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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 16.-30. April 2002

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Die wachsende Überalterung des deutschen Volkes steigt andauernd (...). Heute stehen 67 Prozent der Bevölkerung im produktiven Alter (...). Diese Zusammensetzung der Bevölkerung ändert sich stetig zuungunsten des Prozentsatzes der im produktiven Alter Stehenden, weil die Langlebigkeit wächst und die Geburtenzahl abnimmt."
(Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung vom 20.10.1953, zitiert nach Spiegel vom 15.09.1954, S.10)

 
       
       
   
  • KIONTKE, Jürgen (2002): Sexlos im Frühling.
    Einem Heer unzufriedener Singles steht eine Masse offener Partnerstellen gegenüber. Brauchen wir das Sexministerium und die Beziehungsbeschaffungsmaßnahme?,
    in: Jungle World Nr.19 v. 30.04.

 
       
   
  • MT/LKP (2002): Walpurgisnacht auf Westfälisch.
    Alte Rügebräuche trafen alte Junggesellen und kinderlose Ehepaare,
    in: Mindener Tageblatt v. 30.04.

 
       
     
       
   
  • Angelika Krebs - Arbeit und Liebe

    • CHRISTOPH, Albrecht (2002): Vom seligen Nutzen der Sklaven.
      Philosophie der Hausarbeit,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.04.

 
       
   
  • PROFIL-Titelgeschichte

    • BUCHACHER, Robert & Silvia JIRSA (2002): Der Weg in die Welt.
      In Österreich werden wieder mehr Kinder geboren - Anzeichen für eine Trendwende? Da aber die meisten Frauen nur ein Kind zur Welt bringen, bekommt die Geburt einen neuen Stellenwert. Die Medizin zieht sich zugunsten von Intuition und Emotion zurück, ist aber da, wenn sie gebraucht wird,
      in: Profil Nr.18 v. 29.04.

 
       
   
Die Alleinreisenden - Eine erste Bestandsaufnahme zu einem vernachlässigten Thema
 
       
   
  • WAGNER, Franz Josef (2002): Kein Fänger im Roggen in Erfurt,
    in: Welt am Sonntag v. 28.04.

"Ich floh zu J. D. Salingers »Fänger im Roggen«, im Prinzip die Bibel, das Handbuch (Kultbuch) für durchgefallene Schüler",

bekennt Franz Josef WAGNER und fügt hinzu:

"Auf der Suche nach einem Menschen, der ihn versteht, findet Holden seine kleine Schwester Phoebe. Ihr sagt er, was er ohne Abitur und ohne Anerkennung werden möchte. Er möchte der Fänger im Roggen sein. Holden wörtlich: »Wenn einer einen anderen fängt, der durch den Roggen läuft!« Das ist so herzergreifend. Ein verlorener Junge will verlorene Jungen retten."

 
       
   
  • EHLERS, Margrit (2002): Immer weniger Jungen.
    Seit 50 Jahren verschiebt sich die Geburtenrate zu Gunsten der Mädchen,
    in: Welt am Sonntag v. 28.04.

 
       
   
  • SAARBRÜCKER ZEITUNG-Tagesthema: Familie

    • STRAUSS, Hagen (2002): Plötzlich haben alle für Familien Geld.
      Bundesparteien haben Paare mit Kindern als wichtige Wählergruppe entdeckt - Versprechungen würden Milliarden kosten
      in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.

    • BENGESER, Anselm (2002): Geld macht keine Kinder,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.

    • SAARBRÜCKER ZEITUNG (2002): "Die Wertschätzung der Familie ist unverändert hoch."
      Die Parteien entdecken die Familie wieder - Familienforscher Vaskovics erklärt, warum dieser Fokus absolut notwendig ist,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.

    • FUNK, Anne (2002): Wenn Narziss den goldenen Mittelweg sucht.
      "Post-Single-Gesellschaft" entdeckt das Familiäre - Bei der Jugend eher serielle Monogamie als langfristige Beziehungen,
      in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.

"Der Single - die Kultfigur der vielbeschriebenen Spaßgesellschaft, so scheint es, hat als Generations-Ikone ausgedient. Vorbei die Zeiten, da Familie als spießig galt? Und nun: Renaissance der Familie - kehrt der bourgeoise Nesthocker zurück?",

fragt Anne FUNK. Die Spaßgesellschaft ist eine Zuschreibung der Kulturpessimisten und keine Selbstbeschreibung von Singles! Dies könnte sich jedoch ändern. Und Singles werden erst jetzt als Teil einer Single-Generation wahrgenommen, wenn zukünftig verstärkt die symbolischen Abgrenzungskämpfe stattfinden werden.

Auch der "bourgeoise Nesthocker" wäre kein neues Phänomen, sondern wurde bisher nur nicht von den Medien entdeckt! Dies ändert sich jedoch momentan, denn offenbar besteht in der Mediengesellschaft ein Bedürfnis nach Abwechslung - ganz unabhängig von den tatsächlichen gesellschaftlichen Lebensverhältnissen.

"In seinem Buch Die Tyrannei der Lust überhöht der französische Autor Guillebaud gar den neuen Familienmenschen als letzte Bastion gegen die Bindungslosigkeit des Neoliberalismus",

schreibt FUNK. Bei single-generation.de konnte man das schon am 07.04.2002 im Thema des Monats lesen!

Den Mythos Single hat der Soziologe Günter BURKART bereits 1992 - als die Medien gerade die Single-Gesellschaft entdeckt haben wollten - als das Ergebnis statistischer Fehlinterpretation aufgedeckt. Bereits damals war die so genannte serielle Monogamie keine Neuigkeit, sondern längst Normalfall.

  • BERNARDING, Bernard (2002): Belohnung für Kinderlose?
    SPD schielt auf das Ehegatten-Splitting - Union ist alarmiert,
    in: Saarbrücker Zeitung v. 27.04.

Das Ehegattensplitting in der Debatte

 
       
   
  • GESTERKAMP, Thomas (2002): Ab in die Mutti-Ecke!
    Was ist die Familie wert? (5) Viel, sagen die Parteien derzeit und versprechen mehr Kindergeld. Doch viel wichtiger ist etwas anderes: mehr elternfreundliche Jobs,
    in: TAZ v. 27.04.

 
       
     
       
   
  • FR (2002): Auf eine alternde Gesellschaft einstellen.
    Die Enquete-Kommission "Demographischer Wandel" benennt arbeitsmarkt- und sozialpolitische Zukunftsaufgaben,
    in: Frankfurter Rundschau v. 27.04.

Die FR dokumentiert den Schlussbericht der Enquete-Kommission "Demographischer Wandel" (Bundestags-Drucksache 14/8800 vom 28.03.2002) in Auszügen. Den Lesern wird jedoch eine falsche Internetadresse zum Abruf des 304seitigen Bericht genannt.
 
       
     
       
     
       
     
       
   
  • Das Single-Dasein in der Schweiz

    • STILLHART, Sibylle (2002): Ins Netz gegangen.
      Viele träumen davon, im Chat die grosse Liebe zu finden – auch Männer und Frauen, die bereits glücklich verheiratet sind,
      in: Weltwoche Nr.17 v. 26.04.

Das Online-Dating in der Debatte

 
       
   
  • PICK, Heide (2002): Auch im Alter gemeinsam mit anderen leben.
    Neue Wohnmodelle in Mössingen: »Initiative 50 plus« könnte bereits im Herbst mit Bau beginnen - Verhandlungen laufen noch
    in: Reutlinger General-Anzeiger v. 26.04.

 
       
     
       
     
       
   
  • John Bayley - Das Haus des Witwers

    • BROCAN, Jürgen (2002): Die kleinen Ironien des Lebens.
      John Bayley schreibt über sein Witwertum,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.04.

 
       
   
  • ORF (2002): Als Paar - auf Bewährung.
    Die Suche nach dem Partner bleibt bestimmend, gibt sich ein deutscher Soziologe überzeugt,
    in: ORF v. 23.04.

 
       
   
  • MENDELSOHN, Tina (2002): Allein unter Frauen.
    Wie glücklich kann ein weiblicher Single sein?
    in: Kulturzeit. Sendungsreihe 3SAT v. 23.04.

Singlefrauen müssen leiden! Sie sind einsam und das soll ein neues Phänomen sein. Dies ist nicht sehr originell, denn das Stereotyp der "alten Jungfer" hat dies schon immer behauptet. Neu ist nur, dass Singlefrauen dies wieder zugeschrieben werden soll. Weder sind Singles mit Partnerlosen identisch, noch ist Einsamkeit ein generelles Problem von Singles.

Die Soziologin Frigga HAUG stilisiert - wie der Franzose Jean-Claude GUILLEBAUD - den Familienmenschen zum Widerstandskämpfer gegen die Marktgesellschaft. Andererseits wird jedoch deutlich, dass der Familie in der neoliberalen Gesellschaft zunehmend die Funktion zugewiesen wird, den Sozialstaat zu ersetzen. Familie ist nicht "der einzige Ort in der Gesellschaft, wo nicht nach Kosten-Nutzen gerechnet wird" wie HAUG dies linksromantisch verklärt, sondern Familie im Sinne eines neoliberalen Leistungsträgers muss ökonomisiert werden, um effektiver zu werden. Hierzu gehören staatliche Programme, die unvollständige - und damit leistungsunfähige - Familien (z.B. Alleinerziehende und Patchworkfamilien) bekämpfen. Die USA und Großbritannien zeigen hier den Weg.

 
       
     
       
     
       
   
  • SACK, Detlef (2002): Machtverlust durch Wahlenthaltung?
    Warum die rot-grüne Koalition sehr anfällig dafür ist, bei der Bundestagswahl im September durch Stimmen-Entzug abgestraft zu werden
    in: Frankfurter Rundschau v. 23.04.

Der Sozialwissenschaftler Detlef SACK analysiert die Motive und Interessen der potentiellen Nichtwähler im Lager von Rot-Grün. Die Analyse fällt im Bereich Sozial- bzw. Familienpolitik recht mager aus und lässt keinerlei Rückschlüsse über die Größenverhältnisse der jeweiligen Gruppierungen zu. So heißt es z.B. lapidar:

"Die politisch-kulturelle Heterogenität des Wählerpotenzials der SPD ist von (...) spezifischen Konfliktlinien durchzogen. So ist (...) die Bedeutung von Sozialleistungen und Chancengleichheit in den unterschiedlichen Lagern umstritten: Einem Politikmodell der Ausweitung bzw. Rettung sozialstaatlicher Regulierungen und Leistung stehen zwei andere Einstellungsmuster gegenüber. In den aufstiegsorientierten bildungsbürgerlichen Milieus gibt es die Tendenz, der alten sozialen Frage keine Bedeutung mehr beizumessen. Und in kleinbürgerlichen Haushalten verbindet sich das private Ethos der Sparsamkeit mit der wahrgenommenen Notwendigkeit, den Staats(haushalt) durch leistungseinschränkende Sparmaßnahmen zu konsolidieren."

Im Grunde läuft die Analyse darauf hinaus, dass Rot-Grün der zunehmende Interessengegensatz zwischen Modernisierungsgewinnern und -verlierern bei der Bundestagswahl 2002 zum Verhängnis werden könnte. Die Zuspitzung des Wahlkampfes auf die Familienpolitik erwähnt SACK leider mit keinem Wort. Die Analyse legt jedoch nahe, dass mit dem Thema Familienpolitik die unüberbrückbare Kluft zwischen den beiden Gruppen der Modernisierungsbetroffenen überspielt werden soll, denn die Mehrheit der potentiellen Nichtwähler beider Parteien befindet sich entweder vor der Familiengründung oder bereits mitten in der Familienphase.

 
       
   
FOCUS-Titelgeschichte: Singlebörse Internet.
Erlebnisberichte aus dem Cyberspace

Das Online-Dating in der Debatte

 
       
     
       
     
       
     
   
  • Wohngemeinschaften in der Debatte

    • SCHIRGE, Eva-Maria (2002): Ungeteilte Einsicht: Der Tisch ist Gesetz.
      Die Studentenzeit liegt hinter ihnen, trotzdem ziehen sechs Bonner Singles das Leben in einer WG dem Dasein im super gepflegten Eigenheim vor,
      in: Kölner Stadt-Anzeiger v. 20.04.

 
       
     
       
   
Bevor sich jemand Gedanken über die konkrete Ausgestaltung von Familienpolitik machen dürfte, wäre es angebracht zu allererst den Begriff "Kinderloser" zu definieren. Schnell wäre dann erkennbar, ob die vorgeschlagenen Prinzipien auch praktisch umsetzbar sind. Die Autoren versäumen dies, obwohl sie den Begriff "Kinderloser" gerne gebrauchen, wenn sie populistische Maßnahmen vorschlagen. Den Autoren wäre der Beitrag Lebensweisen und staatliche Rahmenbedingungen. Probleme und Lösungsansätze anhand ausgewählter Beispiele (1994) von Susanne BUSCH & Klaus DEIMER zu empfehlen. Diese haben dort für den "simplen Bereich" Krankenversicherung versucht Kinderlose und Kinderhabende zu differenzieren, um die Folgen von Lebensformen für Sicherungssysteme zu analysieren. Die Autoren haben bereits damals den Ansatz von EEKHOFF & HENMAN für die Renten- bzw. Pflegeversicherung antizipiert:

"Als 'Schuldige' an den zukünftigen Finanzierungsproblemen werden weder die Rentner noch die (geborenen und ungeborenen) Kinder identifiziert, sondern die heutige 'Eltern-' bzw. Beitragszahler-Generation, die nur einen Teil des Generationenvertrages (die Beitragszahlung) erfüllt, den anderen, nämlich die zukünftigen Beitragszahler zu gebären und aufzuziehen, jedoch nicht."

Die Autoren kritisieren diesen bevölkerungspolitischen Ansatz aufgrund folgender Probleme:

"a) Zum einen kann es - von Durchsetzungsschwierigkeiten abgesehen - schlicht zu erheblichen praktischen Problemen kommen. Um nur einige Beispiele zu nennen: Wie werden Singlezeiten mit Kinderzeiten verrechnet? Wer hat beim geschiedenen 1 Kind-Ehepaar 'seine Norm' erfüllt? Kann man unfreiwillig Kinderlose bestrafen (oder zur Adoption zwingen)? Die Anrechnung von Zeiten aus zwei Versicherungssystemen wird zu mehr Bürokratie, umständlicheren Verfahren und wohl auch zu versicherungstechnischen und -rechtlichen Problemen führen.
            b) Es werden ferner soziale Probleme auftauchen. Wir haben an unserem Single-Baum versucht zu demonstrieren, daß Single eben nicht gleich Single ist. Ein pointiertes Beispiel in Anlehnung an ein bekanntes Nachrichtenmagazin: Die ledige Verkäuferin mit DM 1500,- Bruttoeinkommen im Monat muß z.B. einen Eigenanteil in der RV von 12 % finanzieren, der gut verdienende zweifache Familienvater (z.B. DM 10000,- pro Monat) liegt bei z.B. 9 % (bis zur Beitragsbemessungsgrenze)(...).
            c) Vorschläge wie die skizzierten haben einen sehr stark bevölkerungspolitischen Einschlag. Die Funktionsweise eines Sicherungssystems aufrecht zu erhalten, ist jedoch nur die eine Seite; darauf zu hoffen, daß aufgrund der auftretenden stärkeren monetären Belastungen für Kinderlose mehr Kinder geboren werden, dürfte allerdings vermessen sein. Die Entscheidung für oder gegen ein Familiendasein mit Kindern oder aber ein Kinderloses bzw. Single-Dasein hängt weitgehend von ganz anderen Faktoren als monetären Anreizen oder 'Strafen' ab."

Während also die FAZ-Autoren Kinderlose offensichtlich mit "lebenslang Kinderlosen" gleichsetzen, weisen BUSCH & DEIMER darauf hin, dass die Mehrzahl der angeblich lebenslang Kinderlosen nur Teilzeit- bzw. phasenweise Kinderlose sind. Die sich daraus ergebenden Probleme blenden die FAZ-Autoren nur allzu gerne aus.

 
       
     
       
     
       
   
  • CARSTENS, Peter (2002): Mit Verbesserungen für die Kleinen die Stimmen der Gesellschaft gewinnen.
    Die Politiker haben wieder einmal die Familie entdeckt. Abschied von Traditionen. Eine Übersicht über die Wahlversprechen aller Parteien,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.

Wie es sich für eine Zeitung der Besserverdienenden gehört, wird zuerst der Punkt Steuervorteile behandelt. Wichtig ist hierbei die Absetzbarkeit von Haushaltshilfen und Babysittern. Denn - wie Matthias HORX in der Welt vom 20.04.2002 richtig bemerkt hat -, ist die "Neue Dienstleistungs-Familie" auf dem Vormarsch:

"Heute hat fast jeder halbwegs gutverdienende Mittelstandshaushalt mit zwei Kindern in den Ballungsgebieten eine Putzfrau und einen Babysitter (der dynamischste Bereich unserer Wirtschaft, die Schwarzarbeit, machts möglich)."

Unter ferner liefen findet man dagegen das rot-grüne Projekt der Vereinbarung von Beruf und Familie durch Erweiterung des Betreuungsangebots im Bereich von Krippenplätzen. Dies muss nicht verwundern, denn nirgendwo ist die "traditionelle Familie" weiter verbreitet als unter den männlichen Topmanagern.

 
       
       
   
  • taz-Tagesthema "Familienpolitik"
     Ein "weiches" Wahlkampfthema wird härter: Früher hat Gerhard Schröder Frauen- und Familienpolitik noch als "Gedöns" abgetan. Gestern nun hat er als erster Bundeskanzler überhaupt eine Regierungs- und Absichtserklärung zur Familienpolitik abgegeben: "Familie ist, wo Kinder sind"

    • KREUZER, Rainer (2002): Nach der Familie
      Was ist die Familie wert? (4): Vater, Mutter, Kind - diese Lebensform ist bald passé. Statt sie zu subventionieren, sollte der Staat neue Projekte des Zusammenlebens fördern
      in: TAZ v. 19.04.

Rainer KREUZER nimmt die Singlerhetorik der amtlichen Statistik auf, um die Familie zur Randgruppe zu stilisieren. Das wird Familienrhetoriker freuen, geht jedoch an der Realität vorbei.

Die Amtliche Statistik erfasst Familien immer weniger. In ihrem Beitrag Der Wandel der Lebensformen im Spiegel des Mikrozensus (Wirtschaft und Statistik Nr1/2002) haben Hans-Joachim HEIDENREICH & Manuela NÖTHEN die Defizite der Statistik aufgezeigt.

Während 1975 noch 86,2 5 der Haushalte mit dem Familienkonzept des Mikrozensus erfasst werden konnten, so waren es im Jahr 2000 nur noch 76,5 %! Gravierendstes Problem ist jedoch die haushaltsbegrenzte Betrachtung der amtlichen Statistik:

"empirische Studien verweisen auf eine Vielzahl haushaltsübergreifende Leistungen zwischen den Mitgliedern sowohl von Familien als auch von anderen Lebensformen".

Einzig das Konzept der Multilokalen Mehrgenerationenfamilie (BERTRAM) ermöglicht eine adäquate Erfassung der Familie. Single und Familie, das ist kein Gegensatz, sondern Singles sind Teil der Familie (BIEN). KREUZERs Forderung lautet:

"Statt immer weiter die längst obsolet gewordene Lebensform der Familie zu subventionieren, sollte der Staat, sofern er sich noch als Sozialstaat begreift, streng nach Einkommen und Bedarf seine Leistungen verteilen. Wer verheiratet ist, ist noch lange kein Sozialfall und bedarf nicht unbedingt einer Steuererleichterung. Wer hingegen alleine lebt und nur knapp über das Existenzminimum kommt, sollte nicht länger mit Steuerklasse 1 bestraft werden (...).
Auch Familien mit Kindern sind nicht per se Opfer der Gesellschaft. Es gibt arme Familien und sehr reiche (...). Nicht die Familie muss unterstützt werden, sondern der jeweils konkrete Mensch - und das nur dann, wenn seine eigenen Einkünfte für ein menschenwürdiges Leben nicht ausreichen."

Leider bleibt KREUZER seiner eigenen Linie nicht treu, sondern statt der Subventionierung der Familie fordert er stattdessen die Subventionierung neuer "kollektiver Lebensmodelle".

 
       
   
  • ENGELS, Silvia (2002): Der Bundestag debattiert über die Familienpolitik.
    Silvia Engels im Gespräch mit Edith Schwab, Rechtsanwältin und Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Familienorganisation,
    in: Sendung des DeutschlandRadio v. 18.04.

"Ehe und Familien sind bei uns geschützt in Artikel 6 des Grundgesetzes, wobei Ehe vor einigen Jahrzehnten noch Synonym war mit Familie. Heute ist das nicht mehr so. Ehe und Familie fallen auseinander",

behauptet Edith SCHWAB. Am 15. September 1954 brachte das Nachrichtenmagazin Spiegel eine Titelgeschichte über den ersten bundesrepublikanischen Familienminister Franz-Josef WUERMELING im zweiten Kabinett von Konrad ADENAUER. Auf Seite 11 befindet sich eine Grafik, mit der die damalige Kinderarmut in Deutschland belegt wurde. Demnach gab es damals 30 % Ledige (gleichbedeutend mit Kinderlosen), 20 % waren verheiratete Kinderlose. 29 % waren verheiratet und hatten nur 1 Kind. Ganze 13 % entsprachen dem heutigen Ideal der Normalfamilie mit 2 Kindern. Nur 8 % waren Verheiratete mit mehr als 3 Kinder. Offenbar waren selbst die 1950er Jahre pluralistischer als dies der heutige nostalgische Rückblick wahrhaben möchte.

 
       
   
  • RHEINISCHER MERKUR-SPEZIAL: "Familie - Lust und Last"

    • GIERTH, Matthias (2002): Familie und Politik.
      Was ist Zukunft wert?
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.

    • MEHLITZ, J. (2002): Kinder - Armutsrisiko Nummer eins,
      in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.

Interview mit Kostas PETROPULOS vom Heidelberger Familienbüro. Ein Plädoyer für den Vater als Haupternäher und die Mutter als - wenn überhaupt - Zuverdienerin. Begründung: Kindeswohl!
  • GODDAR, Jeannette (2002): Kind und Karriere.
    Tagesmütter sind teuer. Wenn beide Eltern arbeiten, geht es nicht ohne sie. Stets plagt das Gewissen. Die meisten Frauen verzichten doch lieber auf die berufliche Top- Position. Wer sich anders entscheidet, braucht individuelle Lösungen,
    in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.

Jeannette GODDAR widmet sich der Politik für die Mütterelite.
  • MATUSSEK, Karin (2002): Neue Väter.
    Er zu Hause, sie Brötchenverdienerin - das Modell stößt auf wenig Gegenliebe. Die verpasste Chance,
    in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 18.04.

 
       
     
   
  • FACTS-Titelgeschichte: "Die Pille danach"

    • RINDLISBACHER, Sabine (2002): Kein Rezept.
      Die «Pille danach» soll rezeptfrei in Schweizer Apotheken erhältlich sein. So könnten Abtreibungen verhindert werden
      in: Facts Nr.16 v. 18.04.

 
       
     
       
   
  • BLÜMNER, Heike (2002): Das Zentralorgan der Reproduktion.
    Eltern ist der Papier gewordene Mittelstandsdiskurs, aber das Magazin hat die tollsten Fotostrecken,
    in: Jungle World Nr.17 v. 17.04.

Nach Max (18.06.2001) und Spiegel (16.07.2001) hat nun auch die Wochenzeitung der hedonistischen Linken (SZ vom 17.08.2000) den Mutterstolz als Thema entdeckt! Ohne Bekenntnis zu Kind und Mutterrolle der Autorin ("Ich vergöttere meine Tochter und bin stolze Mutter") sowie Seitenhiebe auf den letzten notorischen Single geht ein solcher Paradigmenwechsel natürlich nicht vonstatten.

Die neustolzen Mütter greifen noch etwas verschämt zur Zeitschrift Eltern (verstecken sie schon mal hinter dem Spiegel), um sich ihrer neu gewonnenen Normalität zu versichern. Während die Ratschläge der Mitmütter kategorisch abgelehnt werden, wird begierig das "Zentralorgan der Reproduktion" verschlungen, denn die außengeleitete Mutter ist auf die Bestätigung ihrer Identität durch die anerkannten Medien angewiesen. Sie kann weder ihrem inneren Kompass (Intuition usw.), noch den althergebrachten Traditionen vertrauen, sondern fühlt sich als Teil des gesellschaftlichen Diskurses der Aktualität verpflichtet. Mangels Neuerungen an der Mütterfront (nur die Marken wechseln häufiger), müssen die Redakteure jedoch meist die uralten Themen recyclen.

Die Mütterdebatten der Neuen Mitte arbeiten sich seit Mitte der 1980er Jahre an den beiden Stereotypen "Deutsche Mutter" (VINKEN) und "Karrieremutter" ab. Beide Klischees sind - jeweils milieuabhängig - als negatives ("Rabenmütter") oder positives ("gute Mutter") formulierbar.

Heike BLÜMNER erwähnt einen Eltern-Artikel, in dem das Superweib à la Hera LIND als positives Identifikationsmodell gegen die "deutsche Mutter" und die Rabenmutter (Karrieremutter, die Fremdbetreuung zur Abschiebung nutzt) abgegrenzt wird. Problem Nr.1 der Mutter: Wie halte ich meinen Ehemann - trotz Kind - bei guter Laune, damit er mich nicht verlässt.

Da sich die Jungle World als strikt anti-nationalistisch versteht und somit der Stolz ein Deutscher zu sein als Pathosformel tabu ist, hat dieses Gefühl endlich ein neues unverdächtiges Objekt gefunden. Geschlechtsspezifisch variiert hat nun der Stolz ein politisch korrektes Zuhause erhalten: "Ich bin stolz eine Mutter zu sein" oder "Ich bin stolz ein Vater zu sein" darf ab sofort auch jeder Jungle-World-Leser ohne Schuldgefühl sagen. Für jene, die noch Nachholbedarf haben, dem sei Florian ILLIES' Anleitung zum Unschuldigsein empfohlen.

 
       
   
  • GASEROW, Vera (2002): Siegerthema Familie.
    Den gesellschaftlichen Veränderungen rund um die Familie sind die Parteien bislang eher lustlos hinterhergetrabt - jetzt blasen sie um die Wette zur Aufholjagd,
    in: Frankfurter Rundschau v. 17.04.

 
       
   
  • HILBERTH, Iris (2002): Kinderbetreuung statt Kreisverkehr.
    Renate Schmidt misst die Familienpolitik an der Infrastruktur
    in: Frankfurter Rundschau v. 17.04.

Iris HILBERT geht schlampig mit Fakten um! Zum einen scheint weder Spanien noch Italien für die Autorin zu Europa zu gehören, denn sonst könnte sie Deutschland nicht als europäisches Schlusslicht bei der Geburtenrate bezeichnen. Zum anderen betet sie das übliche Geburtenraten-Mantra herunter. Sie stellt uns das typische Generation Golf-Paar Petra & Bernd, Jahrgang 1965, vor, um dann die überholten, weil zu niedrig angesetzte Geburtenrate dieser Generation hinzuzufügen. Diese werden zwar immer wieder in den Neue Mitte-Zeitungen in diesem Zusammenhang präsentiert und haben deshalb bereits das Signum einer normativen Kraft des Faktischen, richtiger werden sie deshalb nicht. Wenn's der Familie dient, dann werden auch schon mal die Fakten gebeugt!
Renate Schmidt - Politik für die Mütterelite
 
       
     
       
   
  • John Bayley - Das Haus des Witwers

    • GOETSCH, Monika (2002): Neuanfang mit Wischmopp.
      Das bizarre Gefühl des Trauerns: Über die Alzheimererkrankung seiner Frau Iris Murdoch schrieb John Bayley eine anrührende "Elegie für Iris". Nun erscheint eine Art Fortsetzung: "Das Haus des Witwers",
      in: TAZ v. 16.04.

 
       
   

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Zu den News vom 01. - 15. April 2002

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

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