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Medienrundschau:
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News vom 01. -
15. Juni
2004
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Zitat
des Monats:
"Die
Instabilität heutiger Beziehungen ist nicht, wie manche
Moralisten oder auch Psychotherapeuten klagen, eine Folge von
Bindungslosigkeit oder Beziehungsunfähigkeit; sie ist vielmehr
die Konsequenz des hohen Stellenwertes, der Beziehungen für das
persönliche Glück beigemessen wird, und der hohen Ansprüche an
ihre Qualität."
(aus:
Gunter Schmidt & Johannes von Stritzky
"Beziehungsbiographien im sozialen Wandel. Ein Vergleich dreier
Generationen. In: Familiendynamik, H.2, April, 2004, S.99) |
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- HORX, Matthias (2004): Die späte
Entdeckung des Ich.
Eine kleine Zukunfts-Geschichte des Alterns und die fünf
Herausforderungen für die "silberne Transformation",
in: Frankfurter Rundschau v. 15.06.
- Kommentar:
Die FR dokumentiert einen Vortrag, den
Matthias HORX als Sachverständiger
von
Bündnis 90/Grüne
auf der Sitzung der Enquetekommission "Demographischer Wandel" des
Hessischen Landtags am 28. April 2004 gehalten hat.
"Das hartnäckige Tief der
Geburtenraten hat seine zentrale Ursache im ständig steigenden
Bildungspotenzial der jungen Frauen", verkündet der BECKianer.
Ulrich BECK selbst hat
bereits Mitte der 80er Jahre die Gründe der Individualisierung -
also des Geburtenrückgangs im Sinne von HORX - auf die deutschen
Institutionen Bildungssystem, Sozialstaat und Arbeitsmarkt
zurückgeführt.
Damit sind wir dann
wieder mitten im
Kampf der Lebensstile, den HORX
bereits im Sinne eines Zurück zur Familie entschieden sieht:
"Es
existiert (...) eine
BILDUNGSSPEZIFISCHE SPALTUNG DER FERTILITÄT.
Hoch gebildete
Frauen, und das sind in den Ballungsgebieten bereits über 40
Prozent, bekommen zu 50 Prozent keine Kinder mehr!
Es ist also IM GRUNDE ganz einfach, die Geburtenrate wieder zu
erhöhen. Wir müssen nur einen Blick auf die europäischen
Nachbarländer werfen, in denen die Geburtenraten hoch sind.
- Ganztagsschulen (...).
- Billige Dienstleistungen. (...).
- Ein anderes Mutterbild. Wir leben in unserem Kulturkreis mit einem
»Kinder- und Mutter-Mythos«, der von beiden das Äußerste fordert.
Kinder sind Projekte, Heilige und Zumutungen zugleich. Das hängt
einerseits mit nachwirkenden religiösen Menschenbildern zusammen -
mit dem Mutterbild im
Katholizismus etwa. Es hängt aber auch an einer Tradition von
romantischer Verklärung von Kindheit als autonomer Ort, der so lange
wie möglich vor den Unbillen der Umwelt geschützt werden muss.
- Ein anderes Vaterbild. (...).
- Familienfreundliche Steuern. In Frankreich zahlen Familien nach
dem dritten Kind praktisch keine Steuern mehr. Die Geburtenrate
liegt im letzten Quartal 2003 bei 1,9 Kinder pro gebärfähige Frau -
europäischer Rekord.
- Flexibilität in den Unternehmen. (...).
Trotz aller dieser Handicaps bin ich optimistisch: Die deutsche
Geburtenrate wird innerhalb weniger Jahre wieder stark steigen. Die
Debatte ist in Gang gekommen, erste Ergebnisse im Bereich
Kindergarten und Ganztagsschule sind sichtbar, die Gesellschaft
artikuliert ihre Bedürfnis nach Wandel. (Städte wie
Laer in Nordrhein-Westfalen, die ihren Frauen die ganztägige
Schulgarantie geben, zeigen, wie schnell ein kinderfreundlicher
TURNAROUND passieren kann: Die Geburtenrate stieg dort in wenigen
Jahren auf 2.2.) Unsere Probleme mit der Fruchtbarkeit haben mit den
tiefen ideologischen Verkarstungen zu tun, die uns immer wieder von
pragmatischen Reformen abhalten. Und mit einer Tradition, die nach
dem Soziologen Esping-Anderson die »Hauptlast des Gesellschaftlichen in die
Familie trägt«."
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- WÜNDISCH, Barbara (2004): Die Mutter
der sozialen Mütterlichkeit.
Gegen die biologische Bestimmung: Vor 100 Jahren wurde der Jüdische
Frauenbund gegründet,
in: Frankfurter Rundschau v. 15.06.
- Inhalt:
WÜNDISCH stellt den Jüdischen Frauenbund und
seine langjährige Leiterin Bertha PAPPENHEIM vor:
"Der
Jüdische Frauenbund war Mitglied in nationalen ebenso wie in
internationalen Frauenorganisationen. (...).
Dass er (...) erfolgreich war, ist sicher auch dem Charisma seiner
langjährigen Leiterin Bertha Pappenheim zu verdanken. (...).
Sie selbst blieb unverheiratet und kinderlos. Aus ihren
biographischen Erfahrungen speiste sich ihr soziales und religiöses
Engagement. (...).
Pappenheim entwickelte den Begriff der »sozialen Mütterlichkeit«,
der sich gegen eine biologische Bestimmung von Weiblichkeit wandte.
Für sie war die kinderlose Frau, die sich für andere engagiert, eben
so viel wert wie leibliche Mütter."
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RULFF, Dieter (2004): Die Neue Mitte färbt sich grün.
Den Grünen fällt die tragende
Rolle in der Koalition zu. Sie haben ihre konfliktträchtigen
ideologische Kontroversen hinter sich und sind fürs Milieu der
Leistungsträger attraktiv,
in: TAZ v. 15.06.
- Kommentar:
Dieter RULFF arbeitet am Mythos der
Grünen. Den momentanen Vorteil der
Grünen nennt RULFF ganz unverblümt:
"Ihnen
kommt zugute, dass sie ihre konfliktträchtigen ideologischen
Kontroversen
bereits in den zurückliegenden Jahren ausgetragen haben und dass
sie nicht direkt verantwortlich in das operative Geschäft des
Sozialumbaues eingebunden sind."
RULFF
schreibt SPD und Grünen zwei unterschiedliche Politiken zu:
Während die SPD
einer altmodischen Verteilungspolitik verhaftet ist, präsentieren sich
die Grünen mit einer modernen
Politik der Anerkennung, wobei sich deren Fokus von den Randgruppen
zur Neuen Mitte verschoben hat.
Kann man der
These von den unterschiedlichen Politiken vielleicht noch - mit
Einschränkungen - zustimmen, so muss man die Individualisierungsthese
à la BECK, wonach
Exklusion eine schichtenübergreifende Bedrohung
darstellt, ins Reich der Mythen verweisen.
Selbst
Lebensstilforscher wie Stefan HRADIL müssen inzwischen eingestehen,
dass sich Klassenunterschiede eher vertiefen.
David BROOKS
hat in seinem
Buch "Bobos in Paradise" für die USA
die Lebenslügen der wohlhabenden Gutmenschen beschrieben:
"Die Vertreter
dieser Elite wurden in einem elitefeindlichen Geist erzogen. Sie leben
im Überfluss - und sind Gegner des Materialismus. Sie mögen ihr Leben
mit Verkaufen verbringen - und fürchten sich vor dem Ausverkauf. Sie
fühlen sich noch immer wie das Anti-Establishment - und wissen doch,
dass sie längst zum neuen Establishment geworden sind." (S.47).
David BROOKS
sieht als Folge dieser Lebenslüge die Gefahr, dass die neue soziale
Ordnung noch rigider werden könnte als die alte Ordnung, die auf
Herkunft beruhte:
"Heute verfügt
Amerika wieder über eine herrschende Klasse, die das Maß für den guten
Geschmack und die richtige Meinung festlegt, auch Umgangsformen und
die Hackordnung innerhalb der Gesellschaft, die all diejenigen
ausschließt, die sich diesem Verhaltenskodex widersetzen. Den eigenen
Kindern werden Moral und Anstand vermittelt und dem Rest der
Gesellschaft wird soziale Disziplin auferlegt, um die »Lebensqualität«
zu heben, wie man das heute nennt"(S.53).
Die
Debatte um die neue Werteelite und
Paul NOLTEs Buch "Generation Reform" belegen auch für Deutschland,
dass sich eine neue Sozialordnung gebildet hat,
deren Konturen sich immer deutlicher herausschälen. Die "Agenda
2010" trägt bereits den unbarmherzigen Stempel dieser neuen
Sozialordnung.
RULFF sieht
weiterhin postmaterialistische Werte auf dem Vormarsch, während
neuerdings Politikwissenschaftler und Soziologen den
Wandel des Wertewandels beschreiben.
Demnach wären die
Erfolge der Grünen eher die Rückzugsgefechte einer Politik der
Anerkennung, während neuartige Verteilungspolitiken die Zukunft prägen
werden.
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PROFIL-Titelgeschichte "Die neuen
Väter"
- PROFIL (2004): Daddy Cool - Die neuen
Väter.
Wie sehen die neuen Vatertypen aus?
Ersatzmütter, Teilzeitpapis, Samenspender, Spätberufene. Das Ende
der klassischen Vaterrolle,
in: Profil
Nr.24 v. 14.06.
- PROFIL (2004): "Völlig fehl am
Platz".
Der Münchner Familienforscher Wassilios Fthenakis über "neue
Väter", überforderte Familien und die Versäumnisse der Politik,
in: Profil
Nr.24 v. 14.06.
- PROFIL (2004): Voll bewusst oder auf
der Flucht? Oder gibt's vielleicht noch etwas dazwischen?
So lieb mit Lea. Das Sozio-Panoptikum der allerneuesten Väter,
in: Profil
Nr.24 v. 14.06.
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- SPEICHER, Stephan (2004): Sein
Vaterland muss größer werden.
"Wie wir alle Amerikaner wurden": Michael Rutschky will bleiben,
wie er ist,
in: Berliner Zeitung v. 14.06.
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- MEDICUS, Thomas (2004): Exoten,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.06.
- Kommentar:
"Solange
wir kein Kind hatten und die bundesdeutsche Wirtschaft gut lief,
konnte uns die Diagnose, ausdifferenzierte moderne Gesellschaften
krankten an mangelndem Grundkonsens, nicht schrecken. Als aber unser
Sohn da war, sah die Welt von Grund auf anders aus.
Nicht bloß weil aus Doppelverdienern zunächst Einfachverdiener
wurden, die im Lauf der Jahre lernten, mit anderthalb nicht
wachsenden Monatsgehältern auszukommen."
In den letzten
Jahren häufen sich Artikel, in denen sich Yuppie-Paare, die zu
Eltern mutiert sind, als Letzte ihrer Art präsentieren dürfen.
Quasi als Vorgriff
auf den letzten Deutschen, wie ihn der SPIEGEL vorgestellt hat,
stilisieren sie sich zu Exoten:
"Die
Statistiken über die niedrige bundesdeutsche Geburtenrate,
kulminierend in dem Umstand, dass mehr als vierzig Prozent der
deutschen Akademikerinnen kinderlos sind, wurden für uns Teil einer
bedrohlich konkreten Lebensrealität."
MEDICUS, 1953
geboren, versucht mittels einer Statistik seiner Dramatisierung
Glaubwürdigkeit zu verpassen.
Tatsächlich ist keine Statistik weniger
unglaubwürdig als die Erfassung der Kinderlosigkeit.
Die von MEDICUS
missbrauchte Statistik bezieht sich weder auf seinen Jahrgang, noch
auf arbeitende Kolleginnen.
Sollte jemand irgendwann
einmal eine Statistik über die Anzahl von Artikeln, die von
jammernden Vätern und Müttern in Mitte-Zeitungen verfasst worden
sind, erstellen, dann müsste er feststellen, dass kinderlos offenbar
immer nur die anderen sind...
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- PROFIL (2004): "Als wären wir Affen".
Frank Schirrmacher,
Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und Autor des
Bestsellers „Das Methusalem-Komplott“, über Altersrassismus,
gesellschaftlichen Darwinismus, die Reaktivierung der Lebensfreude und
den Generationenkrieg als Urkraft,
in: Profil
Nr.24 v. 14.06.
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- STREECK, Wolfgang (2004): Der
amerikanisierte Arbeitsmarkt.
Die Verteidigung des
deutschen Sozialstaats befördert genau das, was wir eigentlich nicht
wollen: Zustände wie in den USA,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.06.
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- BURTSCHEIDT, Christine (2004):
Zuagroaste retten Bayern.
Studie über Bevölkerungsentwicklung: Einwohnerzahl steigt bis 2020
auf mehr als zwölf Millionen - dank 780.000 Neubayern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.06.
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- FUCHS, Oliver (2004): So sieht meine
Freundin auch aus.
Hilfe, sie haben unsere Köpfe okkupiert: Über den verwirrenden
Zauber der Frauen im französischen Kino,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.06.
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LAUDENBACH, Peter (2004): "Der Abstieg ist da", sagt Frank Castorf.
Im Ruhrgebiet kann man sehen,
was passiert, wenn die Arbeit verschwindet - das Leben ein
Freizeitpark. Dahinter wächst die Angst, was kommt, wenn es mit dem
Wohlstand in Deutschland vorbei ist,
in: TAZ v. 11.06.
- Inhalt:
Frank CASTORF plädiert volksbühnenhaft für
eine aktive Bevölkerungspolitik:
"Ich
habe ja schon mal den Untergang eines Systems erlebt, das ist ein
großer Vorteil, den ich habe gegenüber Westdeutschen. Auf die
wichtigen Fragen gibt es keine Antworten. (...). Brauchen wir nicht
eine extreme Verjüngung, muss man nicht Menschen, die zwanzig sind,
Mut machen, Kinder in die Welt zu setzen? Das können uns ja nicht
alles die Türken abnehmen."
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WEYH, Florian Felix (2004): Der Preis der Freiheit,
in: Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v.
10.06.
- Kommentar:
WEYH fügt den inflationär verbreiteten
Mitte-Erzählungen über die demografische Zeitbombe eine weitere
hinzu:
"Monographien
zur Geschichte der Empfängnisverhütung überliefern uns deren
Grundideen. "Kampf gegen die Überbevölkerung" lautete die erste,
"weibliche Autonomie" die zweite, während die dritte nur hinter
vorgehaltener Hand geäußert wurde. Man könnte sie als
"demographische Bombe" bezeichnen, denn die politischen Triebkräfte
hinter der Entwicklung hormoneller Kontrazeptiva fürchteten sich vor
dem Kinderreichtum armer Familien, der in einer Demokratie den
politischen Konsens nach links verschoben hätte - zumindest in den
Augen amerikanischer Ideologen. Es kam ganz anders."
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- KREYE, Andrian (2004): Aufholjagd auf
der Straße zum Paradies.
Mit seinem neuen Buch "On Paradise Drive" pflegt David Brooks das
Erbe von Ronald Reagans konservativem Optimismus,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.06.
- Inhalt:
Andrian KREYE porträtiert David BROOKS, den Autor von
"Bobos in Paradise"
als Lieblingskonservativen der amerikanischen Liberalen, der nun mit
"On Paradise Drive" ein neues Buch über den amerikanischen Traum
vorgelegt hat.
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DRIBBUSCH, Barbara (2004): Du wildes Triebtier, du.
Früher habe ich Wolf
bewundert. Bis mir klar wurde, dass er sich seine serielle Polygamie
vom Staat bezahlen ließ,
in: TAZ v. 10.06.
- Kommentar:
Neue-Mitte-Karrieremütter entdecken den
männlichen Swinging Single als Sündenbock, um die Notwendigkeit von
Sozialreformen zu rechtfertigen:
"Wie
habe ich Wolf früher mal bewundert. Er, der Filmemacher, durch den
ich Leute kennen lernte, die sonst nie ein Wort mit mir gewechselt
hätten. Zwei Langzeitbeziehungen hat er nach mir gehabt, aus denen
zwei Kinder hervorgegangen sind. Er zahlte immer Kindesunterhalt,
heiratete aber nie. Seine zweite Freundin lebte mit der Tochter
lange von Sozialhilfe. Die dritte Freundin, G., ließ sich lange vom
Arbeitsamt unterstützen. Und die vierte liegt jetzt hier im Bikini
auf dem Tisch.
»Du hast dir deine serielle Polygamie auch ganz schön vom Staat
bezahlen lassen«, sage ich, »andere lassen die Mütter ihrer Kinder
nicht auf Sozialhilfe hängen.« Wolf ist jetzt ehrlich irritiert. Das
habe ich ja immer geschafft. Aber ich freue mich nicht über den
Sieg. Wahrscheinlich wirke ich auf ihn wie eine moralische Tante,
irgendwas Frustiges jedenfalls und garantiert unsexy."
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HERRMANN, Ulrike und Barbara DRIBBUSCH (2004):
Der Trick mit der "Revisionsklausel".
Das Arbeitslosengeld II kommt
wahrscheinlich doch am 1. Januar. Wirtschaftsminister Clement einigte
sich mit den Kommunen, dass er zum Teil die Unterkunftskosten für die
Langzeitarbeitslosen zahlt. Jedenfalls abstrakt. Reales Geld fließt
später,
in: TAZ v. 10.06.
- Kommentar:
Die Hartz-Reformen definieren nicht nur neue
Zumutbarkeitsregeln für die Annahme von Arbeit, sondern auch für die
zumutbare Wohnungsgröße von Singles:
"Arbeitslosenhilfeempfänger
(...) dürfen mit Beginn des Arbeitslosengeldes II nur noch
»angemessenen« Wohnraum haben. Als »angemessen« gelten für einen
Alleinstehenden Wohnungen mit einer Größe von 45 Quadratmetern, die
Miete darf in Ballungsgebieten meist 300 Euro nicht übersteigen. Im
Klartext bedeutet dies, dass die Arbeitsagenturen zwar fürs Erste
die Miete übernehmen müssen, dann aber auf die Joblosen Druck
ausüben können, in billigere Wohnungen umzuziehen."
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- HALTER, Martin (2004): Unfälle in der
Lustfabrik.
Johan Simons inszeniert in Zürich Michel Houellebecqs
"Elementarteilchen",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.06.
-
MÜLLER, Tobi (2004): Die Peinlichkeit, Bruno zu sein.
Schluss mit dem
Menschentheater: Zum Ende von Christoph Marthalers Züricher Intendanz
wird ein kühler Blick auf den neuen Menschen geworfen. Den
"Elementarteilchen" von Michel Houellebecq nimmt die Regie von Johan
Simons Zynismus und Geilheit. Und gönnt den Schauspielern
Sternstunden,
in: TAZ v. 09.06.
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RADISCH, Iris (2004): Zum Fürchten gut.
Wilhelm Genazino und die Krise der Literatur,
in: Die ZEIT Nr.25 v. 09.06.
- Inhalt:
RADISCH rechnet zuerst einmal mit der
Popliteratur ab:
"Dass
sie sich das bisschen Welt in ihren Büchern lieber aus dem Fernsehen
als aus dem Leben besorgen und ihre Figuren zwar alle möglichen
Nöte, aber niemals die des Broterwerbs, der Kinderaufzucht oder
ähnlicher Unzumutbarkeiten zu durchleiden haben. Denn am Leben der
Erwachsenen nimmt die jüngere deutsche Gegenwartsliteratur nicht
teil. Dazu kann man sie im Namen des deutschen Literaturfonds nur
beglückwünschen, ihren Büchern indes ist diese endlose Verlängerung
der Kindheit nicht bekömmlich."
Danach stellt
RADISCH den Schriftsteller Wilhelm GENAZINO als Alternative vor:
"Der
neue Büchner-Preisträger Wilhelm Genazino (...) schreibt seit nahezu
40 Jahren und wurde die längste Zeit seines Lebens missverstanden.
Zunächst von der Welt, den Eltern und den Frauen, wie sein jüngster
und bester, autobiografisch gefärbter
Roman Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman
verrät. Später von der Kritik, die in den siebziger Jahren seine
Romantrilogie Abschaffel allzu umstandslos als
Angestelltenroman abtat und die Trostlosigkeit der sockenwaschenden
Junggesellenexistenz der Hauptfigur einzig dem Konto »Literatur der
Arbeitswelt« gutschrieb. Dabei verriet schon die Abschaffel-Trilogie
die große Kunst des Frankfurter Autors, eine nahezu Pascalsche
Verlorenheit ins Bundesrepublikanische zu übersetzen, wenn man so
will: der transzendentalen Obdachlosigkeit eine Lohnsteuerkarte zu
verpassen.
Das bundesdeutsche Biedermeier, das ansonsten allein in Martin
Walsers Zuständigkeit zu fallen scheint, nimmt in den Augen
Genazinos diabolische Züge an. Seine Helden – allesamt aus dem
kleinbürgerlichen Kommunikationskonsens gefallene Sonderlinge in der
Tradition des französischen Junggesellenromans – reiben sich wund an
der »Gesamtmerkwürdigkeit des Lebens«, zu der sie den hippen,
affirmativen Zugang zum Glück des Lesers nicht finden können."
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FACIUS, Gernot (2004): "Die Kirche muss jungen Paaren mehr Mut
machen".
Bischof Huber sorgt sich um die Zukunftsfähigkeit,
in: Welt v. 09.06.
- Inhalt:
Bischof HUBER sieht in der Auflösung des
"Lebensstaus" eine Aufgabe der Kirche:
"Ich
habe zwei riesige Sorgen zugleich. Die eine bezieht sich auf die
nachwachsende Generation. Die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft
zeigt sich auch darin, wie viel Zutrauen sie in das Leben und die
Weitergabe des Lebens hat. Dass wir, was die Geburtenzahl angeht, in
der Welt an einer der hintersten Stellen stehen, sollte uns
nachdenklich machen. Von der Generation von 25 an wird verlangt,
dass sie drei Dinge unter einen Hut bekommt: Ausbildung, Beruf und
Familie. Auch die Kirche hat noch nicht genug getan, um jungen
Paaren Mut zu machen, nach Lösungen für diesen »Lebensstau« zu
suchen, und sie mit flankierenden, auch familienpolitischen
Maßnahmen zu unterstützen. Aber es handelt sich nicht nur um ein
familienpolitisches, sondern auch ein familienethisches Thema; es
hat viel mit der Aufgabenverteilung zwischen Männern und Frauen zu
tun."
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- KAHLE, Ulrike (2004): Abschied von der
Kampfzone.
Triumphales Ende der
Marthaler-Zeit: Johan Simons erfindet am Zürcher Schauspielhaus
Houellebecqs "Elementarteilchen" neu,
in: Tagesspiegel v. 08.06.
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- STARBATTY, Joachim (2004): Die
Bevölkerungsurne.
Höheres Alter heißt mehr Arbeit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.06.
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KNIPPHALS, Dirk (2004): Die Neue Übersichtlichkeit.
Der Schwanengesang eines
Claus Koch, der Lackmustest eines Jürgen Habermas und der Auftritt
eines Frank Schirrmacher bei "Verstehen Sie Spaß?": Ein Versuch über
die veränderte Rolle des kritischen Intellektuellen in der
zeitgenössischen Gesellschaft,
in: TAZ v. 07.06.
- Inhalt:
KNIPPHALS beschäftigt sich u.a. mit
Frank
SCHIRRMACHER:
"Die
Riesendemonstrationen gegen den Irakkrieg und auch gegen die Agenda
2010 beweisen eher, dass es inzwischen keine universalen
Intellektuellen mehr braucht, um sich zu engagieren und zu empören.
Vielmehr muss heute jeder kritische Intellektuelle mit der Gefahr
umgehen, nur noch offene Türen einzurennen. Dafür hat es neulich ein
schlagendes und auch lustiges Beispiel gegeben: Frank Schirrmachers
unfreiwilliger Auftritt bei der Fernsehsendung »Verstehen Sie
Spaß?«. Von den Feuilletons war der Herausgeber der FAZ
ja sehr dafür gescholten worden, dass sein neues Buch »Der
Methusalem-Komplex« sich geradezu wie eine Parodie auf die Figur des
leidenschaftlichen universalen Intellektuellen liest.
Tatsächlich enthält das Buch vom notwendigen Bewusstseinswandel bis
hin zum Untergangsszenario alle Gassenhauer aus den einschlägigen
diskursiven Arsenalen, grundiert mit allen Stilmitteln einer
Wachrüttelrhetorik. (...). Und dem Publikum gefällts: Das Buch ist
ein Riesenerfolg. Aber dass man sich mit der Pose eines einsamen
Rufers in der Wüste inzwischen den Promistatus erarbeiten kann, der
es einem erlaubt, sich von einer zentralen Fernsehsendung der
Spaßgesellschaft verarschen zu lassen, das verdient doch als
bemerkenswert festgehalten zu werden. Der kritische Intellektuelle
auf einer Höhe mit Rennfahrern und Popsängerinnen! Ob das zu einer
neuen Gelassenheit der Intellektuellen ihrer gesellschaftlichen
Rolle gegenüber beiträgt? Unwahrscheinlich."
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RUTSCHKY, Michael (2004): Bruder
Geduldig.
Von den "Tempojahren" zu den
"Bernsteintagen": Portrait des Schriftstellers
Maxim Biller als nicht
mehr so zorniger Mann
in: Tagesspiegel v. 07.06.
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- GEISEL, Sieglinde (2004): Das Pendel
schwingt zurück.
Männer und Frauen - unverwüstliche Klischees,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 07.06.
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- BERG, Sibylle (2004): Schneller
billiger dümmer.
Die Schriftstellerin Sibylle Berg über das Ende der
Frauenzeitschrift "Allegra", für die sie lange schrieb,
in: Tagesspiegel v. 06.06.
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- BURTSCHEIDT, Christine (2004): Die
Schatz-Karte.
Eine Studie hat erstmals die Verteilung der Frauen auf die Städte
und Landkreise im Freistaat erforscht,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.06.
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MENSING, Kolja (2004): Familiäres Kapital.
Hauptsache, geordnete
Verhältnisse:
Die Nach-Achtundsechziger Joachim Bessing und Adriano Sack denken über
Familien nach,
in: TAZ v. 05.06.
- Inhalt:
"»Elternabend«
und »Rettet
die Familie!«
vor allem Ausdruck einer neuen, spießbürgerlichen Sehnsucht nach
geordneten Verhältnissen. Und natürlich dürfen auch die
entsprechenden Schreckensszenarien nicht fehlen",
vermerkt MENSING zu den
Büchern der Generation Golf-Autoren
Adriano SACK und
Joachim BESSING,
die sich beide mit den Familienverhältnissen der 68er und deren
gesellschaftlichen Folgen auseinandergesetzt haben.
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GENAZINO, Wilhelm (2004): Die Drohung im Handgemenge.
Hans Falladas mangelnder Sicherheitsabstand gegenüber der
Wirklichkeit,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 05.06.
- Inhalt:
Wilhelm GENAZINO unterscheidet in seiner
gymnasialen 68er-Klassengesellschaft zwei Leserklassen. Die Hermann
Hesse-Leser und die Hans Fallada-Leser unterschieden sich in der Art
des Scheiterns:
"Fallada
wurde von Jugendlichen gelesen, die in der Nachkriegszeit etwas zu
schnell zu Erwachsenen gemacht worden waren; bei nicht wenigen kam
ein eigenes frühes Scheitern dazu, das von fern ein wenig dem
Scheitern Falladas ähnelte.
Die Hesse-Leser dagegen machten ordentlich ihr Abitur und fingen an
zu studieren, sie gingen rechtzeitig zur Tanzstunde und fanden
pünktlich ihre Jugendliebe. Wer mit Fallada angefangen hatte, stiess
bald auf Tucholsky und Heinrich Mann, las dann weiter bei Döblin und
Feuchtwanger und Brecht. Die Hesse-Leser lasen lange Zeit nichts
anderes als Hesse, einigen von ihnen gelang nach Jahren der Absprung
zu Rilke und Hölderlin; danach fanden sie zur Popmusik und zu ersten
Drogenerfahrungen. Viele der Hesse- Leser scheiterten später und
gründlicher als die Fallada-Leser."
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- MÄRZ, Ursula (2004): Gerade als
Besucher bei sich selbst.
Benjamin von Stuckrad-Barre ist ein Infizierter, ein
Medienerkrankter: Ehrenrettung des Literaten hinter dem Phänomen,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.06.
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BARTELS, Gerrit (2004): Kontemplation in Ewigkeit.
Der genaue Kenner der
Angestelltenwelt, der Flaneur, der unerwartete Publikumserfolg, der
große Preis: Der Frankfurter Schriftsteller Wilhelm Genazino erhält in
diesem Jahr den Georg-Büchner-Preis,
in: TAZ v. 04.06.
- Inhalt:
BARTELS stellt
Wilhelm GENAZINO als "Mythologen des
Alltags" vor:
"Seine
Figuren, kleine Angestellte, Schuhtester, aber auch arbeitslose
Intellektuelle, sind meist ein wenig angeschlagen und Leid gewohnt.
Das aber hält sie nicht davon ab, sich in alltäglichen Details zu
ergehen, ja sich gerade in ihnen zu verlieren und am Wegesrand der
großen Städte die tollsten Wahrnehmungen zu machen. Sie sind
Wiedergänger von Franz Hessels oder Robert Walsers Flaneuren und
Eckenstehern, sie sind unermüdlich Liebessuchende und
Traumverlorene, sei das nun in den von Adenauer geprägten
Fünfzigerjahren oder den vergnügungssüchtigen Neunzigerjahren.
Selbst im größten Scheitern versuchen sie noch das »Grauen der
Normalität« durch »Lebenskunst« zu ersetzen."
-
DOTZAUER, Gregor (2004): Ein Dichter,
ein Werk, eine Ehrung.
Wilhelm Genazino erhält den Büchner-Preis 2004,
in: Tagesspiegel v. 04.06.
- HARTWIG, Ina (2004): Ein Mann, ein
Büchner.
Wilhelm Genazino wurde gekürt,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.06.
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TITTEL, Cornelius (2004): Der Resteverwerter.
Die Talkshow-Kultur frisst
ihre prominentesten Kinder: Benjamin von Stuckrad-Barre liefert mit
seinem neuen Buch "Remix 2" noch einmal Nachrichten aus einer längst
vergangenen Epoche,
in: TAZ v. 03.06.
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- KIRCHHOF, Paul (2004): Die postsäkulare
Gesellschaft.
Unterschiedslos gewährt der demokratische Staat das Recht auf
ungestörte Religionsausübung. Das aber darf ihn nicht blind machen für
den unterschiedlichen Beitrag der Religionen für ein Gelingen des
freiheitlichen demokratischen Staates. Gleichheit der
freiheitsberechtigten Religionen bedeutet also nicht Gleichgültigkeit
für den freiheitsverpflichtenden Staat. Denn keine Verfassung
garantiert sich selbst,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.06.
- Kommentar:
Singlefeind KIRCHHOF begründet die
Vorrangstellung des Katholizismus in
Deutschland u.a. aus der Tradition des Familialismus:
"Wenn eine
Religionsgemeinschaft ihren Mitgliedern nachdrücklich das Leben in
einer Ehe und die Bereitschaft zu Kind und Familie empfiehlt, eine
andere hingegen die Verantwortlichkeit des einzelnen Menschen für
Ehe und Familie weniger hervorhebt, so sind diese unterschiedlichen
Lehren für die Zukunft von Staat und Gesellschaft bedeutsam. Der
Staat ist darauf angewiesen, daß die Menschen von dem
grundrechtlichen Angebot von Ehe- und Familienfreiheit tatsächlich
Gebrauch machen und damit die Zukunft des Staates in einer Jugend
sichern, aber auch die soziale Gemeinschaft ehelicher und familiärer
Beistands- und Unterhaltsgemeinschaften selbstverständlich bleibt."
Dem schwachen
Staat stellt KIRCHHOF die
formstarke Kirche gegenüber:
"In der Gegenwart
eines weitgehend informell handelnden, also durch Formenschwäche
delegitimierten Staates halten die Kirchen mit ihren Formen - dem
Kanon der Messe oder den Riten von der Taufe bis zur Beerdigung -
die Kraft der Form für die Bewältigung des menschlichen Lebens im
Bewußtsein."
Zum Schluss
fordert KIRCHHOF vom formschwachen Staat eine aktive
Bevölkerungspolitik:
"Fehlen dem Staat die
Kinder, muß er den Schutz von Ehe und Familie grundrechtsprägend
aktivieren."
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- BRUNS, Tissy (2004): Neuer Kult ums
Kind.
Perfekt muss es sein,
in: Tagesspiegel v. 03.06.
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- NOLTE, Barbara (2004): "Ich traf einen
verzweifelten Menschen".
Benjamin von Stuckrad-Barre
gibt der Filmemacherin Herlinde Koelbl Einblick in sein Leben auf
Drogen,
in: Tagesspiegel v. 02.06.
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- HARTMANN, Martin (2004): Die letzten
Ressourcen.
In der Welt entgrenzter
Arbeit verändert auch das Private seine Konturen - hat die Soziologie
aber schon das Rüstzeug, um diese Veränderungen kritisch zu
beschreiben?
in: Frankfurter Rundschau v. 02.06.
- Inhalt:
HARTMANN widmet sich dem "kulturellen
Neoliberalismus", der unter dem Etikett der Individualisierung die
Selbstausbeutung der Individuen vorantreibt:
"Externe
Zwänge werden gerne als Ergebnis eigener Entscheidungen ausgelegt,
für die man Verantwortung zu tragen hat."
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DETTLING, Warnfried (2004): Alles ist möglich. Sicher ist nichts.
Keine Frage: Angela Merkel
wird Kanzlerkandidatin der Union. Aber ist die CDU-Vorsitzende willens
und stark genug, in zentralen Politikbereichen neue Wege zu gehen?
in: TAZ v. 01.06.
- Kommentar:
Der Simplifizierer
Warnfried DETTLING bringt das
Sozialstaats-Dilemma auf einen Punkt, der die Sicht der
selbstgefälligen politischen Klasse widerspiegelt:
"Manche
Länder (Skandinavien) wollen viel vom Staat, geben ihm aber auch
viel (Steuern), anderswo (England, Amerika) ist es genau umgekehrt.
Beides passt zusammen. Die Deutschen wollen alles: Sie erwarten viel
vom Sozialstaat, wollen aber wenig Steuern bezahlen. Dieser
Widerspruch geht auch mitten durch die Politik"
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- MROZEK, Bodo (2004): London swingt
wieder.
Einige von ihnen sind daran
gestorben – die anderen feiern drei Tage lang ihre 40 Jahre alte
Kleiderordnung,
in: Tagesspiegel v. 01.06.
- Inhalt:
"Die Mods? Britische Jugendkultur, entstanden vor 40
Jahren, ein Revival bis jetzt, dann wurde es wieder still um sie.
Pünktlich zum Jahrestag ist sie wieder da", schreibt MROZEK.
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NIERMANN, Ingo (2004): Die beste Welt.
Die Entwickler des Computerspiels "Singles",
in:
Monopol, Nr.2, Juni/Juli
- Inhalt:
Ingo NIERMANN spricht mit Dennis FRANKEN und
Martin ELLSÄßER über das erfolgreiche Computerspiel "Singles".
FRANKEN beschreibt
"Singles" als eines der ersten Spiele, in denen Sex als Spielziel
vorkommt:
"Wie lange muss man
wenigstens spielen, bis sie miteinander schlafen können? Wann können
sie heiraten?
ELLSÄßER: Damit sie heiraten, muss man zehn Stunden spielen. Wenn
man's nur drauf anlegt, die miteinander in die Kiste zu bekommen,
und alle anderen Sachen vernachlässigt, dauert es vielleicht drei
Stunden."
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HEIM, Uta-Maria (2004): Willkommen zur After 4T Party.
Die 83er-Generation überschreitet die Schwelle des Wahnsinns,
in: neue deutsche literatur, Nr.2, Juni
- Kommentar:
Uta-Maria HEIM, Jahrgang 1963, erklärt dem
Leser -
offenbar inspiriert von einem SPIEGEL-Essay
- die Leerstelle ihres Geburtsjahrgangs:
"WIR LIEFEN STETS MIT und
kamen trotzdem zu spät. Wir schließen gerade! Wer heute im
ehemaligen Westdeutschland 40 wird, der tut sich deshalb schwer mit
der eigenen, einzigartigen Geschichte. Der geburtenstarke Jahrgang
1963/64 ist deutlich als Leerstelle erkennbar, während um ihn herum
ein vordergründiges Wir-Gefühl wuchert (...). Für die 78er, die von
der 68er Revolte profitiert haben, sind wir zu jung, für die
Generation Golf, die sich über uns kaputtlacht, zu alt."
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- KUNZ, Harry (2004): "Mehr Kinder" - und
die Realität.
Die "kinderlose Gesellschaft" ist kein Wunschprogramm,
in: Kommune, Juni
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- WEBER-HERFORT, Christine (2004):
Kinder? Nein danke!
Viele Frauen entscheiden sich heutzutage bewusst gegen Kinder. Zwei
Versuche, die Motive der gewollt Kinderlosen zu ergründen und ihre
Position zu stärken,
in:
Psychologie Heute, Nr.6, Juni
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DÖRING, Nicola (2004): Per Tastatur zum Orgasmus.
Cybersex klingt exotisch, ist aber heute für viele Internetnutzer
alltäglich. Sie nutzen E-Mail, Chat oder Webcam zum erotischen
Austausch. Doch handelt es sich bei der virtuellen Sexualität
überhaupt um echten Sex? Ist die Lustsuche vor dem Computer
gefährlich? Wird die körperliche Liebe verdrängt?
in:
Psychologie Heute, Nr.6, Juni
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Zu den News
vom 22. - 31. Mai 2004
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