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Medienrundschau:
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News vom
01. - 03. März 2005
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Zitat
des Monats:
"Typisch
für Wochenendpendler ist das »Sonntagsgefühl«. Dieses zeichnet
sich dadurch aus, dass die erste Hälfte des klassisch »letzten
gemeinsamen Tages« vor der routinemäßigen Trennung besonders
harmonisch gestaltet werden soll. Zugleich aber ist die zweite
Hälfte des Tages bereits eingetrübt von der bevorstehenden
Trennung - und kann somit auch nicht mehr unbeschwert erlebt
werden. Dabei handelt es sich um eine vorweggenommene
(prospektive) Trauer. (...). Die mögliche Unbeschwertheit der
gemeinsamen Zeit ist dann vorbei, obwohl vielleicht die Abreise
erst gegen Abend geplant ist. (...). Mit dieser Anforderung muss
das Fern-Beziehungspaar umzugehen lernen bzw. einen eigenen Weg
finden".
(aus:
Peter Wendl "Gelingende Fern-Beziehung. Entfernt - zusammen -
wachsen", 2005, S.40f.) |
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GASCHKE, Susanne (2005): Wir Töchter des Feminismus.
Frei, aber weit weg vom Ziel,
in: Die ZEIT Nr.10 v. 03.03.
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BUSSE, Tanja (2005): Frauen haben Höhenangst.
Sind es die bösen Männer –
oder wollen die Frauen einfach nicht? Die meisten Managerinnen
brechen ihre Karriere ab, bevor sie ganz oben ankommen,
in: Die ZEIT Nr.10 v. 03.03.
-
HENSEL, Jana (2005): Schön schwach.
Der Erfolg der Emanzipation
ist ein Märchen. In Zeitschriften und Büchern für Frauen wird ein
Rollenverständnis von vorgestern propagiert. Eine Anklage,
in: Die ZEIT Nr.10 v. 03.03.
- Inhalt:
"Der
Feminismus hierzulande ist in den letzten zehn Jahren zu seiner
eigenen, steinernen Erfolgsgeschichte geworden. (...). Man blickt
in die bunten Bilder der Frauenmagazine wie in einen großen,
leeren Kleiderschrank, in dem nichts hängt außer dem
Hochzeitskleid aus den noch glücklichen Fünfzigern und der alte
Sommermantel der Emanzipation. Ansonsten gähnt Leere.
»Projekt große Liebe! – Raus aus den alten Mustern! Neue
Strategien, um jetzt wirklich den Richtigen zu finden«. Das ist
nur eine von ziemlich wahllos zusammengesuchten Headlines der
Woman, Cosmopolitan, Elle, Glamour, Brigitte, Brigitte Kultur und
Young Miss (sieben von 85 deutschen Frauentiteln) aus dem letzten
Monat (...).
Der Mann bildet den natürlichen Kulminationspunkt allen physischen
und psychischen Bestrebens. Sind wir, wider Erwarten, nicht mehr
Single, droht uns täglich sein Abgang",
klagt das Zonenkind Jana HENSEL unversöhnt.
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SEILER, Nina (2005): Die beste Freundin.
Selig im Weiberhimmel,
in: WochenZeitung Nr.9 v. 03.03.
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GERHARD, Ute (2005): Neuer Feminismus.
Identisch? Gleich!
in: WochenZeitung Nr.9 v. 03.03.
- Inhalt:
Ute GERHARD schreibt über die dritte Welle des
Feminismus:
"Westliche
Feministinnen beklagen seit den achtziger Jahren aus
unterschiedlichen Gründen den Niedergang oder gar das Ende auch des
neuen Feminismus. Spätestens seit dem Fall des Eisernen Vorhangs
erleben die Frauenbewegungen und ihre Politik einen Rückschlag, weil
die politischen Prioritäten neu gesetzt wurden und ein marktförmiger
Neoliberalismus unter dem Schlagwort «Globalisierung» den Sieg
davonträgt. Gleichzeitig aber sind unabhängig von westlichen
Feminismen lokal und global Frauenbewegungen und feministische
Initiativen entstanden, von denen neuerdings als der globalen
«dritten Welle» des Feminismus gesprochen wird - nach der ersten
Welle zu Beginn des 20. Jahrhunderts und der zweiten nach 1968."
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REBHANDL, Bert (2005): Tricksen vor der Hochzeit.
In der romantischen Komödie "Hitch
- Der Date Doktor" betreibt Will Smith Verliebeberatung,
in: Berliner Zeitung v. 03.03.
- Inhalt:
"Die
Menschen in New York sind, wie aus einschlägigen Fernsehserien
bekannt ist, besonders modern und deswegen auch besonders einsam.
Sie finden einander schwer, obwohl sie sich dauernd mit jemandem
treffen. Die Anforderungen an das jeweils andere Geschlecht sind
hoch, die Versagensängste auch. In diesem Milieu wirkt Hitch",
erklärt REBHANDL zum Kinofilm
"Hitch - Der Date-Doktor".
-
FRICKE, Harald (2005): Hitch - Der Date Doktor,
in: TAZ v. 03.03.
- Inhalt:
"Im Grunde könnte
»Hitch
- Der Date Doktor«
eine Karikatur auf Beziehungen in Zeiten von Ich-AGs sein, wo eben
auch die sexuellen Verhältnisse flexibilisiert werden müssen - und
damit neue Berufszweige geschaffen werden. Doch der Film zeigt etwas
anderes, er stilisiert New York zu einem szenigen Downtown-Manhattan",
hadert FRICKE.
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BUSCH, Annett (2005): Der Sex-Appeal der Sekretärinnen.
Ally McBeal und ihre
Schwestern: Die Tagung "Working Girls" an der Universität München ging
der "Ökonomie von Liebe und Arbeit in der Moderne" nach. Und zeigte,
wie fruchtbar das Zusammentreffen von Soziologie und Cultural Studies
sein kann,
in: TAZ v. 03.03.
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SCHLAG, Beatrice (2005): Ein Unglück kommt selten allein.
Jeder Streit endet wie der
letzte, nur hässlicher. Sex ist auch keine Lösung mehr. Aber Trennung
kommt nicht in Frage. Warum Paare trotz allem zusammenbleiben,
in: Weltwoche
Nr.9 v. 03.03.
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- ZELLNER, Josef (2005): Qualen der
Wahlen.
Viele träumen noch immer vom
300-Prozent-Leben: 100 Prozent Partnerschaft, 100 Prozent Familie, 100
Prozent Beruf. Bald droht ein böses Erwachen,
in: Rheinischer Merkur Nr.9 v. 03.03.
- Inhalt:
"Eine Neuauflage der »Querelle des anciens et des
modernes« erschüttert die Republik: Als Rabenmütter verdächtigte
Mütter verdächtigen andere Mütter, Rabenmütter zu sein. Und die
normative Kraft des Faktischen lässt keinen Zweifel daran, dass wie
immer die »Modernen« sich durchsetzen werden. Ursula von der Leyen
zum Beispiel, Tochter des früheren CDU-Ministerpräsidenten Ernst
Albrecht, siebenfache Mutter und niedersächsische Ministerin, geht
daran, auch ihrer Partei ein zeitgemäßeres Frauen- und
Familienprofil zu zimmern", klagt ZELLNER.
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BARTELS, Gerrit (2005): Hinter den Gittern der Gegenwart.
Wenn auch Sie zwischen 30 und
60 Jahre alt sind, dann sollten Sie das Buch "Schöne junge Welt"
lesen. Freundlich, melancholisch und nur selten fatalistisch erklärt
uns darin Claudius Seidl (46), warum diese Generation zumindest "im
Kopf" nicht älter wird: Sie ist verdammt zur ewigen Jugend,
in: TAZ v. 02.03.
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SUNDERMEIER, Jörg (2005): Deutsche werden Dinos,
in: Jungle World Nr.9 v. 02.03.
- Inhalt:
Jörg SUNDERMEIER widmet sich Frank
SCHIRRMACHERs bevölkerungspolitischen Ambitionen:
"In
der vergangenen Woche führte Schirrmacher eine
neue Serie in der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein, in welcher über die
demographische Entwicklung in der Bundesrepublik Auskunft gegeben
wird. Es sei dies ein »Grundkurs für Staatsbürger«, denn: »Es ist
dreißig Jahre nach zwölf, heute kann selbst ein Anstieg der
Geburtenrate auf die ideale Zahl von zwei Kindern je Frau die
Alterung für Jahrzehnte nicht abwenden.« Denn die deutsche Frau hat
wie die Regierung versagt, es wurden dem Land zu wenig »geborene
Menschen« geboren, und somit werde, wenn »wir« alt sind, niemand für
»uns« zahlen. Das allerdings sei nicht »klassische
Bevölkerungspolitik«, wie man Mahnern wie Schirrmacher aus
»deutschem Selbsthass« immer wieder vorwerfe, nein, hier wird das
Mutterkreuz pink angemalt und modern genannt."
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RECHEL, Ulrike (2005): "Wir sind stramm links sozialisiert".
Dirk von Lowtzow von
Tocotronic über peinlich politische Songs und die neue Heimatliebe,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.03.
- Inhalt:
Dirk von LOWTZOW bekennt sich ohne
wenn und aber zur Linken:
"Wenn
man sich als Musiker plötzlich einem politischen Lager klar
zurechnet, haben Sie keine Bedenken davor, sich damit
einzuzementieren?
Ganz ehrlich gesagt: Vor vielleicht fünf Jahren
noch hätte ich dieses »Links-Sein« vermutlich ambivalenter gesehen
als heute und hätte überlegt, ob man sich überhaupt als politisch
betrachten muss. Kurz: Noch vor fünf Jahren waren wir viel weiter,
weil der Diskurs aufgespaltener war. Doch in den letzten zwei Jahren
hat es einen extremen Backlash Richtung Neokonservativismus und Reaktion
gegeben. Wenn plötzlich alle um einen herum anfangen, die Heimat,
und das schöne Deutschland für sich zu erkennen, und wenn du
Zeitschriftentitel siehst, wo draufsteht "Kopf hoch, Deutschland"
(Anm.: gemeint ist die Titelgeschichte des Magazins
NEON vom September 2004),
dann wandert man schon durch die Welt und denkt: Was ist denn bitte
jetzt los? Auf die Gefahr hin, dass Kritiker so eine Haltung als
tendenziell paranoid ansehen und sagen »Aber, man wird doch mal …«"
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RULFF, Dieter (2005): Der Anti-Achtundsechziger.
Hajo Schumacher schildert
Hessens Ministerpräsidenten Roland Koch als den Kopf einer ganzen
Politikergeneration,
in: Frankfurter Rundschau v. 02.03.
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BIRG, Herwig (2005):
Demografische Konflikte.
Grundkurs Demographie - Achte Lektion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 02.03.
- Kommentar:
Der von BIRG vorhergesagte Verteilungsstress
ist keine demografische Zwangsläufigkeit, sondern eine politische
Entscheidung unserer Eliten.
Wie die Politik bewusst Konflikte in der
Arbeitnehmergesellschaft erzeugt, wurde von single-generation.de am
Beispiel der Rente nach Kinderzahl erläutert.
Unsere Eliten bleiben dabei außen vor, solange
sie nicht durch eine Bürgerversicherung zur Solidarität gezwungen
werden.
"Bei
einem Anteil der Kinderlosen von einem Drittel bei den Jahrgängen ab
1965 erodieren nicht nur die sozialen Sicherungssysteme, sondern es
entsteht ein neuer Typ von sozialer Ungerechtigkeit - »die
Transferausbeutung der Familien« (Jürgen Borchert) - durch die
verfassungswidrige Bevorzugung von Menschen ohne Nachkommen in der
Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung (Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 3.
April 2001)",
schreibt BIRG.
Diese Aussage ist ein
typisches Beispiel für die gezielten Halbwahrheiten, die BIRG immer
wieder unwidersprochen verbreiten darf.
Nicht einmal in der linken Presse
ist hierzu Widerspruch zu vernehmen. Stillhalten heißt in diesen
Fall jedoch Einverstanden sein. Oder fehlt es der deutschen Linken
etwa am notwendigen Sachverstand?
Für den Jahrgang 1965 ist bereits bewiesen, dass von einem Drittel
lebenslang kinderloser Frauen nicht gesprochen werden kann.
Was die jüngeren Jahrgänge
betrifft, handelt es sich um reine Spekulation, die wissenschaftlich
nicht beweisbar ist.
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FUREDI, Frank (2005): Die Peter-Pan-Leitkultur.
Das Erwachsensein findet kaum noch jemand attraktiv,
in: Welt v. 01.03.
- Kommentar:
Dieser Artikel trägt dazu bei, dass man auf
keinen Fall erwachsen sein möchte.
Willi WINKLER
behauptet, dass durch unsere Republik der Geist der 50er Jahre weht.
Wenn das wahr wäre, dann trifft es jedenfalls nicht auf das
Auftreten unserer selbsternannten Werteeliten zu. In den 50er Jahren
hätte kein Erwachsener ein derart erbärmliches Bild abgegeben wie
die Diskutanten in dieser infantilen Peter-Pan-Debatte.
Erwachsen werden, bei solchen
Vorbildern, nein danke! Professoraler Stammtisch statt fundierte
Gesellschaftsanalyse...
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CROLLY, Hannelore (2005): Muttersein oder Managerin.
Frauen müssen immer noch
zwischen Nachwuchs und Beruf wählen. Beides auf einmal bekommen viele
nicht in den Griff. In Berlin wird das Thema auf einem internationalen
Kongreß debattiert,
in: Welt v. 01.03.
- Kommentar:
"Bei
den Müttern der Generation Ally macht sich Ernüchterung breit. Aus
dem Babyboomer-Triumph »Wir können alles haben« ist ein enttäuschtes
»Wir kriegen all das, was wir haben, gar nicht in den Griff«
geworden",
schreibt CROLLY.
Die SZ ist bereits einen Schritt weiter.
Gerhard MATZIG
sieht dort einen Trend zur Rückkehr des "Heimchen am Herd".
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GÖRING-ECKARDT, Katrin (2005): Vererbte Chancenlosigkeit.
Eine Million Kinder in Armut sind zu viel,
in: Tagesspiegel v. 01.03.
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KRUGMAN, Paul (2005): America's Senior Moment,
in: The New York Review of Books Nr.4 v. 10.03.
- Inhalt:
Der US-amerikanische Ökonom KRUGMAN kritisiert das
Buch "The Coming Generational Storm" von Laurence J. KOTLIKOFF &
Scott BURNS. KRUGMANN teilt nicht deren demografischen Pessimismus.
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PAULSEN, Susanne (2005): Familie im Wandel.
200 000 Paare lassen sich
allein in Deutschland jedes Jahr scheiden. Doch der Traum von der
Familie bleibt. Patchwork-Familie heißt die neue Form des häuslichen
Miteinanders. Was bedeuten sie für Familien-Mitglieder und die
Gesellschaft?
in: Geo, März
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- Der lesenswerte
Artikel:
BOLLMANN, Stefan (2005): Die
jugendliche Gesellschaft.
Über die Desorganisation der
Lebensverhältnisse,
in: Merkur, März
- Kommentar:
Im Gegensatz zu
Claudius SEIDLs Buch "schöne junge welt"
ist
Stefan BOLLMANNs Essay geradezu
begriffsanalytisch klar.
BOLLMANN unterscheidet zwischen Jugend als
Lebensphase und Jugendlichkeit als Lebenshaltung.
Jugend wird von ihm als zunehmendes
Auseinanderdriften dreier Reifungsprozesse beschrieben:
"Heranwachsen (ist) ein psychosoziales Moratorium.
Beschreiben lässt es sich als ein zeitliches Auseinandertreten der
drei Formen von physischer (sexueller), psychischer (mentaler) und
sozialer (beruflicher) Reife, die vor Zeiten einmal zum gleichen
Termin fällig gewesen sein mögen."
Auf den ersten Blick ist sichtbar, dass BOLLMANN bei der sozialen
Reife die Familiengründung ausklammert, die z.B. bei
Erik H. ERIKSON noch mitgedacht
wird und die von
neokonservativen Werteeliten und Bevölkerungsexperten zur
Zeit massiv eingeklagt wird.
BOLLMANN beschreibt die Entstehung der Jugendkultur aus dem Geiste
der Pubertät mit ihren typischen Diskrepanzen zwischen den einzelnen
Reifegraden.
Jugend ist für ihn in erster Linie ein Produkt langer
Ausbildungszeiten, d.h. ein Bildungsmoratorium. Im Anschluß an den
amerikanischen Soziologen Talcott PARSONS bezeichnet er die
Verlängerung der Ausbildung weit über das sexuelle Reifealter hinaus
als "pädagogische Revolution".
"Die immer stärkere Massierung von annähernd
Gleichaltrigen and er Universität" macht er verantwortlich für den
Generationenkonflikt im Zuge der Studentenrevolte in den 60er
Jahren.
Im Anschluss an den amerikanischen Soziologen Ralph
TURNER sieht er in der Revolte einen Kampf um persönliche Würde:
"Junge Menschen würden der Welt erklären, daß sie
sich selbst nicht gefunden haben, darüber ihre Empörung zum Ausdruck
bringen und eine Reform der Institutionen verlangen - nicht etwa mit
dem Ziel der Redefreiheit oder der Sicherung der wesentlichen
Lebensbedingungen, sondern um ihnen ein Gefühl persönlicher Würde zu
garantieren".
BOLLMANN stimmt dem zu, will aber die Anfänge dieser
"Empörungsgesellschaft" bereits in der Weimarer Republik verortet
wissen.
Im Anschluss an Sebastian HAFFNERs "Geschichte eines Deutschen"
sieht er in den 1900 bis 1910 Geborenen die eigentliche Generation
des Nazismus. Diese erlebten den ersten Weltkrieg nicht an der
Front, sondern als fernes Abenteuerspiel.
Dies legte bereits Stephan SCHLAK mit Bezug auf Michael WILDT im
Kursbuch über die 30jährigen dar ("Die Bedingten und die
Unbedingten"), was BOLLMANN nicht erwähnt.
Der Nationalsozialismus war in dieser Sicht das
Produkt einer Jugendbewegung:
"Ihre Vorhut stellten Studenten, nicht selten jene, die eine
drohende Dauermisere aufgrund hoher Akademikerarbeitslosigkeit
dadurch lösten, daß sei wie ihr Führer beschlossen, Politiker zu
werden.
Die Macht der Jugend resultierte gemäß BOLLMANN aus dem Bankrott von
Alter und Erfahrung.
Die Yuppies der Weimarer Republik wurden durch ihr
"Impulshandeln und schnelles Erfassen einer neuen Lage mit
plötzlichem ungeheurem Reichtum belohnt".
Für BOLLMANN war die Jugendbewegung der 30er Jahre viel
erfolgreicher und machtvoller als die 68er-Bewegung.
Bei der Machtübernahme der Jugend spielen nach
BOLLMANN die Medien eine entscheidende Rolle. Die Durchsetzung der
Jugendlichkeit (im Gegensatz zur Jugend!) ist ein Produkt der
Mediengesellschaft, die zur All-Age-Gesellschaft führt.
Der 1904 geborene polnische Schriftsteller Witold GOMBROWICZ wird
von BOLLMANN als Prototyp des neuen Menschen vorgestellt: des
jungen Alten.
Wie SEIDL bezieht sich BOLLMANN bei seinen
Ausführungen auf das Phänomen der Neotonie, d.h. der
Entwicklungsverzögerung. Dieses evolutionäre Prinzip soll sich auch
im Verhalten äußern und in der "Juveniliserung" seinen Ausdruck
finden.
Angesichts des demografischen Wandels sieht
BOLLMANN einen Übergang vom Jahrhundert der Jugend zum Jahrhundert
der Alten bevorstehen.
Die Konsequenzen dieses Übergangs beschreibt
er folgendermaßen:
"Der Status des fertigen und reifen, des erwachsenen
Menschen wird nun in die Zange genommen, von den Jungen wie von den
Alten. Von einer Verjugendlichung der Gesellschaft wäre dann als von
jenem Prozeß zu sprechen, in dessen Verlauf Verhaltensformen der
Unreife in der Gesellschaft stilbildend wirken und sich durchsetzen.
Die Medien, insbesondere das Fernsehen, in zunehmenden Maße aber
auch das Internet, haben in diesem Prozeß eine katalysatorische, vor
allem aber modellierende und nicht zuletzt immunisierende Funktion."
BOLLMANN verweist darauf, dass mit der
Umstellung des Bildungswesens (kürzere Erstausbildung, dafür aber
lebenslanges Lernen) auch die Lebenslaufstruktur eine Änderung
erfährt.
Er
beschließt seinen Essay in MERKUR-Tradition mit alarmistischen
Befürchtungen angesichts der sich verändernden Bildungs- und
Arbeitsmarktverhältnisse:
"Neue, chronische Bedrohungen der
Verhaltenssicherheit und des Selbstwertgefühls werden die Folge
sein. Nicht ein wie auch immer motivierter Krieg der Generationen
ist das Schreckensszenario der näheren Zukunft, sondern eine
tiefgreifende Desorganisation der Lebensverhältnisse, in welcher der
Verlust trauter Orientierungsmuster bei Jung und Alt zu sozialer
Isolierung und Radikalisierung führt."
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NEON-Titelgeschichte:
Trennen oder kämpfen?
Wann eine Beziehung noch Chancen hat - und
wann du besser gehst |
- KNIEBE, Tobias (2005): Lohnt sich die
Liebe noch?
Irgendwann zweifelt fast jeder mal an seiner Beziehung: Ist mein
Partner der Richtige? Liebe ich sie noch? Der einfache Weg ist, sich
sofort zu trennen. Der schwierige: zusammenbleiben und um die Liebe
kämpfen. Beides kann richtig sein. Oder falsch,
in: Neon, März
- KISTERS, Sebastian (2005): Was wird
eigentlich aus... dem Schlussmachen?
Der neueste Trend für Feiglinge: Break-up-Services -
Schlussmach-Agenturen. Für 100 Dollar ruft etwa ein Geschäftsmann
Brian Noris bei Nichtsahnenden an und sagt ihnen, dass Freund oder
Freundin sie nie mehr sehen wollen. Vor allem Männer nutzen den
Service,
in: Neon, März
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- JAEGER, Anne-Céline (2005): Nur
anfassen!
Kein Alkohol, keine Drogen, kein Sex: Kuschelpartys werden in den
USA zahlreicher besucht als gewöhnliche Orgien. Die Besucher
versprechen sich menschliche Nähe und echte Gefühle. Wir sind samt
Pyjama nach New York geflogen, um eine Runde mitzuschmusen,
in: Neon, März
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- SCHRÖDER, Vera (2005): "Gebildet bin
ich nicht!".
Ehrliche Kontaktanzeigen.
Nichts als die Wahrheit, 4. Teil: NEON-Singles erzählen aufrichtig von
ihren Macken - und warum es sich trotzdem lohnt, sie kennen zu lernen,
in: Neon, März
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WEISER, Prisca & Randolph OCHSMANN (2005): Du fehlst!
Ein Freund oder eine Freundin ist gestorben. Der Verlust schmerzt.
Doch für die Umwelt scheint er nicht so groß zu sein wie der Verlust
eines Angehörigen. Die Situation der Trauernden wird dadurch noch
schwerer,
in:
Psychologie Heute, Nr.3, März
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MEISE, Sylvia (2005): Alleinerziehende - Opfer "statistischer
Diskriminierung".
Alleinerziehenden Müttern werden gut bezahlte Arbeitsplätze
vorenthalten. Das treibt sie in die Armutsfalle,
in:
Psychologie Heute, Nr.3, März
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BILLER, Maxim (2005): Hamburg, fremde Stadt,
in: Cicero, Nr.3, März
- Inhalt:
Maxim BILLER erinnert sich an seine
Hamburger Zeit:
"In
keiner Stadt, die ich kenne, ist es so leicht, sich einsam zu
fühlen, wie in Hamburg. Ich habe mich zehn Jahre lang in Hamburg
einsam gefühlt, obwohl ich hier zur Schule gegangen bin. Ich habe
Judo gemacht und Handball gespielt, ich war ein paar Jahre jede
Nacht aus, ich habe Drogen genommen und Sex gehabt, ich war oft
verliebt, hatte eine Band, und in zwei Theaterstücken bei uns an der
Schule habe ich auch mitgespielt. Ich war trotzdem allein, und es
kann doch nicht sein, dass ich nur deshalb allein war, weil ich
schwarze Haare, eine Woody-Allen-Brille und eine Weile einen
komischen Akzent in meinem Deutsch hatte?"
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom
22. -
28. Februar 2005
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