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News vom 01. - 05. März

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Die Dramatisierung des Geburtenrückgangs durch die Vorwärts-zurück-zur-Sonderrolle-der-Frau-Fraktion

"Es war um 1900, als in Deutschland der erste Geburtenrückgang einsetzte. Nachdem dann in den 1950er und frühen 1960er Jahren kurzfristig ein Babyboom verzeichnet wurde, begann im Jahr 1965 das, was die Bevölkerungswissenschaftler als zweiten Geburtenrückgang bezeichnen: Die Geburtenzahlen ging zurück, sanken weiter und sind seit einigen Jahren annähernd konstant geblieben - freilich auf niedrigem Niveau. Im Jahr 2005, so meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, hat diese langfristige Entwicklung nun aber einen symbolträchtigen neuen Tiefpunkt erreicht, nämlich weniger als 676 000 Geburten, und das bedeutet: »Im Vergleich zum Jahr 1964, als in der Bundesrepublik und in der DDR mit insgesamt 1,357 Millionen Kindern ein Geburtenrekord erreicht wurde, hat sich die Zahl der Babys sogar halbiert«.
             Solche Zahlen klingen beeindruckend, doch bei näherer Betrachtung sind sie mit einem Schönheitsfehler behaftet. Zu dem Zeitpunkt, als die Meldung den Weg durch die Medien nahm, lagen noch keine gesicherten Daten vor, erst vorläufige Schätzungen. Und es gab andere Schätzungen, etwa zeitgleich vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung vorgelegt, wonach die Geburtenzahlen etwas höher ausfielen. Tatsächlich, so hat sich inzwischen gezeigt, lag die letztere Schätzung richtig, es wurden 686 Kinder geboren.
             (...). Deutschland weltweit am untersten Ende, wie das Berlin-Institut behauptete? Das ist ein Mythos, entstanden durch die bereits genannte Publikation des Berlin-Instituts, die von einem sehr groben Meßwert ausging, nämlich Geburten je 1.000 Einwohner. Nimmt man dagegen den in der Demographie üblichen, nämlich zuverlässigeren Meßwert - die durchschnittliche Kinderzahl je Frau -, verschiebt sich das Bild. Dann kann, so das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, »keine Rede davon sein, daß ... Deutschland Spitzenreiter im negativen Sinn bei den Geburtenzahlen sei«. Dann gibt es eine Reihe von Ländern - insbesondere in Südeuropa und Osteuropa -, wo die Geburtenzahlen noch niedriger liegen.
             (...).
So gesehen ist die aktuelle Dramatisierung des Geburtenrückgangs wesentlich ein Medienereignis, offensichtlich entstanden aus der Konkurrenz um Aufmerksamkeit, Schlagzeilen, Verkaufszahlen; nicht zuletzt auch eine gezielte Werbekampagne, um eine neue Publikation prominent zu plazieren und zum Bestseller zu machen. Und wer sich in der Geschichte ein wenig auskennt, der weiß: Ähnliche Debatten hat es auch schon früher gegeben. Schirrmacher, SPIEGEL und Co haben das Thema Geburtenrückgang zwar wiederaufgegriffen und medienwirksam gestaltet - aber es hat lange davor schon manche Konjunkturen erlebt. Die aktuelle Erregungskurve hat ihre historischen Vorläufer, pointiert zusammengefaßt: »Wir sterben immer wieder aus«.

( aus: Elisabeth Beck-Gernsheim "Die Kinderfrage heute", 2006, S.9-12)

 
       
   
     
     
   
  • NONNENMACHER, Günther (2007): Von der Leyen hat gesiegt,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.03.
  • WEHNER, Markus (2007): Die verlorene Lufthoheit.
    Die SPD will sich in der Familienpolitik als das Original verkaufen. Doch bis vor kurzem hatten die Genossen mit Kinderbetten nichts im Sinn,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.03.
  • BECK, Kurt (2007): Wir sind verhandlungsbereit.
    Union soll Finanzierung für Krippen vorschlagen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.03.
  • DIENING, Deike (2007): Gebärmaschine, Karrierefrau oder Retterin der Nation - es gibt viele Rollen für sie. Sie ist gezählt, vermessen und statistisch dargestellt. Trotzdem macht sie, was sie will. Wer ist die deutsche Mutter?
    in: Tagesspiegel v. 04.03.
  • BIRNBAUM, Robert (2007): "Wer bestimmen will, muss zahlen".
    Roland Koch über Konservatismus, das Leitbild Familie und die Zukunft der Union ohne Friedrich Merz,
    in: Tagesspiegel v. 04.03.
 
   
  • GELD & MEHR: Krippenalarm.
    Ganz Deutschland debattiert über die Betreuung der Kleinkinder. Staatliche Krippen sollen die Lösung sein. Doch das Angebot ist vielfältiger als gedacht. Wir sagen, was es alles gibt, was das kostet und wer es zahlt

    • SCHMITT, Thomas (2007): Wer passt auf die Kleinen auf?
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.03.
    • GERMIS, Carsten (2007): Wer zahlt die Plätze für die Kleinen?
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.03.
 
   
  • SCHWÄGERL, Christian (2007): Generation Reagenzglas.
    Die künstliche Befruchtung wird für die Bevölkerungspolitik immer wichtiger,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 04.03.
 
     
   
  • TERKESSIDIS, Mark (2007): Zombies aus dem Grab der Ideen.
    In Deutschland ist noch jede gesellschaftspolitische Reform auf halber Strecke verendet. An allen Fronten sammelt sich eine große Koalition zur Verteidigung ihrer Privilegien,
    in: TAZ v. 03.03.
    • Inhalt:
      "Je reaktionärer man sich gebärdet, desto größer die mediale Aufmerksamkeit. Eva Herman und Bischof Mixa singen gemeinsam das Hohelied der Frau hinter dem Herd, sekundiert von Sachsens Kultusminister Steffen Flath, den Kinderkrippen an den Kommunismus erinnern. Gender-Mainstreaming, so heißt es in der FAZ, sei eine Art totalitäre Philosophie der Umerziehung von Jungs in Mädchen.

                   (...).
      Die neuen Reaktionäre in Deutschland unterscheiden sich nach Alter und Geschlecht und stoßen auch keineswegs ins gleiche Horn. Es handelt sich eher um so etwas wie eine große Koalition zur Verteidigung von Privilegien", meint Mark TERKESSIDIS.
 
   
  • BECK-GERNSHEIM, Elisabeth (2007): Deutschland muss noch erzogen werden.
    Wir haben den Rabenmuter-Verdacht, die Franzosen die Kinder: Die deutsche Familienpolitik muss mehr Gleichheit bieten,
    in: Frankfurter Rundschau v. 02.03.
    • Inhalt:
      Die Soziologin Elisabeth BECK-GERNSHEIM verteidigt den Kurs der Familienministerin Ursula von der LEYEN und zeichnet nochmals den gesellschaftlichen Wandel und die politische Stagnation nach, die zu einem familienpolitischen Schlingerkurs geführt hat, der beschönigend als Wahlfreiheit bezeichnet wird:

                   "In den 1950er und 1960er Jahren war Familienpolitik selbstverständlich am Alleinverdiener-Modell ausgerichtet, auch »Hausfrauenehe« genannt (...). Dann aber kamen Bildungsexpansion, Studenten- und Frauenbewegung und setzten einen grundlegenden sozialen Wandel in Gang. (...). Dieser gesellschaftliche Wandel ließ auch die politischen Institutionen nicht unberührt. (...). Gleichzeitig blieben auf vielen Ebenen die Grundfesten des Alten erhalten, die das Alleinverdiener-Modell stabilisieren. So das Ehegatten-Splitting im Steuerrecht (...); im Bildungssystem die Halbtagsschule; und allgegenwärtig der Rabenmutter-Verdacht (...). Während andere westliche Länder sich für neue Prioritäten und einen klaren Kurswechsel entschieden, hat die Familienpolitik hierzulande einen Schlingerkurs verfolgt: Sie lavierte zwischen verschiedenen Leitbildern (...) Das Ergebnis: ein widersprüchlicher Mix aus schwer bis gar nicht vereinbaren Bestandteilen (...). Das wurde dann elegant »Wahlfreiheit« genannt."
                   BECK-GERNSHEIM sieht einzig für eine Bevölkerungspolitik, die an der Gleichheitsnorm ausgerichtet ist, Erfolgschancen.
                   Wissenschaftliche Belege findet sie hierzu im 7. Familienbericht und in der Studie "Emanzipation oder Kindergeld" des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.
                   Frankreich gilt neuerdings BECK-GERNSHEIM als vorbildhaft, weil dort die bestandserhaltende Geburtenzahl fast erreicht wurde. Sie führt dies auf eine konsequentere Geburtenpolitik im Vergleich zu Deutschland zurück:
                   "Dieser Rekord (...) hat eine nüchterne faktische Grundlage. (...).
                   Beiden Ländern gemeinsam ist, dass sie viel Geld in familienunterstützende Maßnahmen investieren. Doch sie unterscheiden sich erheblich, was die Art der Angebote angeht: Während die in Frankreich entwickelten Unterstützungsangebote darauf abzielen, dass Frauen nach der Geburt eines Kindes die Berufstätigkeit bald wieder fortsetzen können, hat Deutschland bis vor kurzem auf das Gegenmodell gesetzt (...).
                   Es sind keine Studien bekannt, wonach französische Kinder emotional beeinträchtigt, intellektuell zurückgeblieben, motorisch ungeschickt oder wie auch immer geschädigt sind, verglichen mit Kindern in Deutschland. Der Rabenmutter-Verdacht, in der deutschen Seele und Leitkultur fest verankert, beruht auf Mythen. Wir können von Frankreich viel lernen."
 
     
   
  • LAHME, Tilmann (2007): Kinder unterm Doktorhut.
    Warum Akademikerpaare sich mit Nachwuchs schwertun,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.
  • Stefan DIETRICH & Klaus LÖWENSTEIN (2007): Althaus kritisiert einseitige Familienpolitik.
    Thüringischer Ministerpräsident zweifelt daran, dass es Frau von der Leyen um echte Wahlfreiheit geht. Köhler unterstützt Ministerin,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.03.
 
   
  • RADISCH, Iris (2007): Männer!
    Von den Vätern war im Streit um die Kinderkrippen bisher nicht die Rede - da liegt das Problem,
    in: Die ZEIT Nr.10 v. 01.03.
  • BROST, Marc (2007): Wer ist hier unsozial?
    CDU wie SPD wollen mehr Krippenplätze für Kleinkinder und streiten sich in aller Härte - nicht nur ums Geld, 
    in: Die ZEIT Nr.10 v. 01.03.
  • SCHWARZ, Patrik (2007): Mit Brevier.
    Die katholischen Bischöfe diskutieren, wie sie Frauen und Familien gerecht werden können,
    in: Die ZEIT Nr.10 v. 01.03.
 
     
   
  • HOFMANN, Gunter (2007): Der Kosmopolitist.
    Vordenker Teil 3: Ulrich Beck. Der Soziologe Ulrich Beck ist Weltreisender in Sachen Moderne. Am liebsten spricht er über Europa,
    in: Die ZEIT Nr.10 v. 01.03.
 
   
  • PIEPGRAS, Ilka (2007): "Frauen über 50 sind am glücklichsten".
    Sie sind selbstbewusst, haben Sex mit jüngeren Männern und reden gern darüber - die US-Bestsellerautorin Gail Sheehy entdeckt in einem soeben erschienenen Buch eine neue Generation,
    in: Die ZEIT Nr.10 v. 01.03.
 
   
NOUVEL OBSERVATEUR-Titelgeschichte: Vive les bébés!
 
     
   
  • Maya & Julia ONKEN (2007): Liebe Maya, liebe Mama!
    Früh-Emanze Julia Onken disputiert mit ihrer post-emanzipierten Tochter übers Leben,
    in: Emma, März/April
 
   
  • ANTON, Annette (2007): Mein Leben als Mann.
    Was mir die Männer beim Ausgehen so erzählen, während ihre Frauen zu Hause die Kinder hüten,
    in: Emma, März/April
 
   
  • FRITZSCHE, Lara (2007): Sei doch nicht so zickig!
    Über die Streitkultur von Männern und Frauen - und die von dem Meinen,
    in: Emma, März/April
 
     
     
   
NEON-Titelgeschichte:
Verdammt, ich bin verliebt.
In festen Händen, Job-Stress, Umzugspläne - was tun, wenn die Liebe im falschen Moment kommt?
  • BAUER, Patrick (2007): Verdammt, verliebt!
    Warum trifft man den richtigen Menschen so oft zum falschen Zeitpunkt? Experten glauben: Dahinter steckt System,
    in: NEON, März
  • EUL, Alexandra (2007): "Ihre Liebeslandkarte ist porös!"
    Manche Menschen sind geradezu süchtige nach der unerfüllten Liebe, sagt die Anthropologin Helen Fischer,
    in: NEON, März
 
   
  • SCHROEDER, Vera (2007): "Ich war Tokio-Hotel-Fan. Mit 25".
    Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als die Wahrheit: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und warum es sich trotzdem lohnt, sie kennen zu lernen,
    in: NEON, März
 
   
  • Theresa BÄUERLEIN & Daniel ERK (2007): Missverständnisse: Teil 1: One-Night Stands.
    Frauen und Männer ticken unterschiedlich, stimmt. Aber jetzt mal ehrlich: Was denken sie wirklich über sich, über die anderen, über die Welt? Unsere Kolumnisten packen aus,
    in: NEON, März
 
   
  • BUHR, Elke (2007): Das Ernie-&-Bert-Prinzip.
    Dieser Grundsatz gilt in der Liebe, in der Freundschaft und auch immer im Job: Einer ist immer der Ernie und einer der Bert,
    in: NEON, März
 
   
  • RICKENS, Christian (2007): Angriff der Spießer.
    Faule Arbeitslose, Jugendliche ohne Werte, Frauen im Gebärstreik - so sieht das Schreckensszenario aus, mit dem uns die neuen Bürgerlichen immer wieder belästigen. Hinter ihren "neuen" Thesen steckt aber nur alter Konservatismus,
    in: NEON, März
 
   
  • ADORJAN, Johanna (2007): "Wer über uns spricht, redet über sich selbst".
    Juden haben Humor, Israelis nicht. Da sind sich die jüdischen Schriftsteller Maxim Biller (Deutschland) und Etgar Keret (Israel) einig. Ein Gespräch über bewaffnete Frauen, Machos und das Bild von Israel in der Welt,
    in: NEON, März
 
   

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Zu den News vom   21. -  28. Februar 2007

 
       
   
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