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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 01. - 05. Mai 2005

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Sie wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die Felskanten schien.

Gegen Mittag glühte der Körper mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die Gischt und das Gesicht."
(aus: Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.)

 
 
 
  • SOILAND, Tove (2005): Die Reprivatisierung des Geschlechts.
    Gender-Konzepte in der Krise.
    Was mit viel guter Absicht begann, hat sich in sein Gegenteil verkehrt: Das permanente Rekonstruieren des eigenen Gender stützt letztlich das neoliberale Geschlechterregime,
    in: Wochenzeitung Nr.18 v. 05.05.
    • Kommentar:
      Nicht nur die Lifestyle-Linke, sondern auch der Lifestyle-Feminismus erteilt der postmodernen Identitätspolitik, die mittlerweile re-traditionalisiert im Mainstream angekommen ist, mit Nancy FRASER eine Absage:

            
        "Der US-Feminismus, so liess sie verlauten, sei mit seiner Fokussierung auf «Identitätspolitik» in eine Sackgasse geraten, er habe die ökonomischen Verhältnisse aus dem Blickfeld verloren, und dies just zu dem Zeitpunkt, da eine längst tot geglaubte ökonomische Ideologie als Neoliberalismus ihr zerstörerisches Comeback feiere (siehe WOZ Nr. 13/05)."
            
        Im Sinne des FOUCAULTschen Konzepts der Gouvernementalität beschreibt SOILAND Gender als Selbsttechnologie, die optimal an das gegenwärtige neoliberale Regime angepasst ist.
 
 
 
  • WILDT, Michael (2005): Vertrautes Ressentiment.
    Der moderne Sozialstaat hat mit dem »Volksgemeinschafts«-Konzept des Nationalsozialismus nichts zu tun. Eine Antwort auf Götz Aly,
    in: Die ZEIT Nr.19 v. 04.05.
    • Inhalt:
      Michael WILDT kritisiert Götz ALYs Sicht der Kontinuität von nationalsozialistischem und bundesrepublikanischem Sozialstaat in dem Buch "Hitlers Volksstaat":

            
        "Ohne Zweifel war das NS-Regime bemüht (...) mittels sozialpolitischer Maßnahmen vor allem die Integration der Arbeiter in die »Volksgemeinschaft« zu betreiben. Die Klassenstruktur der Gesellschaft verschwand deswegen nicht, aber die Verheißung eines sozialen Aufstiegs nach Leistung, unabhängig von Schichtzugehörigkeit, band einen Großteil der Bevölkerung ein. Die nationalsozialistische Zielperspektive war jedoch keineswegs eine moderne, leistungs- und aufstiegsorientierte Individualgesellschaft freier Bürger, sondern eine rassistisch formierte »Volksgemeinschaft«, die Elitebildung und Vorwärtskommen nicht nur von Leistung, sondern ebenso von biologistischen Kriterien abhängig machte. Wer abwich, zum Beispiel behinderte Kinder gebar, als »asozial«, »arbeitsscheu« oder homosexuell galt, erfuhr sehr rasch und gnadenlos die Grenzen der »Gefälligkeitsdiktatur«. Insbesondere die Ermordung von Behinderten und Kranken, die von den Nationalsozialisten als »erbbiologisch minderwertig« definiert wurden, zeigt, wie unangemessen und fehlleitend die Gleichsetzung des NS-Regimes mit dem »modernen Sozialstaat« ist.
            
        Hier liegt ein grundsätzliches Missverständnis von Gleichheit und Homogenität, von politischer und sozialer Gleichheit vor. Modernisierung wird mit Moderne verwechselt, Rationalität mit Vernunft. Die bürgerliche Forderung nach Gleichheit, wie sie in den Schriften von Thomas Jefferson, John Locke oder Condorcet nachzulesen ist, meint mitnichten die Egalisierung von materiellen Verhältnissen, sondern ganz im Gegenteil die Anerkennung der naturrechtlichen Gleichheit der Menschen, deren pursuit of happiness nun nicht mehr von irgendwelchen Privilegien abhängig sein sollte. Paradox formuliert, soll die Gleichheit der Menschen dazu führen, dass sie ihre Ungleichheit entwickeln können"
 
 
  • WALTER, Klaus (2005): Old Mac Donald's Song.
    Autos und Alkohol: Strategien des Product Placement im Pop,
    in: Frankfurter Rundschau v. 04.05.
    • Kommentar:
      Klaus WALTER berichtet über den Zusammenhang zwischen Pop und Differenzkapitalismus, dem nach Meinung von WALTER nicht mit traditionell linken Reflexen begegnet werden kann:

            
        "Beim jetzt erreichten Tempo der Verwertungszentrifuge nach »Entschleunigung« oder »Kontrolle« zu rufen, wäre ein ebenso hilfloser Ausdruck »linker Melancholie« (Walter Benjamin) wie das Gefasel von der »Rückbesinnung auf die soziale Marktwirtschaft« aus dem Munde deutscher Sozialdemokraten. Solche Leute kritisieren den Kapitalismus und kommen im Kino erst zum Hauptfilm. Damit sie bloß verpassen zu sehen, wie neue Körperbilder und Warenästhetiken generiert und in Umlauf gebracht werden. Trotzdem erreichen die im Zuge der in diesem Wirtschaftssystem nun mal irreversiblen Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche durch die Ökonomie eines Tages sogar das Sauerland."
            
        Die Theorie zur Allianz von Lifestylelinken und Differenzkapitalismus  lieferte Robert MISIK in der TAZ.
            
        Kapitalismus als neue Religion aus dem Geiste der Punkbewegung liefern HEATH und POTTER im Buch "Nation of Rebels" ("Konsumrebellen").
 
  • BIB-Studie: Einstellungen zu demographischen Trends und zu bevölkerungsrelevanten Politiken.
    Ergebnisse der Population Policy Acceptance Study in Deutschland

    • Kommentar:
      In der Presse wird die Studie im Auftrag des Bundesministerium des Inneren fälschlicherweise als Kinderwunsch-Studie präsentiert.

            
        Tatsächlich dient die Studie jedoch in erster Linie der Auslotung der Akzeptanz von Bevölkerungspolitik.
            
        Kann eine Politik der Bestrafung von Kinderlosen betrieben werden, ohne dass dies auf Widerstand in der Bevölkerung trifft?
            
        Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung bietet einen Download der Studie als PDF-Datei an.
            
        Ein Frage zielt z.B. auf Finanzierungsmöglichkeiten des Rentensystems ab (2005, S.21). Der Befragte konnte zwischen 10 Maßnahmen entscheiden.
            
        Die zweithäufigste Antwort hieß jedoch, dass keine der Maßnahmen erfolgversprechend sei.
            
        An dritter Stelle rangierte das Votum für eine Rente nach Kinderzahl. Nur Frührentner haben in der Bevölkerung noch ein schlechteres Image als Kinderlose.
            
        Da es sich bei den Befragten um 18-65jährige handelt, ist es bedauerlich, dass bei den Antworten nicht verschiedene Altersgruppen unterschieden wurden.
            
        Kinderlose müssen nach diesen Befunden damit rechnen, dass die Rente nach Kinderzahl verstärkt auf die politische Agenda gesetzt wird.
            
        Die in der Presse in den Vordergrund gestellte Frage nach der Veränderung des Kinderwunsches kann die Studie dagegen überhaupt nicht beantworten.
            
        Zwar wurde bereits 1992 eine Befragung durchgeführt. Es handelte sich jedoch nicht um eine Befragung der gleichen Personen (Längsschnitt), sondern nur um eine Querschnittbefragung.
            
        Was jedoch deutlich wird, und dies hat single-dasein.de bereits als Single-Lüge und Eliteversagen kritisiert: Der Alarmismus der Neuen-Mitte-Medien hat das Gegenteil des Gewünschten bewirkt: Abschreckung statt Ermutigung zum Kind. Angesichts der Kinderlosenfeindlichkeit der Debatte ist dies kaum verwunderlich.
            
        Wer potentielle Eltern - also junge Kinderlose - bestraft, der darf nicht erwarten, dass Elternschaft als erstrebenswert wahrgenommen wird.
    • GH (2005): Der Wert von Kindern,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.05.
    • AMAN (2005): Der Kinderwunsch nimmt ab,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.05.
    • JOP (2005): Freiwillig kinderlos.
      Ein Viertel der deutschen Männer will keinen Nachwuchs,
      in: Welt v. 03.05.
    • BERTH, Felix & Jens SCHNEIDER (2005): Den Deutschen fehlt der Wunsch zum Kind.
      Jeder fünfte junge Erwachsene plant inzwischen, ganz auf Nachwuchs zu verzichten. Für Innenminister Schily ist dies "eine Absage an das Leben",
      in: Süddeutsche Zeitung v. 03.05.
    • WEIDERFELD, Ursula (2005): Das Paar, das sich nicht traut,
      in: Tagesspiegel v. 04.05.
      • Inhalt:
        WEIDERFELD erläutert ihre "Kritische Masse-Theorie" des Kinderkriegens:

              
          "In der Kernphysik redet man von einer kritischen Masse, die nötig ist, um eine atomare Kettenreaktion auszulösen. Übertragen auf die deutsche Gesellschaft stellt sich die Frage, ob es hier eine kritische Masse für eine Kinder-Kettenreaktion noch gibt. Die klassischen stadtnahen Dörfer in Westdeutschland, ein paar Vorstädte, oder Stadtviertel wie Berlins Prenzlauer Berg zeigen, wie es gehen kann: Da, wo viele Kinder sind, ziehen Menschen hin, die auch Kinder wollen. Da, wo viele Eltern mit Kindern wohnen, wird das Leben mit Kindern unproblematischer: Weil es Nachbarn gibt, die aufpassen – und bei Lärm auch mal weghören. Weil Kindergärten und Schulen um die Ecke liegen, weil die Kinder-Infrastruktur stimmt. In diesen Gebieten ist es unaufwändiger und selbstverständlicher, Kinder zu haben."
    • ADAM, Konrad (2005): Land ohne Kinder.
      Absage an die Zukunft,
      in: DeutschlandRadio v. 04.05.
    • SCHMITT, Cosima (2005): Für eine Unisex-Familienpolitik.
      Es ist falsch, über gebärunwillige Akademikerinnen zu lamentieren,
      in: TAZ v. 04.05.
    • RÜHLE, Alex (2005): German Angst macht unfruchtbar.
      Sie lieben Blockflöten-CDs, kosten Hunderttausende und trotzdem machen Kinder glücklich. Ein Plädoyer,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 04.05.
      • Kommentar:
        RÜHLE versucht verzweifelt die ökonomistische Familiendebatte mit glücklichem Elterndasein zu kontern. Das ist jedoch nur die Kehrseite der Single-Rhetorik. RÜHLE hat zwar erkannt:

              
          "German Angst macht unfruchtbar. Jedenfalls sprechen viele Indizien dafür, dass die Politiker und Medien mit ihren Bedrohungsszenarien alle potenziellen Eltern verprellen"
              
          Die Konsequenzen - der Single-Rhetorik den Kampf anzusagen - werden deshalb noch lange nicht gezogen...
 
  • HERRMANN, Ulrike (2005): Statt Umsturz lieber Lifestyle und Service.
    Die Grünen sind reifer geworden. Genauso wie ihre Wähler. Wohl deshalb verzichten sie lieber auf Kapitalismuskritik,
    in: TAZ v. 03.05.
    • Inhalt.
      HERRMANN erklärt uns, warum die Grünen heutzutage gar keine Kapitalismuskritik mehr notwendig haben:

            
        "Aus radikalen Studenten wurden gutverdienende Akademiker, die ihren 50. Geburtstag oft schon hinter sich haben. »Wer sein Eigenheim abbezahlt, hat andere Prioritäten als den Systemumsturz«, fasst der Kölner Politsoziologe und Grünen-Experte Markus Klein (35) zusammen. »Die Wähler wurden situierter - und die Partei eben auch.«
            
        Also hat man die Klassengesellschaft programmatisch längst durch die »Wissensgesellschaft« ersetzt, sind doch viele Grüne inzwischen Eltern von hoffnungsvollen Gymnasiasten. Und statt Kapitalismuskritik setzt man eher auf Lifestyle und Service."
 
  • MISIK, Robert (2005): Eine harte Lehre für metropolitane Kulturlinke: Gleichheit, nicht Differenz ist das Problemfeld der Stunde.
    Die Schuld an den "neuen Unterschichten" ist nicht nur bei Wirtschaftsliberalen zu suchen - auch linke Theorie fand zuletzt an Gleichheit wenig Interesse,
    in: TAZ v. 03.05.
    • Kommentar:
      Während die neuen Popper das stilvolle Verarmen üben, proben Lifestylelinke wie Robert MISIK den Paradigmenwechsel von der Differenz zur Gleichheit und entsorgt damit Ulrich BECKs Individualisierungsverheißungen gleich mit:

            
        "Postmarxisten, Diskursjockeys, unorthodoxe Gesellschaftskritiker beschäftigen sich seit 20 Jahren vornehmlich mit Phänomenen wie Differenz, Culture Jam, mit distinkten Identitäten, dem Zusammenprall und auch der fröhlichen Vermischung von Unterschiedlichkeiten. Differenz ist spannend, Gleichheit fad. So wie die anderen will ohnedies keiner sein: Mainstream ist das Letzte. Jeder wünscht sich als eine unverwechselbare Type zu sehen, eine Sehnsucht, die mit dem Markenbewusstsein moderner Ich-AGs harmonisiert. Diese existenzialistische Wende (Diedrich Diederichsen) war die linke Spielart der Individualisierung: Gender-, Schwule- und sonstige Diskurse waren und sind erstaunlich widersprüchlich codiert - die Forderung, als gleichwertig respektiert zu werden, korrespondierte mit dem eingeforderten Recht aufs Anderssein, auf Differenz.
            
        (...).
      Nun hat es den Anschein, als würden diese Diskurse der Ungleichmacherei an ihr Ende gelangen. Es stellt sich nämlich heraus: Weder werden die Menschen glücklicher, je größer das Spektrum an Optionen in unserer Differenzgesellschaft ist, noch werden die Gesellschaften leistungsfähiger, je tiefer der Graben zwischen Oben und Unten. Ein markanter Einschnitt waren in dieser Hinsicht die Pisa-Studien. Bei diesen erwies sich ja, dass egalitäre Systeme mehr Aufwärtsmobilität, klügere Schüler und insgesamt mehr Prosperität schaffen, während mehr soziale Ungleichheiten zu massenhafter Verschwendung von Humankapital führen. Kurzum: Ungleichheit macht dumm, Gleichheit macht klug. Hinzu kommt, dass die neuen, gewissermaßen »weichen« Klassenschranken, die vielen unüberwindlichen Lifestyle-Gräben zwischen Unten und Oben, längst die alten Analysen von der »nivellierenden Mittelstandsgesellschaft« abgelöst haben.
      "
 
  • MALZAHN, Claus Christian (2005): Ost-Literaten.
    Republikflucht der Romanciers,
    in: Spiegel Online v. 03.05.
    • Inhalt:
      MALZAHN zieht  Parallelen zwischen Ernst JÜNGER und Uwe TELLKAMP:

            
        "Uwe Tellkamps Roman »Der Eisvogel« ist der bisher frontalste literarische Angriff auf eine demokratische deutsche Verfassung, seit Ernst Jünger 1932 mit seinem Buch »Der Arbeiter« ein Werk vorlegte, in dem die fragile Ordnung seiner Zeit beiseite gefegt und die Fundamente einer neuen Gesellschaft gelegt werden sollen. Bis heute streiten die Gelehrten darüber, ob Jünger damit dem Nationalsozialismus intellektuelle Schützenhilfe gab."
 
  • FELTIN, Michel (2005): Quand la France fait boom.
    Plus de naissances, plus d'immigration: le recensement de 2004 révèle une population bien plus dynamique que prévu. Le ministre de l'Equipement, Gilles de Robien, évoque déjà le chiffre de 75 millions d'habitants à l'horizon 2050. Si la tendance se confirme, ce sera un bouleversement pour les retraites, le logement et l'aménagement du territoire. Déchiffrage,
    in: L'Express v. 02.05.
 
  • SCHWAN, Anna (2005): Subkultur von oben.
    Sie lieben die osteuropäische Prärie und feiern in alten Kasernen – die Bohemiens sind wieder da,
    in: Tagesspiegel v. 02.05.
    • Inhalt:
      SCHWAN berichtet über das stilvolle Verarmen:

            
        "Eine Subkultur von oben hat sich da etabliert, deren Essenz sich auf ästhetische Formeln reduziert. Das Leben dieser Neo-Dandys ist eine Suche nach der verlorenen Zeit. Sie spielen jeden Tag ihre selbst erfundenen Rollen und zelebrieren Klischees; der Schein ist wichtiger als die Substanz. Natürlich soll es dabei auch um Abgrenzung gehen, niemand bekennt sich gern zur Masse: Den Beaus und den Beatniks, New-Age-Begeisterten wie Neo-Cons ist ihre Suche nach Individualismus gemeinsam.
      Wenn in Zeiten allgemeiner Proletarisierung also wieder einmal der Kulturkampf ausgerufen und dem Alltag »Haltung« entgegengestellt werden soll, wenn Stil als Schutzschild gegen Schmutz jeder Art dient, dann ist das auch Ausdruck unserer post-postmodernen Welt und gesellschaftlicher Dekadenz: Dieser Jeunesse doree geht es nicht mehr darum, Geld anzuhäufen. Sie will dem Verfall mit äußeren Werten begegnen, die früher oder später auch die innere Leere füllen sollen
      "
 
 
 
  • NOLTE, Paul (2005): Kinder brauchen Männer, Männer brauchen Kinder.
    Das Scheitern der Emanzipation und die neue Geschlechterdifferenz,
    in: Universitas, Mai
    • Kommentar:
      Im Schwerpunkt "Was Kinder (und Eltern) brauchen" schreibt Paul NOLTE über die vaterlose Gesellschaft.

            
        Nach Meinung von NOLTE hatten es die 68er und jene, die nach ihnen kamen - also NOLTE - in der Hand "das große Programm der geschlechterpolitischen Emanzipation umzusetzen". Aber sie sind gescheitert. Dies beschreibt NOLTE folgendermaßen:
            
        "Zwischen der Mitte der siebziger und der Mitte der achtziger Jahre - nicht viel früher, nicht viel länger - tat sich für die damals Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Bundesrepublik ein Fenster zur Zukunft auf. (...). Es war die Zeit, in der Jungen auch weinen durften, Väter sich mit Kinderwagen nicht nur am Sonntagnachmittag zeigten und überhaupt Männer als »Softies« erstrebenswert waren.
      Doch kurz danach, wohl noch im Laufe der achtziger Jahre, muss der Faden gerissen sein. Das Bild von einer auch äußeren und verhaltensmäßigen Angleichung der Geschlechter verblasste (...). Die moderne Geschlechteridentität kapselte sich in einer Milieunische ein: bei Akademikern, vor allem denen einer bestimmten Sorte, bei den pädagogischen Berufen und im Universitätsmilieu."

            
        Eine solche Lesart entspricht der Legendenbildung wie sie Reinhard MOHR in "Zaungäste" und "Generation Z" betrieben hat.
            
        Dass der Softie jemals mehr als nur ein Milieuphänomen war, muss jedoch bezweifelt werden.
            
        Nimmt man z.B. Diedrich DIEDERICHSENs "Sexbeat" oder Jürgen TEIPELs "Verschwende Deine Jugend", dann spielten selbst in der Subkultur der frühen 80er Jahre Frauen kaum eine gleichberechtigte Rolle.
            
        Man wundert sich, dass ein ausgewiesener Historiker solch eine einseitige Geschichtsschreibung betreibt...
 
  • PARIS, Rainer (2005): Vom Mißtrauen.
    Soziologiekolumne,
    in: Merkur Nr.673, Mai
    • Kommentar:
      Der Antifeminist Rainer PARIS widmet sich wieder einmal seinem Lieblingsthema. Diesmal aus einer "Soziologie des Vertrauens", die im Grunde aber eine Psychoanalyse des Misstrauens ist:

            
        "Während der kleine Junge die Hinwendung und spätere Abwendung der Mutter als elementaren »Verrat« erlebt, ist das Grundproblem des Mädchens, daß eine vergleichbar bedingungslose Hinwendung des Vaters gar nicht erfolgt. Die Grundangst der Männer gegenüber den Frauen sei daher die Angst vor Verrat, weshalb sie sich auch späterhin häufig in Gegenwart von Männern am wohlsten fühlten: Wenn keine Frauen da sind, können sie einen auch nicht verraten. Für die Frauen hingegen gelte die analoge Befürchtung, nicht wirklich geliebt zu werden, weshalb sie später immer wieder Liebesbeweise einforderten und sich oftmals in solchen Situationen am wohlsten fühlten, in denen sie die Blicke der Männer auf sich spürten, sich also ihres Begehrtwerdens sicher seien. (Dies ist übrigens eine einfache Erklärung dafür, warum die allermeisten Männer Anzeichen aggressiver Emanzenhaftigkeit – nicht zu verwechseln mit Selbständigkeit und Stärke, Emanzipiertheit also – sofort mit Abwesenheit beantworten. Männer haben ohnehin große Schwierigkeiten, zu Frauen Vertrauen zu fassen – wer aber einer Emanze vertraute, müßte verrückt sein.)"
            
        Nicht nur das Geschlechterverhältnis auch den Geburtenrückgang möchte PARIS als adäquate männliche Antwort auf den Feminismus verstanden wissen:
            
        "Die desaströsen Auswirkungen des feministischen Macht- und Gewaltdiskurses auf die gegenwärtigen Geschlechterverhältnisse habe ich in einer früheren Kolumne beschrieben (Merkur, Nr. 649, Mai 2003); dies braucht hier nicht wiederholt zu werden. Ergänzend nur soviel: Es macht einen großen Unterschied, ob Mißtrauen Resultat privater Enttäuschungen oder öffentlicher Daueragitation ist. Denn alle Ideologie verallgemeinert; die öffentliche Stigmatisierung lenkt unsere Typisierungen und zwingt jede Einzelwahrnehmung ins vorgegebene Raster. Der Verdacht schürt die Aggression, und die Aggression den Verdacht. Damit wird alle Selbstverständlichkeit, alles Spielerische im Umgang getilgt, es fehlt einfach der Raum des »naiven«, immer auch etwas leichtgläubigen Experimentierens, in dem sich tastendes Vertrauen entwickeln und stabilisieren könnte.
      Die Folgen sind ebenso weitreichend wie offensichtlich. Wenn Frauen und Männer nicht mehr zusammenfinden und jeder Bindung mißtrauen, gibt es nun einmal keine Kinder. Gegen elementar zerstörtes Geschlechtervertrau- en kann keine Familienpolitik ankommen.
      "
            
        Rainer PARIS' Analyse mag möglicherweise den Nerv der Zukurzgekommenen der 78er-Generation treffen, d.h. jener Zaungäste, die sich Ende der 70er Jahre/Anfang der 80er Jahre im so genannten Alternativmilieu bewegten.
            
        Die neue Generation des Postfeminismus kämpft dagegen ganz andere Kämpfe.
 
PSYCHOLOGIE HEUTE-Titelgeschichte:
Freundschaft?
Warum wir alles dafür tun sollten
  • HECHT, Martin (2005): Das schwierige Glück der Freundschaft.
    Mit dem einen schwitzen wir im Sportstudio, mit dem anderen treffen wir uns regelmäßig in der Kneipe zum Quatschen und Essen, mit wieder anderen gehen wir wandern. Wir haben Freunde. Glauben wir. In Wahrheit ist so manche Freundschaft nur eine Bekanntschaft, ein Zweckbündnis, ein Teil unseres Networks. Worin besteht eigentlich "wahre Freundschaft"? Warum idealisieren wir sie heute (wieder) so sehr? Und was lässt sich tun, um Freunde zu finden und vor allem: zu behalten? 
    in: Psychologie Heute Nr.5, Mai
 
NEON-Titelgeschichte:
Gefällt dir dein Leben?
Liebe, Beruf, Ideale - warum wir so früh eine erste Bilanz ziehen
  • STOLLE, Oliver (2005): War's das schon?
    Wer sind wir? Was wollen wir? Wo führt das alles hin? Als Kinder der Moderne stellen wir uns diese Fragen, solange wir uns erinnern können. Eigentlich verwunderlich, dass wir kurz vor dreißig auf einmal Panik bekommen. Eine Zwischenbilanz,
    in: Neon, Mai
  • STOLLE, Oliver (2005): "Wir müssen uns entscheiden".
    Der Sozialpsychologe Heiner Keupp über den Umgang mit erwartbaren Krisen und lebenslanger Ungewissheit,
    in: Neon, Mai
    • Inhalt:
      Der Münchner Sozialpsychologe Heiner KEUPP sieht im "Offenhalten aus Lebensfreude" das Ideal postadoleszenten Lebens, das gleichzeitig Voraussetzung ist für ein späteres Festlegen ohne Reue in Arbeit und Liebe.

            
        Dagegen führen Entscheidungen aus Not bzw. Zukunftsangst zum "Horror Vacui"
 
  • KEUL, Christian (2005): "Manchmal will ich mich nur streiten".
    Ehrliche Kontaktanzeigen. Nichts als die Wahrheit, 6. Teil: NEON-Singles erzählen aufrichtig von ihren Macken - und warum es sich trotzdem lohnt, sie kennen zu lernen,
    in: Neon, Mai
 
  • LEURS, Rainer (2005): Kein Sex? Kein Problem!
    Sie wollen lieber kuscheln als küssen, könnten Sex haben, wenn sie nur wollten, bloß: Asexuelle haben einfach keine Lust. Normal? Ja, sagen Psychologen. Aber wie fühlt es sich an, wenn Sex im Leben keine Rolle spielt?
    in: Neon, Mai
 
 
 
  • RÖGGLA, Kathrin (2005): Die Verwörterung der Welt.
    Eine Hommage an den Ethnologen, Weltreisenden und Schriftsteller Hubert Fichte zum Erscheinen des nachgelassenen Bandes "Psyche",
    in: Literaturen Nr.5, Mai
 
  • VANDYCK, Tom (2005): Blitzkauf Bop.
    Wie die Counterculture zur Counter-Culture wurde. Rebellion und Anderssein werden in der Massenkultur an der Ladentheke gehandelt. So die zentrale These der beiden kanadischen Ex-Punks Joseph Heath und Andrew Potter in ihrem Buch "Nation of Rebels",
    in: Rolling Stone Nr.5, Mai
 
  • KEUL, Thomas (2005): Mit Hölderlin zur Wehrsportübung.
    In Uwe Tellkamps neuem Roman lamentieren Lyrik lesende Faschisten über die Lieblosigkeit der Welt,
    in: Volltext Nr.2, April/Mai
   

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