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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 01. - 10. Oktober 2003

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Ich kenne eine Frau, die wäre lieber aus falschen Gründen mit einem Mann zusammen als aus richtigen Gründen allein - das kommt, weil sie Angst hat, Angst vorm Verlassenwerden, vor dem Alleinsein. Dabei entsteht aus der Angst erst Einsamkeit und daraus letztendlich auch die Freiheit. Zu deprimierend? Nein, überhaupt nicht. Zu oft und vor allem zu lange habe ich meine Zeit mit Menschen verbracht, die mir furchtbar egal waren (...). Gerade in meinem Alter scheint es so ein Zwang zu sein, sich in die Gesellschaft zu begeben, Menschen kennen zu lernen (...). Ich kenne welche, die leben seit Jahren in Partnerschaften und sie sind einsam. Ich kenne welche, die haben viele Freunde und sie sind einsam. Ich kenne Nachtlebenmenschen, die gehen ständig aus und sind einsam. Angst zuzulassen bedeutet also auch, die Einsamkeit hinzunehmen, sie zu ertragen, sie als das zu akzeptieren, was sie ist, was sie sein sollte: der Ort, an dem wir alleine sind, von dem wir beginnen - der Ort von dem aus alles möglich ist."
(Matthias Kalle in "Verzichten auf", 2003, S.216)

 
       
       
     
       
   
  • BÜHLER, Philipp (2003): Umso härter ist der Fall.
    Das Leben so abbilden, wie es ist, und nicht so, wie es sein soll: Das will Roger Michells Film "Die Mutter" über Sex im Alter. Leider aber kommt er mit dem realistischen Anspruch auch nicht weiter als bis zum Klischeebild der unwürdigen Greisin,
    in: TAZ v. 10.10.

 
       
   
  • Nachrufe zum Tod von Neil Postman

"Für die konservative Medienkritik der letzten Jahrzehnte war Neil Postman der erfolgreichste Parolenerfinder; unter den gebildeten Verächtern der Massenkultur war er der massenkulturell erfolgreichste Star",

so beschreibt Jens BALZER das Paradoxon des Aufklärers POSTMAN, dessen bildungsbürgerlicher Habitus und apokalyptischer Ton bereits Mitte der 1980er Jahre die Forderung nach einem  "Ende der Spassgesellschaft" vorwegnahm.

"Als Neil Postmans 70. Geburtstag vor zwei Jahren gefeiert wurde, hieß es, seine Prophezeiungen hätten sich nicht erfüllt. Das war falsch. An der Entmündigung, die er ursprünglich nur vom Fernsehen erwartete, arbeitet inzwischen auch das Verlagsgewerbe",

behauptet Jens JESSEN, dem Dirk KNIPPHALS unlängst einen "aggressiv und elitär (...)(gebenden) Kulturfundamentalismus" bescheinigt hat. Während BALZER noch auf den "studentenbewegten Linksintellektuellen" verweist, hebt Mariam LAU - entsprechend dem gegenwärtigen Zeitgeist - bei POSTMAN den Verfechter einer "Protestantischen Ethik" hervor. Doris KRUMPL stellt POSTMAN in die Theorietraditionen von Marshall McLUHAN und Guy DEBORD ("Gesellschaft des Spektakels"), nennt seine Weiterführungen aber "brachial simplifizierend". Norbert BOLZ stellt ihn dagegen - ganz eigennützig - in eine andere, gerade besonders aktuelle, Theorietradition:

"Wie Adorno ging auch Postman davon aus, dass unsere Gegenwart nicht Orwells »1984«, sondern Huxleys »Schöner Neuer Welt« gleicht: Wir würden nicht durch einen Großen Bruder überwacht, sondern durch Lust-Impulse ferngesteuert."

Elegant nutzt BOLZ den Kulturkritiker POSTMAN, um der telegenen Kulturkritik eine Absage zu erteilen:

"Dass selbst das »anspruchsvolle Programm« nicht die Lösung des Problems Fernsehen sondern das Problem selbst ist, gehört zu den wichtigsten Einsichten Postmans. Er ließ keinen Zweifel daran, dass »junk« das Beste am Fernsehen ist – Nonsense also. Denn Gefahr droht unsere Kultur nicht von Stefan Raab, sondern von Roger Willemsen."

Fritz GÖTTLER stellt POSTMAN als Moralisten POSTMAN vor:

"Als Medienkritiker hat Postman sich immer als Moralist gesehen – was ihn klar von seinem großen Kollegen Marshall McLuhan unterschied. Postman glaubte an Vernunft und Intellekt, aber auch an die Sinnlichkeit – ein Erbe von Emerson und Thoreau. Der medialen Umweltverschmutzung wollte er mit einer eigenen Medienökologie begegnen (...).
Als Moralist ist Postman schließlich Melancholiker geworden."

Der Nachruf von Christian GEYER gerät so ganz nebenbei zum Loblied auf die Qualitätszeitung - FAZ eben! Als den besseren Fernsehkritiker empfiehlt er dann ausgerechnet Pierre BOURDIEU.

  • JESSEN, Jens (2003): Zu Tode amüsiert.
    Eine Erinnerung an Neil Postman aus Anlass der Frankfurter Buchmesse,
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.

  • BOLZ, Norbert (2003): Gutenbergs letzter Ritter.
    Zum Tod des Medien-Denkers und Kulturkritikers Neil Postman,
    in: Tagesspiegel v. 10.10.

  • LAU, Mariam (2003): Ein Feind der bösen neuen Welt.
    Neil Postman, der den Untergang der Lesekultur prophezeite, ist in New York gestorben,
    in: Welt v. 10.10.

  • BALZER, Jens (2003): Opfer der Schundliteratur.
    Zum Tod des Pädagogen und Medienkritikers Neil Postman,
    in: Berliner Zeitung v. 10.10.

  • GEYER, Christian (2003): Auf ein System von Schelmen anderthalbe.
    Das ist die Sprache, die das Fernsehen versteht: Mit Neil Postman ist der Prophet der populären Kulturkritik gestorben,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.

  • GÖTTLER, Fritz (2003): Kindheit als Konzept.
    Zum Tod des amerikansichen Medienkritikers und Moralisten Neil Postman,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.10.

  • KRUMPL, Doris (2003): Neil Postman 1931 - 2003.
    Zum Tode des US-Medienkritikers,
    in: Der Standard v. 10.10.

  • STÄHELI, Alexandra (2003): Gegen das Ende des Realen.
    Zum Tod von Neil Postman,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 10.10.

 
       
     
       
     
       
   
  • SASS, Björn-Erik (2003: Trauben des Zorns.
    Einmal im Leben richtig arbeiten, dachte sich unser Autor. Also fuhr er ins französische Banyuls-sur-Mer, um Wein zu lesen. Ein harter Job. Die Berge sind steil, und der Erntekorb wiegt 60 Kilogramm – dafür sind die Früchte lecker und zuckersüß,
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.

Björn-Eirk SASS schreibt über das französische Weinangebaugebiet Banyuls: "Der Blick über das Meer und die Küste ist einfach eine Wucht. Diese letzten Kilometer Mittelmeer vor der spanischen Grenze heißen Côte Vermeille, und Vermeille bedeutet vergoldetes Silber. Die Pyrenäen schieben sich bis an den Strand; das Ufer ist felsig und zerklüftet, mit vielen Buchten und Vorsprüngen, manche nennen diese Landschaft deshalb auch Côte Rocheuse, die Felsenküste. Halb rechts hinter den Bergen liegt Cerbère, die letzte Stadt vor der Grenze, auf der linken Seite kommen, auch hinter Bergen verborgen, Port-Vendres und schließlich Collioure, und mit dem unter mir liegenden Banyuls-sur-Mer haben wir sie dann auch schon, die vier Ortschaften, die Banyuls herstellen dürfen."
 
       
   
  • GASCHKE, Susanne (2003): Genossen ohne frohe Botschaft.
    Mitgliederschwund, Vertrauensverlust, programmatische Leere, Nachwuchsmangel: Das sind die vier Plagen, von denen die SPD heimgesucht wird. Die Parteiführung reagiert mit Durchhalteparolen. Und die Basis verzweifelt
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.

 
       
   
  • ULRICH, Bernd (2003): Frau Merkel traut sich was.
    Bisher hat die CDU-Vorsitzende sich inhaltlich nie festgelegt. Nur ihre Karriere verlief nach Plan. Nach ihrer Rede vom 1. Oktober ist alles anders. Merkel predigt radikale Reformen und wagt den Streit mit ihrer Partei,
    in: Die ZEIT Nr.42 v. 09.10.

 
       
   
  • SIEMS, Dorothea (2003): Angriff auf die Alten.
    Mit Belastungen der Rentner will Rot-Grün die Altersversorgung stabilisieren. Doch der Verteilungskampf der Zukunft wird zwischen Eltern und Kinderlosen geführt - nicht zwischen Alt und Jung,
    in: Welt v. 09.10.

Bestandsschutz für die 68er-Generation und hohe Sonderbeiträge für Kinderlose und die nachfolgenden Generationen? Nein!
 
       
     
       
   
  • Eva Illouz - Der Konsum der Romantik

    • STIEGLER, Bernd (2003): Küssen wie im Kino.
      Die Soziologin Eva Illouz schildert die Verführung der romantischen Liebe durch die kapitalistische Warenwelt,
      in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 08.10.

 
       
   
  • Georg M. Oswald - Im Himmel

    • SCHRÖDER, Christoph (2003): Neues aus dem Wohlstandsghetto.
      Georg M. Oswald üblickt die Unüberwindbarkeit von inneren Grundstücksgrenzen,
      in: Literaturbeilage der Frankfurter Rundschau v. 08.10.

 
       
     
       
     
       
   
  • Roman Sencin - Minus

    • PETER, Stefanie (2003): Zwanzig Grad unter Null Bock.
      Holden Caulfield in der Steppe: Roman Sencin seziert die russsische Provinz,
      in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 07.10.

 
       
   
  • Haruki Murakami - Nach dem Beben

    • KÖRTE, Peter (2003): Der Schrecken ist ein leiser Schatten.
      Kontinentalverschiebungen der Seele: Neue Erzählungen von Haruki Murakami,
      in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 07.10.

 
       
     
       
   
  • HAGE, Volker (2003): Fünf Arten, die Liebe zu erzählen.
    Zur Frankfurter Buchmesse 2003 präsentieren sich die deutschen Autoren mit so freizügigen wie fragilen Darstellungen erotischer Begegnungen, ohne sich oder ihre Partner dabei zu schonen - wer sich porträtiert glaubt, bemüht auch schon mal die Gerichte,
    in: Spiegel Nr.41 v. 06.10.

 
       
     
       
   
  • Don Alphonso - Liquide

    • HABERL, Tobias (2003): Am liebsten liquidieren wir uns selbst.
      Ein nobles Pseudonym und lauter miese Parvenus: Don Alphonso beerdigt die New Economy,
      in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 06.10.

 
       
   
  • BLÜM, Norbert (2003): Abschied vom Solidarprinzip.
    Die Reform-Vorschläge der Herzog-Kommission belasten einseitig die Arbeitnehmer,
    in: Tagesspiegel v. 06.10.

 
       
   
  • LANGELÜDDECKE, Ines & Patrik SCHWARZ (2003): Die Zweier-Wette.
    Warum Bindungen befreien können - ein Lob der Verlobung,
    in: Tagesspiegel v. 05.10.

Ines LANGELÜDDECKE, Jahrgang 1976, kam beim Merkur-Essaywettbewerb "Unter 28" unter die Top Five und darf nun hier mit Patrick SCHWARZ zusammen dem Wandel des Wertewandels hinterher schreiben (was als Provokation verkauft wird):

"Von unserer Verlobung soll dieser Essay den Bogen schlagen zur Bedeutung der Bindung in ganz anderen Feldern: Wo überall erscheint uns 25- bis 35-Jährigen Bindung wieder attraktiv, im Privaten wie in der Politik, obwohl sie doch denen, die vor 30 Jahren in unsrem Alter waren, als Fessel galt? Letztlich sammeln wir damit Anhaltspunkte für eine Suche: Wie kann ein Politikentwurf aussehen, der die Wertschätzung für Bindung zum Maßstab hat? Unweigerlich reden wir dabei in Kategorien von Generationen, von zweien vor allem: den 68ern und ihren Kindern. Was die einen abzustreifen suchten, so unser Eindruck, erscheint den anderen viel versprechend. Unser Blick ist dabei radikal subjektiv – und wir zählen auf eine beliebige Zahl von Kronzeugen unseres Alters, die unseren Befunden nur zu bereitwillig widersprechen. Schließlich gefällt uns am Lobpreis der Verbindlichkeit nicht zuletzt die Kraft, im Zeitalter der Beliebigkeit Widerspruch zu provozieren."

 
       
   
  • MROZEK, Bodo (2003): Der Mann, der Agnes heißt.
    Familiengeschichten: Oskar Roehler dreht eine Tragikomödie über sexuelle Begierde - in der leeren Staatsbibiliothek,
    in: Tagesspiegel v. 05.10.

Bodo MROZEK schreibt über einen neuen Film von Oskar ROEHLER: "»Agnes und seine Brüder« ist die Geschichte so einer Familie. Drei Söhne, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Hans-Jörg (Moritz Bleibtreu) ist ein sexsüchtiger Spanner, der sich in der Fassade eines biederen Berufs eingerichtet hat. Den missbraucht er allerdings für seine sexuellen Obsessionen. Werner (gespielt von Herbert Knaup) ist Politiker bei den Grünen mit augenscheinlich glücklicher Familie. Doch seine Frau hat ihn innerlich längst verlassen und die eigenen Kinder versuchen ihn der Lächerlichkeit preiszugeben. Agnes, der dritte Bruder, tingelt als Tänzerin durch Nachtclubs, er hat aus Liebe zu einem Mann eine Geschlechtsumwandlung hinter sich. Der Geliebte wandte sich danach von ihm/ihr ab. Drei ungleiche Brüder, die nur die gemeinsamen Gene verbinden, die ihnen der innig gehasste Vater vererbte."
 
       
   
Rente nach Kinderzahl - Der nicht erklärte Krieg gegen Singles
 
       
   

FAS-Wirtschaftsthema: Das Alter sichern.
Jetzt werden die Weichen gestellt. Fehlt Rot-Grün heute die Kraft zur großen Reform, dann werden künftige Generationen im Alter ihren Lebensstandard nicht mehr halten können. Was getan werden muß

GERMIS, Carsten (2003): Rente unter Druck.
Mitte Oktober lädt der Kanzler wieder zur Klausur: Dann soll über die Alterssicherung bis 2030 entschieden werden. Doch vorher müssen noch ein paar Löcher gestopft werden,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.10.

 
       
   

SCHNORBUS, Axel (2003): Ein Hamburger Friedhof wird Profitcenter.
Die Konkurrenz unter den Friedhöfen wird schärfer. Die Leute sparen. Selbst beim Sterben. Ein Friedhof setzt jetzt auf Marketing. Und macht sogar Gewinn,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.10.

 
       
   
  • FUCHS, Peter (2003): Die Bonzen und die Bockigen.
    Die trotzigen Kinder der Agenda 2010: Bundestagsabgeordnete der SPD, die sich dem Fraktionszwang nicht beugen, werden wie Dissidenten behandelt. Was ist bloß los in einer Partei, die Insubordination doch eigentlich schätzen und schützen müsste?
    in: TAZ v. 04.10.

 
       
   
  • ROEDIG, Andrea (2003): Schluss mit dem Sex.
    Heute vor hundert Jahren erschoss sich Otto Weininger, Doktor der Philosophie und Autor eines skandalösen Buches. "Geschlecht und Charakter" verschrieb sich der Auslöschung der Geschlechter - ein Programm, das modifiziert heute wieder Konjunktur hat,
    in: TAZ v. 04.10.

Andrea ROEDIG referiert über die neue Aktualität von Otto WEININGER: "Der Furor des Weiningerschen Frauenhasses wirkt heute, hundert Jahre später, lächerlich anachronistisch und hat allenfalls an Stammtischen, in Teilen des FAZ- und Welt-Feuilletons oder in den Büchern des Militärhistorikers Martin van Creveld ("Das bevorzugte Geschlecht") überlebt. Eine gewisse Modernität aber könnte Weiningers Wunsch nach der Ausmerzung der Geschlechterdifferenz haben. Das Motto stop making sex durchzieht, wenn auch implizit und mit umgekehrten Vorzeichen, wie ein Refrain die neuere männliche Popliteratur.
Es durchzieht die Romane als narzisstisches Phlegma, wie beispielsweise Benjamin von Stuckrad Barres
»Soloalbum« (...). Es durchzieht Georg M. Oswalds »Alles was zählt« oder Christian Krachts Roman »Faserland« (...).
Und es durchzieht als Endpunkt sexueller Obsession die Bücher des Erotomanen
Michel Houellebecq (...). Die Protagonisten seiner Romane meiden die Penetration. Und ist (wie in »Elementarteilchen« und »Plattform«) endlich die Frau gefunden, die Permanentbefriedigung gewährt, muss sie auch gleich wieder tragisch sterben, durch Selbstmord, Attentat, Gebärmutterhalskrebs. Weggeschafft.
Es wäre übertrieben, all diese Romane unter das gleiche Motto stellen zu wollen oder im strengen Sinne Parallelen zwischen der paranoiden Hitze eines Weininger und dem fischig-kalten Zynismus Houellebecqs zu ziehen. Doch als Gedankenexperiment ließen sich beide als extreme Enden einer Geschichte der Kastrationsangst verstehen.
An ihrem Anfang steht Weiningers Fluch auf die Moderne als der »jüdischsten« und »weibischsten« aller Zeiten, an ihrem Ende steht Houellebecqs Romanfigur Michel Djerzinski, die in »Elementarteilchen« gelassen feststellt, dass Männer nutzlos geworden sind. Während sein Bruder Bruno, armes Erdentier, nichts anderes kann als unermüdlich sexueller Befriedigung hinterherzulaufen, verfasst der Mikrobiologe Michel eine »Prolegomena zu einer vollkommenen Replikation« mit dem Ziel, die biologische Entwicklung von Fortpflanzung und Sexualität abzukoppeln. (...).
Man könnte die Figur des Michel als einen kleinen, technologisch geläuterten Wiedergänger Weiningers verstehen, sie ist in gewisser Weise seine Erfüllung - und sein Gegenteil. (...).
Gemeinsam ist beiden die Sehnsucht nach der Befreiung vom Sex - zumindest als Fortpflanzung - und der Auflösung der Geschlechter. Michel Djerzinski, die Romanfigur, und Otto Weininger, der tote Philosoph, sind Utopisten, sie basteln am Engel, der geschlechtslosen Monade. Welch Zukunftsmusik. Uns Irdischen bleibt unterdessen nur die Tristesse eines Soloalbums."
 
       
     
       
     
       
     
       
   
  • SOMMER, Theo (2003): Leben in Deutschland.
    Wie leben wir, was hat sich verändert - und warum? In dieser Woche beginnt eine 29-teilige ZEIT-Serie. Sie schildert, wie wir auf die Welt kommen, wie wir lieben, lernen, arbeiten, glauben, spielen, träumen, alt werden und sterben - eine Entdeckungsreise in das eigene Land,
    in: Die ZEIT Nr.41 v. 02.10.

Die "Welt von 1953 ist dahin. Lebensformen, -führung und -verläufe haben sich seitdem massiv verändert," lautet die Individualisierungsprosa, wie sie seit 20 Jahren die Sichtweise auf diese Gesellschaft prägt. Aber stimmt das auch? Geändert haben sich weniger die Lebensformen an sich, sondern die Normen. Die Vielfalt der Lebensformen wurde in den 1950er Jahren als abweichend stigmatisiert. Die bürgerliche Familie galt als unumstrittenes Ideal, das durch das Rechtssystem zusätzlich stabilisiert wurde. Einzig in Bezug auf dieses Leitbild, lässt sich eine Veränderung konstatieren. Veränderungen gab es - unbestreitbar - im technologischen und organisatorischen Bereich, aber die Veränderungen lassen sich nicht - wie es die Individualisierungsprosa tut - über einen Kamm scheren.
 
       
     
       
     
       
     
       
     
       
     
       
   
  • Roman Sencin - Minus

    • BAßLER, Moritz (2003): Ein dystanziertes Gefühl.
      Russlands junge Autoren transferieren mit Pfiff die Warenkultur des Westens. Ein Streifzug durch den Pop à la Russe,
      in: Literaturen, Oktober

 
       
     
       
     
       
   
Bei single-generation.de spielte die Eliten-Berichterstattung seit Anfang an eine große Rolle. Inzwischen rücken die Eliten auch in der Medienberichterstattung in den Mittelpunkt. In der Debatte kündigt sich - ganz unscheinbar - die Rückkehr zur Klassengesellschaft an... 
  • LOTTER, Wolf (2003): Die Ausnahmen und die Regel.
    Im Chaos des Wandels mag niemand vorangehen - Eliten sind verpönt, der Begriff gilt als abgefackelt. Doch wie sollen Vorbilder entstehen, wenn man sie nicht lässt?,
    in: brand eins, Oktober

Christian Scholz - Darwiportunismus und das generationsspezifische Wertesystem der Eliten
  • SCHRÖDER, Lina (2003): "Wirtschaft ist keine Religion".
    Ob Marxisten, Neo-Liberale oder Globalisierungsgegner - alle glauben an die Allmacht der Wirtschaft. Der französische Philosoph Pascal Bruckner nicht,
    in: brand eins, Oktober

 
       
     
       
   

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Zu den News vom 26. - 30. September  2003

 
       
   
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