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Medienrundschau:
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News vom
01. - 04. September
2004
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Zitat
des Monats:
"Typ I
Beziehungsfern (...) zeigt Befragte, die lange Phasen
ihres Erwachsenenlebens (bis zum Alter von 45) als Single gelebt
haben, für die das Single-Dasein also eine Art Lebensstil
darstellt und mehr ist, als eine bloße Übergangsphase. Der
Anteil dieser dauerhaft Beziehungsfernen ist nun über die
Generationen nicht angestiegen, er liegt einigermaßen konstant
bei einem Zehntel. Die (...) Zunahme von Singles (...) ist (...)
also tatsächlich nicht als Durchsetzung eines eigenen,
beziehungsfernen Lebensstils zu werten, sondern als Ergebnis der
großen Beziehungsfluktuation."
(Arne
Dekker & Silja Matthiesen in der Zeitschrift für
Familienforschung, H.1/2004, S.50) |
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SCHMITT, Cosima (2004): Mehr Geld für reiche Babys.
Familienministerin Schmidt will auch Besserverdiener zum
Kinderkriegen animieren. Künftig soll
der Staat Lohnersatz zahlen. Das soll die Elternzeit für Väter
attraktiver machen. Vorbild ist Schweden,
in: TAZ v. 04.09.
-
WINKELMANN, Ulrike (2004): Wer hat, dem soll gegeben werden.
Renate SCHMIDT sind Reiche-Kinder mehr Wert als Armen-Kinder,
in: TAZ v. 04.09.
-
DROBINSKI, Matthias (2004): Politik zum Kinderkriegen.
Gute Idee, schlechte Aussichten: Familienministerin Renate Schmidt
schlägt ein "Elterngeld" vor,
in: Süddeutsche Zeitung v. 04.09.
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ROEDIG, Andrea (2004): Always ultra.
Männer und Frauen - in der katholischen Kirche wird ihr Geschlecht
stets metaphorisch eingesetzt und vom realen Körper abgetrennt. Das
behaupten auch die Gender-Theorien,
in: TAZ v. 04.09.
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SEMLER, Christian (2004): Schundige Träume.
Thema verfehlt und verhunzt: Mit ihrem neuen Kriminalroman "Der
rote Wolf" begibt sich Liza Marklund in das Milieu einer schwedischen
Maoistengruppe der späten Sechzigerjahre,
in: TAZ v. 04.09.
- Kommentar:
Was
Sophie DANNENBERG
mit ihrem angeblich provokativen Buch nicht schaftte, das schafft
die schwedische Krimiautorin Liza MARKLUND.
Der Ex-Maoist Christian
SEMLER verteidigt seine Ex-"Glaubensgemeinschaft" gegen ein
negatives Bild vom Maoismus:
"Marklund beruft sich bei ihrem Krimi
auf eine zeitgeschichtliche Analyse, nämlich Torbjörn Säfves »Rebellnera
i Sverrige« von 1971 (im Internet aufrufbar), entnimmt aber dieser
nützlichen Quelle nur einige Allgemeinplätze über die angebliche
psychische Disposition der damaligen Rebellen, nämlich ihren
Antiintellektualismus, ihr puritanisches Gehabe und ihre
quasireligiöse Verehrung des Vorsitzenden Mao. Von den politischen
Kämpfen im Milieu des maoistischen Radikalismus der späten
Sechzigerjahre, vom oft beachtlichen intellektuellen Niveau der
involvierten Gruppen und Persönlichkeiten erfahren wir nichts."
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WEERT, Oliver de (2004): Ordnung, Chaos, Ordnung.
Die Krimi-Autorinnen Liza Marklund und Anne Holt über die Bedrohung
der Offenen Gesellschaft und die beste Art, Zeit totzuschlagen,
in: Welt v. 04.09.
- Inhalt:
Die Kriminautorinnen
Liza MARKLUND & Anne HOLT u.a. über
ihre Protagonistinnen:
"DIE WELT:
Die Charaktere in Ihren Büchern - Hanne Wilhelmsen und Annika
Bengtzon - machen große Entwicklungen durch. Wie wichtig ist der
biografische Kosmos?
Holt: Nehmen Sie die Protagonisten so um
1920, als die Serientitel starteten. Agatha Christies Hercule Poirot
ist exakt der gleiche in Buch Nummer eins wie in, sagen wir, Nummer
59. Sein Appartement ist die gleiche Art-deco-Wohnung, Miss Lemon
ist noch immer seine Sekretärin. Die Zeitspanne erscheint wie 150
Jahre, aber alles bleibt gleich. Miss Marple ist 82 Jahre alt -
wahrscheinlich 50 Jahre lang. Krimis waren damals die literarische
Antwort auf Puzzle. Als Kriminalliteratur ein sozialkritischeres
Genre wurde, wurden die Helden dynamischer. Sie verändern sich, weil
wir uns alle verändern. Wir werden älter, heiraten, lassen uns
scheiden.
DIE WELT: Was ist mit der
Identifikation?
Marklund: Das war der Grund, warum ich
Annika Bengtzon kreiert habe. Ich wollte über eine Frau mit meinen
Lebensbedingungen lesen - aber es gab keine. Man fand jede Menge
Frauen als Heldinnen in Krimis, aber sie waren alle Singles, hatten
keine Kinder, kein Geld und ein kaputtes Auto."
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WERNER, Hendrik (2004): So sieht's da eben aus.
Herr Lehmann ist wieder da: Sven Regener erzählt, wie unser
Berliner Lieblingskellner wurde, wer er ist. In Bremen. Und bei der
Bundeswehr,
in: Welt v. 04.09.
- Inhalt:
"Es geschieht wenig in diesem Buch. Aber die Art, in
der beschrieben wird, dass kaum etwas passiert, ist so grandios,
dass sie passagenweise an Samuel Becketts tragikomische Endspiele
gemahnt, in denen das auf die Spitze getriebene Absurde die
Mitteilungsfunktion von Sprache radikal in Frage stellt. Der Roman
»Neue Vahr Süd«, der Anfang der achtziger Jahre spielt und einen
Zeitraum von etwa einem halben Jahr umgreift, wiederholt die
Tragödie des Alltagsgeredes gewissermaßen als Vahrce. Denn Regener,
diesem besessenen wie begnadeten Sprachkritiker, gilt die Groteske
offenbar als Fortsetzung des Ringens um Dialog mit anderen Mitteln",
erläutert WERNER
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GASEROW, Vera (2004): "Entwurf zur Pflege ändern".
Grüne Abgeordnete stimmen Schmidts Plänen unter Vorbehalt zu,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.09.
- Inhalt:
Die kinderpolitische Sprecherin der
Grünen, Ekin DELIGÖZ kritisiert den Entwurf zur Pflege:
"Die
Einwände der Grünen richteten sich nicht gegen die Entlastung von
Eltern, betonte deren kinderpolitische Sprecherin, Ekin Deligöz,
gegenüber der FR. Die Regelungen (...) seien jedoch
»familienpolitisch nur sehr schwer vermittelbar«.
Nach den Gesetzesplänen würden zum Beispiel auch Väter dauerhaft in
der Pflegeversicherung begünstigt, die sich als Erzeuger wider
Willen nie um ihre Kinder gekümmert hätten. Auch würden Eltern,
deren Kinder unmittelbar nach der Geburt gestorben seien, für alle
Zukunft in der Pflegeversicherung entlastet. Das sei jedoch nicht
die Intention des Verfassungsgerichtsurteils, meinte Deligöz: »Es
ging darum, die aktive Erziehungsleistung von Eltern zu honorieren
und nicht die Zeugungsleistung.«"
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KALTENBRUNNER, Robert (2004): Geschlossene Gebilde.
Zur jüngeren Konjunktur nachbarschaftlicher Stadtmodelle,
in: Frankfurter Rundschau v. 03.09.
- Inhalt:
KALTENBRUNNER skizziert u.a. die
Ideengeschichte der "Nachbarschaftseinheit" in der Tradition der
Chicagoer Schule für Sozialökologie, die u.a. durch
kommunitaristische und zivilgesellschaftliche Vorstellungen und
Problemdefinitionen wieder Aufwind bekommen haben:
"in der Idee der Nachbarschaft keimt
zwar eine gewisse Nähe zu (nun nicht mehr ganz so aktuellen)
kommunitaristischen Vorstellungen, doch weist sie auch Züge dessen
auf, was André Gorz in einer Bürgergesellschaft mittels sogenannter
öffentlicher Tugenden realisiert wissen wollte. Sie sei jenes Gewebe
aus gesellschaftlichen Beziehungen, die auf Gegenseitigkeit und
Freiwilligkeit beruhen und nicht auf Recht und juristische
Verbindlichkeit. Und das wird im gleichen Maße bedeutsamer, wie
existentielle Grundsicherungen auf niedrigeres Niveau
heruntergeschraubt werden. Da viele Familien keine Kinder mehr
haben, mögen bald neue Formen nachbarschaftlicher Solidarität
bedeutsam werden; und weil diese frühzeitig gepflegt sein wollen,
spielt räumliche Nähe plötzlich wieder eine stärkere Rolle."
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MANGOLD, Ijoma (2004): Nie wieder Wendland!
Mit Hass-Schrittmacher: Sophie Dannenbergs Romanpamphlet "Das
bleiche Herz der Revolution",
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.09.
- Inhalt:
Ijoma MANGOLD ist wenig begeistert von Sophie DANNENBERGs Buch
"Das bleiche Herz der Revolution":
"Kitty ist (...) ein 68er-Opfer. Sie ist
ein sogenanntes
Kursbuch 17-Kind, an dem also alle
revolutionären Erziehungsmethoden und
Menschheitsneuschaffungsphantasien der Bewegung sich erbarmungslos
ausgetobt haben. Kitty ist das alter Ego der Autorin, und wir
glauben gern, dass eine solche antiautoritäre Kindheit in
Lüchow-Dannenberg ein abgründiges Menschenexperiment gewesen sein
muss. Bei Sophie Dannenberg bleiben davon aber nur alberne Popanze
übrig, Karikaturen von solcher Schlichtheit, dass man sie auch als
Feind nicht mehr ernst nehmen kann."
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WAGNER, Gert G. (2004): Superverdiener - armer Kerl.
Maßvolle Einkommen machen Manager zufriedener,
in: Süddeutsche Zeitung v. 03.09.
- Inhalt:
WAGNER findet die Gehälter von Managern
unangemessen hoch. Zudem haben Manager gar nicht die Zeit, um ihr
Geld auszugeben. Er empfiehlt deshalb einen schlichten Mechanismus,
um Managern zu ihrem Glück zu verhelfen:
"Die Forderung nach einer gesetzlichen
Begrenzung der Manager-Gehälter ist (...) absurd. Das einzige, was
hilft, ist Transparenz bezüglich der Bezüge und das explizite Recht
der Aktionäre, über die Gehälter der Vorstands-Mitglieder
abzustimmen. Dann regelt der Wettbewerb - wie bei Superstars - das
Problem von selbst."
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- NEUHAUS, Andrea (2004): Lerne
zu leiden!
In der Schule der Schwermut: Wolfgang Schömels
Romandebüt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 03.09.
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SPEICHER, Stephan (2004): Ende eines langen Sonntags.
Sparen wollen viele, nur nicht für die Not. Warum Hartz IV so oft
als ungerecht empfunden wird,
in:
Berliner Zeitung v. 03.09.
- Inhalt:
SPEICHER schließt sich der "Anthropologie von
Hartz IV" wie sie
Mark SIEMONS in der FAZ ausgebreitet
hat, an: "wer bürgerlich lebte und gelebt hat, in Ehe oder anderer
fester Bindung und sparsam" ist der Dumme.
Das Ungerechtigkeitsempfinden der
Bevölkerung leitet SPEICHER aus einer veränderten Sparmoral her, die
er anhand der Sparkassen-Werbung aufzeigt.
Die Folgen von Hartz IV
beschreibt SPEICHER folgendermaßen:
"Wenn es auf der Linken früher gern
hieß, kapitalistisches Wirtschaften bedeute, Gewinne zu privatisieren
und Verluste zu sozialisieren, so ist dieser Grundsatz jetzt
demokratisiert worden: für den Konsum ist der einzelne zuständig, für
die Not die Gemeinschaft. Und allerdings muss die Gemeinschaft in der
Not helfen und sie wird es auch nach dem 1. Januar 2005 tun,
wenngleich auf geringerem, in manchen Fällen auch auf schmerzlich
geringem Niveau. Aber sie hat auch einen Anspruch gegen die Einzelnen:
dass jeder sich selbst hilft, so gut er kann, also auch mit Einsatz
der Ersparnisse oder der Hilfe des Ehepartners.
Das ist die Leistung, die jeder seinen Mitbürgern schuldet, sofern er
dazu imstande ist. Doch die Neigung ist groß, in der Vorsorge nichts
anderes zu sehen als Dummheit oder ein schlechtes Geschäft, wo andere
doch sofort ALG II bekommen. Sollte sich diese Neigung duchsetzen,
wäre es das Ende des Sozialstaates."
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BRAUN, Michael (2004): Zerwürfnisse.
Zeitschriftenrundschau. Die österreichische Zeitschrift
"Wespennest" wird 35 Jahre alt,
in: Freitag Nr.37 v. 03.09.
- Inhalt:
BRAUN geht auf den kürzlich verstorbenen 68er
Lothar BAIER ein, der im
Jubiläumsheft der Zeitschrift "Wespennest" mit einem Text vertreten
ist:
"Der zweite bewegende Text im neuen Heft
ist ein Aufsatz von Lothar Baier, eine kleine diskrete
Autobiographie. Baier bilanziert hier sein Dasein als
nomadisierender Städtebewohner, den es endgültig nach Montréal und
in die kanadische Provinz Quebec verschlagen hat. In seinem letzten
Lebensjahr wohnte Baier im Montréaler Stadtteil Saint-Henri, einer
Hochburg der Elendsprostitution. Hier, unter den Ärmsten der Armen,
hat er noch einmal jene »Wärme« gefunden, die ihm im »lieblosen«
Frankfurt versagt blieb. Am Ende seines Textes berichtet Baier von
seinem Versuch, das lärmende »Stadtgetriebe« hinter sich zu lassen.
Dies gelingt ihm im einsamen »Zwiegespräch mit einer Katze«, die der
Autor in »Montréaler Französisch« anspricht. Woraufhin die Katze zu
schnurren beginnt. Mit diesem zarten Schlussbild hat sich Lothar
Baier aus der Welt verabschiedet."
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Thema des Tages: Höherer Beitrag
für Kinderlose zur Pflegeversicherung
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WINKELMANN, Ulrike (2004): Grüne wollen die Rentner nicht schonen.
Ulla Schmidts Vorschlag zur Belastung Kinderloser in
der Pflegeversicherung stößt auf Kritik: "Flickschusterei",
in: TAZ v. 02.09.
- Inhalt:
Ulrike WINKELMANN zitiert aus
einem Entwurf von ULLA SCHMIDT, in dem dreist behauptet wird, dass
alle vor 1940 Geborenen einen ausreichenden generativen Beitrag
geleistet hätten:
"alle, die vor 1940 geboren
sind, zahlen keinen Zuschlag - und somit alle kinderlosen Rentner.
Dies wird im Entwurfstext damit begründet, dass »die Kinderzahlen
in einer Zeit zurückgegangen sind, als die nach 1940 geborenen
Jahrgänge etwa Mitte zwanzig oder jünger waren und zu dieser Zeit
und in der Folgezeit als Eltern in Betracht kamen«. Die Jahrgänge
bis 1940 dagegen »haben noch in ausreichendem Maße Kinder
geboren«."
Eine Widerlegung dieses
Mythos siehe hier.
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WINKELMANN, Ulrike (2004): Zielgruppe Rentner.
Das Generationen-Argument wird beim Pflegezuschlag zur Luftblase,
in: TAZ v. 02.09.
- Inhalt:
Ulrike WINKELMANN lässt das Argument der
Generationengerechtigkeit für die geplante "Pflegereform" nicht
gelten.
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BISKY, Jens (2004): Abstieg wahrscheinlich.
Soziologie am Nachmittag des Wohlfahrtsstaates,
in: Süddeutsche Zeitung v. 02.09.
- Inhalt:
Jens BISKY bespricht einen Artikel
von
Berthold VOGEL in der Zeitschrift Mittelweg 36 vom
August/September 2004.
Die Soziologie der Neuen Mitte à la
Heinz BUDE, die lange Zeit nur um den "unternehmerischen Einzelnen"
kreiste und dann mit dem Niedergang der New Economy die Kategorie
der Überflüssigen und damit das Begriffspaar der Inklusion/Exklusion
entdeckte, ist nun mit Hartz IV bei den Statusängsten der neuen
Mittelschichten angekommen.
Berthold VOGEL hat zu diesem
Zweck die Begriffe der "sozialen Verwundbarkeit" und des "prekären
Wohlstands" fruchtbar gemacht. Damit kann nun der Abschied von der
staatlichen Statussicherung, die mit den Hartz-Gesetzen eingeleitet
wird, wissenschaftlich begleitet werden.
BISKY sieht in dem Beitrag von
VOGEL keine Hysterie, sondern ein "überzeugendes Plädoyer für
engagierte Gelassenheit".
BISKY macht außerdem deutlich,
dass sich ein politischer Wandel vollzogen hat. Nicht mehr der
ökonomische Neoliberalismus bestimmt unsere Gesellschaft, sondern
ein neuer "sozialpolitischer Autoritarismus".
Diese Entwicklung hat der
Liberale Ralf DAHRENDORF bereits vor längerer Zeit aufgrund der
Erfahrungen mit der britischen Politik prognostiziert.
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DRIBBUSCH, Barbara (2004): Ein rotes Herz für die Küche.
Schenkt Karrierefrauen mehr Liebe! Dann müssen sie sich keine
Personal Trainer mehr kaufen,
in: TAZ v. 02.09.
- Inhalt:
DRIBBUSCH über die
"Single-Gesellschaft", in
der die persönlichen Beziehungen durch die
Single-Industrie substituiert wird:
"Eine der Lieblingstheorien von Britt
über die Singlegesellschaft besagt, dass wir alle nach
Aufmerksamkeit hungern, aber die alten Formen verloren gegangen
sind, in der man diese Zuwendung bekommt. Was nicht zuletzt an der
Emanzipation der Frauen liege, die heute genauso viel Aufmerksamkeit
für sich beanspruchen wie Männer."
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BARTELS, Gerrit (2004): Spielen mit Ausweg.
Lebensstandort Deutschland (5): Der Kollwitzplatz in
Berlin-Prenzlauer Berg ist der Jungbrunnen der Republik,
in: TAZ v. 02.09.
- Inhalt:
Gerrit BARTELS beschreibt die
Wohlfühlatmosphäre am Prenzlauer Berg, wo die
Family-Gentrifier das Bild
bestimmen:
"Bestimmt wird die Atmosphäre zum einen
von den Touristen (...). Zum anderen (...) von den nicht
weggentrifizierten Alteingesessenen genauso wie den neuen Anwohnern,
die sich der alltäglichen Freizeitgestaltung halber in der
Parkanlage rund um die Kollwitz-Statue tummeln und dort vor allem
auf den beiden Kinderspielplätzen.
Man könnte auch sagen: Der Kollwitzplatz ist der Jungbrunnen der
Republik, Probleme einer aufkommenden Gerontogesellschaft kennt man
hier nicht. Das ist kein Wunder, denn der gesamte Bezirk Prenzlauer
Berg gilt als der kinderreichste in ganz Deutschland. Als junger
Vater hat man so auf dem Kollwitzplatz-Spielplatz nicht nur das
Gefühl, unter seinesgleichen zu sein, ungeachtet der Gerüchte,
gerade auf diesem Spielplatz seien die größten Elternspackos zu
Hause (was coole Spackos eben so über Spackos sagen). Wichtiger ist,
dass es anders als auf anderen Spielplätzen aus dieser
Zwangsgemeinschaft immer einen Ausweg gibt, und sei dieser noch so
virtuell"
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HARPPRECHT, Klaus (2004): Sophie Dannenberg entführt uns in den
brodelnden Wahnsinn von 1968,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 02.09.
- Inhalt:
Klaus HARPPRECHT,
ein Angehöriger der Flakhelfer-Generation, hebt bei seiner Rezension
des Buches
"Das bleiche Herz der Revolution"
von Sophie DANNENBERG zweierlei hervor.
Zum einen beklagt er die
HABERMAS-Darstellung:
"Die Grenze des Erträglichen aber
durchbricht die Denunziation des Adorno-Erben Habermas (der unter
dem Namen Heinz Mueller-Skripski auftritt). Man mag den gelehrten
Exmarxisten schätzen oder auch nicht: An der schieren Gemeinheit
erstickt jede Komik, und die Karikatur büßt durch den Mangel an
Ähnlichkeit jeglichen Witz ein."
Die
ADORNO-Parodien findet HARPPRECHT
dagegen meisterlich und spekuliert deshalb darüber wer für sie
verantwortlich ist:
"Auf einer der letzten Seiten
des Buches klärt uns ein diskreter Hinweis darüber auf, dass
»Alexander Oronzov … die Vorträge von Aaron Wiesent, Hyronimus Arber
und Heinz Mueller-Skripski sowie die Gedichte für diesen Roman
geschrieben« habe. – Who’s he? Die Sachkennerschaft und die
stilistische Akrobatik traute man Tilman Spengler zu, auch Christian
Semmler. Nur würde sich keiner der beiden bereit finden, Jürgen
Habermas mit solch brutaler Verlogenheit zu meucheln. Oder begegnen
wir in Wahrheit der Sprachartistik konservativ durchwirkter Damen?
Mirjam Lau zum Beispiel, die der Welt, den Neokons und
dem unsäglichen Bush junior nicht alle Sensibilitäten geopfert hat,
oder Cora Stephan, die gern ihr Hühnchen mit den 68ern rupfte, oder
Katharina Rutschky, die es zuwege brächte, die Absurditäten der
»sexuellen Befreiung von Kindern« mit der abgefeimten Drastik
vorzuführen, die uns in diesem seltsamen Buch begegnen"
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LORENZO, Giovanni di (2004): Schöne Demokraten.
Kaum wird es schwierig, zweifeln viele Deutsche am ganzen System,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 02.09.
- Kommentar:
LORENZO hat die Kirche gewechselt und predigt
heute erstmals auf einer neuen Kanzel.
Wir Eliten müssen zusammenhalten,
wenn das Volk nicht weiß was gut für es ist - wir wissen es dafür
umso besser:
"Die Voraussetzungen zur Bewältigung der
Krise in Deutschland sind so schwierig nicht. Aber für die
politische Klasse ist es doch eine gewaltige Bewährungsprobe,
womöglich die zweitschwerste nach der Rückkehr in die zivilisierte
Staatengemeinschaft. Sie muss nicht mehr (...) beweisen, dass die
Deutschen überhaupt zur Demokratie fähig sind. Aber sie muss zeigen,
dass diese Demokratie auch dann funktioniert, wenn
Schönwetter-Kapitäne nicht mehr über Wohlstandsdemokraten herrschen.
Und damals wie heute braucht es eine überparteiliche Verständigung.
Denn der Umbau des Sozialstaates, die Anpassung an die globalisierte
Wirtschaft, das Ringen um Gerechtigkeit und neue Formen der
Partizipation lassen keine Wahl. Sie sind die Existenzfragen unserer
Gesellschaft."
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LJUBIC, Nicol (2004): Als ich rot wurde.
Wie geht es einem, der in diesen Zeiten in die SPD eintritt? Der
Journalist Nicol Ljubić hat es ausprobiert. Er begegnete Franz
Müntefering und vergaß, ihn zu duzen, er ließ sich von Wolfgang
Thierse beschimpfen, und manchmal glaubte er sich in einer
Selbsthilfegruppe,
in: Die ZEIT Nr.37 v. 02.09.
- Kommentar:
Geht es der SPD wirklich derart schlecht, fragt man
sich da. Ein 32jähriger Journalist tritt mit großem Getöse in die
SPD ein. Offenbar soll der Eintritt eines Neue-Mitte-Jünglings die
vielen Austritte traditioneller SPD-Wähler wettmachen...
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GIERTH, Matthias (2004): Hilfe, wir schrumpfen!
Deutschland braucht eine neue Bevölkerungspolitik.
Der Geburtenrückgang droht 2004 alle Negativrekorde zu schlagen. Die
Parteien reagieren hilflos: Ganztagsbetreuung allein löst das Problem
nicht,
in: Rheinischer Merkur Nr.36 v. 02.09.
- Kommentar:
GIERTH fordert angesichts des erwartbaren
Geburtenrückgangs eine neue
Bevölkerungspolitik.
Was GIERTH jedoch verschweigt: der
Geburtenrückgang aufgrund der Tatsache, dass nun die
geburtenschwachen Jahrgänge ins gebärfähige Alter kommen, sagt
nichts über die Geburtenrate der jüngeren Jahrgänge aus.
Vielmehr hat der
Bevölkerungswissenschaftler
Jürgen DORBRITZ in der neuesten
Ausgabe der BIB-Mitteilungen das Ende des Geburtenrückgangs in
Deutschland verkündet.
Gerade im Hinblick auf die Debatte
um den Beitrag der Kinderlosen in der Pflegeversicherung muss
deshalb zwischen der Geburtenrate der jüngeren Jahrgänge (diese kann
trotz Geburtenrückgang steigen!) und den absoluten Geburtenzahlen
unterschieden werden.
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Thema des Tages: Höherer Beitrag
für Kinderlose zur Pflegeversicherung
- Kommentar:
Die Bundesregierung muss bis 2005 das
Bundesverfassungsgerichtsurteil zur
Pflegeversicherung umsetzen. Wie dies geschehen soll,
wird derzeit in den Mitte-Medien verhandelt.
Welche Gruppe soll am Ende die höheren
Beiträge tatsächlich zahlen, wenn "kinderlose" Rentner; junge
Kinderlose unter XY-Jahren; Mütter und Väter, deren Kinder bereits
gestorben sind usw. keine höheren Beiträge zahlen?
Am Ende bleiben potenzielle
Eltern und lebenslang Kinderlose im erwerbsfähigen Alter übrig.
Erstere müssten dann die Rückzahlung ihrer zuviel gezahlten Beiträge
bei Geburt ihres ersten Kindes einklagen. Letztere werden die
Pflegeversicherung jedoch nicht entscheidend entlasten, denn
lebenslang kinderlos sind bislang nicht mehr als 15 - 20 % der
Frauen im gebärfähigen Alter. Alle höheren Zahlen beruhen auf
Schätzungen.
International renommierte
Demografen wie John BONGAARTS haben nachgewiesen, dass die in Deutschland
gängige Meßmethode zu gravierenden Überschätzungen der
Kinderlosigkeit führen kann.
Für Dänemark hätte z.B. eine
Schätzung nach der deutschen Methode in den 80er Jahren eine
Kinderlosigkeit von 32 % ergeben. Tatsächlich blieben nur 12 % der
1960 Geborenen kinderlos. (Nachzulesen im Beitrag
"The End of the Fertility Transition in the Developed World",
2002, S.429)
Die Behauptung, dass Rentner
ihren generativen Beitrag allesamt erfüllt haben, gehört ins Reich
der Märchen.
Vielmehr profitieren die Älteren von der Gnade des günstigen
Bevölkerungsaufbaus, während Jüngere durch den
katholischen Sozialstaat zur Schicksalsgemeinschaft gemacht
werden.
Wer sich dagegen nicht wehrt,
der lebt verkehrt...
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SIEMS, Dorothea (2004): Rentner werden bei der Pflegereform
geschont.
Pläne der Bundesregierung sehen Ausnahme beim geplanten
Kinderlosen-Malus vor - Union plant Gegenkonzept,
in: Welt v. 01.09.
- SZENT-IVANYI, Timot (2004): Kein
Beitrags-Aufschlag für kinderlose Rentner.
Gesetzentwurf zur Reform der Pflegeversicherung,
in: Berliner Zeitung v. 01.09.
- SIRLESCHTOV, Antje (2004): Kinderlose
zahlen mehr in die Pflegekasse.
Rot-Grün nimmt Rentner von Zusatzabgabe aus,
in: Tagesspiegel v. 01.09.
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TAZ (2004): Rentner gut gepflegt.
Ulla Schmidts neuer Pflege-Entwurf: Rentner bleiben vom
Kinderlosenzuschlag befreit. 700 Millionen Euro erhofft,
in: TAZ v. 01.09.
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DURAK, Elke (2004): Sager bedauert Entscheidung zur
Pflegeversicherung.
Interview mit der Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die
Grünen,
in: DeutschlandRadio v. 01.09.
- Inhalt:
SAGER befürchtet "kulturkampfähnliche
Debatten" angesichts der Abgrenzungsprobleme hinsichtlich des
Kriteriums "Kinderlosigkeit":
"Durak:
Frau Sager, ich hätte noch eine kurze Frage zu einem Detail der
Pflegeversicherung, denn eines soll ja ab 2005 kommen, dass
Kinderlose einen Zuschlag von 0,25 Prozentpunkten zahlen sollen.
Rentner nicht, aber Langzeitarbeitslose schon. Die Union hat einen
anderen Vorschlag. Die Union will nicht Kinderlose sozusagen
bestrafen, sondern Familien fördern. Ist das nicht viel gerechter,
denn es gibt ja so viele Gründe, kinderlos zu sein?
Sager: Mit dieser Abgrenzung der Kinderlosigkeit haben auch wir
Probleme. Das haben wir auch der SPD deutlich gesagt, dass wir
glauben, dass wir dort in eine Menge von schrägen
Gerechtigkeitsdiskussionen, kulturkampfähnlichen Debatten und jeder
möglichen Art von Abgrenzungsproblemen hineingeraten werden. Wir
müssen aber dieses Urteil umsetzen. Wir wollen als Grüne natürlich
auch nicht, dass die Pflegeversicherung im nächsten Jahr nicht mehr
weiter funktioniert, weil die Beiträge nicht mehr erhoben werden
können. Wenn die Union jetzt sagt, sie will die Kinderlosen
entlasten, dann würde ich gerne mal von der Union hören, wo dann das
Geld herkommen soll."
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FÜLLER, Christian (2004): Die Deutschen sterben aus - und verblöden.
Die neuen Bundesländer sind zwar ein Paradebeispiel, aber nicht nur
der Osten steht bildungspolitisch auf der Kippe. Zwei renommierte
Berufsforscher fällen ein pessimistisches Urteil über die
gesamtdeutsche Bildungspolitik. Sie produziert viel zu wenig gut
Gebildete, und sie ist sozial völlig ungerecht,
in: TAZ v. 01.09.
- Inhalt:
FÜLLER berichtet über einen Vortrag der Direktorin
des Forschungsinstituts der Bundesagentur für Arbeit,
Jutta ALLMENDINGER ("Fräuleinwunder unter den deutschen
ProfessorInnen"):
"Ihre Botschaft lautet: Die
Deutschen werden immer weniger, immer blöder - und immer
ungerechter".
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GESANG, Bernward (2004): Wir werden weniger, und das ist ein Segen.
Die Weltbevölkerung wächst auch ohne Zutun der Deutschen - eine
Patenschaft mit einem Land wie Brasilien könnte beiden Seiten nutzen,
in: Frankfurter Rundschau v. 01.09.
- Inhalt:
GESANG begrüßt den demografischen Wandel als
Chance für eine ökologisch sinnvollere Lebensweise:
"Wie schaffen wir Frieden und Wohlstand
für immer mehr Menschen auf einem Planeten mit ökologischen Grenzen?
Realität ist: Bevölkerungswachstum erfordert ständig wachsende
Wirtschaft, die immer größere Umweltlasten produziert. Die Äcker
versteppen, die Wasserversorgung wird knapper und irgendwann geht
uns das Öl aus. Die Spanne von Armut und Reichtum wird immer größer
und der globale soziale Unfrieden wächst. Angesichts dieser Realität
ist unser demographischer Wandel erwünscht!"
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RUTSCHKY, Michael (2004): Sei einfach du selbst.
Alain de Bottons Buch gegen die Statusangst entspricht der
Stimmung, nicht aber der Forschung,
in: Frankfurter Rundschau v. 01.09.
- Inhalt:
"Nun, das Zentralproblem dieser Konstruktion bildet
natürlich die Unterscheidung zwischen meinem wahren und dem
gesellschaftlichen Ich, das, wie alle anderen, nach Macht und
Reichtum und Ansehen strebt.
Alain de Botton versteht einfach zu wenig von Soziologie. Zwar
versammelt er wieder die allerschönsten Prunkzitate, von
Macchiavelli bis Stendhal, von Sophokles bis Montaigne. Aber der
Meisterdenker, der auf diesem Feld der Statuskämpfe die vorläufig
endgültigen Untersuchungen vorgenommen hat, der Franzose Pierre
Bourdieu scheint Alain de Botton völlig unbekannt. Dabei sollte sich
an das Thema niemand heranwagen, der nicht durch Bourdieus dickes
Buch von 1979,
Die feinen Unterschiede, aufmerksam hindurchgewandert
ist.
Alain de Botton sieht die gesellschaftliche Statushierarchie und
ihre Symbolik viel zu starr und viel zu sehr als
Oberflächenphänomen. Zwar mag die Gesellschaft einheitlich nach
Macht und Reichtum und Ansehen streben; aber was das für die
verschiedenen Klassen und Gruppen bedeutet, unterscheidet sie
gründlich", belehrt uns RUTSCHKY
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ALY, Götz (2004): Ich bin das Volk.
Alle reden von Hitler, wir reden von Hitler-Deutschland,
in: Süddeutsche Zeitung v. 01.09. (online bei
Perlentaucher)
- Inhalt:
Der 68er
Götz ALY propagiert den Umbau des
Sozialstaates als Abschied von Hitler-Deutschland:
"Hitler regierte nach dem Prinzip »Ich
bin das Volk« und er zeichnet damit die politisch-mentalen Konturen
des späteren Sozialstaats Bundesrepublik vor. Die Regierung
Schröder/Fischer steht vor der historischen Aufgabe des langen
Abschieds von der Volksgemeinschaft."
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ELSCHENBROICH, Donata (2004): Gesellschaft aus Großeltern.
Der Erziehungsauftrag der Rentner,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.09.
- Inhalt:
ELSCHENBROICH fordert angesichts der Alterung
der Gesellschaft die neuen Potenziale zu nutzen:
"Wenn man von der demographischen Entwicklung nicht
nur Verteilungskämpfe erwarten will, nicht nur die
Methusalemisierung der Gesellschaft, muß man nach dem Potential
dieser historisch neuen Generationenkonstellation fragen."
Dem Bild der "atomisierten postmodernen
Familie" wie es von den Individualisierungstheoretikern um Ulrich
BECK beschworen wird, setzt ELSCHENBROICH die
Generationensolidarität entgegen, die z.B. von
Hans BERTRAM
empirisch nachgewiesen worden ist.
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DATH, Dietmar (2004): Moderner mosern.
Dale Peck mischt die Literaturkritik auf - nicht nur in New York,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 01.09.
- Inhalt:
Dietmar DATH berichtet über den Romancier und
Literaturkritiker Dale PECK, Jahrgang 1967, an dem sich die
US-amerikanische Literaturkritik abarbeitet:
"Auf deren Radar ist er erstmals im Juli 2002
erschienen. Anlaß war seinerzeit ein Angriff auf den hierzulande vor
allem durch seinen Roman "Der Eissturm" und dessen Verfilmung von
Ang Lee bekanntgewordenen Rick Moody, den Peck mit dem keine
Prägnanzwünsche offenlassenden Satz eröffnete: »Rick Moody ist der
schlechteste Schriftsteller seiner Generation«."
PECK wendet sich einerseits gegen
die Riege derjenigen, die "Bekenntnisliteratur für belesene
und empfindsame Bessergestellte" schreiben und andererseits gegen
die "Rückfallrealisten", die im Zuge strategisch-minoritärer
Identitätspolitik den englischen Sittenroman des 19. Jahrhunderts
wieder beleben, um Schwarze, Frauen und Homosexuelle auf die Agenda
zu setzen.
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- KUMMER, Dolores (2004): Blues von der
verpaßten Gelegenheit.
Warum beklebt jemand mit einem Bild vom Schokoladenmädchen die
halbe Stadt? Er glaubte, daß nur seine Traumfrau diese
Liebeserklärung versteht. Neugierig geworden, verabredete sich die
Autorin mit Männern, die auf diese Art ihr Glück finden wollen,
in: Das
Magazin, Nr.9 September
- Inhalt.
KUMMER schreibt über die uneffektive Methode
mit "Wanted"-Anzeigen, "ob selbstverteilt oder im Stadtmagazin
veröffentlicht", seine Traumfrau zu suchen:
"Bis auf Martin, die berühmte Ausnahme, haben alle
30 Männer, die für diese Recherche angesprochen wurden, nichts
mehr von ihren Traumfrauen gehört".
Der Hamburger Psychologe Oskar
HOLZBERG liefert die Theorie zum Dilemma. Demnach führen
Leistungs- und Versagensängste der Männer zusammen mit fehlenden
Flirt-Ritualen zum ganz normalen Chaos der Liebe...
- LEHMANN, Andreas (2004): Sei kein Frosch.
Der Mann von heute sieht sich hohem und wechselndem
Anspruchsdenken von Frauen ausgesetzt, dem er nicht mehr gewachsen
ist. Deshalb führt er sich manchmal wie eine Kaulquappe. Aber
darüber spricht er nicht. Soviel Stolz ist ihm geblieben,
in: Das
Magazin, Nr.9 September
- Kommentar:
"Neue Männer braucht das Land" hieß seit Ina
DETER das Klagelied (mittlerweile vor allem in der Variante: neue
Väter braucht das Land) in Deutschland.
Nun hat die "neue
Männerbewegung" allen Mut zusammen genommen und stimmt den
neuerdings vielstimmigen Chor an: Neue Frauen braucht das Land.
Wobei wie bei Andreas LEHMANN oder
Rainer PARIS das Idyll der
vorfeministischen Zeit beschworen wird.
Postfeministinnen wie
Wäis KIANA bestärken sie in diesem Vorhaben.
LEHMANN zählt gleich alle
Schuldigen für die Orientierungslosigkeit der Männer auf:
"Wer ist schuld? Eine Auswahl:
Zuallererst die Märchen (an die zuvorderst Mädchen glauben), dann
Genderseminare, (...) und schließlich die rasende Verbreitung von
Frauenliteratur. (...). Hinzu kommen all die Beziehungsratgeber."
Die Lösung ist dann immer wieder der
klassische Macho:
"Männern, geschundene Kreaturen dieser Tage, kann
man am Ende nur raten: Zurück zu den männlichen Tugenden!
1. Nicht drüber nachdenken.
2. Alles halb so schlimm.
3. Sei kein Frosch.
4. Bier her, Bier her, oder wir falln um."
Ein wenig kurzsichtig ist diese
individualistische Rückkehr zu alten Rollenmodellen schon.
Weitsichtiger hat das
Ulrich BECK formuliert und
kürzlich
Matthias HORX in der Welt:
"Die einzige Weise, »Familie« aus ihren modernen
Turbulenzen zu entlassen und ihre Evolution zu stoppen, wäre, die
Frauen aus der höheren Bildung auszuschließen und den Wohlstand zu
revidieren."
Der heroische Neoliberalismus könnte also
jene politische Männerbewegung sein, die durch einen
Niedriglohnsektor für Frauen und Elitenbildung für Männer erstens
Frauen von der höheren Bildung ausschließt und zweitens den
Wohlstand geschlechtsspezifisch revidiert.
Es könnte ausgerechnet Angela MERKEL sein,
die das gewährleistet...
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- THIEME, Manuela (2004): Geburtsname: Chef.
Entscheidet die Herkunft über Karriere und Erfolg? Deutschlands
Eliteforscher sagt ja. Bemerkungen zu einigen neuen biographischen
Erkundungen auf dem Buchmarkt,
in: Das
Magazin, Nr.9 September
- Inhalt:
Manuela THIEME beschäftigt sich u.a. am
Beispiel von Jens BISKY mit dem Zusammenhang von Herkunft und
Karriere:
"»Jens
Bisky. Geboren am 13. August. Der Sozialismus und ich« steht auf
dem Buchcover. Es geht um Kindheit und Jugend in der DDR, die
übliche Meterware, die es seit geraumer Zeit aus vielen Verlagen
gibt. (...).
Auch wenn der Stoff einer
Zonenkinderkindheit nun wirklich nicht mehr originär ist, wird sein
Rowohlt-Debüt garantiert große Aufmerksamkeit erregen. Denn er ist
nun mal der Sohn des PDS-Vorsitzenden Lothar Bisky. (...).
Und weil die Medien Prominentengeschichten lieben, werden sie die
Frühmemoiren von Bisky jr., Jahrgang 1966, gern auf der Suche nach
einer Familiensaga oder wenigstens ein paar unbekannten
Konfliktmomenten durchforsten. Die gibt es, wenn überhaupt, nur
streng dosiert, dafür kann man es gut und gern als Lehrbuch für eine
Jugend nach Plan lesen, wie Jens Bisky selbst textet.
An dem Punkt werden die
Erinnerungen vielleicht für einen anderen Mann interessant, der in
diesem Herbst wieder als Autor für Furore sorgen will. Michael
Hartmann, Professor an der TU Darmstadt, hat sich als Eliteforscher
in den letzten zwei Jahren einen Namen gemacht, 2002 erschien bei
Campus sein vieldiskutiertes Buch
»Der Mythos von den Leistungseliten«. (...). Das Protokoll der
weitgehend bruchlosen Bilderbuch-Karriere von Jens Bisky paßt als
winzige Miniatur bestens in sein Bild. Wieder ist da einer, der
durch seine Herkunft einfach besser vorankam."
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MAKATSCH, Heike (2004): Was fehlt in der
Welt.
Schwierige Fragen der Liebe: Sich trauen? Zusammenziehen? Ein Kind
kriegen? Sich über den anderen ärgern? Ihn verlassen? Was fehlt, ist
ein zuverlässiger elektronischer Berater,
in: NEON, Nr.9, September
- Inhalt:
Lifestyle-Vorbilder, Freunde,
Ratgeberliteratur. Alles Quatsch, meint MAKATSCH. Wenns um die Liebe
geht, dann hilft nur ein zuverlässiges Orakel:
"Was fehlt, ist ein handlicher Computer,
nicht unähnlich einem Palm, der jeden Abend von beiden Partnern mit
Informationen zum Stand der Liebe gespeist wird. (...). Durch ein
blinkendes Licht wird das Paar darauf aufmerksam gemacht, dass nun
Weichen gestellt werden könnten. Fürs Leben. Damit man sich traut.
Gemeinsam in den Urlaub zu fahren. Zusammenzuziehen. Ein Kind zu
bekommen. Sich zu trennen. Oder durchzuhalten."
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Zu den News
vom 25. - 31. August 2004
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