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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 16 - 31. August 2002

 
       
     
   
Zitat des Monats:
"Einer meiner ersten bezahlten Jobs bestand in der freien Mitarbeit als Szene-Reporterin in der Frankfurter Prinz-Redaktion. Auch dort wurden Lifestyle-Trends gemacht beziehungsweise frei erfunden. Oder gab es sie wirklich? Man konnte nie sicher sein, was zuerst da war, der Trend oder die Idee des Trends."
(Katja Kullmann in "Generation Ally", 2002)
 
       
     
     
   
  • KNIPPHALS, Dirk (2002): Softies an der Macht.
    Die Intellektuellen in den Wochen des Wahlkampfs: Große Leidenschaftlichkeit kommt nicht auf. Zum Aufreger gerät allein Schröders Mythologisierung der Mitte. Und was, verdammt, waren noch mal die Berliner Republik und das rot-grüne Projekt?,
    in: TAZ v. 31.08.
    • Kommentar:
      KNIPPHALS kritisiert den Historiker Paul NOLTE, weil dieser das in der FAZ das Problem der Nachwuchs-Nichtnaturwissenschaftler zum allgemeinen Problem hochgespielt hat.

                  Dagegen hält er es lieber mit Heinz BUDE und dessen Intellektuellen-Schelte. Es geht dabei um die Überwindung der Errungenschaften der Bonner Republik und um eine Ablösung der Flakhelfer-Generation.
                  Verschwiegen wird von KNIPPHALS jedoch, dass BUDE darüber frustriert ist, dass seine Marke "Generation Berlin" z. Z. große Absatzprobleme hat. Dabei möchte BUDE so gerne Führer einer Jugendbewegung sein.
                  Beim Aufbruch zu neuen Ufern sind aber offensichtlich die sozial Schwachen auf der Strecke geblieben, weswegen jetzt selbst BUDE nicht mehr nur eine Politik für die sozial Starken fordern kann, sondern auch "Respekt" für die sozial Schwachen übrig hat.
                  Gefördert müssen jedoch in erster Linie sozial Starke werden, denn diese können abwandern. Sozial Schwache werden nur gewalttätig, weswegen Sicherheit bei der Elite der Neuen Mitte Thema Nr.1 ist (siehe hierzu das Interview von Heinz BUDE in der Frankfurter Rundschau vom 14.06.2002, auf das sich auch KNIPPHALS beruft).
 
   
  • GUTSCH, Jochen-Martin (2002): Sommerhaus, jetzt.
    Selbstbewusstsein verloren, Werte gesucht. Florian Illies weiß, warum die Generation Golf sich nun fragt, ob das Leben der Eltern glücklich macht,
    in: Berliner Zeitung v. 31.08.
    • Kommentar:
      Mit GUTSCH greift ein Angehöriger der Generation Golf in die Debatte um den Absturz seiner Generationseinheit der Modernisierungsgewinner ein, um - wie schon vor ihm Robert JACOBI in der SZ vom 07.08.2002 - seinen Generationsgenossen und sich selbst Mut zu machen. Er zitiert dazu Florian ILLIES:

                  "Es gab keinen politischen oder ideologischen Impuls. Wir wurden aktiv, als sich Engagement mit Geschäft verbinden ließ. Vielleicht war das ein Probelauf und es gibt in der nächsten Phase ein geläutertes Engagement. Aber das ist jetzt unsere Bewährungsprobe. Wir müssen Trotz zeigen und uns den Dingen stellen."
                  Und wie stellt sich GUTSCH diese Herausforderung vor?
                  "Wir nehmen uns nicht so wichtig. Wir schauen uns um. Wir beobachten, wie die anderen so leben. Unsere Vorgänger-Generationen. Dann suchen wir uns ein paar Sachen raus und bauen sie neu zusammen. So wie im Radio. Eine Sammlung der größten Hits der 70er, 80er und 90er. Und wir, wir werden dann das Beste von heute."
 
     
   
  • RÜHLE, Alex (2002): Ein Rock durch Deutschland.
    Der Volkskörper taucht aus dem Sprachschlamm auf,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.08.
    • Kommentar:
      Katastrophen sind angeblich gut für die Geburtenrate, was RÜHLE zur Prognose veranlasst:

                  "Schon jetzt spricht man im Osten davon, dass die Zusammenarbeit der Einheimischen mit den Bundeswehrregimentern Hand in Hand gehe mit intensiven Formen der Völkerverständigung: In neun Monaten erwartet man entlang der Deiche einen Babyboom."
 
     
   
  • DRIBBUSCH, Barbara (2002): Auf Stimmenfang mit Doris.
    Die SPD wirbt auf ihren Plakaten mit einem angestaubten Frauenbild,
    in: TAZ v. 30.08.
    • Inhalt:
      Ein Plakattipp von DRIBBUSCH für die CDU:

                  "Man stelle sich vor: Ein Wahlplakat mit Hiltrud Schröder, sie lässig am Pool, zwei junghübsche Männer um sie herum. Der Slogan: 'Trennen Sie sich von Gerhard Schröder! Ich habe das auch geschafft'. Dazu das CDU-Logo. Vielleicht könnte Stoiber noch als Kellner im Hintergrund agieren. Das Plakat wäre ein Renner"
 
   
  • HILLENKAMP, Sven & Henning SUSSEBACH (2002): Alles Müller?
    Klaus und Birgit Müller: verheiratet, ein Kind. Er geht zur Arbeit, sie bleibt zu Hause. Sind die Grünen zu normal geworden? Ein Hausbesuch bei Schleswig-Holsteins Umweltminister,
    in: Die ZEIT Nr.36 v. 29.08.
    • Kommentar:
      Homestory über die grüne Generation-Golf-Vorzeigefamilie von Klaus MÜLLER. Dagegen erscheint selbst die CDU-Familie von Katherina REICHE progressiv:

                  "Wollen Grüne kein uneheliches Kind mehr?
      Sie: Nein, wir wollten das ganz groß feiern, und das zu einer Zeit, in der mein Bauch noch nicht allzu dick war."
 
   
  • EEKHOFF, Johann (2002): Streichen statt streicheln.
    Die Reform von Rente und Gesundheit muss auch Besitzstände infrage stellen,
    in: Rheinischer Merkur Nr.35 v. 29.08.
    • Kommentar:
      "Zurzeit werden nur zwei Drittel der Kinder geboren, die erforderlich wären, um die Beiträge in der Rentenversicherung stabil zu halten. Tatsächlich dürften bei dieser Geburtenrate auch nur zwei Drittel der künftigen Rentenansprüche bei der nachfolgenden Generation geltend gemacht werden. Wer eine unveränderte Rente haben möchte, müsste ein Drittel selbst ansparen.
                  Noch besser wäre es, die Rentenansprüche sehr viel stärker von der Kinderzahl abhängig zu machen, sodass Eltern mit zwei Kindern weiterhin eine normale Rente aus dem Umlagesystem erhielten, während Kinderlose weitgehend darauf angewiesen wären, selber für ihre Altersvorsorge anzusparen" lautet das Credo von EEKHOFF.
                  Tatsächlich fehlt es jedoch nicht an Kindern, sondern an Beitragszahlern (siehe hierzu NIEJAHR in der ZEIT von heute). Solange nicht jeder Erwerbsfähige auch Beiträge zur Rentenversicherung leistet ist das Geburtendefizit ein Scheinargument, mit dem vom Problem der Erwerbsarbeitszentriertheit unserer sozialen Sicherungssysteme abgelenkt wird.
                  Das zweite Problem ist die Besitzstandwahrung für die 68er-Generation und ihre Vorgänger. Um deren Rentenansprüche im vollem Umfang zu gewährleisten, sollen alle nachfolgenden Generationen stärker belastet werden und die Kosten der Umstellung zahlen. Eine solche Praxis fordert den massenhaften Austritt aller jüngeren Generationen aus den sozialen Sicherungssystemen geradezu heraus.
 
   
  • NIEJAHR, Elisabeth (2002): Rentenlügner unter sich.
    Alle Parteien missbrauchen die Alterssicherung im Wahlkampf,
    in: Die ZEIT Nr.36 v. 29.08.
    • Inhalt:
      Elisabeth NIEJAHR weist auf den Zusammenhang zwischen fehlenden Beitragszahlern und Erwerbssystem hin:

                  "in Zeiten steigender Arbeitslosigkeit ist ein Anstieg der Lohnnebenkosten kaum zu vermeiden. Die frisch Entlassenen fallen als Beitragszahler aus, und für mehr Arbeitslose werden mehr Ausgaben fällig. Solange die Finanzierung der Sozialsysteme am Faktor Arbeit hängt, wird das so bleiben."
 
   
  • Berichte zur Veröffentlichung der neuesten Scheidungsstatistik

    • RAST (2002): Bayern und die Liebe,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 29.08.
    • FETTIG, Andreas (2002): Bedingt bindungsfähig,
      in: Neue Ruhr-Zeitung v. 28.08.
    • DPA/AP (2002): Berufsstress und überzogene Glückserwartungen lassen Ehen scheitern.
      Zahl der Scheidungen in Deutschland auf dem Höchststand. Nach vorgeschriebenem Trennungsjahr meist Einvernehmlichkeit,
      in: Frankfurter Rundschau v. 28.08.
 
   
  • KRAUSE, Tilman (2002): Allein sein im Geheimnis.
    Produktive Potenziale II: Der Rückzug auf sich selbst,
    in: Welt v. 29.08.
    • Inhalt:
      KRAUSE plädiert für das Alleinsein als einfache Methode der Konfliktbewältigung, die in den Zeiten der Außenleitung (RIESMAN) aus der Mode gekommen ist:

                  "Die Selbst-Konfrontation zählt schließlich zu den wenigen großen Abenteuern, die auch dem Mittellosen zugänglich sind. Wer sich ihr überlässt, wird in jedem Falle reicher. Reicher an Einsichten über das Menschsein. Und die kommen nicht nur dem Ich, die kommen dann sogar der Gesellschaft zugute."
 
   
  • LÜDKE, Martin (2002): Die Entdeckung der Anus-Vulva-Achse.
    Hans-Ulrich Treichels gehobener Unterhaltungsroman über den akademischen Trottel,
    in: Die ZEIT Nr.36 v. 29.08.
 
   
  • Neues von Douglas COUPLAND

    • KÜHL, Christiane (2002): Probleme mit der Familie?
      Douglas Coupland kennt sich aus. Er hat über familiäre Schwierigkeiten und über zahlreiche andere Plagen Nordamerikas einen sehr hilfreichen Roman geschrieben,
      in: Die ZEIT  Nr.36 v. 29.08.
    • FACTS (2002): Geklont statt verkorkst.
      Im neuesten Roman von Douglas Coupland nimmt sich der Starautor der Familie an. Eine Freakshow,
      in: Facts Nr.35 v. 29.08.
    • FRIEBE, Holm (2002): Schöne Flecken.
      Douglas Coupland: Beautiful Stains - Fotoprints. Eine Einführung,
      in: Jungle World Nr.36 v. 28.08.
    • COUPLAND, Douglas (2002): Zeitgeist.
      Douglas Coupland über seine Bilder
      in: Jungle World Nr.36 v. 28.08.
 
   
  • SHELL-Studie "Jugend 2002"

    • HARTMANN, Andreas (2002): Die Jugend von heute.
      Der junge Konsument ist nicht mehr das Lieblingskind der Werbung,
      in: Jungle World Nr.36 v. 28.08.
      • Inhalt:
        HARTMANN konstatiert das Ende des Jugendwahns, denn der Jugendliche gehört zu einer Minderheit. Da hilft nur die Flucht nach vorne:

                    "Schluss mit der Jugend, erwachsen ist man von Geburt an".
                    Von der Shell-Studie "Jugend 2002" hält HARTMANN nicht viel:
                    "am Ende (...) bietet sie einfach nur unendlich viele Antworten auf Fragen, die man selbst nie gestellt hätte."
    • KEIL, Frank (2002): Sieg der Enkelinnen.
      Die Shell-Studie bringt es an den Tag: Jungen müssen sich in Zukunft noch wärmer anziehen,
      in: Frankfurter Rundschau v. 28.08.
      • Kommentar:
        KEIL stellt die Interpretation der Ergebnisse der Shell-Studie in den Zusammenhang der Debatte um die Krise des Mannes.

                    Nach der von Matthias MATUSSEK lancierten Scheidungsväterkampagne ist das Ergebnis der neuen Jugendstudie endlich wieder ein Thema, das Balsam für die geschundenen Seelen des Modernisierungsopfers Mann ist. KEIL hält es dagegen mit Ulrich BECK, der dem Mann "verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre" attestiert hat und folgert deshalb:
                    "Deutlich mehren sich die Zeichen eines bevorstehenden mentalen Crashs: Die patriarchale Dividende, also jenes von dem australischen Männerforscher Robert W. Connell beschriebene Phänomen, dass noch der sozial weit abgeschlagene Mann vom öffentlichen Status des Mannes profitiert - real oder auch nur in der Phantasie -, sie wird ausgesetzt. Und zu der bedrückenden Ahnung, dass er selbst zu jener jetzt belegten Funktionsuntüchtigkeit der nach ihm kommenden Mitmänner beigetragen hat, gesellt sich etwas, vor dem er sich nicht wenig fürchtet: die blanke Häme."
 
   
  • LEGGEWIE, Claus (2002): Statt ins Abseits in die Mitte,
    in: TAZ v. 28.08.
    • Inhalt:
      Claus LEGGEWIE plädiert für eine Arbeitsteilung zwischen der Regierungslinke und der Bewegungslinken, um französische Verhältnisse in Deutschland zu vermeiden:

                  "Ein stärker arbeitsteiliges Verhältnis ist (...) geboten: Der Beitrag der Bewegungen besteht vor allem im Agenda- Setting, in Mobilisierung und Bereitstellung fachlicher Expertise, während Parteien in der Demokratie ihre klassischen Funktionen der Aggregation und Legitimation von Interessen ausspielen können. Die schlechtere Alternative ist, dass sich Regierungs- und Bewegungslinke in eine verschärfte Konfrontation begeben - um am Ende beide im politischen Abseits zu stehen."
 
   
  • RÜTHER, Tobias (2002): Von der Bühne gefallen, aber mitten im Parkett gelandet.
    Bestenfalls scheintot: Warum die anschwellenden Abgesänge auf die Popliteratur und ihren Journalismus ungerechtfertigt sind,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 27.08.
    • Inhalt:
      RÜTHER verteidigt die Popliteraten und -journalisten gegen ihre zahlreichen Kritiker:

                  "Was die Spex in ihrer Blütezeit zwischen 1985 und 1995 kultivierte, hat die heutigen Popjournalisten nachhaltiger geprägt als der amerikanische 'new journalism' (...).
                  Die Spex war stärker noch als Tempo ein Mittler. Hier fiel zuerst der Name Nick Hornby. Für die allerletzte, ungedruckte Ausgabe von Tempo war ein Interview mit dem damals noch unbekannten englischen Autor von 'High Fidelity' vorgesehen. Stünde heute ein neues Buch Nick Hornbys an, rissen sich sämtliche Magazine und Zeitungen Deutschlands um ihn. Das markiert den langen Marsch der Subkulturen vom Rand in die Mitte, den Diedrich Diederichsen, der deutsche Popjournalist par excellence, beschrieben hat. Popjournalismus ist heute überall. Wer jetzt den 'Tod des Popjournalismus' proklamiert, wer vom Scheitern der jungen Garde an den Kräften des Markts und der Tradition spricht, der bauscht auf, was eine mehr oder minder freundliche, undramatische Übernahme war."
 
   
  • FUCHS, Oliver (2002): Verwende deine Jugend.
    Der Punk-Sommer 2002 kumuliert in Familienzusammenführungen alter Recken und in den Ausbrüchen der Newcomer-Band "Mia",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 26.08.
    • Kommentar:
      Punk lebt! Das ist mittlerweile selbst bei der SZ angekommen und FUCHS darf deshalb Mia's Debütalbum "Hieb & Stichfest" als "Attacke auf die Popspaßgesellschaft", die aus dem "Herzen der Popspaßgesellschaft selber kommt" anpreisen.

                  Zu dieser Dialektik von Pop und Antipop war bei single-dasein.de schon letztes Jahr das zu lesen, was FUCHS nun verspätet nachreicht: den Zusammenhang zwischen Wirtschaftskrise und Anti-Pop:
                  "Punk war eine Explosion von Freiheit hoch oben am Himmel, die in einer Wolke aus Gelächter und Verzweiflung, Größenwahn und Selbstzerstörung auf die Erde herabsank. Die westlichen Industrienationen steckten in einer schweren Wirtschafts- und Identitätskrise, als Punk Ende der siebziger Jahre entstand. Jetzt ist wieder Krisenzeit und Punk eine Chance, phantasievoll damit zu leben".
                  Und Mia soll nun den Soundtrack für die verlorene Generation Golf  liefern:
                  "Alle Bandmitglieder wohnen in Prenzlauer Berg, dem Viertel mit der größten Szenekneipen-Dichte in Deutschland. Der paradigmatische Einwohner war – bis vor kurzem jedenfalls – jung, trendbewusst und erfolgreich, gleichzeitig Bürger und Bohemien, Besserverdiener und Langschläfer. Jetzt ist ja Krise. Jetzt sitzt man, frisch gekündigt, ganztags beim Nobel-Italiener seiner Wahl, und hört plötzlich ein Gewitter nahen. Blitze aus der Ferne, Wetterleuchten, dann ein Donnerschlag. Kurz darauf stellt man überrascht fest, dass das kein Gewitter ist, sondern Musik. Die ersten paar Takte des Albums von Mia. Und mit einem Mal begreift man, was Punk ist, im Spätsommer 2002: Eine Explosion, ein Schrei, ein dreifach donnerndes 'Fuck you' an alle. Aber eins, das von Herzen kommt."
 
   
  • Berichte zu 1. Hessischer Familientag am 24.08.2002

    • Kommentar:
      In Bensheim hat sich die Familie unter Ausschluss der Singles selbst gefeiert. Mehr als 200.000 Euro hat sich Bensheim, das Hessische Sozialministerium und die Karl Kübel Stiftung das Event kosten lassen.
                  Jürgen BORCHERT durfte seine altbekannten Thesen zur Familie vortragen. Er ist einer der prominentesten Befürworter bevölkerungspolitischer Maßnahmen in Deutschland. Diesen Interessenvertretern geht es nicht mehr um die Besserstellung armer Familien, sondern um Geburtenförderung für Besserverdienende.
                  Wer wie Katja IRLE "Rentenkürzungen für Kinderlose" fordert, der plädiert für Bevölkerungs- und nicht für Familienpolitik.
    • ALMENRÖDER, Sabine (2002): Diskussionen und Zeit zum Spielen.
      1. Hessischer Familientag: Information und Unterhaltung für 12 000 Besucher in der Bensheimer Innenstadt,
      in: Darmstädter Echo v. 26.08.
    • IRLE, Katja (2002): Mit der Zahl der Kinder steigt das Armutsrisiko.
      12 000 Besucher beim ersten hessischen Familientag in Bensheim. Sozialrichter Borchert mahnt Umverteilung an,
      in: Frankfurter Rundschau v. 26.08.
    • IRLE, Katja (2002): Jetzt müssen Taten folgen,
      in: Frankfurter Rundschau v. 26.08.
 
     
   
  • SIEVERLING, Nicola (2002): "Union hat das falsche Konzept".
    SPD-Bundespolitikerin Renate Schmidt stellte in Altona ihr neues Buch "SOS.Familie" vor. WELT am SONNTAG sprach mit ihr und SPD-Landeschef Olaf Scholz über Kinderbetreuung und Familienpolitik,
    in: Welt am Sonntag v. 25.08.
 
   
  • SCHOENBERGER, Frances (2002). "Ich bin immer noch nicht heiratsfähig".
    Am 27. September wird Gwyneth Paltrow 30 Jahre alt. In WELT am SONNTAG spricht der Superstar über Liebe, Depressionen und die Freundschaft mit Madonna,
    in: Welt am Sonntag v. 25.08.
 
   
  • MÜLLER-VOGG, Hugo (2002): Selbst Glückskinder können arbeitslos werden.
    Früher waren Ausbildung, Einsatzfreude und Mobilität ausschlaggebend für einen "gesicherten" Arbeitsplatz. Heute regiert der gesetzlich vorgeschriebene Zwang zur "Sozialauswahl"
    in: Welt am Sonntag v. 25.08.
    • Kommentar:
      Ein Beitrag zur Neidgesellschaft:

                  "Wenn ein Unternehmen Personal abbaut, kann es sich bei dieser Gelegenheit keineswegs von Leistungsschwachen und Leistungsunwilligen trennen. Der gesetzlich vorgeschriebene Zwang zur 'Sozialauswahl' führt dazu, dass jene zuerst gehen müssen, die dem Unternehmen am kürzesten angehören, nicht verheiratet sind und keine Kinder haben. Anders ausgedrückt: Ein Kind kann durchaus den mangelnden Arbeitseinsatz des Vaters oder der Mutter kompensieren - kündigungsrechtlich jedenfalls."
 
   
  • ALBERS, Markus (2002): Macht Geld glücklich?
    Zählt im Leben nur steigendes Einkommen oder auch ziviles Engagement? WELT am SONNTAG bat einen Millionär und einen Attac-Aktivisten zum Streitgespräch,
    in: Welt am Sonntag v. 25.08.
 
   
  • BORTOLANI, Martina (2002): "Ich wohne so bescheiden, weil ich unabhängig bleiben will".
    Wäre er so unattraktiv wie seine Bleibe, hätte man Christoph Engel garantiert nicht zum Mister Schweiz gewählt,
    in: SonntagsZeitung v. 25.08.
 
     
   
  • SCHLAFFER, Hannelore (2002): Vater, Mutter, Kind und Mitgift.
    Jack Goodys Soziographie der Kleinfamilie will zeigen, wie sich Verwandtschafts- und Besitzverhältnisse seit jeher gegenseitig bedingen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 24.08.
 
   
  • LEWITSCHAROFF, Sibylle (2002): Mainmücken und Lüsterweibchen.
    Wo die meisten Frauen wohnen: Würzburg. Deutschland extrem Teil 1,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 24.08.
    • Inhalt:
      LEWITSCHAROFFs Fazit: "Der Frauenüberschuss ist ein Fall frei von Problemen".

                  Gesucht hat sie den Überschuss unter den älteren Frauen. 1000 Nonnen; eine Frau, die seit kurzem Würzburg regiert und zwei Stiftungen beruhigen die Autorin:
                  "Juliusspital und Bürgerspital sind Stiftungen, die selbst Weinberge besitzen, mit deren Erlös Alte und Kranke gepflegt werden. Sie haben riesige Gasträume, sehr schöne Innenhöfe, und sind als Alterssitze begehrt, nicht zuletzt, weil jedem Alten täglich ein Glas Wein aus eigener Bocksbeutelflasche kredenzt wird. Kein Wunder, dass Frauen, die ja sowieso älter als Männer werden, bei dieser zuvorkommenden Behandlung mit dem Sterben aufhören."
 
   
  • NZZ-ZEITFRAGEN "Event-Flut"
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.08.

    • KEMPER, Peter (2002): Wenn Windelnwechseln zum Event wird.
      Nachruf auf eine erfolgreiche Marketingmetapher,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.08.
      • Inhalt:
        Für KEMPER ist "Event" zum Codewort der Spassgesellschaft geworden. Die Suggestivkraft dieser Schlüsselmetapher sei jedoch nach dem 11. September schlagartig verblasst:

                    "Im Verein mit einer zunehmend lahmenden Konjunktur, den plötzlich platzenden Aktienblasen am Neuen Markt und einer wachsenden Konsumzurückhaltung nach der Einführung des «Teuro» entwickelte sich im zweiten Jahr des neuen Jahrtausends eine ernüchterte Stimmungslage, die dem «Fun-Faktor» der Eventideologie diametral zu widersprechen scheint."
    • Marcus S. KLEINER & Marvin CHLADA (2002): Die neuen Heiligen der Mediengesellschaft.
      Eine Kritik an der Medienkritik,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.08.
 
     
   
  • KURZ-SCHERF, Ingrid (2002): Oben buckeln, unten treten.
    Hartz und die Frauen, oder: Auf dem Weg in die autoritäre Gesellschaft,
    in: TAZ v. 23.08.
    • Inhalt:
      Nachdem die DGB-Frauenexpertin Anne JENTER das veraltete Familienbild der Hartz-Kommission gerügt hat, wurde nach KURZ-SCHERF die Wortwahl geändert:

                "Nicht 'Familienväter' sollen nun bevorzugt vermittelt werden. Jetzt heißt es: 'Arbeitslose, die besondere Verantwortung für abhängige betreuungsbedürftige Personen oder Familienangehörige tragen'."
                Das ist für KURZ-SCHERF jedoch entschieden zu wenig:
                Wer sind 'Arbeitslose, die besondere Verantwortung für abhängige betreuungsbedürftige Personen tragen'? Familienväter, Alleinerziehende auch. Und Mütter, deren Ehemänner arbeiten? Wer wird bevorzugt vermittelt, wenn beide Eltern in einer Familie arbeitslos sind? Die Frau? Der Mann? Beide?
      Wenn die Hartz-Kommission eine Fehlinterpretation tatsächlich hätte ausschließen wollen, hätte sie dies vor dem Hintergrund der langen und fortwirkenden Diskriminierung von Frauen auf den Arbeitsmärkten sehr deutlich zum Ausdruck bringen müssen."

                Ihr vernichtendes Fazit zum Kommissionsbericht lautet deshalb:
                "in seiner Gesamtheit hat er die Tendenz nicht nur zur Frauenfeindlichkeit, sondern zu einer autoritären Gesellschaft, die nach unten tritt und nach oben buckelt. Zwischen Androzentrismus und Autoritarismus besteht seit jeher ein enger Zusammenhang. Deshalb ist die Frauenfrage ein empfindlicher Seismograf für den Fortschritt oder den Rückschritt einer Gesellschaft im Bewusstsein der Freiheit."
 
   
ECONOMIST-Titelgeschichte: A tale of two bellies
 
   
  • PEARCE, Fred (2002): Ab 2050 ist wieder viel Platz.
    Neue Hochrechnungen zeigen, dass das Horrorszenario der Bevölkerungsexplosion nicht eintreten wird. Grund: Die Frauen verzichten lieber auf Kinder – auch in der Dritten Welt
    in: Weltwoche Nr.34 v. 23.08.
 
     
     
   
  • GIERTH, Matthias (2002): RM-Wahlprüfstein Familienpolitik.
    Ganztagsbetreuung - das neue Zaubermittel?
    in: Rheinischer Merkur Nr.34 v. 22.08.
 
   
  • GASCHKE, Susanne (2002): Event als Politikersatz, Chatroom statt Ortsverein.
    Die "Shell-Jugendstudie 2002",
    in: Die ZEIT Nr.35 v. 22.08.
 
     
     
     
   
  • Vorstellung der SHELL-Studie "Jugend 2002"

    • RH (2002): Neue Shell-Jugendstudie: Generation Nett,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.08.
    • SCHMOLL, Heike (2002): Null Bock ist out.
      Jugendliche gehen pragmatisch vor: Für sie zählen Leistung, Sicherheit und Macht. Politisches Interesse jenseits der Parteien,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.08.
    • SCHINDLER, Jörg (2002): Die Generation "Ich" hat den Leistungsgedanken perfekt verinnerlicht.
      Deutsche Jugend klopft jedes Engagement auf persönlichen Nutzen ab. Shell-Studie weist auch auf wachsende Resignation hin,
      in: Frankfurter Rundschau v. 20.08.
    • SEDLMAYR, Sebastian (2002): Jugend mixt sich "Wertecocktail".
      14. Shell-Studie: Die jungen Leute von heute sind optimistischer als früher. Nur 44 Prozent wollen zur Bundestagswahl gehen. Jungen möchten vor allem Macht und Einfluss, Mädchen lassen sich bei ihren Entscheidungen mehr von Gefühlen leiten
      in: TAZ v. 20.08.
    • DROBINSKI, Matthias (2002): Die pragmatische Generation,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 20.08.
    • KÄPPNER, Joachim (2002): "Das Wahlalter deutlich senken".
      Der Jugendforscher Klaus Hurrelmann über politische Konsequenzen aus der Studie,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 20.08.
    • SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (2002): Brav, oh!
      Die Shell-Studie verstehen: Ein ABC der Jugend,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 20.08.
 
   
  • HAFNER, Urs (2002): Die "Spassgesellschaft", ein schlechter Scherz.
    Anmerkungen zur Karriere eines Begriffs,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 20.08.
    • Kommentar:
      HAFNER bezieht sich mit seiner Begriffsgeschichte auf den ungenannten Medientheoretiker Lutz HACHMEISTER. Die Analyse von HAFNER konzentriert sich auf den mediendemokratischen Aspekt, wenn er feststellt:

                  "Die Karriere des Begriffs der «Spassgesellschaft» ist wohl in erster Linie ein Symptom für die Distinktionsstrategien einiger Medienangestellter".
                  Daneben betont er die moralische Dimension:
                  "Mit der Verwendung des moralistischen Begriffs lässt sich zudem die Bevölkerung in zwei Klassen scheiden: das vulgäre «Volk» auf der einen Seite, das immer dann lacht, wenn es nicht angebracht ist, und eine geistige Aristokratie auf der anderen Seite, deren Wohlbefinden von jenem schlechten Geschmack beeinträchtigt wird."
                  Single-generation.de hat dies bereits vor einem halben Jahr in ähnlicher Weise analysiert, geht jedoch über diesen medien- und kulturpolitischen Strategieaspekt hinaus und verknüpft die Debatte über die Spassgesellschaft mit der Kritik an der Single-Gesellschaft. Erst dann wird der Sinn der Begriffsverwendung deutlich und die Analyse von HAFNER erscheint als zu kurzsichtig:
                  "Hielten die älteren, auf gesellschaftliche Totalität abzielenden Begriffe - etwa die «kapitalistische Gesellschaft» oder die «postindustrielle Gesellschaft», in gewisser Weise auch die «Informationsgesellschaft» - wenigstens noch eine Aussage über den Modus der Vergesellschaftung bereit, so liegt der analytische Wert des Begriffs der «Spassgesellschaft» bei null."
 
     
     
   
  • NOLTE, Barbara (2002): "In Deutschland sterben die Gentlemen aus".
    Rätselhafte Generation: Am Montag wird die neue Shell-Studie vorgestellt – über die Jugend von heute. Marie Pohl ist eine ungewöhnliche Expertin. Sie ist in dieser Sache einmal um die Welt gereist,
    in: Tagesspiegel v. 18.08.
 
   
  • BANZE, Sonja (2002): "Generation nett" hasst nur eines: Den Generationenkonflikt.
    Sie wollen Karriere machen, sie mögen ihre Eltern und den Kapitalismus. Die neue Shell-Jugendstudie präsentiert eine Jugend voller "Ego-Taktiker", HyperRealisten und Ultrapragmatiker,
    in: Welt am Sonntag v. 18.08.
 
     
   
  • EPD (2002): Raucher leben länger als Singles,
    in: TAZ v. 17.08.
    • Kommentar:
      Aus der Meldung geht nicht eindeutig hervor, was ein Single sein soll! Unverheiratet? Ledig? Partnerlos? Und vor allem. Was bedeutet eine solche Klassifizierung, wenn das Single-Dasein nur eine Lebensphase ist? Viele offene Fragen, aber keine Antwort!
 
   
  • FAHRENHOLZ, Peter & Cathrin KAHLWEIT (2002): Bessere Betreuung oder mehr Geld für Familien?
    Streitgespräch zwischen Renate Schmidt (SPD) und Katherina Reiche (CDU). Die Unions-Frau spricht von der Wahlfreiheit der Eltern, die SPD-Politikerin wirft ihr vor, die Verhältnisse zementieren zu wollen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.08.
 
     
   
  • KNUF, Thorsten (2002): Arbeitslose sollen mobiler werden.
    Ledige müssen bundesweite Job-Offerten annehmen,
    in: Berliner Zeitung v. 16.08.
    • Inhalt:
      "Wer ledig ist, muss künftig schon bei kurzer Arbeitslosigkeit im gesamten Bundesgebiet eine Stelle antreten. Wer verheiratet ist oder in einer festen Partnerschaft lebt, aber keine Kinder hat, darf in den ersten sechs Monaten noch eine Stelle ablehnen, die außerhalb des Tagespendelbereichs liegt. Nach diesem ersten halben Jahr hingegen müssen auch diese Arbeitslosen bundesweit mobil sein. Nur wer Kinder hat, darf sich auf Stellen in der weiteren Umgebung seines Wohnorts beschränken", berichtet KNUF über die Pläne der Hartz-Kommission.
 
   
  • POSENER, Alan (2002): Revolutionär der Lust.
    Auch wenn Elvis Presley vor 25 Jahren starb, weist er immer noch den weg,
    in: Welt v. 16.08.
    • Inhalt:
      "Was hier zu Lande von Konservativen gern als Ergebnis von '68' beklagt wird, ist in Wirklichkeit eine Folge von '54'. In diesem revolutionären Jahr (...) nahm Elvis Presley im Sun-Studio in Memphis seine erste Single auf: 'That's All Right (Mama)'. Der Rest ist Geschichte. Unsere Geschichte",
      deutet Alan POSENER die 50er Jahre als anarchisches Lustjahrzehnt der Kleinbürger, gegenüber denen die 68er wie lustfeindliche Spießbürger wirken:

                  "1968? Die Sexpol-Bewegung und die Kommunen mit ihrem pädagogischen Eros, ihrem skandinavischen Ernst und ihrer kollektivistisch verordneten freien Liebe war moralisch wie ein Mädchenpensionat im Vergleich zu der anarchischen Revolution der Lust, die mit den Mitteln der Marktwirtschaft und im Zeichen des Sternenbanners über die Welt kam.
      Bis heute können die deutschen 68er denn auch mit Elvis wenig anfangen."
 
     
     
       
       
   

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Zu den News vom 01. - 15. August 2002

 
       
   
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