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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 16. - 30. April 2003

 
       
     
     
     
   
Zitat des Monats:
"Der Zynismus, der sich in den letzten zehn Jahren gesellschaftlich breit gemacht hat, ist klammheimlich biologisch unterfüttert worden. Die Hilflosigkeit, mit der wir den gnadenlosen Marktgesetzen gegenüber stehen, entspricht derjenigen, mit der wir uns den Hormonen ausgeliefert sehen.
(...).
Wer die neue sexuelle Revolution zuende denkt, weiß, dass es im Krieg der Geschlechter bald zu einem Wettrüsten der Hormone kommen wird. Gerade der Feminismus dürfte sich da Hoffnungen machen: Die Waffen der Frauen können auch Biowaffen sein. Dann heißt es: Hormontherapie für alle".
.
(aus: Norbert Kron im Tagesspiegel vom 04.04. 2003)
 
       
   
  • BARTELS, Hans-Peter (2003): Steuern statt Beiträge.
    Hans-Peter Bartels, einer der Initiatoren des Mitgliederbegehrens in der SPD, macht eigene Vorschläge zur Finanzierung und Reform der Sozialsysteme,
    in: Frankfurter Rundschau v. 28.04.
    • Kommentar:
      Es gibt beim SPD-Mitgliederbegehren zwar einen Klaus BARTHEL, aber keinen Hans-Peter BARTELS.
      Entweder der Name ist falsch geschrieben oder aber die FR geht dem Qualitätsjournalismus langsam abhanden. Hans-Peter BARTELS jedenfalls ist Mitherausgeber der "Berliner Republik" und damit alles andere als ein Rebell gegen SCHRÖDER.
      Er gehört zu den Befürwortern eines Sonderparteitags, der SCHRÖDER die notwendige Legitimation für einschneidende Maßnahmen verschaffen soll. Anders als SCHRÖDER setzt er jedoch auf etwas Kosmetik in der Rhetorik. 
 
   
  • NOLTE, Paul (2003): Einer für alle, alle für einen.
    Mehr als Korrekturen: Überleben kann der Sozialstaat nur, wenn er gegen die kollektive Unverantwortlichkeit neu begründet wird,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.04.
    • Kommentar:
      Paul NOLTE fordert "mehr Markt und mehr Staat zugleich". Das ist das neue Motto des Neoliberalismus.

            
        Während der ökonomische Neoliberalismus mit dem Zusammenbruch der New Economy seine Glaubwürdigkeit verloren hat, setzen die Marktradikalen jetzt auf den politischen Neoliberalismus.
            
        Obwohl NOLTEs Beschreibung der Strukturprobleme des gegenwärtigen Sozialstaats teilweise richtig gesehen sind, sind seine Vorstellungen mehr als problematisch.
            
        Es ist richtig, dass dem althergebrachten Sozialstaat ein "patriarchales Familien- und Erwerbsmodell" zugrunde liegt. Auch die Erosion des Normalarbeitsverhältnis mit dem männlichen Vollerwerbsernährer der Familie ist nicht zu bestreiten. Niemand wird bestreiten, dass es Reformbedarf gibt, weil "Einkünfte jenseits der Erwerbsarbeit" verbreitet sind und Sondergruppen aus dem Solidarsystem ausgeklammert sind. Auch dass der Staat selbst dies vorantreibt durch staatlich subventionierte Einkünfte ist richtig.
            
        Die Konsequenzen, die NOLTE daraus zieht, sind dann jedoch fragwürdig:
            
        "Die alten Werte der »Gerechtigkeit« und der »Solidarität« müssen nicht aufgegeben werden, aber neu definiert werden".
            
        Das heißt: NOLTE will den Sozialstaat reformieren, indem er das patriarchale Familien- und Erwerbsmodell retten will. Er kritisiert deshalb:
            
        "Die Risiken der Lebensführung werden weiterhin bereitwillig kollektiviert. Wenn der Vater davonläuft und die alleinerziehende Mutter Sozialhilfe beanspruchen muß".
            
        Auch die angebliche "Spaltung zwischen Familien und Kinderlosen" ist ihm ein Dorn im Auge.
            
        Die Floskel von der "individualisierten Chancengesellschaft" und die Entstehung von "Kulturen der Unselbständigkeit und Unmündigkeit" ist für ihn kein Widerspruch, sondern werden aufgehoben im "Leitbild der Verantwortung und der bürgerlichen Mündigkeit".
            
        Der Umbau des Sozialstaats beseitigt zwar die Voraussetzungen der Unselbständigkeit durch die Freisetzung der Sozialstaatsabhängigen, ohne vorher Chancengleichheit herzustellen.
            
        Der marktgerechte Individualisierungszwang bedeutet jenseits des Leitbildes von NOLTE die gute alte ANOMIE!
            
        NOLTE geht noch einen Schritt weiter. Er deutet FOUCAULTs "Sorge um sich" reaktionär um. Der französische Kultsoziologe wird dadurch zum Verfechter der katholischen Soziallehre degradiert. Dort hieß es noch Subsidiarität .
 
   
  • BÖTTIGER, Helmut (2003): Über dem Abgrund der Angestellten,
    in: Tagesspiegel v. 27.04.
    • Kommentar:
      Helmut BÖTTIGER, der die Laudatio auf den Fontane-Preisträger Wilhem GENAZINO gehalten hat, würdigt hier die Abschaffel-Trilogie (1977-1979), die nun neu aufgelegt wurde.

            
       Single-dasein.de wird demnächst das Thema des Monats Mai Singles und ihren Ängsten widmen. U.a. werden am Beispiel des allein lebenden Angestellten Abschaffel soziale Ängste und ihre Folgen dargestellt.
            
       Es geht dabei um Singles, die sich durch Ängste in ihrem Lebensentwurf und ihrer Lebensführung eingeschränkt fühlen.
            
       GENAZINO ist einer der wenigen Schriftsteller, der Menschen jenseits der Alten bzw. Neuen Mitte beschreibt. Was passiert, wenn die jugendlichen Träume vom Leben als Popstar oder Popjournalist nicht in Erfüllung gehen? Wenn der Schulabschluss nicht die Tür für eine Spaßarbeit öffnet, sondern unterfordert?
            
       GENAZINOs Figuren sind angesiedelt an der Bruchstelle zwischen der alten Mangel- und der neuen Konsumgesellschaft. Das Elternhaus ist keine Hilfe beim Bewältigen des Alltags in der neuen Republik, ganz im Gegenteil hindert die Ausstattung mit Ängsten die Anpassung an die neuen Bedingungen. Abschaffel bleibt aufgrund seiner Ängste hinter seinen Möglichkeiten zurück.
            
       Der Zusammenbruch der New Economy, die Arbeitsmarktreformen und  die Sozialreformen werden für viele Singles Anpassung an neue Bedingungen bedeuten. GENAZINOs Abschaffel-Trilogie ist deshalb aktueller denn je.
            
       Der neue Roman von GENAZINO "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman" nimmt das Abschaffel-Thema wieder auf. Diesmal ist der jugendliche Protagonist jedoch noch kein ausgesprochener Pessimist wie Abschaffel, sondern er befindet sich an der Schwelle der Entscheidung.
 
   
  • MORTSIEFER, Henrik & Maren PETERS (2003): Bescheidenheit auf höchstem Niveau.
    Teure Uhren und edle Handtaschen verkaufen sich besser denn je. Vor allem Frauen sind erstaunlich krisenresistent,
    in: Tagesspiegel v. 27.04.
    • Kommentar:
      Geiz ist geil? Luxus ist geil! Als Tagesthema hat der Tagesspiegel heute die Rentenreform zu bieten. Warum der Sozialabbau jedoch notwendig ist, das lernen wir im Wirtschaftsteil:

            
       "Purismus statt Protz. Diese bei Luxus-Experten zurzeit sehr beliebte Losung hat Tradition. Schon der US-Ökonom und Sozialwissenschaftler Thorstein Bunde Veblen, fand in seiner »Theorie der feinen Leute« von 1899: »Wenn das Erzeugnis schön sein soll, so muss es gleichzeitig auch teuer sein und darf sich für seinen angeblichen Zweck nicht eignen.«"
            
       Eine Teure Uhr, die wie eine TSCHIBO- oder ALDI-Uhr aussieht und noch dazu noch nutzlos ist, das ist das Credo der Distinktion in der Habitusgesellschaft.
            
       Die Etablierung des Niedriglohnsektor dient nicht der Entfaltung der Leistungsgesellschaft, sondern der maximalen Distinktion unserer Eliten.
 
   
  • SCHRÖDER, Richard (2003): Nichts als Neid,
    in: Tagesspiegel v. 27.04.
    • Kommentar:
      Die Kirche möchte die Institution Ehe stärken. Da kommt dem Theologen SCHRÖDER die Änderung des Wehrdienstgesetzes gerade Recht, denn Verheiratete sollen im Gegensatz zu Singles nicht mehr zum Wehrdienst herangezogen werden:

            
       "Es ist deshalb in Ordnung, wenn der Staat Kriterien aufstellt, nach denen nur diejenigen Wehrpflicht leisten müssen, denen das am ehesten zugemutet werden kann. Dass jung Verheiratete ausgenommen werden, ist auch keineswegs die allerneueste Absurdität. In der Bibel (5.Mose 20) werden Verlobte vom Kriegsdienst freigestellt. Es könnte doch aber einem Verliebten die Trennung ebenso schwer fallen wie einem Verheirateten. Wohl wahr, aber das fehlte noch, dass der Staat im Namen der Wehrgerechtigkeit Verliebtheitsprüfungen einführt. Was der Staat nicht überprüfen soll und also nicht weiß, kann er auch nicht berücksichtigen. Die himmlische Gerechtigkeit kann der Staat nicht leisten".
            
       Auf himmlische Gerechtigkeit könnten Singles gerne verzichten, auf soziale Gerechtigkeit und Nicht-Diskriminierung jedoch sollten Singles bestehen.
 
   
  • BANZE, Sonja & Ulrich PORWOLLIK (2003): Wie Götter in Deutschland.
    Sie sind alt, reich, und mächtig. Deutschlands Rentner gönnen sich viel Freude. Wütend macht sie nur das dauernde Gerede über ihr Einkommen,
    in: Welt am Sonntag v. 27.04.
    • Kommentar:
      Die Autoren porträtieren ein paar Rentner und nennen Zahlen zu Renteneinkommen. Was soll das Ganze, fragt sich da der Leser.

            
       Die Rentnerlobby, zu der insbesondere der viel gelobte 68er Meinhard MIEGEL gehört, verteidigt die Ansprüche der Flakhelfer- und 68er-Generation.
            
       Bezahlen sollen die nachfolgenden Generationen, deren Renteneinkünfte in keinster Weise an die hier dargestellten Renten heranreichen werden.
            
       Die Augenwischerei der Neidkampagnen von MIEGEL und Konsorten haben die Jungen bisher noch nicht begriffen. Die Zukunft der Rente interessiert MIEGEL in keinster Weise, denn seine Zukunft ist gesichert!
 
   
  • FRANKFURTER RUNDSCHAU (2003): Der lange Weg zur Bürgerversicherung.
    Vorschläge für eine gerechte Reform der Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung. Bericht der Sozialpolitischen Kommission von Bündnis 90/Die Grünen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 26.04.
    • Kommentar:
      Die Grünen verstehen sich mehrheitlich als neoliberaler Reformmotor und haben sich deshalb aus der Debatte um die Agenda 2010 herausgehalten.

            
       Jetzt haben Thea DÜCKERT, Reinhard BÜTIKOFER und andere ein sozialpolitisches Papier  vorgelegt, das im Kern neoliberal ist und linke Positionen als Utopien in eine ferne Zukunft vertagt. Der kurze Weg führt dagegen mitten in den Neue-Mitte-Konsens.
            
       Im Papier befindet sich 12mal der Begriff Kinder in allen Verbindungen, 3 mal "Generationen",  4 mal  "Gender Mainstreaming", 5 mal sind Alleinerziehende genannt. Singles oder Alleinlebende bzw. Alleinstehende gehören nicht zum Begriffsrepertoire des Papiers.
            
       Man kann dies positiv sehen. Man benötigt bei den Grünen Singles nicht einmal für die Sündenbockfunktion!
 
     
   
  • UNGER, Karl (2003): Vermenscheln wir die Stadt.
    Die Zerstörung des öffentlichen Raums durch die Grünpflanze,
    in: junge welt v. 26.04.
    • Kommentar:
      UNGER sieht die Gentrification der Innenstädte durch die Alternativen in einem kritischen Licht:

            
       "In den Siebzigern entwickelte sich eine soziale Bewegung, die gegen diese »Unwirtlichkeit der Städte« kämpfte. Die überaus berechtigte Forderung, daß die Stadt nicht auto-, sondern menschengerecht sein muß, wurde mit einer »alternativen« Ideologie vermischt, einem verquasten und mit Grünpflanzen angereicherten Revival der Theorien von 1968, jenem Jahr, in dem bekanntlich die Revolution wegen der Semesterferien ausgefallen war.
      Die gut dreißigjährigen Alternativen, am Anfang ihres Berufslebens stehend und immer noch ein studentisches Leben führend, zogen in großen Scharen in heruntergekommene Altbauviertel am Rande der Innenstädte, in denen nur noch Alte und Ausländer lebten. Die relativ großen Wohnungen gaben die Möglichkeit, andere Wohn- und Lebensformen zu praktizieren als die der bürgerlichen Kleinfamilie. Die niedrigen Mieten waren für die geldknappen Partialaussteiger und Berufseinsteiger erschwinglich, und den Mangel an Barschaft ersetzten sie durch Kreativität".

            
       Geendet hat dies für UNGER in der "Tyrannei der Intimität" (SENNETT):
            
       "Allein der Ausdruck der eigenen Empfindungen ist wichtig und das Ausleben des Narzißmus wird zum gesellschaftlichen Erfolgskriterium. Soziale und politische Aspekte des Lebens spielen keine Rolle, sondern verkommen zu ethischen, moralischen und psychologischen Problemen. Auf Grund der zentralen Bedeutung des Konsumismus für das Funktionieren des Monopolkapitalismus sind die Innenstädte zur Bühne geworden, für ein Stück, bei dem alle mitspielen dürfen und das den Titel trägt: Vermenscheln wir den öffentlichen Raum".
 
   
  • NZZ-Themen und Thesen der Wirtschaft

    • RAFFELHÜSCHEN, Bernd (2003): Nachhaltigkeit als fiskal- und sozialpolitischer Begriff.
      Zur Notwendigkeit einer Generationenbilanzierung,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.04.
 
     
   
  • HERRMANN, Ulrike (2003): Zurück zur Ära Kohl,
    in: TAZ v. 25.04.
    • Kommentar:
      HERRMANN kommentiert die Vorschläge der Rürup-Kommission zur Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre und die Wiedereinführung des schwarzen Demografiefaktors, der nun zeitgemäß rotgrün "Nachhaltigkeitsfaktor" heißt:

            
       "Ob CDU, Grüne, FDP oder der Mainstream der SPD: Man ist sich einig, dass die Lösung lautet: »Weniger Staat, mehr private Vorsorge und Eigenverantwortung«. Genau dies ist auch die Botschaft der neuen alten Rentenformel.
      Doch kann nur fürs Alter sparen, wer gut genug verdient. Nur: Das gilt nicht für die unteren 30 Prozent der Bevölkerung. Sie haben kein Vermögen, sondern vor allem Schulden. Man wird sich um sie kümmern müssen. Diese schlichte Erkenntnis kann man jetzt noch durch eine komplizierte Rentenformel ausblenden. Aber die Frage wird sich irgendwann dringend stellen, was eigentlich aus den Armen werden soll."
 
   
  • ALTMEYER, Martin (2003): Sozialpolitik der Würde.
    In der Diskussion um Sozialreformen wird die Massenarbeitslosigkeit von der Politik nicht ausreichend skandalisiert. Auch die Linken sehen darin nur die Armutsfrage,
    in: TAZ v. 25.04.
    • Kommentar:
      Martin ALTMEYER vertritt wie Bernd ULRICH die Interessen der Neue Mitte. Seine Strategie orientiert sich an Richard SENNETTs "Respect" und Axel HONNETH, d.h. Verteilungspolitik wird gegen Anerkennungspolitik ausgespielt. Sozialstaatsabhängigkeit wird in dieser Perspektive als Würdelosigkeit gebrandmarkt, um den Sozialabbau zu rechtfertigen.
 
   
  • MAYER, Verena (2003): Im Hassen wie im Lieben groß.
    Er sei nur seiner inneren Stimme gefolgt, sagt er, er habe "ein schönes und trauriges Lied singen" wollen. Das Lied ist Maxim Billers neuer Roman. Der darf nicht erscheinen, hat nun ein Gericht entschieden. Weil der Schriftsteller das Leben seiner einstigen Geliebten darin öffentlich macht,
    in: Tagesspiegel v. 25.04.
    • Kommentar:
      MAYER erzählt anlässlich des Verbots von "Esra" BILLERs Lieblingstrauma:

            
       Wie die 80er Jahre mich aus den Fängen der 70er Jahre befreiten.
            
       Michael RUTSCHKY könnte man als den Ersatzvater dieser "Erfahrungshunger"-Geschädigten bezeichnen. Von Jochen SCHIMMANG bis Stephan WACKWITZ reicht das Spektrum dieser Lebensromane.
            
       Während letztere im "Merkur" ihre Heimat gefunden haben, gehörte BILLER zu den "Tempo"-Machern. Auf den ersten Blick mag man zwischen diesen beiden Zeitschriften keinen Zusammenhang sehen, aber immerhin durfte Katharina RUTSCHKY im "Merkur" vor nicht allzu langer Zeit die Popliteratur (und damit den Popjournalismus) verteidigen.
            
       Der Anti-Pop des Puppie BILLER wäre ohne diesen Pop gar nicht denkbar.
 
     
   
  • NIEJAHR, Elisabeth & Bernd ULRICH (2003): Gerechtigkeit.
    In jedem von uns steckt ein Sozi. Er pflegt die Besitzstände und verweigert reflexhaft jede Veränderung. Die Sozialdemokraten in der SPD kann der Kanzler notfalls erpressen. Die Sozialdemokraten in uns muss er noch überzeugen. Schröder kann es schaffen,
    in: Die ZEIT Nr.18 v. 24.04.
    • Kommentar:
      Elisabeth NIEJAHR  & Bernd ULRICH melden den Erfolg der Symbolanalytiker der alten & neuen Mitte:

            
       "Die Flut von schlechten Daten in Wirtschaft, Haushalt und Bildung (...) haben die Mehrheit willig gemacht hinzunehmen, was der Kanzler Agenda 2010 nennt, ein Bündel unausweichlicher Sozialkürzungen". (Diese Elitenstrategie der Dramatisierung hat Jedediah PURDY beschrieben)
            
       Bernd ULRICH hat bereits im TAGESSPIEGEL seine Gerechtigkeitsvorstellungen vorgetragen. Ihm geht es um die
      Neujustierung der Verteilungsfrage.
      Die Neue Mitte macht sich scheinbar zum Anwalt der "neuen" Randgruppen, um ihre eigenen Privilegien zu sichern. Denn damit sich die Eliten nicht ändern müssen, sollen die Nicht-Eliten die Zeche zahlen. Die oberflächliche Frontlinie beschreiben die Autoren folgendermaßen:

            
       "Nicht dass der alte Verteilungskonflikt zwischen Kapital und Arbeit geradewegs zum Nebenwiderspruch geworden wäre. Aber andere, nicht minder bedeutsame Gerechtigkeitsfragen sind hinzugekommen – der Gegensatz zwischen Alten und Jungen, Familien und Kinderlosen, Einwanderern und Einheimischen, Jobbesitzern und Arbeitslosen".
            
       Vorbild der Neujustierung ist die USA der Clinton-Ära:
            
       "Die Zahl der Mütter mit College-Diplomen habe sich seit 1990 um 40 Prozent erhöht. Jede vierte Amerikanerin habe zum Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes mindestens den Bachelor-Grad erreicht", schreibt SIEMON-NETTO.
            
       Elinor BURKETT hat in ihrem Buch "Baby Boon" die Diskriminierung von Kinderlosen in den USA beschrieben, denn sie müssen die neue Familienfreundlichkeit finanzieren.
            
       Dies wäre zu verkraften, wenn die Familienfreundlichkeit allen Familien gleichermaßen zu gute käme, aber es ist in erster Linie die
      Gebt-mir-alles-Familie der Neuen Mitte,
      die von Kinderlosen finanziert werden soll. Diese Gebt-mir-alles-Familie lebt vorzugsweise als Family-Gentrifier in den schicken Großstadtquartieren von Dienstleistungsmetropolen wie München, Frankfurt, Berlin usw. 
 
   
  • FUCHS, Oliver & Christian SEIDL (2003): Die nächste Generation hat immer Recht.
    Diedrich Diederichsen über seine eigene Vergangenheit, die Pop-Gegenwart und die Zukunft der "Superstar"-Suche,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 24.04.
    • Kommentar:
      Diedrich DIEDERICHSEN verkündet - angesprochen auf "Sexbeat" - das Scheitern seiner Second-Order-Generation:

            
        "SZ: In einer Passage heißt es: »Wie jede Generation sind auch wir für das Schlamassel, das wir hinterlassen haben und durch das sich, fürchterlich orientierungslos irrend, nun mehr die Jahrgänge 1964 bis 1970 durchzufressen haben, selbst verantwortlich.« In welchem Schlamassel sitzen wir also?
      Diederichsen: Das hat ja jüngst erst die Popjournalismus-Debatte im Zuge der Einstellung von jetzt und den »Berliner Seiten« der FAZ gezeigt: Dass Leute, die zur Zeit von »Sounds« sozialisiert wurden, die aus einem emphatischen Pop-Interesse heraus versucht haben, das große Ganze abzuleiten, dass es diese Leute trotz ihrer Einflussmöglichkeiten nicht geschafft haben, im Feuilleton hegemonial zu werden.
      SZ: Was ist Ihrer Meinung nach schief gelaufen?
      Diederichsen: Das ist ein strukturelles Problem. Aus der Musik heraus alles andere abzuleiten, also dann auch diesen Film gut zu finden und jenen Politiker zu verachten, das scheint nicht mehr möglich zu sein. Nicht, weil es die Journalisten nicht können, sondern weil es dafür kein Korrelat im echten Leben gibt."
 
   
  • LEHR, Ursula (2003): Von Verlust keine Spur.
    Altern mit Erfolg. Eine Fülle eindrucksvoller Argumente gegen hartnäckige Fehlurteile,
    in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.
    • Kommentar:
      Die Entwicklungspsychologin Ursula LEHR vertritt die Interessen der Altenmacht.

            
        Beklagt ÖHLER die diskriminierende Verwendung von Begriffen wie "Überalterung" oder "Vergreisung", so setzt LEHR demgegenüber auf eine positive Sicht des "funktionalen Alters", das die altersgruppenspezifische Sichtweise von "jungen Alten" und "alten Alten" überwinden soll.
            
        In Zukunft wird es auch beim Altern um einen Kulturkampf gehen. LEHR grenzt die beiden Lager des positiven Denkens gegeneinander ab:
            
        "Dabei sollten Slogans wie »kompetent älter werden«, »alt und fit« im Vordergrund stehen, nicht aber »For ever young«- und »Anti-aging«-Strategien".
 
   
  • RM-Spezial "Das alte Europa".
    Wo ist die neue Generation?

    • Kommentar:
      Im Vorfeld der anstehenden sozialpolitischen Entscheidungen setzt sich die katholische Presse mit einem Special für eine bevölkerungspolitische Offensive ein.

            
        Der Polarisierer Herwig BIRG arbeitet daran die Bevölkerungspolitik salonfähig zu machen:
            
        "Der Begriff Bevölkerungspolitik weckt bei manchen Deutschen böse Erinnerungen an die NS-Zeit. Ich finde aber, wir haben das Recht, das Wort vergangenheitsbereinigt zu gebrauchen. Es geht schließlich um Inhalte. Insofern kann man auch von demografisch orientierter Politik sprechen".
            
        Für dieses Ziel, das auf eine Konvergenz von Neuer Mitte und Neuer Rechte hinausläuft,  würde er gerne den Schriftsteller Günter GRASS gewinnen:
            
        "Nötig ist das Engagement der Elite, etwa von Schriftstellern und Künstlern. Die sollte man für eine demografisch orientierte Politik gewinnen, Günter Grass zum Beispiel".
            
        Frankreich und die USA gelten den Befürwortern einer deutschen Bevölkerungspolitik als Vorbild. Österreich muss dagegen als Schreckensszenario herhalten.
            
        Solche internationale Vergleiche sind jedoch fragwürdig, denn sie vergleichen Nichtvergleichbares.
            
        Kein Land musste einen ähnlich dramatischen Einbruch der Geburtenzahl aufgrund politischer Entscheidungen verkraften wie Deutschland. Der Geburtenrückgang in der ehemaligen DDR Anfang der 90er Jahre wird in der Debatte bewusst ausgeklammert.
            
        Nimmt man die Debatten in den Ländern, die heute als vorbildlich gelten, dann zeigt sich, dass dort keineswegs eitel Sonnenschein herrscht. Sowohl Frankreich als auch die USA hatten Geburtenrückgänge zu verzeichnen. Auch dort wurden Singles als Sündenböcke missbraucht.
            
        Gerne betonen die Demografen die Prognosefähigkeit ihrer Wissenschaft. Tatsächlich ist diese mehr als dürftig, denn der menschliche Faktor wird ignoriert. Verhaltensänderungen können - wie in den 60er oder 80er Jahren in Deutschland - die Prognosen wertlos machen.
    • ROLOFF, Eckart Klaus (2003): Balance dringend gesucht.
      Kontinent mit Defizit. Die EU nimmt zu und übersieht, dass der Schwund garantiert ist,
      in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.
    • ÖHLER, Andreas (2003): Mit Gyros und Platon auf besten Wegen.
      Lebendes Erbe. Unsere Welt im Wandel,
      in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.
    • RITZENHOFEN, Medard (2003): Adieu, Sorgenkinder.
      Frankreich. Europäische Rekordzahlen bei der Geburtenrate,
      in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.
    • MEIER-BERGFELD, Peter (2003): Jetzt gehn's sogar an die Pensionen.
      Österreich. Mit der alten Gemütlichkeit ist es endgültig vorbei,
      in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.
    • SIEMON-NETTO, Uwe (2003): Mütter mit College-Diplom.
      Dynamische Gesellschaft. Der Geburtenanstieg in den Vereinigten Staaten hat massive Auswirkungen auf die Wirtschaft,
      in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.
    • MEHLITZ, Johannes (2003): Am besten ist ein neues Bewusstsein.
      Die Deutschen von morgen. Herwig Birg sagt, wie Politiker und Bürgr auf eine Bevölkerung zwischen Schwund und Wachstum reagieren sollten,
      in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.
    • WIEGAND, René (2003): Zahlen voller Leben.
      Mathematik. Was Demografen ausrechnen, hat oft schwere Folgen,
      in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.
 
   
  • SCHNEIDER, Markus (2003): Ein Volk von IV-Rentnern.
    Die Zahl arbeitsunfähiger Menschen nimmt nirgendwo so schnell zu wie in der Schweiz. Was sind die Gründe für diese "Invalidisierung der Gesellschaft"? Und warum interessiert sich niemand für die Kosten?
    in: Weltwoche Nr.17 v. 24.04.
    • Kommentar:
      Die Schweiz gilt manchem Befürworter einer deutschen Bevölkerungspolitik als vorbildlich in der Altersversorgung.

            
        Das sehen die Schweizer ganz anders. Die neoliberalen Praktiken haben die Rentenversicherung an den Rand des Abgrunds geführt.
            
         Jetzt muss gespart werden. SCHNEIDER nimmt deshalb die "psychisch Kranken" ins Visier:
            
        "hinter der unheimlichen Vermehrung der Fälle verbergen sich hauptsächlich zwei Diagnosen: Erstens nehmen die «Psychosen und Psychoneurosen» stark zu, zweitens in etwas geringerem Ausmass die «Erkrankungen an Knochen und Bewegungsorganen», die in der Umgangssprache oft als «Rückenschmerzen» artikuliert werden, und daneben kommt es oft zu einer Kombination von solch orthopädischen Leiden mit psychischen Leiden. Frappant auch hier der internationale Vergleich: In keinem anderen OECD-
      Land beruht die medizinisch diagnostizierte Erwerbsunfähigkeit so stark auf «mentalen Ursachen» wie in der Schweiz. 1985 betrug dieser Anteil 24 Prozent, inzwischen liegt er laut neuster OECD-Studie bei 39 Prozent. Weltrekord, aber kein öffentliches Thema".
 
     
   
  • SZ-Tagesthema:
    Wiedereinführung des demografischen Faktors in der Rentenversicherung

    • GRAUPNER, Heidrun & Robert JACOBI (2003): Altes Rezept unter neuem Namen.
      Der Altersaufbau der Gesellschaft soll bei der Rentenberechnung wieder stärker berücksichtigt werden,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 23.04.
    • STURM, Norbert (2003): Immer zu Diensten.
      Rürup beriet schon Ulla Schmidts Vorgänger Norbert Blüm,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 23.04.
 
   
  • FRANKFURTER RUNDSCHAU (2003): Reformen müssen den Menschen Ängste nehmen.
    Wie sich die Parlamentarische Linke in der SPD-Bundestagsfraktion den Umbau der sozialen Sicherungssysteme vorstellt,
    in: Frankfurter Rundschau v. 23.04.
    • Kommentar:
      Hat Sigmar GABRIEL die Zielgruppen der 30 - 55jährigen rhetorisch befriedigt, so bietet die Parlamentarische Linke rhetorisch auch etwas für Jüngere und Ältere.

            
        Das Schlüsselkonzept heißt wie bei den Grünen Nachhaltigkeit.
            
        Das Papier ist angenehm vage verfasst, sodass sich möglichst viele rhetorisch geborgen fühlen dürfen. Leerformeln wie "Sicherheit im Wandel" sollen Ängste nehmen.
            
        Für Singles gibt es einen entscheidenden Satz:
            
        "Wir halten die neuen (Hartz-) Regelungen (Zumutbarkeit und Sanktionsregelungen) in Verbindung mit den bestehenden Regelungen der Sozialauswahl für ausreichend".
 
   
  • ROHLOFF, Joachim (2003): Die Welt ist zu offen.
    Das Ringen um Schröders Agenda 2010 geht weiter. Die Unterstützer und die Gegner des Kanzlers geben sich nichts,
    in: Jungle World Nr.18 v. 23.04.
    • Inhalt:
      ROHLOFF weiß bereits was am Ende beim Gerangel um die Agenda 2010 herauskommt:

            
        "Am Ende wird Peter Glotz (...) mit seiner Prognose richtig liegen: »Die werden an der einen oder anderen Stelle, dem einen oder anderen Detail sagen, das darf nicht sein, werden aber insgesamt dem Programm und dem Bundeskanzler das Vertrauen aussprechen, sodass die Regierung dann freie Hand hat, das zu machen was sie im Prinzip machen will und für richtig hält.«"
 
   
  • KAI (2003): Die Generation Golf gibt es wirklich.
    Ein soziologischer Nachweis,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.04.
    • Inhalt:
      KAI referiert einen Aufsatz von Markus Klein:

            
        "Der Soziologe Markus Klein hat in einem Aufsatz für die aktuelle Ausgabe der »Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie« Werte und Einstellungen der zwischen 1965 und 1975 Geborenen untersucht und ist zu dem Schluß gekommen: »Es gibt die Generation Golf im Sinne einer klar abgegrenzten Geburtskohorte mit einem spezifischen Werteprofil, das sie von anderen Generationseinheiten deutlich abhebt«.
            
        KLEIN behauptet eine Abkehr von postmaterialistischen Werten wie sie von der Apo-Generation (1946-1953) und der Generation der Neuen Sozialen Bewegungen (1954 - 1964) gepflegt werden.
 
   
  • KNIPPHALS, Dirk (2003): Bildungsroman mit Landei.
    Hier kommt Lolle: mit einem Gegenentwurf zum Luder-Programm und zu den Bildern der Neuen Mitte aus den Neunzigern. Heute Abend startet die zweite Staffel von "Berlin, Berlin". Das ist die Vorabendserie, auf die sich derzeit alle einigen können,
    in: TAZ v. 22.04.
    • Kommentar:
      Während Wilhelm GENAZINO in seinem neuen Roman dem Motto "Verschwende Deine Jugend" fröhnt, führt Ich-bin-stolz-ein-Spießer-zu-sein-KNIPPHALS die Jugend an die neue Ernsthaftigkeit heran:

            
        "Nur Sven hat ein richtiges Problem. Er kann sich zwischen Familienwunsch und der wahlverwandtschaftlichen Ersatzfamilie rund um Lolle nicht entscheiden. (...). Und dann kommt Lolle. Es ist diese Figur, die in diese Mischung aus Tagträumerei und Pragmatismus Druck hineinbringt. Sie (...) treibt unterschwellig noch eine ganz andere Frage um: Mache ich hier wirklich das Richtige?"
            
        Jugend wird hier aus der Perspektive des Mittdreißigers gedacht. Der Begriff Family Values wird zwar abgelehnt (man ist reaktionär, aber nicht konservativ!), aber nichtsdestotrotz läuft alles darauf hinaus.
            
        Es ist diese Doppelmoral, die das neue Bürgertum der Ära Schröder kennzeichnet.
            
        Dazu gehört auch das Berlin-Bild, in dem Kreuzberg nur noch für Nostalgie steht, aber nicht mehr für den Aufbruch in eine bessere Gesellschaft.
 
     
   
  • GABRIEL, Sigmar (2003): Die SPD muss ihren Kompass neu ausrichten.
    Die geplante grundlegende Reform des Sozialstaates ist ein ur-sozialdemokratisches Projekt,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.04.
    • Inhalt:
      Der niedersächsische Wahlverlierer GABRIEL propagiert einen dritten Weg zwischen den Dramatikern und den Blockierern und nennt seine Zielgruppe:

            
        "es gibt in unserer Gesellschaft viele Partner der SPD, für die der Umbau des Sozialstaats wichtig ist. Nicht eine schwer zu ortende »Neue Mitte«, sondern die »alte Mitte« und die klassischen Verbündeten der SPD sind unsere Zielgruppen: Die jungen Familien und die beruflichen Leistungsträger zwischen Ende 20 und Anfang 50. Denn mit und für sie wollen wir Zusammenhalt, Verantwortung und Hilfsbereitschaft sichern und eine solidarische Gesellschaft erhalten".
 
   
Focus-Titelgeschichte: Die Single-Partner.
Lust und Frust von Fernbeziehungen. Und wie sie überhaupt funktionieren können
 
   
  • CASATI, Rebecca (2003): Marilyn Manson über Angst,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.04.
    • Inhalt:
      Marilyn Manson u.a. über Angst und Macht:

            
        Amerikaner lieben es definitiv, ihre Ängste zu spüren. Sie sind süchtig danach. Sie könnten nicht ohne die Schatten von Verbrechen, Unfällen, Krankheiten, der ganzen Hölle leben. Andere benutzen eben diese Ängste als Machtwerkzeuge, um die Massen zu kontrollieren. Wenn man ihre Ängste schürt, entwaffnet man sie gleichzeitig. Und dazu benötigt man Vogelscheuchen. Abschreckende Beispiele. Wenn man den Bösewicht ausgemacht hat, ist es ganz einfach, sich selbst zum Gutmenschen zu stilisieren. Aus Angst-Symbolen kann man Macht-Symbole machen, so wie ich es mit meinem Auftreten und meiner Musik gezeigt habe
 
     
     
     
   
  • MARX, Reinhard (2003): Der Staat übernimmt Aufgaben, die er nicht erfüllen kann.
    Das ist der falsche Wege, sagt Bischof Marx: Der Einzelne muss selbst mehr tun!
    in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 17.04.
    • Kommentar:
      Das Osterwort kommt von Bischof MARX aus Trier:

            
        "Was der Einzelne, was die kleine Gruppe, die Familie tun kann, das soll sie tun aus eigener Kraft, schon um der eigenen Würde willen. Wo Hilfe nötig ist, soll sie immer so ansetzen, dass sie eher dem Prinzip der Beteiligungsgerechtigkeit als der Verteilungsgerechtigkeit den Weg bahnt".
            
        Subsidiarität heißt dieses katholische Umverteilungsprinzip.
 
   
  • Die SPD und die Sozialreform

    • SCHWENNICKE, Christoph (2003): In einer Schublade hübsch versammelt.
      Die Debatte über Sozialreformen verdeckt, dass sich die Linken in der SPD längst in zwei Lager aufgespalten haben,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.04.
      • Inhalt:
        SCHWENNICKE unterscheidet in Bezug auf die anstehenden Sozialreformen beim "linken Flügel" der SPD drei Fraktionen:
        1) Die Gestaltungslinken
        Hierzu zählt er Michael MÜLLER, Heidemarie WIECZOREK-ZEUL, Gernot ERLER, Ludwig STIEGLER, Andrea NAHLES und Benjamin MIKFELD.
        2) Die Blokadelinke
        Hierzu zählt SCHWENNICKE die Initiatoren und Unterzeichner des Mitgliederbegehrens von Ottmar SCHREINER bis Sigrid SKARPELIS-SPERK.
        3) Die Wahlkampflinke
    • WRIEDT, Alexander (2003): Sanfter Aufstand.
      Ein paar linke Abgeordnete der SPD wollen mit einem Mitgliederbegehren Schröders Reformen verhindern. Der Kanzler kontert mit einem Sonderparteitag. Doch im Stillen wird an einer Einigung gearbeitet,
      in: Jungle World Nr.17 v. 16.04.
 
     
   
  • HERZ, Wilfried (2003): "Ich bin kein Ausbeuter".
    Die Alten von heute plündern das Sozialsystem und verprassen die Renten - sagen die Jungen. Die Alten von morgen werden arm und entrechtet sein - behaupten Politiker. Sie alle irren sich. Ein Plädoyer wider den Kampf der Generationen,
    in: Die ZEIT Nr.17 v. 16.04.
    • Kommentar:
      Wilfried HERZ, Jahrgang 1943, meint, dass die Bevölkerungsprognosen das einzig Sichere in den Katastrophenszenarien seien.

            
        Keine Ahnung, woher HERZ diese Gewissheit nimmt. Gerade revidieren die Bevölkerungswissenschaftler die Prognose einer weltweiten Bevölkerungsexplosion und auch die Prognosen Anfang der 60er Jahre in Deutschland (z.B. Karl SCHWARZ 1963) lagen weit daneben.
            
        Selbst Mitte der 80er Jahre wurden die Geburtenzahlen für die Jahrtausendwende von SCHWARZ & HÖHN weit unterschätzt.
            
        Offensichtlich sind Bevölkerungsprognosen NICHT das einzig Sichere in den Katastrophenszenarien, denn sie berücksichtigen keine Verhaltensänderungen.
            
        Generationenbilanzen hält HERZ dagegen für fragwürdig, weil sie weder die künftige Produktivität noch das künftige Wachstum berücksichtigen.
            
        HERZ möchte deshalb den Fokus von der Versorgung im Alter zu den Wachstumschancen lenken.
            
        HERZ sieht zwar die soziale Ungleichheit INNERHALB einer Generation als entscheidend an, wenn er schreibt:
            
        "Es geht nicht um einen Verteilungsstreit zwischen Alt und Jung, sondern es ist das uralte Problem der gerechten Verteilung zwischen Arm und Reich – unabhängig von der Generation".
            
        Für seine weitere Argumentation bleibt dies jedoch folgenlos.
            
        Die Halbierung von Renten für Kinderlose lehnt HERZ nicht strikt ab, sondern es stört ihn nur, dass das gestiegene Armutsrisiko von Kinderreichen gegen die geringere Altersarmut ausgespielt wird.
            
        Die Konsequenzen des neu entstehenden Niedriglohnsektors werden nicht gesehen, wenn HERZ meint, dass zusätzliche Einzahler die Rentenkasse entlasten könnten.
            
        Im letzten Abschnitt plädiert HERZ dafür, dass Senioren länger arbeiten sollen. Aber nur, wenn attraktive Jobs bereitgestellt werden:
            
        "Doch auch den Älteren, denen weitere Karrierestufen nicht mehr wichtig sind, müssen attraktive Jobs geboten werden, damit sie nicht vorzeitig auf Golfplätze, in Kleingärten oder nach Mallorca ausschwärmen. Wer eigenverantwortlich gearbeitet hat, will im Alter nicht zum Handlanger und Befehlsempfänger werden, nur um die Jüngeren in der Rentenversicherung zu entlasten".
            
        Solche Neue-Mitte-Träumereien sind weit weg von der geplanten Niedriglohnsektor-Realität in Deutschland.
 
     
   
  • MÜLLER, Kai (2003): Der reine Wahnsinn.
    Seit 30 Jahren ein Kultalbum: Pink Floyds "Dark Side of the Moon" erscheint jetzt in einer Jubiläums-Version
    in: Tagesspiegel v. 16.04.
    • Inhalt:
      MÜLLER erinnert an das 73er Album "Dark Side of the Moon von Pink Floyd:

            
        "Für viele ist Pink Floyd seit dieser Platte nur noch das größte Missverständnis der Popgeschichte. Schon Johnny Rotten trug bei den frühen Auftritten der Sex Pistols ein T-Shirt, auf dem I hate Pink Floyd stand. Denn Pink Floyd, das war das kunstvoll Arrivierte, der Sieg des Corporate Designs über den Underground, das war Musik für den zweiten Bildungsweg – allen offen stehend, sogar denen, die nichts von ihr wollten, weil sie mit ihrem sozialen Aufstieg beschäftigt waren".
 
   
  • HUISSELING, Mark van (2003): Vertikale Revolution.
    Tony Alva machte aus dem Skateboard ein Extremsportgerät. Mit 44 rast er noch immer durch die Wände leerer Swimmingpools in Kalifornien. Jetzt verfilmt Hollywood das Leben des coolsten Mannes auf dem Planeten,
    in: Weltwoche Nr.16 v. 16.04.
 
       
   

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Zu den News vom 01. - 15. April 2003

 
       
   
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