| |
|
[
News-Hauptseite
] [ Glossar ] [
Suche ] [ Homepage
] |
|
| |
|
Medienrundschau:
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
News vom
06. - 30. April 2004
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Zitat
des Monats:
"Sie
haben das Privileg, zu einer Generation zu gehören, die nicht
aufs Abstellgleis geschoben werden kann. Der Grund dafür ist
einfach: Die Alterspyramide erfährt eine dramatische Umkehrung,
die Tanne verwandelt sich in einen Atompilz.
Altwerden
als Massenphänomen wird vor allem die Industriegesellschaften
grundlegend verändern.
(...).
Während
diese Entwicklung gemeinhin als Schreckensszenario dargestellt
wird, das der Jugend ihr Recht auf Zukunft nimmt und generell
unfinanzierbar ist, birgt es für die Alten von morgen - und das
sind wir- ungeahnte Chancen.
(...). Die umworbene Masse ist automatisch die privilegierte
Klasse. Nur was uns interessiert, lässt sich verkaufen oder
politisch durchsetzen. (...).
Die
Investmentbank UBS Warburg vertritt die These, dass die
Gesellschaft zwar altert, aber alle davon profitieren. Da sich
in der Gruppe der heute 30- bis 49-Jährigen ein
überdurchschnittlich großer Anteil von Singles oder »Dinks«
(Double income, no kids) tummelt, ständen der Wirtschaft goldene
Zeiten bevor - ganz unabhängig von der US-Wirtschaft oder
strukturellen Reformen in Europa. Dinks und Singles geben ihr
Geld aus, statt es für die Nachkommen fest anzulegen.
Die
Rentendiskussion ist wie ein letztes Aufbäumen der Angstmacher."
(aus:
Martin Schacht "Die ewige Zielgruppe", 2004, S.12ff.) |
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
HIEB, Elvira & Paul URBAN (2004): Kampf den Betablockern!
Vor der nächsten Reformrunde,
in: Jungle World Nr.17 v. 14.04.
- Inhalt:
HIEB & URBAN machen schon einmal Vorschläge
für Steuern zur Rettung unserer
neuen Bourgoisie:
"Ein modernes, zukunftstaugliches und
»wetterfestes« (Franz Müntefering) Steuersystem muss sich allerdings
den grundsätzlichen Fragen des menschlichen Daseins widmen: Woher
kommen wir? Wohin gehen wir? Wie lange bleiben wir? Eine
Kopfpauschale bei Antritt des Lebens in Deutschland, zahlbar in den
ersten drei Monaten, wäre nicht zu viel verlangt, schließlich kommt
man danach in den Genuss großzügiger Sozialleistungen. Eine
Todesgebühr für Menschen, die im Alter unter 30 Jahren sterben,
könnte den Schaden minimieren, den ein verfrühtes Ableben der
deutschen Bevölkerungspyramide zufügt.
Im Sinne einer gesunden Entwicklung der deutschen Bevölkerung sollte
weiterhin über eine Kinderlosensteuer nachgedacht werden; Kinderlose
bemühen sich nicht ausreichend um den Erhalt des Sozialsystems und
belasten die Rentenkassen doppelt; eine zusätzliche Singlesteuer
könnte dem Egoismus in einer modernen Gesellschaft wie der deutschen
Einhalt gebieten.
Im Sinne der Generationengerechtigkeit wäre es angebracht, wenn sich
auch Heranwachsende an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen,
denn sie profitieren in hohem Maße von den heutigen Reformen. In
diesem Zusammenhang sollte über eine Taschengeldsteuer nachgedacht
und auch das Tabu der Kinderarbeit gebrochen werden. Viele Kinder
wollen arbeiten und sich im Rahmen eines Minijobs legal etwas
dazuverdienen."
|
|
| |
|
-
RUNDE, Peter & Reinhard GIESE (2004): Wer wird künftig Vater und
Mutter pflegen?
Kommentar zu den Reformvorschlägen der Rürup- und der
Herzog-Kommission für die Pflegeversicherung,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.04.
|
|
| |
|
-
KOHSE, Petra (2004): Kinder, Kinder!
Was Deutschland tun müsste, wenn es die jüngste Generation als Teil
der Gesellschaft ernst nähme,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.04.
- Kommentar:
Die FR möchte in ihrem Plus-Teil einen Mehrwert an
Analysen und Hintergründen liefern. Der Artikel von KOHSE hätte
jedoch eher auf die Meinungsseite gehört.
KOHSE mokiert sich über die Pläne
der SPD sich für mehr Tagesmütter einzusetzen, statt ein Recht auf
Kinderbetreuung in Krippen oder Kindergärten einzuführen:
"Familie wird im tiefsten Innern
der Volksseele noch immer als Gegensatz zur Öffentlichkeit
verstanden. (...). Biedermeierlich verstandener Protestantismus und
Reste faschistischer Mütterideologie wirken hier zusammen und noch
immer nach, wie Barbara Vinken in ihrem Buch Die deutsche Mutter schon
vor drei Jahren (...) deutlich gemacht hat. Jahrzehnte des
Feminismus konnten daran nichts ändern."
KOHSE sieht in Deutschland
nicht nur strukturelle (Franz-Xaver
KAUFMANN), sondern persönliche Kinderfeindlichkeit am
Werk:
"Immer wieder lässt sich feststellen,
dass Kinder in Deutschland spontan als Feinde betrachtet werden, als
Existenzbedroher und Störenfriede."
Diese Reaktionen könnten eher
die Konsequenz jener Volksumerziehung sein, die KOHSE vorschwebt,
wenn sie Vorrang für Eltern mit Kind bei Behörden oder die
"Bevorzugung von Kinder habenden Bewerbern bei gleicher
Qualifikation im Beruf" fordert.
Elinor BURKETT hat in dem
Buch "The Baby Boon" beschrieben, wie sich das Klima zwischen
Kinderlosen und Eltern in den USA durch eine singlefeindliche
Politik vergiftet hat. Ob dadurch potentielle Eltern, also Singles,
zum Kinderkriegen motiviert werden, ist eher fraglich.
In Zukunft werden aufgrund der
höheren Lebenserwartung immer mehr Menschen die eine lange Zeit
ihres Lebens als "Singles" verbringen.
Wer wie KOHSE Single-Dasein und
Elternschaft als sich ausschließende Lebensformen und nicht als
Lebensphasen begreift, der verfällt gerne auf veraltete Konzepte,
die unsere zukünftigen Probleme einer
Gesellschaft der Langlebigen nicht löst, sondern verschärft.
|
|
| |
|
-
SEMLER, Christian (2004): Ein Palindrom für Doofe.
Semlers kleine Wortkunde: Die CSU hat mitten im Kulturkampf den
"APO-OPA" rekrutiert. Sehr witzig,
in: TAZ v. 14.04.
- Kommentar:
Ex-Maoist SEMLER kann den CSU-Generalsekretär Markus
SÖDER nicht leiden.
Er belehrt die TAZ-Leser deshalb
erst einmal darüber, dass es Unsinn sei von
"Alt-68ern" ("grob gesagt die Jahrgangskohorte von 1938 bis 1948")
zu sprechen.
Zum Schluss kontert SEMLER
dann ein typisch rechtes Stereotyp (negativ) mit einem typisch
rechten Stereotyp (positiv):
"Fast überflüssig zu erwähnen, dass der
Großteil der APO-Aktivisten in keiner Weise dem Bild des
leistungsverweigernden, hedonistischen und egomanischen Tunichtguts
entsprach, das die rechte Propaganda von ihnen zeichnet. Sie waren
vielmehr fleißig, oft erfinderisch, sie waren rastlos tätig,
allerdings häufig in der falschen Richtung. Und sie handelten
altruistisch, stets auf das Gemeinwohl und nicht auf ihre eigenen
Interessen bezogen."
Es ist offensichtlich, dass die
Ex-Linke ihre Debattenhoheit längst verloren hat, wenn sie sich nur
noch durch die Übernahme rechter Gemeinschafts- und
Gemeinwohlideologien zu retten glaubt.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
PICKERT, Bernd (2004): "Utopisches Denken ist zyklisch".
1974 erschien Ernest Callenbachs Utopie "Ökotopia". Einiges,
Windenergie und Mülltrennung etwa, ist Wirklichkeit geworden. Anderes
nicht: Die große Abhängigkeit vom Auto, die Entwicklung vieler Städte
sind Rückschritte, sagt Callenbach - höchste Zeit für junge Autoren
mit neuer Vision,
in: TAZ v. 13.04.
- Inhalt:
PICKERT befragt Ernest CALLENBACH, Jahrgang
1929, zum Buch "Ökotopia" und was davon heute noch Bestand hat:
"Was
ist mit den politischen Vorstellungen und dem Verhalten der Leute in
Ökotopia? Das liest sich doch alles eher wie eine große
Hippiegemeinde der 70er.
Vielleicht klingt es so. Aber es ist ein Evolutionsgedanke
dahinter. Jede Gesellschaft entwickelt sich weiter. Und ich bin
überzeugt, dass eine Gesellschaft, deren Hauptbestandteile Neid,
Konkurrenz und Gemeinheiten sind, nicht überdauern wird. Sie braucht
andere, menschlichere Verhaltensweisen, um zu bestehen. Eine
Gesellschaft, in der die Menschen frei leben, hat - auch wenn das
heute schwer vorstellbar ist, weil der Ausschlag gegenwärtig in die
andere Richtung geht - nicht viel mit einer Hippiekommune der 70er
zu tun, sondern einfach mit natürlichen Konditionen der
Menschlichkeit. Wenn heute junge Leute das Buch lesen, sind sie
voller Hoffnung und Neid, und sagen, sie würden gern an so einem Ort
leben. Und wenn sie damit anfangen, sich in ihrem Umfeld auch nur
ein bisschen wie Ökotopianer zu verhalten, dann kommen wir da
vielleicht einmal hin."
|
|
| |
|
-
WESTPHAL, Gesche (2004): "Literatur muss hochinfektiös sein."
Feridun Zaimoglu ist der neue Samuel-Fischer-Gastprofessor an der
Freien Universität,
in: Tagesspiegel v. 13.04.
- Inhalt:
Feridun ZAIMOGLU u.a. über seine
Samuel-Fischer Gastprofessur:
"Das Konzept heißt »Literature to go«.
Ich werde Prominente aus dem öffentlichen Leben einladen, von
Redenschreibern über Pressesprecher bis zu Literaturkritikern und
Feuilletonisten. Sie können andere Gäste mitbringen und sich mit
ihnen auf dem Podium unterhalten. Sie können aus eigenen Büchern
vortragen, aus Lieblings- oder Hassbüchern zitieren – ohne Hoffnung
auf Honorar. Zugesagt haben bislang Maxim Biller und Volker
Weidemann. Eingeladen habe ich Verona Feldbusch. Henryk M. Broder,
Lilo Wanders. Auch Johannes B. Kerner, der ist jetzt mal dran! Ich
war bei Kerner. Jetzt will ich mal sehen, wenn er sich denn auf
dieses Spiel einlässt, wie er sich verhält, wenn er Rede und Antwort
stehen muss."
|
|
| |
|
-
SCHNEIDER, Rolf (2004): Auslaufmodell Familie?
in: Signale - Gedanken zur Zeit. Sendung des DeutschlandRadio
Berlin v. 12.04.
- Inhalt:
Im Gegensatz zu den gängigen Klischees
beschreibt SCHNEIDER die Geschichte der Familie nicht als Geschichte
des Niedergangs:
"Befindet sich die traditionelle Familie
in der Krise?
Ein Blick in die Geschichte beweist: Frauen und Kinder in Not gab es
auch früher schon, bloß das Angebot einer telefonischen Hilfe gab es
nicht, weil es das Telefon noch nicht gab. Wenn damals die
einschlägigen Konflikte im Familienkreis entschieden wurden, musste
dies nicht zu Vorteil und Nutzen des Hilfesuchenden geschehen;
Märchen, Volksballaden und andere literarische Zeugnisse erzählen
von Beispielen familiärer Grausamkeit und den daraus resultierender
Frustrationen. Die heutigen Hilfseinrichtungen mit ihren geschulten
Personal und ihrem berufsbedingten Altruismus sind dem in manchen
Fällen wohl vorzuziehen."
|
|
| |
|
-
WEIGUNY, Bettina (2004): Und ein Gläschen zum Dessert.
Deutschland vergreist. Die Geburtenrate erreicht den tiefsten Stand
in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Hersteller von
Baby-Produkten brauchen dringend eine neue Zielgruppe: Die Senioren.
Jedes fünfte Obst-Gläschen ißt bereits ein Erwachsener,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.04.
- Kommentar:
Der Artikel ist ein gutes Beispiel dafür wie
in Deutschland mit demografischen Daten Demagogie betrieben wird.
Die Bundesrepublik existiert für WEIGUNY
erst seit 1990, dem Jahr als zum ersten Mal statistische Daten für
Gesamtdeutschland erhoben wurden.
Durch den dramatischen
Geburtenrückgang in den neuen Bundesländern, wo sich die
Geburtenzahlen mehr als halbierten, kann man einen gesamtdeutschen
Geburtenrückgang von ca. 200.000 Geburten konstruieren.
Tatsächlich hätte die
Babynahrungsindustrie ohne die Wiedervereinigung einen wesentlich
geringeren Absatzmarkt gehabt.
1989 wurden in den alten Bundesländern ca. 681.000 Kinder geboren. Dies
müsste der Vergleichsmaßstab sein.
Inwieweit Deutschland die
niedrigste Geburtenrate hat, das muss sich erst noch zeigen.
Die
absoluten Zahlen sagen noch nichts über die Geburtenrate aus.
|
|
| |
|
-
DIEZ, Georg (2004): Die Macht singt ihre Lieder.
Falk Richter schreibt und inszeniert Stücke gegen das System - das
System bestraft ihn mit Erfolg und Berühmtheit,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.04.
- Kommentar:
Georg DIEZ passt die Entwicklung von Falk
RICHTER nicht.
Wahrheiten, dafür ist einzig
die Frankfurter Allgemeine zuständig! Wer es deshalb wagt, die
Medien zu kritisieren, der bekommt es mit der publizistischen Macht
von FAS/FAZ zu tun:
"Richter (trägt) eigene
Wahrheiten selbstgefällig vor sich her (...).
Falk Richter ärgert sich, wenn man ihm das sagt. Überhaupt schwankt
so ein Gespräch mit ihm ständig zwischen Angriff und Verteidigung,
zwischen Ernst und eben dem Lachen, mit dem Richter schnell auch
manche Konturen verwischt. Das liegt wahrscheinlich daran, daß sich
Richter wie fast kein anderer Dramatiker auf eine Art und Weise für
unsere trügerischen Medienwelten interessiert, die man nur durch
eine zwiespältige Faszination erklären kann, wobei der bequeme Ekel
siegt."
Wohin sollte sich Falk RICHTER
dagegen entwickeln?
"In »Amok. Weniger Notfälle«
ist das Unbehagen zu spüren, das in der bürgerlichen Welt herrscht.
Ein Zustand zwischen Kontrollzwang, Angstattacke und Gewaltexzeß".
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
PETERS, Maren (2004): Wie sie sich finden.
In Deutschland gibt es 7,5 Millionen Singles. Tendenz steigend.
Partneragenturen sind gefragt wie noch nie,
in: Tagesspiegel v. 11.04.
- Kommentar:
In Deutschland leben ca. 13,5 Millionen
Alleinlebende. Wie PETERS auf ihre Teilmenge von 7,5 Millionen
Menschen kommt, das weis nur PETERS ganz allein.
Das Thema des Artikels ist die
Partnersuche, wobei nicht zwischen Online- und Offline-Partnersuche
unterschieden wird.
|
|
| |
|
-
CORSTEN, Volker (2004): Was geht uns das an?
Ostersonntag wird es hart: Bridget Jones kommt - und viele Männer
werden gezwungen, sie sich anzusehen. Eine Verständnishilfe,
in: Welt am Sonntag v. 11.04.
- Inhalt:
"»Bridget Jones ist eine von uns!« In der Riege der
modernen Frauen-Ikonen - alle aus dem Fernsehen - steht sie
schließlich für das bodenständige, normal-verrückte Wesen. Nicht so
neurotisch wie Ally McBeal, nicht so glamourös, schön und im Zweifel
zupackend wie die vier Schönheiten aus »Sex and the City« und nicht
so langweilig wie die Damen in »Friends«", meint CORSTEN.
|
|
| |
|
-
SPINNEN, Burkhard (2004): Der Republik hat es die Stimme verschlagen.
Nicht plaudern, reden! Ein Plädoyer für das Pathos,
in: Welt am Sonntag v. 11.04.
- Kommentar:
Der Schriftsteller
Burkhard SPINNEN
entdeckt den Populismus:
"den Verzicht auf Rhetorik und Pathos
konnten wir uns nur so lange leisten, wie wir reich waren. Da nun
aber unsere Wirtschaft erschüttert ist, da rächt es sich, dass wir
die politische Rhetorik auf den Index gesetzt haben."
Fragt sich nur. Welches WIR war
reich und ist nun angeblich nicht mehr reich?
Wenn es in Deutschland
Intellektuelle gäbe, dann wäre es deren erste Intellektuellenpflicht
die aktuelle Krisenrhetorik zu hinterfragen und nicht, wie SPINNEN,
zu verdoppeln.
|
|
| |
|
-
GÜNTNER, Joachim (2004): Wir Alten müssen zusammenhalten.
Frank Schirrmacher schmiedet ein "Methusalem-Komplott",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 10.04.
- Kommentar:
GÜNTNER, gerade einmal 3 Jahre jünger als
SCHIRRMACHER, vermerkt zuerst einmal, dass selbst das Hamburger
Institut für Sozialforschung die Bevölkerungspolitik entdeckt hat,
um dann SCHIRRMACHER vom Verdacht, Bevölkerungspolitik betreiben zu
wollen, frei zu sprechen.
Dies ist jedoch nur die halbe
Wahrheit. SCHIRRMACHER plädiert zwar nicht für eine
Bevölkerungspolitik, aber nur deswegen, weil er der fatalistischen
Überzeugung ist, dass Bevölkerungspolitik nicht in der Lage
ist, den kommenden demografischen Konflikt einzudämmen.
Dies sehen die Verfechter einer
dezidierten Bevölkerungspolitik bekanntlich ganz anders. Indem
SCHIRRMACHER den kommenden demografischen Konflikt en detail zum
Horrorszenario aufbläht, liefert er den Bevölkerungspolitikern die
notwendigen Argumente. SCHIRRMACHER arbeitet damit letztlich den
Hardlinern unter den Bevölkerungspolitikern in die Hände.
GÜNTNER sieht im
"Methusalem-Komplott" dagegen eine "Initiative zur Positivierung
der über das Alter kursierenden Bilder und Selbstbilder."
|
|
| |
|
-
GAPP, Christian (2004): Paradox einfach.
Politik und Wirtschaft werden immer komplexer. Seit Jahren wird
dennoch vor allem mehr individuelle Eigenverantwortung gefordert,
in: Telepolis v. 10.04.
- Inhalt:
"Wieso sollten Politiker ein Interesse daran haben,
Menschen zu demotivieren? Weil die Verbindung von Demotivation und
Eigenverantwortung dazu führt, dass Menschen die Gründe für ihr
Scheitern individualisieren und deshalb nicht versuchen werden, sich
politisch zu artikulieren. Gefährdet, der
Eigenverantwortungs-Propaganda zu erliegen, sind nicht zuletzt die
gut Gebildeten, die hinter ihren Zielen zurück geblieben sind. So
kann es der Politik gelingen, relativ einfach von ihrem eigenen
Versagen gegenüber den überindividuell-komplexen Herausforderungen
abzulenken", behauptet GAPP, der sich u.a. kritisch mit dem
Artikel von Elisabeth NIEJAHR in der ZEIT
auseinandersetzt.
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
ROHDEN, Tilman von (2004): Keine intellektuellen Versager.
Langzeitstudenten haben oft psychosoziale Defizite und wenig
konkrete Berufsperspektiven. Dennoch ist Druck der falsche Weg, denn
fachliche und psychologische Betreuung ist individuell wie
gesellschaftlich erfolgversprechender
in: TAZ v. 10.04.
- Inhalt:
ROHDEN relativiert die Ergebnisse von
Werner HABERMEHL
anhand einer Göttinger Studie:
"Eine
kürzlich abgeschlossene Studie der Universität Göttingen weist jetzt
nach, dass Langzeitstudenten nicht nur Häme und Spott als ständigen
Begleiter kennen, sondern häufig auch unter erhöhtem Leistungsdruck
leiden und mit psychosozialen Defiziten kämpfen.
Die Studie greift auf Befragungen von Studenten mit 14 oder mehr
Hochschulsemestern zurück, die sich in der ärztlich-psychologischen
Beratungsstelle der Universität Göttingen gemeldet haben.
Auffällig ist, dass männliche Studenten offensichtlich größere
Schwierigkeiten haben, ihre akademische Ausbildung zu bewältigen.
Immerhin waren 60 Prozent der Ratsuchenden männlich. (...).
Auffällig seien Langzeitstudierende auch, weil sie verstärkt
psychosoziale Defizite haben. (...). Hinzu komme, dass die
Betroffenen ein vermindertes Selbstwertgefühl und vermehrt Probleme
mir ihren Partnern hätten. Andererseits lebt ein nicht unerheblicher
Teil der Befragten in festen Beziehungen.
Es zeige sich auch, dass Langzeitstudenten zu Unrecht als faul
gelten."
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
BÖHMER, Daniel-Dylan (2004): "Es wird eine Armut geben, die Empörung
auslöst".
Interview mit Christoph HEIN,
in: Spiegel Online v. 09.04.
- Inhalt:
Christoph HEIN über die
Angst vor dem Absturz:
"Es ist nicht die Armut selbst, sondern
die Angst davor zu verarmen. Wir haben heute eine hohe
Arbeitslosigkeit. 8 bis 9 Prozent im Westen, 20 bis 50 Prozent im
Osten. Ein Großteil der Bevölkerung hat Arbeit, aber die Bedrohung
der Arbeitslosigkeit macht diesen 80 Prozent Angst. Angst
dazuzugehören, zu denen, die weniger haben. Solange man noch nicht
dazugehört, will man mit 'denen' nichts zu tun haben. Man ahnt, man
kann ganz schnell dazugehören. Und jede Art der Nähe, mental oder
räumlich, physisch oder geistig scheint den Weg in die Armut zu
begünstigen. Es ist ein Hass auf eine Bedrohung, eine Bedrohung des
Individuums."
|
|
| |
|
-
VAUPEL, James W. (2004): Deutschlands größte Herausforderung.
Wider die demografische Ignoranz: Unsere Lebensläufe und die
unserer Kinder werden sich ändern, weil das Leben länger dauern wird,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.
- Kommentar:
Der US-amerikanische Demograf VAUPEL, der an
der Universität Rostock Honorarprofessor ist, gibt sich erstaunlich
selbstkritisch:
"Im Gegensatz zur begrenzten Zahl konstruktiver
Beiträge ist ein Großteil der jüngsten Diskussion über die
Bevölkerungsentwicklung geprägt von Übertreibungen,
Schreckensszenarios, uniformierten Spekulationen und Fatalismus".
VAUPEL wirbt für eine verstärkte demografische
Forschung.
Im Gegensatz zu
Herwig BIRG formuliert VAUPEL das
Kinderlosenproblem wesentlich vorsichtiger:
"Vermutlich haben sich manche jüngere Deutsche noch
nicht gänzlich gegen Kinder entschieden, sondern schieben ihren
Kinderwunsch lediglich auf, weshalb die zukünftigen Geburtenraten
etwas steigen und durchschnittlich 1,5 oder 1,6 Kinder pro Familie
betragen könnten. Allerdings bleibt ein Viertel der jungen Deutschen
bis zum Alter von fünfzig Jahren kinderlos, während drei Viertel die
notwendige Zahl von zwei Kindern erfüllen."
VAUPEL, Jahrgang 1945 und selbst ein später Vater,
kennt die Probleme offenbar aus eigener Erfahrung und ist deshalb
aufgeschlossener als unsere deutschen Bevölkerungswissenschaftler.
Während Sozialpopulisten
behaupten, dass nur schnelle Reformen gute Reformen seien, behauptet VAUPEL, dass das Zeitfenster für Reformen länger offen sei:
"Es gibt einen zeitlichen Spielraum für die Reformen.
Der Umbau sollte zwar umgehend beginnen, kann sich aber auf die
nächsten Jahrzehnte erstrecken."
VAUPEL hofft, dass rege Forschung politische
Entscheidungsfindung erleichtert.
Man würde sich wünschen, dass deutsche
Bevölkerungswissenschaftler ebenfalls selbstkritischer wären und
nicht ihr Heil in Demagogie suchen würden.
Langfristig führt dies zu einem
Glaubwürdigkeitsverlust. Spätestens wenn die Geburtenrate stärker
steigt, als von unseren Bevölkerungswissenschaftlern behauptet, wird
man sie zur Rede stellen. Und dann können sie sich nicht mehr damit
herausreden, dass dies nicht vorhersehbar war!
|
|
| |
|
-
ACHLEITNER, Ann-Kristin (2004): Die kinderlose Republik.
Das "Mutter-Sein" wird nicht gewürdigt - weil Kinder in unserer
Gesellschaft nur einen geringen Stellenwert haben,
in: Rheinischer Merkur Nr.15 v. 08.04.
- Kommentar:
ACHLEITNER beklagt sich darüber, dass der
Geburtenrückgang
zu keinem Aufschrei führt.
Obgleich ACHLEITNER als
Professorin für Unternehmensgründung an der TU München arbeitet,
plädiert sie nur scheinbar für die berufstätige Mutter:
"Berufstätige Frauen stoßen auf
eine Front von Vorurteilen und Negativreaktionen, die – anders als
vielfach postuliert – heute bestehen wie eh und je. Dabei ist es
angesichts der hohen Scheidungsraten zynisch, die Frage zwischen
Berufstätigkeit und Kinderbetreuung als reine Wahlentscheidung zu
begreifen, nach dem Motto: Das sind doch die, die mehr wollen. Viele
Frauen in Deutschland können nicht anders, als berufstätig zu sein,
obwohl sie Kinder haben."
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
NIEJAHR, Elisabeth (2004): Die kommende Armut.
Wenn die Politik weiterschläft, kehrt die Klassengesellschaft
zurück,
in: Die ZEIT Nr.16 v. 07.04.
- Inhalt:
"Es ist offensichtlich, dass der Konflikt zwischen
Jung und Alt den Gegensatz zwischen Arm und Reich nicht etwa
ablösen, sondern verschärfen wird. Das gealterte Deutschland wird
ungleicher sein, weil es mehr zu vererben und weniger Rente geben
wird", erklärt Elisabeth NIEJAHR
|
|
| |
|
|
|
| |
|
-
STEGLICH, Philipp (2004): Der Griff in die Mottenkiste.
In einem neuen Buch über die Krise des Sozialstaats greift der
Ökonom Horst Afheldt auf vermeintliche Allheilmittel von gestern
zurück,
in: Jungle World Nr.16 v. 07.04.
- Inhalt:
STEGLICH wundert sich über eine neoliberal
daherkommende Neoliberalismuskritik:
"Gern zitiert Afheldt den Autor Meinhard
Miegel und dessen
Buch »Die deformierte Gesellschaft«. Miegel ist ehemaliger
Mitarbeiter des CDU-Politikers Kurt Biedenkopf und jetzt Sprecher
des »BürgerKonvents«, einer wirtschaftsfreundlichen Organisation,
die neoliberalen Ideen folgt und dennoch die autoritären Bedürfnisse
ihrer Mitglieder nicht vernachlässigt wissen möchte (Jungle World
23/2003). Dass Afheldt hier einen dubiosen Charakter, der genau die
von ihm verurteilte Politik á la »den Gürtel enger schnallen«
verfolgt, als Kronzeugen anführt, ist ein deutlicher Mangel des
Buches."
|
|
| |
|
-
-
AP (2004): Geburtenzahl sinkt erneut.
Bundesbürger werden weniger,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.04.
- Kommentar:
Obwohl die Überschrift eigentlich eine
Negativschlagzeile ist, sind die veröffentlichten Zahlen
sensationell:
"Nach den vorläufigen Ergebnissen der Behörde wurden
2003 rund 715 000 Kinder lebend geboren, das sind 9000 oder 1,3
Prozent weniger als 2002."
Ein solch geringer Geburtenrückgang ist
angesichts des dramatischen Geburtenrückgangs in den 60er/70er
Jahren nicht zu erwarten gewesen (siehe hierzu den
Kommentar zum Artikel von
Herwig BIRG). Zumindest wenn man
den offiziellen Verlautbarungen folgt.
Ohne eine starke Zunahme von
Spätgebärenden ist dies nicht erklärbar. 1969 wurden z.B. allein in
Westdeutschland ca. 90.000 weniger Kinder geboren als im Jahr 1970.
Trotz des Geburtenrückgangs
könnte deshalb erstmals die Geburtenrate nach oben weisen. Dies wäre
- aufgrund der wirtschaftlichen Situation - eigentlich doppelt
überraschend...
-
PPS (2004): Deutsche Kinderlosigkeit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.04.
- Kommentar.
Die FAZ verspricht Hintergründe zum aktuellen
Geburtenrückgang.
Dazu präsentiert man den
Bevölkerungswissenschaftler
Jürgen DORBRITZ. Keine der Fragen, die Kinderlose interessieren
könnten, werden jedoch gestellt, geschweige denn beantwortet.
Unsere
Bevölkerungswissenschaftler stellen sich taub. Es werden weiterhin die
nicht mehr haltbaren Zahlen der Vergangenheit verteidigt.
Kein Wort darüber, dass
Gert HULLEN anhand des Münchner Familiensurvey die Daten der
Bevölkerungsfortschreibung widerlegt hat. Der Anteil der in den 60er
Jahren geborenen kinderlosen Frauen ist nach dieser repräsentativen
Befragung um die Hälfte niedriger als es die Zahlen der amtlichen
Statistik ausweisen.
Solange dies nicht in der
Öffentlichkeit diskutiert wird, sind unsere deutschen
Bevölkerungswissenschaftler nicht mehr ernst zu nehmen!
-
WEILAND, Severin (2004): Überalterte Gesellschaft.
Das Tabu Bevölkerungspolitik,
in: Spiegel Online v. 06.04.
- Kommentar:
Spiegel Online nutzt die Pressemitteilung des
Statistischen Bundesamtes, um eine aktive
Bevölkerungspolitik zu fordern.
Vom nationalkonservativen
Bevölkerungswissenschaftler
Herwig BIRG über
Susanne MAYER von der ZEIT bis zum ostdeutschen Hardliner
Thomas KRALINSKI
reicht das Spektrum der zitierten Sozialpopulisten, die mittels
Horrorszenarien die Biologisierung sozialer Konflikte betreiben.
|
|
| |
|
-
SCHULZ, Daniel (2004): Allein es fehlt der Glaube.
Was bleibt nach den Protesten gegen Sozialabbau? Auf jeden Fall
keine neue soziale Bewegung.
Vor allem die Jungen und Gebildeten zweifeln an den Zielen, die diese
Bewegung zu bieten hätte,
in: TAZ v. 06.04.
- Inhalt:
SCHULZ beschreibt die Demo gegen den Sozialabbau aus
der Perspektive der kritischen Ungebundenen. Das sind die "große
Menge der mobilen, gebildeten, städtischen Jungen", abwertend auch
als "Polityuppies" bezeichnet. Diese kritischen Ungebundenen können
sich gemäß SCHULZ weder für die Gewerkschafts- noch für die
ATTAC-Alternative zur Mitte-SPD so richtig begeistern.
|
|
| |
|
-
PFOHLMANN, Oliver (2004): Albtraum oder Stimmenvielfalt?
Die Literaturkritik im Zeitalter des Internets,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.04.
- Kommentar:
Blickt man in die FAZ, dann ist das Internet der Tod
der Qualitätszeitungen. Dies führt dann gewöhnlich zur Abwertung
dessen, was im Internet geleistet wird.
PFOHLMANN ist dagegen
souveräner. Er anerkennt, dass im Internet durchaus Beachtenswertes
zu finden ist und fordert seine Kritikerkollegen auf, die
Herausforderung anzunehmen:
"Äusserungen einer eher
schlichten Urteilskraft mögen in der Überzahl sein, doch finden sich
ebenso passable, ja erhellende Beurteilungen. In Einzelfällen und im
Lauf der Zeit kann eine solche Ansammlung von Leserkommentaren zu
einer Debatte anwachsen, die an Lebendigkeit jede
Fernseh-Kritikerrunde übertrifft. Überhaupt scheinen Ressentiments
nicht angebracht. Realisieren doch die Laienkritiker im Netz eben
jene Medienutopien, von denen einst Brecht und Walter Benjamin mit
Blick auf den Rundfunk noch vergeblich träumten: die Aktivierung der
Konsumenten."
|
|
| |
|
[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 01. - 05. April 2004
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die
Inhalte externer Internetseiten
|
|
| |
|
|
|
| |
|
[
Glossar ] [
Suche ] [ Homepage ] |
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|
| |
|
|
|