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News vom 01. - 10. Juni

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Der langfristige Wandel partnerschaftlicher Lebensformen im Spiegel des Mikrozensus

"Entgegen weit verbreiteten Auffassungen kann ein genereller Trend zur Abkehr von festen, verbindlichen partnerschaftlichen Beziehungen nicht festgestellt werden. Ein Vergleich der Lebensverläufe verschiedener Kohorten zeigt aber, dass partnerschaftliche Bindungen zunehmend später und bis zum mittleren Erwachsenenalter auch seltener eingegangen werden. Im höheren Alter nimmt hingegen der Anteil derer, die in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft leben, zu, was vor allem auf die Veränderung der Alters- und Geschlechterstruktur der älteren Bevölkerung zurückzuführen ist."
(Andrea Lengerer & Thomas Klein in der Zeitschrift "Wirtschaft und Statistik", April 2007, S.433)

 
       
       
   
  • MÖNCH, Regina (2007): Frau Doktors unsichtbares Kind.
    Gestritten wird viel, zuverlässig gewusst wenig: Den Befunden zur Kinderlosigkeit in Deutschland fehlt die exakte Datenbasis,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.06.
    • Inhalt:
      Regina MÖNCH stellt das Buch "Ein Leben ohne Kinder", herausgegeben von Dirk KONIETZKA & Michaela KREYENFELD, vor:

                   "irrsinnigerweise werden immer wieder nur bis zu 39 Jahre alte Frauen zum Kinderwunsch oder Kinderglück befragt (...). Wer sein erstes Kind also später bekommt - wie gerade Akademikerinnen -, wird von der deutschen Statistik ignoriert und in ideologisch aufgeladenen Debatten als Kinderlose gebrandmarkt."
  • PERGANDE, Frank (2007): Umgekehrte Annäherung.
    In der Familienpolitik ist die deutsche Einheit nicht erreicht. Dieses Mal aber übernimmt der Westen das Modell des Ostens,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.06.
    • Inhalt:
      Frank PERGANDE berichtet über die Ost-West-Unterschiede bei der Familiengründung in Deutschland, die auch ein zentrales Thema des Buches "Ein Leben ohne Kinder" sind.

                   Der Rückgang der zusammengefassten Geburtenziffer - "zeitweise sogar auf 0,8 Kinder pro Frau" - verdeckte die Tatsache, dass es in den neuen Bundesländer weiterhin weniger Kinderlose gab als in Westdeutschland. Ursache ist der "Tempoeffekt", d.h. der Anstieg des mittleren Gebäralters der Frauen.
                   Die zusammengefasste Geburtenziffer - in der öffentlichen Debatte neben den Geburtenzahlen jene Maßzahl, die am häufigsten im Mittelpunkt demographischer Debatten steht - ist kein zuverlässiger Indikator für die Entwicklung der Geburten in Deutschland, wie Michaela KREYENFELD und Dirk KONIETZKA in dem Buch "Ein Leben ohne Kinder" aufzeigen.
 
   
  • ECHT/HEIER/SPRE/UVR (2007): Wir können auch anders.
    Vor einer Revolution der Fortpflanzung,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.06.
  • ALBRECHT, Jörg/HEIER, Magnus/KARBERG, Sascha/SIEHOFF, Jonas (2007): Männer, alles halb so wild.
    Vergangene Woche wurde ein neuer Weg beschrieben, Stammzellen zu gewinnen. Er könnte auch die Fortpflanzung auf den Kopf stellen, 
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.06.
  • KÖPF, Nike (2007): Mach es wie der Hammerhai.
    Parthenogenetische Fortpflanzung ist im Tierreich gang und gebe,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.06.
 
   
  • FAS-Vorabdruck: Die Hauptstadt der Barbaren.
    Ist menschliches Leben möglich in der deutschen Hauptstadt - und wenn ja: Wird die Zivilisation dort jemals ankommen? Das sind so die Fragen, die sich stellen im Berliner Alltag. Und weil die schnellen Antworten meist die falschen sind, haben Georg Diez, Nils Minkmar, Peter Richter, Claudius Seidl und Anne Zielke ein Buch geschrieben: "Schaut auf diese Stadt!"

    • ZIELKE, Anne (2007): Der Aufzug,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.06.
    • DIEZ, Georg (2007): Das Licht,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.06.
    • RICHTER, Peter & Claudius SEIDL (2007): Kunst,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.06.
    • MINKMAR, Nils (2007): Der Neue,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.06.
 
   
  • SIRLESCHTOV, Antje (2007): FDP findet bei der Familienpolitik nicht zusammen,
    in: Tagesspiegel v. 10.06.
 
     
     
   
  • SCHULZE, Gerhard (2007): Jenseits von Haben und Sein.
    Nicht nur Gefühl, nicht nur Kalkül -zukunftsgerichtete Lebensentwürfe müssen das eindimensionale Denken sprengen,
    in: Neue Zürcher Zeitung  v. 09.06.
 
   
  • GÜNTNER, Joachim (2007): Opfer einer Damenwahl,
    in: Neue Zürcher Zeitung  v. 09.06.
    • Inhalt:
      "Noch lässt sich der ostdeutsche Mann in Not mit hängenden Schultern darstellen. Steht er bald stramm, wie es bereits heute einige tun, reckt den geschorenen Kopf und die Hand zum unheilvollen Gruss? Über Skinheads und Neonazis sang die Punkrock-Band «Die Ärzte» 1993 sinnig: «Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe / Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit.»", fragt sich GÜNTNER angesichts der Studie "Not am Mann", die von FAZ und Spiegel gehypt wird.
 
   
  • SIRLESCHTOV, Antje (2007): Zulasten der Familie.
    Trübe Aussichten: Die zugesagten Gelder kommen in einen Sondertopf,
    in: Tagesspiegel v. 09.06.
 
     
     
     
   
  • RM-Pro & Contra: Soll es ein Betreuungsgeld geben?

    • PFLÜGER, Friedbert (2007): Nein, es entsteht die Versuchung, die Kinder vor den Fernseher zu setzen und das Geld zu kassieren,
      in: Rheinischer Merkur Nr.23 v. 07.06.
    • STEWENS, Christa (2007): Ja, denn nur so können Eltern wirklich wählen, ob sie ihre Kleinstkinder in eine Kita geben wollen oder sie zu Hause erziehen,
      in: Rheinischer Merkur Nr.23 v. 07.06.
 
   
  • MAYER, Susanne (2007): Mädels, darf es etwas mehr sein?
    Die Frauenbewegung kommt als Buch. Vier neue Titel! Sie geben sich erstaunlich moderat,
    in: Die ZEIT Nr.24 v. 06.06.
    • Inhalt:
      Susanne MAYER hat an allen besprochenen Büchern etwas auszusetzen.

                   Zu Katrin GÖRING-ECKARDT ("Leichter gesagt als getan") heißt es lapidar:
                   "Das Buch dokumentiert, warum nichts war mit Frauenpolitik bei Rot-Grün".
                   Am Buch "Schwestern" von Silvana KOCH-MEHRIN missfällt MAYER deren Kritik an der Alleinverdienerfamilie, speziell die hohen Transfergelder für Familien.
                   Ausführlicher wird MAYER nur bei Ursula von der LEYEN ("Wir müssen unser Land für die Frauen verändern"):
                   "Es ist übrigens keineswegs wahr, dass in Skandinavien das Elternjahr zum Durchbruch in der Familienpolitik führte. Es war ein Dreiklang, der das schaffte: Abschaffung der Ehesubvention, Qualifizierung aller Krippen, Kitas und Schulen zu fördernden Ganztagsinstitutionen, Individuelabesteuerung von Mann und Frau.
                   Vor so viel Konsequenz schreckt das Buch zurück."
                   Auch Alice SCHWARZER ("Die Antwort") ist ihr gleichstellungspolitisch zu defensiv:
                   "Politisch sähe Mut so aus: keine Staatsaufträge an Firmen, die Gleichstellung nicht umsetzen. Steht doch im Grundgesetz".
 
   
  • EMUNDTS, Corinna (2007): Geld macht nicht schlau.
    Familienministerin Ursula von der Leyen will sozial benachteiligte Kinder fördern - mit Gutscheinen für Tagesmütter und Kitas. Die CSU droht mit Boykott,
    in: Die ZEIT Nr.24 v. 06.06.
 
     
     
   
  • OESTREICH, Heide (2007): Mama soll's richten.
    Um die demografische Wachstumsschwäche der kommenden Jahre auszugleichen, muss deutschen Müttern die Berufstätigkeit erleichtert werden, fordern einmütig Experten und auch die EU-Kommission. Doch das hiesige Steuersystem arbeitet dagegen,
    in: TAZ v. 05.06.
    • Anmerkungen:
      Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat eine Studie erstellt, die einen Zusammenhang zwischen demografischer und wirtschaftlicher Entwicklung behauptet. Der "USA mit ihrer Traumgeburtenquote von 2,1 Kindern pro Frau" wird eine günstigere Entwicklung zugeschrieben.

                   Der Soziologe Karlo Otto HONDRICH hat in seinem Buch "Weniger sind mehr" die enge Kopplung zwischen Geburten- und Wirtschaftsentwicklung widerlegt.
  • DRIBBUSCH, Barbara (2007): Berufstätigkeit lohnt sich für Mütter kaum.
    DIW-Institut: Steuern und Betreuung schlucken Einkommen der Mütter. Teilzeitjobs zahlen sich nur langfristig aus,
    in: TAZ v. 05.06.
 
   
  • SIRLESCHTOV, Antje (2007): Krippen hui, Steuern pfui,
    in: Tagesspiegel v. 05.06.
    • Inhalt:
      "Eine Reform des Ehegattensplittings, ein Hauptgrund für mangelhafte Mütterbeschäftigung in Deutschland, will die CDU-Familienministerin in den nächsten Jahren nicht anpacken. Je mehr Mütter arbeiten gehen können, weil sie kostengünstige Kinderbetreuung finden, umso weniger Gewicht werde das Splitting haben, argumentiert die Ministerin zur Begründung. Eine Reform, etwa hin zum Familiensplitting, erscheint ihr daher weniger drängend als der Ausbau der Kinderbetreuung", berichtet SIRLESCHTOV.
 
   
  • HOFFMANN, Andreas & Jens SCHNEIDER (2007): Pflegereform trifft Privatversicherte.
    Prämien von Selbständigen und Gutverdienern könnten um mehr als 60 Prozent steigen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.06.
 
   
  • BERTH, Felix & Bernd DÖRRIES (2007): Teure Tagesmütter.
    Alle Betreuerinnen müssen Gehalt künftig versteuern,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.06.
  • JSC (2007): Gutscheine für Bildung.
    Von der Leyen schlägt Coupons statt "Herd-Prämie" vor,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 05.06.
 
     
     
     
   
  • REITSCHUSTER, Boris (2007): Die Schule der Luder.
    Anhimmeln, anbaggern, anschmiegen: wie die Elevinnen der Moskauer Anmach-Akademie lernen, Männern zu gefallen,
    in: Focus Nr.23 v. 04.06.
 
   
  • SIRLESCHTOV, Antje (2007): Wenn der Job nicht lohnt.
    Familien stehen mit einem Alleinverdiener bisweilen besser da, als wenn beide Eltern arbeiten gehen,
    in: Tagesspiegel v. 04.06.
    • Inhalt:
      SIRLESCHTOV berichtet über eine Studie des DIW, in der die Bevorzugung der Alleinverdienerehe gegenüber der Doppelverdienerehe belegt wird. Es geht u. a. um das Ehegattensplittung und die Mitversicherung von Ehefrauen. Einzig Doppelkarrierepaare mit privatem Netz stehen besser:

                   "am allerschlimmsten trifft es diejenigen, die dort wohnen, wo die Infrastruktur für Kinderbetreuung schlecht ausgebaut ist. Denn dort müssen Familien für Babysitter oder andere Privatbetreuung mehr Geld ausgeben. Arbeitet eine Mutter 20 Wochenstunden, errechnet das DIW, ist die Netto-Bilanz der Familie immer noch negativ. Erst bei einer 40-Stunden Vollzeitstelle bleibt netto mehr übrig. Aber auch nur rund 14 Prozent. Viel besser stellt sich eine Familie finanziell nur, wenn beide Eltern Akademiker mit höherem Einkommen sind, die Mutter nach der Babypause gleich wieder Vollzeit in die Arbeit einsteigt und am besten noch eine Oma bei der Kinderbetreuung aushilft"
 
     
   
  • DORN, Thea (2007): Lila Rost.
    Alice Schwarzer zertrümmert die Kernsätze des Patriarchats und gibt Eva Herman eine altlinke, antibürgerliche Antwort,
    in: Welt v. 02.06.
    • Inhalt:
      "Besonders ärgerlich werden sachliche Ungenauigkeiten an Stellen, an denen die Autorin Recherchegenauigkeit demonstriert: »Der wahre Kinderknick hat nicht heute stattgefunden, sondern zwischen 1970 und 1975. In diesen Jahren ist die Statistikkurve in Deutschland von 2,5 Durchschnittskindern pro Frau auf 1,5 gefallen (heute 1,4)« In Zeiten, in denen selbst ernannte Reiter der demografischen Apokalypse mit schriller Stimme Halbwahrheiten verbreiten, freut man sich über Sätze wie diesen. Der einzige Haken: Auch dieser Satz ist nur halb wahr. Ein Blick in die deutsche Geburtenstatistik zeigt, dass der korrekt bezifferte Rückgang von durchschnittlich 2,5 auf 1,5 Kinder pro Frau nicht zwischen 1970 und 1975 stattgefunden hat. Sondern zwischen 1964 und 1975. Dass dieser Fehler nicht schlichter Schlampigkeit geschuldet ist, sondern Methode hat, wird klar, sobald man weiter liest: »Kein Vertun also: Es war nicht die Pille, die ab Mitte der 60er Jahre das Sexualverhalten veränderte, es war die Frauenbewegung.« - Und die gab es im Gegensatz zur Pille eben erst in den 70ern, weshalb die Jahreszahlen frisiert werden", kritisiert Thea DORN.
 
   
  • BRAUN, Adrienne (2007): Frauen ziehen sich wie Männer an.
    Hannelore Schlaffer beschreibt das Ende der Weiblichkeit,
    in: Stuttgarter Zeitung v. 02.06.
 
   
  • MESSMER, Susanne (2007): Im Bauch der Bassistin.
    Verlieren und lieben: Ein Besuch bei dem amerikanischen Schriftsteller in Brooklyn,
    in: Tagesspiegel v. 02.06.
    • Inhalt:
      "Es ist ein warmer, sonniger Tag, an dem Jonathan Lethem zu sich nach Hause in Brooklyn bittet. Kommt man mit dem Taxi vom Szeneviertel Williamsburg nach Boerum Hill, stechen zunächst die vielen Waschsalons, Burgerfilialen und billigen Haushaltswarenläden ins Auge. Die Dichte stilvoll abgewetzter Cafés und schlampiger Plattenläden ist viel geringer als in Williamsburg, hier hat sich in den letzten zwanzig Jahren nicht so viel verändert wie anderswo",
      schildert Susanne MESSMER den Weg zu Jonathan LETHEM, der ansonsten kaum zu Wort kommt, stattdessen bringt MESSMER den Inhalt des neuen Romans selber auf den Punkt:

            
        "»Du liebst mich, du liebst mich nicht« ist ein Buch, das goldene Fäden um einen kurzen, magischen Moment spinnt, wie ihn jeder einmal erlebt hat oder zu erleben hofft. Kurz sieht es so aus, als könnte diese Band berühmt werden – aber wie im wirklichen Leben zerstäubt am Ende der Zauber. (...).
            
        Trotz anderer Spielplätze und einer neuen Leichtigkeit geht es wie so oft bei Jonathan Lethem um das Leben der Boheme, um Subkulturen und Nachbarschaften, die zumindest zeitweise kleine, utopische Blasen bilden. Schade, dass sie am Ende platzen und die Kapitulation folgt."
 
     
   
  • HÖGE, Helmut (2007): Vom Glück, der Verberuflichung zu entgehen.
    Die Vereinigung von Mensch und Maschine schreitet voran: Die digitale Boheme sieht sich an der Spitze einer Bewegung, die urbanen Penner versuchen sie aufzuhalten,
    in: TAZ v. 01.06.
    • Inhalt:
      "Es war das Jahr 1996, als das manager-magazin vom neuen elektronischen Zeitalter - und namentlich von seinem Vorreiter Don Tapscott und seinem Bestseller »Die digitale Revolution« schwärmte. Die neuen Medien, prophezeit er, werden eine völlig neue Ökonomie hervorbringen(...).

                   Als »Avantgarde des Sozialraubs« bezeichnete dagegen der Kultursoziologe Thomas Wagner in der Jungen Welt (hier und hier) die »digitale Boheme«, wie die mit Handys und Coffee to go ausgerüsteten jungen kreativen »Laptopper« von den Berliner Autoren Holm Friebe und Sascha Lobo genannt werden. Wagner führt deren »Kreativideologie« bzw. »Neoliberale Klassentheorie« auf die Thesen des US-Ökonomen Richard Florida zurück, der in seinem Bestseller »Der Aufstieg der kreativen Klasse« allen Ernstes einen »Boheme- und Schwulenindex« zur Messung des neuen Kreativ-Potenzials von Großstädten erfand. Danach würde Berlin ganz gut dastehen!
                   Die Chefredakteurin von Tagesspiegel-Online Mercedes Bunz sprach in bezug auf diese Kreativszene jedoch eher pessimistisch von »urbanen Pennern«. (...). Kürzlich gab sie jedoch zu bedenken, dass die Problematik der »urbanen Penner« nun vom Aufschwung überlagert werde. Der alte Marxist André Gorz sieht in dieser Kreativszene, die feste Arbeitsstellen ablehnt und beweglich bleiben will, sehr viel optimistischer: Auch er geht von einem unaufhaltsamen Verschwinden der Dauerarbeitsplätze aus. Was danach käme? Die Generation X, wie bei Douglas Coupland, namenlose Helden des Prekären und Pioniere der Wiederaneignung von Zeit. (...)."
                   Helmut HÖGE fragt sich kurz, wie soziologisch relevant diese Eliten der beschleunigten Gesellschaft sind, nur um anschließend eine Utopie des Schriftstellers Kurt VONNEGUT zur neuen Klassengesellschaft vorzustellen:
                   "Die Massen werden scheinbeschäftigt und sozial mehr schlecht als recht endversorgt, während eine kleine Elite mit hohem IQ, vor allem »Ingenieure und Manager« (Problemlöser/Kreative), die Gesellschaft bzw. das, was davon noch übrig geblieben ist - »Das höllische System« (so der deutsch Titel des Romans) -, weiter perfektioniert. Schon bald sind alle Sicherheitseinrichtungen und -gesetze gegen Sabotage und Terror gerichtet. Trotzdem organisieren sich die unzufriedenen Deklassierten im Untergrund, sie werden von immer mehr »Aussteigern« unterstützt - und irgendwann schlagen sie los, d. h. sie sprengen alle möglichen Regierungsgebäude und Fabriken in die Luft. Ihr Aufstand scheitert jedoch. Nicht zuletzt deswegen, weil die Massen nur daran interessiert sind, wieder an »ihren« geliebten Maschinen zu arbeiten."
                   Die digitale Bohème und die urbanen Penner (Beschleuniger und Entschleuniger im Sinne von Peter GLOTZ) sind für HÖGE zwei Eliten, die den Weg in diese schöne neue Welt ebnen:
                   "Die »digitale Boheme« nun ist bemüht, sich an die Spitze dieser Entwicklung zu setzen bzw. dort zu halten, während die »urbanen Penner« wohl eher versucht sind, sich dem Widerstand dagegen anzuschließen."
 
     
   
  • MARTENSTEIN, Harald (2007): Über den Frauenmangel,
    in: Tagesspiegel v. 01.06.
    • Inhalt:
      "Ich bin für Emanzipation und all das. Gleichzeitig sehe ich, dass die Chancengleichheit den Karrieredruck auf uns Männer wahnsinnig erhöht. Einerseits haben wir jetzt all die ehrgeizigen Frauen als Konkurrentinnen, andererseits werden wir, wenn wir es nicht nach oben schaffen, dadurch zusätzlich bestraft, dass wir keine Partnerin finden oder sogar Nazis werden müssen. Es gibt wirklich sehr nette Fensterputzer!" meint Harald Martenstein zur Not am Mann.
 
   
  • BERNARD, Andreas (2007): Pop-Literatur,
    in: SZ-Magazin v. 01.06.
    • Anmerkungen:
      Der Popjournalist Andreas BERNARD erläutert das Grundprinzip der Pop-Literatur in Anlehnung an Hubert WINKELS, der zwischen Empathikern (Authentizität von Autor und Werk) und Gnostikern (Differenz von Autor und Werk) unterschied.

                   Pop-Literaten verkörpern ihr Buch und nehmen damit die "Rolle einer Geschmacksinstanz im alltäglichen Leben" ein.
      Gibt es aber überhaupt noch ein Außen des Pop?

                   "Das ermüdendste und mittlerweile unglaubwürdigste Kriterium ist zweifellos jenes, dass Pop-Autoren die wilde Antithese zum literarischen Kanon bilden würden. (...). Außenseiter ist als junger Lektor oder Redakteur inzwischen nicht, wer sich für Goetz oder Biller begeistert, sondern für Stifter, Mörike und Immermann."
                   Anti-Pop lebt einzig aus der Differenz zu Pop und ist damit nichts anderes als Pop.
                   Im gegenwärtigen Kulturklassenkampf um die Hegemonie im Kulturbetrieb spielen die feinen Unterschiede der Erlebnisklassen eine entscheidende Rolle.
                   Wer nicht zur Unterschicht der Erlebnisgesellschaft gehören will, der muss sich inzwischen auf eine sinnige Weise zum Pop abgrenzen. Dass diese Abgrenzung mit den Mitteln des Pop geschieht ist der Unterschied zu den 1950er Jahren.
 
   
  • JARDINE, Anja (2007): Aschenputtels harte Nuss.
    Die Reichen heiraten auch irgendwann – warum also nicht dich? Ginie Sayles hat es erlebt und gibt ihre Erfahrungen nun gewinnbringend weiter. Eine private Konsultation,
    in: NZZ Folio, Juni/Juli
 
   
WZB-Mitteilungen-Titelgeschichte:
Wenig Platz für den Nachwuchs.
Kinderbetreuung und Frauen-Erwerbstätigkeit in Deutschland
  • BLOME, Agnes & Wolfgang KECK (2007): Mehr Staat, weniger Mama.
    Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern im Ländervergleich,
    in: WZB-Mitteilungen, Heft 116, Juni
 
   
INTRO-Titelgeschichte:
Party mit Tocotronic
  • GRETHER, Kerstin & Sandra GRETHER (2007): Tocotronic.
    Verschwör dich gegen dich - und deine Wunden öffnen sich!
    in: Intro Nr.150, Juni
 
   
  • HEINSOHN, Gunnar (2007): Die demografische Kapitulation.
    Nur mit ihrem eigenen Nachwuchs werden die westlichen Hightechnationen ihren Lebensstandard nicht halten können,
    in: Cicero, Juni
    • Anmerkungen:
      "Von demografischer Kapitulation spricht die Forschung, wenn in einer Population auf 100 Männer zwischen 40 und 44 Jahren nur noch 80 oder weniger Knaben zwischen null und vier Jahren folgen. In Deutschland liegt die Zahl derzeit bei 50 Knaben pro 100 Männern im beschriebenen Altersrahmen. Das große Brimborium um Elterngeld und Kinderkrippen dreht vor diesem Hintergrund an Stellschrauben im Mikrometerbereich", verkündet uns Gunnar HEINSOHN.

                   Woher er seine Eingebungen hat, das verschweigt er uns. Tippt man den Begriff in die Suchmaschine Google ein, dann findet man einen einzigen Treffer (Stand: 27.05.2007), der ebenfalls auf HEINSOHN verweist. Es spricht also anscheinend weniger "die Forschung", sondern einzig HEINSOHN. Der Begriff "Kapitulation" ist derzeit linkspopkulturell der angesagteste Begriff, wenn das mal kein Zufall ist.
                   Um das Problem der demografischen Kapitulation zu lösen, hat HEINSOHN auch gleich die Lösung parat: eine gezielte und selektive Zuwanderungspolitik.
 
   

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Zu den News vom   25. -  31. Mai 2007

 
       
   
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