptiert, der hat das Spiel bereits vor
Antritt verloren. Alternative Sichtweisen zum Modernisierungsspiel
bietet dagegen der "Klassenkampf von oben".
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LEGGEWIE, Claus (2003): Der verblassende Mythos
der Meritokratie.
Dynastische Schließungen: Superreichtum als Gefahr für die
Demokratie,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.06.
- Kommentar:
Wenn ein Thema bei LEGGEWIE ankommt, dann kann
man davon ausgehen, dass es die ehemalige gesellschaftliche Randlage
verlassen hat. So ist es auch beim "Klassenkampf von oben".
Der
Soziologe Michael HARTMANN hat in seinem
Buch "Der Mythos der Leistungselite" die Illusion zerstört, dass
in unserer Gesellschaft allein die Leistung zählt. Wichtiger als
Bildung ist der Habitus und damit die soziale Herkunft.
Während
der Journalist David BROOKS noch die Bobokratie als Sieg der
US-amerikanischen-Leistungsgesellschaft feierte, war längst das Ende
der Meritokratie angebrochen.
Nachdem
der angesehene Ökonom
Paul KRUGMAN in der
ZEIT vom 07.11.2002 die große Ungleichheit in den USA als
kontraproduktiv anprangerte, trauen sich auch weniger mutige
Zeitgenossen wie LEGGEWIE das Thema in Angriff zu nehmen.
Während
neue Reaktionäre wie Michel HOUELLEBECQ den sexuellen
Neoliberalismus anprangern und behaupten, dass zwischen Bildung,
Einkommenshöhe und Chancengleichheit beim Sex kein Zusammenhang
besteht, gibt es einen anderen Zusammenhang, der empirisch bewiesen
ist: Einkommenshöhe und Chancen auf dem Heiratsmarkt sind weit
weniger entkoppelt als dies die Kritiker der sexuellen Revolution
behaupten. Bei LEGGEWIE heißt es:
"Armut,
darunter ganz wesentlich Bildungsarmut, ist auch in den reichen
Gesellschaften nicht verschwunden und zeitigt enorme negative
Konsequenzen für alle Lebensbereiche: Den Betroffenen verdirbt sie
die Chancen auf dem Arbeits- und Heiratsmarkt (und verkürzt sogar
ihre durchschnittliche Lebenserwartung), und diese Benachteiligung
vererbt sich auf Kinder und Kindeskinder."
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- KOCH, Angelika & Gerhard BÄCKER (2003): Die
Jungen als Verlierer?
Alterssicherung und Generationengerechtigkeit in Zeiten des
demographischen und wirtschaftlichen Wandels,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.06.
- Kommentar:
Die Politikwissenschaftler
Gerhard BÄCKER und
Angelika KOCH ergreifen Partei für die soziale Gerechtigkeit und
kritisieren das Konzept der Generationengerechtigkeit.
Die
beiden Gerechtigkeitsformen machen sie an den beiden Systemen der
Alterssicherung fest. Verfechter einer privaten Alterssicherung, die
auf Generationengerechtigkeit pochen stehen den Anhängern der
umlagefinanzierten Rentenversicherung gegenüber, die das Prinzip der
sozialen Gerechtigkeit beherzigt.
Das
Problem des Beitrags ist jedoch, dass KOCH und BÄCKER behaupten,
dass den beiden Systemen unterschiedliche Gerechtigkeitsnormen
unterliegen, die im einen Fall die Altersgruppe und im anderen Fall
die Kohorte als Bezugspunkt haben. Diese idealistische
Gegenüberstellung vernachlässigt jedoch, dass heutzutage
Gesetzesänderungen Regelungen enthalten, die nicht nur
Altersgruppen, sondern gleichzeitig Kohorten betreffen.
Ungeachtet
dieser Kritik ermöglicht der Beitrag einen guten Überblick über die
Vor- und Nachteile beider Gerechtigkeitsnormen.
Wichtig
ist dabei, dass die jetzige Rentenreform nicht zwangsläufig die
Folge des demografischen Wandels ist - wie das die Verfechter der
Generationengerechtigkeit gerne behaupten, sondern eine vorgängige
Entscheidung für eine bestimmte Form der Solidarbeziehung zwischen
den Staatsbürgern.
Unabhängig
vom demografischen Wandel bestimmt das zukünftige Beitrags- und
Rentenniveau auch die folgenden nicht-demografischen Faktoren:
"Maßgeblich
ist auch das Verhältnis von Rentenbezieher/-innen zu erwerbstätigen,
beitragszahlenden Versicherten. (...). Wie groß das
Finanzierungspotenzial durch einen erweiterten Beitragszahlerkreis
ist, zeigt sich daran, dass gegenwärtig nur rund die Hälfte der
Personen im erwerbsfähigen Alter von 20 bis unter 65 Jahren
tatsächlich Beiträge zur Rentenversicherung zahlen. Die anderen 50
Prozent sind u.a. arbeitslos, in Ausbildung, im Erziehungsurlaub,
frühverrentet, Hausfrauen oder trotz Erwerbstätigkeit nicht
sozialversicherungspflichtig (z. B. Selbständige, Beamte).
(...). Steigende Beitragssätze müssen nicht mit einer absoluten
Verschlechterung im Einkommens- und Lebensstandardniveau
einhergehen, da zu erwarten ist, dass Produktivität und
Wertschöpfung auch weiter steigen werden und damit das zwischen der
Bevölkerung aufzuteilende Sozialprodukt größer wird."
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- PIPER, Nikolaus (2003): Lügen und
Denkverbote.
Eine Antwort auf Nagels Falschwörterbuch der Sozialreformen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.06.
- Kommentar:
PIPERs Erwiderung auf Ivan NAGEL
ist symptomatisch für die Neue-Mitte-Presse. PIPER weicht dem
zentralen Vorwurf aus und ergeht sich in Sachverhalten, die hier gar
nicht relevant sind.
Mit
keinem Wort geht PIPER darauf ein, warum die Interessen des Kapitals
objektiviert oder gar zum Gemeinwohl erklärt werden, während die
Interessen der Arbeit partikularisiert werden.
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- ROSENDORFER, Andreas (2003):
Humanistenparty?
In Spaßgewittern: Eine Bonner Tagung zu Adornos Kulturkritik,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.06.
- Inhalt:
ROSENDORFER hält ADORNO für einen "Geschmacksdandy in der Nachfolge
Baudelaires", aber an den
Bonner Adorniten lässt er kein gutes Haar:
"Im
durchgekauten
Leitbegriff der »Spaßgesellschaft«, der seinen Verwendern immer
noch nicht im Halse stecken bleibt, fand die Auslegung von Adornos
brillanter Kulturkritik oftmals eine Blokade - denn das simple
Dagegensein ist in diesem Schlagwort bereits inbegriffen."
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- KRAMM, Jutta (2003): Von einer Tasche in die
andere,
in: Berliner Zeitung v. 02.06.
- Kommentar:
Astrid ROSENSCHON vom
Kieler Institut für Weltwirtschaft hat im August 2001 alle
steuerlichen Subventionen und Vergünstigungen für Familien
aufgelistet (Das komplette
Arbeitspapier
"Familienförderung in Deutschland - eine Bestandsaufnahme" kann
als PDF-Datei downgeloadet werden). Ihr Fazit:
"Die Zahlen lassen - selbst bei
hohem Selbstfinanzierungsgrad (der Familien) - die häufig
vorgebrachte These, in Deutschland gebe es zu wenig
Familienförderung, zweifelhaft erscheinen."
Jutta KRAMM ist als Singlefeindin mit
diesem Befund nicht zufrieden. Dieses Ergebnis passt nicht zu den
Thesen ihrer Gewährsmänner
Paul KIRCHHOF und
Jürgen BORCHERT.
Die Liste von ROSENSCHON ist
umfangreich, aber nicht bei jeder Position liefert sie auch
Geldbeträge, d.h. die Liste ist immer noch nicht vollständig. Seit
August 2001 sind zudem eine Reihe singlefeindlicher Gesetze in Kraft
getreten, die in die Berechnungen keinen Eingang gefunden haben.
- ZYLKA, Regine (2003): "Ich fühle mich massiv
gestärkt"
in: Berliner Zeitung v. 02.06.
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- Kommentar:
Der heutige Sonderparteitag bietet keinerlei
Überraschungen.
Das Ergebnis
stand für die Ausrichter der Veranstaltung von Anfang an fest.
Die mediale Einheitsfront der
Neue-Mitte-Presse hat die Kritik an der Agenda bereits im Vorfeld
kalt gestellt.
Symptomatisch für den
allgegenwärtigen Elitenkonsens ist die Themenausgabe "Wie viel Staat
braucht der Mensch?" der Frankfurter Rundschau vom 31.05.2003.
Politisch korrekt durften sowohl Arbeitgeber- als auch
Gewerkschaftsvertreter ihre altbackenen Argumente wiederholen.
Der Historiker
Jürgen KOCKA ("Einbeziehung und
Teilhabe") brachte
dagegen den Geist der Agenda 2010 auf die nun geltende neoliberale
Gerechtigkeits-Formel:
"Ungleichheit auf hohem und
steigendem Gesamtniveau ist menschenfreundlicher als Gleichheit auf
tiefem, sinkendem Niveau".
- REIFENRATH, Roderich (2003): Die FDPsierung der Medienlandschaft.
Der Sozialstaat, ein Modell von vorgestern: Da sind sich
mittlerweile alle seltsam einig,
in: Frankfurter Rundschau v. 31.05.
- NAGEL, Ivan (2003): Abwärts in der
Doppelhelix.
Zum Stand der Diskussionen um die Agenda und ihre Begrifflichkeit
- Das Falschwörterbuch der Sozialreformen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.05.
- Kommentar:
Ivan NAGEL darf nun - nachdem die Medienfront
ihr Ziel erreicht hat - sein Unbehagen am Neusprech der Medien
vortragen:
"Als Leser von Zeitungen, Hörer und Zuschauer
staatlicher wie privater Sender – als Bürger dieser Republik hat
mich eines frappiert: Trotz der Schroffheit der vorgeschlagenen
Maßnahmen, trotz der Stimmungshitze bei ihrer Durchsetzung – eine
Diskussion über ihre Richtigkeit und Nützlichkeit fand nicht statt.
Von ARD bis RTL, vom Wirtschaftsteil der SZ und FAZ bis zur
Bild-Zeitung wurden die immergleichen extremliberalen Dogmen
vorausgesetzt und uns eingehämmert. Alternativen prangerte man schon
durch die Wortwahl an. Diese Wortwahl wirkte unaufrichtig,
agitatorisch irreführend."
Ein Beispiel aus dem Falschwörterbuch der
Sozialreformen:
"Wieso heißen die Industrie- und
Handelsverbände in Mediendeutsch stets »die Wirtschaft«, und deren
gesammelte Interessen: »der Markt»? »Die Wirtschaft schlägt vor«,
»der Markt weigert sich« – und wir schlucken es Tag für Tag."
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LOTTER, Wolf (2003): Von heute auf morgen.
Es kann nichts bleiben, wie es ist, Politiker und Manager drängen
auf den Wandel. Doch glaubwürdig sind sie nicht: Vor der Veränderung
kommt das Vertrauen, dann die Definition des Ziels - und wer das nicht
hat, bleibt im Gestern stecken,
in: brand eins Nr.5, Juni
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LITERATUREN-Thema "Adorno
- Luxus des Denkens"
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AGUIGAH, René (2003): Es ist schwarz, aber es schimmert.
100 Jahre Theodor W. Adorno: Was von seiner Kulturkritik bleibt,
in: Literaturen Nr.6, Juni
- Inhalt:
René AGUIGAH, ein Angehöriger der Generation Golf,
verteidigt ADORNO gegen seine Kritiker, indem er dem Kulturkritiker
einen Schuss Ironie verordnet und die "pejorativen Spitzen" als
typischen ADORNO-Sound verstanden wissen möchte.
Sein Gewährsmann ist hierfür
ausgerechnet Diedrich DIEDERICHSEN, dessen
TAZ-Artikel von
Willi WINKLER in der SZ gnadenlos verrissen wurde.
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AGUIGAH, René & Hanna LEITGEB (2003): Intellektueller in
Bravissimo-Version.
Ein Werkstattgespräch mit drei Biografen Theodor W. Adornos - über
Leben und Werk, bislang Unentdecktes und weiterhin Rätselhaftes,
in: Literaturen Nr.6, Juni
- Inhalt:
Ein Gespräch mit dem Soziologen Stefan MÜLLER-DOOHM,
dem FAZ-Redakteur Lorenz JÄGER und Reinhard PABST.
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MÜLLER-SCHÖLL, Nikolaus (2003): Es darf gelacht werden.
Erkundungen auf ungewohntem Terrain: Adorno, ein Philosoph des
Komischen,
in: Literaturen Nr.6, Juni
- Kommentar:
Die Zeitschrift Merkur hat ihr
Sonderheft 2002 dem Lachen gewidmet und darin den Säulenheiligen
ADORNO vehement angegriffen. MÜLLER-SCHÖLL versucht sich in einer
Verteidigung.
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LENK, Elisabeth (2003): Der Inoffizielle.
Was der akademische Lehrer Theodor W. Adorno seinen Studenten
vermitteln konnte,
in: Literaturen Nr.6, Juni
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SCHNEBEL, Dieter (2003): Der Ohrenöffner.
Wie der Kritiker Theodor W. Adorno die musikalische Avantgarde erst
maßregelte und dann beflügelte,
in: Literaturen Nr.6, Juni
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ENGELMANN, Jan & Frauke MEYER-GOSAU (2003): Wolfgang Thierse. Der
Verlorene.
Wie ein Gespräch mit dem Bundestagspräsidenten über Adorno der
negativsten Dialektik zum Opfer fiel,
in: Literaturen Nr.6, Juni
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BOLZ, Norbert (2003): Der Pyrrhus-Sieg.
Warum vom Meisterdenker Theodor W. Adorno wenig blieb außer einer
Ahnung vom Glück des Philosophierens,
in: Literaturen Nr.6, Juni
- Kommentar:
Der Neo-Bourgeois Norbert BOLZ trägt jene
ADORNO-Kritik vor, die in nächster Zeit an Bedeutung gewinnen dürfte:
"Viel schlimmer als die Heuchelei des
Salon-Marxismus im »Grand Hotel Abgrund« waren der Dogmatismus und die
theoretische Provinzialität der Kritischen Theorie. Sie verkaufte den
Anschluss an Hegel als letzten Schrei und sorgte gleichzeitig für
Immunreaktionen gegen Heidegger, Parsons, Wittgenstein. So blieb der
gesamte Bereich des konservativen Denkens für die Adorniten eine
terra incognita. In der »Suhrkamp-Culture« (George Steiner) hatte
diese Immunstrategie einen gigantischen Erfolg. Aber es war ein
Pyrrhus-Sieg."
Für die Kontroverse Familien
contra Singles ist in der Reihe der Gewährsmänner von BOLZ der
amerikanische Familiensoziologe Talcott PARSONS entscheidend. Dieser
hat mit seiner Familiensoziologie eine Apologie der 50er-
Jahre-Hausfrauenfamilie verfasst.
Vor kurzem hat Norbert BOLZ diese
Apologie aktualisiert. Er hat
die "Managerehe" verteidigt und gegen die "Single-Gesellschaft"
polemisiert.
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KUNISCH, Hans-Peter (2003): "Professor Adorno in Visp gestorben".
Letzte Lokalnachrichten vom Tode des großen Philosophen in den
Schweizer Alpen,
in: Literaturen Nr.6, Juni
- Inhalt:
KUNISCH möchte die Studentenbewegung
rehabilitieren:
"Die Gründe für seinen
Herzinfarkt bleiben auf ewig Spekulation. (...). Wichtig scheint nur,
dass die Funktionalisierung von Adornos Tod gegen die
Studentenbewegung beendet wird."
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PRECHT, Richard David (2003): Die Sehnsucht des Mystikers,
in: Literaturen Nr.6, Juni
- Kommentar:
Der Erst-LUHMANN-und-dann-ADORNO-Leser PRECHT stellt
das Buch "Minima Moralia" neu gelesen der Herausgeber
Andreas BAERNARD & Ulrich RAULFF vor.
Seine Behauptung "Von Weber und
Simmel, Parsons oder Bourdieu kann man größere Bausteine übernehmen,
von Adorno und Luhmann nur alles oder nichts" ist kaum
nachvollziehbar.
ADORNO und
LUHMANN werden heutzutage gerne auf ein paare Begriffe oder
Slogans reduziert. Von "Fun ist ein Stahlbad" bis "Es gibt kein
richtiges Leben im falschen" reicht die Palette der
ADORNO-Bescheidwisser.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 16. - 31. Mai 2003
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