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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 01. - 06. Oktober 2016

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Fehleinschätzung der wahren Ursachen des Geburtenrückgangs führt dazu, dass der Anstieg der Geburtenrate zu spät und zu gering ausfällt     

"Für eine zukünftige leichte Erhöhung der TFR spricht (...) die Entwicklung der Kohortenfertilität (die endgültige Kinderzahl pro Frauenjahrgang), bei der die Trendwende inzwischen relativ deutlich absehbar ist. (...). Auch die Reformen der Familienpolitik könnten zu einer Reduzierung von Kinderlosigkeit und einem leichten Anstieg der Geburtenrate beitragen. Allerdings wäre für einen Anstieg deutlich über 1,6 auch eine Zunahme kinderreicher Frauen notwendig, da ihr Rückgang der stärkste Treiber des Geburtenrückgangs war".
(Martin Bujard & Kai Dreschmitt "Szenarien der Bevölkerungsentwicklung bis 2060" in: Gesellschaft · Wirtschaft · Politik, Heft 3, S.340)

 
       
       
   

Die kinderreiche Familie in der Debatte

NIEJAHR, Elisabeth (2016): "Uns fehlt das dritte Kind".
Der Bevölkerungsforscher Martin Bujard erklärt, warum Vorurteile gegen Großfamilien Deutschland zurückwerfen,
in:
Die ZEIT Nr.42 v. 06.10.

 
       
   

Die rentenpolitische Lösung der Altersarmut in der Debatte

STEPHAN, Björn (2016): Unter ihrer Würde.
Gisela Quenstedt hat 41 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt. Jetzt reicht das Geld nicht. Wie lebt sie damit?
in:
Die ZEIT Nr.42 v. 06.10.

Björn STEPHAN erzählt uns die Fallgeschichte einer Rentnerin, die keine Grundsicherung bezieht und dennoch als arm dargestellt wird:

"Armut ist eine relative Größe. Arm in Deutschland ist, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens auskommen muss. Rechnerisch sind das 12,5 Millionen Menschen, davon 3,4 Millionen Rentner. Für Alleinstehende liegt die Armutsgrenze bei 942 Euro pro Monat. Gisela Quenstedts Rente liegt knapp über der Armutsgrenze. Sie darf keine Grundsicherung beziehen, das Hartz IV der Senioren. Aber lässt sich überhaupt in Prozenten und Tabellen, in Quoten und Diagrammen messen, was es heißt arm zu sein?"

stellt STEPHAN die rhetorische Frage. Armut heißt hier z.B. auf die Tafel angewiesen zu sein:

"Gisela Quenstedt (gehört zu (...) den 350.000 Rentnern in Deutschland, die zur Tafel gehen, weil sie zu wenig Geld haben, um sich genügend Essen zu kaufen".

QUENSTEDT wird uns als typische Westfrau der Nachkriegszeit präsentiert: Sie heiratet, bekommt früh zwei Kinder und gibt dafür ihren Beruf als Verlagskauffrau auf. Später ist sie zuerst Teilzeitbeschäftigte, danach kostenlose, mithelfende Familienangehörige im Geschäft ihres Ehemanns. Mit 35 Jahren verlässt sie ihren Ehemann und arbeitet in Gelegenheitsjobs mit einer längeren Phase der Arbeitslosigkeit. Erst mit 40 Jahren verdient sie 1.400 Euro netto.

"Ihre Arbeit war nie Selbstverwirklichung, sondern Geldverdienen. Mit 60 ging sie in Altersteilzeit. Sie sagt. »Ich hätte bis 65 weiterarbeiten können, für meine Rente hätte es nur zehn Euro mehr ausgemacht«
Quenstedt hat gehofft, sie würde mit der Rente irgendwie auskommen. Sie hat sich geirrt."

Dies ist nicht etwa ein Plädoyer für die solidarische Lebensleistungsrente, denn dazu hätte sie nicht genügend Beitragsjahre. Es ist auch kein Plädoyer für die Mütterrente:

"Ihre beiden Söhne verdienen nicht genug, um sie zu unterstützen. Daher beantragte sie die Grundsicherung, und als ihr die Grundsicherung wegen der Anrechnung der Mütterrente 52 Euro gestrichen wurde, beantragte sie Wohngeld."

Das Fallbeispiel ist auch eine Kritik an jenen, die Rentner den Umzug in Billiggegenden als Lösung ihrer Geldprobleme propagieren:

"Sie wohnt seit elf Jahren hier, 50 Quadratmeter, sanierter Altbau, zwei Zimmer (...).
560 Euro Miete warm (...) im Monat, viel Geld für sie. Sie könnte an den Stadtrand ziehen, wo die Mieten billiger sind, aber sie möchte unter keinen Umständen aus Eimsbüttel weg, sie wohnt hier seit 44 Jahren."

Diese Fallgeschichte lässt sich als Plädoyer für die Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente verstehen - und zwar sofort und nicht erst nach 2030 wie mächtige politische Interessen das planen. Die neoliberale Lösung heißt dagegen: Weiterarbeiten im Rentenalter und Kostensenkung durch Umzug.   

 
       
   

HANDELSBLATT-Serie: Die Zukunft der Rente (3)

THELEN, Peter (2016): Belohnung für harte Arbeit?
HB-Serie Zukunft der Rente (3): Gegen den Rat aller Experten hat die Koalition Mütterrente und Rente ab 63 durchgesetzt. Nun warnen Wissenschaftler vor neuen politischen Wagnissen - dieses Mal vielleicht mit Erfolg,
in:
Handelsblatt v. 06.10.

Peter THELEN gehört zu jenen, die die gesetzliche Rentenversicherung auf eine Grundsicherung (Fürsorge) zurechtstutzen wollen, weshalb ihm einzig die Bekämpfung der Altersarmut als ein legitimer Grund für eine Reform der gesetzlichen Rente gilt. Die Erhaltung des Lebensstandards wird damit stillschweigend zur Aufgabe der kapitalgedeckten Altersvorsorge erklärt. Aber selbst diese Minimalziel wurde durch die Große Koalition gekippt:

"Für Langzeitarbeitslose zahl der Finanzminister seit 2011 gar keine Rentenbeiträge mehr. Der Schutz vor unverschuldeten Wechselfällen eines Erwerbslebens in der Rentenversicherung wurde damit für aktuell 4,8 Millionen Hartz-IV-Empfänger ersatzlos gestrichen. Sein Fehlen ist eine der wichtigsten Ursachen für die in Zukunft vermehrt drohende Altersarmut",

erklärt uns THELEN die neoliberale Sicht. Altersarmut wird in dieser engen Sicht von Armut mit Leistungsbezug aus der Grundsicherung gleichgesetzt, während ein weiter Begriff von Armut von der Teilhabe an der Gesellschaft ausgeht. In der Sprache der amtlichen Statistik wird hier verharmlosend von "Armutsgefährdung" gesprochen. Gerade bei Rentnern, die ihre Position im Gesellschaftsgefüge im Gegensatz zu Jüngeren nicht mehr entscheidend verbessern können, ist eine solche Sprachreglung zynisch.

Die neoliberale Lobbyorganisation INSM hat die HWWI-Forscher Christina BOLL & Andreas LAGEMANN auf die solidarische Lebensleistungsrente angesetzt, um deren Unbrauchbarkeit in Sachen Armutsbekämpfung zu belegen. Diese Lebensleistungsrente wäre jedoch unnötig, wenn das Niveau der gesetzliche Rente nicht sinken würde und versicherungsfremde Leistungen nicht den Beitragszahlern aufgebürdet würden. Das HWWI fordert dagegen eine Subventionierung der Baubranche, was von THELEN und anderen Neoliberalen gerne als "mehr Geld für Bildung" verschleiert wird.

 
       
   

Lügen mit Statistik: Das INSM-Auftragskurzgutachten Wie beeinflusst ein höheres Rentenniveau das Nettoeinkommen der Beitragszahler? in den Medien

SCHWENN, Kerstin (2016): Nahles gegen stark steigende Rentenbeiträge.
Die Arbeitsministerin will bald erklären, welches Rentenniveau sie langfristig für angebracht hält. Ökonomen haben berechnet, dass schon ein konstantes Niveau zu starken Belastungen führt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.10.

 
       
   

Andrea Nahles in der Debatte

SCHWENN, Kerstin (2016): Balanceakt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.10.

 
       
   

Das Renteneintrittsalter und die Erhöhung der Erwerbsquote von Älteren in der Debatte

ALTENBOCKUM, Jasper von (2016): Haltelinien.
Kommentar,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.10.

Wenn Jasper von ALTENBOCKUM König von Deutschland wäre, würde er uns eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung und eine Bevölkerungspolitik als die bessere Rentenpolitik verordnen.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

MOHR, Daniel (2016): Fazzi muss zum Sozialamt.
Finanzplanung mit Mitte fünfzig (8 und Schluss): Die Rente des Vaters reicht nicht, um die Pflege zu bezahlen. Fazzi Indecks muss als Sohn seinen Beitrag leisten. Der Streit um den Elternunterhalt beschäftigt die Juristen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.10.

 
       
   

Die Rentenpolitik in der Debatte

EUBEL, Cordula (2016): Was bleibt.
Arbeitsministerin Andreas Nahles will bald ein Konzept für eine Rentenreform vorstellen. Doch über viele Punkte wird noch gestritten,
in:
Tagesspiegel v. 06.10.

Cordula EUBEL erzählt uns Bullshit über die Rentenpolitik von Andrea NAHLES:

"Nach Seehofer und Gabriel fordert nun auch Sozialministerin Nahles, die bereits geltenden Zielwerte bis 2030 zu überdenken und beim Rentenniveau eine »Haltelinie« einzuführen."

Davon kann keine Rede sein. Lediglich das Rentenniveau nach 2030 bis 2045 steht bezüglich einer Untergrenze derzeit zur Debatte. Nur Gewerkschaften, Linke und Sozialverbände wollen das Niveau bereits vor 2030 stabilisieren.

Das Sozialministerium hat letzte Woche auch keine Berechnungen, die über das Jahr 2030 hinausgehen, veröffentlicht, sondern verweigert uns beharrlich Einblick in die Berechnungen, aus denen nur Medien zitieren, sodass ein Nachvollzug nicht möglich ist.

Fazit: Keine Neuigkeiten bei EUBEL über die Rentendebatte, dafür aber Stimmungsmache gegen eine Stärkung der gesetzlichen Rente vor der Tagung des Koalitionsausschuss.

ARI (2016): Eine Anzahlung.
Kommentar: Rentenniveau,
in:
Tagesspiegel v. 06.10.

Der Kommentar sieht in Österreich hinsichtlich des Rentenniveaus ein Vorbild.

"In dem Nachbarland zahlen auch Selbständige in die Rentenversicherung, und außerdem wird die Beamtenversorgung an die gesetzliche Rente angepasst",

wird uns erzählt. Warum aber wird die Beamtenversorgung an die Rentenversicherung angepasst? Angeblich ist diese doch besser. Wenn dem so wäre, dann müsste umgekehrt das Niveau der gesetzlichen Rentenversicherung der Beamtenversorgung angepasst werden. Da ist also etwas oberfaul!

 
       
   

Die Entwicklung der Gesundheit Älterer in der Debatte

MEISSNER, Juliane (2016): Uralt und immer noch fit.
Warum leben Menschen in bestimmten Gegenden besonders lang? Forscher rätseln,
in: Frankfurter Rundschau
v. 06.10.

Nach den Methusalems werden uns nun "Superhundertjährige", ein Club von Hundertzehnjährigen, als neues Maß der Dinge in Sachen Methusalems vorgestellt.

"Von 46 Frauen und Männern (...) stammen immerhin vier aus Italien. Nun hat eine kleine Studie einige Bewohner der westitalienischen Region Cilento untersucht",

 erzählt uns Juliane MEISSNER, die uns auch Vilcabamba in Ecuador preist:

"vielleicht besser bekannt unter dem Namen Tal der Hundertjährigen. Hier leben etwa 4000 Männer und Frauen, überdurchschnittlich viele von ihnen werden 100 Jahre alt."

Was "überdurchschnittlich viele" heißt, bleibt genauso im Dunkeln wie die Frage, ob solche Geschichten nicht eher Mythen sind, weil Aufzeichnungen in abgelegenen, ländlichen Gebieten selten überprüfbar sind. Die Frage, ob hier Phantome gejagt werden, wird von MEISSNER ausgeklammert. Selbst in gut dokumentierten westlichen Ländern sind Statistikleichen im Bereich der Hochaltrigen nicht selten.   

DÖRHÖFER, Pamela (2016): Viel zu Fuß über Stock und Stein.
Ulla Rahn-Huber beschäftigt sich mit glücklich Gealterten auf Sardinien, die zum Teil auch heute noch ähnlich leben wie ihre Vorfahren in der Bronzezeit,
in: Frankfurter Rundschau
v. 06.10.

Pamela DÖRFHÖFER stellt uns die Buchautorin Ulla RAHN-HUBER vor, die mit populärwissenschaftlichen Büchern den Sensationsfunden der Hundertjährigenforschung nachreist: Zuerst Okinawa in Japan und nun Sardinien, das zu Italien gehört. DÖRHÖFER sieht den Ansatz von RAHN-HUBER eher kritisch.

 
       
   

Die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung in der Debatte

DOEMENS, Karl (2016): Spannend wird es nach 2030.
Einige Fakten zu den Rentenvorschlägen der Sozialministerin. Konzept im November,
in: Frankfurter Rundschau
v. 06.10.

 
       
   

Die Entwicklung der Armut in Deutschland in der Debatte

BUTTERWEGGE, Christoph (2016): Krokodilstränen über die Armut.
Gastbeitrag: Die Eliten in Deutschland ignorieren die Not der Betroffenen. Auch die große Koalition versagt,
in: Frankfurter Rundschau
v. 06.10.

 
       
   

Das Positionspapier Die Mehrheit im Blick des Seeheimer Kreis der SPD zur Bundestagswahl 2017

RIEL, Aert van (2016): Sozialdemokraten kopieren die CDU.
Der Seeheimer Kreis in der SPD-Bundestagsfraktion hat Schwerpunkte für das Wahljahr 2017 formuliert,
in:
Neues Deutschland v. 06.10.

Aert van RIEL berichtet über das Positionspapier des wirtschaftsnahen Seeheimer Kreis der SPD. Dieser will einen Rentenwahlkampf vermeiden.

 
       
   

Die neue Klassengesellschaft in der Debatte

SIEMS, Dorothea (2016): Jung sein ist in Deutschland am besten.
In keiner anderen Industrienation finden 15- bis 29-Jährige so gut in den Arbeitsmarkt - sogar Geringqualifizierte,
in:
Welt v. 06.10.

 
       
   

Dresden in der Debatte

EHRENREICH, Elian (2016): Leipzig tickt anders als Dresden.
Die Bürgerstadt an der Pleiße wurde von den Amerikanern befreit und von ihrer internationalen Messe geprägt. Die Residenzstadt an der Elbe wurde schwer bombardiert und hatte kein Westfernsehen. Das spürt man im einstigen "Tal der Ahnungslosen" bis heute,
in:
Welt v. 06.10.

 
       
   

Das Renteneintrittsalter und die Erhöhung der Erwerbsquote von Älteren in der Debatte

KAISER, Tobias & Dorothea SIEMS  (2016): Die Rente ist sicherer - der Politik zum Trotz.
Finanzierung ist einer Analyse zufolge nachhaltiger als noch vor wenigen Jahren. Verantwortlich seinen die boomende Wirtschaft und gesetzliche Regelungen aus der Zeit vor der Regierung Merkel,
in:
Welt v. 05.10.

KAISER & SIEMS wurde vom Versicherungskonzern Allianz eine Studie zugespielt, die nun neoliberal interpretiert auf die Erhöhung des Renteneintrittsalter fokussiert wird:

"Verantwortlich für die solidere Finanzierung ist allerdings nicht die teure Rentenpolitik der großen Koalition. Es sind vielmehr Gesetzesänderungen aus dem Jahr 2005, mit denen die Frühverrentung gestoppt wurde. Die Regeln haben dafür gesorgt, dass Angestellte heute weit später in Rente gehen als noch vor einigen Jahren. Das durchschnittliche tatsächliche Renteneintrittsalter sei seit der letzten Untersuchung dieser Art vor zwei Jahren stark gestiegen, schreiben die Forscher – auch wenn es immer noch weit unter dem gesetzlichen Renteneintrittsalter liege,

behaupten KAISER & SIEMS, denen positive Entwicklungen wie allen Neoliberalen ein Grauen sind, weswegen sie uns mit Prognosen für das Jahr 2045 von BMAS und BMWI-Berechnungen auf ihre pessimistische Weltsicht herunterziehen wollen.

Fazit: Den Medien zum Trotz: Die gesetzliche Rentenversicherung ist weit besser als ihr neoliberaler Ruf!

KAISER, Tobias  (2016): Nicht ohne Makel, aber stabiler als gedacht.
Das Umlageverfahren des deutschen Rentensystems profitiert vom starken Arbeitsmarkt - und davon, dass die Deutschen länger erwerbstätig sind,
in:
Welt v. 05.10.

Tobias KAISER erklärt uns, dass die Studie keine eigenen Interessen der Allianz verfolge, was der internationale Vergleich jedoch widerlegt. Denn uns wird ausgerechnet die Niederlande als Vorbild empfohlen, denn dort ist die gesetzliche Rente nur noch eine Grundsicherung, während die kapitalgedeckte Altersvorsorge für den Lebensstandard sorgen muss. Dies hat dem Rechtspopulisten Geert WILDERS mit zum Aufstieg verholfen, wie uns die FAZ im August erklärte.

Die Allianz-Studie stützt sich auf veraltetes Datenmaterial, denn zum Renteneintrittsalter werden uns die Zahlen für das Jahr 2014 präsentiert, während für Deutschland längst schon die Zahlen für 2015 vorliegen. Die Welt-Grafiken weisen kein Erhebungsdatum aus, wodurch nicht ersichtlich sind, ob hier überhaupt vergleichbare Zahlen vorliegen. Seriöse Berichterstattung sieht anders aus!     

 
       
   

Die Pensionskassen in der Debatte

URBE, Wilfried  (2016): Arm im Alter?
Fernsehen: Freie Filmschaffende sind bei der Altersvorsorge auf die Pensionskasse Rundfunk angewiesen. Doch das System drohte zu kippen. Nun wurde sich geeinigt,
in:
TAZ v. 05.10.

Die taz als Zeitung für die Kreativen interessiert die Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung nicht, sondern nur jene ihrer Klientel der Kreativen. Wilfried URBE berichtet deshalb über die Situation bei der Pensionskasse Rundfunk (PKR). Wie auch in anderen Einrichtungen der betrieblichen Altersvorsorge gehen Einigungen der Lobbyisten des Versorgungswerks zu Lasten der Beschäftigten.

 
       
   

Christian Baron - Proleten Pöbel Parasiten

BARON, Christian (2016): "Die Barons sind der Sozialhilfe-Adel".
Buchauszug: Was soziale Herkunft, Horrorfilme und Bildungschancen miteinander zu tun haben? Unser Autor hat es erlebt,
in:
Neues Deutschland v. 04.10.

 
       
   

Die Ostrentenangleichung in der Debatte

DOEMENS, Karl (2016): Renteneinheit steht in den Sternen.
Die große Koalition schiebt die geplanten Reformen zur Altersvorsorge vor sich her,
in: Frankfurter Rundschau
v. 05.10.

DOEMENS, Karl (2016): Der unendliche Rentenstreit.
Kommentar,
in: Frankfurter Rundschau
v. 05.10.

 
       
   

Die Rentenpolitik in der Debatte

ROGGENTHIN, Klaus (2016): Ohne Rente aus dem Knast.
Gastwirtschaft: Die älteste sozialpolitische Baustelle Deutschlands,
in: Frankfurter Rundschau
v. 05.10.

 
       
   

Die Staatsaufgaben in der Debatte

MOROZOV, Evgeny  (2016): Die öffentliche Hand lässt mit sich verhandeln.
Politisches Geschäftsmodell: Techfirmen übernehmen derzeit in vielen Ländern Nahverkehr, Altenpflege und Sozialbau,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.10.

Evgeny MOROZOV erklärt uns welche Vorzüge Public-Private-Partnership für High Tech-Firmen in den USA haben. Das Scheitern von Obamacare wird nicht etwa schlechten Gesetzen in neoliberaler Absicht angelastet, sondern dem Profitstreben der Konzerne. Dass Kommunen, die durch neoliberalen Standortwettbewerb in Finanznot geraten sind, nach jedem Strohhalm greifen ist kaum verwunderlich. Public-Private-Partnership ist meist nur auf kurze Sicht günstiger, während langfristig der Staat der Dumme ist, weswegen die Unterscheidung von "guten" investiven und "schlechten" konsumptiven" Ausgaben ein neoliberaler Irrweg ist.. Damit können die wahren Kosten von staatlichen Projekten verschleiert werden.

 
       
   

Die Ostrentenangleichung in der Debatte

DPA/EPD  (2016): Seehofer fordert mehr Mütterrente.
Der CSU-Chef stellt Bedingung für die Angleichung der Ost-Bezüge,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 04.10.

"Die Anerkennung eines dritten Erziehungsjahrs für alle Mütter beläuft sich (...) auf rund sieben Milliarden Euro jährlich",

wird gemeldet. Ob diese über den Bundeszuschuss finanziert werden soll, oder wie bislang nur die Beitragszahler belastet, wird uns nicht erklärt. Angela MERKEL wie Andrea NAHLES verlangen den Wegfall der Höherbewertung. Iris GLEICKE (SPD) interessiert dagegen nur, dass die Ostrentenangleichung kommt.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

GRÄBER, Berrit (2016): Bloß nichts überstürzen, nur um zu sparen.
Prämien für Berufsunfähigkeitsversicherungen steigen im kommenden Jahr. Doch Hektik beim Abschluss ist unangebracht. Vor allem Fragen nach früheren Krankheiten in Ruhe beantworten,
in:
Welt v. 04.10.

 
       
   

Der Verbraucherschutz in der Debatte

SCHNELLENBACH, Jan (2016): Abschied vom mündigen Verbraucher.
Der Volkswirt: Der Konsument soll vor Fehlentscheidungen behütet werden. Er ist betreuungsbedürftig. Dazu hat eine einseitige Lesart der Verhaltensökonomik beigetragen. Doch die neuen "Marktwächter" sind keineswegs neutral,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 04.10.

Jan SCHNELLENBACH, Jahrgang 1973, der Gutachten für die FDP verfasst, jammert uns die Ohren voll, weil der mündige Verbraucher als Leitbild ausgedient habe. Einen mündigen Verbrauchen kann es jedoch nur geben, wenn es Transparenz an den Märkten gäbe, was nicht der Fall ist - und von den Unternehmenslobbyisten zudem mit allen Mitteln verhindert wird.

Vor allem das Projekt Marktwächter ist dem Neoliberalen ein Dorn im Auge, denn der Staat solle sich nicht in die Profitinteressen der Wirtschaft einmischen, sondern höchstens durch staatliche Förderung die Wirtschaft subventionieren, so kann man diese Position umschreiben. Speziell richtet sich die Kritik gegen den Finanzmarktwächter und dessen Beirat, dessen Autoren wie z.B. Barbara BRANDSTETTER regelmäßig für die FAZ über Finanzprodukte schreiben. SCHNELLENBACH kritisiert den Einfluss auf die Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin), die nicht unbedingt als Interessenvertreter der Verbraucher bekannt ist. Die Bafin ist ein zahnloser Tiger, der von den Finanzdienstleistungslobbyisten angekettet wurde, damit der Finanzmarkt weitgehend ungehindert agieren kann.

Es ist ja eine bodenlose Frechheit, wenn die Finanzdienstleistungsbranche die Erhöhung staatlicher Förderung für Geringverdiener und Besserverdiener fordert, andererseits jedoch jegliches Risiko im Dienste der Profitmaximierung auf die Verbraucher abgewälzt werden soll. Gerade Geringverdiener bedürfen des besonderen Verbraucherschutz, denn sie können sich das Verbrennen von Geld z.B. bei der Altersvorsorge - anders als Besserverdiener - nicht leisten.   

 
       
   

Das Renteneintrittsalter und die Erhöhung der Erwerbsquote von Älteren in der Debatte

BAUER, Jobst-Hubertus (2016): Die Flexi-Rente nachbessern.
Votum,
in: Handelsblatt
v. 04.10.

Jobst-Hubertus BAUER, Arbeitsrechtler, der mit Arbeitnehmervertretern verhandelt, erklärt uns die Wünsche der Unternehmen, denen zum einen die Hinzuverdienstgrenzen zu niedrig sind und zum anderen an einer Begrenzung auf 5 Verschiebungen des Beendigungszeitpunkts des Arbeitsverhältnisses innerhalb von 5 Jahren gelegen ist. Diese Regelung soll die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer jenseits der Regelaltersgrenze erhöhen. 

 
       
   

Sind Singles schuld an der Wohnungsnot in Deutschland?

GOJDKA, Victor (2016): Die Studenten igeln sich ein.
Die WG hat ausgedient: Die Studenten von heute wohnen am liebsten alleine. Koste es, was es wolle,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.

Alle Jahre wieder zu Semesterbeginn kommen Prediger wie Victor GOJDKA, die uns das Lied von der Zunahme des Alleinwohnens klagen. Seit 1978 das Nachrichtenmagazin Der Spiegel den Anglizismus "Single" nach Deutschland einschleppte, grassiert bei uns das Loblied auf die Kommune: Wir leben zusammen nicht allein, hieß dieser Schlachtruf der 68er-Generation. Einigeln hieß in den anglophonen 1980er und 1990er Jahren noch Cocooning. In Zeiten des neuen Nationalkonservatismus nun also wieder mit einigeln zurückübersetzt. Ausgerechnet eine Grundschülerin führt uns GOJDKA als Beweis für den Trend zum isolierten Alleinwohnen an - eine Art Umkehrung à la 89er statt 68er! Journalisten sind eben wenig originell, wenn sie sich zum Trendguru aufschwingen möchten.

"Die Zahl der Einzelapartments in den Studentenwohnanlagen privater Immobilienentwickler hat sich seit 2010 verfünffacht",

will uns GOJDKA seinen angeblich neuen Trend mit Zahlen belegen. Das sagt in erster Linie etwas darüber aus, dass heutzutage vor allem private Investoren statt der Staat den Wohnungsbau auf diesem Sektor bestimmen. Der Ökonom Tobias JUST erklärt dies zum einen mit der Jagd nach Rendite und zum anderen durch den Mangel an geeignetem Wohnraum für WGs. Schließlich hat sich die Zahl der Studenten in den letzten Jahren drastisch erhöht - nicht zuletzt durch die Verkürzung der Schulzeit. Und natürlich sind auch die Helikoptereltern immer dafür gut, dass sie unerwünschte Trends generieren. Viel problematischer erscheint jedoch die Tatsache, dass hier ein Akademikermilieu herangewachsen ist, das ihre Kinder gegen Emporkömmlinge aus der Nichtakademiker-Schicht abschotten möchte.

Ungefähr genauso altbacken wie einigeln ist der Begriff "Biedermeier-Generation". Den benutzen alle, die zu viel Trendforscherlektüre in sich hineingefressen haben. Der Begriff entstammt dem Wörterbuch der 90er Jahre des berüchtigten Matthias HORX. Offenbar leben immer noch etliche Zeitgenossen in diesem vergangen Jahrzehnt.

"Immer mehr Wohngemeinschaften beschreiben sich in ihren Annoncen von vornherein als sogenannte »Zweckgemeinschaft«",

klagt der Autor, als ob es nie die 68er gegeben hätte, die den Post-68er-Generationen ständig vorgehalten haben, dass sie die Kommune zur Zweck-WG verkommen haben lassen. Die 68er haben sich dafür damit gerächt, dass sie Zweck-WGs (Alleinwirtschaften) im Gegensatz zu Kommunen (Zusammenwirtschaften) den Status von Alleinlebenden verpasst haben, weshalb Wohngemeinschaften mit 5 Personen als 5 Einpersonenhaushalte gezählt werden. Nur so viel zum ewig gestrigen Trend zum Alleinleben!

Zu Zeiten eines Florian ILLIES hätte es ein solches Gejammer in der FAS nicht gegeben!

 
       
   

Stephan Lessenich in der Debatte

LESSENICH, Stephan (2016): Die Welt zu Gast bei Fremden.
Der Flüchtling verkörpert unser soziales Ideal des aktiven, unternehmerischen Subjekts. Dennoch ist er nicht willkommen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.

 
       
   

Die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung in der Debatte

BOLLMANN, Ralph (2016): Schluss mit der Rentenpanik!
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.

Ralph BOLLMANN will die gesetzliche Rentenversicherung auf die Bekämpfung der Altersarmut beschränken, weswegen für ihn die Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente nicht in Frage kommt. Neue Argumente hat er dafür nicht zu bieten.

Die von Horst SEEHOFER ins Spiel gebrachte Mütterrente sieht er nicht als Ausgleich für die Ostrentenanpassung, sondern als Verhandlungsmasse in Sachen Flüchtlingspolitik.

Die Rentenprognose bis 2045 interpretiert BOLLMANN nicht als dramatisch, sondern als Anzeichen einer entspannten Lage. Er entdeckt nun sogar Generationen, statt nur Altersgruppen bei der Rentendebatte:

"Wer über die Neurentner des Jahres 2045 spricht, der redet über Menschen, die kurz vor dem Jahr 1980 geboren sind. Ein Mittdreißiger von heute hat Anspruch darauf zu wissen, was er aus der staatlichen Rentenversicherung zu erwarten hat, nachdem er ein Arbeitsleben lang die Altersbezüge der vorausgegangenen Babyboomer finanzierte. Bei den Renten des Jahres 2045 geht es um Wohltaten für die heute Jungen, nicht für die Alten. Das dreht die Debatte auf erfrischende Weise um."

Das sehen die meisten Verfechter von Generationengerechtigkeit jedoch ganz anders, weshalb sie um ein möglichst niedriges Niveau der gesetzlichen Rente feilschen. Spitzenreiter ist Peter THELEN im Handelsblatt, dem die prognostizierten 41,6 Prozent viel zu hoch sind und der deshalb die Untergrenze auf 40 Prozent festlegen will. Für ihn sind die 1980 Geborenen auch nur unnütze alte Transferempfänger.

 
       
   

Die Ökonomen-Elite und die Ökonomie in der Debatte

PLICKERT, Philip (2016): Ökonomen auf Sinnsuche.
Kaum eine Wissenschaft ist so mächtig wie die Volkswirtschaftslehre. Aber sie hat sich vom echten Leben entfernt,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.

Philip PLICKERT macht Werbung für sein Buch Die VWL auf Sinnsuche. Man darf bezweifeln, dass die Ökonomie irgendetwas aus der Finanz- und Wirtschaftskrise gelernt hat. Der Neoliberalismus wird weiterhin unbeschadet von jeglicher Realität in unseren Mainstreamzeitungen gepredigt. Phrasen wie "Empirische Evidenz" sind Zeitgeist. Angeblich soll inzwischen zwischen Korrelation und Kausalität unterschieden werden.

Gutachten der Politikberatung kennen diesen Unterschied längst, er ist ihnen jedoch vollkommen egal, wenn es ihnen nicht in den Kram passt. Bestes Beispiel dafür: Das Gutachten von RÜRUP & GRUESCU aus dem Jahre 2003, mit dem das Elterngeld politisch begründet wurde. Damals galt das Modewort "Opportunitätskosten" als Wunderwaffe gegen die niedrige Geburtenrate in Deutschland. Dumm nur, dass die angeblich hohe Kinderlosigkeit überhaupt gar nicht die Hauptursache der niedrigen Geburtenrate in Deutschland ist, sondern der gravierende Rückgang der Kinderreichen. Die Folge: Eine vehemente Debatte über Kinderlosigkeit, die in erster Linie dafür sorgte, dass jene, die sich mehr als zwei Kinder wünschten in Deutschland als Aliens fühlten. Mehr Schaden hat eine Ökonomie im bevölkerungspolitischen Blindflug nie angerichtet als in der ersten Hälfte der Nuller Jahre. Ökonomen und schon gar nicht Politikberater können für ihren Unsinn in Haftung genommen werden, büßen muss das allein die Bevölkerung!

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

OBERHUBER, Nadine (2016): Das leere Versprechen.
Lebensversicherer, die in Aktienfonds anlegen, werben mit hohen Renditen. Vom Gewinn an der Börse kommt beim Kunde nicht mal die Hälfte an,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.

"Trotz aller Unkenrufe, die Lebensversicherung sei tot, (...) wittert die Versicherungszunft ein gutes Geschäft: mit fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen.
(...). Dafür (...) werben die Anbieter mit dem riesigen möglichen Kursgewinn (...). Genau das ist das Hauptargument, mit dem sich die Fondspolicen über 800.000 Mal im Jahr verkaufen. Inzwischen ist schon jede sechste Lebens- und Rentenversicherung eine auf Fondsbasis. In ein paar Jahren wird die Fondspolice die klassische Kapitallebensversicherung mengenmäßig überholt haben",

klagt uns Nadine OBERHUBER. Und nicht nur sie, denn gegen dieses Produkt läuft die geballte Medienberichterstattung der FAS/FAZ Sturm (mehr hier, hier und hier,).

KREMER, Dennis (2016): "Die Lage ist bedrohlich".
Felix Hufeld, Deutschlands oberster Finanzaufseher, sagt Banken und Lebensversicherern schwere Zeiten voraus. Muss er bald die Deutsche Bank retten?
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.

Felix HUFELD sieht die Lebensversicherer nicht in Gefahr, denn sie können ihre Risiken voll auf die Versicherten abwälzen. Dazu haben sie einen großen Spielraum, denn:

"solange die Anbieter die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, haben wir uns in solche Fragen nicht einzumischen. Es ist nicht die Aufgabe der Bafin, Schulnoten für Finanzprodukte zu verteilen. Das können andere besser als wir".

Die gesetzlichen Voraussetzungen sind - dank Lobbyarbeit der Versicherungsbranche - so lasch, dass hier nichts zu befürchten ist! Daran wird auch das Kleinanlegerschutzgesetz nichts ändern. Es sieht eine "Pflicht zum kollektiven Verbraucherschutz" vor - was immer man darunter verstehen will...

 
       
   

Das 21. Gutachten Wettbewerb 2016 der Monopolkommission in den Medien

KREMER, Dennis (2016): Die unheimliche Macht der ETF-Fonds.
Finanzgiganten wie Blackrock halten Anteile an allen wichtigen Unternehmen der Welt. Das gefährdet den Wettbewerb - und schadet im Zweifel uns allen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 02.10.

Dennis KREMER, der gerne Indexfonds als Altersvorsorge propagiert, offenbart uns nun, dass solche Fonds eine Art Trojanisches Pferd sind, mittels dessen Fondsgesellschaften wie Blackrock, Vanguard und State Street  die Realwirtschaft prägen. Es besteht Grund zur Annahme, dass dadurch der Wettbewerb reduziert wird, denn über die Besonderheit von Indexfonds sind die großen Fondsgesellschaften wiederum selber stark miteinander vernetzt.

Den Aufstieg der ETF-Fonds hätten wir nicht zuletzt dem Ökonomie-Nobelpreisträger Eugene FAMA zu verdanken, der gemäß KREMER die Überlegenheit des Börsenindex über den Fondsmanager behauptete.

Fazit: Wer auf ETF-Fonds als Altersvorsorge setzt, der stärkt damit die Macht weniger Fondsgesellschaften, was dazu führen kann, dass die Kaufkraft sinkt und damit noch mehr fürs Alter zurückgelegt werden muss. Gut für die Finanzdienstleistungsbranche - fatal für jene, die auf die kapitalgedeckte Altersvorsorge setzen. 

 
       
   

Die neue Klassengesellschaft in der Debatte

HAGELÜKEN, Alexander  (2016): Reiche und andere.
Samstagsessay: Ungleiche Verhältnisse lassen sich nicht einfach dadurch beseitigen, dass der Staat Geld umverteilt. Er muss auch dafür sorgen, dass die Benachteiligten faire Chancen bekommen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.10.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

MAYR, Markus  (2016): Es lebe das Land.
Niedrige Mieten, keine Staus und Natur vor der Tür: Immer mehr Menschen kehren den Metropolen den Rücken. Marktredwitz in der Oberpfalz hat nach schweren Jahren so den Umschwung geschafft,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 01.10.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

ECKERT, Daniel (2016): Aktien sichern den Wohlstand im Alter.
Renditen wie früher: Dax-Papiere werfen eine Dividende von mehr als fünf Prozent ab. Wahre Ertragsperlen gibt es aber außerhalb des Leitindex,
in:
Welt v. 01.10.

"Im Grunde wollen Anleger über Aktien Teilhaber von Unternehmen werden, die über Jahre stabile Erträge erbringen und Abstürze vermeiden. Wenn das gelingt, dem winken langfristig gesehen Renditen von acht Prozent. (...).
Als sicherer Kurs für den langfristigen Erfolg an der Börse hat sich die Dividendenstrategie erwiesen",

will uns Daniel ECKERT ködern. Es gibt keinen sicheren Kurs und erst recht keine sichere Strategie, denn sonst müssten Analysten, die einmal den Königsweg gefunden haben, langfristigen Erfolg haben, was nicht der Fall ist. Lass Dir von 10 Journalisten die beste Strategie der Altersvorsorge erklären, dann erhältst Du 10 verschiedene Antworten, die sich meist noch widersprechen. Unschlagbar ist derzeit allein die gesetzliche Rentenversicherung!

Der Artikel Von ECKERT ist lediglich PR für ein Start-up und seinen Buchautor.

 
       
   

Das Renteneintrittsalter und die Erhöhung der Erwerbsquote von Älteren in der Debatte

EISENRING, Christoph (2016): Augenwischerei mit der Rente.
Wissenschaftler wollen das Pensionsalter automatisch an die Lebenserwartung anpassen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.

Christoph EISENRING lässt die Schweizer nach Deutschland blicken, denn dort ist das Lieblingsprojekt der Neoliberalen schon weiter vorangeschritten: die Rente mit 67. Der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums und dessen Prognose wird mit dem in Zürich lehrenden Ökonomen Hans GERSBACH personifiziert.

Positive Entwicklungen sind Neoliberalen ein Grauen, denn sie behindern geplante Reformen. Bevölkerungsvorausberechnungen dienen Neoliberalen deshalb zur Wiederherstellung der pessimistischen Weltsicht, in der Reformen als alternativlos dargestellt werden können. Wir leben in einem demografischen Zwischenhoch, danach kommt wieder der Abgrund, so das Credo. Dieses Zwischenhoch manifestierte sich jedoch aus dem Nichts des "Großen Schrumpfen" aus der Kristallkugel unserer Neoliberalen.

"Auch wenn die Geburtenrate von einem Tief von 1,35 Kinder pro Frau jüngst auf 1,47 gestiegen sei, sei jede Generation etwa ein Drittel kleiner als die vorangehende, liest man im Bericht. Entsprechend rasch altert die Gesellschaft. Derzeit müssen 100 Personen im Erwerbsalter für 35 aufkommen, die älter als 65 sind. Im Jahr 2040 gilt es schon 57 Ältere zu unterstützen. Besser sieht es aus, wenn man die Grenze bei 67 statt 65 Jahren zieht. Dann gibt es 2040 auf 100 Personen im Erwerbsalter 50 Rentner, was aber immer noch viel höher ist als heute",

beschreibt uns EISENRING das Szenario, ohne uns dessen Voraussetzungen zu erklären, denn Neoliberalen geht es nicht um Treffsicherheit, sondern um postdemokratische Politikdurchsetzung. Davon, dass jede Generation etwas ein Drittel kleiner ist als die vorangegangene, kann keine Rede sein. Dieses neoliberale Märchen wurde hier widerlegt. Wie sich innerhalb von nur einem Jahr die Sicht auf die Bevölkerungsentwicklung drastisch ändern kann, das zeigt das Beispiel von Martin BUJARD, eines Mitarbeiters des Instituts für Bevölkerungsforschung, das kaum unter Verdacht steht, positive Sichtweisen zur Demografie zu verbreiten.

Den Schweizern wird die von Axel BÖRSCH-SUPAN viel gepriesene postdemokratische Technokratenlösung einer Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung genauso vorgeschwärmt wie uns Deutschen. Erst kürzlich wurde darauf hingewiesen, dass sich die Lebenserwartung im Alter drastisch ausdifferenziert hat - die Technokratenlösung privilegiert also die obere Mittelschicht, die wesentlich länger lebt als der Rest der Gesellschaft.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

GMÜR, Heidi (2016): Mehr Langeweile, bitte!
Der Nationalrat hat in der Herbstsession mit der Zuwanderung und der Altersvorsorge zwei ausserordentlich bedeutende Dossiers behandelt. Es gab Spektakel - zulasten solider Mehrheiten,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.

STALDER, Helmut & Christof FORSTER (2016): Rentenreform weit weg vom Ziel.
Nach turbulenter Debatte im Nationalrat ist der Ständerat am Zug,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.

FORSTER, Christof (2016): Bund und Arbeitgeber rechnen anders.
Unterschiedliche Annahmen zur zweiten Säule erklären die Kostenunterschiede bei den Kompensationsmodellen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.

 
       
   

Das Single-Dasein in Asien

RIST, Manfred (2016): Asien vor der Alterslawine.
Der Kontinent ist schlecht auf die alternde Bevölkerung und rasche Verstädterung vorbereitet,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 01.10.

Man kennt diese internationalen Vergleiche in neoliberaler Perspektive aus Deutschland und allen anderen neoliberalen Ländern. Begriffe wie "dramatisch" werden uns im Maschinengewehrtakt um die Ohren gehauen, um die Dringlichkeit von Reformen im eigenen Land deutlich zu machen. Das geht den Schweizern genauso wie den Deutschen. Manfred RIST blickt nach Asien, nur um den Schweizern ihre eigene Situation vor Augen zu führen. Dazu dient ihm die Entwicklung von Singapur als Beispiel:

"Singapur, das heute eine Bevölkerung von 5,6 Mio. zählt, (...) gilt (...) als Paradebeispiel der demografischen Veränderung. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 1970 belief sich das Verhältnis der Erwerbstätigen pro Rentner hierzulande auf 13,5:1. Vor zehn Jahren stand diese Kennzahl bei 6,9. Heute liegt sie bei 4,7, und für 2030 ist 2,3 prognostiziert. Letztere ist eine Ziffer, die man in der Schweiz erst für 2050 erwartet. (...).
Das offizielle Rentenalter beträgt immer noch 62, doch längst hat die singapurische Regierung durchblicken lassen, dass man nicht um eine Erhöhung auf 67 herumkommt."

In der Schweiz wollen die Neoliberalen bekannt ebenfalls die Rente mit 67 durchsetzen. Die gesetzliche Rente in Deutschland entspricht der AHV in der Schweiz, die wiederum RIST mit jener in Singapur vergleicht:

"Im Alltag hat sich längeres Arbeiten, der Not gehorchend (...) weitherum durchgesetzt. 70- oder gar 80-Jährige, die Jobs als Aufseher, in Putzequipen, als Taxifahrer oder Verkaufspersonal ausüben, sind absolut normal. (...).
Das Pendant zur AHV, der Central Provident Fond (CPF), reicht in der Regel nämlich nicht einmal zur Existenzsicherung aus."

Der singapurische Generationenvertrag wird genauso als brüchig beschrieben wie in Deutschland bzw. der Schweiz:

"Etwa wegen der Lebensgewohnheiten in der Konsumgesellschaft, die diese traditionellen asiatischen Werte zunehmend unterlaufen. Auch wegen längerer Ausbildungszeiten, die damit zusammenhängen, dass jeder Zweite einen Hochschulabschluss anstrebt. Dazu kommt die gestiegene Lebenserwartung, die mit durchschnittlichen 82,5 Jahren auf ein nordeuropäisches bzw. japanisches Niveau zustrebt, was zunehmend auch mit horrenden Pflegekosten verbunden ist."

Das von konservativen Soziologen viel gepriesene "Ganze Haus" nennt RIST "Shophouse" und auch die Flexibilität der Arbeitsmärkte sowie Angst vor Überfremdung bedient:

"Anstelle des klassischen Shophouse, das Wohn- und Arbeitsort vereint, prägen heute Migrationswellen die Arbeitsmärkte."

Die Verstädterung wird jedoch - im Gegensatz zu Deutschland und der Schweiz - als Problem für ältere Menschen beschrieben:

"Für ältere Lungen ist die Luft in Grossstädten wie Peking lebensgefährlich; für Gehbehinderte ist Manila fast eine Todesfalle; für Rollstuhlfahrer gibt es in Jakarta oder Bangkok kein Fortkommen".

Der Pflegenotstand, die Kostenexplosion und der Alten-Export wiederum wird analog zu neoliberalen Ländern beschrieben:

"Vorderhand leistet Pflegepersonal, das meistens aus den Philippinen stammt, für umgerechnet 500–700 Fr. pro Monat Abhilfe; dieses Heer an Hilfskräften, die als «domestic helpers» auch in Hongkong gang und gäbe sind, machen im Stadtstaat bereits knapp 5% der Bevölkerung aus. Bereits gewöhnt man sich auch an den Gedanken, dass Alters- und Pflegeheime im benachbarten Malaysia sehr viel günstiger sind, die Pflege während der oft problematischen letzten Lebensjahre also über die Grenze verlagert werden kann, wo sich die Hektik, Platznot und Preise in Grenzen halten. Singapur steht demgegenüber vor einer Kostenexplosion: Gemäss einer Studie werden sich die Gesundheitskosten für Ältere bis 2030 auf 49 Mrd. $ verzehnfachen."

Wenn uns Neoliberale die Welt beschreiben, dann erfahren wir wenig über die Welt, aber viel über unsere Neoliberalen und deren Weltbild. Neoliberalismus ist nichts als ein Spiegel, in dem wir immer nur uns selber sehen: Narzissmus!  

 
       
   

Die Rentenstatistik in der Debatte

STEGMANN, Michael (2016): Das Statistikportal der Deutschen Rentenversicherung,
in: Deutsche Rentenversicherung, Heft 3, Oktober

Michael STEGMANN stellt das Statistikportal statistik-rente.de vor. Die Statistik ist vorrangig an den Bedürfnissen des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung (BMAS) ausgerichtet. Die Prinzipien Datensparsamkeit, Datenschutz und Wirtschaftlichkeit rechtfertigen die eingeschränkte Transparenz der Statistik.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

KIRCHNER, Christian (2016): "Bloß nicht die Nerven verlieren".
Mit seinen Mischfonds setzt Bert Flossbach auf risikoscheue Anleger. Ein Gespräch über Inflationsängste, die Zuverlässigkeit von Prognosen - und den ungebrochenen Reiz von Gold,
in:
Capital, Oktober

Gerne werden uns derzeit ETF-Indexfonds als Altervorsorge gepriesen, die vor allem die Macht der Fondsgesellschaft Blackrock vergrößern. Bert FLOSSBACH propagiert dagegen Mischfonds -  nicht uneigennützig, denn als Anbieter muss er schließlich deren Vorteile hervorheben:

"Es wäre fatal, die Renditen der vergangenen drei bis fünf Jahre einfach fortzuschreiben - sie werden bei passiven Anlagen weit darunter liegen. (...)
Viele ETFs auf Hochzinsanleihen gaukeln zudem eine Liquidität vor, die es gar nicht gibt. Sie halten Vermögenswerte, die im Krisenfall unverkäuflich sind."

FLOSSBACH schürt unsere Ängste, wenn er - z.B. mit Blick auf Japans Geldpolitik, nicht nur eine Bankenkrise, sondern gleich eine Vertrauenskrise des Geldsystems beschwört. Man darf bezweifeln, dass uns ein Mischfonds von FLOSSBACH dann retten könnte.

KIRCHNER, Christian (2016): Aus der Balance.
Wer Kursrisiken seines Aktiendepots nivellieren will, greift meist zu Anleihen. Doch mittlweile sind festverzinsliche Papiere selbst zum Risikofaktor geworden. Was Anleger tun können,
in:
Capital, Oktober  

 
       
   

Der Zeitgeist in der Debatte

ERNST, Heiko (2016): Das stille Ich.
Müssen wir uns abstrampeln, ständig für uns selbst trommeln, um Erfolg zu haben, respektiert und beachtet zu werden? Ganz und gar nicht, wie neue Erkenntnisse der Psychologie zeigen. Es gibt gute Argumente für ein "leiseres" Auftreten,
in:
Psychologie Heute, Oktober

ERNST, Heiko (2016): Das stille Ich: Ein Ergebnis von Reife?
Je älter wir werden, desto besser können wir auf ein aufgeblähtes Ego verzichten. Zu diesem Schluss kam die amerikanische Psychologin Jane Loevinger in ihrer neunstufigen Theorie der Ich-Entwicklung,
in:
Psychologie Heute, Oktober

 
       
   

Schwangerschaft und Geburt in der Debatte

REHAHN-SOMMER, Sabine (2016): Das ungeborene Kind.
In der 12. Schwangerschaftswoche verliert eine Frau ihr Kind. Seitdem quält sie sich mit Schuldgefühlen. Hat das Ungeborene gespürt, dass es nicht wirklich erwünscht war?
in:
Psychologie Heute, Oktober

 
       
   

Gentrifizierung in Köln in der Debatte

GANSLMEIER, Christoph u.a. (2016): Deutz - Insel der Träume.
Ausgerechnet das kleinstädtische Deutz scheint die Städteplaner zu immer neuen visionären Höchstleistungen zu inspirieren. Wie lebt man in der rechtsrheinischen Innenstadt, wo Gigantomanie und kleinbürgerlicher Flair zusammenkommen?
in: Kölner Stadtrevue, Oktober

 
       
   

Das Partnerschaftsideal in der Debatte

EISENRING, Yvonne (2016): Gib alles für die Liebe!
Wir investieren in die Karriere und optimieren uns selbst. Aber er etwas für die Liebe aufgibt, wird belächelt: als altmodisch und weltfremd. Solange wir so denken, werden wir ihn nie erleben, den Rausch, den Megaflash. Hier erzählen echte Romantiker, warum sie sich für das große Gefühl entschieden haben,
in: Neon, Oktober

 
     
   

Kontaktanzeigen in der Debatte

NEON (2016): Ehrliche Kontaktanzeigen,
in: Neon,
Oktober

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

RÜGEMER, Werner (2016): Blackrock-Kapitalismus.
Das neue transatlantische Finanzkartell,
in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Oktober

 
       
   

Die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung in der Debatte

KÖHLER-RAMA, Tim (2016): Merkel und die Rente.
Kommentar: Der Rentenpolitik der Regierung Merkel seit 2005 fehlt die Programmatik,
in:
Zeitschrift für Sozialreform, Heft 3, S.341-350

Tim KÖHLER-RAMA kritisiert, dass das Drei-Säulen-Modell der Alterssicherung, das weiterhin von der Regierung als Maß der Dinge propagiert wird, nicht hält, was es verspricht: die Lebensstandardsicherung im Alter. Der Regierung wird Pragmatismus vorgeworfen, der sich am Machterhalt orientiere.

"Insgesamt folgt Merkel seit 10 Jahren dem von Schröder vorgegebenen »Rentenpfad«. Die erste Säule wird sukzessive abgeschmolzen. Zugleich wird das »Mehr-Säulen-System« aber nur zaghaft ausgebaut. (...). Eine Verpflichtung zur privaten Vorsorge würde Widerstände in der Bevölkerung, eine Rücknahme der Teilprivatisierung bzw. Wiedereinführung der paritätischen Finanzierung der gesetzlichen Rente würde Widerstände bei den Arbeitgebern wecken. Beides versucht Merkel zu vermeiden",

kritisiert KÖHLER-RAMA. Er kritisiert, dass die Untergrenze des Rentenniveaus weder geeignet sei den Lebensstandard zu sichern, noch die Armutsvermeidung. Letzteres folgt aus der Tatsache, dass der Standardrentner nicht repräsentativ sei. Deutschland sei im OECD-Vergleich zu wenig armutsfest:

"Geringverdienende haben in praktisch allen Ländern deutlich höhere Ersatzraten, d.h. bei der Rentenberechnung werden niedrige Einkommen höher gewichtet. Dies lässt sich nicht nur sozialpolitisch gut mit der durchschnittlich kürzeren Lebenserwartung und damit kürzerer Rentenbezugszeit von Geringverdienern begründen, sondern dient vor allem dem Ziel der Armutsvermeidung."

KÖHLER-RAMA meint, dass dieses Manko durch das Festhalten am des Versicherungsprinzips begründet ist. Tatsächlich wird gerne mit dem Argument der versicherungsfremden Leistungen argumentiert. Wenn jedoch solche Fürsorgeelemente, die sowieso schon im gesetzlichen Rentensystem vorhanden sind, steuerfinanziert werden, dann kann es dagegen auch keine Einwände geben. Dies wird jedoch leider nicht so gehandhabt.

KÖHLER-RAMA kritisiert zu Recht, dass in der Rentendebatte die Inanspruchnahme der Grundsicherung gerne als Armutsschwelle definiert wird. Er sprich deshalb vom "wegdefinieren" des Armutsproblems.

"Noch liegt die Armutsquote Älterer mit - je nach Datenlage rund 15-16 Prozent - im Bereich der Armutsquote der Gesamtbevölkerung. Altersarmut wird aber steigen, weil das Renteniveau sukzessive sinkt und das System nicht armutsfest ist."

Amtsdeutsch wird diese Armutsquote mit "Armutsgefährdung" übersetzt. KÖHLER-RAMA bemängelt das Fehlen einer Mindestrente bzw. Grundrente. Sein Fazt:

"Die Grundsicherung im Alter ist keine Mindestleistung des staatlichen Alterssicherungssystems, sondern eine Fürsorgeleistung für bedürftige alte Menschen. Sie dient nicht der Armutsvermeidung, sondern der Existenzsicherung. Die Grundsicherungsquote als Armutsindikator einzuführen bedeutet daher eigentlich sogar die Aufgabe des Ziels der Armutsvermeidung mithilfe staatlicher Alterssicherung."

Als Ziele einer angemessenen Rentenpolitik formuliert KÖHLER-RAMA:
- Vermeidung von massenhafter Altersarmut
- Angemessene Alterssicherung für langjährig Versicherte
- Akzeptanz für das staatliche Alterssicherungssystem.

 
       
   

Das einsame Sterben in der Debatte

SCHOBIN, Janosch (2016): "Armenbestattungen" im modernen Sozialstaat.
Zeitliche Entwicklung, Ursachen und Probleme des Ordnungsbestattungswesens in deutschen Groß- und Mittelstädten,
in:
Zeitschrift für Sozialreform, Heft 3, S.301-329

 
       
   

Deutschlands Zukunft im Spiegel der Öffentlichkeit

BUJARD, Martin & Kai DRESCHMITT (2016): Szenarien der Bevölkerungsentwicklung bis 2060.
Wie beeinflussen Migration und Geburten Deutschlands Zukunft?
in:
Gesellschaft · Wirtschaft · Politik, Heft 3, S.333-345

BUJARD & DRESCHMITT beschreiben anhand der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung mögliche Bevölkerungsentwicklungen bis 2040 bzw. 2060. Was die Autoren als Basisvariante beschreiben, entspricht der Variante 2 (Kontinuität mit stärkerer Zuwanderung) des Statischen Bundesamts. Davon ausgehend wird dann die Variante 4 (höhere Lebenserwartung) und die Variante 6 (leichter Anstieg der Geburtenrate) betrachtet. Die Variante 8 (leichter Anstieg der Geburtenrate und höhere Lebenserwartung), die kürzlich der wissenschaftliche Beirat für seine Berechnungen der Bevölkerungsentwicklung ausgewählt hat, bleibt bei den Autoren dagegen unberücksichtigt. Stattdessen wird nur die Modellrechnung mit einem Wanderungssaldo 300.000 noch erwähnt (mehr hier).

Wie schnell sich die Ansichten zur Bevölkerungsentwicklung ändern können, zeigt ein Vergleich mit dem Aufsatz Folgen der dauerhaft niedrigen Fertilität in Deutschland von Martin BUJARD von Mitte 2015. Seine damaligen Ausführungen basierten noch auf der 12. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnungen. Zum Einfluss der Geburtenrate auf die Alterung schrieb der Autor von einem Jahr noch:

"Würde die TFR statt bei rund 1,4 dauerhaft auf 1,6 ansteigen – was gegenwärtig etwa zusätzliche 96.000 Geburten pro Jahr wären – würde sich der Altenquotient bis 2060 nur von 67,4 auf 63,6 reduzieren. Ein halbes Jahrhundert mit deutlich höherer Geburtenrate würde den Altenquotienten also nur um 6 % reduzieren." (2015, S.61)

Nun heißt es dagegen:

"Eine höhere Geburtenrate (1,6 statt 1,4) würde den Altenquotienten um 2,2 Prozente auf 51,3 reduzieren." (2016, S.336)

Wie kann es sein, dass sich der Altenquotient erstens drastisch reduziert hat (von 67,4 auf 53,5 %) und gleichzeitig sich der Einfluss eines Anstiegs der Geburtenrate um 0,2 um zwei Drittel reduziert?

Ein Teil der Erklärung hängt damit zusammen, dass der Altenquotient 2015 anders definiert wurde, nämlich damals wurde die Grenze des Renteneintritts mit 65 Jahren und nun mit 67 Jahren berechnet - obgleich die Rente mit 67 bereits seit etlichen Jahren gilt.

Zudem unterscheiden sich durch die Wahl der jeweiligen Basisvariante der Bevölkerungsvorausberechnung die Annahmen zu den Indikatoren. Folgende Annahmen wurden getroffen:

 
       
   

WSI-Schwerpunkt: Krisenerfahrung Hartz IV. Lebenssituation in Grundsicherungsbezug

LIETZMANN, Torsten (2016): Langzeitleistungsbezug und Langzeitarbeitslosigkeit: Definitionen, Quanitäten, Strukturen.
Trotz des anhaltenden Beschäftigungswachstums in Deutschland ist der Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit in den letzten Jahren ins Stocken geraten. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen stagniert seit 2010 bei etwas mehr als einer Million. Auch die Zahl der Empfänger von Leistungen der Grundsicherung für Arbeitssuchende verhaart mit über vier Millionen erwerbsfähigen Beziehern auf einem hohen Niveau. Eine detaillierte Beschreibung der Grundsicherungsempfänger hinsichtlich ihrer Bezugsdauer und Arbeitsmarktbeteiligung wie auch ihrer soziodemografischen Zusammensetzung soll die Grundlage für ein besseres Verständnis der heterogenen Lebenssituationen der Leistungsempfänger schaffen und die Erkenntnisse auf Basis der offiziellen Statistik erweitern,
in: WSI-Mitteilungen, Heft 5

"Wenn Leistungsbezug nicht gleichbedeutend mit Erwerbslosigkeit ist und einerseits offiziell Arbeitslose zumindest einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen können sowie andererseits nicht arbeitslos zu sein, nicht unbedingt bedeutet, dass man einer regulären Beschäftigung nachgeht, ergeben sich daraus insbesondere zwei Frage: Wie groß ist der Personenkreis, der längerfristig vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen ist und durch langen Leistungsbezug potenziell in materiell beschränkten Verhältnissen lebt? und wodurch lässt sich dieser Personenkreis im Vergleich zu anderen Gruppen charakterisieren?",

wirft Torsten LIETZMANN Fragen auf, die durch die Uneindeutigkeiten des Arbeitslosen- bzw. Langzeitarbeitslosenbegriffs der Hartz-Gesetze entstanden sind.

"2014 waren 777.000 Personen langzeitarbeitslose Langzeitleistungsbezieher",

erklärt uns LIETZMANN die amtliche Norm. Der Autor unterscheidet in einer Längsschnittperspektive 5 unterschiedliche Kategorien innerhalb der erwerbsfähigen Leistungsbezieher und kommt dadurch zu differenzierteren Aussagen über den Zusammenhang von Leistungsbezug und Arbeitslosigkeit, Beschäftigung bzw. Teilnahme an Weiterbildungsmaßnahmen. In einer anderen Perspektive wird ein Zusammenhang zwischen Leistungsbezug, soziodemografischen Merkmalen und Haushaltskontext hergestellt. Sein Fazit:

"Langzeitarbeitslose, die lange Grundsicherungsleistungen beziehen, sind tendenziell eher alleinstehende Männer in einem höheren Alter und mit gesundheitlichen Einschränkungen. Lange Bezugszeiten ohne einen aktuellen Arbeitslosigkeitsstatus treten eher bei Alleinerziehenden und Paarfamilien auf."

Daraus folgert LIETZMANN, dass neben unzureichender Qualifikationsmaßnahmen und mangelhafter Integration in den Arbeitsmarkt auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie zur Reduzierung eines längerfristigen Leistungsbezugs beiträgt.   

 
       
 

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Zu den News vom 27. - 30. September 2016
 

   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

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