[ News-Hauptseite ] [ Glossar ] [ Übersicht der Themen des Monats ] [ Homepage ]

   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
News 25.-31. Mai 2018
News 19.-24. Mai 2018
News 15.-18. Mai 2018
News 09.-14. Mai 2018
News 05.-08. Mai 2018
News 01.-04. Mai 2018
News 23.-30. April 2018
News 10.-22. April 2018
News 01.-09. April 2018
News 23.-31. März 2018
News 11.-22. März 2018
News 08.-10. März 2018
News 04.-07. März 2018
News 01.-03. März 2018
News 17.-28. Februar 2018
News 09.-16. Februar 2018
News 01.-08. Februar 2018
 
 
   
Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 01. - 06. Juni 2018: [01.06.] [02.06.] [03.06.] [04.06.] [05.06.] [06.06.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Slacker und kinderlose Karrierefrauen als Infragestellung des herrschenden Arbeitsethos

"Der Typ Slacker inkarniert eine Verweigerungshaltung, die bisher Männern vorbehalten war: der Faulenzer oder Antiheld, der seine Arbeitskraft der Gesellschaft nicht in den vorgezeichneten Bahnen zur Verfügung stellt. Oft als infantil, unsozial und verantwortungslos abgewertet, stellt er mit seinem Verhalten das vorherrschende Arbeitsethos infrage (...). Frauen konnten keine Slacker sein, denn selbst wenn sie sich dem Arbeitsleben entzogen, hatten sie eben noch ihre Arbeit als Mutter. Sie konnten die Familie nicht hinter sich lassen wie der Mann, der dafür auch noch als Abenteurer gefeiert wurde (...) Trat doch mal eine Slackerin in einem Roman oder Film auf, wurde diese Figur tragisch inszeniert (....). Aber langsam wendet sich das Blatt, wie Frauengestalten wie Lena Dunham (...). zeigen.
Vielleicht ist dies ein Angebot für ein neues weibliches Rollenvorbild: (...) die Slackerin, die zu ihren eigenen Bedingungen produktiv werden möchte (...)  und dabei in ein Netzwerk einer Verantwortungsgemeinschaft mit Kinderlosen und Eltern eingebunden sein kann. (...). 
Frauen mit und ohne Kinder werden gegeneinander ausgespielt. Die einen sollen die Mehrfachbelastung stillschweigend ausbaden, die anderen gelten als hedonistische oder verhärmte Sündenböcke. Es ist ein Ablenkungsmanöver, sodass wir nicht Strukturen hinterfragen und verändern, die uns alle unfrei machen. Das ist wohl auch der Grund, warum die kinderlose Frau als ein solches Schreckgespenst dargestellt wird: denn sie hinterfragt die Gleichsetzung von Weiblichkeit und selbstloser Fürsorglichkeit und gefährdet somit den Kleinfamilienkäfig der geschlechtlichen Arbeitsteilung.
"
(Sarah Diehl "Mutterschaft und Fürsorge als Dienst an der Leistungsgesellschaft". In: Felix Klopotek & Peter Scheiffele (Hrsg.)(2016): Zonen der Selbstoptimierung, Berlin: Matthes & Seitz, S.196ff.)

 
       
       
   

06.06.2018

 
       
   

Arbeitgeberlobby fordert in ganzseitigen Anzeigen zum Bruch des Koalitionsvertrags bei der Rentenpolitik auf

SIEMS, Dorothea (2018): Rente mit 69 - die Rettung?
Experten sehen in längerer Lebensarbeitszeit vier Vorteile, die das System stabilisieren sollen,
in: Welt v. 06.06.

Die Arbeitgeberlobby INSM subventioniert die deutsche Leitpresse heute durch eine ganzseitige Anzeigenkampagne. Dorothea SIEMS bedankt sich mit einem unterstützenden Artikel, der keine neue Fakten liefert, sondern nur das bekannte neoliberale Mantra liefert. Die GDV, die für die Interessen der Lebensversicherer in der Altersvorsorge steht, hat zusammen mit der Prognos AG ein Tool entwickelt, das mit einem realitätsfernen Horrorszenario operiert und mit dem die Politik eingeschüchtert werden soll.

Die heutige Pressemitteilung der GDV liefert genauso wenig wie die Pamphlete der Prognos AG genaue Hinweise zu den Annahmen der Berechnungen. Diese aber entscheiden darüber, inwieweit Berechnungen realistisch sind. Obwohl die Berechnungen der Prognos AG in der Vergangenheit schon innerhalb von 10 Jahren völlig aus dem Ruder liefen, werden hier Zahlen für 2040 genannt, d.h. für ein Zeitraum von über 20 Jahren.

Zum Tool, mit dem man angeblich "Rentenminister" spielen kann, heißt es zu den Annahmen nur:

"Basis für die Prognose ist die Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes, die bis 2060 unter anderem eine durchschnittliche Zuwanderung von 200.000 Personen unterstellt."

Offenbar sind die Macher des Tools davon überzeugt, dass die Nennung aller ihrer Annahmen der Glaubwürdigkeit der Berechnungen schaden könnte, denn sonst hätten sie die Annahmen zur Geburtenrate nicht weggelassen.

Im April hatte die Prognos AG bei Berechnungen auf die Variante 2A der 13. Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes zurückgegriffen. Die dort angenommene Geburtenrate liegt bei 1,5, obwohl die Geburtenrate bereits im Jahr 2016 bei fast 1,6 Kinder pro Frau lag. Ein Anstieg von 0,1 scheint vernachlässigbar, ist es aber nicht, denn im Jahr 2040 gehören diese Kinder zu den Berufsanfängern, wodurch sich das Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentenempfängern verbessert. Das gewerkschaftsnahe IMK weist zudem heute zu Recht darauf hin, dass der Altenquotient kein brauchbarer Indikator für die zukünftige Entwicklung in der Rentenversicherung ist.

CREUTZBURG, Dietrich (2018): Der Rentenbeitrag droht auf 26 Prozent zu steigen.
Versicherungsbranche warnt vor Kosten übereilter Reformen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.06.

Dietrich CREUTZBURG bedankt sich wie Dorothea SIEMS für die großflächige Anzeige mit einem Bericht über die GDV-Pressemeldung.

 
       
   

Die Lebensversicherer als Akteur der Altersvorsorge: Von vollmundigen Versprechungen zur Entledigung der Altlasten

MOSCHNER, Andree (2018): Ohne Aktien keine Altersvorsorge.
Standpunkt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.06.

 
      t
   

Das RV-Leistungsverbesserungs- und -Stabilisierungsgesetz in der Debatte

WASCHINSKI, Gregor (2018): Auftrag Jahrhundertreform.
Die Große Koalition setzt auf eine Kommission, um der demografischen Falle zu entkommen und die Rente zukunftsfest zu machen. Wirtschaft und Steuerzahler müssen höhere Belastungen fürchten,
in: Handelsblatt v. 06.06.

Gregor WASCHINSKI präsentiert wie Dorothea SIEMS Zahlen der Prognos-Auftragsstudie der Versicherungswirtschaft. Garniert wird die Story mit Stellungnahmen von BDA, DIHK und GDV sowie von Katja MAST (SPD).

THELEN, Peter (2018): "Nur ein Feigenblatt für die Fehler der Vergangenheit".
Bernd Raffelhüschen: Der Finanzwissenschaftler über die Rolle der Rentenkommission, die Schnitzer der alten GroKo, sein Vertrauen in die Politik und Haltelinien für Minderbemittelte,
in: Handelsblatt v. 06.06.

Bernd RAFFELHÜSCHEN, Lobbyist der Finanzdienstleister, bekommt von Peter THELEN die richtigen Fragen, um sich als neoliberaler Hardliner profilieren zu können. Im Grunde ist nur das Sprachrohr von Rentenkommissionsmitglied Axel BÖRSCH-SUPAN, dessen Position er wiedergibt.

RAFFELHÜSCHEN findet, dass unter 40-Jährige in der Rentenkommission überflüssig sind, solange Neoliberale die Richtung vorgeben. Politiker und Kinderlose werden von ihm dagegen als Störfaktoren betrachtet. Seine finanzpolitische Wunderwaffe ist der Begriff "fiskalische Tragfähigkeit", die immer wieder mantrahaft mit "Generationengerechtigkeit" gleichgesetzt wird, obwohl sie nichts damit zu tun hat. Fiskalische Tragfähigkeit ist eine Fiktion, die Neoliberale in die Welt gesetzt haben, um den Gesellschaftsvertrag, der Basis der Sozialversicherungen ist, zugunsten der Arbeitgeber und der Reichen zu verändern.

 
       
   

Das Renteneintrittsalter und die Erhöhung der Erwerbsquote von Älteren in der Debatte

ZWIENER, Rudolf (2018): Mehr und besser bezahlte Arbeit statt "Rente mit 70".
Modellsimulation einer erfolgreichen Wachstums- und Beschäftigungspolitik zur Bewältigung des demografischen Wandels,
in: IMK-Policy Brief v. 06.06.

Rudolf ZWIENER kritisiert, dass der Altenquotient kein angemessener Indikator für die zukünftige Entwicklung der Rentenversicherung ist. Stattdessen wird ein ökonomischer Abhängigkeitsquotient präsentiert, der bereits im April vorgestellt wurde

 
       
   

Die Rentenpolitik der Parteien in der Debatte

MEYR, Robert D. (2018): Nur deutsche Rentner sollen sicher sein.
In der AfD herrscht völlig Uneinigkeit über das künftige Rentenkonzept der Partei,
in: Neues Deutschland v. 06.06.

Robert D. MEYERs Artikel hält sich an die Linie des Spiegel-Berichts von AMANN & SCHMERGAL vom Samstag.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

ROSSBACH, Henrike (2018): Hilf dir selbst.
28 Jahre war Reinhard Dettmann Bürgermeister in Teterow. So lange wie sonst kaum einer im Osten Deutschlands. Über einen, den man nie bitten musste,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.06.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2018): Schattenboxen um die Altersvorsorge.
Eine neue Studie vergleicht die "Renditen" von AHV und Pensionskassen für die Versicherten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 06.06.

 
       
   

Das Single-Dasein in China

ERLING, Johnny (2018): Pekings Angst vor kleinen Kaisern.
Die Ein-Kind-Politik in China hat eine ganze Generation von jungen Einzelgängern hervorgebracht - sie sind verhätschelt, aber auch zunehmend rebellisch,
in:
Welt v. 06.06.

 
       
   

05.06.2018

 
       
   

Die Lebensversicherer als Akteur der Altersvorsorge: Von vollmundigen Versprechungen zur Entledigung der Altlasten

SIEDENBIEDEL, Christian (2018): Axa kündigt Verträge zur Unfall-Kombirente.
Ersatz für Berufsunfähigkeitsversicherung wird Versicherer wegen Niedrigzinsen und Medizinfortschritt zu teuer,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 05.06.

BELLMANN/FROMME/SCHLINGENSIEPEN (2018): Treulose Versicherer.
Wann darf ein Anbieter einen Vertrag kündigen?
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.06.

FROMME, Herbert (2018): Null Euro zum Dank.
Die Allianz streicht die Erfolgsprämie für Vertreter,
in: Süddeutsche Zeitung v. 05.06.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

JÜRGENSEN, Nadine (2018): Die Schattenmütter.
Berufliche Karriere, Partnerschaft und Kinder miteinander zu vereinbaren, ist eine Herausforderung. Das macht die Betreuung durch eine Nanny interessant - auch im Vergleich mit Krippen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 05.06.

 
       
   

04.06.2018

 
       
   

Die Lebensversicherer als Akteur der Altersvorsorge: Von vollmundigen Versprechungen zur Entledigung der Altlasten

BELLMANN, Christian (2018): Axa kündigt Verträge mit lebenslanger Rente.
Der Versicherer bricht sein Leistungsversprechen. Er hat sich verrechnet, die Folgen tragen die Kunden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.06.

 
       
   

Die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung in der Debatte

CREUTZBURG, Dietrich (2018): Der Poker um die Rentenformel beginnt.
Die Koalition will die Renten stärker steigen lassen. Erste Vorschläge kursieren - doch der CDU-Sozialflügel warnt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.06.

Dietrich CREUTZBURG berichtet über die Vorschläge von Eckart BOMSDORF zur Rettung der Rentenformel, die dieser in einem noch unveröffentlichten Beitrag für den neoliberalen Münchener Think Tanks Ifo Institut gemacht hat. Um den demografischen Faktor der Rentenformel zu retten, soll nur am Riester-Faktor und am Beitragssatzfaktor gedreht werden. Begründet wird ersteres damit, dass die tatsächliche private Altersvorsorge (durchschnittlich 2 % des Lohns) hinter der durch die Rentenformel verpflichtenden Vorsorge (4 % des Lohns) zurückgeblieben ist. Beim Beitragssatzfaktor tragen allein die Arbeitnehmer die Mehrlasten, weshalb BOMSDORF die Halbierung fordert.

Der UNSOZIAL-Flügel der CDU, so müsste man dessen Anführer, den nordrhein-westfälischen Arbeitsminister Karl-Josef LAUMANN nennen. Dieser war bis zur erstaunlichen Ministerwerdung eher eine blasse Figur und Verfechter eines katholischen Sozialstaats. Nun plappert er die neoliberalen Vorgaben der Ökonomen nach, wobei die Formulierung von CREUTZBURG offen lässt, ob LAUMANN wirklich ein absoluter Gegner der Änderung der Rentenformel ist:

"In der Koalition gibt es aber auch Überlegungen, auf einen echten Eingriff in die Rentenformel zu verzichten. Denn formal gilt das Stabilisierungsversprechen des Koalitionsvertrags nur bis 2025. (...).
Der Chef des CDU-Sozialflügels (...) Karl-Josef Laumann, sieht Änderungen der Formal sogar ausdrücklich nicht im Zentrum der Rentendiskussion."

Für LAUMANN steht die Erwerbsminderungsrente an erster Stelle. Für tagesschau.de ist LAUMANN der "CDU-Verhandlungsführer", d.h. es geht hier in erster Linie um die Frage, ob die SPD aufgrund des medialen Drucks nicht noch in letzter Sekunde einen Rückzieher macht. Erneuerung hin, Erneuerung her: Die SPD ist in ihrer gegenwärtigen Verfassung kein Garant, dass der Koalitionsvertrag auch umgesetzt wird.

SCHWENN, Kerstin (2018): Von wegen Generationengerechtigkeit.
Die Rentenkommission geht jetzt an die Arbeit. Doch steckt sie in einem erstickenden Korsett,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.06.

Der Begriff "Generationengerechtigkeit" soll davon ablenken, dass nicht um die jungen Rentenanwärter geht, sondern um Entlastungen der Arbeitgeber. Der Kern der Rentenversicherung ist nämlich kein Generationen-, sondern ein Gesellschaftsvertrag.

"Politiker winden sich bei dem Gedanken an eine »Rente mit 70«. Soll das Renteniveau länger stabil bleiben, bedeutet das im Klartext: Beitrags- und Steuerzahler, und das sind nun einmal die Jüngeren, müssen zahlen für Wohltaten zugunsten der Älteren",

suggeriert Kerstin SCHWENN. Dabei wird das Alterseinkünftegesetz unterschlagen, denn dadurch werden immer mehr Rentner zu Steuerzahlern. Man könnte auch sagen, dass die  Senkung des Rentenniveaus durch die Steuermehreinnahmen des Staates durch Rentner mehr als gedeckt werden.

Nichts davon lesen wir bei SCHWENN, die zudem versucht Eltern gegen Rentner auszuspielen, wenn sie behauptet, dass durch die Rentenausgaben Mittel für die Bildung fehlen. Das ist völliger Unsinn, denn ausgerechnet die Parteien, die bei den Rentnern sparen möchten, sparen besonders gern bei der Bildung! Im Jahr 2014 lagen gemäß der Statistik des Statistischen Bundesamts aus dem Jahr 2017 die Ausgaben für einen Schüler im deutschlandweiten Durchschnitt bei 6.700 Euro. Im schwarz-grünen Baden-Württemberg lagen sie bei 6.600 Euro. Im rot-grünen NRW waren es sogar nur 5.900 Euro und die schwarz-gelbe Regierung wird daran wohl nichts wesentliches ändern. Im CSU-Bayern der Mütterrente lagen dagegen die Bildungsausgaben bei 7.600 Euro.

Fazit: Neoliberale Verschleierungstaktik zielt darauf ab, einzelne Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuhetzen, um die wirklichen Interessengegensätze zwischen Arm und Reich zu verschleiern.  

 
       
   

Die Alter(n)skultur in der Debatte

HOFER, Joachim (2018): Die neuen Alten.
Neue Zielgruppen: Von wegen Ruhestand. Immer mehr Menschen drehen richtig auf, wenn sie in Rente gehen - und eröffnen Unternehmen damit bislang ungeahnte Möglichkeiten. Der Trend wird sich in den nächsten Jahren weiter verstärken,
in: Handelsblatt v. 04.06.

Joachim HOFER berichtet über eine Generationenstudie von Jörg MEURER & Petra-Anna HERHOFFER, die eine vermögende Untergruppe der "Silver Ager" propagiert. HOFER interessiert dies jedoch nicht, dass es sich dabei nur um eine kleine Untergruppe der Besserverdienenden handelt, sondern schwadroniert:

"Die Alten sind die einzige Bevölkerungsgruppe in Deutschland, die in den nächsten Jahrzehnten wachsen wird. Derzeit leben (...) rund 15 Millionen Menschen, die 67 Jahre und älter sind. 2030 sollen es bereits gut 19 Millionen sein, noch einmal zehn Jahre später sogar mehr als 21 Millionen; so zumindest die derzeitige Bevölkerungsprognose. Die Zahl der Jüngeren nimmt dagegen dramatisch ab."

Wie viele dieser Rentner sich die im Artikel propagierten Luxusgüter und -reisen leisten können, darüber schweigt dieser Artikel lieber. Bereits im Jahr 2003 wurden auf dieser Website die typischen Klischeebilder über die "vergreisende Republik" präsentiert. Das Klischeebild von der schönen neuen Seniorenwelt gehörte bereits damals dazu  

 
       
   

03.06.2018

 
       
   

Die regionale Ungleichheit in der Debatte

FAS (2018): "Kleinstadt, lass dich nicht abhängen!"
Der Autor des Buches "Übermorgenstadt", Gerd Schwandner, über deutsche Städte im globalen Wettbewerb, die Bedeutung eines urbanen Lebensgefühls und die Angst der Deutschen vor Hochhäusern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.06.

Gerd SCHWANDNER, 2006 - 2014 Oberbürgermeister der Großstadt Oldenburg, ist ein gnadenloser Anhänger von Richard FLORIDA, dem Guru des kosmopolitischen Kriegs der Städte, in dem die Schwachen auf der Strecke bleiben. Dazu passt auch sein technokratisches Politikverständnis, das man als kommunalen Korporatismus bezeichnen kann:

"Früher stand ein Ratsmitglied nicht nur für sich selbst, sondern als Unternehmer oder als Verbands- oder Vereinsvorsitzender auch noch für andere. Heute ist Kommunalpolitik leider auch attraktiv für Leute ohne echte Berufskarriere".

SCHWANDNER schwebt keine politische Repräsentation aller gesellschaftlicher Gruppen im Stadtrat vor, sondern eine geschlossene Honoratiorenveranstaltung. Zu dieser Art von Politikverständnis passt der taz-Artikel Die Karriere eines Blenders von Felix ZIMMERMANN aus dem Jahr 2009.

Ein Psychologe würde SCHWANDNER einen Minderwertigkeitskomplex zuschreiben, denn in seiner Zeit als Oberbürgermeister gehörte Oldenburg nicht zu den attraktiven "Schwarmstädten" in Deutschland wie vergleichbar große Universitätsstädte. Die Schuld dafür sucht er nun allein bei den anderen. Seine Abrechnung mit der Oldenburger Politik, die das Buch "Übermorgenstadt" auch darstellt, hat er zusammen mit dem Oldenburger Stadtmarketingprofessor Rainer LISOWSKI verfasst, der wie SCHWANDNER zu den Jüngern FLORIDAs gehört. Warum man das Buch eines gescheiterten Oberbürgermeisters und dessen Marketingmann lesen soll, wird aus dem Interview nicht klar. Es richtet sich offenbar in erster Linie an die eigene Glaubensgemeinschaft.

 
       
   

Nesthocker in der Debatte

WAGNER, Gerald (2018): Wo sind die Nesthocker?
Die Jugend von heute bleibe so lange wie möglich im "Hotel Mama" wohnen, heißt es oft. Das klingt empörend plausibel, ist aber ein Märchen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.06.

Bei der öffentlichen Debatte um Nesthocker geht es um zwei Dimensionen: Individualisierung vs. Kollektivierung und Mobilität vs. Seßhaftigkeit. Ob es zu viele Nesthocker gibt, das ist auch eine politische Frage.

Ob die Untersuchung von Dirk KONITZKA & André TATJES Licht in diese Debatte bringt, wäre zu fragen, denn KONITZKA & TATJES behandeln nur das Auszugsverhalten aus dem Elternhaus. Die Untergruppe der "Boomerang Kids" bleibt z.B. außen vor.

Die Frage ist auch, wie der Auszug aus dem Elternhaus operationalisiert wird. Der Aufsatz in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie besteht aus Umfragen zu den westdeutschen Heranwachsenden, d.h. die ostdeutschen Verhältnisse werden hier gar nicht berücksichtigt.

Zwischen Umfrageergebnissen und Statistiken wie dem Mikrozensus können sich durchaus Unterschiede ergeben. Wird ein Zweitwohnsitz als Auszug gewertet oder nur ein Hauptwohnsitz? Der Übergang von der Gründung eines eigenen Haushalts zum Auszug aus dem Elternhaus ist meist kein klarer Schnitt, sondern ein Prozess. Kann von einem Auszug geredet werden, solange im Elternhaus noch das eigene Zimmer existiert? Ist jemand aus dem Elternhaus ausgezogen, obwohl er jedes Wochenende nach Hause fährt?

Das Nesthockerphänomen ist natürlich immer auch eine Klassen- bzw. Milieufrage.    

 
       
   

02.06.2018

 
       
   

Das Mutterideal in der Debatte

DELIUS, Mara (2018): Über Mütter.
Kann man über das Leben mit Kind schreiben, ohne kitschig und banal zu werden? Was uns die neuen Mutterbücher sagen,
in: Welt v. 02.06.

Mara DELIUS befasst sich ausführlich mit dem Buch Motherhood von Sheila HETI, das ein Tabu bricht - so heißt es jedenfalls, obwohl nach einer jahrzehntenlangen Debatte um die Kinderlosigkeit von Akademikerfrauen und der Debatte um Regretting Motherhood eigentlich kaum noch von einem Tabu gesprochen werden kann. Sarah DIEHL sieht deshalb einen Wandel beim medialen Bild der kinderlosen Karrierefrau. Und auch der Artikel von DELIUS wäre vor 15 Jahren in der Welt so nicht erschienen. Damals mussten sich kinderlose Karrierefrauen aufgrund der Hysterie ums Aussterben der Deutschen kinderlose Journalistinnen reihenweise rechtfertigen. Dass nun in der Welt derart unaufgeregt über ein Buch geschrieben werden kann, in dem sich eine Karrierefrau gegen ein Kind entscheidet, ist auch dem derzeitigen Geburtenanstieg zu verdanken.

 
       
   

Die Rentenpolitik der Parteien in der Debatte

AMANN, Melanie & Cornelia SCHMERGAL (2018): Alternative für Rentner.
Parteien: Die AfD ringt um ihren Kurs in der Sozialpolitik. Die ostdeutschen Verbände wollen Milliardengeschenke an die Senioren verteilen - nur möglichst nicht an Ausländer,
in: Spiegel Nr.23 v. 02.06.

 
       
   

Der horizontale und vertikale Finanzausgleich in der Debatte

SIEVERS, Markus (2018): "Die reicheren Länder werden belohnt, die ärmeren bestraft".
Wirtschaftsprofessor Thomas Lenk über den künftigen Finanzausgleich,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.06.

Der Finanzwissenschaftler Thomas LENK kritisiert die Reform des Länderfinanzausgleichs als Paradigmenwechsel vom brüderlichen zum paternalistischen Finanzausgleich. Dadurch sieht er die Finanzsituation der ärmeren Länder noch mehr geschwächt als bisher. LENK geht es im Grunde nicht um den Finanzausgleich, sondern um den primären Steuerzuteilungsmechanismus, bei dem nicht die Wirtschaftskraft eines Bundeslandes der Maßstab der Steuerzuteilung ist, sondern das Einkommensniveau der Bevölkerung:

"Bayern. Dessen Wirtschaftskraft (...) liegt bei 116 Prozent. Bayerns Einkommensniveau hingegen liegt derzeit bei 127 Prozent des Bundesdurchschnitts. Umgekehrt ist es (...) in (...) Sachsen. Hier liegt die Wirtschaftskraft bei 77 Prozent des Bundesdurchschnitts. Beim Einnahmenniveau kommt Sachsen jedoch nur auf 60 Prozent. (...). Die Spreizung zwischen starken und schwachen Ländern ist wirtschaftlich nicht so groß wie es die primären Einnahmeunterschiede suggerieren."

Die Ursache liegt im Einkommensniveau der Bevölkerung, das das Einnahmeniveau bestimmt. Außerdem wird kritisiert, dass die Kopfzahl als Zuweisungsmechanismus unangemessen ist. Stattdessen müsste die Altersstruktur in die Bemessung der Zuweisungen einfließen. Ein solcher Mechanismus existiert bereits in einzelnen Bundesländern, aber eben nur beim kommunalen Finanzausgleich, was in dem Artikel nicht angesprochen wird. Eine Änderung beim Länderfinanzausgleich ist jedoch frühestens 2031 wieder zulässig. Bis dahin müssten andere Mechanismen gefunden werden, um einen Ausgleich zu schaffen.

 
       
   

Nils Heisterhagen - Die liberale Illusion

BARON, Christian (2018): Eine Geschichte aus zwei Stätten.
Das Elend der Moral: Nils Heisterhagen plädiert in seinem Buch "Die liberale Illusion" für linke Selbstkritik,
in: Neues Deutschland v. 02.06.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2018): Helvetia verteidigt BVG-Vollversicherung.
Quersubventionierung schmerzt,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.06.

ENZ, Werner (2018): Tiefe Verzinsungen und teure Garantien.
Kommentar: Raubbau im BVG-Geschäft,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 02.06.

 
       
   

Das Single-Dasein in Italien

RÜB, Matthias (2018): Stern der Jugend.
Wie kommt der Erfolg der Populisten in Italien zustande? Und woher kommen die deutschfeindlichen Ressentiments? In beiden Fällen spielt die Arbeitslosigkeit unter jungen Italienern eine wichtige Rolle. Ein Besuch in Pomigliano D'Arco, der Heimatstadt Luigi Di Maios,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.06.

PILLER, Tobias (2018): Panik und Populismus.
Italiens Koalition hat mit ihren wilden Europlänen ein schlafendes Monster geweckt. Jetzt will die neue Regierung die gut versorgten Rentner beglücken. Kommt die Krise zurück?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.06.

 
       
   

Das Single-Dasein in Niger

SCHWARZ-REITER, Kathrin & Roland PREUSS (2018): Es wird eng.
Buch zwei: Bis 2050 könnten zehn Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben. Was das für das westafrikanische Niger, aber auch für Europa bedeutet. Ein Report,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.06.

PREUSS, Roland (2018): "Das Wachstum ist beunruhigend".
Buch zwei: Afrikanische Führer setzen Geburtenrate als Machmittel ein. Ein Gespräch mit Helmut Asche,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.06.

 
       
   

01.06.2018

 
       
   

Wie sich zwei Dramatisierer ihre eigene deutsche Zukunft basteln, um im Vorfeld der ersten Sitzung der Rentenkommission Stimmung gegen die Rentenpläne der Koalition zu machen

GREIVE, Martin & Gregor WASCHINSKI (2018): Auf den Spuren Athens.
Demografie: Vor dem Start der Rentenkommission zeichnet eine Demografie-Studie ein dramatisches Bild: Staatsschulden und Sozialbeiträge werden explodieren,
in: Handelsblatt v. 01.06.

 
       
   

Wolfgang Gründinger in der Debatte

HAERDER, May (2018): Politik fürs Vergessen.
Die große Koalition bürdet der Rentenkasse Zusatzlasten auf und erklärt längeres Arbeiten zum Tabu. Wenn die Rentenkommission kommende Woche zum ersten Mal tagt, sitzt die Jugend mal wieder nicht am Tisch,
in: WirtschaftsWoche Nr.23 v. 01.06.

Max HAERDER will uns den 34-jährigen Politiker Wolfgang GRÜNDINGER tatsächlich als "Jugendlichen" verkaufen! Der Artikel präsentiert ansonsten nur die neoliberalen Positionen von BDA, FDP und Axel BÖRSCH-SUPAN.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

FRITSCHE, Andreas (2018): Das kinderfreundlichste Dorf.
Brandenburg: Neutrebbin liegt nicht im Berliner Speckgürtel und hält seine Einwohnerzahl trotzdem stabil,
in: Neues Deutschland v. 01.06.

 
       
   

Die Ära Trump in den USA

HOCHGESCHWENDER, Michael (2018): Der Kapitalismus ist doch farbenblind.
Ein System kollabiert, und keinen kümmert es: Matthew Desmond wird Zeuge eines sozialen Desasters unter den Armen im Mittleren Westen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.06.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2018): Bezugsverbot bei Pensionskassengeldern abgelehnt.
Kehrtwende des Ständerats in der Debatte zur Reform der Ergänzungsleistungen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.06.

 
       
   

Das Single-Dasein in Ungarn

KÁLNOKY, Boris (2018): Vorbild Deutschland.
In Ungarn sinkt die Geburtenrate. Premier Orbán greift nun zu erstaunlich modernen Mitteln - die er sich bei der Bundesregierung abgeschaut hat,
in: Welt v. 01.06.

In Ungarn sinkt die Geburtenrate nicht, sondern sie ist gestiegen:

"In Deutschland liegt die Geburtenrate (...) gegenwärtig bei 1,5. In Ungarn stieg die Rate seit der Regierungszeit Orbáns 2010 von 1,25 auf 1,53",

lügt uns Boris KÁLNOKY an. In Deutschland lag die Geburtenrate 2016 bei 1,59 und damit höher als in Ungarn. Der Artikel befasst sich mit der Bevölkerungspolitik der ungarischen Regierung, die bis 2030 eine bestandserhaltende Geburtenrate von 2,1 Kinder pro Frau anstrebt. Man wird sehen, inwiefern dies gelingen wird. Deutschland ist natürlich in dieser Hinsicht kein Vorbild. 

 
       
 

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom 25. - 31. Mai 2018
 

       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
       
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
 
  [ Glossar ] [ Übersicht der Themen des Monats ] [ Homepage ]
 
   
© 2000-2018
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Stand: 18. August 2018