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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 16. - 30. April 2003

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Der Zynismus, der sich in den letzten zehn Jahren gesellschaftlich breit gemacht hat, ist klammheimlich biologisch unterfüttert worden. Die Hilflosigkeit, mit der wir den gnadenlosen Marktgesetzen gegenüber stehen, entspricht derjenigen, mit der wir uns den Hormonen ausgeliefert sehen.
(...).
Wer die neue sexuelle Revolution zuende denkt, weiß, dass es im Krieg der Geschlechter bald zu einem Wettrüsten der Hormone kommen wird. Gerade der Feminismus dürfte sich da Hoffnungen machen: Die Waffen der Frauen können auch Biowaffen sein. Dann heißt es: Hormontherapie für alle"..
(aus: Norbert Kron im Tagesspiegel vom 04.04. 2003)

 
       
       
     
       
   
  • NOLTE, Paul (2003): Einer für alle, alle für einen.
    Mehr als Korrekturen: Überleben kann der Sozialstaat nur, wenn er gegen die kollektive Unverantwortlichkeit neu begründet wird,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.04.

Paul NOLTE fordert "mehr Markt und mehr Staat zugleich". Das ist das neue Motto des Neoliberalismus. Während der ökonomische Neoliberalismus mit dem Zusammenbruch der New Economy seine Glaubwürdigkeit verloren hat, setzen die Marktradikalen jetzt auf den politischen Neoliberalismus. Obwohl NOLTEs Beschreibung der Strukturprobleme des gegenwärtigen Sozialstaats teilweise richtig gesehen sind, sind seine Vorstellungen mehr als problematisch.

Es ist richtig, dass dem althergebrachten Sozialstaat ein "patriarchales Familien- und Erwerbsmodell" zugrunde liegt. Auch die Erosion des Normalarbeitsverhältnis mit dem männlichen Vollerwerbsernährer der Familie ist nicht zu bestreiten. Niemand wird bestreiten, dass es Reformbedarf gibt, weil "Einkünfte jenseits der Erwerbsarbeit" verbreitet sind und Sondergruppen aus dem Solidarsystem ausgeklammert sind. Auch dass der Staat selbst dies vorantreibt durch staatlich subventionierte Einkünfte ist richtig. Die Konsequenzen, die NOLTE daraus zieht, sind dann jedoch fragwürdig:

"Die alten Werte der »Gerechtigkeit« und der »Solidarität« müssen nicht aufgegeben werden, aber neu definiert werden".

Das heißt: NOLTE will den Sozialstaat reformieren, indem er das patriarchale Familien- und Erwerbsmodell retten will. Er kritisiert deshalb:

"Die Risiken der Lebensführung werden weiterhin bereitwillig kollektiviert. Wenn der Vater davonläuft und die alleinerziehende Mutter Sozialhilfe beanspruchen muß".

Auch die angebliche "Spaltung zwischen Familien und Kinderlosen" ist ihm ein Dorn im Auge. Die Floskel von der "individualisierten Chancengesellschaft" und die Entstehung von "Kulturen der Unselbständigkeit und Unmündigkeit" ist für ihn kein Widerspruch, sondern werden aufgehoben im "Leitbild der Verantwortung und der bürgerlichen Mündigkeit". Der Umbau des Sozialstaats beseitigt zwar die Voraussetzungen der Unselbständigkeit durch die Freisetzung der Sozialstaatsabhängigen, ohne vorher Chancengleichheit herzustellen. Der marktgerechte Individualisierungszwang bedeutet jenseits des Leitbildes von NOLTE die gute alte ANOMIE!

NOLTE geht noch einen Schritt weiter. Er deutet FOUCAULTs "Sorge um sich" reaktionär um. Der französische Kultsoziologe wird dadurch zum Verfechter der katholischen Soziallehre degradiert. Dort hieß es noch Subsidiarität.

 
       
     
       
   
  • MORTSIEFER, Henrik & Maren PETERS (2003): Bescheidenheit auf höchstem Niveau.
    Teure Uhren und edle Handtaschen verkaufen sich besser denn je. Vor allem Frauen sind erstaunlich krisenresistent,
    in: Tagesspiegel v. 27.04.

Geiz ist geil? Luxus ist geil! Als Tagesthema hat der Tagesspiegel heute die Rentenreform zu bieten. Warum der Sozialabbau jedoch notwendig ist, das lernen wir im Wirtschaftsteil:

"Purismus statt Protz. Diese bei Luxus-Experten zurzeit sehr beliebte Losung hat Tradition. Schon der US-Ökonom und Sozialwissenschaftler Thorstein Bunde Veblen, fand in seiner »Theorie der feinen Leute« von 1899: »Wenn das Erzeugnis schön sein soll, so muss es gleichzeitig auch teuer sein und darf sich für seinen angeblichen Zweck nicht eignen.«"

Eine teure Uhr, die wie eine TSCHIBO- oder ALDI-Uhr aussieht und noch dazu noch nutzlos ist, das ist das Credo der Distinktion in der Habitusgesellschaft. Die Etablierung des Niedriglohnsektor dient nicht der Entfaltung der Leistungsgesellschaft, sondern der maximalen Distinktion unserer Eliten.

 
       
   
  • SCHRÖDER, Richard (2003): Nichts als Neid,
    in: Tagesspiegel v. 27.04.

Die Kirche möchte die Institution Ehe stärken. Da kommt dem Theologen Richard SCHRÖDER die Änderung des Wehrdienstgesetzes gerade Recht, denn Verheiratete sollen im Gegensatz zu Singles nicht mehr zum Wehrdienst herangezogen werden:

"Es ist deshalb in Ordnung, wenn der Staat Kriterien aufstellt, nach denen nur diejenigen Wehrpflicht leisten müssen, denen das am ehesten zugemutet werden kann. Dass jung Verheiratete ausgenommen werden, ist auch keineswegs die allerneueste Absurdität. In der Bibel (5.Mose 20) werden Verlobte vom Kriegsdienst freigestellt. Es könnte doch aber einem Verliebten die Trennung ebenso schwer fallen wie einem Verheirateten. Wohl wahr, aber das fehlte noch, dass der Staat im Namen der Wehrgerechtigkeit Verliebtheitsprüfungen einführt. Was der Staat nicht überprüfen soll und also nicht weiß, kann er auch nicht berücksichtigen. Die himmlische Gerechtigkeit kann der Staat nicht leisten".

Auf himmlische Gerechtigkeit könnten Singles gerne verzichten, auf soziale Gerechtigkeit und Nicht-Diskriminierung jedoch sollten Singles bestehen.

 
       
   
  • BANZE, Sonja & Ulrich PORWOLLIK (2003): Wie Götter in Deutschland.
    Sie sind alt, reich, und mächtig. Deutschlands Rentner gönnen sich viel Freude. Wütend macht sie nur das dauernde Gerede über ihr Einkommen,
    in: Welt am Sonntag v. 27.04.

Die Autoren porträtieren ein paar Rentner und nennen Zahlen zu Renteneinkommen. Was soll das Ganze, fragt sich da der Leser. Die Rentnerlobby, zu der insbesondere der viel gelobte 68er Meinhard MIEGEL gehört, verteidigt die Ansprüche der Flakhelfer- und 68er-Generation. Bezahlen sollen die nachfolgenden Generationen, deren Renteneinkünfte in keinster Weise an die hier dargestellten Renten heranreichen werden. Die Augenwischerei der Neidkampagnen von MIEGEL und Konsorten haben die Jungen bisher noch nicht begriffen. Die Zukunft der Rente interessiert MIEGEL in keinster Weise, denn seine Zukunft ist gesichert!
 
       
   
  • FRANKFURTER RUNDSCHAU (2003): Der lange Weg zur Bürgerversicherung.
    Vorschläge für eine gerechte Reform der Arbeitslosen-, Kranken- und Rentenversicherung. Bericht der Sozialpolitischen Kommission von Bündnis 90/Die Grünen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 26.04.

Die Grünen verstehen sich mehrheitlich als neoliberaler Reformmotor und haben sich deshalb aus der Debatte um die Agenda 2010 herausgehalten. Jetzt haben Thea DÜCKERT, Reinhard BÜTIKOFER und andere ein sozialpolitisches Papier  vorgelegt, das im Kern neoliberal ist und linke Positionen als Utopien in eine ferne Zukunft vertagt. Der kurze Weg führt dagegen mitten in den Neue-Mitte-Konsens. Im Papier befindet sich 12mal der Begriff "Kinder" in allen Verbindungen, 3 mal "Generationen",  4 mal  "Gender Mainstreaming", 5 mal sind "Alleinerziehende" genannt. Singles oder Alleinlebende bzw. Alleinstehende gehören nicht zum Begriffsrepertoire des Papiers. Man kann dies positiv sehen. Man benötigt bei den Grünen Singles nicht einmal für die Sündenbockfunktion!
 
       
     
       
   
Karl UNGER sieht die Gentrifizierung der Innenstädte durch die Alternativen in einem kritischen Licht:

"In den Siebzigern entwickelte sich eine soziale Bewegung, die gegen diese »Unwirtlichkeit der Städte« kämpfte. Die überaus berechtigte Forderung, daß die Stadt nicht auto-, sondern menschengerecht sein muß, wurde mit einer »alternativen« Ideologie vermischt, einem verquasten und mit Grünpflanzen angereicherten Revival der Theorien von 1968, jenem Jahr, in dem bekanntlich die Revolution wegen der Semesterferien ausgefallen war.
Die gut dreißigjährigen Alternativen, am Anfang ihres Berufslebens stehend und immer noch ein studentisches Leben führend, zogen in großen Scharen in heruntergekommene Altbauviertel am Rande der Innenstädte, in denen nur noch Alte und Ausländer lebten. Die relativ großen Wohnungen gaben die Möglichkeit, andere Wohn- und Lebensformen zu praktizieren als die der bürgerlichen Kleinfamilie. Die niedrigen Mieten waren für die geldknappen Partialaussteiger und Berufseinsteiger erschwinglich, und den Mangel an Barschaft ersetzten sie durch Kreativität".

Geendet hat dies für UNGER in der "Tyrannei der Intimität" (SENNETT):

"Allein der Ausdruck der eigenen Empfindungen ist wichtig und das Ausleben des Narzißmus wird zum gesellschaftlichen Erfolgskriterium. Soziale und politische Aspekte des Lebens spielen keine Rolle, sondern verkommen zu ethischen, moralischen und psychologischen Problemen. Auf Grund der zentralen Bedeutung des Konsumismus für das Funktionieren des Monopolkapitalismus sind die Innenstädte zur Bühne geworden, für ein Stück, bei dem alle mitspielen dürfen und das den Titel trägt: Vermenscheln wir den öffentlichen Raum".

 
       
   
  • NEUE ZÜRCHER ZEITUNG-Themen und Thesen der Wirtschaft

    • RAFFELHÜSCHEN, Bernd (2003): Nachhaltigkeit als fiskal- und sozialpolitischer Begriff.
      Zur Notwendigkeit einer Generationenbilanzierung,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.04.

 
       
   
  • BÖTTIGER, Helmut (2003): Anwalt kleinster Dinge.
    Eine Laudatio auf den Erzähler Wilhelm Genazino, der in Berlin mit dem Fontane-Preis 2003 ausgezeichnet wurde,
    in: Welt v. 25.04.

 
       
     
       
     
       
   
  • MAYER, Verena (2003): Im Hassen wie im Lieben groß.
    Er sei nur seiner inneren Stimme gefolgt, sagt er, er habe "ein schönes und trauriges Lied singen" wollen. Das Lied ist Maxim Billers neuer Roman. Der darf nicht erscheinen, hat nun ein Gericht entschieden. Weil der Schriftsteller das Leben seiner einstigen Geliebten darin öffentlich macht,
    in: Tagesspiegel v. 25.04.

 
       
   
  • MÜLLER, Dirk (2003): Was bringen zwei Jahre mehr Lebensarbeitszeit für die Rentenkassen?
    in: Interview am Morgen. Sendung des DeutschlandRadio v. 25.04.

Während Angela MERKEL mit ihrem Votum für eine Halbierung der Renten für Kinderlose den Weg bereitete, kann nun Herwig BIRG das eigentliche Rentenreformziel der Befürworter einer deutschen Bevölkerungspolitik verkünden: Die Beitragssätze der Rentenversicherung sollen nach der Kinderzahl gestaffelt werden.
 
       
   
  • NIEJAHR, Elisabeth & Bernd ULRICH (2003): Gerechtigkeit.
    In jedem von uns steckt ein Sozi. Er pflegt die Besitzstände und verweigert reflexhaft jede Veränderung. Die Sozialdemokraten in der SPD kann der Kanzler notfalls erpressen. Die Sozialdemokraten in uns muss er noch überzeugen. Schröder kann es schaffen,
    in: Die ZEIT Nr.18 v. 24.04.

 
       
     
       
   
Die Entwicklungspsychologin Ursula LEHR vertritt die Interessen der Altenmacht. Beklagt Andreas ÖHLER die diskriminierende Verwendung von Begriffen wie "Überalterung" oder "Vergreisung", so setzt LEHR demgegenüber auf eine positive Sicht des "funktionalen Alters", das die altersgruppenspezifische Sichtweise von "jungen Alten" und "alten Alten" überwinden soll. In Zukunft wird es auch beim Altern um einen Kulturkampf gehen. LEHR grenzt die beiden Lager des positiven Denkens gegeneinander ab:

"Dabei sollten Slogans wie »kompetent älter werden«, »alt und fit« im Vordergrund stehen, nicht aber »For ever young«- und »Anti-aging«-Strategien".

 
       
   
Im Vorfeld der anstehenden sozialpolitischen Entscheidungen setzt sich die katholische Presse mit einem Spezal für eine bevölkerungspolitische Offensive ein. Der Polarisierer Herwig BIRG arbeitet daran die Bevölkerungspolitik salonfähig zu machen:

"Der Begriff Bevölkerungspolitik weckt bei manchen Deutschen böse Erinnerungen an die NS-Zeit. Ich finde aber, wir haben das Recht, das Wort vergangenheitsbereinigt zu gebrauchen. Es geht schließlich um Inhalte. Insofern kann man auch von demografisch orientierter Politik sprechen".

Für dieses Ziel, das auf eine Konvergenz von Neuer Mitte und Neuer Rechte hinausläuft,  würde er gerne den Schriftsteller Günter GRASS gewinnen:

"Nötig ist das Engagement der Elite, etwa von Schriftstellern und Künstlern. Die sollte man für eine demografisch orientierte Politik gewinnen, Günter Grass zum Beispiel".

Frankreich und die USA gelten den Befürwortern einer deutschen Bevölkerungspolitik als Vorbild. Österreich muss dagegen als Schreckensszenario herhalten. Solche internationale Vergleiche sind jedoch fragwürdig, denn sie vergleichen Nichtvergleichbares. Kein Land musste einen ähnlich dramatischen Einbruch der Geburtenzahl aufgrund politischer Entscheidungen verkraften wie Deutschland. Der Geburtenrückgang in der ehemaligen DDR Anfang der 1990er Jahre wird in der Debatte bewusst ausgeklammert.

Nimmt man die Debatten in den Ländern, die heute als vorbildlich gelten, dann zeigt sich, dass dort keineswegs eitel Sonnenschein herrscht. Sowohl Frankreich als auch die USA hatten Geburtenrückgänge zu verzeichnen. Auch dort wurden Singles als Sündenböcke missbraucht.

Gerne betonen die Demografen die Prognosefähigkeit ihrer Wissenschaft. Tatsächlich ist diese mehr als dürftig, denn der menschliche Faktor wird ignoriert. Verhaltensänderungen können - wie in den 1960er oder 1980er Jahren in Deutschland - die Prognosen wertlos machen.

  • ROLOFF, Eckart Klaus (2003): Balance dringend gesucht.
    Kontinent mit Defizit. Die EU nimmt zu und übersieht, dass der Schwund garantiert ist,
    in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.

  • ÖHLER, Andreas (2003): Mit Gyros und Platon auf besten Wegen.
    Lebendes Erbe. Unsere Welt im Wandel,
    in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.

  • RITZENHOFEN, Medard (2003): Adieu, Sorgenkinder.
    Frankreich. Europäische Rekordzahlen bei der Geburtenrate,
    in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.

  • MEIER-BERGFELD, Peter (2003): Jetzt gehn's sogar an die Pensionen.
    Österreich. Mit der alten Gemütlichkeit ist es endgültig vorbei,
    in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.

  • SIEMON-NETTO, Uwe (2003): Mütter mit College-Diplom.
    Dynamische Gesellschaft. Der Geburtenanstieg in den Vereinigten Staaten hat massive Auswirkungen auf die Wirtschaft,
    in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.

  • MEHLITZ, Johannes (2003): Am besten ist ein neues Bewusstsein.
    Die Deutschen von morgen. Herwig Birg sagt, wie Politiker und Bürger auf eine Bevölkerung zwischen Schwund und Wachstum reagieren sollten,
    in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.

  • WIEGAND, René (2003): Zahlen voller Leben.
    Mathematik. Was Demografen ausrechnen, hat oft schwere Folgen,
    in: Rheinischer Merkur Nr.17 v. 24.04.

 
       
   
Von der Spaßgesellschaft zur Angstgesellschaft?
 
       
   
  • DW (2003): "Sex and the City".
    Deutsche Männer bevorzugen Charlotte,
    in: Welt v. 23.04.

 
       
     
       
   
  • FRANKFURTER RUNDSCHAU (2003): Reformen müssen den Menschen Ängste nehmen.
    Wie sich die Parlamentarische Linke in der SPD-Bundestagsfraktion den Umbau der sozialen Sicherungssysteme vorstellt,
    in: Frankfurter Rundschau v. 23.04.

Hat Sigmar GABRIEL die Zielgruppen der 30 - 55jährigen rhetorisch befriedigt, so bietet die Parlamentarische Linke rhetorisch auch etwas für Jüngere und Ältere. Das Schlüsselkonzept heißt wie bei den Grünen Nachhaltigkeit. Das Papier ist angenehm vage verfasst, sodass sich möglichst viele rhetorisch geborgen fühlen dürfen. Leerformeln wie "Sicherheit im Wandel" sollen Ängste nehmen. Für Singles gibt es einen entscheidenden Satz:

"Wir halten die neuen (Hartz-) Regelungen (Zumutbarkeit und Sanktionsregelungen) in Verbindung mit den bestehenden Regelungen der Sozialauswahl für ausreichend".

 
       
   
Joachim ROHLOFF weiß bereits was am Ende beim Gerangel um die Agenda 2010 herauskommt: "Am Ende wird Peter Glotz (...) mit seiner Prognose richtig liegen: »Die werden an der einen oder anderen Stelle, dem einen oder anderen Detail sagen, das darf nicht sein, werden aber insgesamt dem Programm und dem Bundeskanzler das Vertrauen aussprechen, sodass die Regierung dann freie Hand hat, das zu machen was sie im Prinzip machen will und für richtig hält.«"
 
       
     
       
   
  • KNIPPHALS, Dirk (2003): Bildungsroman mit Landei.
    Hier kommt Lolle: mit einem Gegenentwurf zum Luder-Programm und zu den Bildern der Neuen Mitte aus den Neunzigern. Heute Abend startet die zweite Staffel von "Berlin, Berlin". Das ist die Vorabendserie, auf die sich derzeit alle einigen können,
    in: TAZ v. 22.04.

Dienstleistungsmetropole Berlin - Die Hauptstadt der Singles?
 
       
   
  • SIEMS, Dorothea & Cornelia WOLBER (2003): "Wir wollen die Einkommen der Frauen erhöhen".
    Steuerfreibeträge sollen gerechter verteilt werden - Welt-Interview mit Familienministerin Schmidt,
    in: Welt v. 22.04.

 
       
   
Der niedersächsische Wahlverlierer Sigmar GABRIEL propagiert einen dritten Weg zwischen den Dramatikern und den Blockierern und nennt seine Zielgruppe:

"es gibt in unserer Gesellschaft viele Partner der SPD, für die der Umbau des Sozialstaats wichtig ist. Nicht eine schwer zu ortende »Neue Mitte«, sondern die »alte Mitte« und die klassischen Verbündeten der SPD sind unsere Zielgruppen: Die jungen Familien und die beruflichen Leistungsträger zwischen Ende 20 und Anfang 50. Denn mit und für sie wollen wir Zusammenhalt, Verantwortung und Hilfsbereitschaft sichern und eine solidarische Gesellschaft erhalten".

 
       
   
FOCUS-Titelgeschichte: Die Single-Partner.
Lust und Frust von Fernbeziehungen. Und wie sie überhaupt funktionieren können
 
       
   
  • CASATI, Rebecca (2003): Marilyn Manson über Angst,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.04.

Marilyn Manson u.a. über Angst und Macht: Amerikaner lieben es definitiv, ihre Ängste zu spüren. Sie sind süchtig danach. Sie könnten nicht ohne die Schatten von Verbrechen, Unfällen, Krankheiten, der ganzen Hölle leben. Andere benutzen eben diese Ängste als Machtwerkzeuge, um die Massen zu kontrollieren. Wenn man ihre Ängste schürt, entwaffnet man sie gleichzeitig. Und dazu benötigt man Vogelscheuchen. Abschreckende Beispiele. Wenn man den Bösewicht ausgemacht hat, ist es ganz einfach, sich selbst zum Gutmenschen zu stilisieren. Aus Angst-Symbolen kann man Macht-Symbole machen, so wie ich es mit meinem Auftreten und meiner Musik gezeigt habe
Von der Spaßgesellschaft zur Angstgesellschaft?
 
       
   
  • TALBOT, René & Sylvia ZELLER (2003): Wunschkind.
    Hurra, die anonyme Geburt ist da. Ein Plädoyer für Adoption und gegen Zwangs-Elternschaft,
    in: Freitag Nr.17 v. 18.04.

 
       
   
  • Paula Fox - In fremden Kleidern

    • CONRAD, Bernadette (2003): Die wirklichen Zusammenhänge.
      Dunkelstellen des Glanzes. Die amerikanische Schriftstellerin Paula Fox wird am 22. April 80 Jahre alt,
      in: Freitag Nr.17 v. 18.04.

 
       
     
       
   
  • MARX, Reinhard (2003): Der Staat übernimmt Aufgaben, die er nicht erfüllen kann.
    Das ist der falsche Wege, sagt Bischof Marx: Der Einzelne muss selbst mehr tun!
    in: Rheinischer Merkur Nr.16 v. 17.04.

Das Osterwort kommt von Bischof MARX aus Trier:

"Was der Einzelne, was die kleine Gruppe, die Familie tun kann, das soll sie tun aus eigener Kraft, schon um der eigenen Würde willen. Wo Hilfe nötig ist, soll sie immer so ansetzen, dass sie eher dem Prinzip der Beteiligungsgerechtigkeit als der Verteilungsgerechtigkeit den Weg bahnt".

Subsidiarität heißt dieses katholische Umverteilungsprinzip.

 
       
   
  • Die SPD und die Sozialreform

    • SCHWENNICKE, Christoph (2003): In einer Schublade hübsch versammelt.
      Die Debatte über Sozialreformen verdeckt, dass sich die Linken in der SPD längst in zwei Lager aufgespalten haben,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.04.

Christoph SCHWENNICKE unterscheidet in Bezug auf die anstehenden Sozialreformen beim "linken Flügel" der SPD drei Fraktionen:
1) Die Gestaltungslinken
Hierzu zählt er Michael MÜLLER, Heidemarie WIECZOREK-ZEUL, Gernot ERLER, Ludwig STIEGLER,
Andrea NAHLES und Benjamin MIKFELD.
2) Die Blockadelinke
Hierzu zählt SCHWENNICKE die Initiatoren und Unterzeichner des
Mitgliederbegehrens von Ottmar SCHREINER bis Sigrid SKARPELIS-SPERK.
3) Die Wahlkampflinke
  • WRIEDT, Alexander (2003): Sanfter Aufstand.
    Ein paar linke Abgeordnete der SPD wollen mit einem Mitgliederbegehren Schröders Reformen verhindern. Der Kanzler kontert mit einem Sonderparteitag. Doch im Stillen wird an einer Einigung gearbeitet,
    in: Jungle World Nr.17 v. 16.04.

 
       
     
       
   
Wilfried HERZ, Jahrgang 1943, meint, dass die Bevölkerungsprognosen das einzig Sichere in den Katastrophenszenarien seien. Keine Ahnung, woher HERZ diese Gewissheit nimmt. Gerade revidieren die Bevölkerungswissenschaftler die Prognose einer weltweiten Bevölkerungsexplosion und auch die Prognosen Anfang der 1960er Jahre in Deutschland (z.B. Karl SCHWARZ 1963) lagen weit daneben. Selbst Mitte der 1980er Jahre wurden die Geburtenzahlen für die Jahrtausendwende von SCHWARZ & HÖHN weit unterschätzt. Offensichtlich sind Bevölkerungsprognosen NICHT das einzig Sichere in den Katastrophenszenarien, denn sie berücksichtigen keine Verhaltensänderungen.

Generationenbilanzen hält HERZ dagegen für fragwürdig, weil sie weder die künftige Produktivität noch das künftige Wachstum berücksichtigen. HERZ möchte deshalb den Fokus von der Versorgung im Alter zu den Wachstumschancen lenken. HERZ sieht zwar die soziale Ungleichheit INNERHALB einer Generation als entscheidend an, wenn er schreibt:

"Es geht nicht um einen Verteilungsstreit zwischen Alt und Jung, sondern es ist das uralte Problem der gerechten Verteilung zwischen Arm und Reich – unabhängig von der Generation".

Für seine weitere Argumentation bleibt dies jedoch folgenlos. Die Halbierung von Renten für Kinderlose lehnt HERZ nicht strikt ab, sondern es stört ihn nur, dass das gestiegene Armutsrisiko von Kinderreichen gegen die geringere Altersarmut ausgespielt wird. Die Konsequenzen des neu entstehenden Niedriglohnsektors werden nicht gesehen, wenn HERZ meint, dass zusätzliche Einzahler die Rentenkasse entlasten könnten. Im letzten Abschnitt plädiert HERZ dafür, dass Senioren länger arbeiten sollen. Aber nur, wenn attraktive Jobs bereitgestellt werden:

"Doch auch den Älteren, denen weitere Karrierestufen nicht mehr wichtig sind, müssen attraktive Jobs geboten werden, damit sie nicht vorzeitig auf Golfplätze, in Kleingärten oder nach Mallorca ausschwärmen. Wer eigenverantwortlich gearbeitet hat, will im Alter nicht zum Handlanger und Befehlsempfänger werden, nur um die Jüngeren in der Rentenversicherung zu entlasten".

Solche Neue-Mitte-Träumereien sind weit weg von der geplanten Niedriglohnsektor-Realität in Deutschland.

 
       
   
Die Bahn AG kennt seit Dezember keine finanzschwachen Alleinreisenden mehr, sondern nur noch zahlungskräftige Yuppies, die Familien subventionieren sollen. Als Alleinreisender passt man sich entweder dem neoliberalen Bahnkommunismus rücksichtslos an, oder man sucht nach Alternativen. Martin DOMMER stellt die Mitfahrzentralen als Alternative vor.
 
       
   
  • MÜLLER, Kai (2003): Der reine Wahnsinn.
    Seit 30 Jahren ein Kultalbum: Pink Floyds "Dark Side of the Moon" erscheint jetzt in einer Jubiläums-Version
    in: Tagesspiegel v. 16.04.

MÜLLER erinnert an das 73er Album "Dark Side of the Moon von Pink Floyd: "Für viele ist Pink Floyd seit dieser Platte nur noch das größte Missverständnis der Popgeschichte. Schon Johnny Rotten trug bei den frühen Auftritten der Sex Pistols ein T-Shirt, auf dem I hate Pink Floyd stand. Denn Pink Floyd, das war das kunstvoll Arrivierte, der Sieg des Corporate Designs über den Underground, das war Musik für den zweiten Bildungsweg – allen offen stehend, sogar denen, die nichts von ihr wollten, weil sie mit ihrem sozialen Aufstieg beschäftigt waren".
Jürgen Teipel - Punk in der BRD
 
       
   
  • HUISSELING, Mark van (2003): Vertikale Revolution.
    Tony Alva machte aus dem Skateboard ein Extremsportgerät. Mit 44 rast er noch immer durch die Wände leerer Swimmingpools in Kalifornien. Jetzt verfilmt Hollywood das Leben des coolsten Mannes auf dem Planeten,
    in: Weltwoche Nr.16 v. 16.04.

 
       
   

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Zu den News vom 01. - 15. April 2003

 
       
   
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