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Medienrundschau:
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News vom
07. - 11. August 2006
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Zitat des Monats:
"Die
Geburtenrate ist keine individuelle, sondern eine kollektive
Grösse. Sie hat nichts mit individueller Schuld zu tun, sondern
mit gesellschaftlichen Zusammenhängen. Der säkulare Rückgang der
Geburtenrate seit dem 19. Jahrhundert steht in Verbindung mit
einer Reihe von Entwicklungen, die nur positiv gesehen werden
können. Zu diesen Errungenschaften gehören die Hygiene, die
Medizin, die Wissenschaft, die Bildung, die Armutsbekämpfung,
die soziale Sicherheit, die private Freiheit und die
individuelle Lebenserwartung.
Die
Fortschritte in diesen Gebieten beschleunigen sich sogar, obwohl
seit längerem die Geburtenrate in allen Industriegesellschaften
unter die magische Ziffer von 2,1 Geburten pro Frau gefallen
ist, durch die eine stabile Reproduktion der Bevölkerung
angeblich gewährleistet ist. Statt sich dadurch zu schaden,
profitieren moderne Gesellschaften offenbar von den Kindern, die
nicht geboren werden. Sie brauchen die Kinder nicht, zumindest
nicht in gewohnter Zahl. Auch wenn die zahlen- und altersmässige
sowie die kulturelle Zusammensetzung ihrer Bevölkerungen keinen
Bestand haben - darauf kommt es gar nicht an. Die Aufmerksamkeit
der Demographen und der Angstgemeinde, die sich um sie schart,
richtet sich auf Bestände, die irrelevant sind."
(Karl Otto Hondrich in
der Neuen Zürcher
Zeitung vom 29.07.2006) |
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BECK, Ulrich (2006): Falscher Alarmismus.
Der Streit um die Bevölkerungsentwicklung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.08.
- Anmerkung:
Im Buch
"Die Single-Lüge"
wird dem Soziologen Ulrich BECK vorgeworfen, dass er dem
Nationalkonservatismus Vorschub geleistet hat. Nun beklagt BECK den
methodologischen Nationalismus der "Nabelschau-Demographie". Aber
kann es einen richtigen Alarmismus à la Ulrich BECK geben? [mehr]
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KREYE, Andrian (2006): Die Qual des linken Denkens.
Der erfolgreiche amerikanische Debütant Benjamin Kunkel will den
Schriftsteller als öffentliche Person rehabilitieren,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.08.
- Inhalt:
Andrian KREYE berichtet von der New Yorker Hipster-Front,
diesmal wird der Schriftsteller Benjamin KUNKEL, dessen Debütroman
"Unentschlossen" demnächst erscheint, in der popkulturellen
Hip-Geschichte verortet und die
Gentrificationsgrenzen, die das "Einwandererelend" vom
Pioniertum des Hipsteraufbruchs trennen, benannt, was die Frage von
Britta "Ist das schon Unterschicht oder noch Bohème?" eindeutig
beantwortet.
Hätte
früher die popkulturelle Hipster-Genealogie ausgereicht, so ist
inzwischen auch eine Verortung in den politischen
Intellektuellen-Zirkeln notwendig, um einem politisch korrekten Hype
gerecht zu werden. KREYE positioniert KUNKEL in der Tradition der
Partisan Review, wo bereits Susan SONTAG schrieb, die mit dem
Label "Camp" sozusagen die Verbindungspunkte der beiden Szenen
darstellt.
KUNKEL
und seine Mitherausgeber des Kulturmagazins n+1 haben jedoch
bereits in der ersten Ausgabe ihres Magazins eine Selbstverortung
vorgenommen, die keine Wünsche mehr übrig lässt, indem sie sich
gegen die Nihilisten der New Republic, die Infantilen um
Dave EGGERS und die Neocons abgrenzt.
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ZUCKER, Alain (2006): Hormon sapiens.
Was er und sie längst wissen,
ahnen jetzt auch Partnervermittler im Internet: Die Chemie muss
stimmen. Denn trifft Serotonin auf Testosteron, führt selbst die
gemeinsame Opernleidenschaft nicht ans Ziel – wo immer das liegen mag.
Neuste Herzschmerzgeschichten aus der Verkupplungsbranche,
in: Weltwoche Nr.31/32 v. 10.08.
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GOETSCH, Monika (2006): "Freier, als man wünscht".
Der Kühlschrank steht im
Mittelpunkt der modernen Küche. Ein Gespräch mit dem französischen
Soziologen Jean-Claude Kaufmann über Zucker, Fett, Haferbrei und die
Individualisierung des Essens,
in: TAZ v. 10.08.
- Inhalt:
Der französische Soziologe Jean-Claude
KAUFMANN über die
Kochende Leidenschaft:
"Apropos
Partnerschaft: Sie beschreiben in Ihrem Buch drei Männertypen. Den
Pascha, der sich das Essen auf den Sitz bringen lässt. Den
Handlanger, der die undankbare Aufgabe übernimmt, Karotten zu
schrappen. Und den Star der Szene: Er brät gewaltige Tiere und
heimst für sein Festmenü alles Lob ein. Die Alltagsküche allerdings
ist ihm zu profan. Wie halten Sie selbst es mit dem Kochen?
Anders
als die meisten Männer koche ich jeden Tag, kenne also die
unangenehme Frage danach, was am nächsten Tag auf den Tisch kommen
soll - und die wenig richtungsweisende Antwort der
Familienmitglieder: »Was du willst.« Ich koche aber auch bei Festen,
denn ich liebe die große, leidenschaftliche Küche,…"
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- BRUNS, Tissy (2006): Belohnung für die
Bindungslosen.
Wer den Familien weitere
soziale Bürden auflädt, zerstört die Keimzelle der Gesellschaft,
in: Tagesspiegel v. 10.08.
- Inhalt:
"Die
große Industrie hat bekanntlich die Großfamilie zerstört. Ob die
globalisierte Wirtschaft die Kleinfamilie zerstören wird, ist eine
offene und ernste Frage. Unsere Arbeitswelt verlangt den flexiblen
Menschen. Sie reduziert die alten Sicherheitsversprechen. Sie trennt
den Familienvater vom Wohnort seiner Kinder. Sie nimmt jungen Menschen
die Zeit für die Familiengründung. Ihr Tempo und ihr Takt stehen im
Gegensatz zu den Bedürfnissen des Systems Familie.
Die Konflikte junger Frauen zwischen Beruf und Kinderwunsch spiegeln
das nur besonders dramatisch. Ganz unter der Hand entwickeln sich die
Unterschiede zwischen Elternschaft und Kinderlosigkeit zum modernen
Klassenunterschied. Denn die neuen Konkurrenzverhältnisse begünstigen
die Beweglichen, die Bindungslosen.
Wer
will, dass Familie die Keimzelle des Staats bleibt, darf am
allerwenigsten ihr den Preis für die Kehrseiten dieser Entwicklung
aufbürden. Ältere Langzeitarbeitslose sind klassische Verlierer des
neuen Taktes auf dem Arbeitsmarkt. Pofallas Vorschlag läuft darauf
hinaus, das größere Jobrisiko und den Konkurrenznachteil von Eltern
aus dem Geldbeutel ihrer Kinder zu finanzieren. Das wäre das Gegenteil
von Gerechtigkeit und Familienförderung",
meint Tissy BRUNS.
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LANGE, Wolfgang (2006): Eigensinnig und betörend.
Iris Hanikas Kurzprosa "Musik für Flughäfen",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.08.
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FR-PLUS: Familienpolitik.
Das klassische Familienbild von
Vater, Mutter, Kind hat tiefe Risse erhalten. Patchwork-Familien,
alleinerziehende Eltern und hohe Scheidungsraten sind hier zu Lande
die Realität. Manche Frauen suchen nicht mehr den Partner fürs Leben,
sondern nur noch Samenspender. Höchste Zeit, dass die Parteien ihre
Familienpolitik überdenken
- HILDEBRANDT, Antje (2006):
Samenspender gesucht.
Alleinstehende Frauen verwirklichen ihren Kinderwunsch auch per
Internet. Der Nachwuchs hat keinen rechtlichen Anspruch,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.08.
- GEHRMANN, Alva (2006): Die Häupter
meiner Lieben.
Island liegt bei der Geburtenrate europaweit an erster Stelle -
doch mit einem klassischen Familienbild hat das nicht viel zu tun,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.08.
-
DECKENBACH, Karin (2006):
"Rückständig und kinderunfreundlich".
Der Soziologe Steffen Kröhnert fordert eine kürzere
Erziehungszeit, bessere Kinderbetreuungseinrichtungen und insgesamt
eine modernere Familienpolitik für Deutschland,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.08.
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- HÖLSCHER, Astrid (2006): 2050 gibt es
9,2 Milliarden Menschen.
DSW-Datenreport: Bevölkerung im südlichen Afrika wächst rasant.
Aids-Raten mancherorts niedriger als gedacht,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.08.
- Inhalt:
HÖLSCHER berichtet über die Ergebnisse des
Datenreport 2006 der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), der
am Dienstag vorgestellt wurde.
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ADAM, Konrad (2006): Pofalla hat recht.
Familiäre Einstandspflicht
bei Hartz IV - Die schäumende Privatisierungswelle, die aus der
Staatswirtschaft ein Abbruchunternehmen gemacht hat, ist in die
Herzkammer der deutschen Innenpolitik vorgedrungen, zum
Wohlfahrtsstaat,
in: Welt v. 09.08.
- HEBEL, Stephan (2006): Familie als
Reparaturbetrieb,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.08.
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KAHLWEIT, Cathrin (2006): Familien im Teufelskreis.
Generationenvertrag:
CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla möchte, dass in Zukunft erwachsene
Kinder mit ausreichendem Einkommen Unterhalt für ihre arbeitslosen
Eltern bezahlen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.08.
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YÜCEL, Deniz (2006): Ralf Bauer: "Benjamin Blümchen ist die typische
Einstiegsdroge",
in: Jungle World Nr.32 v. 09.08.
- Inhalt:
Ralf BAUER, Abteilungsleiter Medien- und
Marktforschung beim Ehapa Verlage, über die Kids-Verbraucher-Analyse:
"Haben
Sie Kinder? Und besitzen sie ein eigenes Handy und einen eigenen
Fernseher?
Ich
bin erst vor kurzem Vater geworden, mein Sohn kann noch nicht
sprechen. Aber wenn die Entwicklung in diesem Tempo weitergeht, wird
er mit sechs Jahren wohl ein Handy haben.
Dem
Kinderschutzbund zufolge leben in mehr als 2,5 Millionen Kinder und
Jugendliche auf dem Sozialhilfeniveau. Ihre Untersuchung stellt
fest, dass jedem Kind durchschnittlich erstmals mehr als 1 000 Euro
zur Verfügung stehen. Wie passen beide Ergebnisse zusammen?
Zum
Teil liegt das daran, dass unsere Studie nur Kinder im Alter
zwischen sechs und 13 Jahren erfasst. Und wir fragen die Kinder
nicht nur nach dem Taschengeld, das sie von ihren Eltern erhalten,
sondern auch danach, was ihnen Tanten, Onkel und Großeltern
schenken. Darum sind diese unterschiedlichen Zahlen durchaus
miteinander zu vereinbaren, zumal viele Eltern sagen: Hier und da
müssen wir schon knapsen, aber die Kinder sind das Letzte, woran wir
sparen. "
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LEE, Felix (2006): Jeder-für-sich-Bewegung.
taz-Serie "Prekäre Leben"
(Teil 9 und Schluss): Für manche Gewerkschaftler bildet das
Prekariat bereits das Proletariat des 21. Jahrhunderts. Kann es
dieser sozialen Bewegung gelingen, langfristig Widerstand gegen die
Ausbeutung zu organisieren?,
in: TAZ Berlin v. 08.08.
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LEE, Felix (2006): Prekariat.
Formen des Widerstands,
in: TAZ Berlin v. 08.08.
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DECKENBACH, Karin (2006): Wir haben die spießigsten Männer,
in: Frankfurter Rundschau v. 08.08.
- Inhalt:
"Die
Ehe als Versorgungseinrichtung für Frauen hat ausgedient, die
»Wahlfreiheit«, zu Hause zu bleiben, ist auch rein volkswirtschaftlich
nicht zu bezahlen. Die Doppelverdienerfamilie muss zum Standardmodell
unserer Sozialversicherungssysteme werden. Auch noch so hohe
staatliche Familienleistungen können niemals den Einkommensverlust
auffangen, der durch die Reduzierung auf ein, höchstens eineinhalb
Gehälter entsteht.
Ganz
klar: Die deutsche Familienpolitik ist bankrott. Dringender denn je
müssen wir umsteuern. Die ganzen Gluttermück-Strukturen auf den Müll
werfen, das Ehegattensplitting abschaffen, die Individualbesteuerung
einführen, die Witwenrente für künftige Generationen streichen, das
Bildungssystem reformieren, ganz viele Betreuungsplätze neu bauen, um
den Frauen zumindest die Chance zu bieten, den Männern ein anderes
Rollenverständnis abzuverlangen",
fordert Karin DECKENBACH in ihrem neuen Buch
"Die Mutterglück-Falle".
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SEMLER, Christian (2006): Die solidarische Sippe.
Ronald Pofalla (CDU) schlägt
vor, dass arbeitende Kinder ihre arbeitslosen Eltern unterstützen
sollen. Er hat dafür herbe Kritik einstecken müssen. Warum eigentlich?
Sein Vorschlag ist doch ganz nett,
in: TAZ v. 07.08.
- Inhalt:
Dem 68er Christian SEMLER gehen de Vorschläge
von Ronald POFALLA zur Stärkung des Subsidiaritätsprinzip
nicht weit genug:
"Wenn
etwas an Pofallas Vorstoß zu kritisieren ist, dann seine mangelnde
Reichweite. Wieso sollen eigentlich nur die Kinder für die Eltern
einstehen und nicht auch deren Enkel und Großneffen? Warum auf
halbem Wege stehen bleiben und nicht kraft Gesetzesänderung die
glücklichen Zeiten der Großfamilie wieder aufleben lassen? Warum
nicht die Solidargemeinschaft auf die Sippe ausweiten? Diente das
nicht dem Ziel des gesellschaftlichen Zusammenhalts und würde es
nicht den Sozialstaat weiter entlasten?"
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FIB (2006): Japan ist am Wendepunkt.
Der Gipfel ist überschritten,
die Einwohnerzahl Japans sinkt. Während das Land gerade Italien als „weltälteste
Nation“ mit 21 Prozent der Bevölkerung im Rentenalter abgelöst hat,
ging nun auch die Zahl der Einwohner auf 127,65 Millionen zurück,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.08.
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FIB (2006): Älter und weniger,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.08.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
01. - 06.
August 2006
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