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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 06. - 15. August 2004

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Die bislang für einen westdeutschen Geburtsjahrgang niedrigste endgültige Kinderzahl wird mit 1439 für die 1968 geborenen Frauen geschätzt. Für die danach geborenen Frauen (1969, 1970) erwarten wir mit 1456 bzw. 1472 leichte Anstiege der endgültigen Kinderzahl. Der Rückgang der endgültigen Kinderzahlen, der bereits seit dem Jahrgang 1933 (2224) bestand, ist damit abgeschlossen."
(Jürgen Dorbritz in den BIB-Mitteilungen, Nr.2 v. 22.06.2004)
 
 
 
  • STOLDT, Till-R. & Sonja BANZE (2004): Die Trolley-Gesellschaft: Pendeln als Lebensform.
    Deutschland ist in Bewegung. Millionen Menschen arbeiten weit entfernt von dem Ort, an dem sie leben. Am Wochenende oder sogar täglich reisen die Pendler durch das Land. Experten erwarten, dass der Trend stark zunimmt - mit großen Folgen für die gesamte Gesellschaft, vor allem aber für die Liebe,
    in: Welt am Sonntag v. 15.08.
    • Kommentar:
      Paare ohne gemeinsamen Haushalt werden von Konservativen genauso angefeindet wie Singles.
            
        Eigentliche Zielscheibe ist Ihnen der Feminismus, der dafür verantwortlich gemacht wird, dass Frauen nicht mehr ihrem Ehemann nachziehen und den Haushalt führen, wie es der katholische Sozialstaat vorsieht.
            
        In dem Artikel wird ein privilegiertes Paar vorgestellt.
      Im Rahmen der Hartz-Reformen sind es jedoch mehr und mehr Geringverdiener, die zu Fernbeziehungen verdammt werden. Das interessiert die WamS jedoch nicht.

            
        Klaus ZIMMERMANN sieht zwar im zunehmenden Druck des Wirtschaftssytems und des Sozialstaats auf Arbeitnehmer die Ursache für die Zunahme von Fernbeziehungen und ein Personalberater nennt räumliche Mobilität als Grundvoraussetzungen für Karrieren.
            
        Dagegen wird Norbert F. SCHNEIDER, der bisher die einzigste repräsentative Studie zum Thema Lebensform und Mobilität durchgeführt hat, mit dem "Verbindlichkeitsverlust traditioneller Lebensmodelle" zitiert.
            
        Selbstverwirklichung im Beruf, statt Dienen der Frau wie es unlängst der Vatikan gefordert hat.
  • STOLDT, Till-R. (2004): Einmaleins der "Distanzbeziehugnsführer": Wo bin ich gerade?
    Erstmals werden in Deutschland therapeutische Kurse für Fernbeziehungen angeboten,
    in: Welt am Sonntag v. 15.08.
    • Kommentar:
      Die Probleme von Fernliebenden sind kein Politikum, sondern Psychologen wie Joachim LASK, Leiter des Mühltaler Worklife-Instituts, erhoffen sich mit "Kursen für Fernliebende" einen lukrativen Markt.
            
        Für 1700 Euro (Einzelkurs) oder 600 Euro (Gruppenkurs) sollen Besserverdienende ihre Probleme (in der WamS steht natürlich der Kinderwunsch im Mittelpunkt) bearbeiten.
  • BANZE, Sonja (2004): "Die Kosten sind sehr hoch".
    Ökonom Miegel warnt Pendler vor Selbstbetrug,
    in: Welt am Sonntag v. 15.08.
    • Kommentar:
      Der 68er Meinhard MIEGEL darf das Loblied auf die Managerehe singen:
            
        "Es gibt eine kanadische Studie, aus der hervorgeht, dass solche Familien wirtschaftlich überdurchschnittlich erfolgreich sind, wo einer der Partner seinen Berufsweg optimiert und der andere ihm oder ihr den Rücken freihält."
 
 
  • WEIDERMANN, Volker (2004): Der Kampf, die Liebe und die Müdigkeit.
    Vier neue Bücher, vier Erinnerungen an jene Jahre vom langen heißen Sommer 1968 zum deutschen Herbst,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.08.
 
  • RÜTHER, Tobias (2004): Diese Stadt, diese Jahre.
    "Später, Baby", der erste Roman der Journalistin Kristin Rübesamen, ist ein Loblied auf New York in Zeiten der deutschen Medienkrise,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.08.
 
 
  • Veröffentlichtung der Scheidungszahlen

    • Kommentar:
      Ob jede dritte Ehe (Welt) oder 11 von 1000 Ehen (TAZ) geschieden werden, das ist Teil des statistischen Ringkampfs um Ehe und Familie, den der Familiensoziologe Kurt LÜSCHER als Familienrhetorik bezeichnet.
            
        Alljährlich dienen die Veröffentlichungen der Scheidungszahlen durch das Statistische Bundesamt als Gelegenheit zum Bekenntnis zu Ehe und Familie.
            
        Dass zwischen TAZ und WELT Einigkeit darüber besteht, dass Scheidungen von denen minderjährige Kinder betroffen sind, ein Grund zur Empörung sind, ist Ausdruck des Elitenkonsens von alter und neuer Mitte.
    • GRAUPNER, Heidrun (2004): Kurzes Glück.
      Noch nie wurden so viele Ehen geschieden wie im Jahr 2003,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 14.08.
    • DRIBBUSCH, Barbara (2004): Eheretten in 15 Minuten.
      Die Zahl der Scheidungen steigt, weil die Erwartungen zu hoch sind,
      in: TAZ v. 14.08.
    • EHRENSTEIN, Claudia (2004): Meist gehen Frauen zum Scheidungsrichter.
      Jede dritte Ehe hat keinen Bestand - Bei der Hälfte der Trennungen sind minderjährige Kinder betroffen,
      in: Welt v. 14.08.
    • LOSSAU, Norbert (2004): Trennung,
      in: Welt v. 14.08.
 
  • HUMMEL, Katrin (2004): Ein Anschluß unter dieser Nummer.
    Barbara Hoffmann-Fliedner, die dienstälteste deutsche Telefonseelsorgerin, hört seit 45 Jahren Menschen zu,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.08.
 
  • BÖRSCH-SUPAN, Axel (2004): Aus der Not eine Tugend.
    Die Zukunft der alternden Gesellschaft,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.08.
 
  • PONGS, Armin (2004): Demokratien ohne Demokraten.
    Es ist eine Bürgerpflicht, sich einzumischen: Ein Gespräch mit Lord Dahrendorf, Soziologe und Mitglied des britischen Oberhauses,
    in: Frankfurter Rundschau v. 14.08.
 
  • KAHLWEIT, Cathrin (2004): Endlich eine Aufgabe.
    Jugendliche wissen heute meist viel über Verhütung - trotzdem steigt die Zahl der Teenage-Schwangerschaften,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.08.
 
  • HOLERT, Tom (2004): Der "Wow"-Quotient.
    Tod einer magischen Formel: Wie der Glamour aus unserem Leben verschwand,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.08.
 
  • SEIBT, Gustav (2004): Die neue Notgemeinschaft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.08.
 
  • HERRMANN, Ulrike (2004): Wende zum Weniger bei den Grünen.
    Statt ABM-Stellen werden von den Grünen jetzt Billigjobs bei den Wohlfahrtsverbänden für ein bis zwei Euro Stundenlohn akzeptiert. Beschäftigung soll sechs bis neun Monate lang dauern, etwa für arbeitslose Migrantinnen in der Pflege,
    in: TAZ v. 14.08.
 
 
  • SEESSLEN, Georg (2004): Überall, wo wir nicht sind.
    Seit es Kino gibt, handelt es von Arbeit: Der Industrielle Lumière drehte, wie Arbeiter nach Feierabend seine Fabrik verlassen. Chaplin machte fachgerecht kaputt, was ihn kaputtmachte, später träumten Sekretärinnen von der Ehe mit dem Chef. Doch die Arbeit selbst, sie blieb dabei im Vagen. Ein Überblick,
    in: TAZ v. 14.08.
 
  • KRAUSE, Tilman (2004): Und wieder die 68er,
    in: Welt v. 14.08.
    • Kommentar:
      Bildungsbürger KRAUSE versucht sich zu erklären, warum Sophie DANNENBERGs Abrechnung mit den 68ern unter dem Titel "Das bleiche Herz der Revolution" bei einer Lesung von 68er-Veteranen begeistert aufgenommen worden ist.
            
        Die naheliegendste Antwort wird jedoch wohlweislich verschwiegen, denn sie passt nicht zum Feindbild: die 68er-Bewegung war keine einheitliche Bewegung, sondern ein Konglomerat aus unterschiedlichen Grüppchen mit durchaus gegensätzlichen Vorstellungen.
            
        Bei Klaus HARTUNG kann man z.B. die Grabenkämpfe zwischen den SDS-Strategen und den Kommunarden wie Rainer LANGHANS nachlesen.
 
 
  • BAUREITHEL, Ulrike (2004): Wenn Tugend zur Pflicht wird.
    Chronische Unsicherheit. Von den Produktionsmitteln abgeschnitten, sind die Menschen gezwungen, ihre individuelle Existenz zu versichern - doch was passiert, wenn das Versicherungssystem dazu nicht mehr in der Lage ist und die Familie als Hilfstruppe aufgerufen wird?
    in: Freitag Nr.34 v. 13.08.
    • Inhalt:
      BAUREITHEL weist darauf hin, dass das katholische Subsidiaritätsprinzip ursprünglich aus dem militärischen Bereich stammt:
            
        "Familie! Die wird als Hilfstruppe immer dann herangezogen, wenn der staatliche Sozialkahn ins Trudeln gerät. Auch dies ist paradox, weil die »Produktionseinheit Familie« längst verschwunden und die fragile »Erziehungseinheit Familie« selbst einem beständigen Erosionsprozess ausgesetzt und auf eben die Versicherung angewiesen wäre, die nun zur Sicherung offenbar nicht mehr taugt. Erinnert sei immerhin daran, dass der derzeit wieder kultivierte Begriff der Subsidiarität eigentlich aus der Militärsprache stammt und das Hilfsaufgebot für die vorderen Linien meint. Übersetzt in den sozialpolitischen Alltag von Hartz IV müssen die nachrückenden ›Truppenteile‹ - Lebenspartner, Kinder, Eltern und Schwiegereltern und überhaupt alle, die in der mit »Bedarfsgemeinschaft« hässlich umschriebenen Häuslichkeit leben - die in Not gekommene ›Phalanx‹ (nehmen wir an, den erwerbslos gewordenen Familienernährer) unterstützen."
 
  • MAYER, Michael (2004): Die Schäume leben.
    Ursprung und Mutterleib. Peter Sloterdijk erklärt menschliches Zusammensein mit der Metapher der Blase. Das ist bemerkenswert und nicht ganz unbedenklich,
    in: Freitag Nr.34 v. 13.08.
    • Inhalt:
      "Die Vorrangigkeit der Paarexistenz vor der des Individuums; genauer: die Vorrangigkeit des Zusammenseins vor dem Getrenntsein ist der entscheidende Initiationsgedanke Sloterdijks. Der Mensch ist immer schon mit Anderen. Seine früheste Daseinsform ist die Zweieinigkeit der pränatalen Position: der in der Fruchtblase eingeschlossene Keimling, der ohne den Bezug zur Großen Anderen, der Mutter, weder leben könnte noch denkbar wäre. Er ist der Prototyp menschlichen Daseins.
      Doch Blasen platzen und Kinder kommen zur Welt. Und diese Welt hat die Tendenz sich zu dehnen: nach dem Auszug aus der Mutterhöhle entstehen neue Blasen, mikrosphärische Intimverhältnisse wie Familien, Sippen, Verwandtschafts-, Freundschafts- und Loyalitätsbeziehungen, die sich schließlich immer mehr in die Makrosphäre politischer Großkörper weiten. Das intime Minimum der dualen Blase bläht sich zum imperialen Maximum der Völker, Reiche und Nationen, um sich schließlich zu jener Globalsphäre auszudehnen, an deren Ende die eine Kugel steht, der »Globus«. Was wir also »Globalisierung« nennen, wäre mithin Konsequenz einer selbstläufigen Logik der Sphärenerweiterung, in der immer mehr Menschen den Binnenraum einer gegen ein Außen abgedichteten Sphäre gemeinsam bewohnen. Die »Sphäre« wäre dergestalt nichts anderes als jener stets neu zu bauende Ort, an dem die Zusammengehörigkeit von Menschen das Menschenmögliche ist", erläutert Michael MAYER die Sphärologie von Peter SLOTERDIJK.
 
  • BAUMGARTEN, Robert (2004): Acht Jahre arbeitslos.
    Der Held von Magdeburg. Andreas Ehrholdt, bislang vom Leben nicht verwöhnt, hat seine Rolle gefunden,
    in: Freitag Nr.34 v. 13.08.
    • Inhalt:
      BAUMGARTEN porträtiert Andreas EHRHOLDT, den Initiator der Magdeburger Montagsdemonstrationen als arbeitslosen, partnerlosen Nesthocker.
 
 
 
  • DRIBBUSCH, Barbara (2004): Der neue Maßstab für Respekt.
    Die Proteste gegen Hartz IV bedeuten einen "Wertewandel von unten": Das Thema Arbeitslosigkeit ist dort angekommen, wo es hingehört - in der Mitte der Gesellschaft
    in: TAZ v. 13.08.
    • Kommentar:
      Angesichts der Tatsache, dass beruflicher Erfolg in erster Linie die Konsequenz sozialer Herkunft ist (siehe hierzu die empirischen Forschungen von Michael HARTMANN und neuerdings auch von Dierk HIRSCHEL), erscheint die Häme, die DRIBBUSCH der Aufsteigergesellschaft entgegenbringt, zweischneidig.
            
        Wenn DRIBBUSCH sich darüber freut, dass "nicht mehr der Modus von Wachstum und Aufstieg, sondern der Modus des Überlebens zum neuen Leitbild" wird, mag das dem Hass auf die Yuppies entspringen, aber realistisch ist die Einschätzung nicht.
            
        Einzig die "Geburtselite" wird von dieser protestantischen Selbstzerfleischung profitieren.
            
        Ein Ende der Debatte um faule Arbeitslose ist ebenfalls nicht abzusehen, denn inzwischen werden die Faulenzer bereits in den Ich-AGs gesucht. Florida-Rolf ist überall...
 
  • WOELLER, Marcus (2004): Das Cool in der Malerei.
    Sich aufregen kostet nur Energie, also: kühlen Kopf bewahren und durch. Das Werk von Edward Hopper steht am Anfang einer Kunstgeschichte des Cool. Handlung findet sich in seinen Bildern kaum, dafür erhob er die Ereignislosigkeit zum Sujet. Tate Modern in London zeigt eine Retrospektive des Malers
    in: TAZ v. 13.08.
    • Kommentar:
      Edward HOPPER wurde bislang als Maler der urbanen Einsamkeit interpretiert, neuerdings gilt das jedoch als cool...
 
  • HOUELLEBECQ, Michel (2004): Rock am Ring.
    Ausweitung der Kampfzone – für die ZEIT ist der französische Schriftsteller Michel Houellebecq zu den Festspielen nach Bayreuth gereist. Die »Ring«-Inszenierung hat ihn schwer enttäuscht. Er meint, wäre Richard Wagner unser Zeitgenosse, er hätte wohl mit Pink Floyd zusammengearbeitet,
    in: Die ZEIT Nr.34 v. 12.08.
 
  • FRAUNE, Burkhard (2004): Einsam mitten in der Stadt.
    Die Letzte Zeit des Lebens: Vergessen und isoliert. Viele Menschen sterben unbemerkt. Ihr Zahl wird steigen, fürchten Rechtsmediziner und Sozialforscher,
    in: Rheinischer Merkur Nr.33 v. 12.08.
 
  • MEVES, Christa (2004): Veraltete Klischees zwischen Mann und Frau,
    in: Rheinischer Merkur Nr.33 v. 12.08.
    • Kommentar:
      MEVES verteidigt das Papier des Vatikans. Mann und Frau müssen als "Steinzeit-Menschen" betrachtet werden, deren biologischen Unterschiede die sozialen und kulturellen Ungleichheiten auch in der Gegenwartsgesellschaft rechtfertigen. So muss der Mann den Boss raushängen und die Frau muss ihm die Hausschuhe bringen, wenn er von seinen Jagdrevieren in die Höhle zu seinem Weibchen zurückkehrt...
 
  • WALTER, Franz (2004): Hybrid, unchristlich.
    CDU/CSU im Abschied von sich selbst,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.08.
  • BUDE, Heinz (2004): Ungeschminkt, schonungslos.
    Die SPD ist tot, es lebe die SPD,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.08.
 
 
  • ALTHAUS, Nicole (2004): Bauch auf, Baby raus, Bauch weg.
    Stars wie Heidi Klum gehen voran, die Durchschnittsfrau zieht nach: Kaum aus dem Kreissaal entlassen, hetzen Neo-Mütter ins Fitnessstudio oder legen sich unters Messer, um Schwangerschaftsspuren zu tilgen. Ärzte warnen vor dem Wahnsinn. Kulturforscher klagen die Herabsetzung des Gebärens zum Null-Event an,
    in: Facts Nr.33 v. 12.08.
 
  • JW-Debatte: Stadtstrände

    • MATTEONI, Federica & Ivo BOZIC (2004): Eine Hymne auf die Stadt.
      Eine Stadt ohne Stadtstrand kann man nicht lieben,
      in: Jungle World Nr.34 v. 11.08.
    • FRIEBE, Holm (2004): Ein Hauch von Ballermann.
      Das Konzept Stadtstrand war gut, bis es Eventmanagern in die Hände fiel,
      in: Jungle World Nr.34 v. 11.08.
      • Kommentar:
        Holm FRIEBE betrachtet die Stadtstrände aus der Perspektive der Schöner-Arbeiten & Schöner-Leben-Menschen.

              
          Das Konzept sei von der Clubkultur-Bohème erfunden und von den wahren Urbanisten (z.B. Freelancer-Lebenskünstler, die ihr Leben jenseits des Normalarbeitsverhältnisses nicht als Selbstausbeutung, sondern als Emanzipation definieren) genutzt worden.
              
          Jetzt sei das Stadtstrand-Konzept jedoch zum Massenkonsum verkommen, schreibt FRIEBE.
              
          Wer da an ästhetische Kritik à la "Tristesse Royale" denkt, der liegt nicht ganz falsch, aber FRIEBE geht es um den Coolness-Faktor für linkshedonistische Lifestyle-Menschen, deshalb klagt er:
              
          "Stadtstrände mögen als Projekt der Bohème gestartet sein, heute werden sie zwischen den Polen bourgeoiser Bohème und marginalisierter Mainstream zerrieben wie Muschelkalk.
 
  • BENDER, Jesko (2004): Ode an das Volk.
    Der Protest gegen die Arbeitsmarktreformen der Bundesregierung verstärkt sich. In Ostdeutschland nehmen auch Neonazis an Montagsdemonstrationen teil
    in: Jungle World Nr.34 v. 11.08.
    • Kommentar:
      Aus der "globale Klasse"-Perspektive der Schöner-Arbeiten & Schöner-Leben-Menschen ist der Hartz-Protest ein geschmackloses Event von schnöden Normalarbeitsverhältnis-Menschen, mit denen man nichts zu tun haben möchte.
            
        Die JW beschränkt sich deshalb darauf, den nationalistischen Charakter des Protests aufzudecken:
            
        "Rechte waren teils an der Organisation der gegenwärtigen Proteste beteiligt oder haben sie sogar initiiert.
      So auch in Magdeburg. Andreas Ehrholdt, der Initiator der Magdeburger Demonstrationen, will, dass »die Regierenden wissen, dass es ein Volk gibt«. Es sei an der Zeit, »dass wir uns wieder auf unser Selbstbewusstsein als Volk besinnen«, zitiert ihn die Magdeburger Volksstimme. Ehrholdt trat 1998 zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt für die Mittelstandspartei (DMP) an. Die Partei machte im Jahr 2002 von sich reden, als sie sich zu Gunsten der rechten Schill-Partei auflöste. Auch Ehrholdts Vorschlag, am Tag der Deutschen Einheit eine Großdemonstration in Berlin durchzuführen, stellt einen nationalistischen Bezug her.
      "
 
  • ACHELWILM, Doris (2004): Jung, ledig, schlaflos.
    Kathrin Röggla und Marlene Streeruwitz porträtieren Karrierefrauen,
    in: Jungle World Nr.34 v. 11.08.
    • Inhalt:
      "
      In ihren jeweils neuen Büchern geht es nicht darum, einen Handlungsspielraum – in beiden Fällen: Schein und Sein gegenwärtiger Arbeitsverhältnisse – auktorial zu beschreiben, sondern eher zu zitieren, wie deren Subjekte über sich und ihr Tageswerk reden bzw. denken.
      In Rögglas »wir schlafen nicht« sind es Typen des Berufsbild gewordenen Ökonomismus – Key Account Managerinnen, Coaches, eine Praktikantin –, die, in indirekter Rede, vom eigenen Leben sprechen. (...).
      Während die Redeanteile verschiedener Leistungsträger sich in »wir schlafen nicht« zu einem Panoptikum neoliberaler Selbstverständlichkeiten hochschrauben, ist es in Streeruwitz’ »Jessica, 30« der gedankliche Ich-Strom einer vereinzelten Frau, der privat-berufliche Get-a-life-Versuche lesbar macht
      ", schreibt ACHELWILM in sprachmanieristischer Diktion.
 
 
  • OESTREICH, Heide (2004): Familienbild mit Hartz.
    Der Arbeitsmarkt wirds schon richten: Die Logik von Hartz IV behandelt Frauen und Männer gleich, ohne dass sie die Chance haben, sich auch gleich zu verhalten. Das Ergebnis: Frauen - und Mütter vor allem - werden in die gute alte Versorgerehe gedrängt. Oder in unsichere Billigjobs,
    in: TAZ v. 10.08.
 
  • TEGTMEIER, Sascha (2004): "Viele wollen sich an uns ranhängen".
    Die Montagsdemonstranten wollen sich parteipolitisch nicht vereinnahmen lassen - auch nicht von den Linken. Dass auch Rechte mitmarschieren, lasse sich nicht verhindern, sagt Initiator Andreas Ehrholdt. Bei Störern vertraut er auf die Polizei,
    in: TAZ v. 10.08.
 
  • MENSING, Kolja (2004): "Sparen Sie bloß nicht!"
    13. Stock (1): Ingrid Galla wohnt seit 1971 in der Bremer Neubausiedlung Grohner Düne. Nun müssen die Gallas ausziehen. Die Sozialwohnung ist einfach zu teuer für ihre Rente,
    in: TAZ v. 10.08.
    • Kommentar:
      "
      Ingrid Galla hat ihr Leben lang zur Miete gewohnt, 30 Jahre davon in der Grohner Düne. Jetzt muss sie ausziehen. 1.000 Euro Rente bekommt ihr Mann, der früher gleich nebenan in der Vulkan-Werft gearbeitet hat, 400 Euro werden es bei ihr sein, wenn sie in ein oder zwei Jahren nicht mehr in der Küche vom Kindergarten arbeitet. Die gut 700 Euro Miete für ihre Wohnung können sie sich dann nicht mehr leisten. Sozialwohnungen sind teuer, wenn sie nicht vom Sozialamt bezahlt werden. - Und wenn sie sich in der Grohner Düne eine kleinere Wohnung sucht? - Zwei Zimmer sind kaum noch zu bekommen: »Zu viele Singles.«", heißt es politisch korrekt bei Kolja MENSING.
            
        Fakt ist jedoch: Die stetig steigende Zunahme an Wohnraum bei den Einpersonenhaushalten ist Folge der alternden Gesellschaft.
            
        Nicht junge Singles, sondern allein lebende Witwen, die nach dem Tod des Ehemanns und dem Auszug der Kinder alleine in der Wohnung übrig bleiben, sorgen für einen Großteil des - als Explosion der Wohnansprüche ausgegebenen -  Wohnflächenverbrauchs.
 
  • BAUMGÄRTEL, Tilman (2004): Liebe ist die Botschaft.
    Seit 30 Jahren organisiert David Mancuso die legendären Loft Partys in New York - hier wurde Disco geboren. Während Mancuso heute oft drei Generationen auf der Tanzfläche hat, nimmt die Disco-Erinnerung unter weißen Europäern religiöse Züge an. Auch die Universitäten entdecken Disco,
    in: TAZ v. 10.08.
    • Kommentar:
      Wer Studio 54, Saturday Night Fever und die Bee Gees zur Disco-Kultur zählt, der gehört nicht zum Adressatenkreis von BAUMGÄRTEL, der hier die wahre Geschichte der Disco-Kultur und ihrer mythischen Periode erzählt. Dazu liefert BAUMGÄRTEL auch noch jede Menge Literatur:

            
        "Zu dem neusten Disco-Revival haben einige Bücher beigetragen: »Keep on dancing«, die Autobiografie des Disco-Produzenten Mel Cheren etwa, und das großartig recherchierte »Last night a DJ saved my life« von Bill Brewster und Frank Broughton. Interessanterweise sind die meisten dieser Disco-Archäologen Europäer, die nach den Wurzeln des Dance-Booms suchen, der seit Anfang der Neunzigerjahre auch das Nachtleben der Alten Welt verändert hat. Zu den Pionieren unter den Historikern des US-Nachtlebens gehören interessanterweise zwei Deutsche: Ulf Poschardt mit seiner Dissertation »DJ Culture« und Kai Fiekentscher mit seiner Magisterarbeit »You gotta work«. Und dann gibt es noch den Dokumentarfilm »Maestro«, der im September endlich auch in Deutschland starten wird."
 
 
  • VARIAN, Hal R. (2004): Analyzing the Wedding Of Marriage and Money,
    in: New York Times-Beilage der Süddeutschen Zeitung v. 09.08.
    • Kommentar:
      Angeblich haben Singles ein höheres Einkommen als Familienväter.

            
        Dieses Vorurteil verdankt sich der deutschen Sozialpolitikdebatte und der dominierenden Familienlobby.
            
        Dagegen hat die wissenschaftliche Forschung - wenn überhaupt - eher das Gegenteil nachgewiesen.
            
        In einer neuen Studie über Einkommensreichtum hat Dierk HIRSCHEL den typischen Reichen (monatliches Bruttoeinkommen 6000 Euro und mehr) als verheirateten Mann mit Kind beschrieben.
            
        In den USA gilt dagegen als sicher, dass unverheiratete Männer ein geringeres Einkommen haben als verheiratete Männer.
            
        Nur die Ursachen sind ungeklärt. In dem Artikel wird über die Zwillingsforschung berichtet, die diese Unterschiede erklären möchte.
 
  • HEIDBRINK, Ludger (2004): Die Gesellschaft ohne Eigenschaften.
    Reformen? Schön und gut. Aber sind wir uns über die Reformziele einig? Verloren gegangen ist unter Intellektuellen jedenfalls die Zuversicht, eine Antwort auf die Fragen der Zeit zu finden, die auch nur die nächsten Tage überdauern wird. Über die Rolle der Sozialkritik in Zeiten der Ungewissheit,
    in: TAZ v. 09.08.
 
  • LAU, Mariam (2004): Im Bett mit Deutschland.
    Hatten Sie jemals einen One-Night-Stand? Sex im Internet? Oder Liebe auf den ersten Blick? Darin sind die Deutschen Spitze - sagt die amerikanische Trendforscherin Marian Salzman,
    in: Welt v. 09.08.
 
  • SCHULLER, Alexander (2004): Im Garten der Liebe.
    Lady Diana war eine Ikone des Fortschritts: Ihre Jagd nach dem Glück war auch ein Kampf gegen Geschichte, Ordnung und Familie,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.08.
    • Inhalt:
      SCHULLER beklagt den Aufstieg der Liebe, der den Untergang der Institutionen Ehe und Familie bedeutet. Die europäischen Prinzenhochzeiten sind für SCHULLER Ausdruck dieses Paradigmenwechsels.
 
  • STEINBERGER, Petra (2004): Mit Volldampf rückwärts.
    Ist das die Apokalypse? Die Weltbevölkerung altert und schrumpft,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.08.
 
  • HOHMANN, Silke/MÄRZ, Ursula/MICHALZIK, Peter/NUTT, Harry/ROSENAU, Mirja/SCHLÜTER, Christian (2004): Boheme mit Lebensversicherung.
    Wovon wir reden, wenn wir von der Angst vor Abstieg reden. Ein Feuilletongespräch über den Fall durch das soziale Netz und den forcierten Kampf um Anerkennung,
    in: Frankfurter Rundschau v. 07.08.
    • Kommentar:
      Sechs Feuilletonisten haben sich zum Stammtisch versammelt.

            
        Aufstiegswillige Einsteiger, ausstiegswillige und etablierte Neue-Mitte-Journalisten palavern - ganz unrepräsentativ - über die Angst vor dem Absturz.
            
        Jetzt weiß man endlich auch, wen Renée ZUCKER eigentlich mit ihrer Polemik gemeint hat: den selbstreferentiellen Medienbetrieb, der sich gerne selber bemitleidigt.
            
        Dank der BECKschen Individualisierungsthese kann sich die Medienelite ja als Avantgarde des sozialen Wandels betrachten. Alles neue Menschen, die uns Nicht-Eliten angeblich die Zukunft vorleben.
            
        Auf die Idee, z.B. Relikte der Vergangenheit zu sein, kommt unsere Medienelite nicht! Das würde als Kränkung  erlebt werden.
            
        Viel lieber sieht man sich als Bobo ("Boheme mit Lebensversicherung"), der nicht das Problem ist, sondern die Lösung darstellen will. "Wild und gefährlich im Mittelklassewagen" möchte man leben...
 
  • GENAZINO, Wilhelm (2004): Wie sich Kohl und Kafka im Komischen verbinden.
    Über eine Empfindung, die sich aus den unterschiedlichsten Quellen speist: Was ist die Ursache unseres Lachens?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.08.
 
 
  • SCHLAK, Stephan (2004): Und doch sagt der viel, der schlaflos sagt.
    "all das short sleeping, quick eating und diese ganzen nummern" - Kathrin Rögglas Turbo-Protokoll der neuen Arbeitssitten,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.08.
 
  • RIFKIN, Jeremy (2004): Europa, du hast es besser.
    Der amerikanische Traum inspiriert nicht mehr, doch es gibt einen neuen: die EU. Eine Hommage an den alten, jungen Kontinent,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.08.
 
  • RAULFF, Ulrich/SCHMIDT, Christopher/ZEKRI, Sonja (2004): Politik der falschen Fünfziger.
    Vom Junggesellen bis zum Leichtmatrosen: Die Sprache der goldenen Adenauer-Jahre kehrt zurück - ein Glossar,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 06.08.
    • Kommentar:
      Die greisenhafte SZ hätte gerne die 50er Jahre zurück, weswegen sie Begriffe wie den Junggesellen für ein Glossar aus der Mottenkiste holt. Gerechtfertigt wird das mit Verweis auf die Lokalzeitung Münchner Merkur.

            
        Warum jetzt von der Mitte-Presse (SZ bis SPIEGEL) die 50er Jahre zum Vorbild erhoben werden, das erfährt man dagegen aus dem Glossar der Gegenwart...
 
  • SCHULZ, Daniel (2004): "Es kommt eine Rebellion auf uns zu", sagt Christoph Butterwegge.
    Hinter der neuen Linkspartei stehen die von Verarmung bedrohten Mittelschichten, die Armen haben resigniert,
    in: TAZ v. 06.08.
    • Inhalt:
      Christoph BUTTERWEGGE hält bei einer gesetzlich verordneten Armut und gleichzeitigen Steuererleichterungen für Reiche, die für Anfang 2005 vorgesehen sind, eine Rebellion für möglich:

            
        "Sie sprechen von Revolution. Bundesweit schließen Arbeitsagenturen Verträge mit Wachschützern aus Angst vor der Wut ihrer angeblichen Kunden. Was kommt da auf uns zu?
      Eine Revolution wohl kaum, aber vielleicht eine Rebellion, wie es sie in der Bundesrepublik bisher nie gab. Denn Hartz IV wird dieses Land tiefgreifend verändern. Anfang 2005 gibt es zum ersten Mal in der Nachkriegsgeschichte einen massiven Schub gesetzlich verordneter Armut. Die Arbeitslosenhilfe wird abgeschafft. Gleichzeitig sinkt der Spitzensteuersatz für Besserverdienende ein weiteres Mal. Das lässt bei den Reichen Champagnerlaune aufkommen. Darauf könnten jetzt schon Unterprivilegierte mit dumpfer, ungerichteter Gewalt reagieren. Und die von Verarmung bedrohten Mittelschichten eher mit dem Stimmzettel.
      "
   

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Zu den News vom  01. - 05. August  2004

 
 
   
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