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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 11. - 20. August 2003

 
       
     
     
     
       
   
Zitat des Monats:
"Schon jetzt verfestigt sich in den Trendblättern aller Art das Bild vom Mutterglück erfolgreicher Frauen (...). Die Demografie wird dafür sorgen, daß uns in den kommenden Jahren parallel dazu das Leid der Kinderlosen frei Haus geliefert wird. Wenn eine prominente Frau - natürlich muß es eine Frau sein - die Öffentlichkeit an ihren biographischen Enttäuschungen teilhalben läßt, wenn dadurch sowohl BILD als auch RTL als auch Sie und ich entdecken, wie hart es ist, ohne Grund alt zu werden".
(Detlef Gürtler in Das Magazin vom August 2003)
 
       
     
   
  • MATTHIES, Bernd (2003): Die Hauptstadt der Barbarben.
    Wie verschreckte Intellektuelle aus München, Dresden und Saarbrücken das Meckern lernten und endlich zu echten Berlinern wurden, 
    in: Tagesspiegel v. 20.08.
    • Kommentar:
      MATTHIES hält sich bei der Rezension von "Hier spricht Berlin" an die Vorgaben von Reinhard MOHR:

            
         "Berlin ist (...) jener Ort, in dem Sichtweisen und Vorurteile aus östlicher und westlicher Richtung so unversöhnlich zusammenstoßen wie Spreewaldgurken und Olivenöl extra vergine. Und so kommt es, dass die nahe liegende Kritik am Geschnösel der Autoren (West) gleich sehr hübsch selbstironisch aufgefangen wird durch Sottisen der Autoren (Ost), die das Prinzip begriffen haben: »Da hocken sie nun traurig in viel zu großen Altbauwohnungen mit viel zu niedrigen Lebenshaltungskosten«, schreibt Peter Richter über die neuen Kollegen im schnieken Büro in Mitte, »sie wollen Berlin ein bisschen mehr wie München machen, und sie fangen da an, wo es besonders weh tut.»"
 
   
  • PREIßLER, Brigitte (2003): Literarische Räuberhöhle.
    Kokette Deliquenten: Wie Jörg Sundermeier und Werner Labisch in Berlin eher zufällig ihren Verbrecher Verlag gründeten,
    in: Welt v. 20.08.
    • Inhalt:
      PREIßLER stellt die Gründer des Berliner
      Verbrecher Verlag vor:
            
         "Die derzeitige Verlagskrise geht an ihnen ebenso spurlos vorüber wie die goldeneren Zeiten des Buchhandels vor ein paar Jahren: Mit etwas Glück schreibt der Verlag in diesem Jahr erstmals schwarze Zahlen. Über finanzielle Durststrecken halten sich die beiden leicht nerdig wirkenden Ex-Bielefelder (...) mit Musikrezensionen über Wasser."
 
     
   
  • SCHLAFFER, Hannelore (2003): Die unwürdige Greisin.
    Den Inbegriff von Lebensglück stellt das Paar "alternder Mann mit junger Frau" dar,
    in: Frankfurter Rundschau v. 19.08.
 
   
  • IMUE (2003): Unter dem Rasen der Wille zum Sieg,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.08.
    • Kommentar:
      "Familienväter sind die wahren Abenteurer der modernen Welt" erklärt IMUE. Das liegt ganz im Trend. Dan ZEVIN verkörpert diesen Typus des coolen Uncoolen. IMUE will nun wissen, dass bei der Frauenzeitschrift MARIE CLAIRE nun wieder der Ernährervater gefragt ist. Und weil dies ziemlich altbacken ist, muss ein bisschen Abenteuer schon dabei sein... 
 
   
  • KRAUSE, Tilman (2003): Heimweh nach der Traurigkeit.
    Lübeck erinnert an Thomas Manns "Tonio Kröger", der vor 100 Jahren erschien,
    in: Welt v. 19.08.
    • Inhalt:
      KRAUSE wirft einen bildungsbürgerlichen Blick auf die Novelle "Toni Kröger":

            
         "Im »Tonio Kröger« aber ist aufgehoben, was aufzugeben der Dichter für richtig hielt und doch ein Leben lang nicht los wurde. Es ist die Disposition, auf das keines Menschen Leben sich gründen lässt: das Dazugehörenwollen dort, wo man nicht hinpasst. Die Vernunft sagte nein, aber das Herz ließ Thomas Mann noch einmal Ja sagen, Ja zu Sehnsucht und »schwermütigem Neid«, Ja zu »ein klein wenig Verachtung und einer ganzen keuschen Seligkeit». Und dieses Ja vernehmen auch wir noch, 100 Jahre später. Es erreicht uns zwischen Amüsiertsein und Kopfschütteln. Aber es erreicht uns."
 
   
  • HORNIG, Frank (2003): Mit der Krise arrangiert.
    Immer noch ohne Job? Selbständig? Oder eine neue feste Anstellung? Ein Jahr nach dem SPIEGEL-Titel über die arbeitslose neue Mitte hat sich der Stellenmarkt nicht verbessert - dennoch ziehen die Befragten eine vorsichtig-positive Bilanz,
    in: Spiegel Nr.34 v. 18.08.
    • Kommentar:
      Auf dem Cover des SPIEGEL zu posieren, erhöht die Chancen in der Jobkrise:

            
         "Von den 14 vor einem Jahr Interviewten sind bislang nur zwei ohne Beschäftigung. Drei haben sich selbständig gemacht, einer wollte sich nicht äußern, einer studiert. Und immerhin sieben haben eine neue beste Anstellung".
            
         Wenn sich die Marktlage nicht ändert, aber sich die Stimmung der Arbeitssuchenden bessert, dann heißt dies bei Heinz BUDE "skeptischer Realismus".
 
   
  • MOHR, Reinhard (2003): Sibirien an der Spree.
    In ihrem Buch-Pamphlet lassen fünf Autoren ihrem Hauptstadt-Hass freien Lauf: "Hier spricht Berlin" nennen sie die "Geschichten aus einer barbarischen Stadt",
    in: Spiegel Nr.34 v. 18.08.
    • Inhalt:
      Reinhard MOHR verteidigt Berlin gegen seine Hasser und ihre Tristesse Royale:

            
         "Sie träumten vom vollkommenen Glück des Lebens. Doch leider lebten sie in Berlin.
      So schrieben sie, fünf tapfere Feuilletonisten der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« (»FAS«) die rein beruflich und also schicksalhaft aus München, Saarbrücken und Dresden in die deutsche Hauptstadt »zwangsumgesiedelt« wurden, ein bitterböses Buch".

            
         MOHR sieht einen Zusammenhang zwischen dem Hype, den die Berliner Seiten der FAZ herbeischreiben mussten und der enttäuschten Rache der Autoren.
            
         Er betont jedoch, dass sich die Dresdner Autoren Peter RICHTER und Anne ZIELKE wohltuend davon abheben.
 
     
   
  • KAUBE, Jürgen (2003): Wer A sagt, muß auch ABC sagen.
    Adorno im Wörterbuch,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.08.
    • Kommentar:
      Die "Nähe der Philosophie Adornos zu Lebensmotiven Heranwachsender hat seine Rezeption empfindlich für Veränderungen der Jugendwelt gemacht. Das vorliegende Buch (...) ist ein hierfür geradezu drastisches Dokument", meint Jürgen KAUBE.
            
         Pedantisch weist der Feuilleton-Revoluzzer dem Poptheoretiker Roger BEHRENS Stil- und Sachfehler bei seinem "Adorno-ABC" nach, aber am meisten stört ihn, dass BEHRENS nicht ADORNO als Angehörigen des Niveaumilieus herausarbeitet, sondern ADORNO popkulturell für das Integrationsmilieus vereinnahmt. Das bringt BEHRENS das Verdikt "Beitrag zum vollendeten Verblödungszusammenhang" ein, was die Zielgruppe von BEHRENS keineswegs zu stören braucht.
            
         Angehörige des Niveaumilieus bedient die FAZ auf der gleichen Seite mit niveaumilieumäßig korrekten Werken. Und der heutige SPIEGEL lässt aus dem Leben von ADORNO plaudern.
 
   
  • HEFTY, Georg Paul (2003): Wider die Sozialhysterie,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.08.
    • Inhalt:
      HEFTY verteidigt Norbert BLÜMs Satz "Die Rente ist sicher" (zusammen mit ADENAUERs "Kinder kriegen die Leute immer" die populärste Phrase in der gegenwärtigen Sozialpolitik) :

            
         "Blüm hat zu mehr als neunzig Prozent recht behalten. Das ist nicht wenig - und viel mehr, als was die wissenschaftliche Prognostik so im allgemeinen für sich in Anspruch nehmen kann".
            
         Klar, es geht immer noch um MIßFELDER und dessen "Selektionismus".  
 
   
  • FR-Debatte: Gerechtigkeit - Luxus oder Notwendigkeit

    • ANNEN, Niels (2003): Staatliche Regulierung bleibt wichtig.
      Soziale Gerechtigkeit wird global sein - oder sie wird nicht sein,
      in: Frankfurter Rundschau v. 18.08.
    • HAUER, Nina (2003): Gerecht ist, was Chancen schafft.
      SPD darf sich nicht in die Ecke der Umverteiler drängen lassen,
      in: Frankfurter Rundschau v. 18.08.
    • RÜTTGERS, Jürgen (2003): Leistung und Fähigkeiten entscheiden.
      Gerechtigkeit lässt sich nicht durch staatliches Handeln schaffen,
      in: Frankfurter Rundschau v. 18.08.
 
     
   
  • BARTELS, Hans-Peter (2003): Leg Dich quer, dann bist Du wer.
    Warum Schröder-Bashing unter jungen SPD-Abgeordneten zum guten Ton gehört,
    in: Tagesspiegel v. 18.08.
    • Kommentar:
      Die Süddeutsche Zeitung hat das Thema Youngsters heute auch auf der Agenda. Benjamin MIKFELD, darf sich darüber äußern, dass Jungsein kein Verdienst ist, Nico FRIED widmet sich der Rüpelei und der Rudelbildung, während Kurt KISTER telegene Grünschnäbel im Programm hat.

            
         Der SPD-Generationensprecher BARTELS verkündet die Agenda der Generation Berlin 2010:
            
         "Erstens kümmern wir uns um die Erweiterung des alten sozialdemokratischen Gerechtigkeitsbegriffs (...). Hinzukommen muss der gerechte Ausgleich zwischen den Generationen. Zum Beispiel: grundsätzlich keine neuen Schulden mehr auf Kosten späterer Zinsen, Tilgung, Steuererhöhungen. Für die Generationengerechtigkeit wollen wir, zweitens, die materiell-ökonomischen Entwicklungen vom Wachstum des Ressourcenverbrauchs und der Naturzerstörung abkoppeln(...).
      Drittens brauchen wir so etwas wie einen Wandel des Wertewandels, weg von der Superindividualisierung, der Vereinzelung und Vereinsamung, von Bindungsangst und Flexibilitätszwang – hin zu einem Mehr an Verbindlichkeit (Familie, Nachbarschaft, Verein …). Man könnte angesichts der Globalisierungskrise von einer Politik zum Schutz der sozialen Umwelt sprechen.
      Viertens: der oft harmlos so genannte »demographische Wandel«, das Ausbleiben von Kindern, das nicht mehr aufzuhaltende Kippen der Bevölkerungspyramide in Deutschland und anderswo in Europa. Indem wir auf Nachwuchs verzichten (1,3 Kindern auf zwei Erwachsene), schaffen wir uns als Generation selbst ein Problem. Um es zu lösen, wird eine große politische und soziale Bewegung nötig sein: Wie können Wohlstand und soziale Sicherheit in einer schrumpfenden Gesellschaft bewahrt werden?"

            
         Vor 10 Jahren wäre das Individualisierungsgejammer noch einigermaßen modern gewesen, heute ist es nur noch reaktionär!
 
   
  • MASCHEWSKI, Alexandra & Hans EVERT (2003): "Die Gerontokratie ist eine Gefahr für die Gesellschaft".
    Generationen-Debatte: Der Chef des Instituts für angewandte Demographie warnt vor der Polarisierung von sozialen Gruppen,
    in: Welt v. 18.08.
    • Kommentar:
      Harald MICHEL zu den Folgen der Überalterung:

            
         "Es wird mindestens vier Polarisierungen geben. Alt gegen Jung, Menschen mit Kindern gegen Kinderlose, Ost gegen West, wobei es sich eigentlich auch dabei um einen Gegensatz zwischen Jung und Alt handelt und Deutsche gegen Zuwanderer".
            
         Zu den Gefahren der Gerontokratie und den Polarisierungen Alt gegen Jung bzw. Familien gegen Kinderlose wird es das September-Thema von Single-dasein.de geben.
 
   
  • GRAEF, Nicola (2003): Alles nur Kinderkram?
    Mit 20 hat sie angefangen, mit 44 aufgehört. 17 Kinder hat Renate Schnabel bekommen. Verrückt sei das, sagt ihr Jüngstes. Ein anderes hat die Mutter für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen,
    in: Tagesspiegel v. 17.08.
 
   
  • BOYES, Roger (2003): Hohes Alter ist nicht das neue Aids.
    Die Generationendebatte wird vor allem von den 68ern und den Unter-30-Jährigen geführt - beide neigen zu Egoismus und Eitelkeit. Und beide müssen ihre Rollen neu definieren,
    in: Tagesspiegel v. 17.08.
    • Kommentar:
      Keine Ahnung, wer da Statistik geführt hat, aber in der Mitte-Presse wird die Debatte vor allem von den 30- bis 55-jährigen inszeniert. Ob MIßFELDER gedruckt wird, das entscheidet ja nicht MIßFELDER, sondern wird in Redaktionsstuben entschieden.
 
   
  • MÜLLER-VOGG, Hugo (2003): Die Lifestyle-Sünden der Baby-Boomer rächen sich,
    in: Welt am Sonntag v. 17.08.
    • Kommentar:
      Der Ohrensessel-Demonstrant MÜLLER-VOGG übt den Schulterschluss zwischen Großvater und Enkel, was momentan auch auf dem Buchmarkt in Mode ist.

            
         Was MÜLLER-VOGG über die "bevölkerungspolitisch korrekte Vermehrung" schreibt, ist jedenfalls richtiger als das, was GASCHKE gerade in ihrem ZEIT-Leitartikel vom Stapel gelassen hat.
            
         Nur gehört MÜLLER-VOGG nicht zu den 70-Jährigen Großvätern, sondern als 1947 Geborener gehört er zur 68er-Generation, d.h. er gehört bereits zur Generation der  "zeugungs- und gebärfaulen Eltern", über die er schimpft.
            
         Wenn der Autor "als Vater nur eines Kindes" als Friedensangebot auch  kein Problem damit hätte, wenn seine Rente um einen "Kinder-Fehlbetrag" gekürzt würde, Geringverdienern würde das sehr wohl etwas ausmachen.
            
         Verfechter einer Rente nach Kinderzahl - z.B. Hans-Werner SINN - haben das bereits vorgeschlagen, aber gerade die Generation von MÜLLER-VOGG soll davon ausgenommen werden.
            
         Auch darüber gibt es hier im September-Thema von Single-dasein.de mehr zu lesen.  
 
   
  • STOLLORZ, Volker (2003): Die altersschwache Gesellschaft.
    Der demographische Wandel ist zum Politikum geworden. Manche fürchten schon den Krieg der Generationen. Aus der Zahl der Geburten, Todesfälle und Zuwanderungen versuchen Bevölkerungsforscher den Trend zu erkennen: Wir werden immer älter, fühlen uns aber so jung wie nie,

    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.08.
    • Kommentar:
      Das Wissenschaftsressort der FAS hat eine Doppelseite freigeräumt, um der "demographischen Zeitbombe" gebührend Raum einzuräumen.

            
         Es gibt viele Schaubilder zur Veränderung des Altersaufbau und Grafiken zu den Veränderungen einzelner Indikatoren.
            
         Das ist alles wenig neu und hat auch nur die Funktion, dass sich nach der X-ten Wiederholung der Sachverhalt als Selbstverständlichkeit absetzt, ohne dass noch irgendetwas hinterfragt wird.
            
         Die Rentenreform steht nun auf der Agenda, das wird inzwischen wohl auch dem Letzten klar geworden sein...
  • RACHOW, Regine (2003): Und das Leben währet siebzig Jahre...
    Niemand weiß, wie alt Menschen wirklich werden können. Unter extrem langlebigen Alten nimmt die Sterbewahrscheinlichkeit am Ende sogar wieder ab,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.08.
  • STOLLORZ, Volker (2003): Storch in Rente
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.08.
    • Kommentar:
      Die übliche Story vom Gebärstreik. Was davon zu halten ist, dass kann man dem Kommentar zu GASCHKEs ZEIT-Artikel entnehmen.

            
         Sarah HARPER vom Oxford Instute of Ageing hat da eine ganz andere Sichtweise auf den Zusammenhang von Lebensverlängerung und Geburtenentwicklung.
  • STOLLORZ, Volker (2003): Irrtümer eingeschlossen.
    Demographie ist eigentlich eine exakte Wissenschaft aber manchmal liegen auch die Bevölkerungswissenschaften mit ihren Prognosen voll daneben,

    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.08.
    • Kommentar:
      Endlich ein Artikel über die Fehlprognosen der Bevölkerungsforscher:

            
         "Demographen übersahen sowohl den Babyboom der sechsziger Jahre wie den folgenden Pillenknick. Niemand hatte erwartet, daß die Sterblichkeit älterer Jahrgänge in den sechziger Jahren plötzlich zunahm, um dann gegen Ende des Jahrtausends wieder abzusinken".
            
         Leider ist daraus kein Lernerfolg abzulesen,  denn in Zukunft sollen die Prognosen NUR besser werden. Nur: das Prinzip der Prognose beinhaltet bereits den Systemfehler!
            
         Wer bestehende Verhaltensweisen einfach in die Zukunft fortschreibt, der wird kaum Verhaltensänderungen prognostizieren können...
 
   
  • RULFF, Dieter (2003): Im Fahrstuhl nach unten.
    Gerechtigkeit hat nichts mit Verteilen zu tun. Wohl aber damit, den Ausschluß derer zu verhindern, die der Markt vorerst nicht braucht,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.08.
    • Kommentar:
      Der Soziologe Ulrich BECK hat die Fahrstuhl-Metapher Anfang der 80er Jahre ins Gespräch gebracht, das hat den Sozialdemokraten über 20 Jahre Orientierungslosigkeit hinweggeholfen.

            
         Der Fahrstuhl, der erst hinaufgefahren ist, der soll jetzt wieder heruntergefahren werden, so will es der Mythos der Neue-Mitte-Lifestyle-Soziologie.
            
         Ulrich RULFF trägt die Version von Jürgen KOCKAs und Olaf SCHOLZ' Gerechtigkeitsvorstellung in der Sprache der Anerkennung vor. Rechtfertigungslektüre für Besserverdienende...  
 
   
  • MEJIAS, Jordan (2003): Der Moralist von nebenan.
    "Das Elend der Ironie" machte ihn berühmt. Jetzt legt Jedediah Purdy eine Kritik an Amerika nach - und wird trotzdem nicht zum Polemiker, 
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.08.
    • Kommentar:
      PURDY hat ein zweites Buch herausgebracht, das am Freitag in Deutschland unter dem Titel "Das ist Amerika" erscheinen wird. Dazu hat MEJIAS seinen Nachbarn in New York interviewt. Herausgekommen ist ein belangloses Porträt über eine ganze Seite. Offenbar hat die FAS zuviel Platz...
 
   
  • ROLL, Evelyn (2003): Das Beste kommt noch.
    Die Frauen übernehmen die Macht? Über eine Sommerdebatte zum richtigen Zeitpunkt: Weil es im Herbst erst richtig losgehen wird,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.08.
 
     
   
  • WITTSTOCK, Uwe (2003): Böse Idioten, gute Asketen.
    Birgit Vanderbeke fragt mit schriller Stimme: "Geld oder Leben", 
    in: Welt v. 16.08.
    • Kommentar:
      Das einfache, glückliche und bescheidene Leben zu predigen in Zeiten, wo Geiz geil ist, das findet WITTSTOCK überhaupt nicht nett. Konsumieren, konsumieren und nochmals Konsumieren ist die erste Bürgerpflicht! Aber nicht den Roman von Vanderbeke...
 
   
  • BULLION, Constanze von (2003): Mach mir den Hof.
    Erhöhte Temperatur - Geschichten, die der Sommer schreibt (IV): Sie soll die Landwirtschaft akzeptieren, schrieb er. Carsten Schäfer, Jungbauer mit Schwerpunkt Schweinemast, fand seine Liebe im Internet. Und sie wird täglich größer,
    in: Tagesspiegel v. 15.08.
 
   
  • HARPPRECHT, Klaus (2003): Gerechtigkeit anders herum.
    Die Alten schulden den Jungen nichts. Die Jungen den Alten viel. Denn sie haben nach 1945 die Fundamente des Sozialstaats gelegt und die junge Demokratie stabilisiert,
    in: TAZ v. 15.08.
    • Kommentar:
      Klaus HARPPRECHT - ein Angehöriger der Flakhelfer-Generation - greift in den
      "Generationenkrieg" zugunsten seiner Aufbaugeneration ein.
            
         Mit dem Satz "Die BfA war unsere Sparkasse" macht er sich zum Sprecher der  Angestellten-Klasse der alten Mitte.
            
         Sein Rundumschlag beginnt bei MIßFELDER und endet bei den 68ern. Die Gewerkschaften als einstige Vertreter der Arbeiterklasse werden gescholten.
            
         Im Grunde hält HARPPRECHT ein Plädoyer für die Verlängerung der Arbeitszeiten ("nur Mehrarbeit schaffe Arbeitsplätze") und die "Entwicklung einer Service-Industrie, die bei uns noch immer zweit- oder drittrangig ist".
            
         Angesichts des geplanten Niedriglohnsektors muss wohl eher von einer Dienstbotengesellschaft gesprochen werden. Hans THIE hat dies auf den Punkt gebracht: "Neoliberalismus und Neofeudalismus (sind) zwei Seiten einer Medaille".
 
   
  • KOHSE, Petra (2003): Erfüllung des preußischen Traumes.
    Im Wolfspelz: Wolfgang Joop hat ein Buch geschrieben, aber er sagt, er habe es gemalt,
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.08.
    • Kommentar:
      Inhalte von Büchern werden immer unwichtiger, weswegen sich KOHSE in der Kunst der wohlwollenden Image-Designerin übt.
      Thomas STEINFELD hat dies am Beispiel HOUELLEBECQ bereits durchexerziert. Es ist auch kein Zufall, dass dies immer bei Autoren der neuen Ernsthaftigkeit praktiziert wird...
 
   
  • ALTVATER, Elmar (2003): Keine Seele im Leib.
    Kosten senken, selektieren. Mißfelders Vorschlag zeigt die Idiotie der deutschen Reformdebatte,
    in: Freitag Nr.34 v. 15.08.
    • Inhalt:
      ALTVATER kritisiert die Umdefinition eines Verteilungskampfes in einen Generationenkonflikt:

            
         "Die Generation Mallorca oder Teneriffa, sofern sie nicht nur von vernebelten Zeitgeistlern erfunden wird, ist nicht reich wegen der Renten, sondern weil sie zur Klasse der Geldvermögensbesitzer gehört oder sich in der kriminellen Kunst der Steuerhinterziehung auskennt. Mit jung und alt, mit der Generationenfrage hat dies gar nichts zu tun. Man darf eben Rentner und Rentiers nicht verwechseln. Wer von der Rendite der Kapitalanlage leben kann, ist fein heraus, ob 23 Jahre jung oder 87 Jahre alt. Und reiche Steuerhinterzieher mit einer Hochseeyacht gehören in aller Regel nicht zu der schmarotzenden Gruppe der Alten, sondern zur Klasse der Yuppies."
 
     
   
  • PRÜFER, Tillmann (2003): Noch Fragen?
    Aber ja! Jede Menge sogar: Zu kaum etwas werden heute mehr Umfragen erhoben als zur Liebe zwischen Mann und Frau. Aber bringt das Mann und Frau weiter? 
    in: Financial Times Deutschland v. 15.08.
    • Inhalt:
      PRÜFER hat sich mit Werner HABERMEHL, dem Leiter von GEWIS (Gesellschaft für erfahrungswissenschaftliche Sozialforschung) unterhalten. Die Domäne des Instituts ist "Partnerschaft und Sexualität".
 
   
  • LAFONTAINE, Oskar (2003): Wider die Orwellschen Begriffsverdreher.
    Soziale Gerechtigkeit kann man nicht wegdefinieren. Ein Beitrag zur aktuellen SPD-Programmdebatte,
    in: Financial Times Deutschland v. 15.08.
 
     
   
Wirtschaftswoche-Titel: Jung gegen Alt.
Der Krieg der Generationen
  • Kommentar:
    Im Editorial erfährt man etwas über die Altersstruktur des Wirtschaftsmagazins:

          
       "Afhüppe (31) gehört (...) zu der betrogenen Generation, die die Zeche für die ausbleibenden Reformen zahlen muss. Ein Schicksal, das er mit vielen Kollegen der WirtschaftsWoche teilt: 54 Redakteure sind zwischen 31 und 40 Jahre alt, fünf jünger als 30. Mit 33 Kollegen bilden die 41- bis 50-Jährigen die zweitstärkste Altersgruppe, 29 sind älter als 50 Jahre. Die WirtschaftsWoche verfügt damit über eine ausgewogene und zugleich junge ALTERSSTRUKTUR - das durchschnittliche Alter eines Redakteurs liegt mit 32,6 Jahren nur knapp über dem Durchschnitt der Bevölkerung (41 Jahre)."
          
       Genau an dieser Beschreibung krankt die Generationenkriegs-Debatte.
          
       Die WiWo-Redakteure mögen zwar im Durchschnitt der Altersstruktur repräsentativ sein, aber danach hört JEGLICHE Gemeinsamkeit auf! Weder die Alterstruktur der Bevölkerung (es fehlen Kinder und Alte) noch die Einkommensstruktur (es fehlen die Geringverdiener) ist in dieser Redaktion repräsentiert. Allesamt gehören zu den Reformgewinnern. Es handelt sich deshalb nicht um einen Generationenkonflikt, sondern um einen Klassenkampf der selbstgefälligen Elite unseres Landes.
          
       Reformverlierer kommen hier erst gar nicht vor...
  • AFHÜPPE, Sven (2003): Purer Hohn.
    Es kam, wie es kommen musste. Weil die Regierung seit vielen Jahren grundlegende Reformen verschleppt, ist jetzt der Kampf von Alt gegen Jung entbrannt,
    in: Wirtschaftswoche Nr.34 v. 14.08.
  • HAACKE, Brigitte von & Klaus METHFESSEL (2003): "Wir haben keine Lobby".
    Wie junge Leute über den Generationenkonflikt und ihre Zukunftschancen denken,
    in: Wirtschaftswoche Nr.34 v. 14.08.
  • SCHWARZ, Christopher (2003): Latent schlechtes Gewissen.
    Bevor die Putzfrau kommt, wird aufgeräumt: Warum die Deutschen mit Hausangestellten verkrampft umgehen,
    in: Wirtschaftswoche Nr.34 v. 14.08.
    • Kommentar:
      Dieser Artikel gehört zwar formal nicht zur Titelgeschichte, inhaltlich jedoch sehr wohl. Es geht hier um die Nachfrageseite der Reformdebatte.

            
         Wie Hans THIE richtig bemerkt hat: Neofeudalismus und Neoliberalismus gehören zusammengedacht. Was THIE in der FAZ vermisst, das wird in der WiWo verhandelt: Die Absenkung der Schamgrenzen bei den Neobourgeois:
            
         "Ein »latent schlechtes Gewissen« wird die Bestsellerautorin aus dem Odenwald nicht los, die seit einem Jahr eine Haushälterin beschäftigt. (...).
      Dabei bekennen sich mittlerweile auch Studenten und die Angehörigen der Generation Golf sowieso zu ihrer Putzfrau. »Putzfrauen sind unsere Punica-Oasen in der Servicewüste Deutschland«, schreibt Florian Illies. »Auch mittlere Verdiener können sich Personal leisten«, glaubt Ute Meier (...). Ihre Firma sucht neuerdings Teilzeitkräfte für Arzt-, Anwalts- oder Architektenhaushalte. Hauspersonal sei »nichts Ungewöhnliches«, meint Ute Meier. Beim »gehobenen« deutschen Mittelstand ist die Botschaft noch nicht ganz angekommen".
 
   
  • RM-Brennpunkt: Jung gegen Alt

    • GIERTH, Matthias (2003): Nur Verlierer.
      Generationenkonflikt,
      in: Rheinischer Merkur Nr.33 v. 14.08.
      • Kommentar:
        GIERTH verharmlost die soziale Ungleichheit innerhalb der "Erbengeneration", um auf der anderen Seite die Debatte um das Familienwahlrecht auf die Agenda zu setzen.
    • MISHRA, Robin (2003): Geht es den Alten zu gut?
      Die Jüngeren sollen mitreden, aber auch zuhören, sagt Hans-Jochen Vogel,
      in: Rheinischer Merkur Nr.33 v. 14.08.
      • Inhalt:
        Hans-Jochen Vogel sieht das Schweizer Alterssicherungssystem als vorbildlich an.
    • MISHRA, Robin (2003): "Die Probleme sind so groß, der Mut so klein".
      Bundestag. Die parlamentarische Jugendbewegung nimmt wieder Fahrt auf,
      in: Rheinischer Merkur Nr.33 v. 14.08.
      • Kommentar:
        Bei MISHRA erfährt der Leser, dass das überparteiliche Memorandum für mehr Generationengerechtigkeit, das 24 junge Abgeordnete unterzeichnet haben, von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der Altana AG finanziert worden ist. 
    • ÖHLER, Andreas (2003): Aufstand der Artigen.
      Neidkomplex. Rebellion gegen die 68er,
      in: Rheinischer Merkur Nr.33 v. 14.08.
      • Kommentar:
        Andreas ÖHLER verteidigt die Generation Golf gegen die 68er-Generation:

              
           "Es klingt geradezu paradox: So gesehen gab es kaum jemals eine wohl behütetere Generation als die 68er, die, von der Geschichte privilegiert, selbst noch so etwas wie Geschichtsmächtigkeit aufbieten konnte, mehr als nur ein Ensemble kultureller Codes.
        Dagegen muss sich die »Generation Kuschel« warm anziehen: Die Quarterlife-Crisis ist genuines Lebensgefühl geworden: jung, erfolgreich, orientierungs- und nun auch noch arbeitslos – das ist zu viel zu wenig für unsere einstmalige Elite in spe. Mißfelders Warnschuss ist der hilflose Hilferuf einer Generation, die bei dem Umbau des Sozialstaates mitreden muss."
 
   
  • ASI (2003): Echt allein,
    in: Tagesspiegel v. 14.08.
    • Kommentar:
      "Echt allein" bezieht sich hier auf Alleinerziehende, die auf einen höheren Haushaltsfreibetrag hoffen können.

            
         Geduldet wird jedoch, dass auch Alleinerziehende, die mit einem Partner zusammenwohnen in den Genuss kommen, freut sich ASI. Dieser Missbrauch wird kein öffentliches Thema sein, weil Alleinerziehende im Gegensatz zu Alleinlebenden eine hohe Wertschätzung besitzen.
            
         Die mangelhafte Trennschärfe des sozialrechtlichen Begriffs erklärt jedoch die steigende Zahl der Alleinerziehenden, denn während alleinwohnende und alleinerziehende Partnerlose tatsächlich benachteiligt sind, stellen sich unverheiratete Alleinerziehende, die mit einem Partner zusammenwohnen, gegenüber Verheirateten besser.
            
         Der Partner der Alleinerziehenden fällt dagegen statistisch unter die Rubrik "Single" und zieht damit den Zorn der Gesellschaft auf sich. Dies ist die Schizophrenie einer Gesellschaft, die sich als Single-Gesellschaft definiert...   
 
     
   
  • SOLDT, Rüdiger (2003): Der dänische Weg.
    Woran sich der SPD-Generalsekretär Olaf Scholz bei seiner Programmdebatte orientiert,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.08.
 
   
  • WEFING, Heinrich (2003): Das große Umkrempeln.
    Ich bin der Arnold aus Kalifornien: Schwarzeneggers Revolution,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.08.
    • Kommentar:
      Heinrich WEFING stellt den Wahlkampf in Kalifornien pathetisch in die Tradition des kollektiven Urerlebnis "Goldrausch" und die "Steuerrevolten der späten siebziger Jahre, als der weiße Mittelstand gegen immer höhere Abgaben aufbegehrte. Die organisierten Interessen seien für einen Moment entmachtet beim "Aufstand gegen das Establishment".

            
         Mit Blick auf die deutschen Verhältnisse und die Sehnsucht neoliberaler Eliten fügt er bedauernd hinzu:
            
         "Das erhitzte Volk, der ewigen Kompromisse, der gebrochenen Versprechen überdrüssig, steht auf den Barrikaden, wie sich das ja auch in Deutschland einige Professoren, Bürgerkonvente und politikverdrossene Romantiker eträumen. Aber voran stürmen eben nicht ergraute Ordinarien, Pastoren und hohe Bundesrichter", sondern ein - den Unmut des Homo Oeconomicus kanalisierender - Terminator Arnold SCHWARZENEGGER. Sozusagen ein Westernheld Ronald REAGAN für die Nuller...
 
   
  • GAULAND, Alexander (2003): Reformpolitik braucht Geschichte.
    Der Abschied vom Leitbild des demokratischen Sozialismus raubt der SPD die Machtlegitimation,
    in: Welt v. 14.08.
    • Inhalt:
      GAULAND argumentiert mit Edmund BURKE ( darüber liest man am besten bei A. O. HIRSCHMANN "Denken gegen die Zukunft" nach) im Gepäck, dass die SPD ihren Begriff des demokratischen Sozialismus nicht aufgeben solle (siehe hierzu die Gerechtigkeitsdebatte), denn damit ist der radikale Sozialabbau besser zu bewerkstelligen:
      "Nur Charles de Gaulle konnte Algerien freigeben, weil er für die gloire der Nation, für das geschichtliche Frankreich und für dessen afrikanisches Reich stand. Entsprechend können nur die deutschen Sozialdemokraten mit einem Minimum an gesellschaftlichen Verwerfungen den Rückbau unseres Sozialstaates in Angriff nehmen, eben weil sie in der historischen Tradition des demokratischen Sozialismus stehen."
 
   
  • MÜLLER, Kerstin (2003): Wieder verzweifelt sein.
    Warum der Ex-Smiths-Frontsänger Morrissey gute Chancen hat, wieder groß rauszukommen,
    in: Jungle World Nr.34 v. 13.08.
    • Kommentar:
      Kerstin MÜLLER sieht in der 80er-Jahre-Band The Smiths die ideale Musikgruppe für die
      Generation Golf in der Jobkrise:
            
         "Jetzt finden wir uns – wenn überhaupt – in Arbeitsverhältnissen wieder, in denen die Streber von gestern die Vorgesetzten von heute sind. In denen nicht Talent und Persönlichkeit zählen, sondern die Fähigkeit, auch in vorgeblich flachen Hierarchien schnellstmöglich die Obrigkeit als solche zu identifizieren und sich ebenso schnellstmöglich einzuschleimen. Wir haben Kommunikationswissenschaften studiert, um zu wissen, dass es Sender und Empfänger gibt. Wer sendet und wer empfängt – das lernen wir jetzt –, wird nur selten vom Intellekt bestimmt. Wir haben Chefs, die auf unseren Lebenslauf schauen und meinen, uns zu durchschauen. Die Sensibilität, mit der wir einst The Smiths und ihre poetischen Texte verstanden haben, ist es, mit der wir uns jetzt im Wege stehen.
      Morrissey hat gute Chancen, wieder zur Stimme einer Generation zu werden. Langsam machen sich Depressionen – der Nährboden eines Künstlers, der in den neunziger Jahren kaum beachtet und so gut wie nie gecovert wurde – wieder breit: Arbeitslosigkeit bedroht auch die, die sich bisher als gut ausgebildete High Potentials verstanden haben. Tägliche Meldungen von Kürzungen, Sparmaßnahmen, Streichungen, Entlassungen, Insolvenzen kühlen die Stimmung auf den Nullpunkt herunter. Zeit, auf cool Britannia zu blicken".

            
         Auch bei Christian KRACHT waren kürzlich bei einer Lesung The Smiths zu hören.
            
         Neben dieser Generation Golf-Verzweiflung gehört auch die Verzweiflung des einsamen Pubertären der Generation Smart zum Repertoire der Gruppe:
            
         "Die Songtexte der Smiths handeln praktisch die gesamte Palette adoleszenter Gefühle ab: von jugendlichem Ennui, Unsicherheit und Zweifeln und immer und immer wieder Einsamkeit. Eine ihrer berühmtesten Zeilen lautet: »Life is very long when you’re lonely.« Der Eintritt ins »wahre« Leben wird verhindert durch eine tief empfundene Zugehörigkeitslosigkeit, verbunden mit einer romantisierten Todessehnsucht".
            
         Dazu passt dann bestens die gerade erschienene Erzählung von Benjamin LEBERT.
 
     
   
  • MÜLLER, Burkhard (2003): Vom Enkel und Tröglein.
    Der Generationenvertrag muss anders ausgelegt werden,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.08.
    • Kommentar:
      Der Tagesspiegel hat in seiner Samstagsausgabe vom 09.08.2003 das Märchen der Gebrüder Grimm ausgegraben.

            
         Burkhard MÜLLER gibt nun Interpretationshilfe in Sachen Generationenvertrag und sattelt noch das zeitgemäße Bild von der "Generation Teneriffa" (als Variante "Generation Bodensee") drauf:
            
         "Den Hilflosen zu helfen, das ist der Sinn aller Versicherungen. Dass aber einer, wie es heute oft geschieht, mit achtundfünfzig Jahren in den Vorruhestand tritt, frisch an Leib und Seele, und dann weitere fünfunddreißig Jahre schlechterdings gar nichts mehr zu tun braucht als fidele Radtouren rund um den Bodensee zu unternehmen, gut versorgt und jeder Verantwortung ledig: Das kann auf die Dauer nicht gut gehen."
 
     
   
  • MÜNKLER, Herfried (2003): Krieg der Generationen.
    Mißfelder und die Folgen: Wie funktionieren soziale Konflikte zwischen Jung und Alt?
    in: Tagesspiegel v. 13.08.
    • Kommentar:
      Der Tagesspiegel lässt sich seinen Generationenkrieg von dem - an vielen Medienfronten kämpfenden - Soziologen Herfried MÜNKLER beglaubigen:

            
         "Dass sich inzwischen ein politischer Generationenkonflikt abzeichnet, bei dem einige Beobachter erstaunt, dass er bislang zu nicht mehr Schärfe und Erbitterung geführt hat, liegt (...) nicht nur an den knapper werdenden Ressourcen, an der wachsenden Zahl der Leistungsempfänger und ihrer gestiegenen Lebenserwartung. Sondern auch daran, dass intergenerationellen Ausgleichsinstitutionen wie die Familie oder soziale Milieus nur noch unzureichend funktionieren. Nicht so sehr die wachsende Rentner- als vielmehr die schrumpfende Kinderzahl war der erste Hinweis auf eine erodierende Funktionsfähigkeit. Es ist der Prozess der Individualisierung, der die Ausgleichsysteme zwischen den Generationen einschränkt und schließlich aushebelt. Insofern ist der »Generationenkrieg« ein postmoderner Konflikt".
            
         Die notwendige Bedingung für einen "Krieg der Generationen" benennt MÜNKLER im folgenden:
            
         "Handlungsfähigkeit kann eine Generation nur erlangen, wenn sie sich durch die Zeit als notorisch benachteiligt erfährt oder aber bevorzugt weiß und dementsprechend Benachteiligungen zu bekämpfen oder Privilegien zu verteidigen hat. Das könnte sich in Deutschland gegenwärtig abzeichnen".
            
         Danach befasst sich MÜNKLER damit, dass erstens Generationensolidarität bisher nicht unbedingt der gesellschaftliche Normalfall war und zweitens die Jungen gegen die Alten keine Chance haben. Ursache dafür ist für MÜNKLER unser demokratisches Wahlrecht:
            
         "Wer sein Gnadenbrot erhielt, war einer, der keinen Beitrag mehr zur physischen Reproduktion leistete und über keinerlei Macht und Einfluss verfügte.
      Genau das aber hat sich mit der Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts verändert. Schon auf Grund ihrer Zahl hat die ältere Generation heute Macht und Einfluss wie nie zuvor. (...). Die Verschiebung der Machtverhältnisse wird noch dadurch verstärkt, dass es Wahlrechtsbegrenzungen zwar in Kindheit und Jugend, aber nicht im Alter gibt. Schon deswegen ist ein Generationenkrieg für die Jüngeren unter den herrschenden Verteilungsregeln nicht zu gewinnen".

            
         MÜNKLER macht hier sozusagen Werbung für das Familienwahlrecht. Es würde deshalb kaum verwundern, wenn sich nach dieser Vorlage nun im TAGESSPIEGEL eine Debatte um das Familienwahlrecht anschließen würde...
 
   
  • Der singlefeindliche Beitrag:
    WÖRL, Volker (2003): Wie viele Kinder hast du?
    Das Renten-Dilemma: Die alten Rezepte führen nicht zum Ziel,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.08.
    • Kommentar:
      Die Gerontokratie der SZ setzt - im Hinblick auf einen heißen Herbst - die Rentenreform schon jetzt auf die Agenda. WÖRL macht klar, dass
      Singles keine Lobby im politischen System haben,
      denn der einzige Reformpunkt, der sowohl politisch durchsetzbar wäre und im Interesse von WÖRL ist, ist eine Rentehöhe nach Kinderzahl.

            
         Er folgt damit dem Vorschlag der Singlefeinde Hans-Werner SINN und Paul KIRCHHOF:
            
         "Das riecht nach obrigkeitlichem Einzug in die Schlafzimmer, ist aber ökonomisch logisch und auch liberal", tönt WÖRL. 
 
   
  • MACHNIG, Matthias (2003): Fassbrause für alle! Soziale Gerechtigkeit neu definieren.
    Zu den wichtigsten Fragen der Gegenwart gehört die, wie sich unter den Bedingungen schrumpfender Verteilungszuwächse noch soziale Gerechtigkeit organisieren lässt,
    in: Welt v. 12.08.
    • Kommentar:
      Matthias MACHNIG unterstützt seinen Neue-Mitte-Nachfolger Olaf SCHOLZ bei dessen Rechtfertigung des Sozialabbaus. MACHNIG kennt zwar neben Leistungseliten auch Erbeneliten, aber beide geraten beim Levitenlesen nicht in den Blick.

            
         Die neue Gerechtigkeitspolitik kommt bei MACHNIG als Zwangsbeglückung daher:
            
         "Menschen werden nicht durch Transferzahlungen glücklich, sondern durch das Gefühl, gebraucht zu werden und sinnvolle Dinge zu tun".
            
         Das Glück wird bei MACHNIG also politisch. Er bringt damit die Lebensstilpolitik der 68er-Generation konsequent auf den Punkt. Dort hieß es noch allgemein: "Das Private ist politisch".
            
         Wie im ORWELL-Staat sind alle gleich, aber manche sind gleicher:
            
         "Die Renten von so genannten Hausfrauenehen sind heute beinahe gleich hoch wie die von allein Stehenden, während Doppelverdienerpaare wesentlich mehr bekommen. Das ist eine ökonomische Aufforderung zum Verzicht auf Kinder".
            
         MACHNIG spricht hier wohlgemerkt NICHT von Doppel-KARRIERE-Paaren, sondern von Doppel-VERDIENER-Paaren! Unter diese Rubrik können jedoch auch jene Paare fallen, die im Niedriglohnsektor ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen.
            
         Der Begriff "allein Stehend" sagt dagegen überhaupt nichts über die Einkommenshöhe aus, d.h. hierunter können ebenso Spitzenverdiener fallen.
            
         MACHNIG kommt es hier also nicht auf ein korrektes Bild an, sondern um sozialpopulistische Stammtischparolen.
            
         Zum Schluss missbraucht MACHNIG auch noch die wichtige Studie von Michael HARTMANN
      über den Mythos der Leistungselite, um Sozialabbau und Bildungsoffensive als notwendig zusammengehörend zu rechtfertigen.

            
         HARTMANNs Studie prangert jedoch die Schließungstendenzen INNERHALB des Berufssystem - UNABHÄNGIG vom jeweiligen Bildungssystem - an. Ein verbessertes Bildungssystem würde nichts daran ändern, dass im Berufssystem nicht primär nach Leistung, sondern primär nach Habitus selektiert würde.
 
     
   
  • KOCH, Roland (2003): Nicht noch mehr Zentralismus.
    Warum wir eine Arbeitsmarktreform nach dem Hessen-Modell brauchen,
    in: Tagesspiegel v. 11.08.
    • Kommentar:
      Der hessische Ministerpräsident Roland KOCH profiliert sich als brutalstmöglicher Familienfreund:

            
         "Um die Nachhaltigkeit der verbesserten Nichtanrechnung zu verstärken und einen gleitenden Übergang aus der Sozialhilfe in eine reguläre Beschäftigung zu ermöglichen, unterstützt das Konzept generell den Ausbau des Niedriglohnsektors durch die Einführung eines nicht befristeten Lohnzuschlags für Geringverdienende. (...).
      Dabei ist gewährleistet, dass, wer mehr arbeitet, auch mehr netto verdient. Besondere Berücksichtigung findet die familiäre Situation. Im Gegensatz zum Kinderzuschlag schafft der hessische Lohnzuschlag auch für Familien Anreize, mit jedem Euro brutto auch mehr netto zu verdienen."
 
   
  • SPOERR, Kathrin (2003): Kinderwahlrecht,
    in: Welt v. 11.08.
  • OTTO, Annett (2003): Dem Wahlrecht für Kinder einen Schritt näher,
    in: Berliner Zeitung v. 11.08.
    • Kommentar:
      Der Begriff "Kinderwahlrecht" führt in die Irre, denn es geht um ein Elternwahlrecht. Kinder sollen nicht an die Macht, noch nicht einmal, wenn sie erwachsen sind!
 
     
       
   

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Zu den News vom 01. - 10. August  2003

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

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