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Medienrundschau:
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News vom
07. - 11. April 2005
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Zitat
des Monats:
"Im
Netz steht die körperliche Vereinigung nicht am Anfang, sondern
am Ende des Kennenlernens.
Bilden sich heutige Beziehungen zunehmend aus Bettgeschichten,
steht das Liebesspiel im Internet notgedrungen nicht an erster
Stelle. (...).
Dem Jammern über die Last
der ungezügelten Lust und dem Klagen über eine Rationalisierung
der Romantik steht eine Vielfalt von neuen Qualitäten und
Chancen gegenüber. Und gerade der virtuelle Raum bietet dem
modernen Menschen maximale Möglichkeiten, seinen persönlichen
Weg in einer unübersichtlichen Gesellschaft zu finden, auch und
ganz besonders in der Liebe. So überlebt der Liebescode auch im
Zeichen der Massenmedien. Seine Form hat sich den aktuellen
Gegebenheiten angepasst: Die Liebe ist in den Zeiten des
Internets so pragmatisch geworden, dass sie wieder romantischer
werden kann".
(aus:
Christian Schuldt "Der Code des Herzens. Liebe und Sex in den
Zeiten maximaler Möglichkeiten", 2005, S.135) |
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MAGNUS, Ariel (2005): Die Sexmaschinen.
Eine neue Generation
grotesker Roboter verspricht diskrete Triebabfuhr auf High-Tech-Niveau
- absolut "gefühlsecht", ohne die lästigen Gefühle,
in: TAZ v. 11.04.
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MENG, Richard & Michael BERGIUS (2005): "Zeit für Kinder muss
Priorität haben".
Die CDU-Politikerin Ursula
von der Leyen über die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die
Strategie der Union,
in: Frankfurter Rundschau v. 11.04.
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WEIDERMANN, Volker (2005): Neues Deutschland.
Die Sehnsucht nach Pathos und heiligem Ernst: Der Schriftsteller
Uwe Tellkamp will keinen Spaß verstehen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.04.
- Kommentar:
Warum sind eigentlich die Verteidiger der
Ironie so vollkommen unfähig, dem Pathos etwas entgegenzusetzen?
Volker WEIDERMANN
schreibt zu Uwe TELLKAMPs Roman
"Der Eisvogel":
"Es ist ein
Revolutionsroman von Rechts. Ein Buch voller Pathos. Und
Ernsthaftigkeit. Und ohne Ironie. Ein Buch, in dem es um alles geht.
Um einen Mord unter Freunden. Um das Deutschland von heute. Um eine
radikale gesellschaftliche Wende, um das Ende der Demokratie. Um die
Sehnsucht nach einer neuen Elite. Sehnsucht nach einem Krieg.
Sehnsucht nach einer neuen Kunst. Nach Pathos. Nach einer neuen
Literatur. nach einem ganz neuen Leben."
WEIDERMANN beklagt,
dass es "niemanden in diesem Roman gibt, der all diesen
Terrorschaumschwadroneuren mal etwas entgegenzusetzen hätte. (...).
Im Gegenteil. Alles ist heiliger Ernst."
Wäre es nicht
die Pflicht von WEIDERMANN, dem etwas entgegen zu setzen, statt es
beim Klagen zu belassen?
Was macht aber
WEIDERMANN? Er zitiert aus
Ijoma MANGOLDs Hymne auf den Roman, ohne ihn zu nennen.
Er versucht
TELLKAMP lächerlich zu machen, z.B. ihn in die Tradition von
vergessenen Pathetikern zu stellen (z.B. Gerd GAISER).
Aber er zitiert
TELLKAMP:
"Er spricht von
»schmelzenden Gewißheiten« von »Kriechströmen«, die er wahrnehme auf
Partys, auf der Straße. Daß es einen großen Unterschied gebe
zwischen der öffentlichen und der veröffentlichten Meinung. Er sagt:
»Ich sehe, daß es rings um uns brennt«, er fragt: »Wie soll das hier
weitergehen?« und sagt über das Thema seines Romans: »Ich hatte das
Gefühl, das treibt alle um, die jungen Leute.« - »Und diese
Terrororgansiation, die ist doch aber ausgedacht?« fragt der
Moderator etwas beunruhigt. »Ich wünschte, das wäre so«, sagt Uwe
Tellkamp und senkt den Blick auf den Tisch vor sich."
Warum wirkt
WEIDERMANNs Ironie hier so vollkommen deplatziert?
Der größte Fehler der
Ironiker ist, dass sie die Pathetiker nicht ernst genug nehmen. Nicht
umsonst hat BUSH in Amerika die Wahlen gewonnen. Und in Deutschland
hat Rot-Grün nicht
einmal mehr im eigenen Lager den nötigen Rückhalt. Ganz davon
abgesehen, dass Rot-Grün nur noch formal regiert, tatsächlich aber
von der Opposition die Themen diktieren lassen muss.
WEIDERMANN agiert
genauso hilflos wie
BARTELS in der TAZ. Beide mögen sich im Zeichenkosmos der
Popkultur zurecht finden, aber wenn sie ihn verlassen müssen, sind
sie hilflos und blind! Hat jemand Hitler ernst genommen, bevor er an
der Macht war?
Nicht dass die
Patheker mit ihrer Lagebeschreibung recht haben ist das Problem,
sondern dass die Ironiker ihnen die Lagebeschreibung gänzlich
überlassen haben.
Pathetiker müssen
ernst genommen werden. Setzen wir ihnen also eine
andere Lagebeschreibung entgegen...
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- DOTZAUER, Gregor (2005):
Schmitteinander.
Der ungeheuerliche Staatsrechtler aus Plettenberg,
in: Tagesspiegel v. 10.04.
- Inhalt:
Gregor DOTZAUER listet auf, wer mittlerweile Gefallen
am Dezionismus eines Carl SCHMITT findet:
"Was
Schmitts Aktualität ausmacht, wissen Linke vermutlich am besten. Und
keiner weiß es besser als Jürgen Habermas. In Schmitt hat er den
entscheidenden Widerpart seiner Vision von der Verrechtlichung aller
zwischenstaatlichen Verhältnisse erkannt. Schmitts
Freund-Feind-Dichotomie lehnt er ebenso ab wie die Überlegenheit des
Rechts über das Gesetz. Schmitt begründet sie in seiner
Souveränitätstheorie mit der Fähigkeit, jenseits der politischen
Ordnung den Ausnahmezustand verhängen zu können: Was zählt die Norm
gegen ihre Durchbrechung.
Die Faszination dieses anarchischen Denkens ist politisch gut
verteilt. Schon Rudi Dutschke rüstete sich für seine
Stadtguerilla-Träume mit Schmitt-Lektüre. Dass sein APO-Kombattant
Günter Maschke heute Schmitts eifrigster Schüler ist und gerade
dessen Aufsatzsammlung »Frieden oder Pazifismus? Arbeiten zum
Völkerrecht und zur internationalen Politik 1924 –1978« (Duncker &
Humblot, Berlin 2005, 98 €) herausgegeben hat, zeigt, wie unscharf
die Trennungslinie ist. (...).
Andere Fans sind Wohlstandsintellektuelle,
die ihre Angeödetheit vom Sozialstaat mit kessen Ausfallschritten
zur Schau stellen, dazu ein Zitat von Ernst Jünger auf den Lippen"
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- KAISER, Andrea (2005): American
Beauties.
Was treibt Frauen über 40 um, die im perfekten Vorort leben? Die
US-Serie "Desperate Housewives" zeigt es,
in: Tagesspiegel v. 10.04.
- Kommentar:
Wer noch nichts von "Desperate Housewives"
gehört hat, der kann unmöglich in Deutschland leben.
Mit viel Werbeaufwand wird die
Serie hierzulande als Fortsetzung von
"Sex and the City" gepriesen.
KAISER sieht das ganz anders:
"Anders als PR-Strategen gern behaupten,
ist die Serie denn (...) keine Fortsetzung des Lebens der
Städterinnen nach der »Sex-and-the-City«-Phase. Die Hausfrauen bei
»Sex and the Suburbs« (»Newsweek«) sind um die 40 und haben zum Teil
Kinder im Teenageralter. Das heißt: seit 15 Jahren tagsüber Küche
statt Kolumne. Abends mit den Nachbarn Barbecue statt Bars. Und im
Zweifel lieber Clogs statt teurer Haxenbrecher von Manolo Sowieso.
Bildete die New Yorker Serie etwas vom demokratischen,
großstädtischen Clinton-Amerika und seinen liberalen Idealen ab, so
sind wir bei »Desperate Housewives« mitten im Bush-Land angekommen."
"Desperate Housewives" hat nur
eine Botschaft: Seid froh, dass es Euch nicht ganz so dreckig geht.
Seid zufrieden mit Euren
banalen Reihenhaussiedlungssorgen. Mediale Beruhigungspillen für die
Hartz-Gesellschaft...
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- ANKOWITSCH, Christian (2005): Zehn
Jahre jünger.
Auszüge aus dem Tagebuch
eines Mannes in den besten Jahren oder warum die 45-Jährigen
melancholisch sind und nicht erwachsen werden können
in: Der
Standard v. 09.04.
- Kommentar:
ANKOWITSCH, Jahrgang 1959, malt das Bild einer
"schönen jungen welt", aber die
Lebenslüge der Vierzigjährigen kulminiert bereits in einem einzigen
Satz, der die Lesart von ANKOWITSCH grundsätzlich in Frage stellt:
"Wir wissen, dass es
zu viele von uns gibt und daher keiner auf uns wartet."
Die
gesellschaftliche Überflüssigkeit wird von den Vierzigjährigen zum
"Talent zur Vorläufigkeit" verklärt.
Die
Individualisierungsthese liefert den Rohstoff für jene, die noch
über Ressourcen verfügen, um sich an die Illusion einer Bohème zu
verschwenden. Dieses
Milieu schmilzt jedoch dahin...
- HILPOLD, Stephan (2005): Discolounge
statt Reihenhaus.
Generationendebatte neu:
Der Aufstand der Vierzigjährigen, die nicht erwachsen werden wollen,
in: Der
Standard v. 09.04.
- REBHANDL, Bert (2005): Die Generation
Fels.
Der adoleszente
Vierzigjährige ist der eigentliche Star des Hollywood-Kinos,
in: Der
Standard v. 09.04.
- EIDLHUBER, Mia (2005): Die Alten
kommen.
Unternehmen entdecken den
Arbeitnehmer "40+" neu - sie müssen auch,
in: Der
Standard v. 09.04.
- Kommentar:
Die
"schöne junge welt" muss als
Zurichtung der Nach-68er-Generationen für den neuen Arbeitsmarkt der
jungen Alten gelesen werden, das legt EIDLHUBER nahe:
"Die
Babyboomer tun heute gut daran, sich Zeit ihres Lebens auf den
Jogging-Pfaden fit zu halten, denn sie sind die erste Generation,
die man nicht in Frühpension schicken wird"
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ALTMEYER, Martin (2005): Na, wie bin ich?
Früher hatten wir Neurosen,
die in all ihrer Zwanghaftigkeit letztlich auch unser Selbst
konstituierten. Heute haben wir keine solchen Störungen mehr - aber
auch keine wirkliche Identität. Ein Fortschritt?
in: TAZ v. 09.04.
- Inhalt:
In einem Streifzug durch die historischen,
psychoanalytisch inspirierten Diskurse des 20. Jahrhunderts werden
von
Martin ALTMEYER die populären
Sozialcharakter-Typologien erwähnt, die mittlerweile ein Update
durch die Debatte um die Mediengesellschaft erfahren haben:
"Die
Zeiten ändern sich - und mit ihnen die Diskurse und Zeitdiagnosen.
Hatten in den 40er-Jahren Wilhelm Reich, Adorno und Horkheimer den
faschismusanfälligen »autoritären Charakter« entdeckt, übernahm in
den 70ern die konsumanfällige »narzisstische Persönlichkeit« die
Rolle des vorherrschenden Sozialcharakters: Als
»neuer Sozialisationstyp« (Thomas Ziehe) hatte der orale Flipper
den analen Scheißer abgelöst.
Kaum eine Generation später sind statt Selbstbezogenheit und
Vereinzelung Begriffe wie Interaktion, Vernetzung, Medialisierung zu
zeitdiagnostischen Schlüsselwörtern geworden. Und im Dauerdiskurs
über Individuum und Gesellschaft zeichnet sich der nächste
Paradigmenwechsel ab: Das Subjekt löse sich auf in den virtuellen
Welten der Mediengesellschaft."
ALTMEYER kommt
zu dem Schluss, dass nicht mehr Sex, sondern Identität das
Hauptproblem Nr.1 ist:
"Epidemiologische
Untersuchungen zur mentalen Verfassung westlicher Gesellschaften
stimmen darin überein, dass im Verlauf des 20. Jahrhunderts eine
epochale Verschiebung in den psychopathologischen Störungsmustern
stattgefunden hat. Selbstwert- und Bindungsprobleme, diffuse Ängste
und depressive Verstimmungen, Süchte und Perversionen, so genannte
Borderline-Persönlichkeitsstrukturen und narzisstische Störungen
haben zugenommen. (...). Entsprechende Zeitdiagnosen, ob
psychoanalytischer, sozialwissenschaftlicher,
entwicklungspsychologischer, sexualmedizinischer oder
familiensoziologischer Provenienz teilen einen Kernbefund: Nicht
mehr Sexualität, Identität ist nun das seelische Hauptproblem."
ALTMEYER
diskutiert anschließend die Ansätze von Reimut REICHE, Alain
EHRENBERG und Georg FRANCK, um am Schluss zu seiner vielfach
vorgetragenen These zu gelangen, dass der Mensch auf intersubjektive
Anerkennung angewiesen sei.
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MERKEL, Andreas (2005): Bekannte fürs Leben.
Ein Buch für Menschen, denen
Harald Schmidt zu prollig ist und die lieber bei der Lektüre
der "Buddenbrocks" ablachen: Hans Pleschinski legt mit "Leichtes
Licht" eine Anti-Novelle vor,
in: TAZ v. 09.04.
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FEDDERSEN, Jan (2005): Das Heldentum der Arbeiterklasse.
Max von der Grün war einer
der erfolgreichsten Schriftsteller der Nachkriegszeit. Mit seinen
Büchern wurde er zum Chronisten einer versunkenen Kultur - der des
deutschen Proletariats. Vorgestern ist er in Dortmund im Alter von 78
Jahren gestorben,
in: TAZ v. 09.04.
- Inhalt:
FEDDERSEN beschreibt den gesellschaftlichen
Kontext, in dem sich die Literatur von
Max von der GRÜN
bewegte:
"Das
Ruhrgebiet bot eine perfekte Topografie, um Träumen wie seinen Stoff
zu geben: Eine Region, in der die proletarischen Traditionen der
Arbeiterbildungsvereine noch lebten; in der viele bei Stalins Tod
Anfang der Fünfziger weinten und man alles Bürgerliche für dekadent,
korrupt, ausbeuterisch - und verräterhaft hielt. Eine
Parallelgesellschaft im Wirtschaftswunderland, die zugleich durch
immer höhere Produktivität sich selbst abzuschaffen begann: Das
Ruhrgebiet stand damals quasi Sekunden vor seiner Zerstörung als
Proletensoziotop - und seiner Renaissance als Dienstleistungs- und
also Angestelltenparadies."
FEDDERSEN
vermisst angesichts der fünf Millionen Arbeitslosen in Deutschland
einen Schriftsteller wie Max von der GRÜN, der
"über das Leben unterhalb der
Caffè-latte-Schaumkrone" erzählten könnte.
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VATES, Daniela (2005): "Kinderlose stärker belasten".
JU-Chef Mißfelder über die neue CDU-Familienkommission,
in: Berliner Zeitung v. 09.04.
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KORTMANN, Christian (2005): Wir müssen leider draußen bleiben.
Die Generation Praktikum und die Diskriminierung durch "Rankism",
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.04.
- Kommentar:
"Generation
Praktikum.
Die Zeit widmete ihr
kürzlich das Titelthema, und anders als bei früheren
Generationsbefunden ist der Begriff diesmal handfest und überfällig,
denn er definiert nicht nur ein diffuses Lebensgefühl, mit dem sich
über Lifestyle-Medien Produkte vermarkten lassen.
Es gibt immer mehr späte Berufsanfänger und ewig unbezahlte
Praktikanten, Legionen von sich mit Gelegenheitsjobs
durchschlagenden kinderlosen Akademiker-Desperados,
die zwar oft
verzweifelt sind, sich dafür aber in den guten Momenten wie
Bohemiens fühlen dürfen.
Fraglich ist, ob der Begriff die Öffentlichkeit so intensiv
beschäftigen wird wie etwa der der Generation Golf, schließlich
definiert er nur die Problematik einer diskriminierten Kaste, die
keine Lobby hat.
Das Erfreuliche an dem Zeit-Schwerpunkt ist also, dass einer
Gruppierung ein Forum gegeben wird, die sich schon damit abgefunden
hatte, dass niemand ihre Nöte erhört.
Schließlich sind die Probleme der Generation Praktikum nicht
existenziell: Unbezahlte Praktika muss man sich ja erstmal leisten
können – wirklich dreckig geht es erst dem, der jeden Job annehmen
muss",
erklärt uns KORTMANN etwas, das regelmäßigen single-dasein.de-Lesern
längst bekannt ist.
Rankism oder
deutsch Status ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Gesellschaft. Was
KORTMANN hier beschreibt ist das Problem der Statusindifferenz.
Bei der
unsäglichen Debatte um die Kinderlosigkeit der
Akademikerinnen und vor allem bei der Einengung auf das
Thema Elterngeld, werden genau jene kinderlosen Akademiker(Innen)
ausgeblendet, die bei KORTMANN im Mittelpunkt stehen.
Statusinkonsistenz existiert familienpolitisch
überhaupt gar nicht! Einzig single-dasein.de hat immer wieder
darauf verwiesen, dass der berufliche Abschluss noch
lange nichts darüber aussagt, ob jemand auch einen entsprechenden
Beruf ausübt.
Aber wo sind die Studien?
Fehlanzeige! Das Familienministerium
beauftragt Gefälligkeitsgutachten um das
Yuppie-FAZ/SZ/FR/TAZ-Wahlklientiel zu ködern.
Tatsächlich ist jedoch die
Generation Golf selber schuld, denn hat sie sich nicht lange genug
selber als Bohemien entworfen?
Offenbar sind
das erste Zeichen eines Stimmungsumschwungs. Statusinkonsistenz wird
als Statusinkonsistenz bewertet und nicht mehr als
statusindifferenter,
bohemistischer Lebensstil
verklärt. Ein erster Schritt weg, vom
Individualisierungsirrtum...
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- HEIN, Jakob (2005): Die Geheimnisse der
großen Verführer: heute.
Mit Einfühlungsvermögen und Sensibilität kommt man gegen
Draufgängertum nicht an. Eine Erzählung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.04.
- Kommentar:
Ostdeutsches Update von "Liegen lernen".
Jakob HEIN erzählt 3 Geschichten des Scheiterns einer pubertären
Partnersuche, um dann nach einem Intermezzo mit virtuellen
Beziehungen (diesmal nicht www-mäßig, sondern vorgegaukelt) doch
noch die Frau fürs Leben zu finden.
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- ENCKE, Julia (2005): Kälte berührt.
Stadtwanderungen, III. Teil: Auf den Spuren eines großen Dandys,
Essayisten und Ästheten des Augenblicks. Im oberschwäbischen Wilfingen
lebte der deutsche Jahrhundertautor Ernst Jünger,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.04.
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- SZ (2005): Bevölkerung
wächst in Deutschland
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.04.
- Kommentar:
Die SZ berichtet über eine
Pressemitteilung der LBS-Research.
Dort hat man
die Bevölkerungsvorausschätzungen des Statistischen Bundesamt
überprüft und festgestellt, dass die Schätzungen bezüglich der
Bevölkerungsentwicklung seit den 90er Jahren viel zu pessimistisch
waren.
Daraus folgt, dass die
Bevölkerung im Jahr 2030 nicht auf 69,9 Millionen Einwohner
schrumpft, sondern auf 83,6 Millionen wächst. Ursachen sind die
verstärkte Zuwanderung nach 1989 und die steigende Lebenserwartung.
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- Kommentar:
Für die alte Mitte der FAZ ist die Sache klar: die
Kinder von Besserverdienenden sind mehr wert als andere, deshalb
soll Familienpolitik nicht mehr sozialpolitische
Umverteilungspolitik sein, sondern gezielte Geburtenförderung für
Elitenmütter. SCHMITT sieht das in der TAZ anders.
-
SCHMITT, Cosima (2005): Studie. Reiche Eltern sind die armen Eltern.
Akademiker mit Kindern profitieren wenig von staatlicher
Förderung. Die Familienministerin will gegensteuern,
in: TAZ v. 08.04.
-
SCHMITT, Cosima (2005): Ungleich ist nicht ungerecht.
Familienpolitik muss nicht alle Frauen erreichen,
in: TAZ v. 08.04.
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CAG (2005): Familienpolitik.
An Akademikern geht die finanzielle Familienförderung vorbei,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.04.
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- BULLION, Contanze von (2005):
"Nacktheit macht mir Angst".
Vanessa Beecroft stellt unbekleidete Models im Museum aus. Ein
Gespräch über Scham und Sexismus,
in: Tagesspiegel v. 08.04.
- Kommentar:
Wie Aldous HUXLEYs
"Schöne neue Welt"
im 21. Jahrhundert aussieht:
"Sie
nehmen Psychopharmaka. Wieso?
Weil ich versuche, ein regelmäßiges Familienleben zu haben. Als
Single konnte ich einfach melancholisch werden. Jetzt habe ich zwei
Kinder, eines acht Monate und eines drei Jahre alt. Da finde ich es
schöner, mich gut zu benehmen."
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FRASER, Nancy (2005): Frauen, denkt ökonomisch!
Für einen neuen Feminismus, der transnational agiert und soziale
Gerechtigkeit im Auge hat,
in: TAZ v. 07.04.
- Kommentar:
FRASER sieht den herkömmlichen Feminismus
gescheitert und fordert eine Neuorientierung.
Sie unterscheidet hierzu drei Phasen:
die feministische Bewegung von den 70ern bis zum Ende der 80er
Jahre, danach ab den 90er Jahren die identitätspolitische Phase.
Nun soll ein transnationaler
Feminismus für die Durchsetzung der sozialen Gleichheit sorgen.
Die von FRASER beschriebenen
Phasen sind nicht nur für den Feminismus bedeutsam, sondern sie
markieren auch die Wende im Single-Image (siehe hierzu auch den
Kommentar zum Beitrag von
Bettina RÖHL).
Mit der identitätspolitischen
Phase der Anerkennungspolitik wurden Singles zum Spielball zwischen
progressiven und traditionalen Lebensstilpolitiken.
Dies wurde bereits von single-dasein.de im
Thema des Monats Die Single-Lüge herausgearbeitet.
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MÜNKLER, Herfried (2005): Erkenntnis wächst an den Rändern.
Der Denker Carl Schmitt beschäftigt auch 20 Jahre nach seinem Tod
Rechte wie Linke,
in: Welt v. 07.04.
- Kommentar:
Herfried MÜNKLER preist das Denken
in Ausnahmenzuständen als Überwindung liberaler
Entscheidungsunfähigkeit:
"Schmitt
ist ein stilistischer Extremist. Daß er dem Ausnahmezustand einen
größeren Erkenntniswert für das Funktionieren der politischen
Ordnung beigemessen hat als der Normalität, ist das inhaltliche
Pendant dazu. (...). Man muß mit Schmitt nicht inhaltlich
einverstanden sein, um von seiner Art des Denkens fasziniert zu
werden. (...).
Schmitts Verachtung galt den korporatistischen Arrangements der
liberalen Gesellschaft und dem entsprechenden Politikverständnis.
Die endlosen Aushandlungsprozesse und Kompromißbildungen zwischen
den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und politischen
Akteuren haben ihn auch ästhetisch abgestoßen. (...). Die
Entscheidung (...) war für Schmitt die Essenz des Politischen. Darin
konnten ihm Rechte wie Linke folgen."
Unsere Gesellschaft wird
gerne als Konsensgesellschaft diffamiert, obwohl dem Neoliberalismus
eher das Denken in Ausnahmezuständen zu eigen ist.
Der Ausnahmezustand kommt
heute jedoch meistens im Gewande des Konsens einher.
Typisch für das Denken in
Ausnahmezuständen ist der Komplex des demografischen Wandels. Frank
SCHIRRMACHER ist wie Carl SCHMITT ein stilistischer Extremist.
Kein Anlass ist ihm zu schade, um
ihm nicht die Aura der
Irreversibilität,
der Katastrophe,
also des Zu-Spät zu verleihen. Einzig die Ausweitung des
Entscheidungsspielraums von Eliten fernab demokratischer Prozesse
steht hinter der Verbreitung solcher Horrorszenarien.
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DAVID, Catherine (2005): La machine à bébés.
Mettre au monde un enfant
sans complications ni fatigue, en louant un utérus artificiel
personnalisé... C’est l’hypothèse futuriste que développe le
biologiste Henri Atlan, dans un ouvrage passionnant et provocant qui
renvoie chacun d’entre nous à une question fondamentale: qu’est-ce que
la maternité?
in: Nouvel Observateur Nr.2109 v. 07.04.
- Kommentar:
Es gibt sie noch nicht, aber sie beschäftigt
bereits die Phantasie von progressiven und neokonservativen
Theoretikern: die künstliche Gebärmutter.
DAVID befasst sich im NOUVEL
OBSERVATEUR-Beitrag anlässlich des Buchs "L'Utérus artificiel" von
Henri ATLAN mit diesem Thema.
Vor ein paar Wochen hat der
Neocon Stanley KURTZ in der FAZ seine
antifeministischen Überlegungen zur künstlichen Gebärmutter als
Teil eines bevölkerungspolitisch motivierten Kulturkampf-Konzepts
dargelegt.
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Zu den News
vom
01. - 06. April 2005
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