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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 01. - 10. Oktober 2003

 
       
     
     
     
       
   
Zitat des Monats:
"Ich kenne eine Frau, die wäre lieber aus falschen Gründen mit einem Mann zusammen als aus richtigen Gründen allein - das kommt, weil sie Angst hat, Angst vorm Verlassenwerden, vor dem Alleinsein. Dabei entsteht aus der Angst erst Einsamkeit und daraus letztendlich auch die Freiheit. Zu deprimierend? Nein, überhaupt nicht. Zu oft und vor allem zu lange habe ich meine Zeit mit Menschen verbracht, die mir furchtbar egal waren (...). Gerade in meinem Alter scheint es so ein Zwang zu sein, sich in die Gesellschaft zu begeben, Menschen kennen zu lernen (...). Ich kenne welche, die leben seit Jahren in Partnerschaften und sie sind einsam. Ich kenne welche, die haben viele Freunde und sie sind einsam. Ich kenne Nachtlebenmenschen, die gehen ständig aus und sind einsam. Angst zuzulassen bedeutet also auch, die Einsamkeit hinzunehmen, sie zu ertragen, sie als das zu akzeptieren, was sie ist, was sie sein sollte: der Ort, an dem wir alleine sind, von dem wir beginnen - der Ort von dem aus alles möglich ist."
(Matthias Kalle in "Verzichten auf", 2003, S.216)
 
       
   
  • SCHMIDT, Kathrin (2003): Am Pool nichts Neues.
    Adoleszentenprosa. Georg M. Oswalds neuer Roman "Im Himmel",
    in: Freitag Nr.42 v. 10.10.
    • Inhalt:
      "Ein Jüngelchen trifft auf einem bayerischen Schloss ein, einem privaten Institut zur Erlangung der Allgemeinen Hochschulreife, und verabschiedet sich von seinen Eltern und der Schwester, um sich wenig später an den Tisch zu setzen, seiner vermeintlichen Berufung zum Schriftstellerdasein zu folgen und die Geschichte der letzten Ferien aufzuschreiben. Darin liegt nichts Besonderes, und das macht auch schon den Kern des vorliegenden Romans von Georg M. Oswald aus, dem 1963 geborenen Autor und Rechtsanwalt aus München, der gern als »Literat der Single-Generation« gepriesen wird: Nichts Besonderes. In einer Sprache, die dem verschulten Adoleszenten alle Ehre macht, erzählt er in aller Nichtigkeit, in aller detailversessenen Langsamkeit von - nichts. So scheint es zumindest",
      erläutert SCHMIDT zu Beginn, um dann erst ganz zum Schluss zu erwähnen:
      "Wenn man die letzten beiden Sätze des Buches überliest, ist, was Georg M. Oswald mitzuteilen hat, wahrlich nichts Neues. Ein Stück Adoleszentenprosa, wie sie das ganze vergangene Jahrhundert über immer und immer wieder geschrieben wurde. Aber das weiß er, und das macht diese Geschichte auf seltsame Weise sympathisch. "
 
   
  • BÜHLER, Philipp (2003): Umso härter ist der Fall.
    Das Leben so abbilden, wie es ist, und nicht so, wie es sein soll: Das will Roger Michells Film "Die Mutter" über Sex im Alter. Leider aber kommt er mit dem realistischen Anspruch auch nicht weiter als bis zum Klischeebild der unwürdigen Greisin,
    in: TAZ v. 10.10.
    • Inhalt:
      Philipp BÜHLER porträtiert anlässlich des Films "Die Mutter" den Drehbuchautor Hanif KUREISHI. Bei dieser Gelegenheit wird auch das neue Buch "In fremder Haut" angesprochen:

                "Die Idee zu seiner etwas fahrigen Dorian-Gray-Geschichte um Jugendwahn und Körperkult kam Kureishi beim Blick in den Fernseher, wo Themen wie Klonen, plastische Chirurgie und Fitnesswahn das Programm beherrschen. Und mit Blick auf seine beiden Söhne, die sich inzwischen dem Teenageralter nähern. »Sie sind zehn Jahre alt und machen schon Diäten!« Seine eigene Jugend erinnert er sorgloser: »Ich bin in der frühen Ära des Massenkonsums aufgewachsen, als Jugendlichkeit zum ersten Mal zum Fetisch erkoren wurde.« Damals sei Jugend aber noch als etwas gewesen, mit dem man verschwenderisch umgehen konnte. Heute gelte das nicht mehr. »Die Jugendlichen stehen unter einem enormen Schönheitsdruck. Und manche rebellieren dagegen, mit Magersucht oder Schlaflosigkeit. Das hat eine sehr selbstzerstörerische Seite.«"
                Vor genau 20 Jahren hat KUREISHIs Altersgenosse Matthias HORX mit Blick auf seine eigene Generation zu diesem Thema geschrieben:
                "»Verschwende deine Jugend« lautet ein Graffitti, das sich in den letzten Jahren auf den Mauern ausgewählter Großstädte verbreitet hat. Das subjektive Gefühl von Verschwendung hat Karl nie gehabt, denn dazu gehört so etwas wie eine Marge, ein Fixum, ein benennbares Quantum, das verschwendet werden kann und dann »alle« ist. Karl hat einfach »aus dem Vollen« gelebt, in einer Intensität, die das Leben erst zum Leben macht. Erfolge, gelungene Experimente und »Grenzerfahrungen« gehörten ebenso dazu wie Niederlagen und Flucht, Krisen und Scheitern. Zu Karls Lebensintensität gehört die Großstadt, ein ausgedehnter, vielfältiger Bekanntenkreis, den man - abfällig oder affirmativ, je nachdem wie man sich fühlt - als »Scene« bezeichnet." ("Das Märchen vom Erwachsenwerden", 1983, S.19)
                HORX, der damals auf die 30 zuging, nimmt in diesem Beitrag die Haltung des 35jährigen ein, die gerade auf dem Buchmarkt besonders aktuell ist.
                Der Weigerung erwachsen zu werden hält HORX die erwachsene "Notwendigkeit des Sparens, des Erhaltens, der Selbstdisziplin" entgegen.
                Während HORX die Folgen der Jugendverschwendung anprangert, erscheint KUREISHI seine eigene Jugend im Lichte der neuesten Jugend nostalgisch verklärt.
                Nachdem KUREISHI mit dem Roman "Rastlose Nähe" dem Hedonismus-Verdikt zum Opfer fiel und von der Kulturkritik geschmäht wurde, gibt er sich nun reumütig und bekehrt:
                "Auch Pop tauge nicht mehr als Fluchtpunkt, glaubt Kureishi. »Als ich aufwuchs, da gab es die Welt der Eltern, das war die ordentliche Welt. Und es gab die Gegenwelt des Pop. Heute ist das alles nur noch Kommerz«, gibt er sich kulturpessimistisch. Das ist insofern erstaunlich, als das Popmusik und Lebensgefühl bei ihm stets eine zentrale Rolle spielten, weswegen Kureishi zu den Pionieren der Popliteratur gezählt werden kann. 1994 veröffentlichte er zudem mit dem Kulturtheoretiker Jon Savage das »Faber Book of Pop«, einen Reader mit Texten zur Popmusik von 1945 bis 1988, der jene neuen Schreibweisen dokumentierte, die mit dem Siegeszug der Pop-Revolution einhergingen. Doch heute hört Kureishi lieber klassische Musik oder Jazz und hat den Glauben an das utopische Potential der Popmusik verloren. Auch Rebellen werden eben irgendwann müde."
 
   
  • Nachrufe zum Tod von Neil Postman

    • Kommentar:
      "Für die konservative Medienkritik der letzten Jahrzehnte war Neil Postman der erfolgreichste Parolenerfinder; unter den gebildeten Verächtern der Massenkultur war er der massenkulturell erfolgreichste Star",
      so beschreibt Jens BALZER das Paradoxon des Aufklärers POSTMAN, dessen
      bildungsbürgerlicher Habitus und apokalyptischer Ton bereits Mitte der 80er Jahre die Forderung nach einem 
      "Ende der Spassgesellschaft" vorwegnahm.

                "Als Neil Postmans 70. Geburtstag vor zwei Jahren gefeiert wurde, hieß es, seine Prophezeiungen hätten sich nicht erfüllt. Das war falsch. An der Entmündigung, die er ursprünglich nur vom Fernsehen erwartete, arbeitet inzwischen auch das Verlagsgewerbe",
      behauptet Jens JESSEN, dem Dirk KNIPPHALS unlängst einen "aggressiv und elitär (...)(gebenden) Kulturfundamentalismus" bescheinigt hat.

                Während BALZER noch auf den "studentenbewegten Linksintellektuellen" verweist, hebt Mariam LAU - entsprechend dem gegenwärtigen Zeitgeist - bei POSTMAN den Verfechter einer "Protestantischen Ethik" hervor.
                Doris KRUMPL stellt POSTMAN in die Theorietraditionen von Marshall McLUHAN und Guy DEBORD ("Gesellschaft des Spektakels"), nennt seine Weiterführungen aber "brachial simplifizierend".
                Norbert BOLZ stellt ihn dagegen - ganz eigennützig - in eine andere, gerade besonders aktuelle, Theorietradition:
                "Wie Adorno ging auch Postman davon aus, dass unsere Gegenwart nicht Orwells »1984«, sondern Huxleys »Schöner Neuer Welt« gleicht: Wir würden nicht durch einen Großen Bruder überwacht, sondern durch Lust-Impulse ferngesteuert."
                Elegant nutzt BOLZ den Kulturkritiker POSTMAN, um der telegenen Kulturkritik eine Absage zu erteilen:
                "Dass selbst das »anspruchsvolle Programm« nicht die Lösung des Problems Fernsehen sondern das Problem selbst ist, gehört zu den wichtigsten Einsichten Postmans. Er ließ keinen Zweifel daran, dass »junk« das Beste am Fernsehen ist – Nonsense also. Denn Gefahr droht unsere Kultur nicht von Stefan Raab, sondern von Roger Willemsen."
                Fritz GÖTTLER stellt POSTMAN als Moralisten POSTMAN vor:
                "Als Medienkritiker hat Postman sich immer als Moralist gesehen – was ihn klar von seinem großen Kollegen Marshall McLuhan unterschied. Postman glaubte an Vernunft und Intellekt, aber auch an die Sinnlichkeit – ein Erbe von Emerson und Thoreau. Der medialen Umweltverschmutzung wollte er mit einer eigenen Medienökologie begegnen (...).
      Als Moralist ist Postman schließlich Melancholiker geworden."

                Der Nachruf von Christian GEYER gerät so ganz nebenbei zum Loblied auf die Qualitätszeitung - FAZ eben! Als den besseren Fernsehkritiker empfiehlt er dann ausgerechnet Pierre BOURDIEU.
    • JESSEN, Jens (2003): Zu Tode amüsiert.
      Eine Erinnerung an Neil Postman aus Anlass der Frankfurter Buchmesse,
      in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.
    • BOLZ, Norbert (2003): Gutenbergs letzter Ritter.
      Zum Tod des Medien-Denkers und Kulturkritikers Neil Postman,
      in: Tagesspiegel v. 10.10.
    • LAU, Mariam (2003): Ein Feind der bösen neuen Welt.
      Neil Postman, der den Untergang der Lesekultur prophezeite, ist in New York gestorben,
      in: Welt v. 10.10.
    • BALZER, Jens (2003): Opfer der Schundliteratur.
      Zum Tod des Pädagogen und Medienkritikers Neil Postman,
      in: Berliner Zeitung v. 10.10.
    • GEYER, Christian (2003): Auf ein System von Schelmen anderthalbe.
      Das ist die Sprache, die das Fernsehen versteht: Mit Neil Postman ist der Prophet der populären Kulturkritik gestorben,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.
    • GÖTTLER, Fritz (2003): Kindheit als Konzept.
      Zum Tod des amerikansichen Medienkritikers und Moralisten Neil Postman,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.10.
    • KRUMPL, Doris (2003): Neil Postman 1931 - 2003.
      Zum Tode des US-Medienkritikers,
      in: Der Standard v. 10.10.
    • STÄHELI, Alexandra (2003): Gegen das Ende des Realen.
      Zum Tod von Neil Postman,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 10.10.
 
   
  • THADDEN, Elisabeth von (2003): Der Preis der Liebe.
    Die israelische Soziologin Eva Illouz hat erforscht, wie heillos das großartigste aller Gefühle in den Kapitalismus verstrickt ist,
    in: Literaturbeilage der ZEIT Nr.42 v. 09.10.
    • Kommentar:
      Für Konservative gehören Paar und Familie untrennbar zusammen, weswegen THADDEN gleich voranstellt:

                "Wer sich dafür interessiert, warum es in den postindustriellen Gesellschaften an Kindern fehlt, kann in diesem Buch erstaunlich gute Erklärungen finden. Allerdings fragt das Buch nicht danach. Es untersucht nicht die Betreuungsschlüssel in Kindergärten, nicht die Frauenbeschäftigungsquoten und Gleichstellungsgesetze. Es stellt die Frage nach den Geburtenraten nicht mal. Kinder kommen fast gar nicht vor."
      Das Buch fragt vielmehr, was mit der Liebe sei.
      "
                Auch die traditionelle Soziologie hat das Paar bisher nicht als eigenständiges Sozialsystem in den Blick genommen. Eine Soziologie des Paares fristet deshalb ein Nischendasein, obwohl in unserer paarorientierten Gesellschaft (Dorothea KRÜGER) nichts wichtiger wäre.
      Konservative Romantiker wie Michel HOUELLEBECQ sehen in der
      Familie das letzte Bollwerk gegen den Kapitalismus. Eva ILLOUZ ist da realistischer:

                "Ist die Geschichte der Liebe eine Verfallsgeschichte?
      »Jeder Versuch, das soziale Geflecht wiederherzustellen«, schreibt Illouz am Ende gegen die konservativen Apologeten der Familie, »muss sich mit der Tatsache auseinander setzen, dass sich die Verbindung von Liebe und postmoderner Konsumkultur tief in die Seelen der gebildetsten und kreativsten Gesellschaftsteile eingeprägt hat und eine Macht ausübt, die sich nicht leicht im Schnellverfahren abschaffen lässt.« Was der Markt von jedem Einzelnen an Selbstdarstellung und Unverwechselbarkeit verlangt, was in der Sphäre des Warentauschs notwendig ist, kann nicht an der privaten Tür wie ein Arbeitskittel abgestreift werden.
      "
 
   
  • WINKELS, Hubert (2003): Vorhölle mit Seeblick.
    G. M. Oswalds allzu zarte Abrechnung mit der Münchner Schickeria,
    in: Literaturbeilage der ZEIT Nr.42 v. 09.10.
    • Kommentar:
      Hubert WINKELS sieht in Georg M. Oswald einen Gegenspieler zur "Second-Order-Generation" (z.B. Thomas MEINECKEs "Mode & Verzweiflung" und Diedrich DIEDERICHSENs "Sexbeat" ) der 80er Jahre:

                "Georg M. Oswald gehört zu den deutschen Autoren der mittleren Generation, die uns wieder über die realen institutionellen und sozialpsychologischen Verhältnisse unserer »turbo«-kapitalistischen Gesellschaft aufklären wollen und deshalb einen Erzählort jenseits der selbstbezüglichen Avantgardismen und der intelligenten Spielereien mit Second-Order-Welten suchen. Zu diesem Zweck hat sich der vierzigjährige Oswald in einen knapp Zwanzigjährigen versetzt, der als spätpubertierender Einzelgänger noch jenes tiefe Gefühl des »Alles ist falsch« hegt, aber nicht sagen kann, was genau und wieso, und wie komme ich hier raus?"
                WINKELS sieht auch Paralellen zum neuen Roman von Benjamin LEBERT, aber die Neue Ernsthaftigkeit erscheint WINKELS allzu zurückgenommen im Vergleich mit dem Erfahrungshunger der 70er Jahre und deren Abrechnungen:
                "So kommt es, dass man bei der wohltemperierten Oswald-Lektüre manchmal sehnsüchtig zurückdenkt an die Darstellung des Schweizer »Paradieses«, der »Goldküste« am Zürichsee, einer Hölle, der Fritz Zorn in den siebziger Jahre seine wütende existenziell-radikale Abrechnung Mars entgegenschleuderte wie eine Kriegserklärung. Doch Radikalität kann nicht verordnet werden. Und die unaufgeregte Erzählhaltung in mittlerer Stillage hat immerhin den zweifelhaften Vorzug, die Welt nicht in Grund und Boden zu verdammen."
 
   
  • SASS, Björn-Erik (2003: Trauben des Zorns.
    Einmal im Leben richtig arbeiten, dachte sich unser Autor. Also fuhr er ins französische Banyuls-sur-Mer, um Wein zu lesen. Ein harter Job. Die Berge sind steil, und der Erntekorb wiegt 60 Kilogramm – dafür sind die Früchte lecker und zuckersüß,
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.
    • Inhalt:
      SASS schreibt über das französische Weinangebaugebiet Banyuls:

                "Der Blick über das Meer und die Küste ist einfach eine Wucht. Diese letzten Kilometer Mittelmeer vor der spanischen Grenze heißen Côte Vermeille, und Vermeille bedeutet vergoldetes Silber. Die Pyrenäen schieben sich bis an den Strand; das Ufer ist felsig und zerklüftet, mit vielen Buchten und Vorsprüngen, manche nennen diese Landschaft deshalb auch Côte Rocheuse, die Felsenküste. Halb rechts hinter den Bergen liegt Cerbère, die letzte Stadt vor der Grenze, auf der linken Seite kommen, auch hinter Bergen verborgen, Port-Vendres und schließlich Collioure, und mit dem unter mir liegenden Banyuls-sur-Mer haben wir sie dann auch schon, die vier Ortschaften, die Banyuls herstellen dürfen."
 
   
  • GASCHKE, Susanne (2003): Genossen ohne frohe Botschaft.
    Mitgliederschwund, Vertrauensverlust, programmatische Leere, Nachwuchsmangel: Das sind die vier Plagen, von denen die SPD heimgesucht wird. Die Parteiführung reagiert mit Durchhalteparolen. Und die Basis verzweifelt
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.
    • Inhalt:
      Susanne GASCHKE verbreitet angesichts des Mitglieder- und Wählerschwunds Durchhalteparolen:

                "In aktuellen bundesweiten Umfragen kommt die SPD nur noch mit Mühe über 25 Prozent. »Viel weiter nach unten wird es nicht gehen«, sagt Parteienforscher Walter. »Jetzt sind die Sozialdemokraten bei den Treuesten der Treuen angelangt. Ironischerweise sind es diese oft als Fossilien verspotteten letzten Traditionswähler, die den Matadoren der Agenda 2010 noch die Stange halten – ohne von dieser Politik überzeugt zu sein.« Unterstützung finde die Agenda im Bürgertum: »Aber das wählt darum nicht SPD.«"
 
   
  • ULRICH, Bernd (2003): Frau Merkel traut sich was.
    Bisher hat die CDU-Vorsitzende sich inhaltlich nie festgelegt. Nur ihre Karriere verlief nach Plan. Nach ihrer Rede vom 1. Oktober ist alles anders. Merkel predigt radikale Reformen und wagt den Streit mit ihrer Partei,
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.
    • Kommentar:
      Bernd ULRICH, sieht sich auf seinem Weg, die Wende zum Weniger gestalten zu können, einen Schritt weiter. Dafür vermarktet er Angela MERKELs Vorstellungen zum Sozialstaat als "
      Thatcherismus mit menschlichem Antlitz".
 
     
     
   
  • STIEGLER, Bernd (2003): Küssen wie im Kino.
    Die Soziologin Eva Illouz schildert die Verführung der romantischen Liebe durch die kapitalistische Warenwelt,
    in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 08.10.
 
   
  • SCHRÖDER, Christoph (2003): Neues aus dem Wohlstandsghetto.
    Georg M. Oswald üblickt die Unüberwindbarkeit von inneren Grundstücksgrenzen,
    in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 08.10.
 
     
     
   
  • PETER, Stefanie (2003): Zwanzig Grad unter Null Bock.
    Holden Caulfield in der Steppe: Roman Sencin seziert die russsische Provinz,
    in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 07.10.
 
   
  • KÖRTE, Peter (2003): Der Schrecken ist ein leiser Schatten.
    Kontinentalverschiebungen der Seele: Neue Erzählungen von Haruki Murakami,
    in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 07.10.
 
   
  • TKALEC, Maritta (2003): Die neue Republikflucht ist weiblich.
    Viel mehr junge Frauen als Männer ziehen in den Westen,
    in: Berliner Zeitung v. 07.10.
    • Inhalt:
      "Warum sind unter den 620 000 Menschen, die der Osten zwischen 1991 und 2001 an den Westen verlor, 409 000 Frauen und nur 211 000 Männer?" fragt sich TKALEC und spekuliert über die Gründe:
                "Bekannt aus alter Zeit ist die Dienstmädchenmigration, die junge Frauen massenhaft vom Land in die Städte führte. Historisch üblich ist es, dass die Frau eher dem Manne an dessen Wohnort nachzieht. Traditionell trifft zu, dass Frauen ihren Mann gern dort suchen, wo sie Gutverdiener vermuten. Und noch immer gilt die alte Regel, wonach der Arbeitsmarkt der größte Heiratsmarkt ist.
      Der Osten jedenfalls wird als Heiratsmarkt immer unattraktiver. Und weil Frauen ihre Kinder dort bekommen, wo sie wohnen, hat der Osten zwischen seinen Rentnern bald noch mehr Platz für die Ansiedlung von Wölfen und Bären als heute schon.
      "
 
   
  • HAGE, Volker (2003): Fünf Arten, die Liebe zu erzählen.
    Zur Frankfurter Buchmesse 2003 präsentieren sich die deutschen Autoren mit so freizügigen wie fragilen Darstellungen erotischer Begegnungen, ohne sich oder ihre Partner dabei zu schonen - wer sich porträtiert glaubt, bemüht auch schon mal die Gerichte,
    in: Spiegel Nr.41 v. 06.10.
 
     
   
  • HABERL, Tobias (2003): Am liebsten liquidieren wir uns selbst.
    Ein nobles Pseudonym und lauter miese Parvenus: Don Alphonso beerdigt die New Economy,
    in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 06.10.
 
   
  • BLÜM, Norbert (2003): Abschied vom Solidarprinzip.
    Die Reform-Vorschläge der Herzog-Kommission belasten einseitig die Arbeitnehmer,
    in: Tagesspiegel v. 06.10.
 
   
  • LANGELÜDDECKE, Ines & Patrik SCHWARZ (2003): Die Zweier-Wette.
    Warum Bindungen befreien können - ein Lob der Verlobung,
    in: Tagesspiegel v. 05.10.
    • Kommentar:
      LANGELÜDDECKE, Jahrgang 1976, kam beim MERKUR-Essaywettbewerb "Unter 28" unter die Top Five und darf nun hier mit Patrick SCHWARZ zusammen dem Wandel des Wertewandels hinterher schreiben (was als Provokation verkauft wird):

                "Von unserer Verlobung soll dieser Essay den Bogen schlagen zur Bedeutung der Bindung in ganz anderen Feldern: Wo überall erscheint uns 25- bis 35-Jährigen Bindung wieder attraktiv, im Privaten wie in der Politik, obwohl sie doch denen, die vor 30 Jahren in unsrem Alter waren, als Fessel galt? Letztlich sammeln wir damit Anhaltspunkte für eine Suche: Wie kann ein Politikentwurf aussehen, der die Wertschätzung für Bindung zum Maßstab hat? Unweigerlich reden wir dabei in Kategorien von Generationen, von zweien vor allem: den 68ern und ihren Kindern. Was die einen abzustreifen suchten, so unser Eindruck, erscheint den anderen viel versprechend. Unser Blick ist dabei radikal subjektiv – und wir zählen auf eine beliebige Zahl von Kronzeugen unseres Alters, die unseren Befunden nur zu bereitwillig widersprechen. Schließlich gefällt uns am Lobpreis der Verbindlichkeit nicht zuletzt die Kraft, im Zeitalter der Beliebigkeit Widerspruch zu provozieren."
 
   
  • MROZEK, Bodo (2003): Der Mann, der Agnes heißt.
    Familiengeschichten: Oskar Roehler dreht eine Tragikomödie über sexuelle Begierde - in der leeren Staatsbibiliothek,
    in: Tagesspiegel v. 05.10.
    • Inhalt:
      Bodo MROZEK schreibt über einen neuen Film von Oskar ROEHLER:

                "»Agnes und seine Brüder« ist die Geschichte so einer Familie. Drei Söhne, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Hans-Jörg (Moritz Bleibtreu) ist ein sexsüchtiger Spanner, der sich in der Fassade eines biederen Berufs eingerichtet hat. Den missbraucht er allerdings für seine sexuellen Obsessionen. Werner (gespielt von Herbert Knaup) ist Politiker bei den Grünen mit augenscheinlich glücklicher Familie. Doch seine Frau hat ihn innerlich längst verlassen und die eigenen Kinder versuchen ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Agnes, der dritte Bruder, tingelt als Tänzerin durch Nachtclubs, er hat aus Liebe zu einem Mann eine Geschlechtsumwandlung hinter sich. Der Geliebte wandte sich danach von ihm/ihr ab. Drei ungleiche Brüder, die nur die gemeinsamen Gene verbinden, die ihnen der innig gehasste Vater vererbte."
 
     
   
  • FUCHS, Peter (2003): Die Bonzen und die Bockigen.
    Die trotzigen Kinder der Agenda 2010: Bundestagsabgeordnete der SPD, die sich dem Fraktionszwang nicht beugen, werden wie Dissidenten behandelt. Was ist bloß los in einer Partei, die Insubordination doch eigentlich schätzen und schützen müsste?
    in: TAZ v. 04.10.
 
   
  • ROEDIG, Andrea (2003): Schluss mit dem Sex.
    Heute vor hundert Jahren erschoss sich Otto Weininger, Doktor der Philosophie und Autor eines skandalösen Buches. "Geschlecht und Charakter" verschrieb sich der Auslöschung der Geschlechter - ein Programm, das modifiziert heute wieder Konjunktur hat,
    in: TAZ v. 04.10.
    • Inhalt:
      Andrea ROEDIG referiert über die neue Aktualität von Otto WEININGER:

                "Der Furor des Weiningerschen Frauenhasses wirkt heute, hundert Jahre später, lächerlich anachronistisch und hat allenfalls an Stammtischen, in Teilen des FAZ- und Welt-Feuilletons oder in den Büchern des Militärhistorikers Martin van Creveld ("Das bevorzugte Geschlecht") überlebt. Eine gewisse Modernität aber könnte Weiningers Wunsch nach der Ausmerzung der Geschlechterdifferenz haben. Das Motto stop making sex durchzieht, wenn auch implizit und mit umgekehrten Vorzeichen, wie ein Refrain die neuere männliche Popliteratur.
      Es durchzieht die Romane als narzisstisches Phlegma, wie beispielsweise Benjamin von Stuckrad Barres »Soloalbum« (...). Es durchzieht Georg M. Oswalds »Alles was zählt« oder Christian Krachts Roman »Faserland« (...).
      Und es durchzieht als Endpunkt sexueller Obsession die Bücher des Erotomanen Michel Houellebecq (...). Die Protagonisten seiner Romane meiden die Penetration. Und ist (wie in »Elementarteilchen« und »Plattform«) endlich die Frau gefunden, die Permanentbefriedigung gewährt, muss sie auch gleich wieder tragisch sterben, durch Selbstmord, Attentat, Gebärmutterhalskrebs. Weggeschafft.
      Es wäre übertrieben, all diese Romane unter das gleiche Motto stellen zu wollen oder im strengen Sinne Parallelen zwischen der paranoiden Hitze eines Weininger und dem fischig-kalten Zynismus Houellebecqs zu ziehen. Doch als Gedankenexperiment ließen sich beide als extreme Enden einer Geschichte der Kastrationsangst verstehen.
      An ihrem Anfang steht Weiningers Fluch auf die Moderne als der »jüdischsten« und »weibischsten« aller Zeiten, an ihrem Ende steht Houellebecqs Romanfigur Michel Djerzinski, die in »Elementarteilchen« gelassen feststellt, dass Männer nutzlos geworden sind. Während sein Bruder Bruno, armes Erdentier, nichts anderes kann als unermüdlich sexueller Befriedigung hinterherzulaufen, verfasst der Mikrobiologe Michel eine »Prolegomena zu einer vollkommenen Replikation« mit dem Ziel, die biologische Entwicklung von Fortpflanzung und Sexualität abzukoppeln. (...).
      Man könnte die Figur des Michel als einen kleinen, technologisch geläuterten Wiedergänger Weiningers verstehen, sie ist in gewisser Weise seine Erfüllung - und sein Gegenteil. (...).
      Gemeinsam ist beiden die Sehnsucht nach der Befreiung vom Sex - zumindest als Fortpflanzung - und der Auflösung der Geschlechter. Michel Djerzinski, die Romanfigur, und Otto Weininger, der tote Philosoph, sind Utopisten, sie basteln am Engel, der geschlechtslosen Monade. Welch Zukunftsmusik. Uns Irdischen bleibt unterdessen nur die Tristesse eines Soloalbums."
 
     
   
  • Kinostart: Leander Haußmann - Herr Lehmann

    • BALZER, Jens (2003): Wie war das noch mal mit der Wiedervereinigung?
      Leander Haußmanns "Herr Lehmann"-Version,
      in: Berliner Zeitung v. 02.10.
      • Inhalt:
        "
        Man sieht sich den Kinofilm »Herr Lehmann« wohl am besten so an, wie Herr Lehmann sich »Herr Lehmann« im Kino ansehen würde: breit wie drei Reiher, mit viel Flaschenbier und vielleicht auch ein bisschen Koks; müde, aber schlaflos; gegen Zusammenhänge gänzlich ertaubt, aber mit sekundenkurzen Momenten der Klarheit beschenkt, in denen sich der Verstand ruhelos immer wieder in irgendwelchen halb- bis unwichtigen Details verhakt und diese von allen Seiten bestaunt und analysiert und sich verhakt und verhakt und verhakt", empfiehlt Jens BALZER
 
     
   
  • SOMMER, Theo (2003): Leben in Deutschland.
    Wie leben wir, was hat sich verändert - und warum? In dieser Woche beginnt eine 29-teilige ZEIT-Serie. Sie schildert, wie wir auf die Welt kommen, wie wir lieben, lernen, arbeiten, glauben, spielen, träumen, alt werden und sterben - eine Entdeckungsreise in das eigene Land,
    in: Die ZEIT Nr.41 v. 02.10.
    • Kommentar:
      Die "
      Welt von 1953 ist dahin. Lebensformen, -führung und -verläufe haben sich seitdem massiv verändert," lautet die Individualisierungsprosa, wie sie seit 20 Jahren die Sichtweise auf diese Gesellschaft prägt.
                Aber stimmt das auch? Geändert haben sich weniger die Lebensformen an sich, sondern die Normen.
                Die Vielfalt der Lebensformen wurde in den 50er Jahren als abweichend stigmatisiert. Die bürgerliche Familie galt als unumstrittenes Ideal, das durch das Rechtssystem zusätzlich stabilisiert wurde. Einzig in Bezug auf dieses Leitbild, lässt sich eine Veränderung konstatieren.
                Veränderungen gab es - unbestreitbar - im technologischen und organisatorischen Bereich, aber die Veränderungen lassen sich nicht - wie es die Individualisierungsprosa tut - über einen Kamm scheren.
 
     
   
  • RUTSCHKY, Michael (2003): Was ist heute links?
    in: TAZ v. 01.10.
    • Kommentar:
      Michael RUTSCHKY klagt über den öffentlichen Dienst als Avantgarde der linken Mittelklasse.

                Welch ein Treppenwitz der Geschichte!
      Ist RUTSCHKY nicht DER idealtypische Repräsentant eines selbstgefälligen Milieus, das sich als die einzig wahre Elite Deutschlands versteht?

                Michael RUTSCHKY ist eine Zentralfigur der 68er-Generation, die es sich inzwischen - dank sozialem Aufstieg - in der Neuen Mitte bequem macht.
                Präsent in fast allen Mitte-Feuilletons (Den Spagat zwischen TAZ und WELT schafft man inzwischen in diesem Milieu spielend) gehört er zu einer neuen Form des öffentlichen Dienst. Diese Individualisierungs-Schickeria hat nur für das Altern noch keine Endlösung gefunden hat.  
 
     
   
  • ZIEGLER, Julia (2003): Das liebe Geld.
    Scheidung erhöht das Armutsrisiko bei Frauen - eine Bielefelder Studie untersucht die Folgen von Trennungen,
    in: Tagesspiegel v. 01.10.
    • Kommentar:
      "Jede dritte Ehe in Deutschland wird geschieden, in Großstädten ist es jede zweite", posaunt - nicht nur - ZIEGLER hinaus.

                Der Soziologe Kurt LÜSCHER hat solche reißerischen Sätze als Familienrhetorik entlarvt:
                "Die Wahl der Bezugsgröße: Wird jede dritte Ehe geschieden - wie dies die zusammengefaßte Scheidungsziffer nahelegt - oder sind es 80 von 10.000 bestehenden Ehen?" stellt LÜSCHER zur Debatte. Der Sozialpopulismus und die moralische Empörung lebt von solchen Dramatisierungen.
                Die Ökonomie der Aufmerksamkeit verlangt in der Zeitungskrise zudem drastische Formulierungen.
                Die Individualisierungsdebatte, vor 20 Jahren vom Soziologen Ulrich BECK angestoßen, lebt von demographischer Rhetorik.
                Singles bekommen nun die Quittung präsentiert. Denn ihre quantitative Verbreitung steht in keinerlei Verhältnis zur medialen Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird.
                Der Lifestyle-Soziologe Stefan HRADIL hat eine halbherzige Erklärung gefunden: Singles sind ideale Projektionsflächen für Nicht-Singles. Das mag stimmen, ist jedoch nur die halbe Wahrheit.
                Die andere Hälfte der Wahrheit liegt in der bewussten rhetorischen Dramatisierung, wie sie von Kurt LÜSCHER in vielen Beispielen belegt worden ist.
 
   
  • FREI (2003): Falsches Sparen mit "Geburtenkeule".
    Die Kinder- und Jugendärzte warnen davor, dass Kinderspitäler kaputtgespart werden. Der angebliche Geburtenrückgang finde derzeit nämlich gar nicht statt - vielmerh müsse man qualitativ auf das deutliche Ansteigen der Zahl von Frühgeburten reagieren,
    in: Der Standard v. 01.10.
    • Kommentar:
      Verkehrte Welt! Wurde Österreich noch vor kurzem von einer Wertedebatte erschüttert, die sich aus dem Geburtenrückgang speist. Und nun soll das alles gar nicht wahr sein?
      FREI zitiert:

                "»Die Politiker rennen mit der Keule des Geburtenrückgangs herum - aber der Geburtencrash hat vor 25 Jahren stattgefunden.« In den 60er-und 70er-Jahren war die Geburtenrate von knapp 135.000 auf unter 90.000 abgesackt. Seither stagniere die Zahl, »im ersten Halbjahr 2003 gab es sogar einen Zuwachs von zwei Prozent«".
      Was den einen in die politische Strategie passt, das ist anderen gar nicht recht.

                Auch in Deutschland ist der Streit um den Geburtenrückgang entbrannt. Die Neuen Mitte-Medien ignorieren dies jedoch beharrlich - schließlich soll die drastische Sozialreform - mit Hinweis auf den Sachzwang "demografischer Wandel" durchgepeitscht werden...
 
   
  • BAßLER, Moritz (2003): Ein dystanziertes Gefühl.
    Russlands junge Autoren transferieren mit Pfiff die Warenkultur des Westens. Ein Streifzug durch den Pop à la Russe,
    in: Literaturen, Oktober
 
   
  • HEIDINGSFELDER, Markus (2003): Pop ist keine Frikadelle.
    Jetzt mal im Ernst! Professor Peter Fuchs sagt uns, warum wir eigentlich Musik hören,
    in: Rolling Stone, Oktober
    • Kommentar:
      Peter FUCHS räumt aus systemtheoretischer Sicht auf mit dem Mythos popkultureller Selbstbeschreibungen. Pop ist weder revolutionär, noch systemkritisch, sondern ist Teil der systemstabilisierenden, gesellschaftlichen Reproduktion. Pop hat eine Orientierungsfunktion im Hinblick auf die Frage, wie möchte ich leben?

                Das Buch "Verzichten auf" von Matthias KALLE ist der beste Beleg für diese These.
                Peter FUCHS geht noch weiter und sieht Pop als Mittel, um die Komplexität der postmodernen Gesellschaft zu reduzieren:
                "Man kann in der modernen Gesellschaft nicht mehr »präzise« oder »eineindeutig« leben, weil es keine Unbezweifelbarkeiten gibt - es sei denn um den Preis von Ideologie, Fundamentalismus, Ignoranz gegenüber abweichenden Beobachtungen. Und da scheint es mir so zu sein, dass Pop sozial attraktiv wird, weil er den massiven Verlust an Eindeutigkeit kompensiert".
                Anschlussfähig ist die Argumentation auch zu Eckhard SCHUMACHERs "Gerade Eben Jetzt":
                "Pop würde (...) nicht über Themen organisiert; er wäre folglich kein intellektuelles Phänomen. Es ginge um Präsenz, die Erzeugung einer Gegenwart, die über Musik, Körper, Gefühl sich immunisiert gegen das Auch-anders-möglich."
                Ganz zum Schluss noch eine Zugabe:
                "Leute wie die Stones rücken in die Funktionsstelle ein, die früher der Adel innehatte."
 
     
     
     
   

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Zu den News vom 26. - 30. September  2003

 
       
   
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