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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 01. - 05. September 2003

 
       
     
     
     
       
   
Zitat des Monats:
"Der kranke Alleinleidende lebt exterritorial, er ist ein doppelt Vertriebener. Denn sein Reich, das bunte Beziehungsgeflecht der unbegrenzten Freiheit, existiert nur jenseits von Viren und Bakterien. Schon dauerhaft schlechte Laune schränkt den üblichen Bewegungsspielraum empfindlich ein. Dem Single geht es nur gut, wenn es ihm gut geht. Der Pflegefall ist ausgeschlossen."
(Reinhard Mohr in "Generation Z", 2003, S.108)
 
       
   
  • BURCHARD, Amory (2003): "Eine Familie ist wie eine Versicherung".
    Geld und gute Taten: Der Berliner Soziologe Martin Kohli über den privaten Generationenvertrag,
    in: Tagesspiegel v. 05.09.
    • Inhalt:
      Der Soziologe Martin KOHLI unterscheidet zwischen einem privaten und einem öffentlichen Generationenvertrag.

                Während letzterer die Transfers von jung zu alt regelt, verläuft ersterer nach KOHLI überwiegend umgekehrt. Eltern unterstützen ihre Kinder durch Geld und Erziehungsleistungen.
                Im Individualisierungsansatz der sozialpopulistischen Politik, der einzig den Haushalt betrachtet, werden diese Leistungen der Multilokalen Mehrgenerationen-Familie ausgeblendet.
                KOHLI sieht in der Familie ein informelles Versicherungssystem:
                "Transfers unter Lebenden erfolgen, wenn sie das Geld wirklich noch brauchen, am Anfang des Erwachsenenlebens, wenn es um den Aufbau einer Familie und die heute schwierige Phase des Fußfassens in der Arbeitswelt geht. Die Familie stellt eine Art informelles Versicherungssystem dar, das bei Risiken, beispielsweise im Erwerbsleben oder bei Scheidungen, in Kraft tritt."
 
     
   
  • HORX, Matthias (2003): Frauen auf der Siegerstraße.
    Der neue Multi-Feminismus ist dabei, die Gesellschaft zu verändern. Was aber bedeutet dies für die Frauenrollen der Zukunft?
    in: Welt v. 05.09.
    • Kommentar:
      Matthias HORX widmet sich dem aktuellen Thema Männerdämmerung aus einer etwas anderen Sicht.

                Für HORX ist u.a. die längere Lebensdauer der Frauen ein Grund für Macht- und Vermögenszuwachs von Frauen.
                Bildung forciert nach HORX zudem neue geschlechtsspezifische Ungleichheiten:
                "Junge Frauen machen mit besseren Noten ihr Abitur, studieren mit weniger Abbrüchen inzwischen auch männliche Domänen-Fächer wie Jura oder Medizin (selbst in Ländern wie dem Iran liegt die Studentinnenquote bei über 60 Prozent). Währenddessen entwickelt sich am ungebildeteren Rand der Gesellschaft ein männliches Deklassierungsproblem. In den Sonder- und Hauptschulen liegt der Jungenanteil teilweise bei mehr als 75 Prozent. Arbeitslosigkeit und Abstieg - in Zukunft vor allem ein männliches Problem?
      Dieses neue Bildungsgefälle kann jedenfalls auf Dauer nicht ohne Konsequenzen in der Arbeitswelt bleiben.
      "
                Unerwähnt bleibt hier jedoch, dass auch der Umbau des Sozialstaats vorwiegend zu Lasten der "traditionellen" Männer gehen wird.
                Im Anschluss an die britische Untersuchung von Catherine HAKIMS geht HORX von einer Pluralisierung weiblicher Lebensentwürfe aus. HAKIMS unterscheidet zwischen "home-centred women", "work-centred" und "adaptive women". Hier findet sich also die Kontroverse zwischen Vollzeitmüttern und erwerbstätigen Müttern wieder, während sich die Mehrheit der Frauen zu diesen extremen Lebensentwürfen ambivalent verhält.
                HORX betreibt im Artikel vor allem die Rehabilitierung der Vollzeitmutter, die zur "heimischen Göttin" stilisiert wird.
      Begriffe wie "Heim-Designer" und "Kinder-Manager" sollen diesem postfeministischen Lebensentwurf neue Attraktivität verleihen.

                Zum Abschluss widmet sich HORX der Schaffung eines neuen "Fruchtbarkeitsbewusstsein". Früh- und Spätfamilien sollen für einen neuen Baby-Boom sorgen.  
 
     
     
   
STERN -Titel: Die Vergreiste Republik.
Gesundheit, Rente, Arbeit, Bildung
  • WINTZENBURG, Jan Boris (2003): Wir haben ein Problem,
    in: Stern Nr.37 v. 04.09.
    • Kommentar:
      Der Kern aller Probleme ist für WINTZENBURG die demografische Entwicklung. Er beruft sich dazu auf Herwig BIRGs Machwerk der Bevölkerungsvorausberechnung. Alles easy! Demografen können locker 50 Jahre überschauen.

                Leider haben die Demografen vor 40 Jahren ganz andere Zukunftsprobleme prognostiziert. Deutschland wäre heute vollkommen überbevölkert!
                Detlef GÜRTLER hat die Praxis der Bevölkerungsvorausberechnung kürzlich zu Recht scharf kritisiert, denn die Annahme einer konstanten Geburtenrate von 1,4 ist vollkommen unrealistisch. Sie stimmt nicht einmal für die Gegenwart.
                Hier wird mit allen Mitteln versucht den Geburtenrückgang zu dramatisieren.
      Angeblich ist der Sozialstaat die Wurzel des Übels. Speziell die Adenauersche Rentenreform von 1957 wird heutzutage gerne kritisiert. Tatsächlich ist das Bestandserhaltungsniveau seit 1900 von kaum einem Jahrgang jemals erreicht worden.

                Die Hintergründe für den Versuch die Lage zu dramatisieren spricht WINTZENBURG ebenfalls an:
                "Es geht nicht darum, dass die Jungen den Alten etwas wegnehmen wollen oder missgönnen. Das Problem betrifft nämlich vor allem die Gruppe der heute 30- bis 55-Jährigen. Das sind die geburtenstärksten Jahrgänge des Landes. Sie müssen sich jetzt entscheiden, kräftig an den Stellschrauben des sozialen Systems mitzudrehen und sich dabei selbst zusätzliche Lasten aufbürden. Bei vollem Bewusstsein und in voller Absicht. Denn nur wenn es diese Generation schafft, sich selbst die künftige Rente zu stutzen, die Lebensarbeitszeit zu verlängern, privat vorzusorgen, junge, qualifizierte Zuwanderer ins Land zu locken und die Rahmenbedingungen für mehr Kinder zu setzen, damit nachfolgende Generationen ihr Verhalten ändern, kann sie den Zusammenbruch des Systems verhindern. Wenn sie das nicht schafft, wird es Krieg geben, und zwar mit den dann Jungen, die jetzt gerade erst geboren werden. Spätestens sie werden sich weigern zu zahlen."
                Die Hauptlasten der Reform soll also eine einzige Generation tragen, während die 68er-Generation geschont werden soll. Bereits Susanne GASCHKE hat versucht den Bestandsschutz mit demografischen Fakten zu rechtfertigen. Single-dasein.de hat ihre Argumente widerlegt.
 
     
   
  • REINHARDT, Susie (2003): Wenn Frauen das vorher wüssten.
    Mutterschaft, ein Standardschicksal? Vom Märchen, Beruf und Kinder seien mit etwas gutem Willen und einem willigen Partner durchaus vereinbar. Ein Blick aufs Ganze,
    in: TAZ v. 04.09.
    • Kommentar:
      "
      Die gefühlte Mütterdichte ist gestiegen. Das ist ähnlich wie beim Wetter: Auch wenn die Geburtenrate in Wirklichkeit sinkt, das eigene Empfinden signalisiert etwas anderes,"
      behauptet Susie REINHARDT taz- und demografiepolitisch korrekt, aber faktisch falsch. Wie Detlef GÜRTLER erst kürzlich nachwies, wird die Geburtenrate in Deutschland aus politstrategischen Gründen zu niedrig ausgewiesen.
      Die junge Generation ist nicht so gebärfaul wie dies die sozialpopulistische Presse darstellt.

                Wenn REINHARDT ausnahmslos alle Kinderlosen als gewollt kinderlos bezeichnet und damit Alice SCHWARZERs Gebärstreikthese folgt, mag das unter Gesichtspunkten einer Politik für die Mütterelite konsequent sein, aber richtig ist das noch lange nicht. Kinderlose gab es schließlich auch in vormodernen Zeiten.
                Letztlich sind REINHARDTs "gewollt" kinderlose Frauen jedoch nur ungewollt kinderlos, denn wären die politischen Rahmenbedingungen anders - eben mütterfreundlicher im Sinne der Vereinbarkeit von Beruf und Familie  - dann gäbe es nach REINHARDT keine kinderlosen Frauen.
                Die Autorin unterstellt also eine Homogenität der weiblichen Lebensentwürfe die keineswegs gegeben ist.
                Das Selbstbewusstsein einer kinderlosen Frau kann sich nach REINHARDT deshalb nicht nur auf die berufliche Leistung gründen.
                Aus der Perspektive von REINHARDT wird die kinderlose Karrierefrau nicht nur zu einem Rollenmodell stilisiert: sie opfert sich vielmehr für die mütterpolitische Durchsetzung einer besseren Vereinbarkeit.
      Die kinderlose Karrierefrau ist in dieser heroischen Sicht ergo eine moderne Märtyrerin.

                Nur aus dieser Position heraus, kritisiert REINHARD dann den singlefeindlichen Vorschlag von Angela MERKEL, die eine Rente nach Kinderzahl fordert:
                "Im März dieses Jahres forderte CDU-Chefin und Nicht-Mutter Angela Merkel sogar, Kinderlosen die halbe Rente zu verweigern. Für eine Frau wie sie, mit hohen Pensionsansprüchen, wahrscheinlich kein Problem. Aber muss jede, die nicht gebiert, persönlich dafür büßen, dass Mutterschaft für immer mehr Frauen zum unmöglichen Projekt wird?"
 
   
  • Kinostart: Liegen lernen

    • BARTELS, Gerrit (2003): Wie die Westalgie das Laufen lernte.
      Nostalgische Verständigungsfilme: Mit der Verfilmung erfolgreicher Pop- und Erinnerungsbücher wie etwa "Liegen lernen" und "Herr Lehmann" vergewissert sich das deutsche Kino flächendeckend der westdeutschen Achtziger- und Neunzigerjahre,
      in: TAZ v. 04.09.
    • KOHLER, Michael (2003): Ein Hauch von Masochismus.
      Mit Britta und Tina in der Beziehungskiste: Hendrik Handloegtens "liegen lernen",
      in: Frankfurter Rundschau v. 04.09.
    • GÖTTLER, Fritz (2003): Diffusion tut wohl.
      Wir lernen von der Katze - "Liegen lernen", von Hendrik Handloegten,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 04.09.
    • RODEK, Georg (2003): "Es gibt einen neuen Generationenbruch".
      "Liegen lernen"-Regisseur Handloegten über das Verhältnis des Nachwuchses zu Wenders & Co.,
      in: Welt v. 04.09.
 
   
  • DIEDERICHSEN, Diedrich (2003): Radical chic.
    Revolutionäre Bewegungen wollten sich stets abgrenzen von der so genannten Mode - und schufen dadurch immer wieder neue Moden. Die Geschichte einer Hassliebe,
    in: Die ZEIT Nr.37 v. 04.09.
    • Kommentar:
      DIEDERICHSEN arbeitet weiter an seiner Punk-Legende und damit an der eigenen Unsterblichkeit:

                "Erst Punk brachte radikale Aufklärung über die Zeichenverhältnisse. Punk riss die Bedeutung der Modezeichen aus der wohl behüteten Latenz des Kulturellen, Schöngeistigen, des Putzes und der Immanenz der Konventionen. Bei Punk war jedes Detail ein verbindlich kodiertes Zeichen, Körper waren Texte. Dieses Prinzip erhält sich seitdem am Leben, indem es ironische und paradoxe, parodistische und sehr spezielle, interne Zeichenkombinationen generiert. Zur Kernzeit von Punk ging es um Eindeutigkeit. Im Gegensatz zur Antimode hatte man nun einen offensiven Zugang zur Mode, nur dass man diese, wie es die Antimode vorgemacht hatte, zu einem Territorium ernster oder zumindest verbindlicher Aussagen gemacht hatte – denn sie war ja oft sehr komisch.
      Die berühmtesten Zeichen von Punk – Sicherheitsnadel, Pflaster, Risse, verschmierte Schrift, zitierte Schablonentypografie – waren so wörtlich wie die mit Punk eröffneten style wars."
  • JESSEN, Jens (2003): Verrenkte Proleten.
    In der Mode spiegelt sich die Befindlichkeit einer Gesellschaft. Zurzeit herrscht ein Ausdruck von Bitterkeit und Klassenkampf,
    in: Die ZEIT Nr.37 v. 04.09.
    • Inhalt:
      "
      Die Spaßgesellschaft ist, will man die Mannequins zu Zeugen nehmen, gründlich vergangen. Der Existenzialismus der sechziger Jahre kehrt zurück",
      erklärt uns Jens JESSEN zuerst, nur um dann fast am Ende seiner Ausführungen zum Kern der Mode vorzudringen:

                "Gewalt ist das beherrschende Motiv der Mode geworden, und das bedeutet auch, dass der Aufstieg des Proleten zum Muster nicht etwa seine soziale Anerkennung bedeutet, sondern der Klassenkampf zum Ideal wurde".
 
   
  • HABERMAS, Jürgen (2003): Die Zeit hatte einen doppelten Boden.
    Der Philosoph Theodor W. Adorno in den fünfziger Jahren. Eine persönliche Notiz,
    in: Die ZEIT Nr.37 v. 04.09.
    • Inhalt:
      Jürgen HABERMAS erinnert sich an die 50er Jahre am Frankfurter Institut für Sozialforschung:

                "Ich kam mir vor wie in einem Balzacschen Roman – der unbeholfen-ungebildete Junge aus der Provinz, dem die Großstadt die Augen öffnet. Ich wurde mir der Konventionalität meines Denkens und Fühlens bewusst".
  • ASSHEUER, Thomas (2003): Der wahre Konservative.
    Seine Negativität hat viele erschreckt. Mit Adorno ließ sich kein Staat machen. Heute überzeugt gerade seine Kritik am verordneten Optimismus,
    in: Die ZEIT Nr.37 v. 04.09.
    • Inhalt:
      Thomas ASSHEUER verteidigt ADORNO gegen linke Vereinnahmung:

                "Gerade haben einige Getreue ihn zum Vordenker von Hardt und Negris Buch Empire ausgerufen, obwohl deren Selbsterlösungsträume bei Adorno kaum anderes ausgelöst hätten als blankes Entsetzen".
                Mit den Zauberworten "Innehalten und Reflexion" arbeitet ASSHEUER seinen konservativen ADORNO heraus.
 
   
  • GILLIES, Judith-Maria (2003): "Mein Ziel: Manager leisten Sozialarbeit".
    Ein Interview mit Daniel Dettling. Der Chef des ThinkTanks BerlinPolis will Unternehmen für den Dienst an der Allgemeinheit begeistern,
    in: Rheinischer Merkur Nr.36 v. 04.09.
 
   
  • FLORIN, Christiane (2003): Väterchen Frust.
    Gesellschaftsporträt. Die Kinder der 68er waren sehr nett. Trotzdem mag sie keiner. Wer in den Achtzigern jung war, wollte nicht das System sprengen, sondern funktionieren. Diese Jugend rebellierte nie. Holt sie das jetzt nach?
    in: Rheinischer Merkur Nr.36 v. 04.09.
    • Kommentar:
      Die aktuelle Generationendebatte muss als Ausdruck eines neuen Familienfundamentalismus gelesen werden:
      "
      Wenn wir erst mal groß sind (...) holen wir alles nach, was wir an Rebellion gegen die Alten verpasst haben. Nur Mama und Papa nehmen wir aus,"
      bringt Christiane FLORIN den Unterschied zwischen öffentlichem Generationenkrieg und privatem Generationenvertrag auf den Punkt.

                Während es einen durchaus funktionierenden privaten Generationenvertrag gibt - siehe hierzu Martin KOHLI - versuchen Erbeneliten und Modernisierungsgewinner zum einen das Erreichte zu bewahren und zum zweiten ihren Anteil am gesellschaftlichen Reichtum zu vergrößern.
                Die Debatte um den öffentlichen Generationenvertrag ist also ein Klassenkampf von oben, bei dem das Erbenproletariat und die Modernisierungsverlierer auf der Strecke bleiben werden.
 
     
   
  • SZENT-IVANYI, Timot (2003): "Rente mit 67 ist ein gangbarer Weg".
    Sozialministerin Ulla Schmidt über Altersvorsorge, Kindererziehungszeit und die eigene Zukunft,
    in: Berliner Zeitung v. 04.09.
    • Inhalt:
      Ulla SCHMIDT nimmt u.a. Stellung zur kinderzahlbezogenen Rente:

                "Es gibt auch den Vorschlag, die Rentenbeiträge je nach Kinderzahl zu differenzieren.
      Das verträgt sich nicht mit dem Äquivalenzprinzip in der Rentenversicherung, nach dem die Leistungen den Beiträgen entsprechen. Sie können nicht einfach die Beiträge für Kinderlose erhöhen, ohne gleichzeitig deren Rente anzuheben. Es kämen daher nur reduzierte Beiträge für Familien in Frage, die aber über Steuereinnahmen ausgeglichen werden müssten. Dafür ist jedoch kein Geld da. Ich lehne diesen Vorschlag ab".
 
     
   
  • KREINER, Paul (2003): Debatte über Partys und Kinderkriegen erregt die Konservativen.
    Österreichs Schulministerin mault über das "Single-Leben" der Jugend, doch das missfällt selbst ihren Parteifreunden,
    in: Frankfurter Rundschau v. 03.09.
 
   
  • BROECKING, Christian (2003): In die Köpfe und Herzen der Jungakademiker gepflanzt.
    Adornos berühmte Verurteilung des Jazz scheint einer höchst aktuellen Diskussion zu entstammen - eine Recherche nach 50 Jahren,
    in: Frankfurter Rundschau v. 03.09.
    • Inhalt:
      BROECKING berichtet über eine Merkur-Kontroverse des Jahres 1953: Die Kontrahenten sind Theodor W. ADORNO als Jazzgegner und Joachim-Ernst BERENDT, der als damals 30Jähriger dem Meisterdenker Paroli bieten wollte. Den zwiespältigen Erfolg von BERENDT beschreibt BROECKING folgendermaßen:

                "Weder an Adornos Jazzfeindschaft möchte man sich gerne erinnern, noch an Berendts erzieherisches und chefsachenmäßiges Jazzgehabe. Andererseits hat gerade Berendt einer heranwachsenden Professorengeneration das Gefühl gegeben, dass Jazz dem Nachkriegs-Akademiker gut steht. Das von Berendt lancierte Bild des Studenten, der an der Sorbonne eingeschrieben ist und abends mit einem Sartre-Buch unterm Arm einen Jazzkeller betritt, pflanzte er in den fünfziger Jahren in unzähligen Artikeln und Radiosendungen in die Köpfe und Herzen vieler Jungakademiker."
 
   
  • MÜLLER, Kai (2003): Und ewig ruft das Tennismädchen.
    Regisseur Hendrik Handloegten über das Elend der Achtzigr und seinen Film "Liegen lernen",
    in: Tagesspiegel v. 03.09.
  • PEITZ, Christiane (2003): Total normal.
    Ab in die Achtziger: Mit der Bestseller-Verfilmung "Liegen lernen" geht die Retro-Welle weiter. Warum ist sie so erfolgreich?
    in: Tagesspiegel v. 03.09.
 
     
   
  • BRENDLER, Michael (2003): Sie, 21, attraktiv, sucht Partner.
    Mann und Frau suchen eher Ähnlichkeiten als Gegensätze, doch die Kriterien sind unterschiedlich,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.09.
 
   
  • RAUNER, Max (2003): Die Differenzialgleichung der Liebe.
    Ein Mathematiker und ein Beziehungsforscher wollen die endgültige Partnerschaftsformel entdeckt haben,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 02.09.
 
   
  • HAHN, Dorothea (2003): Eine Mordshitze.
    Besuch in einem französischen Altenheim,
    in: TAZ v. 02.09.
    • Kommentar:
      Deutschen wird derzeit von Familienpolitikern das Familienland Frankreich als Vorbild empfohlen. Offensichtlich ist jedoch auch in Frankreich nicht das, was sich hierzulande die Traditionalisten darunter vorstellen.
 
   
  • SENNETT, Richard (2003): Das neue "eherne Gehäuse".
    Die Globalisierung, die neue Marktwirtschaft und der fatale Versuch, ihre Werte und Organisationsformen auf Sozialsysteme zu übertragen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 02.09.
 
   
  • SEIBEL, Andrea (2003): Kinderlos,
    in: Welt v. 02.09.
    • Inhalt:
      Andrea SEIBEL mokiert sich über die neue Bevölkerungspolitik:

                "Keine andere Gesellschaft in Europa spricht vom »Krieg« der Generationen, was die Deutschen nicht müde werden zu intonieren. Drunter geht es wohl im Land der Lagerdenker nicht. Wer eigentlich, der in der eigenen Familie anhaltende Dreigenerationengespräche erlebt, glaubt diesen Quatsch? Der Ton einer Debatte bestimmt ihren Fortgang. Neidkampagnen und Verzichtstiraden führen in die Sackgasse. Am Ende fühlen sich alle als Verlierer und unwert. Auch jene, die glauben, man könne die Fürsorge für Familien und Kinder nur mittels einer Verdammung von Kinderlosen als den »vaterlandslosen Gesellen« der Moderne erreichen, sind auf dem Holzweg. Man spürt die Sehnsucht nach der »guten, alten« Bevölkerungspolitik. Kinderlos! Schon das Wort ist Strafe. Weil Kinderlose oft zu den Leistungsträgern der Gesellschaft gehören, die mit ihren Steuerabgaben den Großteil einer leider verfehlten Sozialpolitik finanzieren - unter anderem auch den Kinderreichtum des unteren Drittels der Gesellschaft. Sie zu egoistischen Überfliegern abzustempeln und ständig »bestrafen« zu wollen, ist fahrlässig, bedenkt man zudem die Dilemmata, die oft zur Kinderlosigkeit führen."
 
     
   
  • GÜNTNER, Joachim (2003): Schulspassverderber.
    Deutsche Eltern im Erziehungsnotstand,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 01.09.
    • Kommentar:
      Nachdem GÜNTNER die Männerdämmerung ausgerufen hat, folgt jetzt konsequenterweise die Elterndämmerung:

                Der «Spiegel» hat vor einigen Wochen bereits eine «neue Bürgerlichkeit» ausgerufen. Doch man täusche sich nicht: Von einem Konsens über Ziel und Zweck der Erziehung ist Deutschland weit entfernt, warnt GÜNTNER die neuen Reaktionäre.
 
   
  • SCHIMMANG, Jochen (2003): Mit der Plastiktüte ins Suhrkamp-Haus.
    Geist und Geld: Erinnerungen an den toten Professor Adorno und Frankfurt am Main - die ehemalige heimliche Hauptstadt der alten Bundesrepublik Deutschland,
    in: Frankfurter Rundschau v. 01.09.
 
   
  • WALTER, Klaus (2003): Zwei tote Dandys aus Paris und die Restlinke.
    Schriften zu Zeitschriften: Die neue Ausgabe der Zeitschrift "Testcard" widmet sich dem Thema "Linke Mythen". Achtung, Attacler: Mit Aplomb wird etwa der Mythos von der Globalisierung als Wahrheitsregime entlarvt. Auch wenn Stilfragen leider als Luxus gelten, am Ende lohnt die Mühe,
    in: TAZ v. 01.09.
    • Inhalt:
      Klaus WALTER über die TESTCARD-Linke:
                "Hier ergreift eine glamour- wie subventionsfreie, unhedonistische Low-Budget-Linke zwischen Peripherie und Provinz das Wort, die sich die herablassende Ignoranz der Hauptstadt-Petit-Bourgeoisie schon dafür zuzieht, dass sie mehr Zeit in der Volksküche zugebracht hat als in der Volksbühne. In Testcard schreibt diese, sagen wir: junge Linke an der Fortsetzung einer Adoleszenz zwischen Hardcore und Autonomie, Gendertrouble und Antifa. Vom rot-grünen Kulturestablishment werden diese Debatten und Strömungen wenig beachtet; offenbar tut sich hier neben den (pop-)kulturellen Gräben ein generationsförmiges Rezeptionsloch auf - schließlich politisierte sich diese Jugend just zu einer Zeit nach links, als viele Alte sich von ihrer linken Vergangenheit in Richtung Zivilgesellschaft verabschiedet haben".
 
     
   
  • PEITZ, Dirk (2003): Tattrig am Plattenteller.
    Wir hören nie auf: Die Dance-Kultur siecht im Banne einer DJ-Gerontokratie dahin,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 01.09.
    • Kommentar:
      Im Greisenblatt ist man wieder einmal beim Lieblingsthema...
 
   
  • PROFIL-Titel: "Partys, Drogen, Faulenzen!
    Wie schlimm ist Österreichs Jugend wirklich?

    • GÄCHTER, Sven (2003): Partysanen-Kämpfe.
      Bildungsministerin Elisabeth Gehrer hat auf die Fragen von morgen nur Antworten von gestern. Sie will Politik durch eine rückständige Moral ersetzen,
      in: Profil Nr.36 v. 01.09.
      • Kommentar:
        Ermutigt von Susanne GASCHKEs ZEIT-Artikel hat Elisabeth GEHRER mit ihren Aussagen in der Wiener Zeitung Die Presse vom 23.08. eine Wertedebatte entfacht, die dankbar aufgegriffen wurde.

                  Das Nachrichtenmagazin widmet dieser Wertedebatte gar eine Titelgeschichte, in der - wie in Deutschland - die ständig wiederholten demografischen Fakten kaum noch in Frage gestellt werden. Einzig der Sozialforscher Bernd MARIN rückt die Fakten ein wenig zurecht:
                  "Die heutige Generation der unter 40-Jährigen erfüllt ihr Plansoll bei der Reproduktion genauso viel oder so wenig wie ihre Eltern und Großeltern."
                  In Deutschland hat kürzlich Detlef GÜRTLER darauf hingewiesen, dass die Geburtenraten in Deutschland zu niedrig ausgewiesen werden.
                  Obwohl die Geburtenrate bereits heute weit höher als 1,4 liegt, wurde in der jüngsten Bevölkerungsvorausberechnung dieser Wert auch für die nächsten Jahr unterstellt. GÜRTLER schreibt deshalb in der WELT vom 19.08.:
                  "Das Statistische Bundesamt (...) hat zwar diverse unterschiedliche Wanderungs- und Lebenserwartungsszenarien beschrieben, die Geburtenrate aber konstant bei 1,4 belassen. Warum? Unter anderem um »den Handlungsdruck auf die Politik aufrechtzuerhalten«, wie einer der Beteiligten ebenso freimütig wie anonym zugab."
                  Warum wird dieser Skandal von keinem einzigen Journalisten aufgegriffen?
    • BARTH, Josef/HAGER, Angelika/LAHODYNSKY, Otmar/MEINHART, Edith (2003): Die Leiden der jungen Werte.
      Jugendpolitik. Die Forderung von Bildungsministerin Gehrer "Kinder statt Partys" geht ins Leere: Die heutige Jugend will zwar weniger Nachwuchs, steht aber auf alte Werte,
      in: Profil Nr.36 v. 01.09.
    • LAHODYNSKY, Otmar (2003): "Ich liebe es, auf Partys zu sein".
      Der Erste Nationalratspräsident Andreas Khol (ÖVP) über die Plage der späten Geburt, moderne Keuschheit und die Verwendung von Kondomen sowie über die Tücken des Kindergeldes,
      in: Profil Nr.36 v. 01.09.
    • KIMMEL, Wolfgang (2003): "Die Menschen sollen sich das wünschen".
      Wirtschaftsminister Martin Bartenstein über Hedonismus, angepasste Jugendliche und den Kauf von Voest-Aktien sowie verbilligtem Schuhwerk,
      in: Profil Nr.36 v. 01.09.
    • LINGENS, Peter Michael (2003): Viele Katholiken - wenige Kinder.
      Die seit Jahrzehnten verfehlte Familienpolitik von Gehrer und Co.,
      in: Profil Nr.36 v. 01.09.
 
   
  • HAMANN, Sibylle (2003): Trend: Zart gesotten.
    Immer mehr heterosexuelle Männer pflegen einen schwulen Lebensstil. Über das neue Phänomen der "Metrosexualität" - und die Frage, wer davon wohl mehr profitiert: der Feminismus oder die Kosmetikindustrie,
    in: Profil Nr.36 v. 01.09.
 
   
  • MIKICH, Sonja (2003): Dem Sozialstaat verdanke ich mein Studium,
    in: Emma, September/Oktober
    • Inhalt:
      Sonja MIKICH, Leiterin des ARD-Magazins Monitor, legt ein Bekenntnis zum Sozialstaat ab:

                "Den Errungenschaften des Sozialstaates verdanke ich ganz persönlich meine individuelle Selbstverwirklichung und meine gesellschaftliche Stellung: Ohne die (sozialdemokratische) Bildungsoffensive in den 70ern hätte ich nicht studieren können, meine Mutter verdiente zu wenig. Ohne die Pflegeversicherung wäre meine Großmutter vermutlich elendig in einem Mehrbettzimmer im Altersheim verreckt. Ohne ein menschenwürdiges Arbeitslosengeld wäre meine pflichtbewusste Tante in der erzwungenen Auszeit zwischen zwei Anstellungen wahrscheinlich der Depression verfallen."
                Warum wehrt sich niemand gegen den Sozialabbau?
                "Weil es den Meinungsmachern samt ihrer (meist von Lobbys bezahlten) Experten gelungen ist, den demokratischen Sozialstaat als peinliche Alterskrankheit des vergangenen Jahrhunderts abzutun."
 
   
  • Titelgeschichte: Endlich allein!
    Warum Sie mehr Zeit für sich selbst brauchen

    • ERNST, Heiko (2003): Ganz bei sich sein.
      Warum wir so dringend Alleinzeit brauchen,
      in: Psychologie Heute, September
    • SAUM-ALDEHOFF, Thomas (2003): Extraversion: Talent zum Glücklichsein,
      in: Psychologie Heute, September
 
     
     
   
  • BROOKS, David (2003): People like Us.
    We all pay lip service to the melting pot, but wie really prefer the congealing pot,
    in: The Atlantic Monthly, September
    • Inhalt:
      Bobo BROOKS entdeckt hinter dem Pluralismus in Amerika die Homogenität und den Konformismus von Lifestyle-Milieus.

                Er beschreibt geografische Festungen, die auf kultureller Ähnlichkeit basieren. Marketingfirmen wie Claritas nutzen dieses Phänomen der Individualität von der Stange, um Gebiete in verschiedene Konsumidentitäten einzuteilen:
                "Looking through the market research, one can sometimes be amazed by how efficiently people cluster—and by how predictable we all are. If you wanted to sell imported wine, obviously you would have to find places where rich people live. But did you know that the sixteen counties with the greatest proportion of imported-wine drinkers are all in the same three metropolitan areas (New York, San Francisco, and Washington, D.C.)? If you tried to open a motor-home dealership in Montgomery County, Pennsylvania, you'd probably go broke, because people in this ring of the Philadelphia suburbs think RVs are kind of uncool. But if you traveled just a short way north, to Monroe County, Pennsylvania, you would find yourself in the fifth motor-home-friendliest county in America"
                Was eigentlich nur einen konservativen Journalisten erstaunen mag, ist die Tatsache, dass auch der Heiratsmarkt milieumäßig segmentiert ist:
                "Americans tend more and more often to marry people with education levels similar to their own, and to befriend people with backgrounds similar to their own".
                BROOKS, der in seinem Buch "Bobos in Paradise" noch die Meritokratie verteidigt hat, entdeckt nun, dass der Habitus Karrieren befördert. Parteibuch und Religionszugehörigkeit sind in bestimmten Institutionen wichtiger als Leistung.
 
       
   

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Zu den News vom 21. - 31. August  2003

 
       
   
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