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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 1. - 15. Oktober 2002

 
       
     
   
Zitat des Monats:
"Einer meiner ersten bezahlten Jobs bestand in der freien Mitarbeit als Szene-Reporterin in der Frankfurter Prinz-Redaktion. Auch dort wurden Lifestyle-Trends gemacht beziehungsweise frei erfunden. Oder gab es sie wirklich? Man konnte nie sicher sein, was zuerst da war, der Trend oder die Idee des Trends."
(Katja Kullmann in "Generation Ally", 2002)
 
       
     
     
   
  • KRAUSE, Tilman (2002): Ein literarischer Alptraum wird wahr.
    Bali bestätigt die Prophezeiungen aus Michel Houellebecqs letztem Roman "Plattform",
    in: Welt v. 15.10.
  • MEISTER, Martina (2002): Geheul.
    Bali und Houellebecqs Insel,
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.10.
 
   
  • DIETRICH, Stefan (2002): Das Familiengrab,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.10.
    • Kommentar:
      Noch ein Leitartikel zum Thema Ehegattensplitting.
      DIETRICH verteidigt die Hausfrauenehe. Ihm geht es jedoch weniger um die Ehe im Allgemeinen, sondern um die Ehen der Manager und sonstigen Bestverdienern.

                  Ginge es um die Ehe, dann müsste sich DIETRICH fragen lassen, warum zwar ein Sturmlauf gegen die Änderung des Ehegattensplittings, nicht aber gegen die Beschränkung der Eigenheimzulage stattgefunden hat. In beiden Fällen geht es um die Verteidigung der Ehe, aber nur bei ersterer haben die Bestverdiener materielle Einbussen in größerem Umfang hinzunehmen, während die Eigenheimzulage eher Otto Normalbürger trifft.
                  Während es beim Ehegattensplitting um eine Verhandlungsmasse von nur 1,5 Mrd Euro ging, geht es bei der Eigenheimzulage um ca. 6,5 Mrd Euro. Der Sturm der Entrüstung steht also in keinem Verhältnis zu dem Geldwert.
                  Allein die Tatsache, dass es um ganz unterschiedliche Interessengruppen geht, macht die Empörung verständlich.
                  Karin NUNGEßER (FREITAG vom 11.10.2002) spitzt es dagegen anders zu, wenn sie zur Debatte schreibt:
                  "Womöglich sagt die ventilierte Aufregung mehr über Lebensmodelle und die Gehälter von RedakteurInnen bei großen Zeitungen aus als über den tatsächlichen Sachverhalt".     
 
     
   
  • PETROPULOS, Kostas (2002): Grünes Räuberlatein.
    Der Kulturkampf gegen das Ehegatten-Splitting hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun,
    in: Welt v. 14.10.
 
   
  • WATSON, Noshua (2002): Generation X.
    Generation Wrecked. The so-called slackers are complaining (again) about the economy. This thime they have reason to whine,
    in: Fortune v. 14.10.
 
     
     
   
  • LOICHINGER, Stephan  (2002): "Ich hatte hier nie etwas zu tun".
    Thor Kunkel verarbeitete seine Jugenderinnerungen im Gallus in einem Roman,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.10.
    • Inhalt:
      LOICHINGER geht anhand des Romans "Schwarzlicht-Terrarium" der Frage nach, warum der Frankfurter Stadtteil Gallus im Volksmund "Kamerun" heißt:
                  "Kunkel erzählt ein paar Monate im Leben einiger Leute aus dem Kamerun, Kuhl, Rio, Eddie, Sonny, Ilse, im Jahr 1979. Eigentlich erzählt Kunkel in konzentrierter Form seine eigene Jugend und das, was er gesehen, erlebt, gehört hat im Kamerun und in Frankfurt. Ja, Kamerun liegt im Gallus: Friedrich-Ebert-Siedlung, Hellerhof-Siedlung, all die Arbeiter-Blocks zwischen der A 5 und den Eisenbahngleisen. Warum die Gegend Kamerun heißt, dafür gibt »Schwarzlicht-Terrarium« mögliche Erklärungen: wegen der kaffigen Zustände, der Schändung von Frauen durch ein »Mohren-Bataillon«, weil jenseits der Galluswarte letztlich der Pfeffer wachse."
 
   
  • WINKELMANN, Ulrike (2002): Die Mutti-Vati-Bahn.
    Als Im-Gang-Hocker durften wir uns zu Recht empören - als Vielzuvielzahler sind wir einfach nur blöd,
    in: TAZ v. 12.10.
    • Inhalt:
      Ulrike WINKELMANN kritisiert die Bahnkreisreform, denn sie "wird den Graben zwischen Familien und Singles weiter vertiefen. Nur Menschen, zu deren Lebensplanung ab dem 15. Dezember es gehört, in Kleingruppen zu verreisen, können der Bahnpreisrevolution etwas abgewinnen. Denn dass Kinder demnächst irgendwie nahezu umsonst mitfahren, ist das, was die PR-Manager und Verteidiger der Bahn immer als Erstes vorbringen.
                  Die Voll- und Teilzeitsingles aber werden ihrer Freiheit beraubt, sich wie Teil- oder Vollzeitsingles zu benehmen und Reisetermine spontan zu bestimmen. Und wenn wir dies beklagen, müssen wir uns jetzt auch noch von Familienmüttern und -vätern sagen lassen, wir seien asozial, weil wir ihnen den Rabatt nicht gönnen! »Ideologische Verblendung«, hielt mir gar mein Kollege - zweifacher Vater - vor, weil ich darauf beharrte, Spontanreisen sei ein Wert an sich und kein bloßes Konsumfeature. Klassisches Beispiel von teile und herrsche: Die Kunden der Bahn werden in Kasten zerspalten, und eine ungleiche Verteilung von Privilegien sorgt dafür, dass sie sich untereinander bekämpfen, statt das System in Frage zu stellen".
 
     
   
  • MEIXNER, Silvia (2002): Der dritte Mann drückt sich im Haushalt.
    Deutsche Männer sind zwar willig, über anstehende Haushaltsprobleme zu reden, im Ernstfall liegen sie aber doch lieber auf dem Sofa,
    in: Welt v. 12.10.
 
   
  • HORX, Matthias (2002): Die Politik der Zukunft.
    Warum der Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft neue Ansätze erfordert,
    in: Welt v. 12.10.
 
   
  • SCHUMACHER, Oliver (2002): Angesichts fehlender Milliarden im Haushalt.
    Koalition will Kinderlose zur Kasse bitten. Rot-Grün plant Kürzung der Wohnungsbauförderung,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.10.
 
   
  • WAGNER, Peter (2002): Die Gemeinde ist eine gute erste Anlaufstelle.
    Wo Alleinerziehende Hilfe finden und sich informieren können - Teil vier, Schluss der Serie,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 12.10.
 
   
  • GÖBEL, Heike (2002): Grüne Zwangsfreiheit für die Hausfrau.
    Zur Debatte um das Ehegattensplitting,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.10.
 
     
   
  • SCHNEYINK, Doris (2002): Generation Arbeitslos.
    Jung, top ausgebildet, aber ohne Job.
    Arbeitslosigkeit in Deutschland hat ein neues Gesicht. Es sind Menschen um die 30, die ihre Jobs verlieren. Wie gehen sie mit der Krise um? Und in welcher Branche darf man wieder hoffen? Der stern hat Betroffene und Experten befragt,
    in: Stern Nr.42 v. 10.10.
    • Kommentar:
      Der STERN ist aufgewacht! Lange verschlafen, nun auch im STERN eine Titelgeschichte zur "Leistungsgeneration Golf".

                  Im Gegensatz zu den selbstgefälligen Fürsprechern der Generation Golf bei den Feuilletons, vermittelt SCHNEYINK das Bild einer klaglos angepassten Generation, die scheinbar nie aufgibt:
                  "Ähnlich pragmatisch, wie sie ihre Karriere durchgezogen haben, nehmen die neuen Arbeitslosen nun ihre Krise in Angriff: Sie lassen sich von Berufsexperten coachen, feilen an Bewerbungsstrategien, fahnden im Internet nach verborgenen Jobs und lassen sich die Seele massieren - von Freunden, der Familie oder Schicksalsgenossen. Nur nicht aufgeben. Optimistisch bleiben."
                  Die Medienbranche ist schon einen Schritt weiter. Auf dem Buchmarkt erscheinen Bücher wie "Zeiten des Aufruhrs", die jene Melancholie der "Lost Generation" wieder aufleben lassen, die in der Selbstverwirklichung nur noch einen nostalgischen Traum besserer Zeiten sehen.
                  Aber auch das "Zurück zum Zorn" (ZEIT von heute) steht als Alternative wieder auf dem Programm.
 
   
  • BURGER, Jörg & Sven HILLENKAMP (2002): Zurück zum Zorn.
    Kommt nach Spaßgesellschaft, Start-up-Euphorie und Popliteratur jetzt wieder Rebellion? Mieze von der Berliner Band Mia und Fehlfarben-Legende Peter Hein über Punk und den Stimmungsumschwung im Land,
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 10.10.
 
   
  • GILLIES, Peter (2002): Expertenurteil: Eigenheimzulage muss bestehen bleiben.
    Wirkungsanalyse des Bundesamtes für Bauwesen fällt uneingeschränkt positiv aus - "Hohe soziale Treffsicherheit",
    in: Welt v. 10.10.
    • Inhalt:
      GILLIES ist von der hohen sozialen Treffsicherheit der Eigenheimzulage überzeugt:

                  "Fast 60 Prozent aller Förderfälle betrafen Familien mit einem oder mehr Kindern. Die Empfänger der Zuschüsse waren im Durchschnitt 39 Jahre alt. Da fast zwei Drittel von ihnen auch die zusätzliche Kinderzulage bekamen, gehen die Verfasser der Analyse davon aus, dass diese Eigentümer sich überwiegend in der "Familiengründungs- oder Familienerweiterungsphase" befanden. Bei den jungen Haushalten unter 30 Jahren dominieren Singles und kinderlose Paare."
 
   
  • GERSDORFF, Alexander von (2002): Das Wagnis Bahn-Preisreform.
    Zu einem gesellschaftspolitischen Ereignis mit problematischen Details,
    in: Welt v. 10.10.
    • Inhalt:
      GERSDORFF berichtet über die Kritik an der neuen Preisgestaltung der Bahn:

                  "Halbierter Bahn-Card-Rabatt, saftige Stornogebühren sowie Preisaufschläge für Singles und Spontanfahrer stehen schon in der Kritik. Diese droht, die offensichtlichen Vorteile für Frühbucher und Familien in den Hintergrund zu drängen. Und Bahn-Benchmarks wie »verbesserte Gesamtauslastung« dürften Fahrgästen herzlich egal sein, wenn sie im Freitagabendzug zur Freundin keinen Billigplatz mehr bekommen oder sich ärgern, dass der Nachbar für dieselbe Fahrt weniger zahlt, nur weil er einen Tag früher am Schalter war."
 
   
  • SCHMIDT, Renate (2002): Alles Gute für die Familie.
    Zum Zusammenhang von Arbeitsvermittlung und Kinderbetreuung,
    in: Welt v. 10.10.
    • Inhalt:
      Renate SCHMIDT lobt die singlefeindliche Jobvermittlung à la HARTZ:

                  "Vermittlung wird familienfreundlich. Väter und Mütter, die zum Beispiel allein erziehen oder allein das Familieneinkommen sichern, gehören zu den wichtigen Zielgruppen des Konzepts. Mütter und Väter werden künftig schneller vermittelt. Zu den besonderen Zielgruppen der Quickvermittlung zählen auch diejenigen, die pflegebedürftige Angehörige betreuen. Bei gleicher Eignung werden ihnen bevorzugt Stellen angeboten. Im Rahmen der so genannten Zumutbarkeitsregelung wird ihnen gleichzeitig geringere Mobilität abverlangt."
 
   
  • RUTZ, Michael (2002): Angriff auf die Familie.
    Rot-Grün plant die Schwächung bürgerlicher Wertvorstellungen. Erneut sind bei den Koalitionsverhandlungen die Sozialingenieure am Werk. Die CDU schaut zu und vernachlässigt den Willen der Mitte. Paul Kirchhof kritisiert die rot-grünen Splittingpläne,
    in: Rheinischer Merkur Nr.41  v. 10.10.
  • KIRCHHOF, Paul (2002): Schutzauftrag verfehlt.
    Ehegattensplitting. Der Richtungsstreit für oder gegen die Familie. Mit seinen Steuerplänen stellt Rot-Grün die Ehe und die daraus erwachsende Kultur der Familien- und Hausgemeinschaft infrage,
    in: Rheinischer Merkur Nr.41  v. 10.10.
 
     
   
  • BRIELER, Ulrich (2002): Leistung lohnt nicht.
    Michael Hartmanns Studie beweist: Heute ist die klassenlose Gesellschaft der Leistungswilligen weniger real denn je,
    in: TAZ v. 09.10.
    • Kommentar:
      In den letzten Monaten haben sich viele Fürsprecher der "Leistungsgeneration Golf" zu Wort gemeldet.

                  Wir haben es hier angeblich mit der Leistungselite unseres Landes zu tun, die nun - ohne eigenes Versagen - freigesetzt wird. Michael HARTMANN hat in seinem Buch die Leistungselite unter die Lupe genommen und festgestellt, dass nicht der Bildungserfolg, sondern die soziale Herkunft über die Spitzenpositionen in der Wirtschaft entscheidet. BRIELER bilanziert deshalb:
                  "Für den Freund wirklicher Demokratie ist das Ergebnis der Studie deprimierend. Die klassenlose Gesellschaft der Leistungswilligen ist nicht nur ein Wunschtraum, sie ist heute weniger real denn je. Eines der interessantesten Gründe hierfür: Die Elite kapselt sich zunehmend ein. Je mehr die Vorstandschefs und Manager ihre Erscheinung in der Echo-Öffentlichkeit der Medien pflegen, um so stärker verschließen sich die Spitzenpositionen für sozial Unberufene, die nicht den Vorteil der richtigen Kinderstube genießen."
 
   
  • Das Ehegatten-Splitting in der Debatte

    • FÜLLER, Christian (2002): Koalitionssplitting.
      Grüne erläutern SPD ihr Modell des Ehegattensplittings noch einmal und weigern sich, darauf zu verzichten,
      in: TAZ v. 08.10.
      • Inhalt:
        FÜLLER erläutert den Standpunkt von Fritz KUHN und den Grünen:

                    "Seine Grünen werden nicht so einfach nachgeben, wenn es um den Abbau von Steuerprivilegien für Spitzenverdiener-Ehen nach dem Modell »Einer verdient, einer putzt« geht. »Für uns Grüne ist das eine zentrale Frage der Gerechtigkeit«, sagte Kuhn, »die Grünen stehen auf der Seite der Alleinerziehenden, die ohne zusätzliche Kinderbetreuung nicht aus der Sozialhilfe herauskommen.«"
    • MÜLLER, Reinhard (2002): Den Eheleuten eine freie Entscheidung ermöglichen.
      Das Ehegattensplitting und der besondere Schutz für Ehe und Familie,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.10.
    • SCHIRG, Oliver (2002): Hamburg lehnt Änderungen beim Ehegattensplitting ab.
      Finanzsenator Wolfgang Peiner: "Wir stehen zur Institution Ehe",
      in: Welt v. 08.10.
    • ULRICH, Bernd (2002): Familie ohne Ideologie.
      Schwarze, Grüne und Rote pflegen gegenüber Menschen mit Kindern ihre Vorurteile,
      in: Tagesspiegel v. 08.10.
 
     
     
   
  • SCHWÄBISCHES TAGBLATT (2002): Ledige dürfen eine Krone tragen.
    In Bierlingen und Kiebingen luden die Trachtenvereine zu ihren traditionellen Erntedankfeiern,
    in: Schwäbisches Tagblatt v. 07.10.
    • Inhalt:
      In Horb trugen 1865 die Frauen je nach Familienstand unterschiedliche Kopfbedeckungen beim Kirchgang:

                  "Die Verheirateten haben eine Radhaube, die Seniorinnen eine Pletschhaube, und die Ledigen tragen eine Schappel". Heute wird dieser Brauch nur noch vom Trachtenverein gepflegt.
 
   
  • SPIEGEL, Hubert (2002): Der Himmel über den Messehallen.
    Was bringt die schöne Literatur in diesem Herbst?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.10.
    • Kommentar:
      Wenn es dem Buchmarkt schlecht geht. Wer ist dann schuld? Der Single natürlich, behauptet SPIEGEL:

                  "Ach ja, wir sterben aus. Das wissen wir seit Jahren. Schade ist es immer noch. Die demographische Flaute hat auch Folgen für den Sprachgebrauch. Wir definieren die Ehe als untaugliche, früher einmal gebräuchliche Variante der eheähnlichen Gemeinschaft, und kein Kreuzworträtsel würde es mehr wagen, nach der Keimzelle des Staates mit sieben Buchstaben zu fragen. Das Wort taucht höchstens noch im Supermarkt auf, wenn es um Verpackungseinheiten jenseits handelsüblicher Abgabemengen geht. Machen wir uns nichts vor: Im Land der Singlehaushalte ist die Familie der Deutschen Sonderweg."
                  Offenbar hat WINKEL wie viele seiner Kollegen ein Problem mit Statistiken und hört deshalb auf die Sozialpopulisten. Tatsache ist, dass Deutschland ein Familienland ist, nur handelt es sich nicht um die althergebrachte Form.
                  Möglicherweise haben gerade die "Singles" den Büchermarkt belebt, sodass die Krise länger verborgen geblieben ist.
                  Man stelle sich nur vor: ein Familienhaushalt muss ein Buch nur ein einziges Mal kaufen, während die multilokale Mehrgenerationen Familie ein gutes Buch eher mehrfach  kauft.  Der Wochenendvater hat es in seiner Single-Wohnung, während die Ehefrau es am Familienwohnsitz liest, damit sie sich telefonisch über das Buch austauschen können. Die Großmutter bekommt dann noch ein Exemplar zum Geburtstag für den eigenen Bücherschrank geschenkt.
                  Aber vielleicht gibt es auch nur zu wenig gute Bücher?
 
   
  • MOHR, Reinhard (2002): Jenseits von Schkopau.
    In ihrem Debüt "Zonenkinder" schreibt Jana Hensel die Biografie ihrer "zwittrigen" Generation - ein Höhepunkt in der Menge der Lebensbilder auf der Buchmesse,
    in: Spiegel Nr.41 v. 07.10.
 
   
  • IWANOWSKI, Andrej (2002): Aussterbende Spezies.
    Das wichtigste Ergebnis der ersten russischen Volkszählung in der postsozialistischen Ära steht schon im Vorhinein fest: Alkohol und Fehlernährung reduzieren die Bevölkerung dramatisch. Mitte des Jahrhunderts könnte die Zahl der Russen von 140 auf 80 Millionen geschrumpft sein.
    in: Profil Nr.41 v. 07.10.
    • Kommentar:
      Nicht nur interne Probleme beschleunigen den Bevölkerungsrückgang, sondern Russinnen gelten bei emanzipationsgeschädigten Besserverdienenden zunehmend als Alternative zu finanziell unabhängigen und wählerischen Erfolgsfrauen à la "Ally McBeal" oder "Sex and the City".

                  Bei Thomas KIRSCHNER ("Liebe ohne Grenzen") , der mit den Thesen von Michel HOUELLEBECQ sympathisiert, liest sich das so:
                  "Die Frauen aus den früheren GUS-Staaten sind sehr feminin und sehen auch keinen Makel darin, ihre Fraulichkeit zu betonen. Sie sind sehr familienorientiert. Sie besitzen lebenslange Erfahrung darin, mit ökonomischen Härten und Instabilität umzugehen und dabei Stil und Anmut zu bewahren. Sie schätzen Loyalität und Sicherheit. Sie sind sehr bindungswillig und bereit, ihren Mann zu unterstützten, ohne ständig mit ihm zu wetteifern oder auf ihre Gleichberechtigung zu pochen."
                  Die "russische Seele" und die Vorstellungen über das Äußere einer Russin sind wohl spätestens seit H. G. KONSALIK zum deutschen Allgemeingut geworden.
 
   
  • BEWERSDORFF, Hans (2002): Depressive Männer mit Bügeleisen.
    Putzen, schrubben, bügeln - all das macht depressiv,
    in: Welt am Sonntag v. 06.10.
    • Kommentar:
      BEWERSDORFF erklärt seinen Leidesgenossen, warum sie nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie lieber ins Fitnessstudio gehen wollen, statt sich an der Hausarbeit zu beteiligen. Florian ILLIES und seiner "Anleitung zum Unschuldigsein" sei gedankt!
 
     
   
  • WEIDERMANN, Volker (2002): Der Chef.
    Ernst-Weilhelm Händler ist Unternehmer - und hat den interessantesten Roman dieses Herbstes geschrieben: "Wenn wir sterben",
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
 
     
   
  • Das Ehegatten-Splitting in der Debatte

    • BUCHSTEINER, Jochen (2002): Maßvoll aber flexibel.
      Göring-Eckardt will Ehegattensplitting abbauen,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
      • Inhalt:
        Interview mit der Kinderpolitikerin GÖRING-ECKARDT von den Grünen.
    • ANK (2002): Reich sind immer die anderen,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
      • Kommentar:
        ANK will den FAS-Lesern klar machen, dass sie die Reichen sind und nicht z.B. die anderen. Wer hätte das gedacht?
    • INACKER, Michael (2002): Ein bißchen Kulturkampf.
      Die geplante rot-grüne Familienpolitik hilft Frauen, Männern und Kindern nicht,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 06.10.
      • Kommentar:
        INACKER sieht in der finanziellen Umverteilung einen Zusammenstoß der Werte.

                    Er spricht für die Manager-Familie, die an traditioneller Arbeitsteilung interessiert ist. Die "Frau an seiner Seite" (Karin JÄCKEL) ist hier die Voraussetzung für die männliche Manager-Karriere. Den Abwehrkampf dieser Gruppe beschreibt Renate LIEBOLD aus linksmodernistischer Sicht.
                    Eine Interessenüberschneidung gibt es mit denjenigen Facharbeiter- und Angestelltenmilieus, deren Frauen den Familien-Luxus durch Zuverdienst steigern möchten und den Geringverdiener-Frauen, die keine Wahl haben. Zu deren Anwälten macht sich INACKER, wenn er die Familie gestärkt sehen will und der Doppelkarriere-Familie eine Absage erteilt:
                    "Kinder zu haben bedeutet natürlich gegenüber dem bisherigen Paar- und Single-Dasein eine Belastung - man kann sein Leben nicht mehr so leben wie bisher. Staat und Gesellschaft sollten zunächst eher diese Einsichten als die Illusionen von 'Super-Familien' und 'Super-Weibern' fördern."
                    Da ist es nicht weit bis zum Rabeneltern-Vorwurf:
                    "eine Karriere von beiden Eltern ermöglicht zwar die Selbstverwirklichung der Erwachsenen, berücksichtigt aber weder die Ansprüche der Kinder auf Identitätsbildung und Geborgenheit noch die elterliche Betreuungsverantwortung gegenüber den Kindern."
                    INACKER empfiehlt den Doppelkarriere-Paaren, bei denen auch die Frau Karriere machen möchte, die Kinderlosigkeit.  
 
   
  • Das Ehegatten-Splitting in der Debatte

    • EUBEL, Cordula (2002): Versöhnen statt splitten.
      Im Grundsatz ist sich Rot-Grün einig. Einsparungen beim Ehegattensplitting sollen helfen, die Trendwende zu Gunsten von Familien mit Kindern zu schaffen. Und das soll erst der Anfang sein. Denn im Wahlkampf hat es ein wichtiges Versprechen gegeben: Beruf und Familien sollen sich besser mit einander vereinbaren lassen
      in: Tagesspiegel v. 05.10.
    • IHA (2002): Teilen macht reicher.
      Das Ehegattensplitting hat vor allem Vorteile für kinderlose Ehepaare. Besonders dann, wenn nur einer arbeitet und viel verdient,

      in: Tagesspiegel v. 05.10.
    • ULRICH, Bernd (2002): Familienpolitik gegen die neue Mitte,
      in: Tagesspiegel v. 05.10.
    • BEISE, Marc (2002): Recht und Gefühl,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 05.10.
      • Inhalt:
        Marc BEISE macht sich zum Anwalt der "kinderlosen" Ehe.

                    Die Veränderung des Ehegatten-Splittings diskriminiert demnach die Ehepartner zugunsten der Alleinstehenden. Sein verfassungsrechtliche Argumentation:
                    "Splitting ist keine familienpolitische Steuervergünstigung, sondern sichert die verfassungsrechtlich gebotene Besteuerung nach der Leistungsfähigkeit".
 
   
  • Thema des Tages:
    Koalitionsgespräche zur Familienpolitik

    • Kommentar:
      Die Fronten beim Ehegattensplitting sind klar: Auf der einen Seite die Reformer, die Familien jenseits der Ehe fördern möchten, aber gleichzeitig ihre jeweilige Klientel nicht zu sehr belasten möchten (siehe hierzu Berliner Zeitung, TAZ, Tagesspiegel, SZ).

                  Auf der anderen Seite die Profiteure der bisherigen Regelung, also besser verdienende Ehepaare ohne Kinder oder mit Kindern, aber traditioneller Arbeitsteilung. Die Neidgesellschaft (FAZ) oder identitätspolitische Argumente (Welt) dienen hier der Rechtfertigung.
                  Der materielle Erfolg einer solchen Änderung ist dagegen umstritten. Im FOCUS vom 30.09. wird damit gedroht, dass dann Freiberufler noch mehr als bisher ihre Ehefrauen steuermindernd anstellen würden. Da ein völliger Wegfall verfassungswidrig wäre, ist der Spielraum zudem von vorneherein gering.
                  In der Lebenslaufperspektive sind kinderlose Paare überwiegend keine lebenslang kinderlosen Paare, d.h. der Zeitpunkt der Hochzeit , der Geburt des ersten Kindes und der Auszug des letzten Kindes sowie der Tod des Partners definiert den Zeitrahmen für den "Missbrauch" der Leistung. Nun darf gerechnet werden!
                  Der Erfolg wäre in erster Linie ein symbolischer.  
    • OESTREICH, Heide (2002): Neue Chance für das junge Glück.
      Harmonie bei den rot-grünen Koalitionsverhandlungen: Ganztagsschulen und zusätzliche Krippenplätze sollen die Wende in der Familienpolitik bringen,
      in: TAZ v. 04.10.
    • RATH, Christian (2002): Überholte Privilegien.
      Das Verfassungsgericht hat seine Meinung zum Ehegattensplitting schon oft geändert,
      in: TAZ v. 04.10.
    • FÜLLER, Christian (2002): Die Länder haben das Wort.
      Gegen die Kultusminister kann der Bund seinen Willen nicht durchsetzen,
      in: TAZ v. 04.10.
    • FELDENKIRCHEN, Markus (2002): Verheiratete sollen für neue Krippenplätze zahlen.
      Rot-Grün beschließt Kürzung des Ehegattensplittings zur Reform der Kinderbetreuung. Unionsländer plädieren für höhere Steuern,
      in: Tagesspiegel v. 04.10.
    • BIRNBAUM, Robert (2002): Mehr Schutz für Kinder.
      Warum das Ehegattensplitting heute nicht mehr sinnvoll ist,
      in: Tagesspiegel v. 04.10.
    • RUBNER, Jeanne (2002): Das Krippenspiel der Politik.
      Die Familienpolitik von Rot-Grün bleibt auf halbem Weg stehen - die der Union ist auf dem Irrweg,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 04.10.
    • THEWALT, Andreas (2002): Kinder fördern statt den Trauschein,
      in: Hamburger Abendblatt v. 04.10.
    • ZYLKA, Regina (2002): Ran an das Ehegattensplitting!,
      in: Berliner Zeitung v. 04.10.
    • PED (2002): Spekulationen um grünes Familienministerium.
      Bei den Koalitionsverhandlungen habe SPD-Fraktionschef Franz Müntefering den Grünen das Familienressort angeboten,
      in: Welt v. 04.10.
    • WOLBER, Cornelia (2002): Angriff auf die Unterhaltsgemeinschaft.
      Rot-Grün sollte sich andere Einnahmequellen als die Einschränkung des Ehegattensplittings überlegen,
      in: Welt v. 04.10.
    • MAS (2002): Mit Neidfaktor,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.10.
      SCHÄFERS, Manfred (2002): Verfassungsrechtlich zulässig?
      Das "abgeschmolzene" Ehegattensplitting,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.10.
    • MEURER, Friedbert (2002): Kappung des Ehegattensplittings.
      Gespräch mit Joachim Schulze-Osterloh, Berliner Steuerrechtler,
      in: DeutschlandRadio v. 04.10.
    • LANGE, Peter (2002): Müntefering verteidigt Änderungen beim Ehegattensplitting.
      Gespräch mit Franz Müntefering, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Deutschen Bundestag,
      in: DeutschlandRadio v. 04.10.
 
     
   
  • LAPPIN, Elena (2002): Mein Bruder, der Biller.
    Der Autor Maxim Biller ist eine Reizfigur. Kaum jemand versteht ihn so gut wie seine Schwester. Ein Erklärungsversuch,
    in: Die ZEIT Nr.41 v. 02.10.
    • Inhalt:
      LAPPIN versucht sich und den Lesern der ZEIT zu erklären, warum ihr Bruder Maxim BILLER ein PUPPIE wurde:

                  "Ich zwang all meine Freunde dazu, meinen dunkeläugigen, lockigen kleinen Bruder zu bewundern, und sie mussten mich mit Murmeln für das Privileg bezahlen, ihn in seinem Kinderwagen durch den Park zu schieben. Es ist ein Wunder, dass er diese schnellen Fahrten (meist bergab) überlebt hat. Ich dachte immer, sein breites Lächeln sei der Ausdruck reinster Freude gewesen, aber inzwischen frage ich mich, ob es nicht eher für nackte Angst stand."
 
     
   
  • Der informative Beitrag:
    LAW (2002): Die Immobilienwünsche der Singles.
    Immer mehr Alleinlebende in den Großstädten. Und sie haben einen großen Raumbedarf,
    in: Welt v. 01.10.
    • Kommentar:
      Im Gegensatz zu den Single-Mythen in den Feuilleton- und Politikteilen der Mitte-Zeitungen, gibt es in den Immobilienteilen manchmal auch Informatives über Singles.

                  Im Wahlkampf haben sich SCHRÖDER und STOIBER als Familienväter präsentiert. Sie sind jedoch auch Teilzeit-Singles und tragen dadurch zum Mythos Single bei:
                  "Wieder einmal stellt eine Statistik die Wirklichkeit auf den Kopf. So gelten Gerhard Schröder und Edmund Stoiber statistisch als Single, denn beide unterhalten in Berlin eine (Single-)Wohnung für den Arbeitsmittelpunkt, ihr »richtiges« Zuhause aber findet sich in den Heimatstädten".
                  Berlin ist also weniger die Hauptstadt der einsamen Partnerlosen, sondern die Hauptstadt der Wochenendväter bzw. Fernliebenden.
                  Solange es der Politik jedoch um die Verdammung von Singles geht, wird es keine realistische Daten über das Leben in Deutschland geben, sondern nur politisch korrekte! Der Autor wirft der Statistik in Nordrhein-Westfalen Falschzählungen vor:
                  "Dort wird jeder 18-Jährige, der bei seinen Eltern lebt, als Single geführt. Für Essen bedeutet dies, dass dort 70 Prozent Single-Haushalte registriert sind".
                  Auch in anderen Bundesländern dürften solche Verzerrungen die Regel sein, weil viele Kinder zwar im gleichen Haus wie die Eltern wohnen, aber keinen gemeinsamen Haushalt führen. In der Soziologie spricht man hier vom Phänomen der multilokalen Mehrgenerationen-Familie. Diese haushaltsübergreifende Lebensform wird von den Haushaltsstatistiken ignoriert.
                  Zu den Singles werden statistisch außerdem die allein lebenden Witwen gezählt. Dies führt dazu, dass den Singles ein hoher Wohnraumbedarf zugeschrieben wird.
                  "Bleibt nach dem Sterbefall der Partner weiter in der gemeinsamen Wohnung, hat er als Einzelperson deutlich mehr Platz. Und da immer mehr ältere Menschen im selbstgenutzten Eigenheim wohnen, schnellt die Statistik nach oben."
                  Dieser Sachverhalt dringt nur selten in die Öffentlichkeit. Wer hier den Single-Mythos hinterfragt hat, das ist Peter HETTENBACH, der Leiter des Instituts Innovatives Bauen in Plankstadt bei Schwetzingen.
                  Die Bauwirtschaft wäre eigentlich auf realistische Daten angewiesen, aber oftmals vertraut sie lieber auf sozialpopulistische Vorurteile und weniger auf empirische Forschungen.
                  Ein Manko zum Schluss:
                  Im Artikel wird nur auf die Wohnwünsche der Yuppies eingegangen. Die Wohnwünsche der Singles jenseits der Neuen Mitte werden sowohl von den privaten Investoren als auch von der staatlichen Wohnförderung ignoriert.
 
     
   
  • HEIN, Peter & Xao SEFFCHEQUE (2002): Zu Alt, um jung zu sterben.
    Punk, New Wave, NDW - Recycling statt Revival,
    in: Rolling Stone Nr.10, Oktober
 
   
  • BÜRGER, Jan & Frauke MEYER-GOSAU (2002): Schreiben ohne Qualen.
    Bodo Kirchhoff contra Hera Lind: Bekommt man bei 30.000 verkauften Büchern kalte Füße oder geht es dann erst richtig los? Deutschlands Seller-Königin trifft im LITERATUREN-Streitgespräch auf den «Schundroman»-Autor,
    in: Literaturen Nr.10, Oktober
 
   
  • LEITGEB, Hanna (2002): Die hohe Kunst der Asymmetrie.
    Wie man am Status der sozial Schwachen etwas ändern kann, wenn man ihre Selbstachtung stärkt,
    in: Literaturen Nr.10, Oktober
 
     
       
       
   

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Zu den News vom 16. - 30. September 2002

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

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