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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 01. - 15. November 2001

 
       
     
       
       
   
  • GREINER, Ulrich (2001): Warum wollen wir Kinder?
    In den alten Zeiten kamen sie von selber, heute können wir darüber bestimmen. Das ist für manche ein Segen, für andere ein Fluch. Für die Zukunft unserer Gesellschaft ist die Antwort von entscheidender Bedeutung
    in: Die ZEIT Nr.47 v. 15.11.

 
       
   
  • PETER, Stefanie (2001): In der Pole-Position.
    Wie der Lifestyle die Osterweiterung vorwegnimmt,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.11.

Stefanie PETER berichtet über das Oktober-Heft von Wallpaper, das Polen zum Trend erhebt. Die Zielgruppe von Wallpaper - eine der international, führenden Lifestyle-Zeitschriften - umschreibt die Autorin als

"Stadtbewohner, weit gereist, Single, zwischen fünfundzwanzig und vierzig, erfolgreich, markenbewußt und gut betucht".

Dafür hat sich mittlerweile auch der Begriff "globaler Nomade" eingebürgert. "Single" dürfte hier jedoch weniger im Sinne von Partnerlosigkeit, sondern eher im Sinne von jenseits der Normalfamilie lebend, gemeint sein.

 
       
   
  • Das Online-Dating in der Debatte

    • KÖLNISCHE RUNDSCHAU (2001): Wo steckt Mr. oder Mrs. Right?
      Singles gehen vermehrt online auf Pirsch,
      in: Kölnische Rundschau v. 15.11.

 
       
   
  • RIEDI, Stephanie & Thomas WIDMER (2001): Tabu!
    Wir wähnen uns in einer aufgeklärten Gesellschaft, in der man über alles reden kann. Ein Irrtum: Abseits des kollektiven Gequassels wuchern zahlreiche Tabus weiter.
    in: Facts Nr.26 v. 15.11.

Die Autoren liefern einen Beitrag zum Tabuwandel, bleiben dabei aber an der Oberfläche des Zeitgeistes. Nur so ist es verständlich, wenn sie die Demontage der Tabus auf das Datum 1968 festlegen wollen. Der Tabubegriff wird identitätspolitisch verkürzt, und damit als Kampfbegriff gegen die Pluralisierung der Lebensformen missbraucht. Was als Tabu bezeichnet wird, das sind deshalb die derzeitigen Modethemen: das Verdrängte der Spaßgesellschaft oder die Attackierung des positiven Images von Alleinerziehenden (schließlich ist die NORMALfamilie der Leistungsträger der Gesellschaft!). Prominente werden nach den großen Tabus unserer Gesellschaft befragt. Einzig Ida GUT kommt dem nahe, was der Begriff nahelegt:

«Vieles, aber darüber spricht man nicht, sonst wären es ja keine Tabus».

Die anderen Prominenten betätigen sich als "Tabubrecher" und kämpfen damit an der Tabufront.

 
       
   
  • HOLZAPFEL, Helmut (2001): Neue Beliebigkeit.
    Tendenzen in der Stadtplanung und der Glaube an die Verheißungen einer "New Gründerzeit",
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.11.

Eine Kritik an Harald BODENSCHATZ in der FAS vom 28.10.2001: der "New Urbanism" verfälscht die Prinzipien der Gründerzeitviertel, indem das Gegenteil der "durchlässigen und durchschaubaren Prinzipien der Gründerzeit" erreicht wird.
 
       
     
       
   
  • BRIGITTE-Dossier: Einsamkeit - das große Tabu.
    Einsamkeit raubt uns das Selbstbewusstsein und stempelt uns zu Versagern. Einsamkeit kann jeden treffen, trotzdem wird sie verschwiegen. Sechs Frauen brechen das Schweigen

    • WERDES, Alexandra (2001): "In meiner Clique war ich nur noch Gast",
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

    • HAEGELE, Anja (2001): "Wer verzweifelt nach Freunden sucht, der findet keine",
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

Ein Umzug in eine fremde Stadt ist - trotz fester Partnerschaft - ein kritisches Lebensereignis wie Anja HAEGELEs Beispiel zeigt.
Die Alternative zum Umzug:
FREYMEYER & OTZELBERGER (2000): In der Ferne so nah. Lust und Last der Wochenendbeziehungen
  • HELD, Monika (2001): Einsamkeit tut weh.
    Alleinsein ist eine Kunst, Einsamkeit ein Makel. Man ist nicht einsam. Nicht in unserer Spaßgesellschaft,
    in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

Das Ende der Spassgesellschaft - Kulturkämpfe in der Popmoderne

  • WOLFF, Harriet (2001): "Durch die Krankheit funktionierte ich nicht mehr in der Rolle",
    in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

  • KOHL, Susanne (2001): "Plötzlich wurde ich nicht mehr zu Partys eingeladen",
    in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

  • SCHÖNBERGER, Birgit (2001): "Einsamkeit ist ein verkleideter Tod",
    in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

    • WIEDEN, Lotta (2001): "Da war immer diese Glaswand zwischen mir und den anderen",
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

    • HAAKS, Nikola (2001): "Ich hatte nicht einmal mehr mich selbst".
      Barbara Thillmann erlitt einen totalen Gedächtnisverlust, der ihre letzten 35 Jahre einfach auslöschte. Wie einsam ist man ohne Erinnerungen?,
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

Wilhelm Genazino - Das Licht brennt ein Loch in den Tag
 
       
   
  • FUCHS, Peter & Jörg Mussmann (2001): Die fortlaufende Produktion der Scham.
    Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (3): Die Beobachtung, die der gealterte Körper erfährt, inflationiert. Es gibt keine Stufen der intimen Zugänglichkeit, die an bestimmte Personen gebunden wären, keinen Intimpass, mit dem sich regulieren ließe, vor wem man sich nun schämen müsste oder auch nicht
    in: TAZ v. 14.11.

 
       
     
       
   

KUPCZIK, Ingrid (2001): Die Frau im Haus erspart den Psychotherapeuten.
Wissenschaftlich erwiesen: Nicht berufstätige Hausfrauen sind gut für die Gesellschaft,
in: Welt am Sonntag v. 11.11.

 
       
   
  • DECKERT, Marc (2001): Okay, extrem okay.
    Bücher, Filme und die Werbung beschäftigen sich mit den 30-Jährigen. Die stellen fest: Wir wollen so bleiben, wie wir sind,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.11.

DECKERT, ein Angehöriger der Generation Golf, ist die "Thirtysomething-Kultur" in den Medien leid. Von Bridget Jones über Mondscheintarif bis zu Sex and the City entsprechen die 30-Jährigen dem "Du-Darfst-Margarine-Werbung"-Klischee (mehr hier).
 
       
     
       
   
  • KAST, Bas (2001): Wie funktioniert Verliebtheit?
    in: Tagesspiegel v. 10.11.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

 
       
   
  • REIMER, Melanie (2001): Ledig, 30 Jahre alt, mit häuslichen Fähigkeiten.
    Sven Stöter mit Besen auf dem Rathausplatz
    in: Schweriner Volkszeitung v. 09.11.

    • Bericht über das Junggesellen-Brauchtum in Hagenow
 
       
   
  • TOMORROW (2001): Kult: "Sex and the City"-Sites.
    Die besten und bösesten Links für Singles: Alles über die Erfolgsserie "SatC" im Web - zum Mitreden und Chatten,
    in: Tomorrow Nr. 24/25 v. 08.11.

 
       
   
  • MAYER, Susanne (2001): Jetzt bitte: Ein Ruck für die Familien.
    Wir brauchen eine bessere Politik für Kinder und ihre Eltern,
    in: Die ZEIT Nr.46 v.08.11.

  • THADDEN, Elisabeth von (2001): Gesucht: Fachkraft mit Familiensinn.
    Der alternden Gesellschaft drohen junge Arbeitnehmer auszugehen. Väter und Mütter, die wegen der Kinder zu Hause bleiben, werden bald gebraucht in den Firmen. Doch wo gibt es gute Jobs für gute Eltern? Ein Ausflug in moderne Betriebe
    in: Die ZEIT Nr.46 v.08.11.

Elisabeth von THADDEN behauptet, dass Familienväter gegenüber Singles benachteiligt wären. Tatsache ist jedoch, dass es keine einzige Studie gibt, die das empirisch beweist! Es gibt nur wenige Studien, die überhaupt den Zusammenhang zwischen Lebensform und Einkommen/Stellung im Beruf erforscht haben. Vorurteile ersetzen solche Studien offensichtlich bestens.

Der Fachkräftemangel in der Debatte

 
       
     
       
   
Alle Jahre wieder, so verlässlich wie Weihnachten, erscheint im November das Neueste aus dem Hause OPASCHOWSKI, dem B.A.T.-Freizeitforschungsinstitut. Mit dem Sexappeal eines Paukers der 1950er Jahre verkündet der Pädagoge seine Umfrage, die nichts anderes als der Widerhall der Medien in den Köpfen der Befragten ist.

Der "Cocooning-Forscher" OPASCHOWSKI ist der geistige Bruder von HOUELLEBECQ, der dieser Tage forderte Afghanistan mit Miniröcken und Seidenstrümpfen zu bombardieren, um die Moral der Taliban zu zersetzen. OPASCHOWSKI macht nichts anderes, nur dass er uns mit seinen "Immer mehr"-Verkündungen bombardiert, die bereits seit Monaten unablässig aus den Medien schallen: "Single war gestern" heißt es. Es gibt nur ein Problem: Einstellungen und Verhalten haben wenig miteinander zu tun!
Mit der Umfrageforschung erfasst man in erster Linie, ob die Leute auch behalten haben, was ihnen die Medien so die Tage und Wochen vor der Befragung ins Ohr gepustet haben. Fragt man einen Raucher danach, ob Rauchen gesund sei, so wird er sofort wissen, was er als moralisch korrekte Antwort aufzusagen hat, was ihn jedoch nicht daran hindert, sofort darauf eine Zigarette anzuzünden.

"Der Zenit der Vereinzelung, der Kinderlosigkeit und Anti-Familienstimmung ist überschritten",

wird OPASCHOWSKI im Tagesspiegel zitiert. Dazu bedarf es keiner Umfrageforschung, sondern nur soziodemographischer Daten.  Der Anstieg der Singles im mittleren Lebensalter wird nicht mehr in dem Masse stattfinden wie bisher. Das hat jedoch nichts mit Einstellungsänderungen zu tun, sondern mit der Altersstruktur der Bevölkerung.

Kinderlosigkeit wird weiterhin ein beliebtes Thema sein, denn dafür sorgt bereits die sozialpolitische Debatte. Die Anti-Familienstimmung ist in erster Linie ein Medienprodukt zur Stärkung des Familialismus. Das Feindbild Single dient zur Stärkung der familiären Identität. Sobald sozialpolitische Entscheidungen anstehen, wird das Klischee "Single-Gesellschaft" wieder aktualisiert.

Entscheidender für Singles sind die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt und gesetzliche Änderungen, die Singles diskriminieren. Um darüber informiert zu sein, benötigen wir OPASCHOWSKIs Umfrageergebnisse ebenfalls nicht. Eine Studie für den Mülleimer also...

  • DOHMEN, Holger (2001): Die jungen Sinnsucher.
    Familie, Pflicht, Fleiß - traditionelle Werte erleben eine Renaissance,
    in: Hamburger Abendblatt v. 07.11.

  • TSP (2001): Der Trend geht wieder zur Familie.
    Freizeitforscher: Deutsche besinnen sich auf alte Werte,
    in: Tagesspiegel v. 07.11.

  • DPA (2001): Auf der Suche nach dem inneren Frieden.
    Umfrage: Die Deutschen ziehen sich ins Private zurück und beschäftigen sich mit Sinnfragen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 07.11.

 
       
     
       
   
  • FUCHS, Peter & Jörg MUSSMANN (2001): Die Realität der Hochglanzbroschüren.
    Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (2): Der Altenbetrieb ist nur effizient, wenn es ihm gelingt, Zeit in unentwegte Repetition gerinnen zu lassen. Am besten wäre es, alles könnte mit allen gleichzeitig verrichtet werden, aber da dies nicht geht, muss in schmalen Zeitfenstern sequenziert werden
    in: TAZ v. 07.11.

 
       
     
       
     
       
   
  • EICHHORN, Roland (2001): Auch Einsamkeit macht krank.
    Für Herzinfarkte sind zahlreiche psycho-soziale Faktoren mitverantwortlich
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.11.

"Der US-Arzt Dean Ornish hat in einer Vielzahl von Studien aus aller Welt den großen Einfluss von sozialer Isolation und fehlendem menschlichen Rückhalt herausgestellt. Auch für die Herzerkrankungen gilt: Isolation macht krank, Verbundenheit und Nähe (sogar mit Haustieren) wirkt als Gesundheitsschutz",

schreibt Roland EICHHORN. Normalerweise wird zwischen sozialer Isolation als objektivem Tatbestand der Kontaktlosigkeit und Einsamkeit als einem subjektiven Gefühl unterschieden.

Der Slogan "Lieber allein, als gemeinsam einsam" weist darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen beiden Phänomen nicht sehr eng ist. Unerwünschte Unterstützung ist ebenfalls ein Stressfaktor, dem aber angesichts der sozialpolitisch verzerrten Single-Debatte keine Aufmerksamkeit zuteil wird. Gerade Untersuchungen, die mit objektiven Faktoren arbeiten, sitzen gravierenden Fehlschlüssen auf. Wenn es um das subjektive Phänomen Einsamkeit geht, dann ist durchaus mit negativen Folgen im Sinne von ORNISH zu rechnen.

 
       
   
Rolf DEGEN interpretiert das psychoanalytische Konzept "Narzissmus" im Sinne des sozialpsychologischen Konzepts "Selbstwert", um daraus zu folgern, dass die narzisstische Selbstliebe keine Steigerung der Liebesfähigkeit, sondern zunehmende Gewalt zur Folge hat. Dies passt zum gegenwärtigen Zeitgeist, der das Etikett "Narzissmus" zu dämonisieren versucht. Deshalb ist es nicht verkehrt, wenn man einen Artikel von Thomas ZIEHE aus dem Jahr 1978 heranzieht, denn die damalige historische Situation trägt durchaus vergleichbare Züge zur heutigen Situation. In dem Essay Warum sich mir die Feder sträubt. Bedenken über den Zusammenhang Neue Lebensformen - Neuer Sozialisationstyp wehrt sich der Erfinder des Terminus "Neuer Sozialisationstyp" gegen die Vereinnahmung seiner Narzissmus-These:

"Ich frage mich (...) warum wir so begierig sind, die Diskussion über Subjektivität zu führen. Sicherlich nicht nur aus intellektueller Redlichkeit (...). Ich glaube schon, daß in der Beschäftigung mit solcher Thematik eigene, exhibitionistisch aufgeblähte oder intim verborgene Emanzipationshoffnungen miteingehen. Wenn man schon Intellektueller ist und soviel am Schreibtisch sitzen muß - dann wenigstens 'über die Wünsche' schreiben. Nur, was ist, wenn sich dieses Schreiben über die Wünsche als derart absorbierend herausstellt, daß man nicht einmal den (theoretisch als arg zugerichtet erkannten) höchsteigenen Bedürfnissen nachzukommen vermag? Man wird traurig. Und einige werden rachsüchtig.
Bezogen auf die Narzißmus-Diskussion heißt das meines Erachtens: Die nicht mehr ganz so jungen Linken (und von denen, die veröffentlichen, dürften fast alle dazu zählen) sollten gewahr werden, daß sie sich in der begrifflichen Erarbeitung der Sehnsucht nach Symbiose, des 'ozeanischen Gefühls', der idealisierenden Spiegelung brisanten Tiefendimensionen des eigenen arbeitssamen und damit irgendwie entsagungsreichen Lebens nähern. Sollte mancher von der Angst beschlichen werden, je älter er würde, desto weiter entferne er sich von den Regressionsmöglichkeiten in die narzißtischen Geborgenheiten, so lasse er dies bitteschön nicht an den Jüngeren aus.
Ich schreibe dies in der Sorge, die Rede vom Neuen Sozialisationstyp könne zum schillernden Instrument reduziert werden: einerseits fasziniert die Narzißmus-Dimension vor dem Hintergrund eigener Hoffnungen und -erinnerungen, andererseits kriegt der Jüngere, der 'NST', einen drüber, daß es so ja nun auch nicht ginge.
Die These über den Neuen Sozialisationstyp will narzißtische Motivstrukturen, Leidensdimensionen und Modi von Objektbeziehungen verstehbar machen (...). Die These will nicht diskriminieren und schon gar nicht eine neue Folie für die immerwährende Klage der Älterwerdenden abgeben, daß die Jugend nicht mehr so sei, wie man selbst meint, gewesen zu sein." (aus: Ästhetik und Kommunikation. Neue Lebensformen - Wunsch und Praxis, Dezember 1978, S.49-54).

 
       
   
  • Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise

    • KOHLENBERG, Kerstin (2001): Der Tod des Klapperstorchs.
      Kinder werden immer häufiger im Labor gemacht. Manchmal bleibt dabei ein Embryo übrig. Man darf ihn nicht wegwerfen oder der Forschung spenden. Und die Politik hat keine Zeit, das Problem zu lösen.
      in: Tagesspiegel v. 06.11.

 
       
     
       
   
  • Sibylle Berg - Das Unerfreuliche zuerst

    • ESSIG, Rolf-Bernhard (2001): Der unglückliche Mann.
      Tiefschürfende "Herrengeschichten" von Sibylle Berg,
      in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage zur Berliner Morgenpost v. 04.11.

 
       
   
  • PEITZ, Christiane (2001): Außer Atem.
    Keine Kompromisse: Nach seinem hochgelobten Film "Die Unberührbare" schockiert Oskar Roehler seine Fans jetzt mit der trashigen Berlin-Farce "Suck my dick". Besuch bei einem ungeduldigen Kino-Junkie

    in: Tagesspiegel v. 04.11.

 
       
   
  • ME (2001): Sind Männer vom Aussterben bedroht?
    Die Lebensspanne zwischen Mann und Frau öffnet sich immer weiter. Bericht vom ersten Weltkongress zur Gesundheit des männlichen Geschlechts
    in: Welt am Sonntag v. 04.11.

Die Schlagzeile ist irreführend, denn es geht nicht ums Aussterben, sondern um die statistische Tatsache, dass Männer eine geringere Lebenserwartung haben als Frauen.

Es sieht ganz danach aus, dass die Gesundheitsindustrie an dieser "statistischen Tatsache" verdienen möchte, wenngleich das Problem nicht mit einer besseren Prävention zu lösen ist. Man muss nur nach New York und die USA blicken. Dort sind FeuerwehrMÄNNER gestorben und es sind SoldatEN, die nach Afghanistan geschickt werden! Paul-Hermann GRUNER hat das als "Ganzkörper-Prostitution der Männer" bezeichnet.

"Eine Verbesserung der Klonierungs-Techniken und kürzlich gemeldete Erfolge zur Vermehrung eines Säugetiers aus unbefruchteten Eizellen könnten sogar die biologische Rechtfertigung zur Existenz von Männern infrage stellen. Vielleicht spüren Männer diese Gefahr bereits. Unter der Überschrift 'Sind Männer die neuen Frauen?' untersuchte eine kanadische Journalistin kürzlich das Phänomen, dass immer mehr Frauenthemen in bekannten Männerzeitschriften erscheinen."

Was beide Sachverhalte miteinander zu tun haben, ist nicht ersichtlich. Letzteres ist jedoch tatsächlich festzustellen (was nicht nur auf Männerzeitschriften beschränkt ist! Siehe z.B. KUMMER in der Cosmopolitan vom November 2001). Das hat aber in erster Linie mit der Tatsache der vermehrten finanziellen Autonomie von Frauen und der damit verbunden Veränderung der Machtbalance zu tun und nichts mit der biologischen Rechtfertigung von Männern.

 
       
   
  • Das Single-Dasein in der Schweiz

    • TEMPERLI, Silvio (2001): Das Zuhause für betagte Menschen.
      Selbständig älter werden in einer günstigen Wohnung: Das ermöglicht die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich. Doch die Wartelisten sind lang,
      in: Tages-Anzeiger v. 03.11.

 
       
     
       
   
  • NOLTE, Barbara (2001): Neue Mütter hat das Land.
    Und Gruner + Jahr hat für sie eine Zeitschrift entwickelt: "Mom",
    in: Tagesspiegel v. 02.11.

Barbara NOLTE versucht die Zielgruppe von Mom anhand der Soaps Dallas und Lindenstraße einzugrenzen. Mom richtet sich an die Lindenstraße-Fraktion.

Man kann die Zielgruppe aber auch anders eingrenzen: das neue Frauenmagazin richtet sich an die Generation Kombi, d.h. an die Generation Golf in der Lebensphase "junge Familie". Deshalb kann man bei einem Spiel auch eine Haushaltshilfe für ein Jahr gewinnen. Bleibt abzuwarten, ob diese pragmatischen Mütter ein solches Blatt benötigen. Hessen entscheidet das für die ganze Republik.

 
       
   
  • SCHRÖDER, Susanne (2001): Generation?
    X, @, E, Golf, Silver Surfer, Fanta: Wissen Sie, zu welcher Generation Sie zählen? Eine spielerische Bestandsaufnahme eines Lifestyle-Phänomens,
    in: Madame Nr.11, November, S.50-54

Susanne SCHRÖDER fasst Generationen als Lifestyle-Gruppen auf, die nach Meinung der Autorin im Zeitalter der Globalisierung und multikultureller Nationen bedeutungslos geworden sind. Vom Yuppie bis zum Bobo wird alles abgehandelt, was sich irgendwie ins Generationenklischee pressen lässt.
Eine Einführung in die aktuelle Generationendebatte
 
       
     
       
   
  • KUMMER, Gerhard (2001): Solo-Auftritt.
    Wer nach Jahren im Doppelpack plötzlich allein ist, muss sich in der Welt der Liebesabenteurer erst mal neu zurechtfinden. Einsichten eines frisch gebackenen Singles,
    in: Cosmopolitan Nr.11, November

Der männliche "swinging Single" ist bei Cosmopolitan out. Der männliche Single will eine feste Partnerschaft. Gerhard KUMMER erzählt deshalb wie er verlassen wurde und danach erst einmal ins "swinging Single"-Schema der Pubertät zurückfiel. Es findet sich eine schöne Anekdote zum Bedeutungswandel des Single-Begriffs:

"»Single-Toast«. Mir fiel vor Schreck die Packung aus der Hand. Natürlich braucht eine halbe Beziehung nur halb so viel Toast, aber müssen die einem das auch unter die Nase reiben? Wie wär's mit »Freedom-Toast«? Glücklich, ledig, knackig. Irgendwas Nettes, Aufmunterndes. Aber »Single-Toast« klingt nach Leuten, die beim Frühstück seit Jahren nur noch mit ihrem Salzstreuer flirten. Ich nahm die Familienpackung."

Das bringt das Problem der Marketing-Branche bei der Zielgruppenansprache genau auf den Punkt. KUMMER ist der Prototyp des Abonnementen von Fit for Fun ("Men's Health"), dessen dunkle Seite John von DÜFFEL in seinem neuen Roman Ego beschreibt. Das Single-Dasein muss zur Stählung des Bodies genutzt werden, um den Marktwert auf dem Partnermarkt zu steigern.

Damit nicht genug! Die "männliche Unbehaustheit" steht zur Disposition. Mit einem gemütlichen Zuhause verbindet man traditionellerweise nur die Single-Wohnung von Frauen, das war auch der Tenor aller Single-Studien, die ab den 80er Jahren im feministischen Umfeld durchgeführt wurden.

"Am nächsten Morgen fuhr ich direkt zu Ikea und kaufte den schicken PS-Teppich. Knallrot und kreisrund. Wohngefühl ist projiziertes Selbstgefühl."

Eine solche Aussage hätte man blindlings einer Frau zugeschrieben. KUMMER folgt in seinen Vorstellungen quasi dem feministischen Ideal des Alleinwohnens als Vorbedingung für die Partnerschaftsfähigkeit. Fast! Das Thema Hausarbeit fehlt.

 
       
   
  • LÜDERS, Kristin (2001): Wenn Schnucki putzt.
    Alle Männer, die das Putzen nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählen, können sich für die Länge dieses Textes zurücklehnen. Wenigstens eine Frau vergibt ihnen,
    in: Men's Health Nr.11, November

Hier erfährt man, warum KUMMER (siehe Cosmopolitan) das Thema Hausarbeit nicht erwähnt.
 
       
   
  • JEPSEN, Jan (2001): Auch Liebe kann man lernen.
    Ein Seminar für Singles. Es lehrt "die 7 goldenen Schlüssel, mit denen Liebe beginnt".
    in: Men's Health Nr.11, November

Hier merkt man gleich, dass ein Mann für eine Männer- und nicht für eine Frauenzeitschrift schreibt! Men's Health-Leser sind ansonsten geplagt mit fremdgehenden Frauen, zumindest in der Phantasie. In einem Artikel wird ihnen der Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Fremdgehfrequenz beigebracht und in einem anderen Beitrag erzählt ein Kinderloser, dem ein "Kuckuckskind" ins Nest gelegt wurde. Möglicherweise haben sie ja donnerstags den Stern gelesen oder im Max.
 
       
   
  • JACKSON, Joe (2001): It's Cocktale Time.
    Zu Besuch in Sodom und Gomorrha: Ein Gespräch mit "Sex and the City-Autorin Candace Bushnell,
    in: Rolling Stone Nr.11, November

 
       
   
BIZZ-Titelgeschichte: Was uns Mut macht.
Trotz Terror, Börsenflaute, Konjunkturtief. Das neue Wir-Gefühl der Ich-Gesellschaft
  • MERX, Stefan & Christian PIETSCHNER (2001): Was jetzt zählt.
    Werte. Terror, Kriegsangst, Börsensturz, Konjunkturkrise - in einem Jahr hat sich das Blatt gewendet. In der hedonistischen Generation hat Besinnung den Spaß verdrängt: Was ist noch wichtig? Sechs Menschen sprechen über ihre ganz persönlichen Werte,
    in: Bizz Nr.11, November

Das Wirtschaftsmagazin Bizz, dessen Hauptzielgruppe die Generation Golf ist, hat Max imitiert und das Themenspektrum um gesellschaftliche Themen erweitert.

Wie bereits in Max (04.10.2001) wird auch in Bizz ein Wechsel von der Ich- zur Wir-Gesellschaft verkündet. Dahinter steckt jedoch nicht primär der Terroranschlag und das Ende der Spaßgesellschaft, sondern eine schlichte demografische Tatsache: die Generation Golf tritt massenhaft in die Lebensphase "junge Familie" ein ("Generation Kombi").

Es ist nicht das erste Mal, dass der Lebensphasenwechsel einer Generation zum Gesellschaftswandel hochstilisiert wurde. Bereits vor 6 Jahren hat der Soziologe Holger RUST in seinem Buch Trendforschung den Werdegang der amerikanischen Baby-Boomer und deren mediale Inszenierung vom Yuppietum bis zur Familiengründung beschrieben.

In Deutschland ging es Anfang der 1990er Jahre dagegen um die so genannten 78er (Reinhard MOHR). Damals wurden ebenfalls Schwangere massenmedial inszeniert. Jetzt ist die Generation Golf dran...

  • MERX, Stefan & Christian PIETSCHNER (2001): Was jetzt zählt.
    Werte. Terror, Kriegsangst, Börsensturz, Konjunkturkrise - in einem Jahr hat sich das Blatt gewendet. In der hedonistischen Generation hat Besinnung den Spaß verdrängt: Was ist noch wichtig? Sechs Menschen sprechen über ihre ganz persönlichen Werte,
    in: Bizz Nr.11, November

  • NORMANN-SCHMITZ, Rüdiger (2001): Alles bleibt anders.
    Acht Lebenswelten, acht Tabus, die der Terror geschaffen hat. Sie sind nicht lang haltbar, sagen Experten. Die Ich-Gesellschaft kehrt zur Normalität zurück - mit neuem Selbstverständnis,
    in: Bizz Nr.11, November

  • PETERS, Stefanie (2001): Der Fluch der späten Geburt?
    Nachgefragt. Die Welt hat sich mit den Terroranschlägen verändert. Und die junge Spaßgesellschaft? Muss sie wieder politischer werden? Zwei Interviews, zwei Meinungen: Florian Illies, Autor des Bestsellers "Generation Golf", fordert zum Umdenken auf. Wolf Biermann, 68er und Liedermacher, sagt, wir könnten gar nicht genug Spaß haben,
    in: Bizz Nr.11, November

 
       
   

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Zu den News vom Oktober 2001

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

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