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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 01. - 15. November 2001

 
       
     
       
     
   
  • PETER, Stefanie (2001): In der Pole-Position.
    Wie der Lifestyle die Osterweiterung vorwegnimmt,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.11.
    • Kommentar:
      PETER berichtet über das Oktober-Heft von Wallpaper, das Polen zum Trend erhebt. Die Zielgruppe von Wallpaper - eine der international, führenden Lifestyle-Zeitschriften - umschreibt die Autorin als
      "Stadtbewohner, weit gereist, Single, zwischen fünfundzwanzig und vierzig, erfolgreich, markenbewußt und gut betucht".
      Dafür hat sich mittlerweile auch der Begriff "globaler Nomade" eingebürgert. "Single" dürfte hier jedoch weniger im Sinne von Partnerlosigkeit, sondern eher im Sinne von jenseits der Normalfamilie lebend, gemeint sein.
 
     
   
  • RIEDI, Stephanie & Thomas WIDMER (2001): Tabu!
    Wir wähnen uns in einer aufgeklärten Gesellschaft, in der man über alles reden kann. Ein Irrtum: Abseits des kollektiven Gequassels wuchern zahlreiche Tabus weiter.
    in: Facts Nr.26 v. 15.11.
    • Kommentar:
      Die Autoren liefern einen Beitrag zum Tabuwandel, bleiben dabei aber an der Oberfläche des Zeitgeistes.
                  Nur so ist es verständlich, wenn sie die Demontage der Tabus auf das Datum 1968 festlegen wollen. Der Tabubegriff wird identitätspolitisch verkürzt, und damit als Kampfbegriff gegen die Pluralisierung der Lebensformen missbraucht.
                  Was als Tabu bezeichnet wird, das sind deshalb die derzeitigen Modethemen: das Verdrängte der Spassgesellschaft oder die Attackierung des positiven Images von Alleinerziehenden (schließlich ist die NORMALfamilie der Leistungsträger der Gesellschaft!).
                  Prominente werden nach den großen Tabus unserer Gesellschaft befragt. Einzig Ida GUT kommt dem nahe, was der Begriff nahelegt:
                  «Vieles, aber darüber spricht man nicht, sonst wären es ja keine Tabus».
                  Die anderen Prominenten betätigen sich als "Tabubrecher" und kämpfen damit an der Tabufront.
 
   
  • HOLZAPFEL, Helmut (2001): Neue Beliebigkeit.
    Tendenzen in der Stadtplanung und der Glaube an die Verheißungen einer "New Gründerzeit",
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.11.
    • Inhalt:
      Eine Kritik an Harald BODENSCHATZ in der FAS vom 28.10.2001: der "New Urbanism" verfälscht die Prinzipien der Gründerzeitviertel, indem das Gegenteil der "durchlässigen und durchschaubaren Prinzipien der Gründerzeit" erreicht wird.
 
   
  • RÜHLE, Alex (2001): Flugzeuge im Bauch.
    Nach dem Unglück von Queens: Der Mensch kehrt auf die Erde zurück,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.11.
    • Kommentar:
      Ein weiterer Abgesang (siehe auch FAS vom 21.10.2001) auf den globalen Nomaden im Zeitalter des Fliegens anlässlich des Flugzeugabsturzes in New York am 12.11.2001.
                  RÜHLE liest uns aus einem imaginären geschichtlichen Nachschlagewerk des 22. Jahrhunderts vor und imitiert damit die Rahmenhandlung von HOUELLEBECQs "Elementarteilchen". Er blickt jedoch nur auf den Untergang der "Ikariden" zurück, das sind jene fiebrigen Wesen, die "nirgends zuhause, immer in Eile" sind und sich in "Denglisch" unterhalten.
                  RÜHLE greift bei seiner Technikkritik bis zur griechischen Mythologie zurück: Uns wird Daidalos als "Homo Faber" und sein Sohn Ikarus, der für die Hybris seines Vaters sterben muss, vorgestellt. RÜHLEs Zukunftsszenario ist Balsam auf die geschundenen Seelen der Entschleuniger:
                  "Der ungläubige Leser wird aus dem Fenster seines Dorfhäuschens in den kondensstreifenfreien Himmel schauen und denken, was es doch für verrückte Mythen und Märchen gibt; oder er sitzt an Bord des neuen, atlantiküberquerenden Liners, der für die Überfahrt nur sensationelle drei Tage braucht".
                  Und aus den Modernisierungsgewinnern von gestern werden die Modernisierungsverlierer von morgen:
                  "Das dezentrale Wuchern krakenhafter Suburbsiedlungen dürfte zunehmen. An deren fernem Horizont wird dann auch die verarmte Kaste all der ehemaligen Airline-Mitarbeiter hausen: Der Pilot und die Stewardess, ehedem Sexsymbole, markige Helden, freie Männer, teilen sich dann von ihrer Arbeitslosenhilfe ein Apartment in der Setzkastenarchitektur der globalen Vorstadt, die, tief im Gedächtnis ihrer Steine, noch die Erinnerung an einstürzende Hochbauten trägt."
                  Und natürlich war Michel HOUELLEBECQ wie immer seiner Zeit voraus und phantasierte bereits Mitte der 90er Jahre vom "globalen Dorf" (RÜHLE erwähnt nur die kulturpessimistische Variante von POSTMAN und nicht dessen Verfechter Marshall McLUHAN) New York:
                  "Mir war danach, in meinem Hotelzimmer zu bleiben, die Möwen anzuschauen, die quer über die verlassenen Hafenanlagen an den Ufern des Hudson River flogen. Ein sanfter Regen fiel auf die Lagerhäuser aus Ziegelstein; es war sehr besänftigend. Ich konnte mir durchaus vorstellen, mich unter einem dreckigen Himmel in einer riesigen Wohnung zu verschanzen, während am Horizont letzte sporadische Kämpfe verglühen."
                  RÜHLE nennt INROCKUPTIBLES als Quelle, aber die Passage findet sich auch in dem Essayband "Die Welt als Supermarkt" unter der Überschrift "Leerer Himmel". Dort heißt es auch:
                  "In New York wie in Rom spürt man trotz der scheinbaren Dynamik eine eigenartige Verfalls- und Todesstimmung, eine Endzeitstimmung."
                  Wo bleiben die Propheten der Erneuerung jenseits dieser zivilisationskritischen Nullsummenspiele?
 
   
  • BRIGITTE-Dossier: Einsamkeit - das große Tabu.
    Einsamkeit raubt uns das Selbstbewusstsein und stempelt uns zu Versagern. Einsamkeit kann jeden treffen, trotzdem wird sie verschwiegen. Sechs Frauen brechen das Schweigen,
    in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.

    • WERDES, Alexandra (2001): "In meiner Clique war ich nur noch Gast",
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.
    • HAEGELE, Anja (2001): "Wer verzweifelt nach Freunden sucht, der findet keine",
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.
    • HELD, Monika (2001): Einsamkeit tut weh.
      Alleinsein ist eine Kunst, Einsamkeit ein Makel. Man ist nicht einsam. Nicht in unserer Spaßgesellschaft,
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.
    • WOLFF, Harriet (2001): "Durch die Krankheit funktionierte ich nicht mehr in der Rolle",
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.
    • KOHL, Susanne (2001): "Plötzlich wurde ich nicht mehr zu Partys eingeladen",
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.
    • SCHÖNBERGER, Birgit (2001): "Einsamkeit ist ein verkleideter Tod",
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.
    • WIEDEN, Lotta (2001): "Da war immer diese Glaswand zwischen mir und den anderen",
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.
    • HAAKS, Nikola (2001): "Ich hatte nicht einmal mehr mich selbst".
      Barbara Thillmann erlitt einen totalen Gedächtnisverlust, der ihre letzten 35 Jahre einfach auslöschte. Wie einsam ist man ohne Erinnerungen?,
      in: Brigitte Nr.24 v. 14.11.
 
   
  • FUCHS, Peter & Jörg Mussmann (2001): Die fortlaufende Produktion der Scham.
    Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (3): Die Beobachtung, die der gealterte Körper erfährt, inflationiert. Es gibt keine Stufen der intimen Zugänglichkeit, die an bestimmte Personen gebunden wären, keinen Intimpass, mit dem sich regulieren ließe, vor wem man sich nun schämen müsste oder auch nicht
    in: TAZ v. 14.11.
 
   
  • KANTROWITZ, Barbara & Keith NAUGHTON (2001):
    Generation 9-11.
    The kids who grew up with peace and prosperity are facing their defining moment,
    in: Newsweek v. 12.11.
    • Kommentar:
      Douglas COUPLAND nannte sie "Generation Y", also jene Generation, die der "Generation X" nachfolgt. NEWSWEEK nennt sie nun nach dem 11. September "Generation 9-11".
 
   
  • KUPCZIK, Ingrid (2001): Die Frau im Haus erspart den Psychotherapeuten.
    Wissenschaftlich erwiesen: Nicht berufstätige Hausfrauen sind gut für die Gesellschaft,
    in: Welt am Sonntag v. 11.11.
 
   
  • DECKERT, Marc (2001): Okay, extrem okay.
    Bücher, Filme und die Werbung beschäftigen sich mit den 30-Jährigen. Die stellen fest: Wir wollen so bleiben, wie wir sind,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.11.
    • Inhalt:
      DECKERT, ein Angehöriger der Generation Golf, ist die "Thirtysomething-Kultur" in den Medien leid.
                  Von "Bridget Jones" über "Mondscheintarif" bis zu "Sex and the City" entsprechen die 30-Jährigen dem "Du-Darfst-Margarine-Werbung"-Klischee. Ihre Protagonistinnen haben alle moderne Berufe und sind finanziell abgesichert.
                  Auf diesen Grundvoraussetzungen basiert die "neue Kultur der Selbstvergewisserung", die Florian ILLIES mit seinem neuen Bestseller "Anleitung zum Unschuldigsein" auf den Punkt gebracht hat. Das ernüchternde Fazit von DECKERT:
                  "die Komödien unserer Generation lösen die Krisen eines Lebensalters, von denen sie angeblich handeln, überhaupt erst aus: Wenn so das Dasein als Erwachsener ist, dann wären wir nämlich lieber wieder jugendlich."
 
   
  • MONATH, Hans (2001): "Französinnen schütteln da nur mit dem Kopf".
    SPD-Politikerin Renate Schmidt fordert den Mentalitätswechsel zugunsten der Familien und EU-Standard in Deutschland
    in: Tagesspiegel v. 10.11.
 
   
  • KAST, Bas (2001): Wie funktioniert Verliebtheit?
    in: Tagesspiegel v. 10.11.
 
   
  • NZZ-Zeitfragen "Demographieszenarien fürs 21. Jahrhundert"

    • HEUSSER- MARKUN, Regula (2001): Die Alterung der Welt,
      in: Neue Zürcher Zeitung v.10.11.
      • Inhalt:
        HEUSSER-MARKUN beleuchtet u.a. die Irrtümer der Demografen:
                    "Prognosen aus den frühen sechziger Jahren stellten angesichts des damaligen Babybooms für die achtziger Jahre eine Bevölkerung von gegen 10 Millionen in Aussicht. Schul- und Spitalplanung richteten sich danach, manches musste später modifiziert werden, um Überkapazitäten zu vermeiden.
                    Bereits 1985 erschien dann ein Report unter dem Titel «Sterben die Schweizer aus?», gemäß welchem um 2010 nur mehr etwas über 4 Millionen Schweizer das Land bewohnen würden. Bevölkerungspolitische Maßnahmen wurden angeregt: Steuererleichterung, Mutterschutz, Kinderkrippen sollten die Gebärfreudigkeit heben.
        Inzwischen leben über 7 Millionen Menschen in der Schweiz, davon rund 6 Millionen Schweizer."
    • GROSS, Peter (2001): Grauer, aber bunter - kein Widerspruch.
      Das neue Altern und die Grenzen des Rechnens,
      in: Neue Zürcher Zeitung v.10.11.
    • MÜNZ, Rainer & Ralf ULRICH (2001): Die Schweiz im 21. Jahrhundert.
      Politik und Gesellschaft im Licht demographischer Prognosen,
      in: Neue Zürcher Zeitung v.10.11.
 
   
  • REIMER, Melanie (2001): Ledig, 30 Jahre alt, mit häuslichen Fähigkeiten.
    Sven Stöter mit Besen auf dem Rathausplatz
    in: Schweriner Volkszeitung v. 09.11.
    • Inhalt:
      Bericht über das Junggesellen-Brauchtum in Hagenow
 
   
  • TOMORROW (2001): Kult: "Sex and the City"-Sites.
    Die besten und bösesten Links für Singles: Alles über die Erfolgsserie "SatC" im Web - zum Mitreden und Chatten,
    in: Tomorrow Nr. 24/25 v. 08.11.
 
     
   
  • SAARBRÜCKER ZEITUNG (2001): Bär sucht Honigtopf.
    Kontaktanzeigen als Spiegel der Gesellschaft?
    in: Saarbrücker Zeitung v. 07.11.
 
   
  • Vorstellung der Studie "Freizeit-Monitor 2001"

    • Kommentar:
      Alle Jahre wieder, so verlässlich wie Weihnachten, erscheint im November das Neueste aus dem Hause OPASCHOWSKI, dem B.A.T.-Freizeitforschungsinstitut. Mit dem Sexappeal eines Paukers der 50er Jahre verkündet der Pädagoge seine Umfrage, die nichts anderes als der Widerhall der Medien in den Köpfen der Befragten ist.
                  Der "Cocooning-Forscher" OPASCHOWSKI ist der geistige Bruder von HOUELLEBECQ, der dieser Tage forderte Afghanistan mit Miniröcken und Seidenstrümpfen zu bombardieren, um die Moral der Taliban zu zersetzen. OPASCHOWSKI macht nichts anderes, nur dass er uns mit seinen "Immer mehr"-Verkündungen bombardiert, die bereits seit Monaten unablässig aus den Medien schallen: "Single war gestern" heißt es. Es gibt nur ein Problem:
      Einstellungen und Verhalten haben wenig miteinander zu tun!
      Mit der Umfrageforschung erfasst man in erster Linie, ob die Leute auch behalten haben, was ihnen die Medien so die Tage und Wochen vor der Befragung ins Ohr gepustet haben. Fragt man einen Raucher danach, ob Rauchen gesund sei, so wird er sofort wissen, was er als moralisch korrekte Antwort aufzusagen hat, was ihn jedoch nicht daran hindert, sofort darauf eine Zigarette anzuzünden.
                  "Der Zenit der Vereinzelung, der Kinderlosigkeit und Anti-Familienstimmung ist überschritten", wird OPASCHOWSKI im Tagesspiegel zitiert. Dazu bedarf es keiner Umfrageforschung, sondern nur soziodemographischer Daten.
                  Der Anstieg der Singles im mittleren Lebensalter wird nicht mehr in dem Masse stattfinden wie bisher. Das hat jedoch nichts mit Einstellungsänderungen zu tun, sondern mit der Altersstruktur der Bevölkerung.
                  Kinderlosigkeit wird weiterhin ein beliebtes Thema sein, denn dafür sorgt bereits die sozialpolitische Debatte. Die Anti-Familienstimmung ist in erster Linie ein Medienprodukt zur Stärkung des Familialismus. Das Feindbild Single dient zur Stärkung der familiären Identität. Sobald sozialpolitische Entscheidungen anstehen wird das Klischee "Single-Gesellschaft" wieder aktualisiert.
                  Entscheidender für Singles sind die Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt und gesetzliche Änderungen, die Singles diskriminieren. Um darüber informiert zu sein, benötigen wir OPASCHOWSKIs Umfrageergebnisse ebenfalls nicht. Eine Studie für den Mülleimer also...
      • DOHMEN, Holger (2001): Die jungen Sinnsucher.
        Familie, Pflicht, Fleiß - traditionelle Werte erleben eine Renaissance,
        in: Hamburger Abendblatt v. 07.11.
      • TAGESSPIEGEL (2001): Der Trend geht wieder zur Familie.
        Freizeitforscher: Deutsche besinnen sich auf alte Werte,
        in: Tagesspiegel v. 07.11.
      • DPA (2001): Auf der Suche nach dem inneren Frieden.
        Umfrage: Die Deutschen ziehen sich ins Private zurück und beschäftigen sich mit Sinnfragen,
        in: Frankfurter Rundschau v. 07.11.
 
   
  • MICHELS, Claudia (2001): Neue Inhaber, neues Konzept, neue Zielgruppe.
    Zeil-Galerie will verstärkt junge Familien mit Geld und Singles ins Haus locken - auch mit dem Skyline-Blick,
    in: Frankfurter Rundschau v. 07.11.
    • Kommentar:
      Die Zeil-Galerie in Frankfurt soll attraktiver werden für die "Urban Shoppers", d.h. Singles und "junge Familien mit gutem Einkommen".
                  Was Monika ALISCH mit dem Begriff "Family-Gentrification" in die deutsche Soziologie eingeführt hat, das ist inzwischen auch bei den Marketingstrategen angekommen, einzig Sozialpolitiker leugnen die Tatsache, dass auch Familien zu den Modernisierungsgewinnern gehören. Noch immer nicht angekommen, weder bei den Marketingstrategen noch bei den Sozialpolitikern ist die Tatsache, dass viele Singles - in erster Linie männliche Alleinlebende - zu den Modernisierungsverlierern gehören.
 
   
  • FUCHS, Peter & Jörg MUSSMANN (2001): Die Realität der Hochglanzbroschüren.
    Aufzeichnungen aus Pflegehäusern (2): Der Altenbetrieb ist nur effizient, wenn es ihm gelingt, Zeit in unentwegte Repetition gerinnen zu lassen. Am besten wäre es, alles könnte mit allen gleichzeitig verrichtet werden, aber da dies nicht geht, muss in schmalen Zeitfenstern sequenziert werden
    in: TAZ v. 07.11.
 
   
  • FORD, Richard (2001): In der Angstfalle.
    Amerikas Vorstädte im Licht der Katastrophe,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.11.
    • Inhalt:
      Der 68er Richard FORD sieht in der multilokalen Mehrgenerationen-Familie und den amerikanischen Vorstädten eine Sackgasse:
                  "Wir haben Homogenität, die Isolation der Generationen, einen unreservierten Sitzplatz im Frühzug und das Mantra des 'Hier wird schon nichts passieren' in Kauf genommen, um sorglos leben zu können. Die Vororte sind das Nirwana der urbanen Neurosen".
                  FORD fordert deshalb ein Umdenken:
                  "Wir sollten in dieser Situation versuchen, in großem und kleinem Maßstab darüber nachzudenken, wer zu uns gehört und wer nicht und was wir überhaupt unter einer Gemeinschaft verstehen."
 
   
  • HERMANN, Lutz (2001): Allein, aber nicht einsam.
    Immer mehr Singles in Frankreich suchen einen Partner. In jeder dritten Pariser Wohnung lebt mittlerweile ein Alleinstehender,
    in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 06.11.
 
   
  • EICHHORN, Roland (2001): Auch Einsamkeit macht krank.
    Für Herzinfarkte sind zahlreiche psycho-soziale Faktoren mitverantwortlich
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.11.
    • Kommentar:
      "Der US-Arzt Dean Ornish hat in einer Vielzahl von Studien aus aller Welt den großen Einfluss von sozialer Isolation und fehlendem menschlichen Rückhalt herausgestellt. Auch für die Herzerkrankungen gilt: Isolation macht krank, Verbundenheit und Nähe (sogar mit Haustieren) wirkt als Gesundheitsschutz", schreibt EICHHORN.
                  Normalerweise wird zwischen sozialer Isolation als objektivem Tatbestand der Kontaktlosigkeit und Einsamkeit als einem subjektiven Gefühl unterschieden.
                  Der Slogan "Lieber allein, als gemeinsam einsam" weist darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen beiden Phänomen nicht sehr eng ist. Unerwünschte Unterstützung ist ebenfalls ein Stressfaktor, dem aber angesichts der sozialpolitisch verzerrten Single-Debatte keine Aufmerksamkeit zuteil wird. Gerade Untersuchungen, die mit objektiven Faktoren arbeiten, sitzen gravierenden Fehlschlüssen auf.
                  Wenn es um das subjektive Phänomen Einsamkeit geht, dann ist durchaus mit negativen Folgen im Sinne von ORNISH zu rechnen.
 
   
  • DEGEN, Rolf (2001): Selbstverliebte sind die schlechteren Lover.
    Die Neigung zur eigenen Person überträgt sich nicht auf andere,
    in: Tagesspiegel v. 06.11.
    • Kommentar:
      DEGEN interpretiert das psychoanalytische Konzept "Narzissmus" im Sinne des sozialpsychologischen Konzepts "Selbstwert", um daraus zu folgern, dass die narzisstische Selbstliebe keine Steigerung der Liebesfähigkeit, sondern zunehmende Gewalt zur Folge hat.
                  Dies passt zum gegenwärtigen Zeitgeist, der das Etikett "Narzissmus" zu dämonisieren versucht. Deshalb ist es nicht verkehrt, wenn man einen Artikel von Thomas ZIEHE aus dem Jahr 1978 heranzieht, denn die damalige historische Situation trägt durchaus vergleichbare Züge zur heutigen Situation.
                  In dem Essay "Warum sich mir die Feder sträubt. Bedenken über den Zusammenhang Neue Lebensformen - Neuer Sozialisationstyp" wehrt sich der Erfinder des Terminus "Neuer Sozialisationstyp" gegen die Vereinnahmung seiner Narzissmus-These:
                  "Ich frage mich (...) warum wir so begierig sind, die Diskussion über Subjektivität zu führen. Sicherlich nicht nur aus intellektueller Redlichkeit (...). Ich glaube schon, daß in der Beschäftigung mit solcher Thematik eigene, exhibitionistisch aufgeblähte oder intim verborgene Emanzipationshoffnungen miteingehen. Wenn man schon Intellektueller ist und soviel am Schreibtisch sitzen muß - dann wenigstens 'über die Wünsche' schreiben. Nur, was ist, wenn sich dieses Schreiben über die Wünsche als derart absorbierend herausstellt, daß man nicht einmal den (theoretisch als arg zugerichtet erkannten) höchsteigenen Bedürfnissen nachzukommen vermag? Man wird traurig. Und einige werden rachsüchtig.
      Bezogen auf die Narzißmus-Diskussion heißt das meines Erachtens: Die nicht mehr ganz so jungen Linken (und von denen, die veröffentlichen, dürften fast alle dazu zählen) sollten gewahr werden, daß sie sich in der begrifflichen Erarbeitung der Sehnsucht nach Symbiose, des 'ozeanischen Gefühls', der idealisierenden Spiegelung brisanten Tiefendimensionen des eigenen arbeitssamen und damit irgendwie entsagungsreichen Lebens nähern. Sollte mancher von der Angst beschlichen werden, je älter er würde, desto weiter entferne er sich von den Regressionsmöglichkeiten in die narzißtischen Geborgenheiten, so lasse er dies bitteschön nicht an den Jüngeren aus.
      Ich schreibe dies in der Sorge, die Rede vom Neuen Sozialisationstyp könne zum schillernden Instrument reduziert werden: einerseits fasziniert die Narzißmus-Dimension vor dem Hintergrund eigener Hoffnungen und -erinnerungen, andererseits kriegt der Jüngere, der 'NST', einen drüber, daß es so ja nun auch nicht ginge.
      Die These über den Neuen Sozialisationstyp will narzißtische Motivstrukturen, Leidensdimensionen und Modi von Objektbeziehungen verstehbar machen (...). Die These will nicht diskriminieren und schon gar nicht eine neue Folie für die immerwährende Klage der Älterwerdenden abgeben, daß die Jugend nicht mehr so sei, wie man selbst meint, gewesen zu sein." (aus: Ästhetik und Kommunikation. Neue Lebensformen - Wunsch und Praxis, Dezember 1978, S.49-54).
 
     
   
  • HAGER, Angelika & Edith MEINHART (2001): "Mann und Frau sind verschieden".
    Trendforscherin Faith Popcorn über Lifestyle, Luxus und Statussymbole nach dem 11. September,
    in: Profil Nr.45 v. 05.11.
    • Kommentar:
      POPCORN ist das One-Word-Wonder der Trendforschung.

                  Sie hat in den 80er Jahren den Begriff "Cocooning" erfunden und lebt seitdem gut davon. Wäre sie in der Steinzeit geboren worden, dann wäre uns der Begriff wahrscheinlich unter alten Höhlenzeichnungen begegnet. POPCORN beherrscht die Kunst, aus der simplen Tatsache, dass Menschen in Häusern leben, eine Cocooning-Industrie gemacht zu haben. Seit den 80ern ist Cocooning der Trend und nach dem 11. September? Klar doch! Noch mehr Trend vom gleichen. "Faith Popcorn Cocooning Home Office" heisst die neueste Kreation aus dem Cocooning-Imperium.
                  Würde man einen Alt-68er fragen, dann hat der Trend bereits Ende der 60er Jahre begonnen, denn Cocooning ist schlichtweg die These vom Rückzug ins Private, gewendet in die Lifestyle-Sprache.
                  (Der "Trendforscher" Holger RUST hat seiner "Kollegin" POPCORN ein ganzes Kapitel in seiner Kritik an der Trendforschung gewidmet)
                  Es gibt jedoch einen Bedeutungswandel des Begriffs "Cocooning" und das ist das eigentlich Interessante.
                  Im Jahr 1997 erschien das SPIEGEL SPECIAL "Wohnen 2000: Heim ins Heim", das sich ausführlich mit dem Phänomen "Cocooning" beschäftigt. Im Artikel "Wohnen statt Leben" wird der Freizeitforscher OPASCHOWSKI zum trendigen "Cocooning-Forscher". Es ist eine übellaunige "Reportage", die heute unter die Formel vom "Ende der Spassgesellschaft" fallen würde.
                  Im Mittelpunkt steht die 56jährige alleinlebende Single-Frau Gerlinde, arbeitslose Ex-Mitarbeiterin einer Werbeagentur (also eine Story, die dem Yuppie-Skript folgt), die im Hamburger Stadtteil St.Georg wohnt. Rezessionsbedingt ist sie zum erzwungenen Cocooning verdammt:
                  "Doch neben das Luxus-Cocoonging im Penthouse der Gesellschaft tritt, rezessionsbedingt, mehr und mehr erzwungenes Cocooning in den unteren Etagen: Wo die Abgaben steigen und die Kaufkraft schrumpft während Bus und Bier, Konzert und Kino teurer werden, sehen sich die Ärmeren gleichsam zu Wohn-Haft verurteilt, im Extremfall gar lebenslänglich."
                  Der Autor subsumiert "gated communities" genauso unter das Phänomen wie das Stubenhockertum der "Cocooning-Generation". Solches Cocooning führt nach Ansicht des Autors bei "unreifen Hedonisten" sogar zu kriminellen Handlungen.
                  Im Beitrag "Einsame Adler. Cyber-Cocooning: Der Computer bringt jedem die City ins Haus" von Gundolf S. FREYERMUTH wird bereits der Trend beschrieben, für den jetzt POPCORN mit ihrem "Faith Popcorn Cocooning Home Office" die Infrastruktur verkaufen möchte. Die sogenannte "City of Bites" (William J. MITCHELL) ist kein neuer Trend, sondern Ziel der New-Economy-Aktivitäten.
                  Demografen behaupten, dass der Geburtenrückgang zu einem verstärkten Kampf um Wohnraum in wenigen florierenden Städten führen würde. Demografen beziehen in ihre Überlegungen dabei jedoch nicht die Folgen der Netzwerkgesellschaft mit ein, d.h. ihre Szenarios gehen an der zukünftigen Entwicklung vorbei.
                  In dem Artikel "Loft und Liebe" wird das Gegenmodell zum Cocooning entworfen: die Mischung von Leben und Arbeiten im Rahmen der Familie. Bei POPCORN fällt aber auch dieses Loft-Living unter die Rubrik "Cocooning". Während also der SPIEGEL das Cocooning als übles Phänomen der Single-Gesellschaft einer Familienidylle gegenüberstellt, wird es nun von POPCORN als Errungenschaft der Familiengesellschaft gepriesen.
                  Das ist alles nicht neu, sondern nur der Spot der Aufmerksamkeit belichtet jetzt nicht mehr den bösen Single, sondern die heilige Familie.
 
   
  • ESSIG, Rolf-Bernhard (2001): Der unglückliche Mann.
    Tiefschürfende "Herrengeschichten" von Sibylle Berg,
    in: Berliner Illustrierte Zeitung. Beilage zur Berliner Morgenpost v. 04.11.
 
   
  • PEITZ, Christiane (2001): Außer Atem.
    Keine Kompromisse: Nach seinem hochgelobten Film "Die Unberührbare" schockiert Oskar Roehler seine Fans jetzt mit der trashigen Berlin-Farce "Suck my dick". Besuch bei einem ungeduldigen Kino-Junkie
    in: Tagesspiegel v. 04.11.
 
   
  • ME (2001): Sind Männer vom Aussterben bedroht?
    Die Lebensspanne zwischen Mann und Frau öffnet sich immer weiter. Bericht vom ersten Weltkongress zur Gesundheit des männlichen Geschlechts

    in: Welt am Sonntag v. 04.11.
    • Kommentar:
      Die Schlagzeile ist irreführend, denn es geht nicht ums Aussterben, sondern um die statistische Tatsache, dass Männer eine geringere Lebenserwartung haben als Frauen.
                  Es sieht ganz danach aus, dass die Gesundheitsindustrie an dieser "statistischen Tatsache" verdienen möchte, wenngleich das Problem nicht mit einer besseren Prävention zu lösen ist. Man muss nur nach New York und die USA blicken. Dort sind FeuerwehrMÄNNER gestorben und es sind SoldatEN, die nach Afghanistan geschickt werden! Paul-Hermann GRUNER hat das als "Ganzkörper-Prostitution der Männer" bezeichnet.
                  "Eine Verbesserung der Klonierungs-Techniken und kürzlich gemeldete Erfolge zur Vermehrung eines Säugetiers aus unbefruchteten Eizellen könnten sogar die biologische Rechtfertigung zur Existenz von Männern infrage stellen. Vielleicht spüren Männer diese Gefahr bereits. Unter der Überschrift 'Sind Männer die neuen Frauen?' untersuchte eine kanadische Journalistin kürzlich das Phänomen, dass immer mehr Frauenthemen in bekannten Männerzeitschriften erscheinen."
                  Was beide Sachverhalte miteinander zu tun haben, ist nicht ersichtlich. Letzteres ist jedoch tatsächlich festzustellen (was nicht nur auf Männerzeitschriften beschränkt ist! Siehe z.B. KUMMER in der COSMOPOLITAN vom November 2001). Das hat aber in erster Linie mit der Tatsache der vermehrten finanziellen Autonomie von Frauen und der damit verbunden Veränderung der Machtbalance zu tun und nichts mit der biologischen Rechtfertigung von Männern.
 
   
  • TEMPERLI, Silvio (2001): Das Zuhause für betagte Menschen.
    Selbständig älter werden in einer günstigen Wohnung: Das ermöglicht die Stiftung Alterswohnungen der Stadt Zürich. Doch die Wartelisten sind lang,
    in: Tages-Anzeiger v. 03.11.
 
     
   
  • NOLTE, Barbara (2001): Neue Mütter hat das Land.
    Und Gruner + Jahr hat für sie eine Zeitschrift entwickelt: "Mom",
    in: Tagesspiegel v. 02.11.
    • Kommentar:
      NOLTE versucht die Zielgruppe von "Mom" anhand der Soaps "Dallas" und "Lindenstraße" einzugrenzen. "Mom" richtet sich an die "Lindenstraße"-Fraktion.
                  Man kann die Zielgruppe aber auch anders eingrenzen: das neue Frauenmagazin richtet sich an die "Generation Kombi", d.h. an die "Generation Golf" in der Lebensphase "junge Familie". Deshalb kann man bei einem Spiel auch eine Haushaltshilfe für ein Jahr gewinnen. Bleibt abzuwarten, ob diese pragmatischen Mütter ein solches Blatt benötigen. Hessen entscheidet das für die ganze Republik.
 
   
  • SCHRÖDER, Susanne (2001): Generation?
    X, @, E, Golf, Silver Surfer, Fanta: Wissen Sie, zu welcher Generation Sie zählen? Eine spielerische Bestandsaufnahme eines Lifestyle-Phänomens,
    in: Madame Nr.11, November, S.50-54
    • Inhalt:
      SCHRÖDER fasst Generationen als Lifestyle-Gruppen auf, die nach Meinung der Autorin im Zeitalter der Globalisierung und multikultureller Nationen bedeutungslos geworden sind. Vom Yuppie bis zum Bobo wird alles abgehandelt, was sich irgendwie ins Generationenklischee pressen lässt.
 
   
  • WILHELM, Ulrike (2001): Flieg in meine Arme.
    Wieviel Nähe braucht die Liebe? Wie viel Distanz kann sie ertragen? Vier Paare, die zwischen 15 und 6500 Kilometer auseinander leben, erzählen von Sehnsucht, Leidenschaft - und warum es (trotzdem) klappt,
    in: Cosmopolitan Nr.11, November
    • Kommentar:
      WILHELM hat Ergebnisse der Studie von Norbert F. SCHNEIDER in ihren Bericht über Distanzbeziehungen (Living apart together/LAT) einfließen lassen und einige besser verdienende Paare befragt.
                  Mehr Erfahrungsberichte finden sich bei Karin FREYMEYER & Manfred OTZELBERGER sowie bei Franziska PFEIFFER.
                  Wilhelm sieht in diesen LAT-Beziehungen keinen Ausdruck von Karrieresucht und Egoismus der "Generation Golf" (davon abgesehen ist das auch gar keine Erfindung dieser Generation, sondern eine Folge der Bildungsreform in den 60er Jahren, von der in erster Linie Frauen - und nicht die Arbeiterschicht - profitierten).
                  WILHELM stimmt mit Michael MARY damit überein, dass LAT-Paare dem romantischen Liebesideal folgen. MARY sieht in der Distanz eine Voraussetzung für Leidenschaft. Nähe ist dagegen ein Leidenschaftskiller. Die Nähe-Distanz-Thematik ist aber nur eine von vielen Faktoren, die solche Beziehungen bestimmen.
 
   
  • KUMMER, Gerhard (2001): Solo-Auftritt.
    Wer nach Jahren im Doppelpack plötzlich allein ist, muss sich in der Welt der Liebesabenteurer erst mal neu zurechtfinden. Einsichten eines frisch gebackenen Singles,
    in: Cosmopolitan Nr.11, November
    • Kommentar:
      Der männliche "swinging Single" ist bei COSMOPOLITAN out. Der männliche Single will eine feste Partnerschaft. KUMMER erzählt deshalb wie er verlassen wurde und danach erst einmal ins "swinging Single"-Schema der Pubertät zurückfiel.
                  Es findet sich eine schöne Anekdote zum Bedeutungswandel des Single-Begriffs:
                  "»Single-Toast«. Mir fiel vor Schreck die Packung aus der Hand. Natürlich braucht eine halbe Beziehung nur halb so viel Toast, aber müssen die einem das auch unter die Nase reiben? Wie wär's mit »Freedom-Toast«? Glücklich, ledig, knackig. Irgendwas Nettes, Aufmunterndes. Aber »Single-Toast« klingt nach Leuten, die beim Frühstück seit Jahren nur noch mit ihrem Salzstreuer flirten. Ich nahm die Familienpackung."
                  Das bringt das Problem der Marketing-Branche bei der Zielgruppenansprache genau auf den Punkt.
                  KUMMER ist der Prototyp des Abonnementen von "Fit for Fun" ("Men's Health"), dessen dunkle Seite John VON DÜFFEL in seinem neuen Roman "Ego" beschreibt. Das Single-Dasein muss zur Stählung des Bodies genutzt werden, um den Marktwert auf dem Partnermarkt zu steigern.
                  Damit nicht genug! Die "männliche Unbehaustheit" steht zur Disposition. Mit einem gemütlichen Zuhause verbindet man traditionellerweise nur die Single-Wohnung von Frauen, das war auch der Tenor aller Single-Studien, die ab den 80er Jahren im feministischen Umfeld durchgeführt wurden.
                  "Am nächsten Morgen fuhr ich direkt zu Ikea und kaufte den schicken PS-Teppich. Knallrot und kreisrund. Wohngefühl ist projiziertes Selbstgefühl."
                  Eine solche Aussage hätte man blindlings einer Frau zugeschrieben.
                  KUMMER folgt in seinen Vorstellungen quasi dem feministischen Ideal des Alleinwohnens als Vorbedingung für die Partnerschaftsfähigkeit. Fast! Das Thema Hausarbeit fehlt...
 
   
  • LÜDERS, Kristin (2001): Wenn Schnucki putzt.
    Alle Männer, die das Putzen nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen zählen, können sich für die Länge dieses Textes zurücklehnen. Wenigstens eine Frau vergibt ihnen,
    in: Men's Health Nr.11, November
    • Kommentar:
      Hier erfährt man, warum KUMMER (siehe COSMOPOLITAN) das Thema Hausarbeit nicht erwähnt...
 
   
  • JEPSEN, Jan (2001): Auch Liebe kann man lernen.
    Ein Seminar für Singles. Es lehrt "die 7 goldenen Schlüssel, mit denen Liebe beginnt".
    in: Men's Health Nr.11, November
    • Kommentar:
      Hier merkt man gleich, dass ein Mann für eine Männer- und nicht für eine Frauenzeitschrift schreibt! Men's Health-Leser sind ansonsten geplagt mit fremdgehenden Frauen, zumindest in der Phantasie. In einem Artikel wird ihnen der Zusammenhang zwischen Haarfarbe und Fremdgehfrequenz beigebracht und in einem anderen Beitrag erzählt ein Kinderloser, dem ein "Kuckuckskind" ins Nest gelegt wurde. Möglicherweise haben sie ja donnerstags den STERN gelesen oder im MAX.
 
   
  • JACKSON, Joe (2001): It's Cocktale Time.
    Zu Besuch in Sodom und Gomorrha: Ein Gespräch mit "Sex and the City-Autorin Candace Bushnell,
    in: Rolling Stone Nr.11, November
 
   
BIZZ -Titelgeschichte: Was uns Mut macht.
Trotz Terror, Börsenflaute, Konjunkturtief. Das neue Wir-Gefühl der Ich-Gesellschaft
  • MERX, Stefan & Christian PIETSCHNER (2001): Was jetzt zählt.
    Werte. Terror, Kriegsangst, Börsensturz, Konjunkturkrise - in einem Jahr hat sich das Blatt gewendet. In der hedonistischen Generation hat Besinnung den Spaß verdrängt: Was ist noch wichtig? Sechs Menschen sprechen über ihre ganz persönlichen Werte,
    in: BIZZ Nr.11, November
    • Kommentar:
      Das Wirtschaftsmagazin BIZZ, dessen Hauptzielgruppe die "Generation Golf" ist, hat MAX imitiert und das Themenspektrum um gesellschaftliche Themen erweitert.
                  Wie bereits in MAX (04.10.2001) wird auch in BIZZ ein Wechsel von der Ich- zur Wir-Gesellschaft verkündet. Dahinter steckt jedoch nicht primär der Terroranschlag und das Ende der Spaßgesellschaft, sondern eine schlichte demografische Tatsache: die Generation Golf tritt massenhaft in die Lebensphase "junge Familie" ein ("Generation Kombi").
                  Es ist nicht das erste Mal, dass der Lebensphasenwechsel einer Generation zum Gesellschaftswandel hochstilisiert wurde. Bereits vor 6 Jahren hat der Soziologe Holger RUST in seinem Buch "Trendforschung" den Werdegang der amerikanischen Baby-Boomer und deren mediale Inszenierung vom Yuppietum bis zur Familiengründung beschrieben.
                  In Deutschland ging es Anfang der 90er Jahre dagegen um die so genannten "78er" (Reinhard MOHR). Damals wurden ebenfalls Schwangere massenmedial inszeniert.
                  Jetzt ist die Generation Golf dran...
  • MERX, Stefan & Christian PIETSCHNER (2001): Was jetzt zählt.
    Werte. Terror, Kriegsangst, Börsensturz, Konjunkturkrise - in einem Jahr hat sich das Blatt gewendet. In der hedonistischen Generation hat Besinnung den Spaß verdrängt: Was ist noch wichtig? Sechs Menschen sprechen über ihre ganz persönlichen Werte,
    in: BIZZ Nr.11, November
  • NORMANN-SCHMITZ, Rüdiger (2001): Alles bleibt anders.
    Acht Lebenswelten, acht Tabus, die der Terror geschaffen hat. Sie sind nicht lang haltbar, sagen Experten. Die Ich-Gesellschaft kehrt zur Normalität zurück - mit neuem Selbstverständnis,
    in: BIZZ Nr.11, November
  • PETERS, Stefanie (2001): Der Fluch der späten Geburt?
    Nachgefragt. Die Welt hat sich mit den Terroranschlägen verändert. Und die junge Spaßgesellschaft? Muss sie wieder politischer werden? Zwei Interviews, zwei Meinungen: Florian Illies, Autor des Bestsellers "Generation Golf", fordert zum Umdenken auf. Wolf Biermann, 68er und Liedermacher, sagt, wir könnten gar nicht genug Spaß haben,
    in: BIZZ Nr.11, November
 
       
       
   

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