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Medienrundschau:
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News vom
01. - 08. März 2004
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Zitat
des Monats:
"Der
»Morgen danach«, der Morgen nach der ersten gemeinsamen Nacht
(...) ist eine Art mehrdeutiges Intervall, an dem die
verschiedenen konstitutiven Elemente der Liebe ins Spiel kommen
können. Die Leidenschaft des Vorabends ist zur Ruhe gekommen,
die Atmosphäre ist ruhiger; zärtliche Sinnlichkeit kann das
Verlangen jedoch wieder zum Erwachen bringen. Alles ist möglich
am Morgen danach, es ist ein besonders inhaltsreicher und
offener Augenblick. (...).
Die typischen Szenen (das Aufwachen, das Bett als Refugium, das
Aufstehen, der Gang ins Badezimmer und das Frühstück) spielen
sich innerhalb weniger Stunden ab und beschränken sich auf zwei
oder drei Zimmer (das Schlafzimmer, das Badezimmer, die
Essecke). (...).
Der Morgen danach ist (...) ein entscheidendes Ereignis, ein
Ereignis, das heute in der Folge von Mikro-Abenteuern, die
Auslöser für ein Leben zu zweit sind, das entscheidendste ist.
In seiner scheinbaren Bedeutungslosigkeit (...) ist der Morgen
danach alles andere als ein Nicht-Ereignis. Denn fortan
entscheidet sich am Morgen danach die Zukunft des Paares."
(aus:
Jean-Claude Kaufmann "Der Morgen danach", 2004, S.10ff.) |
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Kommentar:
Der Internationale Frauentag wird seit mehreren
Jahren immer stärker zu einer Art zweitem Muttertag umfunktioniert.
Die Berliner Zeitung ist dafür dieses Jahr das beste Beispiel.
Einzig die TAZ widmet dem internationalen Aspekt ein
eigenes Dossier.
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GAJEVIC, Mira (2004): Kinder als Karrierebremse
in: Berliner Zeitung v. 08.03.
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GAJEVIC, Mira (2004): "Männer müssen stärker in die Verantwortung
genommen werden",
in: Berliner Zeitung v. 08.03.
- Inhalt:
GAJEVIC befragt die
Soziologin Jutta ALMENDINGER:
"Muss
eine Frau, die Karriere machen will, also Single sein?
Gut qualifizierte Frauen sind meistens mit ebenso gut
qualifizierten Männern verheiratet, oder aber sie sind wesentlich
öfter als Männer allein stehend. Das heißt, Frauen haben keinen
Mann im Hintergrund, der ihnen zuhause die Arbeit abnimmt. Wir
brauchen also wieder eine Diskussion über die stärkere Teilhabe
von Männern an der Erziehung und an der Hausarbeit."
Bereits die Fragestellung
impliziert, dass Frauen Mütter sein müssen. Es wird also
unterstellt, dass ALLE kinderlosen Frauen ungewollt kinderlos
sind. Es wird bestritten, dass Frauen wählen können.
Der
Aufschub des
Kinderwunsches, wie ihn z.B. hoch qualifizierte Karrierefrauen
praktizieren, wird im Zeitalter der Demografiepolitik als
abweichendes Verhalten gesehen.
Ingrid HERLYN,
Dorothea
KRÜGER und Claudia HEINZELMANN haben im Jahr 2002 erste Ergebnisse
eines DFG-geförderten Forschungsprojekts zur späten ersten
Mutterschaft vorgestellt (Sonderheft 2 der Zeitschrift für
Familienforschung).
In den alten
Bundesländern bekamen 1999 bereits über 13 % der Mütter ihr Kind
mit 35 Jahren oder später.
Die Hauptgruppe sind
hochqualifizierte Frauen, die verheiratet sind und deren Partner
entweder ein gleich hoches oder höheres Einkommen erzielt.
Das Erstaunlichste
ist jedoch, dass die mediale Hysterie bezüglich
In-vitro-Fertilisation keine empirische Grundlage hat.
Die Autoren stellen
vielmehr fest:
"Auffallend ist jedenfalls die sehr geringe Quote von Geburten
nach In-vitro-Fertilisation, sie ist weitaus niedriger als wir
aufgrund von Expertengesprächen erwarteten." In den alten
Bundesländern war dies nur bei 2 % der Frauen der Fall!
Dass Karrierefrauen
öfters allein stehend sind, heißt nicht - wie das im Artikel
behauptet wird - dass diese Frauen auch partnerlos sind. Es heißt
nur, dass der "Mann" (warum
keine Frau?) im Hintergrund kein Ehemann ist!
Die
Untersuchungen einer Forschungsgruppe um Hans-Peter BLOSSFELD
hat herausgefunden, dass vor allem die traditionelle Orientierung
der Geschlechter dafür verantwortlich ist, dass Karrierefrauen
unverheiratet bleiben.
Gemäß der
gesellschaftlichen Norm wird von Frauen die Aufwärtsheirat
erwartet. Bei Männern ist dagegen in traditioneller Weise die
Abwärtsheirat üblich. Infolge dessen ergibt sich für
Karrierefrauen ein "Heiratsengpass".
Dies sagt aber nichts über
die Verbreitung von Partnerlosigkeit unter Karrierefrauen aus.
Allein stehende Frauen können Alleinlebende mit einer
Partnerbeziehung (Living apart together) sein oder in
nichtehelichen Lebensgemeinschaften leben.
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ULLRICH, Charlotte (2004): Nichts spüren. Nichts sehen. Nichts
riechen.
Zur Inszenierung von Weiblichkeit in der
Menstruationshygienewerbung. Was die moderne Frau ausmacht oder: Wie
Weiblichkeit inszeniert wird. Eine Analyse der o.b.-Werbung,
in: Frankfurter Rundschau v. 08.03.
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PIOTROWSKA, Monika (2004): Die Tochter der Mutter-Polin.
Während die Frauen im
Westen sich für Gleichberechtigung einsetzten, kämpften die Frauen
in Polen für ihre Nation. Damit ist jetzt Schluss. Die junge Polin
von heute kümmert sich um Männer, Schönheit, Karriere. Das all dies
den Sinn des Lebens ausmacht, zeigen ihr westliche Modejournale,
in: TAZ v. 08.03.
- BEIKLER, Sabine (2004): "Es gibt
viele Vorbehalte gegen Frauen".
Die Grünen-Politikerin Husen über Wandel und Respekt,
in: Tagesspiegel v. 08.03.
- Inhalt:
BEIKLER fordert eine Politik für die
Mütterelite:
"Am
Montag will Familienministerin Renate Schmidt ein Konzept zur
Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung vorstellen. Was halten
Sie von einem solchen Konzept?
Das Konzept ist ein Schritt, aber es wird nicht der große Wurf
sein. Wir brauchen einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel,
der Frauen in der Wirtschaft als gleichberechtigte Akteurinnen
wahrnimmt. Auf unserer Grünen-Bundesfrauenkonferenz am Wochenende
haben wir darüber gesprochen.
40 Prozent der Akademikerinnen sind kinderlos. Wenn die
Vereinbarkeit von Beruf und Familie das einzige Problem wäre,
müssten diese Frauen alle in Top-Positionen gelandet sein. Dem ist
aber nicht so. Es gibt Vorbehalte gegenüber Frauen, die über die
Rolle als Mutter hinausgehen. Ein intelligentes Konzept wäre:
Abschaffung des Erziehungsgeldes, dafür Verkürzung der
Erziehungszeit bei vollem Lohnausgleich, hohe Steuerfreibeträge
für Kinder beziehungsweise kostendeckende Ausgleichszahlungen."
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SCHMITT, Cosima (2004): Gewerkschafter wollen neue SPD gründen.
Aus Frust über die SPD rufen
führende Gewerkschafter ein eigenes Bündnis ins Leben - vielleicht
sogar eine Partei
in: TAZ v. 08.03.
- Kommentar:
Die SPD im Sinkflug, die CDU/CSU/FDP stilisieren sich
als die neoliberalere Alternative. Die Grünen üben sich im beredten
Schweigen.
Das
Parteien-Establishment bietet keine wählbaren Alternativen mehr,
weswegen die Mehrheit der Bundesbürger inzwischen der Partei der
Nichtwähler angehört.
Eine fatale Entwicklung
für eine lebendige Demokratie.
SCHRÖDER und die Gewerkschaftsspitzen freuen sich über die
Opposition, die der desolaten SPD zuarbeitet.
Solange keine
alternative Partei existiert, die sich die wirkliche -
sozialgerechte - Erneuerung des Sozialstaats auf die Fahnen
schreibt, wird in Deutschland eine Reformstaurhetorik gepflegt, die
nur den besser verdienenden Besitzstandswahrern zugute kommt.
Stephan
LESSENICH, ein Angehöriger der Generation
Golf, hat in dem Essay "Auf welcher Baustelle wollen wir leben?"
(Soziologische Revue, Januar 2004, S.29-43) die sozialpolitische
Kontinuitätssemantik und ihre Kehrseite, die Reformstaurhetorik,
hinterfragt.
Demnach wurde bereits im
Jahr 1975 die sozialpolitische Wende eingeleitet, denn seit damals
sind die Sozialausgaben in Deutschland relativ zum wachsenden
Problemdruck durch die "Arbeitslosen- und Seniorenquote" nicht mehr
gestiegen, sondern gesunken. Sein Resümee:
Reformstaudiskurs und
Sozialstaatsrückbau koexistieren!
LESSENICH setzt sich in
dem Essay auch mit den Vorwürfen des
Feuilleton-Revoluzzers
Jürgen KAUBE ("Will ich auch haben", FAZ, 28.08.2003)
auseinander.
KAUBE hatte die "Infantilisierung
der Bürger durch den Sozialstaat" diagnostiziert und forderte von
der Soziologie, seine Diagnose anhand einer "Pathologie der
sozialstaatlichen Entwicklung" zu bestätigen.
LESSENICH stimmt KAUBE
zwar zu, dass eine politische Theorie des Umverteilungsstaats bisher
allenfalls in Ansätzen existiert, aber der Diagnose von KAUBE, die
sich einem ganz spezifischen Sozialstaatsverständnis verdankt, mag
LESSENICH nicht folgen, denn "zwischen der »Armenhilfe« und der
umfassenden »Lebenssicherung« (...), zwischen Modellen staatlicher
und nicht-staatlicher Wohlfahrtsproduktion (existiert) ein breites
Spektrum möglicher ordnungspolitischer Wertentscheidungen."
LESSENICH kritisiert mit
Hilfe eines Ansatzes des dänischen Politikwissenschaftlers
Gösta ESPING-ANDERSEN die rein monetäre Sichtweise politischer
Ansätze.
Stattdessen geht es
LESSENICH um eine normative Grundlegung der Sozialstaatstätigkeit.
Die Bezugnahme auf ESPING-ANDERSEN weist darauf hin, dass es
LESSENICH primär um eine familienfreundlichere Ausrichtung der
Sozialpolitik geht.
Solange eine solche
Politik nicht singlefeindlich ist, wäre dagegen nichts einzuwenden.
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ADORJÁN, Johanna (2004): Aller Anfang ist schlecht.
Eine E-Mail-Unterhaltung mit Sibylle Berg, Schriftstellerin, die
von Zürich aus die Welt beim Untergang betrachtet . Und die dagegen
ist,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.03.
- Kommentar:
Sibylle BERG u.a. über ihr
neues Buch "Ende gut" und den
Terror des grünen Mutterkults:
"der Terror der Grünen,
die das Mutterkreuz wieder einführen wollen, wie es scheint - Frauen
müssen gebären - super Idee - das heißt, sie können und sollen keine
Karriere machen - toll gedacht - warum muß sich jeder vermehren,
verdammt noch mal. Ich glaube nicht an einen naturgegebenen
Kinderwunsch, das ist Scheiß, der uns er zählt wird, eine
Anthropologin hat darüber geschrieben (...), daß Frauen, wenn sie
die Wahl haben, sich immer für eine Karriere statt für ein Kind
entscheiden würden, wenn sie nicht sozial unter Druck gesetzt
würden, einfach, weil eine Karriere ihr Überleben besser absichert.
Huiii, da komm ich in Wallungen.
Aber ich kenne Frauen, die absolut Kinder haben wollen. Ich kenne
sogar welche, die haben Kinder. Und arbeiten trotzdem weiter. Ist
dann halt lauter am Feierabend, aber irgendwie geht's.
Geht schon, und
nix dagegen, wenn eine wirklich Kinder will, ganz ganz ehrlich.
Aber zu wissen, was man wirklich will, ist heikel wie wir seit
Takrowskis »Stalker« wissen. (...).
Vielleicht wird die Zukunft ja auch großartig: Frauen befruchten
sich künstlich, wenn sie Zeit dazu haben, oder man braucht auch
keine Frau mehr dazu, und sie leben in freundlichen
Lebensgemeinschaften mit anderen Frauen, ab und zu treffen sie
Männer zum Teetrinken, aber mehr Wichtigkeit hat das alles nicht."
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NATORP, Klaus (2004): Neue Kinder braucht das Land.
Die Bevölkerung schrumpft. Einwanderung ist kein Weg aus der dem
demografischen Falle,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 07.03.
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WAGNER, Elisabeth (2004): Allein.
Ein Protokoll,
in: Magazin. Beilage der Berliner Zeitung v. 06.03.
- Inhalt:
Elisabeth WAGNER protokolliert die Gedanken
einer allein stehenden Frau beim Restaurantbesuch ohne
(männliche) Begleitung:
"Ist
Ihnen eigentlich schon einmal aufgefallen, dass Frauen, die allein
ein Restaurant besuchen, sich meistens ignorieren. Woran liegt das,
was meinen Sie? Ich sage es Ihnen, es ist die Scham. Man schaut
ungern in einen Spiegel, nicht so. Ich jedenfalls würde nie allein
in ein Restaurant gehen, mich an einen Tisch setzen, umgeben von
Paaren. Die muss es nötig haben, würden sie denken, hat sie an einem
Sonnabendabend nichts Besseres zu tun? Die Arme! Haben Sie das nicht
vielleicht auch schon mal gedacht?"
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REINECKE, Stefan (2004): Glanzvolle Tücke.
Schriften zu Zeitschriften:
Die Zeitschrift "Ästhetik & Kommunikation" beschäftigt sich mit dem
Geschichtsgefühl. Zu vermelden gibt es dabei einen Generationskampf
von Thirtysomething-Intellektuellen mit der vergangenheitsversessenen
Linken
in: TAZ v. 06.03.
- Kommentar:
REINECKE rechnet u.a. mit dem neokonservativen
Historiker
Paul NOLTE
ab, der -
wenn es dem Sozialstaatsabbau dient
- auch für die Regierungs-TAZ schreiben darf:
"Wenn
man diesem Heft der Zeitschrift Ästhetik & Kommunikation
glaubt, schlägt erst mal die Stunde der Abrechnung und eines etwas
virtuell anmutenden Generationskampfes. Der konservative
intellektuelle Jungstar Paul Nolte nimmt sich »Jürgen Habermas und
das bundesrepublikanische Geschichtsgefühl« vor und entwirft eine
Kritik der Linken (die allerdings nicht so neu ist, wie der Autor zu
glauben scheint). Die Linke hat sich, so Nolte, nachdem sie ihres
68er-Fortschrittsglaubens beraubt war, auf die Vergangenheitspolitik
gestürzt wie ein Ertrinkender auf das Floß.
Das Ergebnis ist, laut Nolte, eine satte, vergangenheitsversessene
Linke, der zu den wirklichen Fragen, wie Renten- und
Gesundheitsreform, vor lauter Nation und Geschichte längst nichts
mehr einfällt. Das klingt forsch und ausreichend respektlos.
Anderseits fragt sich, ob uns eine Brandrede von Günter Grass gegen
die Praxisgebühr oder ein Essay von Enzensberger über die
Rentenformel wirklich weiterhelfen würde."
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BUCHELI, Roman (2004): Die Begierde des Rettens.
Wilhlem Genazinos Weg in die Verborgenheit und seine Poetik des
genauen Blicks,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.03.
- Inhalt:
Roman BUCHELI beschäftigt sich mit dem
umfangreichen
Werk von Wilhelm GENAZINO:
"Es
gibt eine vielleicht recht oberflächliche, aber dennoch hinreichende
Erklärung für (...) Genazinos Poetik des genauen Blicks. Seinen
Figuren (so sehr wie übrigens den Dingen) droht stets und überall
das Verschwinden. Dagegen stemmen sie sich, darum mobilisieren sie,
was in ihrer Reichweite liegt: Die Dinge sind ihnen eine
Rückversicherung der Existenz. Das galt schon für Genazinos «Abschaffel»-
Trilogie. Kaum waren damals die ersten Seiten erzählt, liess der
Erzähler den Angestellten Abschaffel eine Lampe einschalten, da
dieser das Gefühl vermeiden wollte, mit dem langsamen Eindunkeln
selbst zu verschwinden. Später lernten Genazinos Figuren einen
entspannteren Umgang mit dieser Angst, dennoch mussten sie sich
dauerhaft auf ein Leben mit dem beunruhigenden Wissen einrichten,
dass ihre Existenz nur auf Zusehen hin befristet war."
Single-generation.de
hat sich bereits vor einiger Zeit mit Wilhelm GENAZINOs
Abschaffel-Trilogie im Rahmen des Themas
"Singles und ihre Ängste"
beschäftigt.
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BREITENSTEIN, Andreas (2004): Die Pornografie des Widerstands.
Matias Faldbakken präsentiert "The Cocka Hola Companie",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.03.
- Inhalt:
"Was
ist obszöner? Die scheinbar
ganz normale Doppelmoral von arrivierten Wohlstandsbürgern, die
es sich in ihrer Selbstverwirklichungs- und
Weltverbesserungsideologie bequem gemacht haben und das «Böse», das
sie andern tagsüber öffentlich austreiben, spätabends privat selber
praktizieren? Oder der Zynismus von Unterbelichteten wie
Unterprivilegierten, die Pornografie als lukratives Geschäft
betreiben und es sich so leisten, aktiv den Welthass zu pflegen? Es
ist der junge norwegische Schriftsteller und Künstler Matias
Faldbakken (geb. 1973), der diese aporetische Frage in seinem zum
Kultbuch avancierten Roman aufwirft, der bereits im Titel alle
Karten aufdeckt: «The Cocka Hola Company. Skandinavische
Misanthropie». Von Sex, Lüge und Video, von Glück, Neurose und
Anarchismus handelt der Text und ist in der Tat nicht geeignet,
einen zum Menschenfreund zu machen. Die Durchsexualisierung der
postmodernen Lebenswelt, die Michel Houellebecq als
«Ausweitung der Kampfzone» beschrieben hat, ist hier in ihrer
nordischen Ausprägung zu besichtigen, sprich: mit den Zutaten
Melancholie, Alkohol und einem ebenso irren wie lichten Witz, der
die Lektüre dieses von Hinrich Schmidt-Henkel glänzend übersetzten
Romans bei allem Ekel durchaus erträglich macht",
meint BREITENSTEIN.
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HAMMERSTEIN, Lukas (2004): Arm - auf höchstem Niveau.
Wir erleben heute ein Elend im Luxus, das den Reichtum ringsum zur
Voraussetzung hat - und doch zur rechten Armut werden kann,
in: Der Standard v. 06.03.
- Kommentar:
Der Schriftsteller
Lukas HAMMERSTEIN
doziert über die eigene gefühlte Armut.
Um sich nicht so verloren
damit zu fühlen, verbrüdert er sich gleich mit der ganzen ersten
Welt (Ulrich BECK ist der moderne Ahnherr dieses
individualisierungstheoretischen Missverständnisses).
Neuerdings fühlt man sich
auch gerne der globalen Klasse (gegebenenfalls auch in
globalisierungskritischer Perspektive) zugehörig.
HAMMERSTEIN ist wider
Willen ein Lehrbeispiel für jene selbstgefälligen Angehörigen
unserer Bobo-Mittelschicht-Eliten, die mit der
Angst vor dem Absturz kokettieren und dabei jegliches Gefühl für
die eigene soziale Lage in dieser Gesellschaft verloren hat:
"Plötzlich
wollen alle wieder arm sein. Ich rede nicht von den wirklich Armen,
sondern von denen, die es für eine Nacht sein wollen, um etwas von
der Aura, der Authentizität, dem Anspruch der Armut abzubekommen.
Ich rede von uns Mitteleuropäern, die wir eines Reichtums müde sind,
der nicht mehr sicher ist. Plötzlich spüren wir den Sexappeal der
Straße wieder, des Risikos, eines relativen Elends. Wir wollen
dazugehören - und zurzeit fließt die Energie nun einmal durchs
globale Getto, der dem Kapital abgewandten Seite der Geschichte. Wir
wollen dem Volk von Seattle und Genua angehören, dem Volk von Bombay
oder nur Pankow in Berlin. Nach den kurzen wilden Jahren der Angst
vor einem Leben ohne Ruhm und Glanz fürchten wir nun wieder, satt zu
sein, zufrieden, reich. Deshalb sieht man uns leise lächeln, wenn
sich ein nicht zu krasses Elend zeigt, wenn der Chef einer
Bundesagentur entlassen wird, wenn noch ein Hochhaus leer steht,
wenn ein paar Leute freigesetzt werden, die wir selbst sein könnten.
Deshalb sehen die Models auf den Laufstegs von Mailand und Paris
dieses Jahr so wunderbar verloren, ausgesetzt, fast hässlich aus.
Darum finden wir Josef
Ackermann mit dem Victory-Zeichen vor dem Gerichtssaal nicht
mehr lässig, sondern abstoßend. Deshalb sehen manche wieder so
verwegen aus, als kämen sie von der Straße, deshalb tragen wir alte
Sneakers und Out-of-bed-Frisur und treten die Enden der Hosenbeine
in den Schnee. Wir sind arm geworden - auf höchstem Niveau."
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FRANKFURTER RUNDSCHAU (2004): Aufruf von Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern.
Das sozialkulturelle Existenzminimum in der Abwärtsspirale. Die
geplante Regelsatzverordnung beschädigt einen Eckwert des deutschen
Sozialstaats,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.03.
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HANESCH, Walter (2004): Das letzte Netz droht zu reißen.
Die Sozialhilfereform im Windschatten der Hartz-Reformen und im
Spannungsfeld widersprüchlicher Interessen,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.03.
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SYWOTTEK, Christian (2004): Gestrandet am Rand des Arbeitsmarks.
Autos wienern, endlos Daten eintippen, Fenster bauen im Akkord -
drei Versuche, überqulifiziert in ungewünschten Jobs zu überleben,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.03.
- Inhalt:
Christian SYWOTTEK berichtet aus der schönen
neuen Arbeitswelt:
"Jede
legale Arbeit ist in Zukunft zumutbar. Sagen Herr Hartz und die
Bundesregierung. Das ist der härteste Fall. In jedem Fall gilt:
Arbeitnehmer werden bald auch Jobs machen müssen, von denen sie
heute noch meinen, sie seien unzumutbar. Was das heißt?"
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DRIBBUSCH, Barbara (2004): Die Sehnsucht nach der Alpha Frau.
Ein wenig bekannter
Finanzexperte und Familienvater wird nominiert, eine qualifizierte
Frau, kinderlos, unverheiratet, hingegen nicht - dabei hätte diese
Frau als Bundespräsidentin die politische Ikonografie in Deutschland
verändert und erneuert,
in: TAZ v. 05.03.
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GOEBEL, Eckart (2004): Mann im Blick.
Männliche Schönheit in der
Mode und im Alltag
Männer sind zunehmend in den Blick der Mode- und Schönheitsindustrie
geraten - und so auch in den der Frauen (und anderer Männer). Auch
Männer, auch und gerade junge, «müssen» heute schön sein. -
Sondierungen auf einem unübersichtlichen Terrain, das auch die
Kulturwissenschaften entdeckt haben,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 05.03.
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MAYER, Susanne (2004): Her mit den Kindern!
Plädoyer für eine moderne Bevölkerungspolitik, die den Namen
verdient,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 04.03.
- Kommentar:
Bevor in Deutschland eine moderne
Bevölkerungspolitik gefordert werden kann, müsste zuerst einmal eine
moderne Bevölkerungsstatistik eingeführt werden!
Die von
Susanne MAYER
verbreiteten Zahlen zum Ausmaß der Kinderlosigkeit in Deutschland
sind in keinster Weise hieb und stichfest
Gert HULLEN vom Deutschen
Jugendinstitut in München hat
"Tempo und Quantum der Reproduktion"
in Deutschland untersucht. Im Gegensatz zur amtlichen Statistik ist
der Familiensurvey eine repräsentative Untersuchung, dessen Daten
1988, 1994 und 2000 erhoben wurden und aufgrund der Erfassung des
Lebensverlaufs das Ausmaß der Kinderlosigkeit genauer erfassen kann
als unsere lückenhafte Bevölkerungsstatistik.
Es ist ein
himmelschreiender Skandal, dass in Deutschland die Kinderlosigkeit
nicht genau erfasst werden kann. HULLEN schreibt dazu:
"Die endgültige
Kinderlosigkeit wird in der laufenden Bevölkerungsfortschreibung
bislang nicht ausgewiesen. Sie zu ermitteln wird dadurch erschwert,
dass amtlicherseits die eheliche Parität der Geburten festgehalten
wird, d.h. die Ordnungsnummer des Kindes in der bestehenden Ehe." (2003,
S.33).
Scheidungen und
Wiederverheiratungen sind in der Bevölkerungsstatistik genauso wenig
vorgesehen wie uneheliche Kinder! Seit 15 Jahren behaupten unsere
Sozialpopulisten, dass die Normalfamilie im Verschwinden ist. Wie
ist es also möglich, dass die Normalfamilie noch immer das
Erfassungskriterium unserer Bevölkerungsstatistik ist?
Offenbar verhindern
einflussreiche politische Kreise eine exakte Erfassung. Sie könnte
nämlich offenbaren, dass eine Geburtenkrise nicht existiert!
Anhand der Daten des
Familiensurvey kommt Gert HULLEN zu einem erstaunlichen Ergebnis:
"Bei den vor 1960
geborenen Frauen lag die Kinderlosigkeit bei ungefähr 16 Prozent,
bei den jüngeren, den zwischen 1950 und 1959 Geborenen, ein bisschen
darüber. Die Kohorte der in den 60er Jahren Geborenen aber bekam
noch bis über 35 Jahre hinaus häufiger erste Kinder, »überholte«
dabei die älteren Frauen und hatte schließlich eine geringere
Kinderlosigkeit (14 Prozent). Die Geburtenrate dieser Kohorte blieb
auch in der zweiten Hälfte der fertilen Phase, Jahre nach dem
Median, sehr hoch, während sie bei den früheren Kohorten bald (...)
abflachte." (2003, S.32f.)
Die Berechnungen
von HULLEN widersprechen also eindeutig den in der Öffentlichkeit
von Bevölkerungswissenschaftlern verbreiteten Zahlen. Das Ausmaß
der Kinderlosigkeit ist wesentlich geringer als behauptet.
Nochmals HULLEN:
"Während die
Kinderlosigkeit der älteren Frauen des Familiensurveys also mit den
genannten Berechnungen übereinstimmt, zeichnen sich die jüngeren
Kohorten der Stichprobe durch eine deutlich unter den Erwartungen
liegende Kinderlosigkeit aus." (2003, S.33).
Im Klartext: Unsere
deutschen Bevölkerungswissenschaftler weisen die Geburtenrate der
jüngeren Frauen viel zu niedrig aus!
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STREERUWITZ, Marlene (2004): Scampi mit Kunst - Ein Abend im
Rotary Club.
Aufzeichnungen einer Begegnung mit der Elite, die hierzulande
Kultur definiert,
in: Der Standard
v. 04.03.
- Inhalt:
STREERUWITZ bekommt Ratschläge vom Männerclub:
"Man
bekämpfe das System, indem man das System für sich ausnütze. Ich
sollte halt eine GmbH gründen und mich da anstellen. Dann hätte ich
keine Sorgen mehr. Und dann gingen alle sehr schnell.
Das ist also nun die Elite, mit der die Kunst es zu tun hat. Das
sind nun die Meinungsbildner, die Kultur definieren. Das sind die
gesellschaftlichen Rahmenbedingungen politischen Einflusses, in
denen wir alle arbeiten. Müssen. Sollen. Wollen."
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PLÜSS, Mathias/LÜTHI, Theres/NIEDERBERGER, Daniela/SCHÄR, Markus
(2004): Die Teutonenbombe.
Sie haben Geld oder Verstand und sind die stärkste
Bevölkerungsgruppe der Schweiz: Deutsche. Mit gusseisernem Charme
erobern sie Chefsessel und Lehrstühle. Beobachtung einer
Luxusarbeiterklasse,
in: Weltwoche Nr.10
v. 04.03.
- Kommentar:
Bei der Weltwoche ist die Germanisierung der
Schweiz ein Topthema. Vor kurzem hatte übrigens Rudolf WALTHER in
der FR dagegen die Schweizer Invasion in Deutschland ausfindig
gemacht. Laut Weltwoche besetzen deutsche Professoren in der Schweiz
immer mehr Lehrstühle:
"Ende
2002 waren in der Schweiz 462 deutsche Professoren angestellt, 18
Prozent mehr als fünf Jahre zuvor. Beschränkt man sich auf die
Deutschschweizer Hochschulen, so stammt mittlerweile jeder vierte
Professor aus Deutschland. An der Uni Basel beträgt der Anteil der
Deutschen sogar 31 Prozent, an der Uni Zürich 30 und in St. Gallen
28 Prozent.
Die höchste Dichte findet sich bei den Sozial- und
Geisteswissenschaften: 39 Prozent der Professoren in der deutschen
Schweiz sind Deutsche. In der Berner Germanistik lehrt gerade noch
ein Schweizer neben fünf deutschen Professoren. Die Zahlen steigen
weiter: Sechs der dreizehn Neuberufenen an der Uni Bern waren
letztes Jahr Deutsche."
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NEUMANN, Olaf (2004): "Ich bezeichne mich nicht als Europäer",
in: Jungle World Nr.11 v. 03.03.
- Inhalt:
Feridun ZAIMOGLU u.a. über die Protagonisten
seines neuen Erzählbandes:
"Ich
wollte über Männer schreiben, die in ihrem Alltag feststecken. Es
sind zuweilen altmodische Typen, die nicht in der Werbung vorkommen
und die zu geradezu archaischen Gesetzen greifen."
ZAIMOGLU über die
Gegenmoderne als Konsequenz der Unlebbarkeit moderner
Patchwork-Identitäten:
"Die
Postmoderne hat uns weisgemacht, dass die singuläre Identität
unmöglich sei, dass man problemlos eine Flickenidentität annehmen
könne. Wenn die Eindeutigkeit aufgehoben ist, wird man aber
instabil. Ein unbehagliches Gefühl, im falschen Leben zu stecken.
Die Risiken und Nebenwirkungen sind beachtlich. In dem Moment, wo
die Globalisierung inszeniert worden ist, hat es angefangen zu
knallen.
Rund um Europa steht ein Wall. Auf dem Markt der Identitätsfindungen
sehen wir uns konfrontiert mit Wahnsinn, Aberglaube, Extremismus und
Aufklärungsfetischismus. Die Zeiten werden härter."
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REINECKE, Stefan (2004): "Linkspopulismus wäre keine schlechte Idee",
sagt Franz Walter.
Die SPD könnte gewinnen - wenn sie wüsste, was sie will. Und die
Union liebäugelt mit der Idee, ohne FDP zu regieren,
in: TAZ v. 03.03.
- Kommentar:
Der Politikwissenschaftler
Franz WALTER sieht wie
René CUPERUS ein Populismusdefizit
bei der SPD.
In einer Debatte über die
Vermögen- und Erbschaftssteuer sieht WALTER eine Chance der SPD die
eigenen Wähler zu mobilisieren und die Gegner zu spalten.
Der Versuch, die Agenda
2010 als alternativlos zu inszenieren, hat seine Glaubwürdigkeit
längst verloren.
Seit der
Statistiker Gerd
BOSBACH die Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2050 als
Ideologie entlarvt hat, ist die Position der Neue-Mitte-Reformer
noch weniger haltbar.
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FR-THEMA: Junge Leute 2004
- STREIT, Alexandra (2004):
Einfach jung.
Warum die Jugendlichen heute deutlich weniger zum Pessimismus
neigen als ihre Eltern,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.03.
- SCHINDLER, Jörg &
Markus BRAUCK
(2004): Sorry, wir sind gutbürgerlich.
Julia Hummer und Thomas Dörschel über Träume, Bausparverträge und
die Last, (k)ein Star zu sein,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.03.
- SCHINDLER, Jörg (2004): Jugend
erforscht,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.03.
- Inhalt:
SCHINDLER porträtiert den Jugendforscher Arthur
FISCHER, der bis 2000 für die SHELL-Jugendstudie verantwortlich
war.
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WALTER, Franz (2004): Basis-Lektionen.
Der SPD fehle die große
Vision - sagen die Intellektuellen. Einer wollte es wissen und zog mit
Sigmar Gabriel über die Dörfer. Was er dort erlebte? Sozialdemokraten
sind um die 60, sorgen für ihre Enkel, misstrauen dem Staat zutiefst -
und Visionen sind das Allerletzte, was ihnen fehlt,
in: Welt v. 03.03.
- Kommentar:
Der Politikwissenschaftler
Franz WALTER
war zusammen mit Sigmar GABRIEL auf Parteiversammlungen in der
Provinz.
Dort bestimmen die Alten
der SPD das Bild. Es wäre jedoch falsch diese SPD-Mitglieder mit dem
Wählerpotenzial zu verwechseln.
Die Jugend hat sich von
den Ritualen der öden Parteiversammlungen sowieso verabschiedet und
der Bericht tut seines dazu, dass dies weiterhin so bleiben wird.
Aufschlussreicher dagegen
ist Vertrauensverlust in den Sozialstaat, den unsere neoliberale
Elite selbst in den Köpfen ehemaliger Etatisten durchgesetzt hat.
Es herrscht stattdessen
die Vorstellung, dass die Privatisierung des Sozialstaats durch die
familiäre Generationensolidarität und Eigenvorsorge machbar wäre.
Dies könnte sich jedoch
für viele als fataler Trugschluss erweisen...
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MAGENAU, Jörg (2004): 410 Meter unterhalb der Wahrheit.
"Die Hölle dauert
eindreiviertel Stunden. Dieses Buch auch": Mit "Windows on the World"
hat der französische Schriftsteller Frédéric Beigbeder einen Roman
über den 11. 9. geschrieben. Das Buch ist religiös und erzkatholisch
geworden, grell und laut,
in: TAZ v. 02.03.
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DELIGÖZ, Ekin (2004): Für Kinder Kasse machen.
Der Bund muss in die Finanzierung der Betreuung einsteigen,
in: Tagesspiegel v. 02.03.
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FOCUS-Titelgeschichte:
Scheidungsopfer Mann.
Finanzen und Taktik: Warum Frauen fast immer im Vorteil sind.
Neue Studie: Die Leiden der Väter |
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SACHSE, Katrin (2004): K.o. für die Liebe.
Viele Frauen punkten im Scheidungskampf mit deutlichen Vorteilen:
Kinder und Bedürftigkeit als Druckmittel sowie Leidenschaft und starke
Nerven als Psychowaffen,
in: Focus Nr.10 v. 01.03.
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FOCUS (2004): "Grundsätzlich verlieren beide".
Der Psychologe Guy Bodemann spricht über emotionalen Stress, den
Verlust der Liebe und das Gefühl, Verlierer zu sein,
in: Focus Nr.10 v. 01.03.
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LEICK, Romain (2004): Zerplatzte Lebenslüge.
Frédéric Beigbeder, der manische böse Bube unter Frankreichs
Autoren, erzählt in seinem neuen Roman vom Horror des 11. September
2001,
in: Spiegel Nr.10 v. 01.03.
- Inhalt:
Romain LEICK zum neuesten Roman "Windows on
the World" von Frédéric BEIGBEDER:
"Die Unausweichlichkeit
des Todes konfrontiert Corthew Yorston mit seiner Lebensbilanz, und
die ist ziemlich nichtig (...): ein abwesender Vater, der seine
Schuldgefühle gegenüber den Kinderm mit übergroßer Nachsicht
kompensiert. Ein geschiedener Ehemann, der im obsessiven Sex Ersatz
für seine Liebesunfähigkeit sucht. Ein heodonistischer Materialist,
der Geld und zweifelhaftem Vergnügen nachjagt, ohne je seine
Identität zu finden.
(...).
Am Schluss klammert sich Beigbeder nach dem Abschied von den
Illusionen an eine Neuauflage des Existenzialismus von Camus und
Sartre. Gegen die Absurdität (...) hilft nur die Rebellion. Darin
besteht der Sinn der wohl anstößigsten Szene dieses Romans. Ein
aufgeblasenes Börsenmakler-Paar (...) entschließt sich im Angesicht
des Todes zum finalen Fick."
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DWORSCHAK, Manfred (2004): Rapunzel bis Regenzeit.
Im Internet wächst eine gewaltige Enzyklopädie als Werk von
Freiwilligen heran. Tausende arbeiten erfolgreich zusammen ohne Lohn
und ohne Aufsicht,
in: Der Spiegel Nr.10 v. 01.03.
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ANTON, C. Annette (2004): Die Geschichte einer Flucht.
Sind Annette C. Anton und Susie Reinhardt mütterfeindlich? Oder
gar, noch schlimmer, kinderfeindlich? Oder hat es ganz andere Gründe,
wenn das vermehrte Auftreten von Kampf- und Demomüttern vom Prenzlauer
Berg bis Blankenese sie kräftig irritiert?
in:
Emma, Nr.2, März/April
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REINHARDT, Susie (2004): Sind Nichtmütter eine Gefahr für die
Gesellschaft?
Für den "Spiegel" sind sie verantwortlich für das Aussterben der
deutschen Nation. Für die "Zeit" sind sie skrupellose Konsumentinnen.
Für so manche Mutter sind sie ein rotes Tuch. Grund genug für Emma,
sich zu fragen, was sie wirklich sind: die Nichtmütter,
in: Emma,
Nr.2, März/April
- Kommentar:
Susie REINHARDT ist ein
typisches Opfer der sozialpopulistischen
Single-Rhetorik, wenn sie schreibt:
"Wenn
eine Frau ihr Leben ohne Nachwuchs plant, weicht sie immer noch vom
Mainstream ab (...). Die Tatsache, dass inzwischen rund jede dritte
junge Frau gewollt kinderlos bleibt und sich fast 40 Prozent der
Akademikerinnen gegen Nachwuchs entscheiden, hat daran bisher wenig
geändert.
Mutterschaft ist immer noch die Norm."
Der
Bevölkerungswissenschaftler Gert HULLEN hat anhand des
Familiensurvey 2000 erstmalig nachgewiesen, dass der Anteil
lebenslang Kinderloser bei den in den 60er Jahre geborenen Frauen
nur bei 14 % liegt, obwohl in der Öffentlichkeit Zahlen zwischen 25 und über 30 % (1965
Geborene) debattiert werden.
Die
gesellschaftliche Selbstwahrnehmung ist aufgrund der
jahrzehntelangen Debatte um die Single-Gesellschaft völlig gestört.
Faktisch
ist die gewollte lebenslange Kinderlosigkeit nur für ein quantitativ
unbedeutetes, individualisiertes Milieu überhaupt ein Thema.
Akzeptiert
ist die Kinderlosigkeit in der Regel nur bis zur beruflichen
Etablierung, die bei Akademikerinnen inzwischen ins 3.
Lebensjahrzehnt fällt. Das Fehlen
eines geeigneten Partners oder Unfruchtbarkeit sind typische Gründe
für lebenslange Kinderlosigkeit jenseits des individualisierten
Milieus.
Der
neue Familienfundamentalismus ist eine Folge der gestörten
gesellschaftlichen Selbstbeschreibung. Dies ist deshalb fatal, weil
Mütter nun glauben, lebenslang Kinderlose könnten ihnen die
Sozialsysteme finanzieren.
Das möchten ihnen Sozialpopulisten glauben machen.
Wenn
aber selbst Kinderlose die gestörte gesellschaftliche
Selbstbeschreibung übernehmen, dann dürfen sie sich nicht wundern,
wenn ihnen jenseits des individualisierten Milieus Unverständnis
entgegen schlägt...
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KRUMPHOLZ-REICHEL, Anja (2004): Mit Gottvertrauen
zu Wohlstand und Kindersegen.
Wenn es um die Unterstützung von Familien geht, kann der Staat gar
nicht genug des Guten tun. Jüngste Forderung aus dem konservativen
Lager: Kinderlose sollen zum Wohle von Familien tiefer in die Tasche
greifen. Eine neue Studie zeigt, dass die Problematik differenzierter
gesehen werden müsste: Denn so manche kinderreiche Familie steht
finanziell ganz gut da,
in: Psychologie Heute, Nr.3, März
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FLANAGAN, Caitlin (2004): How Serfdom Saved the Women's Movement.
Dispatches from the nanny wars,
in: The Atlantic Monthly, März
- Kommentar:
Während
Barbara EHRENREICH
die Dienstleistungsgesellschaft mit ihrem neu entstandenen
Niedriglohnsektor ablehnt, arrangiert sich Caitlin FLANAGAN damit.
Sie beschreibt stattdessen die wichtige Beziehung von
Karrieremüttern zu ihren Kindermädchen.
Während die Feministinnen
der 68er-Generation immer noch gerne das Feindbild Mann pflegen,
haben die Modernisierungsgewinner der Generation Golf den
Geschlechtervertrag erneuert.
Während der französische
Soziologe Jean-Claude KAUFMANN vor einiger Zeit mit
"Schmutziger Wäsche" den Geschlechterkampf der 68er-Generation
und ihrer Nachahmer aus der Single-Generation beschrieben hat, ist
Simone ODIERNA einen Schritt weiter gegangen und hat sich mit der
heimlichen Rückkehr der Dienstmädchen beschäftigt.
Mittlerweile hat der
dänische Soziologe Gösta ESPING-ANDERSEN sogar die Einführung
des Niedriglohnsektors mit der Notwendigkeit von haushaltsnahen
Dienstleistungen begründet.
Steckt in
Deutschland diese neue Klassenhierarchie noch in den Anfängen, wird
in den USA die neue Geschlechterordnung bereits länger praktiziert.
Caitlin FLANAGAN
beschreibt nun erstmals das postfeministische Ausbeutungsverhältnis,
bei dem Doppelkarrierefamilien auf Kosten von oft armen
Immigrantinnen ihren neuen - mehr oder weniger "kinderlosen" -
Lebensstil genießen können.
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Zu den News
vom 20. - 29. Februar 2004
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