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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 16.-30. April 2002

 
       
     
   
Zitat des Monats:
"Die wachsende Überalterung des deutschen Volkes steigt andauernd (...). Heute stehen 67 Prozent der Bevölkerung im produktiven Alter (...). Diese Zusammensetzung der Bevölkerung ändert sich stetig zuungunsten des Prozentsatzes der im produktiven Alter Stehenden, weil die Langlebigkeit wächst und die Geburtenzahl abnimmt."
(Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung vom 20.10.1953, zitiert nach Spiegel vom 15.09.1954, S.10)
 
       
     
   
  • MT/LKP (2002): Walpurgisnacht auf Westfälisch.
    Alte Rügebräuche trafen alte Junggesellen und kinderlose Ehepaare,
    in: Mindener Tageblatt v. 30.04.
 
   
  • FRÖMEL, Susanne (2002): Gebärmaschine auf Sendung.
    Wie ein christlicher Radiosender seine Hörer zur Zeugung drängt
    in: Süddeutsche Zeitung v. 29.04.
    • Kommentar:
      Berlin stirbt aus! Einzig
      Radio Paradiso leistet mit der Aktion "1000 Babies für Berlin" Widerstand.
      Im Tenor einer Antiraucherkampagne heißt es dort: Kinderlosigkeit schadet ihrer Gesundheit:
                  "Dauerhafte Kinderlosigkeit, das haben Studien herausgefunden, kann zu schweren psychischen Störungen führen: Aggression, Depression, Fresssucht, Trägheit."
                  Bereits Michel HOUELLEBECQ hat kinderlose Frauen massenhaft sterben lassen. Glücklicherweise nur in Romanen.
                  FRÖMEL stellt zwar die Methode in Frage, aber auch sie sorgt sich um Berlin:
                  "Dem kürzlich erschienenen Familienbericht zufolge hat die deutsche Hauptstadt tatsächlich Nachwuchssorgen. Nur noch in jedem fünften Haushalt gibt es Kinder, Tendenz: leider sinkend."
                  Verschwiegen wird jedoch, dass der "Speckgürtel" rund um Berlin kinderboomt! In Städten dominieren immer noch die 3As Ausländer, Arme und Alte, während die Yuppie-Eltern bisher in die suburbanen Reihenhaussiedlungen ausgewandert sind.
                  Dies ändert sich jedoch! Köln und Frankfurt haben die Trendwende bereits geschafft. Family Gentrifier sind die Pioniere der Generation Golf.
                  Nachdenklicher sollte der Bericht in der gleichen Ausgabe stimmen, denn der familienrhetorische Zusammenhang zwischen Kinderlosigkeit und Sportwagenbesitz scheint für Berlin außer Kraft gesetzt:
                  "Während im katholischen München auf 100 000 Einwohner 366 Porsche kommen, sind es im protestantischen Berlin nur 92", vermeldet Oliver GEHRS, der "Dem Sozialneid auf der Spur" ist:
                  "Auch der weniger radikale Rest der Bevölkerung sieht einen Porsche am liebsten als Schrotthaufen. Als ein Radiosender einen nagelneuen 911er für 80000 Euro an einem Kran über den Potsdamer Platz schweben ließ, entschied sich ein Großteil der Hörer, den Wagen lieber fallen zu lassen als ihn zu verlosen."
                  Da kann man nur sagen: nicht verzagen und den Berlin-erfahrenen Ulf POSCHARDT fragen, denn der hat gerade den ultimativen, existenzialistischen Überlebensratgeber "Über Sportwagen" verfasst.
                  "Im Rückspiegel sieht man Menschen, die ostentativ weggucken oder mit dem Mittelfinger hinterher winken." Diesen Satz würde POSCHARDT nie schreiben, denn Sportwagenfahrer schauen NIE zurück, sondern immer nur nach VORNE. Man ist eben entweder nur Vordenker oder Nachdenker. Wer beides versucht, der kommt nicht zum Schreiben...
 
     
   
  • PROFIL-Coverstory:
    BUCHACHER, Robert & Silvia JIRSA (2002): Der Weg in die Welt.
    In Österreich werden wieder mehr Kinder geboren - Anzeichen für eine Trendwende? Da aber die meisten Frauen nur ein Kind zur Welt bringen, bekommt die Geburt einen neuen Stellenwert. Die Medizin zieht sich zugunsten von Intuition und Emotion zurück, ist aber da, wenn sie gebraucht wird,
    in: Profil Nr.18 v. 29.04.
 
   
  • WOLL, Stefan (2002): Kein Meerblick für Singles.
    Frust adé: Alleinreisende zeigen neues Selbstbewusstsein,
    in: Tagesspiegel v. 28.04.
    • Kommentar:
      "Sie sind überwiegend weiblich, zwischen 25 und 70 Jahren alt und ebenso unternehmungslustig wie entspannungsfreudig; sie gelten in aller Regel als solvent, bildungshungrig und ausgesprochen individualistisch; sie sind Gegenstand philosophischer Bekümmernis (zum Beispiel Seneca) oder literarischer Fürsorge (Djuna Barnes, Bodo Kirchhoff und viele andere mehr) und in der statistischen Gegenwart, zumindest hierzulande, sind sie eine zunehmende Größe - eine Zielgruppe, die, so möchte man vermuten, für jeden Reiseveranstalter interessant ist. Doch das merkantile Interesse an Alleinreisenden stagniert auf Anbieterseite auf niedrigem Niveau, nur wenige Veranstalter haben sich ganz oder teilweise auf diese Klientel spezialisiert",
      beschreibt WOLL das Zielgruppenideal "Yuppie" und ein angeblich fehlendes Angebot. Es mangelt eher an Angeboten für Singles mit geringem Einkommen.
                  Das Problem ist jedoch, dass die Statistik keine "Yuppies" ausweist, sondern Einpersonenhaushalte. WOLL weiß zwar auch, dass Alleinreisende und Alleinlebende nicht identisch sind, aber begriffen hat er dies nicht - und da steht er nicht alleine unter seinesgleichen.
                  Paradiesische Zustände versprechen die "Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen" sowie die Zeitschrift "Geldidee" der Tourismusbranche:
                  "Bis zum Jahr 2010 wird die Zahl der Urlaubsreisen, die Bundesbürger ohne Begleitung antreten, gemäß einer Trendstudie der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen um etwa 1,5 auf dann nahezu neun Millionen wachsen - ein Anteil von elf Prozent an prognostizierten 80 Millionen Urlaubsreisen insgesamt. Schon jetzt, schätzt die Zeitschrift 'Geldidee', bringen es die deutschen Reisesolisten auf etwa 27 Prozent aller Ausgaben im heimischen Reisemarkt. Außerdem geben sie mit durchschnittlich 1000 Euro je Reise erheblich mehr aus als Otto Normalurlauber."
                  Für Alleinreisende wertvoll ist eher der Adressenanhang, in dem auf den "Freundeskreis Alleinreisender e.V." und den "Bundesverband Alleinreisender e.V." hingewiesen wird. Sowie eine Broschüre mit Single-Reiseveranstaltern:
                  "Nicht weniger als 145 Anbieter von Singlereisen finden sich in einer Liste, die der Deutsche Reisebüro und Reiseveranstalter Verband (DRV) zusammengestellt hat, darunter renommierte wie Wikinger Reisen, Studien-Kontakt-Reisen (SKR) oder auch Studiosus Reisen, die seit vier Jahren eigens einen Spezialkatalog für Singles und Alleinreisende ("me & more") herausbringen."
                  Im März-April-Heft der Zeitschrift EMMA bedient Chantal LOUIS Frauen, die am männerfreien Alleinreisen interessiert sind, mit dem Artikel "Alleine reisen. Wo. Wie".
                  Carola KLEINSCHMIDT geht in ihrem informativen Artikel "Egotrip" (LebensmittelZeitung Spezial, Themenheft "Single" Nr.3/2001) auch auf die Probleme der Zielgruppenansprache ein.
 
   
  • WAGNER, Franz Josef (2002): Kein Fänger im Roggen in Erfurt,
    in: Welt am Sonntag v. 28.04.
    • Inhalt:
      "Ich floh zu J. D. Salingers »Fänger im Roggen«, im Prinzip die Bibel, das Handbuch (Kultbuch) für durchgefallene Schüler", bekennt WAGNER und fügt hinzu:
                  "Auf der Suche nach einem Menschen, der ihn versteht, findet Holden seine kleine Schwester Phoebe. Ihr sagt er, was er ohne Abitur und ohne Anerkennung werden möchte. Er möchte der Fänger im Roggen sein. Holden wörtlich: »Wenn einer einen anderen fängt, der durch den Roggen läuft!« Das ist so herzergreifend. Ein verlorener Junge will verlorene Jungen retten."
 
   
  • EHLERS, Margrit (2002): Immer weniger Jungen.
    Seit 50 Jahren verschiebt sich die Geburtenrate zu Gunsten der Mädchen,
    in: Welt am Sonntag v. 28.04.
 
   
  • SZ-Thema Familie

    • STRAUSS, Hagen (2002): Plötzlich haben alle für Familien Geld.
      Bundesparteien haben Paare mit Kindern als wichtige Wählergruppe entdeckt - Versprechungen würden Milliarden kosten
      in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.
    • BENGESER, Anselm (2002): Geld macht keine Kinder,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.
    • SAARBRÜCKER ZEITUNG (2002): "Die Wertschätzung der Familie ist unverändert hoch."
      Die Parteien entdecken die Familie wieder - Familienforscher Vaskovics erklärt, warum dieser Fokus absolut notwendig ist,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.
    • FUNK, Anne (2002): Wenn Narziss den goldenen Mittelweg sucht.
      "Post-Single-Gesellschaft" entdeckt das Familiäre - Bei der Jugend eher serielle Monogamie als langfristige Beziehungen,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.
      • Kommentar:
        "Der Single - die Kultfigur der vielbeschriebenen Spaßgesellschaft, so scheint es, hat als Generations-Ikone ausgedient. Vorbei die Zeiten, da Familie als spießig galt? Und nun: Renaissance der Familie - kehrt der bourgeoise Nesthocker zurück?", fragt FUNK.
                    Die Spassgesellschaft ist eine Zuschreibung der Kulturpessimisten und keine Selbstbeschreibung von Singles! Dies könnte sich jedoch ändern.
                    Und Singles werden erst jetzt als Teil einer "Single-Generation" wahrgenommen, wenn zukünftig verstärkt die symbolischen Abgrenzungskämpfe stattfinden werden.
                    Auch der "bourgeoise Nesthocker" wäre kein neues Phänomen, sondern wurde bisher nur nicht von den Medien entdeckt! Dies ändert sich jedoch momentan, denn offenbar besteht in der Mediengesellschaft ein Bedürfnis nach Abwechslung - ganz unabhängig von den tatsächlichen gesellschaftlichen Lebensverhältnissen.
                    "In seinem Buch Die Tyrannei der Lust überhöht der französische Autor Guillebaud gar den neuen Familienmenschen als letzte Bastion gegen die Bindungslosigkeit des Neoliberalismus",
        schreibt FUNK. Bei single-generation.de konnte man das schon am 07.04.2002 im THEMA DES MONATS lesen!
                    Den Mythos Single hat der Soziologe Günter BURKART bereits 1992 - als die Medien gerade die Single-Gesellschaft entdeckt haben wollten - als das Ergebnis statistischer Fehlinterpretation aufgedeckt. Bereits damals war die so genannte serielle Monogamie keine Neuigkeit, sondern längst Normalfall.
    • BERNARDING, Bernard (2002): Belohnung für Kinderlose?
      SPD schielt auf das Ehegatten-Splitting - Union ist alarmiert,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.
 
   
  • GESTERKAMP, Thomas (2002): Ab in die Mutti-Ecke!
    Was ist die Familie wert? (5) Viel, sagen die Parteien derzeit und versprechen mehr Kindergeld. Doch viel wichtiger ist etwas anderes: mehr elternfreundliche Jobs,
    in: TAZ v. 27.04.
 
   
  • WINKELMANN, Ulrike (2002): Böse Menschen haben keine Glasreiniger.
    Der Akt des Putzens ist viel mehr als bloß Mittel zum Zweck, er zeugt von einer außerordentlichen Liebe zu den Dingen
    in: TAZ v. 27.04.
    • Inhalt:
      Ulrike WINKELMANN plädiert fürs Selberputzen als Distinktionsmerkmal:
                  "Ich schlage vor, eine Interessengemeinschaft zur Würdigung des Putzens zu gründen. Gab es nicht letztes Jahr diese Riesenkampagne zum Ehrenamt?
      Wenn Rita Süssmuth oder Heiner Geißler (oder wer hat da nicht noch alles Ehrenerklärungen fürs Ehrenamt abgegeben?) sich jetzt hinstellten und sagten: Ohne Putzen wäre weniger Liebe in der Welt, dann würden sie zeigen, wie ernst sie es meinen. Was für eine schöne Aktion im familienzentrierten Wahlkampf! Man könnte der SPD-Kampa anbieten, ein kleines Konzept zu schreiben, wie man Putzen als sozialdemokratisches Alleinstellungsmerkmal verkauft. 'Putzen wie bei Muttern - nur mit der SPD.'"
 
   
  • FRANKFURTER RUNDSCHAU (2002): Auf eine alternde Gesellschaft einstellen.
    Die Enquete-Kommission "Demographischer Wandel" benennt arbeitsmarkt- und sozialpolitische Zukunftsaufgaben,
    in: Frankfurter Rundschau v. 27.04.
    • Kommentar:
      Die FR dokumentiert den Schlussbericht der Enquete-Kommission "Demographischer Wandel" in Auszügen. Den Lesern wird jedoch eine falsche Internetadresse zum Abruf des 304seitigen Bericht genannt.
      • Schlussbericht:
        Enquete-Kommission "Demographischer Wandel - Herausforderungen unserer älter werdenden Gesellschaft an den Einzelnen und die Politik" (Bundestags-Drucksache 14/8800 vom 28.03.2002, als PDF-Dokument mit ca. 2MB abrufbar)
 
   
  • EMUNDTS, Corinna (2002): "Das Ehegatten-Splitting ist vermintes Gelände".
    Der frühere CDU-Vordenker Warnfried Dettling über Familienpolitik als Wahlkampfthema / FR-Interview,
    in: Frankfurter Rundschau v. 27.04.
    • Kommentar:
      "Der Zusammenhang zwischen Ehe und Familie hat sich aufgelöst," das behaupten Familienrhetoriker wohl seit Anbeginn der Familienpolitik! So auch Warnfried DETTLING.
                  Auch der erste deutsche Familienpolitiker der Nachkriegszeit Franz-Josef WUERMELING hat dies bereits so gesehen. In einer Titelgeschichte des SPIEGEL vom 15.09.1954 wird die Kinderarmut der Westdeutschen mittels Grafik verdeutlicht. Bereits damals waren 20 % der Westdeutschen kinderlos verheiratet!
                  Der Trick bei solchen statistischen Darstellungen: die Dimension des Lebenslaufs wird ausgeblendet! Die Behauptung lautet: Es gibt immer mehr kinderlose Ehen. Dies könnte aber genauso gut ein statistisches Artefakt sein, denn wenn es stimmt, dass sich das Erstgebäralter erhöht, dann heißt dies zu allererst nur, dass Ehen länger kinderlos sind und sich die Familienphase innerhalb der Ehedauer verringert hat.
                  Aber auch die Veränderungen der Wohnverhältnisse haben einen Einfluss auf die statistische Dauer der Kinderlosigkeit. Können Kinder heutzutage aufgrund Gesetzesänderungen (z.B. Wegfall des Kuppeleiparagrafen) und vorhandenem Wohnraum früher einen eigenen Haushalt gründen, so waren sie in den 50er Jahren oftmals bis zur Ehe auf das Elternhaus verwiesen. Dadurch gab es damals mehr "Pseudo-Familien", die unter heutigen Bedingungen kinderlose Ehen wären.
                  Darauf verweist auch DETTLING bezüglich der geplanten Abschaffung des Ehegatten-Splittings, wenn er sagt:
                  "Viele rechnen mit dem Splitting, auch wenn die Kinder längst aus dem Haus sind."
                  Offensichtlich klaffen politischer Familien(haushalts)begriff und der Familienbegriff der Bürger auseinander! Zum Abschluss prognostiziert DETTLING ein düsteres Bild für traditionelle Männer:
                  "Immer weniger Männer bringen Familieneinkommen verlässlich nach Hause. Die Frauen holen die Männer an Bildung ein oder übertreffen sie. Sie werden mehr verdienen und bessere Positionen haben."
 
   
  • DIEDERICHSEN, Diedrich (2002): Ohne Fallhöhe.
    Vernutzt sind nicht die Gegenstände, sondern das Prinzip: Subkulturen zwischen Ästhetik und Politik,
    in: Frankfurter Rundschau v. 27.04.
    • Kommentar:
      Am 15. April meldete die TAZ, dass DIEDERICHSEN in den Fachbeirat der Bundeskulturstiftung berufen worden ist.
                  Im FR-Essay behandelt der Pop-Papst nun, welchen Stellenwert er den einzelnen popkulturellen Szenen einräumen möchte. Dazu erklärt er zuerst einmal die Debatte um die Popkultur für beendet:
                  "Das Wort 'Spaßgesellschaft' und letztes Jahr dessen vermeintliches Ende entlasteten den Pop-Begriff. Dann sackte das Thema in sich zusammen: Seine Unterdebatten wie Pop-Literatur, Pop-Theater, Pop-Art ächzten noch einmal unter dem Stapel von Zeitungsausschnitten, dann gaben sie den Plastiklöffel ab."
                  Danach tut er jedoch alles, um die Popkultur-Debatte neu zu entfachen, indem er seine Position in der angeblich beendeten Debatte vorstellt. Es soll fortan nicht mehr um den Gegensatz von Hoch- und Massenkultur gehen, sondern um die pluralen "Elitenkulturen" innerhalb der Massenkultur, die er als "Nichthochundauchnichtmassenkulturell" bezeichnet!
                  DIEDERICHSEN formuliert dies im elaborierten Code der Verfechter einer "neuen Hochkultur", an die sich sein Vortrag wohl in erster Linie richten soll. Aus der Perspektive einer Bundeskulturstiftung macht der Text Sinn.
                  Es geht um die Anschlussfähigkeit der - in Form von Gemeinden organisierten - Popkultur an eine zentralistische Pop-Politik, die DIEDERICHSEN in der gegenwärtigen Organisationsform der abgeschotteten Szenen nicht als gegeben sieht, denn diese "neuen nichtelitären Eliten der Subkulturen" gebärden sich wie die alten Eliten, nur dass sich ihr Einfluss nicht über die gesamte Massenkultur erstreckt, sondern auf massenkulturelle Teilkulturen beschränkt bleibt.
                  Der englische Soziologe Nicolas ROSE hat die Problemstellung von DIEDERICHSEN als "Regieren durch Community" beschrieben. Nur ging es ihm nicht um Pop-Politik, sondern um Sozialpolitik. Aber vielleicht ist Pop-Politik nur eine neue Form der Sozialpolitik...
 
     
     
   
  • PICK, Heide (2002): Auch im Alter gemeinsam mit anderen leben.
    Neue Wohnmodelle in Mössingen: »Initiative 50 plus« könnte bereits im Herbst mit Bau beginnen - Verhandlungen laufen noch
    in: Reutlinger General-Anzeiger v. 26.04.
 
     
     
     
     
   
  • ORF (2002): Als Paar - auf Bewährung.
    Die Suche nach dem Partner bleibt bestimmend, gibt sich ein deutscher Soziologe überzeugt,
    in: ORF v. 23.04.
 
   
  • MENDELSOHN, Tina (2002): Allein unter Frauen.
    Wie glücklich kann ein weiblicher Single sein?
    in: Kulturzeit. Sendungsreihe 3SAT v. 23.04.
    • Kommentar:
      Singlefrauen müssen leiden! Sie sind einsam und das soll ein neues Phänomen sein. Dies ist nicht sehr originell, denn das Stereotyp der "alten Jungfer" hat dies schon immer behauptet. Neu ist nur, dass Singlefrauen dies wieder zugeschrieben werden soll. Weder sind Singles mit Partnerlosen identisch, noch ist Einsamkeit ein generelles Problem von Singles.
                  Die Soziologin Frigga HAUG stilisiert - wie der Franzose Jean-Claude GUILLEBAUD - den Familienmenschen zum Widerstandskämpfer gegen die Marktgesellschaft.
                  Andererseits wird jedoch deutlich, dass der Familie in der neoliberalen Gesellschaft zunehmend die Funktion zugewiesen wird, den Sozialstaat zu ersetzen. Familie ist nicht "der einzige Ort in der Gesellschaft, wo nicht nach Kosten-Nutzen gerechnet wird" wie HAUG dies linksromantisch verklärt, sondern Familie im Sinne eines neoliberalen Leistungsträgers muss ökonomisiert werden, um effektiver zu werden. Hierzu gehören staatliche Programme, die unvollständige - und damit leistungsunfähige - Familien (z.B. Alleinerziehende und Patchworkfamilien) bekämpfen. Die USA und Großbritannien zeigen hier den Weg.
 
     
     
   
  • SACK, Detlef (2002): Machtverlust durch Wahlenthaltung?
    Warum die rot-grüne Koalition sehr anfällig dafür ist, bei der Bundestagswahl im September durch Stimmen-Entzug abgestraft zu werden
    in: Frankfurter Rundschau v. 23.04.
    • Kommentar:
      Der Sozialwissenschaftler Detlef SACK analysiert die Motive und Interessen der potentiellen Nichtwähler im Lager von Rot-Grün.
                  Die Analyse fällt im Bereich Sozial- bzw. Familienpolitik recht mager aus und lässt keinerlei Rückschlüsse über die Größenverhältnisse der jeweiligen Gruppierungen zu. So heißt es z.B. lapidar:
                  "Die politisch-kulturelle Heterogenität des Wählerpotenzials der SPD ist von (...) spezifischen Konfliktlinien durchzogen. So ist (...) die Bedeutung von Sozialleistungen und Chancengleichheit in den unterschiedlichen Lagern umstritten: Einem Politikmodell der Ausweitung bzw. Rettung sozialstaatlicher Regulierungen und Leistung stehen zwei andere Einstellungsmuster gegenüber. In den aufstiegsorientierten bildungsbürgerlichen Milieus gibt es die Tendenz, der alten sozialen Frage keine Bedeutung mehr beizumessen. Und in kleinbürgerlichen Haushalten verbindet sich das private Ethos der Sparsamkeit mit der wahrgenommenen Notwendigkeit, den Staats(haushalt) durch leistungseinschränkende Sparmaßnahmen zu konsolidieren."
                  Im Grunde läuft die Analyse darauf hinaus, dass Rot-Grün der zunehmende Interessengegensatz zwischen Modernisierungsgewinnern und -verlierern bei der Bundestagswahl 2002 zum Verhängnis werden könnte.
                  Die Zuspitzung des Wahlkampfes auf die Familienpolitik erwähnt SACK leider mit keinem Wort. Die Analyse legt jedoch nahe, dass mit dem Thema Familienpolitik die unüberbrückbare Kluft zwischen den beiden Gruppen der Modernisierungsbetroffenen überspielt werden soll, denn die Mehrheit der potentiellen Nichtwähler beider Parteien befindet sich entweder vor der Familiengründung oder bereits mitten in der Familienphase.
 
   
FOCUS-Titelgeschichte:
Singlebörse Internet.
Erlebnisberichte aus dem Cyberspace
  • HANNEMANN, Ulf & Christine KOLLER (2002): Er sucht/Sie sucht Liebe + Sex.
    Ob Partnersuche, Flirt oder flüchtiges Abenteuer im Balzrevier Cyberspace treffen sich Tag und Nacht Tausende paarungswillige Surfer,
    in: Focus Nr.17 v. 22.04.
    • Kommentar:
      Der Focus hat eine Umfrage in Auftrag gegeben. Danach ist die beliebteste Kontaktbörse die private Party. Danach folgt der Arbeitsplatz und das Internet, vor den traditionellen Orten Disco, Kneipe und Gaststätten. Die Single-Party als Erfindung der 80er Jahre kommt weit vor den unbeliebten Kontaktanzeigen und den Partnervermittlungen.
                  In der Titelgeschichte wird die Kontaktbörse Internet nach kostenlosen (u.a. Online-Auftritte der Frauenzeitschrift Amica oder der Fernsehsender RTL und SAT1) und kostenpflichtigen Angeboten unterteilt. Letztere sollen schneller zum Ziel führen. Auch der Focus bietet mit seinem Online-Auftritt eine kostenpflichtige Kontaktbörse an.
 
     
   
  • DDP (2002): 40 Mieterinnen - und kein einziger Mann.
    Beginenwerk plant Wohnprojekt für Frauen,
    in: Berliner Zeitung v. 22.04.
    • Kommentar:
      Um das Bremer Projekt "Beginenhof", das mit Finanzierungsproblemen zu kämpfen hat, ist es still geworden. Nun geht der Kreuzberger Verein www.beginenwerk.de an die Öffentlichkeit...
 
   
  • FAHRENHOLZ, Peter & Karin BÜHLER (2002): "Wir brauchen familiengerechte Jobs".
    Renate Schmidt und Christa Stewens streiten über Kindergeld, Krippen und die Ganztagsschule,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 20.04.
    • Kommentar:
      Wenn sich zwei Familienpolitiker verschiedener Parteien über den Ausbaustand der Infrastruktur für Kinderbetreuung in Bayern streiten, dann liest sich das so:
                  "Stewens: Wir sind nicht Schlusslicht in der Kinderbetreuung.
      Schmidt: Wir sind es wohl.
      Stewens: Nein, sind wir nicht...
      Schmidt: ...doch, sind wir."
 
   
  • SCHIRGE, Eva-Maria (2002): Ungeteilte Einsicht: Der Tisch ist Gesetz.
    Die Studentenzeit liegt hinter ihnen, trotzdem ziehen sechs Bonner Singles das Leben in einer WG dem Dasein im super gepflegten Eigenheim vor,
    in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 20.04.
 
     
   
  • EEKHOFF, Johann & Barbara HENMAN (2002): Einige Grundregeln für die staatliche Familienpolitik
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.04.
    • Kommentar:
      Bevor sich jemand Gedanken über die konkrete Ausgestaltung von Familienpolitik machen dürfte, wäre es angebracht zu allererst den Begriff "Kinderloser" zu definieren. Schnell wäre dann erkennbar, ob die vorgeschlagenen Prinzipien auch praktisch umsetzbar sind. Die Autoren versäumen dies, obwohl sie den Begriff "Kinderloser" gerne gebrauchen, wenn sie populistische Maßnahmen vorschlagen.
                  Den Autoren wäre der Beitrag Lebensweisen und staatliche Rahmenbedingungen. Probleme und Lösungsansätze anhand ausgewählter Beispiele (1994) von Susanne BUSCH & Klaus DEIMER zu empfehlen. Diese haben dort für den "simplen Bereich" Krankenversicherung versucht Kinderlose und Kinderhabende zu differenzieren, um die Folgen von Lebensformen für Sicherungssysteme zu analysieren.
                  Die Autoren haben bereits damals den Ansatz von EEKHOFF & HENMAN für die Renten- bzw. Pflegeversicherung antizipiert:
                  "Als 'Schuldige' an den zukünftigen Finanzierungsproblemen werden weder die Rentner noch die (geborenen und ungeborenen) Kinder identifiziert, sondern die heutige 'Eltern-' bzw. Beitragszahler-Generation, die nur einen Teil des Generationenvertrages (die Beitragszahlung) erfüllt, den anderen, nämlich die zukünftigen Beitragszahler zu gebären und aufzuziehen, jedoch nicht."
                  Die Autoren kritisieren diesen bevölkerungspolitischen Ansatz aufgrund folgender Probleme:
                  "a) Zum einen kann es - von Durchsetzungsschwierigkeiten abgesehen - schlicht zu erheblichen praktischen Problemen kommen. Um nur einige Beispiele zu nennen: Wie werden Singlezeiten mit Kinderzeiten verrechnet? Wer hat beim geschiedenen 1 Kind-Ehepaar 'seine Norm' erfüllt? Kann man unfreiwillig Kinderlose bestrafen (oder zur Adoption zwingen)? Die Anrechnung von Zeiten aus zwei Versicherungssystemen wird zu mehr Bürokratie, umständlicheren Verfahren und wohl auch zu versicherungstechnischen und -rechtlichen Problemen führen.
                  b) Es werden ferner soziale Probleme auftauchen. Wir haben an unserem Single-Baum versucht zu demonstrieren, daß Single eben nicht gleich Single ist. Ein pointiertes Beispiel in Anlehnung an ein bekanntes Nachrichtenmagazin: Die ledige Verkäuferin mit DM 1500,- Bruttoeinkommen im Monat muß z.B. einen Eigenanteil in der RV von 12 % finanzieren, der gut verdienende zweifache Familienvater (z.B. DM 10000,- pro Monat) liegt bei z.B. 9 % (bis zur Beitragsbemessungsgrenze)(...).
                  c) Vorschläge wie die skizzierten haben einen sehr stark bevölkerungspolitischen Einschlag. Die Funktionsweise eines Sicherungssystems aufrecht zu erhalten, ist jedoch nur die eine Seite; darauf zu hoffen, daß aufgrund der auftretenden stärkeren monetären Belastungen für Kinderlose mehr Kinder geboren werden, dürfte allerdings vermessen sein. Die Entscheidung für oder gegen ein Familiendasein mit Kindern oder aber ein Kinderloses bzw. Single-Dasein hängt weitgehend von ganz anderen Faktoren als monetären Anreizen oder 'Strafen' ab."
                  Während also die FAZ-Autoren Kinderlose offensichtlich mit "lebenslang Kinderlosen" gleichsetzen, weisen BUSCH & DEIMER darauf hin, dass die Mehrzahl der angeblich lebenslang Kinderlosen nur Teilzeit- bzw. phasenweise Kinderlose sind. Die sich daraus ergebenden Probleme blenden die FAZ-Autoren nur allzu gerne aus.
 
   
  • KEGEL, Sandra (2002): Ach, Ally.
    Das Leben war ihr schwerster Fall: "Ally McBeal" tritt ab,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
 
   
  • JFR (2002): Single-Haushalte drängen nach Köln.
    Einzige Großstadt in Deutschland ohne Bevölkerungsverluste. Auch bei Bürovermietungen vorn,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
    • Kommentar:
      Mit 48 % Einpersonenhaushalte liegt Köln laut Focus v. 25.03.2002 auf Platz 4 der Top-Ten Single-Städte. Durch die ICE-Anbindung ab August könnte Köln - wie schon Fulda - zum "Vorort" von Frankfurt werden. Auch Brüssel und Paris rücken näher. Es sind also weniger Singles, sondern Yuppies bzw. DINKS sowie Wochenendfamilienväter, die angelockt werden.
 
   
  • DT (2002): Krippen-Katastrophe,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
    • Kommentar:
      "Der Wunsch, die Kinder beim Staat abgeben zu können, wäre weit weniger ausgeprägt, wenn die Gesellschaft der Familienarbeit die Achtung und Anerkennung entgegenbrächte, die ihr gebührt"
      wettert DT und sieht Deutschland angesichts der Krippenoffensive bereits auf dem Weg zur Atomisierung. Die Unterschiede zu
      Christa MEVES im Rheinischen Merkur bestehen nur im fehlenden Verweis auf das christliche Menschenbild.
  • CARSTENS, Peter (2002): Mit Verbesserungen für die Kleinen die Stimmen der Gesellschaft gewinnen.
    Die Politiker haben wieder einmal die Familie entdeckt. Abschied von Traditionen. Eine Übersicht über die Wahlversprechen aller Parteien,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
    • Kommentar:
      Wie es sich für eine Zeitung der Besserverdienenden gehört, wird zuerst der Punkt Steuervorteile behandelt.
                  Wichtig ist hierbei die Absetzbarkeit von Haushaltshilfe und Babysitter. Denn - wie HORX in der Welt vom 20.04.2002 richtig bemerkt hat -, ist die "Neue Dienstleistungs-Familie" auf dem Vormarsch:
                  "Heute hat fast jeder halbwegs gutverdienende Mittelstandshaushalt mit zwei Kindern in den Ballungsgebieten eine Putzfrau und einen Babysitter (der dynamischste Bereich unserer Wirtschaft, die Schwarzarbeit, machts möglich)."
                  Unter ferner liefen findet man dagegen das rot-grüne Projekt der Vereinbarung von Beruf und Familie durch Erweiterung des Betreuungsangebots im Bereich von Krippenplätzen. Dies muss nicht verwundern, denn nirgendwo ist die "traditionelle Familie" weiter verbreitet als unter den männlichen Topmanagern.
 
   
  • TAZ-Thema "Familienpolitik"
     Ein "weiches" Wahlkampfthema wird härter: Früher hat Gerhard Schröder Frauen- und Familienpolitik noch als "Gedöns" abgetan. Gestern nun hat er als erster Bundeskanzler überhaupt eine Regierungs- und Absichtserklärung zur Familienpolitik abgegeben: "Familie ist, wo Kinder sind",
    in: TAZ v. 19.04.
 
   
  • KREUZER, Rainer (2002): Nach der Familie
    Was ist die Familie wert? (4): Vater, Mutter, Kind - diese Lebensform ist bald passé. Statt sie zu subventionieren, sollte der Staat neue Projekte des Zusammenlebens fördern
    in: TAZ v. 19.04.
    • Kommentar:
      KREUZER nimmt die Singlerhetorik der amtlichen Statistik auf, um die Familie zur Randgruppe zu stilisieren. Das wird Familienrhetoriker freuen, geht jedoch an der Realität vorbei.
                  Die Amtliche Statistik erfasst Familien immer weniger. In ihrem Beitrag "Der Wandel der Lebensformen im Spiegel des Mikrozensus" (Wirtschaft und Statistik Nr1/2002) haben Hans-Joachim HEIDENREICH & Manuela NÖTHEN die Defizite der Statistik aufgezeigt.
                  Während 1975 noch 86,2 5 der Haushalte mit dem Familienkonzept des Mikrozensus erfasst werden konnten, so waren es im Jahr 2000 nur noch 76,5 %! Gravierendstes Problem ist jedoch die haushaltsbegrenzte Betrachtung der amtlichen Statistik:
                  "empirische Studien verweisen auf eine Vielzahl haushaltsübergreifende Leistungen zwischen den Mitgliedern sowohl von Familien als auch von anderen Lebensformen".
                  Einzig das Konzept der Multilokalen Mehrgenerationenfamilie (BERTRAM) ermöglicht eine adäquate Erfassung der Familie. Single und Familie, das ist kein Gegensatz, sondern Singles sind Teil der Familie (BIEN).
                  KREUZERs Forderung lautet:
                  "Statt immer weiter die längst obsolet gewordene Lebensform der Familie zu subventionieren, sollte der Staat, sofern er sich noch als Sozialstaat begreift, streng nach Einkommen und Bedarf seine Leistungen verteilen. Wer verheiratet ist, ist noch lange kein Sozialfall und bedarf nicht unbedingt einer Steuererleichterung. Wer hingegen alleine lebt und nur knapp über das Existenzminimum kommt, sollte nicht länger mit Steuerklasse 1 bestraft werden (...).
      Auch Familien mit Kindern sind nicht per se Opfer der Gesellschaft. Es gibt arme Familien und sehr reiche (...). Nicht die Familie muss unterstützt werden, sondern der jeweils konkrete Mensch - und das nur dann, wenn seine eigenen Einkünfte für ein menschenwürdiges Leben nicht ausreichen."

                  Leider bleibt KREUZER seiner eigenen Linie nicht treu, sondern statt der Subventionierung der Familie fordert er stattdessen die Subventionierung neuer "kollektiver Lebensmodelle".
 
   
  • ENGELS, Silvia (2002): Der Bundestag debattiert über die Familienpolitik.
    Silvia Engels im Gespräch mit Edith Schwab, Rechtsanwältin und Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Familienorganisation,
    in: Sendung des DeutschlandRadio v. 18.04.
    • Kommentar:
      "Ehe und Familien sind bei uns geschützt in Artikel 6 des Grundgesetzes, wobei Ehe vor einigen Jahrzehnten noch Synonym war mit Familie. Heute ist das nicht mehr so. Ehe und Familie fallen auseinander", behauptet Edith SCHWAB.
                  Am 15. September 1954 brachte das Nachrichtenmagazin SPIEGEL eine Titelgeschichte über den ersten bundesrepublikanischen Familienminister Franz-Josef WUERMELING im zweiten Kabinett von Konrad ADENAUER. Auf Seite 11 befindet sich eine Grafik, mit der die damalige Kinderarmut in Deutschland belegt wurde. Demnach gab es damals 30 % Ledige (gleichbedeutend mit Kinderlosen), 20 % waren verheiratete Kinderlose. 29 % waren verheiratet und hatten nur 1 Kind. Ganze 13 % entsprachen dem heutigen Ideal der Normalfamilie mit 2 Kindern. Nur 8 % waren Verheiratete mit mehr als 3 Kinder. Offenbar waren selbst die 50er Jahre pluralistischer als dies der heutige nostalgische Rückblick wahrhaben möchte.
 
   
  • RM-SPEZIAL "Familie - Lust und Last"

    • GIERTH, Matthias (2002): Familie und Politik.
      Was ist Zukunft wert?,
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.
    • MEHLITZ, J. (2002): Kinder - Armutsrisiko Nummer eins,
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.
      • Inhalt:
        Interview mit Kostas PETROPULOS vom Heidelberger Familienbüro. Ein Plädoyer für den Vater als Haupternäher und die Mutter als - wenn überhaupt - Zuverdienerin. Begründung: Kindeswohl!
    • GODDAR, Jeannette (2002): Kind und Karriere.
      Tagesmütter sind teuer.
      Wenn beide Eltern arbeiten, geht es nicht ohne sie. Stets plagt das Gewissen. Die meisten Frauen verzichten doch lieber auf die berufliche Top- Position. Wer sich anders entscheidet, braucht individuelle Lösungen,
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.
      • Inhalt:
        GODDAR widmet sich der Politik für die Mütterelite.
    • MATUSSEK, Karin (2002): Neue Väter.
      Er zu Hause, sie Brötchenverdienerin - das Modell stößt auf wenig Gegenliebe. Die verpasste Chance,
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.
      • Inhalt:
        MATUSSEK widmet sich beim Thema "Neue Väter" der Kluft zwischen Recht und Rechtswirklichkeit.
    • HUWE, Klaus (2002): Früchte der Steuerpolitik.
      Frankreich. Geburtenrate steigt,
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.
      • Inhalt:
        HUWE sieht im "demografischen Schrecken" den Motor der französichen Bevölkerungspolitik, die Frankreich zum katholischen Vorzeigeland werden lässt.
    • RIVIERE, Helena (2002): "Ich nehme mir, was ich brauche".
      Schweden. Rundum versorgt,
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.
      • Kommentar:
        Schweden verstösst mit seinem Wohlfahrtsstaat sowohl gegen den Neoliberalismus als auch gegen das "katholische" Subsidiaritätsprinzip.
                    Das Hassobjekt von RIVIERE ist die "Welfaremother" - typischerweise eine Alleinerziehende -, die den Sozialstaat gewissenlos ausplündert:
                    "Merja hat die sozialdemokratische Rhetorik verinnerlicht. Hiernach ist sie aus vier Gründen hilfsbedürftig: Sie ist Frau, allein erziehend, ohne gehobenen Schulabschluss, arbeitslos."
                    Wohlweislich enthält der Bericht keinerlei Fakten über den Missbrauch.
    • WINGEN, Max (2002): Babys braucht das Land.
      Bevölkerungswachstum. Ganzheitliche Familienpolitik darf die Geburtenentwicklung nicht ausblenden,
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.
    • GIERTH, Matthias (2002): Macht den Eltern Mut!
      Christa Meves über Väter heute und den Traum vom Eheglück,
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.
  • PRANGE, Astrid (2002): Hilfreiche Väter.
    Familienfreundlichkeit wird zum unternehmerischen Erfolgsrezept
    in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.
 
   
  • KERSCHBAUMER, Judith & Mechthild VEIL (2002): Wie Frauen die Chancen nutzen können.
    Die Neuregelung der Rentenreform und ihre Auswirkung auf das weibliche Geschlecht
    in: Frankfurter Rundschau v. 18.04.
    • Inhalt:
      Die beiden Autorinnen beurteilen die Rentenreform aus feministischer Perspektive. Wichtiges Kriterium ist, ob Frauen eigene Rentenansprüche erwerben können oder weiterhin nur abgeleitete Ansprüche erwerben. Ihr Fazit:
                  "Die neuen gesetzlichen Regelungen und insbesondere die staatliche Förderung bieten Frauen eine gute Möglichkeit, die eigene Altersvorsorge zu verbessern, wenn sie geschickt genutzt und kombiniert werden."
 
   
  • FACTS-Titelstory "Die Pille danach"

    • RINDLISBACHER, Sabine (2002): Kein Rezept.
      Die «Pille danach» soll rezeptfrei in Schweizer Apotheken erhältlich sein. So könnten Abtreibungen verhindert werden
      in: Facts Nr.16 v. 18.04.
 
   
  • STECK, Albert (2002): Erben an der Macht.
    Während andere sich als Mäzene betätigen, steigen sie ins Geschäft ein,
    in: Facts Nr.16 v. 18.04.
    • Inhalt:
      STECK berichtet über die Schweizer Erben der Generation Golf. U. a. wird der Soziologe Michael HARTMANN zitiert:
                  "Bertarelli, Gaydoul, Gruosi-Scheufele: Die Jeunesse dorée erntet Bewunderung – und provoziert Neid. Das Geld und das Beziehungsnetz der Eltern haben ihre Karriere begünstigt. Doch das allein genügt nicht: Wer es in die Wirtschaftselite schaffen will, braucht die richtige Persönlichkeitsstruktur. Der Darmstädter Professor Michael Hartmann spricht vom «Habitus»: «Wer in die Oberschicht hineingeboren wird, erhält durch seine soziale Prägung die Souveränität und die ‹natürliche› Gelassenheit, die es braucht, um in solchen Spitzenpositionen zu bestehen.»"
 
   
  • BLÜMNER, Heike (2002): Das Zentralorgan der Reproduktion.
    Eltern ist der Papier gewordene Mittelstandsdiskurs, aber das Magazin hat die tollsten Fotostrecken,
    in: Jungle World Nr.17 v. 17.04.
    • Kommentar:
      Nach
      MAX (18.06.2001) und SPIEGEL (16.07.2001) hat nun auch die Wochenzeitung der hedonistischen Linken (SZ vom 17.08.2000) den Mutterstolz als Thema entdeckt!
                  Ohne Bekenntnis zu Kind und Mutterrolle der Autorin ("Ich vergöttere meine Tochter und bin stolze Mutter") sowie Seitenhiebe auf den letzten notorischen Single geht ein solcher Paradigmenwechsel natürlich nicht vonstatten.
                  Die neustolzen Mütter greifen noch etwas verschämt zur Zeitschrift ELTERN (verstecken sie schon mal hinter dem SPIEGEL), um sich ihrer neu gewonnenen Normalität zu versichern. Während die Ratschläge der Mitmütter kategorisch abgelehnt werden, wird begierig das "Zentralorgan der Reproduktion" verschlungen, denn die außengeleitete Mutter ist auf die Bestätigung ihrer Identität durch die anerkannten Medien angewiesen. Sie kann weder ihrem inneren Kompass (Intuition usw.), noch den althergebrachten Traditionen vertrauen, sondern fühlt sich als Teil des gesellschaftlichen Diskurses der Aktualität verpflichtet. Mangels Neuerungen an der Mütterfront (nur die Marken wechseln häufiger), müssen die Redakteure jedoch meist die uralten Themen recyclen.
                  Die Mütterdebatten der Neuen Mitte arbeiten sich seit Mitte der 80er Jahre an den beiden Stereotypen "Deutsche Mutter" (VINKEN) und "Karrieremutter" ab. Beide Klischees sind - jeweils milieuabhängig - als negatives ("Rabenmütter") oder positives ("gute Mutter") formulierbar.
                  BLÜMNER erwähnt einen ELTERN-Artikel, in dem das Superweib à la Hera LIND als positives Identifikationsmodell gegen die "deutsche Mutter" und die Rabenmutter (Karrieremutter, die Fremdbetreuung zur Abschiebung nutzt) abgegrenzt wird. Problem Nr.1 der Mutter: Wie halte ich meinen Ehemann - trotz Kind - bei guter Laune, damit er mich nicht verlässt.
                  Da sich die Jungle World als strikt anti-nationalistisch versteht und somit der Stolz ein Deutscher zu sein als Pathosformel tabu ist, hat dieses Gefühl endlich ein neues unverdächtiges Objekt gefunden. Geschlechtsspezifisch variiert hat nun der Stolz ein politisch korrektes Zuhause erhalten: "Ich bin stolz eine Mutter zu sein" oder "Ich bin stolz ein Vater zu sein" darf ab sofort auch jeder Jungle-World-Leser ohne Schuldgefühl sagen.
                  Für jene, die noch Nachholbedarf haben, dem sei Florian ILLIES' "Anleitung zum Unschuldigsein" empfohlen.
 
   
  • GASEROW, Vera (2002): Siegerthema Familie.
    Den gesellschaftlichen Veränderungen rund um die Familie sind die Parteien bislang eher lustlos hinterhergetrabt - jetzt blasen sie um die Wette zur Aufholjagd,
    in: Frankfurter Rundschau v. 17.04.
    • Kommentar:
      Alle Parteien sind für die Familie und die Wirtschaft steht ebenfalls - zumindest verbal - hinter der Familie, aber GASEROW bleibt skeptisch, denn ihr erscheint es leichter
      "den Fachkräftemangel durch ein strittiges Zuwanderungsgesetz auszubügeln, als vorhandene Potenziale von Frauen zu nutzen, die durch Kindererziehung gebunden sind."
                  Drastischer hat das bisher nur OPASCHOWSKI in einer österreichischen Zeitung formuliert. Auch sieht GASEROW das Projekt Kinderbetreuung durch die 24-Stunden-Gesellschaft bedroht:
                  "der Alltag einer Mobilität, Flexibilität und grenzenlose Konsumzeiten postulierenden Gesellschaft verlangt bereits nach weiteren Antworten. Was geschieht mit Kindern, was mit der Familie, wenn die Arztpraxis bis 21 Uhr geöffnet sein soll, das Callcenter Verfügbarkeit bis Mitternacht erwartet und die Bäckerei auch am Sonntagmorgen frische Brötchen andienen soll?"
 
   
  • HILBERTH, Iris (2002): Kinderbetreuung statt Kreisverkehr.
    Renate Schmidt misst die Familienpolitik an der Infrastruktur
    in: Frankfurter Rundschau v. 17.04.
    • Kommentar:
      HILBERT geht schlampig mit Fakten um!

                  Zum einen scheint weder Spanien noch Italien für die Autorin zu Europa zu gehören, denn sonst könnte sie Deutschland nicht als europäisches Schlusslicht bei der Geburtenrate bezeichnen.
                  Zum anderen betet sie das übliche Geburtenraten-Mantra herunter. Sie stellt uns das typische Generation Golf-Paar Petra & Bernd, Jahrgang 1965, vor, um dann die überholten, weil zu niedrig angesetzte Geburtenrate dieser Generation hinzuzufügen. Diese werden zwar immer wieder in den Neue Mitte-Zeitungen in diesem Zusammenhang präsentiert und haben deshalb bereits das Signum einer normativen Kraft des Faktischen, richtiger werden sie deshalb nicht.
                  Wenn's der Familie dient, dann werden auch schon mal die Fakten gebeugt!
 
     
     
       
       
   

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Zu den News vom 01. - 15. April 2002

 
       
   
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