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Medienrundschau:
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News vom
01. - 05. Mai 2005
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Zitat
des Monats:
"Sie
wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die
Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles
heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des
Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die
Felskanten schien.
Gegen Mittag glühte der Körper
mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher
zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In
Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die
Gischt und das Gesicht."
(aus:
Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.) |
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SOILAND, Tove (2005): Die Reprivatisierung des Geschlechts.
Gender-Konzepte in der Krise.
Was mit viel guter Absicht begann, hat sich in sein
Gegenteil verkehrt: Das permanente Rekonstruieren des eigenen Gender
stützt letztlich das neoliberale Geschlechterregime,
in: Wochenzeitung Nr.18 v. 05.05.
- Kommentar:
Nicht nur die
Lifestyle-Linke,
sondern auch der Lifestyle-Feminismus erteilt der postmodernen
Identitätspolitik, die mittlerweile re-traditionalisiert im
Mainstream angekommen ist, mit
Nancy FRASER eine Absage:
"Der
US-Feminismus, so liess sie verlauten, sei mit seiner Fokussierung
auf «Identitätspolitik» in eine Sackgasse geraten, er habe die
ökonomischen Verhältnisse aus dem Blickfeld verloren, und dies just
zu dem Zeitpunkt, da eine längst tot geglaubte ökonomische Ideologie
als Neoliberalismus ihr zerstörerisches Comeback feiere (siehe WOZ
Nr. 13/05)."
Im Sinne des FOUCAULTschen
Konzepts der Gouvernementalität beschreibt SOILAND
Gender als Selbsttechnologie, die
optimal an das gegenwärtige neoliberale Regime angepasst ist.
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BMFSFJ-Studie:
Nachhaltige Familienpolitik.
Zukunftssicherung durch einen Dreiklang von Zeitpolitik, finanzieller
Transferpolitik und Infrastrukturpolitik
-
BMFSFJ (2005): "Fragt die Frauen!".
Bundesministerin Renate
Schmidt und Familienforscher Prof. Dr. Bertram legen
Handlungsanleitung für nachhaltige Familienpolitik vor,
in: bmfsfj.de v. 04.05.
-
GASCHKE, Susanne (2005): "Fragt die Frauen!".
Ein aktuelles Gutachten
empfiehlt der Regierung, alles dafür zu tun, dass es in Deutschland
mehr Kinder gibt,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 04.05.
- BRUNS, Tissy & Barbara JUNGE (2005):
Großfamilien gesucht.
Auch in anderen Ländern
nimmt die Kinderlosigkeit von besonders gut ausgebildeten Frauen zu,
der Rückgang wird dort aber von anderen Familien ausgeglichen,
in: Tagesspiegel v. 04.05.
-
SIEMS, Dorothea (2005): Geld allein hilft nicht.
Regierungsgutachten fordert vielseitige Hilfen für Familien,
in: Welt v. 04.05.
-
KAMANN, Matthias (2005): Deutschland, deine Väter.
Die deutschen Männer
glauben immer noch, sie müßten Alleinversorger der Familie sein. Das
macht ihnen Angst vor Kindern. Politik und Unternehmen setzen sie
zusätzlich unter Druck,
in: Welt v. 04.05.
-
SEIBEL, Andrea (2005): Land ohne Experimente,
in: Welt v. 04.05.
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WILDT,
Michael (2005): Vertrautes Ressentiment.
Der moderne Sozialstaat hat
mit dem »Volksgemeinschafts«-Konzept des Nationalsozialismus nichts zu
tun. Eine Antwort auf Götz Aly,
in: Die ZEIT Nr.19 v. 04.05.
- Inhalt:
Michael WILDT kritisiert Götz ALYs
Sicht der Kontinuität von nationalsozialistischem und
bundesrepublikanischem Sozialstaat in dem Buch "Hitlers
Volksstaat":
"Ohne
Zweifel war das NS-Regime bemüht (...) mittels sozialpolitischer
Maßnahmen vor allem die Integration der Arbeiter in die
»Volksgemeinschaft« zu betreiben. Die Klassenstruktur der
Gesellschaft verschwand deswegen nicht, aber die Verheißung eines
sozialen Aufstiegs nach Leistung, unabhängig von
Schichtzugehörigkeit, band einen Großteil der Bevölkerung ein. Die
nationalsozialistische Zielperspektive war jedoch keineswegs eine
moderne, leistungs- und aufstiegsorientierte Individualgesellschaft
freier Bürger, sondern eine rassistisch formierte
»Volksgemeinschaft«, die Elitebildung und Vorwärtskommen nicht nur
von Leistung, sondern ebenso von biologistischen Kriterien abhängig
machte. Wer abwich, zum Beispiel behinderte Kinder gebar, als
»asozial«, »arbeitsscheu« oder homosexuell galt, erfuhr sehr rasch
und gnadenlos die Grenzen der »Gefälligkeitsdiktatur«. Insbesondere
die Ermordung von Behinderten und Kranken, die von den
Nationalsozialisten als »erbbiologisch minderwertig« definiert
wurden, zeigt, wie unangemessen und fehlleitend die Gleichsetzung
des NS-Regimes mit dem »modernen Sozialstaat« ist.
Hier liegt ein
grundsätzliches Missverständnis von Gleichheit und Homogenität, von
politischer und sozialer Gleichheit vor. Modernisierung wird mit
Moderne verwechselt, Rationalität mit Vernunft. Die bürgerliche
Forderung nach Gleichheit, wie sie in den Schriften von Thomas
Jefferson, John Locke oder Condorcet nachzulesen ist, meint
mitnichten die Egalisierung von materiellen Verhältnissen, sondern
ganz im Gegenteil die Anerkennung der naturrechtlichen Gleichheit
der Menschen, deren pursuit of happiness nun nicht mehr von
irgendwelchen Privilegien abhängig sein sollte. Paradox formuliert,
soll die Gleichheit der Menschen dazu führen, dass sie ihre
Ungleichheit entwickeln können"
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WALTER, Klaus (2005): Old Mac Donald's Song.
Autos und Alkohol: Strategien des Product Placement im Pop,
in: Frankfurter Rundschau v. 04.05.
- Kommentar:
Klaus WALTER berichtet über den
Zusammenhang zwischen Pop und Differenzkapitalismus, dem nach
Meinung von WALTER nicht mit traditionell linken Reflexen begegnet
werden kann:
"Beim jetzt erreichten Tempo der
Verwertungszentrifuge nach »Entschleunigung« oder »Kontrolle« zu
rufen, wäre ein ebenso hilfloser Ausdruck »linker Melancholie«
(Walter Benjamin) wie das Gefasel von der »Rückbesinnung auf die
soziale Marktwirtschaft« aus dem Munde deutscher Sozialdemokraten.
Solche Leute kritisieren den Kapitalismus und kommen im Kino erst
zum Hauptfilm. Damit sie bloß verpassen zu sehen, wie neue
Körperbilder und Warenästhetiken generiert und in Umlauf gebracht
werden. Trotzdem erreichen die im Zuge der in diesem
Wirtschaftssystem nun mal irreversiblen Durchdringung sämtlicher
Lebensbereiche durch die Ökonomie eines Tages sogar das Sauerland."
Die Theorie zur Allianz von
Lifestylelinken und Differenzkapitalismus lieferte
Robert MISIK in der TAZ.
Kapitalismus als neue Religion
aus dem Geiste der Punkbewegung liefern HEATH und POTTER im
Buch "Nation of Rebels"
("Konsumrebellen").
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BIB-Studie: Einstellungen zu
demographischen Trends und zu bevölkerungsrelevanten Politiken.
Ergebnisse der Population Policy
Acceptance Study in Deutschland
- Kommentar:
In der Presse wird die Studie im Auftrag des
Bundesministerium des Inneren fälschlicherweise als
Kinderwunsch-Studie präsentiert.
Tatsächlich dient die
Studie jedoch in erster Linie der Auslotung der Akzeptanz von
Bevölkerungspolitik.
Kann eine Politik der
Bestrafung von Kinderlosen betrieben werden, ohne dass dies auf
Widerstand in der Bevölkerung trifft?
Das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung bietet einen Download
der Studie als PDF-Datei an.
Ein Frage zielt z.B. auf
Finanzierungsmöglichkeiten des Rentensystems ab (2005, S.21). Der
Befragte konnte zwischen 10 Maßnahmen entscheiden.
Die zweithäufigste Antwort hieß
jedoch, dass keine der Maßnahmen erfolgversprechend sei.
An dritter Stelle rangierte das
Votum für eine
Rente nach Kinderzahl.
Nur Frührentner haben in der Bevölkerung noch ein schlechteres Image
als Kinderlose.
Da es sich bei den Befragten um
18-65jährige handelt, ist es bedauerlich, dass bei den Antworten
nicht verschiedene Altersgruppen unterschieden wurden.
Kinderlose müssen nach diesen Befunden
damit rechnen, dass die Rente nach Kinderzahl verstärkt auf die
politische Agenda gesetzt wird.
Die in der Presse in den
Vordergrund gestellte Frage nach der Veränderung des Kinderwunsches
kann die Studie dagegen überhaupt nicht beantworten.
Zwar wurde bereits 1992 eine Befragung
durchgeführt. Es handelte sich jedoch nicht um eine Befragung der
gleichen Personen (Längsschnitt), sondern nur um eine
Querschnittbefragung.
Was jedoch deutlich wird, und dies hat
single-dasein.de bereits als
Single-Lüge und Eliteversagen kritisiert: Der Alarmismus der
Neuen-Mitte-Medien hat das Gegenteil des Gewünschten bewirkt:
Abschreckung statt Ermutigung zum Kind. Angesichts der
Kinderlosenfeindlichkeit der Debatte ist dies kaum verwunderlich.
Wer potentielle Eltern - also junge
Kinderlose - bestraft, der darf nicht erwarten, dass Elternschaft
als erstrebenswert wahrgenommen wird.
-
GH (2005): Der Wert von Kindern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.05.
-
AMAN (2005): Der Kinderwunsch nimmt ab,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.05.
-
JOP (2005): Freiwillig kinderlos.
Ein Viertel der deutschen Männer will keinen Nachwuchs,
in: Welt v. 03.05.
-
BERTH, Felix & Jens SCHNEIDER (2005): Den Deutschen fehlt der Wunsch
zum Kind.
Jeder fünfte junge
Erwachsene plant inzwischen, ganz auf Nachwuchs zu verzichten. Für
Innenminister Schily ist dies "eine Absage an das Leben",
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.05.
- WEIDERFELD, Ursula (2005): Das Paar,
das sich nicht traut,
in: Tagesspiegel v. 04.05.
- Inhalt:
WEIDERFELD erläutert ihre "Kritische
Masse-Theorie" des Kinderkriegens:
"In
der Kernphysik redet man von einer kritischen Masse, die nötig
ist, um eine atomare Kettenreaktion auszulösen. Übertragen auf die
deutsche Gesellschaft stellt sich die Frage, ob es hier eine
kritische Masse für eine Kinder-Kettenreaktion noch gibt. Die
klassischen stadtnahen Dörfer in Westdeutschland, ein paar
Vorstädte, oder Stadtviertel wie
Berlins Prenzlauer
Berg zeigen, wie es gehen kann: Da, wo viele Kinder sind,
ziehen Menschen hin, die auch Kinder wollen. Da, wo viele Eltern
mit Kindern wohnen, wird das Leben mit Kindern unproblematischer:
Weil es Nachbarn gibt, die aufpassen – und bei Lärm auch mal
weghören. Weil Kindergärten und Schulen um die Ecke liegen, weil
die Kinder-Infrastruktur stimmt. In diesen Gebieten ist es
unaufwändiger und selbstverständlicher, Kinder zu haben."
-
ADAM, Konrad (2005): Land ohne Kinder.
Absage an die Zukunft,
in: DeutschlandRadio v. 04.05.
-
SCHMITT, Cosima (2005): Für eine Unisex-Familienpolitik.
Es ist falsch, über gebärunwillige Akademikerinnen zu
lamentieren,
in: TAZ v. 04.05.
-
RÜHLE, Alex (2005): German Angst macht unfruchtbar.
Sie lieben Blockflöten-CDs,
kosten Hunderttausende und trotzdem machen Kinder glücklich. Ein
Plädoyer,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.05.
- Kommentar:
RÜHLE versucht verzweifelt die
ökonomistische Familiendebatte mit glücklichem Elterndasein zu
kontern. Das ist jedoch nur die Kehrseite der Single-Rhetorik.
RÜHLE hat zwar erkannt:
"German
Angst macht
unfruchtbar. Jedenfalls sprechen viele Indizien dafür, dass die
Politiker und Medien mit ihren
Bedrohungsszenarien alle potenziellen Eltern verprellen"
Die Konsequenzen - der
Single-Rhetorik den Kampf anzusagen
- werden deshalb noch lange nicht gezogen...
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MISIK, Robert (2005): Eine harte
Lehre für metropolitane Kulturlinke: Gleichheit, nicht Differenz ist
das Problemfeld der Stunde.
Die Schuld an den "neuen
Unterschichten" ist nicht nur bei Wirtschaftsliberalen zu suchen -
auch linke Theorie fand zuletzt an Gleichheit wenig Interesse,
in: TAZ v. 03.05.
- Kommentar:
Während die neuen Popper das stilvolle
Verarmen üben, proben Lifestylelinke wie
Robert MISIK den Paradigmenwechsel von
der Differenz zur Gleichheit und entsorgt damit
Ulrich BECKs Individualisierungsverheißungen
gleich mit:
"Postmarxisten,
Diskursjockeys, unorthodoxe Gesellschaftskritiker beschäftigen sich
seit 20 Jahren vornehmlich mit Phänomenen wie Differenz, Culture Jam,
mit distinkten Identitäten, dem Zusammenprall und auch der
fröhlichen Vermischung von Unterschiedlichkeiten. Differenz ist
spannend, Gleichheit fad. So wie die anderen will ohnedies keiner
sein: Mainstream ist das Letzte. Jeder wünscht sich als eine
unverwechselbare Type zu sehen, eine Sehnsucht, die mit dem
Markenbewusstsein moderner Ich-AGs harmonisiert. Diese
existenzialistische Wende (Diedrich
Diederichsen) war die linke Spielart der Individualisierung:
Gender-, Schwule- und sonstige Diskurse waren und sind erstaunlich
widersprüchlich codiert - die Forderung, als gleichwertig
respektiert zu werden, korrespondierte mit dem eingeforderten Recht
aufs Anderssein, auf Differenz.
(...).
Nun hat es den Anschein, als würden diese Diskurse der
Ungleichmacherei an ihr Ende gelangen. Es stellt sich nämlich
heraus: Weder werden die Menschen glücklicher, je größer das
Spektrum an Optionen in unserer Differenzgesellschaft ist, noch
werden die Gesellschaften leistungsfähiger, je tiefer der Graben
zwischen Oben und Unten. Ein markanter Einschnitt waren in dieser
Hinsicht die Pisa-Studien. Bei diesen erwies sich ja, dass egalitäre
Systeme mehr Aufwärtsmobilität, klügere Schüler und insgesamt mehr
Prosperität schaffen, während mehr soziale Ungleichheiten zu
massenhafter Verschwendung von Humankapital führen. Kurzum:
Ungleichheit macht dumm, Gleichheit macht klug. Hinzu kommt, dass
die neuen, gewissermaßen »weichen« Klassenschranken, die vielen
unüberwindlichen Lifestyle-Gräben zwischen Unten und Oben, längst
die alten Analysen von der »nivellierenden Mittelstandsgesellschaft«
abgelöst haben."
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MALZAHN, Claus Christian (2005): Ost-Literaten.
Republikflucht der Romanciers,
in: Spiegel Online v. 03.05.
- Inhalt:
MALZAHN zieht Parallelen zwischen Ernst
JÜNGER und Uwe TELLKAMP:
"Uwe
Tellkamps Roman »Der
Eisvogel«
ist der bisher frontalste literarische Angriff auf eine
demokratische deutsche Verfassung, seit Ernst Jünger 1932 mit seinem
Buch »Der Arbeiter« ein Werk vorlegte, in dem die fragile Ordnung
seiner Zeit beiseite gefegt und die Fundamente einer neuen
Gesellschaft gelegt werden sollen. Bis heute streiten die Gelehrten
darüber, ob Jünger damit dem Nationalsozialismus intellektuelle
Schützenhilfe gab."
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FELTIN, Michel (2005): Quand la France fait boom.
Plus de naissances, plus
d'immigration: le recensement de 2004 révèle une population bien plus
dynamique que prévu. Le ministre de l'Equipement, Gilles de Robien,
évoque déjà le chiffre de 75 millions d'habitants à l'horizon 2050. Si
la tendance se confirme, ce sera un bouleversement pour les retraites,
le logement et l'aménagement du territoire. Déchiffrage,
in: L'Express v. 02.05.
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SCHWAN, Anna (2005): Subkultur von oben.
Sie lieben die osteuropäische
Prärie und feiern in alten Kasernen – die Bohemiens sind wieder da,
in: Tagesspiegel v. 02.05.
- Inhalt:
SCHWAN berichtet über das
stilvolle Verarmen:
"Eine
Subkultur von oben hat sich da etabliert, deren Essenz sich auf
ästhetische Formeln reduziert. Das Leben dieser Neo-Dandys ist eine
Suche nach der verlorenen Zeit. Sie spielen jeden Tag ihre selbst
erfundenen Rollen und zelebrieren Klischees; der Schein ist
wichtiger als die Substanz. Natürlich soll es dabei auch um
Abgrenzung gehen, niemand bekennt sich gern zur Masse: Den Beaus und
den Beatniks, New-Age-Begeisterten wie Neo-Cons ist ihre Suche nach
Individualismus gemeinsam.
Wenn in Zeiten allgemeiner Proletarisierung also wieder einmal der
Kulturkampf ausgerufen und dem Alltag »Haltung« entgegengestellt
werden soll, wenn Stil als Schutzschild gegen Schmutz jeder Art
dient, dann ist das auch Ausdruck unserer post-postmodernen Welt und
gesellschaftlicher Dekadenz: Dieser Jeunesse doree geht es nicht
mehr darum, Geld anzuhäufen. Sie will dem Verfall mit äußeren Werten
begegnen, die früher oder später auch die innere Leere füllen sollen"
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KRUSE, Katrin (2005): Vertüllt für den Bund des Lebens.
Jede dritte Ehe wird
geschieden. In schlechten Zeiten wünschen sich Heiratswillige
wenigstens Romantik in der Mode,
in: Welt am Sonntag v. 01.05.
-
LUXAT, Stefanie (2005): Mutprobe am Kindertisch.
Heiraten tun immer die
anderen: Hochzeiten sind für Singles ein Härtetest. Es sei denn, man
schaut sich nach Ablenkung um,
in: Welt am Sonntag v. 01.05.
-
WINKLER, Sandra (2005): Ganz in Schweiß.
Hilfe, ich heirate: Vielen
schlägt der schönste Tag im Leben auf den Magen. Wie man seine
Hochzeit problemlos übersteht,
in: Welt am Sonntag v. 01.05.
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MARX, Rainer (2005): Die dunkle Seite der Nacht.
Von wegen Erotik. Der Mythos
der Hochzeitsnacht verliert jeden Glanz, wenn man sie selbst erlebt
hat,
in: Welt am Sonntag v. 01.05.
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NOLTE, Paul (2005): Kinder brauchen Männer, Männer brauchen Kinder.
Das Scheitern der Emanzipation und die neue Geschlechterdifferenz,
in: Universitas, Mai
- Kommentar:
Im Schwerpunkt "Was Kinder (und Eltern)
brauchen" schreibt
Paul NOLTE über die vaterlose Gesellschaft.
Nach Meinung von NOLTE
hatten es die 68er und jene, die nach ihnen kamen - also NOLTE - in
der Hand "das große Programm der geschlechterpolitischen
Emanzipation umzusetzen". Aber sie sind gescheitert. Dies beschreibt
NOLTE folgendermaßen:
"Zwischen der Mitte der siebziger
und der Mitte der achtziger Jahre - nicht viel früher, nicht viel
länger - tat sich für die damals Jugendlichen und jungen Erwachsenen
in der Bundesrepublik ein Fenster zur Zukunft auf. (...). Es war die
Zeit, in der Jungen auch weinen durften, Väter sich mit Kinderwagen
nicht nur am Sonntagnachmittag zeigten und überhaupt Männer als
»Softies« erstrebenswert waren.
Doch kurz danach, wohl noch im Laufe der achtziger Jahre, muss der
Faden gerissen sein. Das Bild von einer auch äußeren und
verhaltensmäßigen Angleichung der Geschlechter verblasste (...). Die
moderne Geschlechteridentität kapselte sich in einer Milieunische
ein: bei Akademikern, vor allem denen einer bestimmten Sorte, bei
den pädagogischen Berufen und im Universitätsmilieu."
Eine solche Lesart
entspricht der Legendenbildung wie sie
Reinhard MOHR
in "Zaungäste" und "Generation Z" betrieben hat.
Dass der Softie jemals mehr
als nur ein Milieuphänomen war, muss jedoch bezweifelt werden.
Nimmt man z.B. Diedrich DIEDERICHSENs
"Sexbeat" oder Jürgen TEIPELs
"Verschwende Deine Jugend", dann spielten selbst in der
Subkultur der frühen 80er Jahre Frauen kaum eine gleichberechtigte
Rolle.
Man wundert sich, dass ein
ausgewiesener Historiker solch eine einseitige Geschichtsschreibung
betreibt...
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PARIS, Rainer (2005): Vom Mißtrauen.
Soziologiekolumne,
in: Merkur Nr.673, Mai
- Kommentar:
Der Antifeminist
Rainer PARIS widmet sich wieder
einmal seinem Lieblingsthema. Diesmal aus einer "Soziologie des
Vertrauens", die im Grunde aber eine Psychoanalyse des Misstrauens
ist:
"Während
der kleine Junge die Hinwendung und spätere Abwendung der Mutter als
elementaren »Verrat« erlebt, ist das Grundproblem des Mädchens, daß
eine vergleichbar bedingungslose Hinwendung des Vaters gar nicht
erfolgt. Die Grundangst der Männer gegenüber den Frauen sei daher
die Angst vor Verrat, weshalb sie sich auch späterhin häufig in
Gegenwart von Männern am wohlsten fühlten: Wenn keine Frauen da
sind, können sie einen auch nicht verraten. Für die Frauen hingegen
gelte die analoge Befürchtung, nicht wirklich geliebt zu werden,
weshalb sie später immer wieder Liebesbeweise einforderten und sich
oftmals in solchen Situationen am wohlsten fühlten, in denen sie die
Blicke der Männer auf sich spürten, sich also ihres Begehrtwerdens
sicher seien. (Dies ist übrigens eine einfache Erklärung dafür,
warum die allermeisten Männer Anzeichen aggressiver
Emanzenhaftigkeit – nicht zu verwechseln mit Selbständigkeit und
Stärke, Emanzipiertheit also – sofort mit Abwesenheit beantworten.
Männer haben ohnehin große Schwierigkeiten, zu Frauen Vertrauen zu
fassen – wer aber einer Emanze vertraute, müßte verrückt sein.)"
Nicht nur das
Geschlechterverhältnis auch den Geburtenrückgang möchte PARIS als
adäquate männliche Antwort auf den Feminismus verstanden wissen:
"Die
desaströsen Auswirkungen des feministischen Macht- und
Gewaltdiskurses auf die gegenwärtigen Geschlechterverhältnisse habe
ich in einer früheren Kolumne beschrieben (Merkur,
Nr. 649, Mai 2003); dies braucht hier nicht wiederholt zu
werden. Ergänzend nur soviel: Es macht einen großen Unterschied, ob
Mißtrauen Resultat privater Enttäuschungen oder öffentlicher
Daueragitation ist. Denn alle Ideologie verallgemeinert; die
öffentliche Stigmatisierung lenkt unsere Typisierungen und zwingt
jede Einzelwahrnehmung ins vorgegebene Raster. Der Verdacht schürt
die Aggression, und die Aggression den Verdacht. Damit wird alle
Selbstverständlichkeit, alles Spielerische im Umgang getilgt, es
fehlt einfach der Raum des »naiven«, immer auch etwas
leichtgläubigen Experimentierens, in dem sich tastendes Vertrauen
entwickeln und stabilisieren könnte.
Die Folgen sind ebenso weitreichend wie offensichtlich. Wenn Frauen
und Männer nicht mehr zusammenfinden und jeder Bindung mißtrauen,
gibt es nun einmal keine Kinder. Gegen elementar zerstörtes
Geschlechtervertrau- en kann keine Familienpolitik ankommen."
Rainer PARIS' Analyse mag
möglicherweise den Nerv der Zukurzgekommenen der 78er-Generation
treffen, d.h. jener
Zaungäste, die sich Ende der 70er
Jahre/Anfang der 80er Jahre im so genannten Alternativmilieu
bewegten.
Die neue
Generation des Postfeminismus
kämpft dagegen ganz andere Kämpfe.
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HECHT, Martin (2005): Das schwierige Glück der Freundschaft.
Mit dem einen schwitzen wir im Sportstudio, mit
dem anderen treffen wir uns regelmäßig in der Kneipe zum Quatschen
und Essen, mit wieder anderen gehen wir wandern. Wir haben Freunde.
Glauben wir. In Wahrheit ist so manche Freundschaft nur eine
Bekanntschaft, ein Zweckbündnis, ein Teil unseres Networks. Worin
besteht eigentlich "wahre Freundschaft"? Warum idealisieren wir sie
heute (wieder) so sehr? Und was lässt sich tun, um Freunde zu finden
und vor allem: zu behalten?
in:
Psychologie Heute Nr.5, Mai
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NEON-Titelgeschichte:
Gefällt dir dein Leben?
Liebe, Beruf, Ideale - warum wir so früh
eine erste Bilanz ziehen |
- STOLLE, Oliver (2005): War's das schon?
Wer sind wir? Was wollen wir? Wo führt das alles hin? Als Kinder
der Moderne stellen wir uns diese Fragen, solange wir uns erinnern
können. Eigentlich verwunderlich, dass wir kurz vor dreißig auf
einmal Panik bekommen. Eine Zwischenbilanz,
in: Neon, Mai
- STOLLE, Oliver (2005): "Wir müssen uns
entscheiden".
Der Sozialpsychologe Heiner Keupp über den Umgang mit erwartbaren
Krisen und lebenslanger Ungewissheit,
in: Neon, Mai
- Inhalt:
Der Münchner Sozialpsychologe
Heiner KEUPP sieht im "Offenhalten aus Lebensfreude" das Ideal
postadoleszenten Lebens, das gleichzeitig Voraussetzung ist für
ein späteres Festlegen ohne Reue in Arbeit und Liebe.
Dagegen führen Entscheidungen
aus Not bzw. Zukunftsangst zum
"Horror Vacui".
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- KEUL, Christian (2005): "Manchmal will
ich mich nur streiten".
Ehrliche Kontaktanzeigen.
Nichts als die Wahrheit, 6. Teil: NEON-Singles erzählen aufrichtig von
ihren Macken - und warum es sich trotzdem lohnt, sie kennen zu lernen,
in: Neon, Mai
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- LEURS, Rainer (2005): Kein Sex? Kein
Problem!
Sie wollen lieber kuscheln als küssen, könnten Sex haben, wenn sie
nur wollten, bloß: Asexuelle haben einfach keine Lust. Normal? Ja,
sagen Psychologen. Aber wie fühlt es sich an, wenn Sex im Leben keine
Rolle spielt?
in: Neon, Mai
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AGUIGAH, René (2005): Der große Ruck.
Hitler als Stimmungspolitiker, Roosevelt als Regent im Notstand:
Götz Aly und Wolfgang Schivelbusch tauchen in die Vergangenheit und
schreiben an einer Geschichte der Gegenwart,
in: Literaturen Nr.5, Mai
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MEISTER, Martina (2005): Schaltet den Bildschirmschoner an!
Corinne Maier und Tom Hodgkinson empfehlen den Angestellten von
heute mehr Faulheit - als Subversion. Sie verschweigen allerdings,
dass Nichtstun seinen Preis hat. Über einige neue Imperative der
Lifestyle-Publizistik,
in: Literaturen Nr.5, Mai
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RÖGGLA, Kathrin (2005): Die Verwörterung der Welt.
Eine Hommage an den Ethnologen, Weltreisenden und Schriftsteller
Hubert Fichte zum Erscheinen des nachgelassenen Bandes "Psyche",
in: Literaturen Nr.5, Mai
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VANDYCK, Tom (2005): Blitzkauf Bop.
Wie die Counterculture zur Counter-Culture wurde. Rebellion und
Anderssein werden in der Massenkultur an der Ladentheke gehandelt. So
die zentrale These der beiden kanadischen Ex-Punks Joseph Heath und
Andrew Potter in ihrem Buch "Nation of Rebels",
in: Rolling Stone Nr.5, Mai
- Inhalt:
Joseph HEATH & Andrew POTTER rechnen mit
Beatniks, Hippies, Grungern und
Globalisierungsgegnern ab.
Nach dem Motto von
Norbert BOLZ, dass
Nonkonformität nichts anderes als die
Konformität des Anderssein ist, fordern sie "Schluß mit der
Verteufelung der Konsumgesellschaft", denn die Gegenkultur ist
längst kein Bollwerk mehr gegen die Konsumgesellschaft, sondern die
stärkste Triebkraft des Kapitalismus.
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KEUL, Thomas (2005): Mit Hölderlin zur Wehrsportübung.
In Uwe Tellkamps neuem Roman lamentieren Lyrik lesende Faschisten
über die Lieblosigkeit der Welt,
in: Volltext Nr.2, April/Mai
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Zu den News
vom
27. - 30. April 2005
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