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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 08. - 16. Dezember 2003

 
       
     
     
     
       
   
Zitat des Monats:
"KLEINFAMILIENNEID: Bei 35-jährigen Singles weit verbreitete Neigung, Familien zu beneiden und doch noch über eine Kind nachzudenken. Die eigene Familie soll dann aber bitte so stylish sein wie bei den Beckhams. Windelwechsel und Krach wird beim Beneiden nicht bedacht." (S.97)
...
"SINGLENEID: Bei Kleinfamilien und festen Paaren besonders ab Mitte 30 verbreiteter Neid auf Singles. Dabei handelt es sich um eine Vorstellung von singles, die mehr mit der TV-Serie
»Sex and the City" als mit der Realität zu tun hat. (S.155)
(aus: Volker Marquardt "Das Wissen der 35-Jährigen")
 
       
   
  • Berliner Studenten (2003): Taz besetzt.
    Warum?
    in: TAZ v. 16.12.
    • Kommentar:
      Die Studenten kritisieren die TAZ als Sprachrohr der Neuen Mitte. Das ist jedoch keine Neuigkeit:

            
        "Nachdem ich eine Weile geschrieben hatte, brach ich meine geisteswissenschaftlichen Studien ab, mit denen ich mich ein bißchen zu sehr identifiziert hatte. Es war eine tolle Zeit, so um die Dreißig, ständig aufgeregt zu schreiben für die innerhalb der taz linksdissidente Berlin-Kultur, schreibend schreiben zu lernen, vom eigenen Geld zu leben, auf eigenen Füßen zu stehen, wie man so sagt. Es war auch wahnsinnig anstrengend; die Konflikte innerhalb der Zeitung, die endlosen, fruchtlosen Debatten, in denen man zwar positioniert war, aber noch kein richtiges Rederecht hatte; daß die Redakteure und Redakteurinnen, mit denen man verbunden war, allesamt gekündigt wurden, daß der Weg in die Zeitung, den man damals, mit dreißig, gern gegangen wäre, plötzlich blockiert war, weil eine der Positionen der Gekündigten einzunehmen Verrat gewesen wäre.
      So nahm man ein bißchen Abstand", schreibt Detlef KUHLBRODT im Kursbuch "
      Die 30jährigen" über einen Umbruch in der TAZ in den 90ern.
            
        Interessiert diese Besetzung überhaupt jemanden?
            
        Dazu hat Norbert ROST in Telepolis ("Geldknappheit im Kapital-Ismus") einen Popsong zitiert, der das Dilemma von 68er-Protestformen auf den Punkt bringt:

      "Du rennst herum, mit deiner Wahrheit
      und niemand will sie hören.
      Nicht weil sie falsch ist. Nein!
      Niemand sagt: Das ist falsch!
      Nein, es ist richtig, aber wir wissen das alle
      und wir können es nicht mehr hören.
      Weil, es macht keinen Spass!
      Fehler is King! Halbheit Rules!
      Knarf Rellöm, »Soul Punk« auf »Fehler is King«
      "

 
     
     
   
  • GERMIS, Carsten (2003): Der Generationenkonflikt findet nicht statt.
    Jung kämpft gegen alt. So lautet die gängige These. Alles Quatsch. In Wirklichkeit rücken Enkel und Opa enger zusammen, sagt ein Trendforscher,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.
    • Kommentar:
      Der Sozialpädagoge Horst W. OPASCHOWSKI hat eine Studie zur Agenda 2010 verfasst. Seine 3 Säulen der Altersvorsorge sehen die Familie als letztes Auffangbecken vor, weil weder Staat noch Markt eine ausreichende Altersvorsorge garantieren können.
  • MÜNCHHAUSEN, Anna von (2003): Zurück zum Rudel.
    Gescheitert? Bankrott? Pflegebedürftig? Macht nichts. Da gibt es ja noch die Familie. Das Prinzip der Agenda 2010 lautet: Im Notfall sollen die Angehörigen einspringen, 
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.12.
    • Kommentar:
      Mit der Agenda 2010 wird die Familie wieder zur Zwangsgemeinschaft. Nicht Singles, sondern Familienlose werden dies zuerst spüren, denn ihnen fehlt jenes Netz, das sie auffangen soll.

            
        Begründet wird dies mit dem demografischen Wandel. Tatsächlich sind die jetzigen Einschnitte nicht aus demografischen, sondern aufgrund der Arbeitsmarktlage notwendig. Darauf verweist der Münchner Soziologe Walter BIEN:
            
        "Marcus Ostermann, Geschäftsführer des Deutschen Familienverbands, stellt fest: »Familie hört nicht an der Tür der Kleinfamilie auf. Was die Generation belastet, schlägt auf alle anderen durch.« Was durchschlage, seien eben vor allem gestiegene Ausgaben (...). Walter Bien vom Deutschen Jugendinstitut in München hält solche Äußerungen allerdings für das Ergebnis einer Lobbypolitik der Verbände: »Wir haben keine Krise der sozialen Sicherungssysteme, sondern eine Krise der Erwerbstätigkeit.« Seiner Meinung nach werden die negativen Folgen der demographischen Entwicklung erst um das Jahr 2010 wirklich erkennbar. Es sei auch sinnlos, zwischen Kinderlosen und Kinderhabenden zu unterscheiden und das Klagelied der armen Familie anzustimmen. Schlecht dran seien in erster Linie junge Familien mit nur einem Ernährer; Familien, deren Kinder die Ausbildung beendet haben und selbst berufstätig sind, gehe es meist blendend. Es sei denn, die Jungen stehen plötzlich wieder vor der Tür."
 
   
  • MAYER, Verena (2003): Liebe in den Zeiten der Arbeitslosigkeit.
    Frankfurt an der Oder hat es schwer. Die geplante Chip-Fabrik wird nicht gebaut, und nirgendwo in Deutschland werden mehr Ehen geschieden als hier. Warum ist in dieser Stadt kein Platz für die Liebe?
    in: Tagesspiegel v. 14.12.
 
   
  • LADWIG, Bernd (2003): Was gerecht wäre.
    Vergessen wir einmal Rentenreform, Bildungsnotstand, Vermittlungsausschuss: Gerechtigkeit ist mehr, als die Propheten der Ungleichheit sich träumen lassen,
    in: Tagesspiegel v. 14.12.
    • Inhalt:
      Der Magdeburger Philosoph Bernd LADWIG, Jahrgang 1966, hält nichts von den gegenwärtigen Gerechtigkeitsvorstellungen:

            
        "Wahre Gerechtigkeit schließt die Eigenverantwortung mündiger Menschen nicht aus, sondern setzt sie frei – diese Ansicht bejaht die politische Philosophie geradezu emphatisch. Die aktuelle Politik allerdings, sei es die Agenda 2010 oder die Vorschläge der konservativ-liberalen Opposition, wird dadurch nicht gestützt: Sie verletzt in allen Spielarten wesentliche Gebote der Gerechtigkeit. Die Vermutung vieler Menschen, die »Reformen« seien nicht fair, ist berechtigt."
            
        Wann ist eine Gesellschaftsordnung gerecht?
            
        "Wenn sie die unverschuldeten Nachteile von Menschen nach Möglichkeit ausgleicht, ihnen aber zumutet, die Folgen ihrer Entscheidungen und Handlungen selbst zu tragen. Dieser Grundsatz geht auf den amerikanischen Rechtsphilosophen Ronald Dworkin zurück: Kein mündiger Mensch darf die Kosten seines freiwilligen Tuns und Lassens auf die Allgemeinheit abwälzen. Nicht zuständig sind wir hingegen für Umstände, die wir uns nicht aussuchen können.
      Was sind solche unverschuldeten Umstände? Da ist zum Beispiel der soziale Hintergrund der Familie, in die man hineingeboren wird. Zweitens gibt es angeborene Vorzüge und Talente, und drittens hat niemand Einfluss auf seine Stellung in der Generationenfolge.
      "
 
     
   
  • BRUNS, Tissy (2003): Der ungerechte Wohltäter.
    Kirche und Sozialstaat,
    in: Tagesspiegel v. 13.12.
  • DROBINSKI, Matthias (2003): Segen für Sozialabbau,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.12.
  • OTTO, Annett (2003): In der Wirklichkeit angekommen,
    in: Berliner Zeitung v. 13.12.
  • SPERBER, Katharina (2003): Abschied von der Soziallehre,
    in: Frankfurter Rundschau v. 13.12.
 
   
  • BALZER, Jens (2003): Musik, die keiner mag,
    in: Berliner Zeitung v. 13.12.
    • Kommentar:
      BALZER positioniert sich im popkulturellen Kleinkrieg u.a. mit einem Jahresrückblick gegen die Bürgernationalisierungsdebatte.

            
        Punkverschnitt "Mia" (interessiert niemand außer die neuen Bürgernationalisten und ihre Antipoden, die BALZER "Antifa-Hirnis" nennt).
            
        Martin BÜSSER erhält einen Preis für das bescheuerste Booklet. Die deutsche Version der kritisierten englischen Fassung ist in der jungen Welt nachzulesen.
            
        Surrogat ist wegen "Szeneverrat" auch dabei.
 
   
  • HARTMANN, Martin (2003): Der Kapitalismus frisst seine Kritiker.
    Alles, was Ihr Wollt: Luc Boltanski und Eve Chiapello beschreiben die Widersprüche der Netzwerkgesellschaft auf neuestem Stand,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.12.
    • Kommentar:
      "
      Um sich zu rechtfertigen, hat sich der Kapitalismus der Gegenwart Argumentationsfiguren zu eigen gemacht, die aus der Kapitalismuskritik der sechziger und siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts stammen. Ob dort vom eindimensionalen Menschen die Rede war, von entfremdeter Arbeit oder instrumentellem Handeln - stets verband sich mit diesen Schlagworten die Kritik an einer unpersönlichen Fabrikdisziplin. Im Namen von Authentizität und Selbstverwirklichung, so Boltanski und Chiapello, formulierten linke Intellektuelle eine Kritik, die weniger an Gerechtigkeit orientiert war als an der Schaffung erweiterter Möglichkeiten für die Persönlichkeitsentfaltung in den Unternehmen. So stand einer gewerkschaftlich artikulierten »Sozialkritik« eine »Künstlerkritik« zur Seite, die sich von dem Nonkonformismus und der freiwilligen Außenseiterrolle der Großstadtdandys des 19. Jahrhunderts inspirieren ließ.
      Der Kapitalismus hat auf diese Kritik reagiert, er hat gleichsam seine Kritiker gefressen,
      " fasst HARTMANN die Kernthese der französischen Wissenschaftler zusammen.
            
        Der bourgeoise Bohemien (Bobo) und der "privileged poor" verkörpern - auf je unterschiedliche Weise - den neuen Geist des Kapitalismus.
            
        Trendforscher wie Matthias HORX  haben jene neuen Ideologien des individualisierten Spaßarbeiters popularisiert, deren Kehrseiten nun im Zusammenhang mit dem neoliberalen Sozialabbau zunehmend deutlicher sichtbar werden.
            
        Der Poptheoretiker Diedrich DIEDERICHSEN hat dagegen auch die Gefahren des "glücklichen Arbeitssklaventums" beschrieben).
            
        Im Bild der Popökonomie wird die Religion dieser neuen Form des Arbeitens auf den Punkt gebracht.
 
   
  • WIEDEMANN, Charlotte (2003): Befreiungsschläge allerorten.
    Eine neue Apo kann ein Abdriften des gesellschaftlichen Unmuts nach rechts verhindern,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.12.
    • Kommentar:
      Bisher liefen nur die marktradikalen Reformbeschnleuniger unter dem Etikett "neue APO". Nun möchte WIEDEMANN den Unmut der Modernisierungsverlierer mittels neuer APO  kanalisieren:

            
        "Eine neue Apo, die sich für soziale Gerechtigkeit und menschliche Würde einsetzt, hier lebende Ausländer inbegriffen, hat auch eine gesellschaftshygienische Funktion: zu verhindern, dass der diffuse Unmut nach rechts wabert."
 
   
  • FUCHS, Peter (2003): Was ist los mit dem Sozialstaat?
    Komplexität lässt sich nicht vernichten, sondern allenfalls verschieben. Systemtheoretische Überlegungen zur Reform der sozialen Sicherungssysteme,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.12.
    • Inhalt:
      Der Soziologe Peter FUCHS warnt davor, die Komplexität der sozial differenzierten Gesellschaft zu ignorieren. Aus systemtheoretischer Sicht ist der Versuch die Ökonomisierung der Politik durchzusetzen kurzsichtig und gefährdet die Legitimationsgrundlagen des Systems:

            
        "Die Exklusionen, die durch eine Politik ausgelöst wird, die selbst entscheidet, was Exklusionsschicksal ist, was nicht, könnte etwas zerstören, was zu den Bedingungen der Möglichkeit funktionaler Differenzierung gehört: das Fehlen eines sich in Taten umsetzenden Sozialneides."
            
        Die Funktion des Sozialstaates wirkte zivilisierend, wenn dies auch immer mal wieder bestritten wird. FUCHS lässt keinen Zweifel daran:
            
        "Wenn die Funktion des Sozialstaates ausfällt, wenn man leichtsinnig mit ihr umgeht, werden funktionale Äquivalente auf den Plan treten. Sie könnten ein gorgonisches Antlitz haben."
            
        Die neuen Bürgernationalen von Bernd ULRICH bis Klaus HARTUNG setzen dagegen darauf, dass patriotische Gefühle ein funktionales Äquivalent zur Sicherheit des bisherigen Sozialstaates sind.
 
   
  • KALINOWSKI, Burga (2003): Leben im Minus.
    Fast verbotene Gespräche. Rund um das Arbeitsamt ist von einer Verzweiflung zu hören, die bisher nur selten laut wird,
    in: Freitag Nr.51 v. 12.12.
    • Inhalt:
      KALINOWSKI hat sich bei den Arbeitslosen umgesehen:

            
        "Kirsten Schneller. Sie ist 48 Jahre, Single, gelernte Sekretärin, hat seit der Wende in verschiedenen Betrieben in der Produktion gearbeitet, Arbeit immer gesucht und auch gefunden, zuletzt in einem Copy-Shop. Aber die Geschäfte liefen schlecht. Seit Juli ist sie arbeitslos. (...).
      Sie hat den amtlichen »Meldezettel für Eigenbemühungen« dabei. Deswegen war sie den ganzen Vormittag im Arbeitsamt. Denn ohne diesen Nachweis kann der Leistungsbezug drastisch gekürzt werden, ebenso bei der Ablehnung zumutbarer Arbeit. (...).
      Der Meldezettel gehört zum Repertoire der Hartz-Reformen von Rot-Grün, mit denen der arbeitslose - wenn nicht gar arbeitsunwillige - Bürger einerseits in Bewegung gebracht und andererseits dazu animiert werden soll, etwas zu leisten, was das Arbeitsamt höchst selten schafft: Einen Arbeitsplatz zu finden.
      "
 
   
  • SCHWELIEN, Michael (2003): Wie man in Deutschland Kinder erzieht.
    Heute haben Kinder alle Rechte, Eltern alle Pflichten. Bei Erziehung reden alle mit: Großeltern, Tanten, Nachbarn - und der Nachwuchs selbst. Eine Familiengeschichte über drei Generationen,
    in: Die ZEIT Nr.51 v. 11.12.
    • Inhalt:
      Michael SCHWELIEN beschäftigt sich u.a. mit ein paar Mythen über Erziehung, Kinderarmut und das Zusammenleben in Deutschland:

            
        "Die 68er haben den Staat nicht umwälzen können, nicht einmal, als ihre Repräsentanten in die höchsten Ämter aufstiegen. Aber sie haben die Familie, sozusagen die kleinste tragende Einheit des Staats, radikal verändert. Wer heute die Folgen dieser Revolution als »Erziehungsnotstand« abtut, hat nicht erlebt, was Erziehung vor 1968 bedeutete. Erziehung in Deutschland hieß dereinst vor allem: Erziehung zum Gehorsam. Und was das in diesem Land bedeutete, muss nicht mehr wiederholt werden.
      (...).
      Kinder, so will ein gängiges Klischee, sind heute ein »Armutsrisiko«. Das kann man nur behaupten, wenn man Armut als etwas Relatives ansieht, Armut als weniger wohlhabend denn der Durchschnitt definiert. Objektiv gibt es nur wenig Kinderarmut in Deutschland. Unser Land ist weit von Zuständen wie in den USA entfernt, wo Hunderttausende von Kindern leben wie in der Dritten Welt, wo viele hungern und Millionen nicht medizinisch versorgt werden, weil sie keine Krankenkassen haben.

      (...).
      Eltern sein, eine Ehe zu erhalten, das fällt leichter, wenn man die wilden Jahre, in denen man jeden Abend ausgehen will, schon hinter sich hat. Die Scheidungsstatistiken belegen es: Vor allem jüngere Paare lassen sich scheiden, viele schon sehr schnell, schon im ersten Jahr, nachdem sie den Bund fürs Leben geschlossen haben. Kinder können solche zu frühen Ehen nicht kitten.
      Die modernen Schlagworte von der Entfremdung und der Zerrüttung der Familie seien allerdings falsch, sagt Marc Szydlik, ein junger Professor für empirische Sozialforschung an der Universität Erfurt. Er hat in seinen empirischen Studien herausgefunden, dass das Gegenteil gilt: Der Zusammenhalt zwischen Eltern und Kindern sei ungebrochen. Indes seien es »eher die Mütter und Töchter als die Väter und Söhne, welche die Familie zusammenhalten«, analysiert Szydlik, »(auch) wenn man nicht mehr zusammenlebt«.
      "
 
     
   
  • KNIESS, Claudia (2003): Jamal Tuschick: Bis zum Ende der B-Seite,
    in: Literaturbeilage der ZEIT Nr.51 v. 11.12.
    • Inhalt:
      "Mehr als ein Stadt- ist Bis zum Ende der B-Seite ein Zeit-Roman. Der Leser streunt mit dem Ich-Erzähler durch dessen Pubertät in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Drogen, Sex, Abhauen, Szene, Musik - es ist die Erinnerung an eine Zeit, als Jugendkultur noch aus erster Hand gelebt und nicht nur simuliert wurde", schreibt KNIESS.
 
     
   
  • DETTLING, Daniel (2003): Die verlorene Generation.
    Jung gegen alt. Abschied vom Aufstieg? Aus dem Umverteilungsstaat muss eine Bürgernation werden. Der Egoismus der Parteien ruiniert jede Reformpolitik. Wenn die Jugend ihr Schicksal nicht selbst in die Hand nimmt, ist die Zukunft in Deutschland verspielt,
    in: Rheinischer Merkur Nr.50 v. 11.12.
    • Kommentar:
      "Ich freue mich immer, wenn die Rede auf die Krise kommt, denn dann kann ich meine gepfefferte Standardantwort geben.
      »Krise? Mir doch egal. Ich bin seit meinem 13. Lebensjahr in der Krise.«", entgegnet
      Kerstin GRETHER in einem KURSBUCH-Beitrag über die 30jährigen
      einem Journalisten aus der oberen, gebildeten Mittelschicht.
      "Denn der Musiker und Journalist glaubt immer noch, ich sei auch so ein Neu-Krisengeschädigter wie er, und hadert wieder mit unserem gemeinsamen Schicksal. die Medienbranche, die Musikindustrie, die Werbeindustrie. Alle in der Krise. Was aus uns werden soll?
      Mit fällt auf, daß er mit »uns« selbstverständlich nur Leute mit spannenden Berufsaussichten meint. Die anderen haben wir alle abgehängt, nein, mit kleinbürgerlichen Spießern haben wir nichts zu tun. Das beweist ja auch eine neue Pisa-Studie, die zum selben Ergebnis kommt wie die alten: In keinem Land der Welt sind die Unterschiede zwischen Arm und Reich so schwer zu überbrücken wie in Deutschland - nicht mal in Argentinien."

            
        Wenn von "verlorener Generation" oder "Bürgernation" die Rede ist, dann meint dies jene Gemeinschaft der Mittelschicht-Elite, die GRETHER hier beschrieben hat. Jene Neu-Krisengeschädigten, die sich - wie Daniel DETTLING - für den Nabel der Welt halten.
            
        Ihre Solidarität unterscheidet zwischen Eliten und Massen. Erstere nutzen die neuen Freiheiten und das soziale Erbe der Herkunft, dem Rest überlassen sie den Niedriglohnsektor und die Grundsicherung. Letzteres begründet dann ihre Philanthropie. 
 
   
  • Der singlefeindliche Artikel:
    BORCHERT, Jürgen (2003): Verfassungsboykott.
    Streitfall. Warum die CSU mit ihrem Modell Recht hat,
    in: Rheinischer Merkur Nr.50 v. 11.12.
    • Kommentar:
      Jürgen BORCHERT möchte seine altbekannten Positionen erstens juristisch und zweitens statistisch rechtfertigen.

            
        Mit der juristischen Seite müssen sich Juristen befassen, aber die statistische Beweisführung von BORCHERT ist mehr als dürftig.
            
        Da sie jedoch typisch ist für den Umgang mit dem Problem der Kinderlosigkeit, wird sie im neuen Jahr Gegenstand einer ausführlichen Kritik sein.
 
   
  • KOHSE, Petra (2003) Geschlossene Gefühlsräume.
    Solche wie mich braucht man nicht mehr: Von der Ankunft sozialer Unsicherheit im Bewusstsein,
    in: Frankfurter Rundschau v. 11.12.
    • Inhalt:
      KOHSE über das erzwungene, neue Leben irgendwo zwischen dem Aufbrauchen der Ressourcen, privileged poor und working poor:

            
        "Entweder (...) fehlt es letztlich doch an der Not oder aber an Einsicht. Mit Bezug auf Ersteres lassen sich bei näherem Hinsehen in vielen Lebensentwürfen tatsächlich Ressourcen ausmachen, die zwar nur begrenzt zukunftsfähig sind, sich aber für den Augenblick zu Rettungswesten aufblasen lassen und ermöglichen, auf dem sinkenden Schiff noch ein wenig mitzutanzen.
      Da ist beispielsweise: Geerbtes. (...).
      Oder Zuschüsse von den Eltern oder Schwiegereltern. (...).
      Oder Erarbeitetes. (...).
      Susanne indessen, die nicht verschwenderisch, aber wirklich gut lebt, mangelt es tatsächlich an Einsicht in die Not ihrer Lage. Nicht, dass das Konto nicht jeden Monat wieder über Null käme und sie als freie Journalistin nicht durchaus im Geschäft wäre. Aber es wird nichts angehäuft. Sie hat keine Lebensversicherung, spart nicht und hat sich bei der Künstlersozialkasse mit dem Mindestsatz registrieren lassen. Urlaub, eigenes Auto oder Biowaren dürfte es in ihrem Single-Leben nicht mehr geben.
      (...).
      Aber Susanne glaubt an sich und hofft, bald ein paar richtig gut bezahlte Aufträge zu bekommen, sich dann ein halbes Jahr zurückzuziehen und einen tollen, lustigen, den Nerv der Zeit treffenden kleinen Roman zu schreiben, der sich verkauft wie Bolle. (...).
      Und Lilli natürlich. Lilli glaubt an das Glück. An den reichen Mann, der die Vierzigjährige plötzlich auf der Straße anhalten und heiraten wird. Oder an einen sturzflutartigen Strukturwandel der Gesellschaft, der sie mitreißen und auf der Sonnenseite an Land werfen könnte. Lilli hat keine Arbeit, ist geschieden und hat zwei Kinder im schulpflichtigen Alter. Sie müsste halbtags etwas arbeiten. Irgendetwas. Es gelingt ihr aber nicht. Mit ihrem Ethnologiestudium hat sie nie etwas gemacht, und sonst fällt ihr nichts ein. Lilli ist nicht faul. (...). Hilfe von Freunden nimmt sie nicht an, weder Geld noch Kleider oder Angebote, sie mit dem Internet vertraut zu machen oder bei der Jobsuche zu helfen. Sie wartet eben auf das Glück von ganz oben.
      "
 
     
   
  • SCHÄFER, Frank (2003): Das Echo des Rawums.
    Peter Glaser gehörte zu den Grenzgängern zwischen Musik, Literatur und Journalismus in den Tagen des Punk. Jetzt erlebt er sein Comeback als Autor,
    in: Jungle World Nr.51 v. 10.12.
    • Inhalt:
      Frank SCHÄFER hat Peter GLASER besucht und rollt dazu nochmals die Punk-Story auf:

            
        "Wenn Rainald Goetz der Medienstar und Multiplikator war, dann war Peter Glaser der Begründer und Theoretiker der New Wave in der deutschen Literatur Anfang der achtziger Jahre. Goetz schnitt sich beim Ingeborg-Bachmann-Preis die Stirn auf, Glaser lieferte mit »Der große Hirnriss« (Co-Autor Niklas Stiller) 1983 den ersten deutschen Punk-Roman – wenn es so etwas gibt. Im Jahr darauf erschien seine (gerade wieder aufgelegte) Anthologie »Rawums«, die sich nichts weniger vornimmt, als dieses neue literarische Terrain zu vermessen, und zugleich auch, in Glasers fulminantem Vorwort, eine Poetik entwirft. »Zur Lage der Detonation« ist ein brillantes Pamphlet, das abrechnet mit der deutschen Literatur (»Das beste Buch des Jahres ’81 ist eine Schallplatte: ›Monarchie und Alltag‹ von Fehlfarben«) und eine neue Popliteratur installieren will."
 
   
  • WESTPHALEN, Joseph von (2003): Ein Ende aus Einsicht.
    Zuletzt war er zum Wegschauen: Harald Schmidt kreiste schon seit längerer Zeit nur noch um sich selbst. Die jahrelangen Hymnen zeigen nur, wie verstaubt die deutsche Feuilleton-Kultur ist,
    in: TAZ v. 10.12.
    • Kommentar:
      Während Alice SCHWARZER den Gebärstreik der Frauen für die hohe Akademikerkinderlosigkeit verantwortlich macht, hat WESTPHALEN mit Harald SCHMIDT den Hauptschuldigen gefunden:

            
        "Wenn man jetzt die Stimmen seiner süchtigen Jünger hört, die aus Angst vor dem kommenden Entzug den Messias um Wiederauferstehung anflehen, dann kann man folgern, dass in den vergangenen Jahren einige tausend Kinder nicht gezeugt wurden, weil genügend Paare sich am späten Abend lieber vor dem Fernseher mit Schmidt amüsierten als im Schlafzimmer miteinander."
 
     
   
  • FRISE, Maria (2003): Die Gauloises schmecken noch.
    Aber der Tod raucht immer mit: Gabriele Wohmanns neuer Roman,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.12.
    • Kommentar:
      Im Zeichen der neuen Demografiepolitik und der alternden Gesellschaft gewinnt der Typus der Frau von dreißig Jahren an Bedeutung.

            
        Joachim KALKA ist ihm im neuen Kursbuch am Beispiel von BALZACs Roman nachgegangen. Für ihn ist die Frau von dreißig Jahren eine "alter Jungfer in der Larvenform". Ihre Angst vor dem Älterwerden und dem geschlechtslosen Leben begründet ihre Leidenschaft.
            
        Gabriele WOHMANN widmet sich in ihrem neuen  Roman "Hol mich einfach ab" ebenfalls der Frau um die dreißig.
 
   
  • WILLEMSEN, Roger (2003): Schluss mit lustig.
    Der deutsche Journalismus verliert sein Idol, die Intelligenzia ihren Konsens-Helden: Harald Schmidt löst sich auf,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.12.
    • Kommentar:
      Das Mitte-Feuilleton kennt heute nur ein Thema: Das Ende der Harald-Schmidt-Show. Markus BRAUCK unkt in der Frankfurter Rundschau, dass nach dem Sozialabbau nun auch der Humorabbau droht.

            
        Möglicherweise hat Harald SCHMIDT jedoch nur erkannt, dass heutzutage "Konsens-Helden" überflüssig sind... 
 
   
  • FRIEBE, Holm (2003): Verzichten - worauf?
    in: Berliner Zeitung  v. 08.12.
    • Inhalt:
      Matthias KALLE hat mit "Verzichten auf" ein Generationenbuch - Variante Anti-Pop - verfasst. FRIEBE interviewt ihn dazu:

            
        "Es klingt ein bisschen, als wollten Sie Ihrer Generation die "Agenda 2010" schmackhaft machen.
      Nein, ich will ihnen nur sagen, dass dieser Slogan, »It s the economy, stupid«, einfach nicht stimmt. Es ist viel mehr. Mich regt es auf, dass viele Leute alles auf das Wirtschaftliche reduzieren, nur weil sie vor drei Jahren mal ein paar Mark an der Börse gemacht haben oder aus Versehen gut dotierte Jobs gekriegt haben, die sie gar nicht verdient hätten. Auf dieses Krisengerede können wir als erstes verzichten. Und dann auf Generationenbücher.
      "
 
   
  • RECHSTEINER, Rudolf (2003): Chancen und Grenzen der Musterlösung.
    Das Schweizer Modell der Alterssicherung wird in Deutschland hoch gelobt, hat aber auch Schwächen,
    in: Frankfurter Rundschau  v. 08.12.
 
   
  • AP (2003): Milliarden-Schwindel beim Kindergeld,
    in: Süddeutsche Zeitung  v. 08.12.
    • Kommentar:
      Ein Skandal zur rechten Zeit!
      Die Regierung will vom Kindergeld auf Kinderbetreuung umsteuern - und welch ein Wunder! - wird nun entdeckt, dass offenbar Kindergeld unrechtmäßig bezogen wird:

            
        "Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel ist Experten aufgefallen, dass seit Jahren zwar immer weniger Nachwuchs in Deutschland zur Welt kommt, die Summe der Kindergeldzahlungen dagegen kontinuierlich steigt. (...). Vorstellbar sei beispielsweise, dass Eltern an verschiedenen Wohnorten Kindergeld beantragten."
            
        Warum wurde dies nicht bereits vor Jahren skandalisiert?
 
   
  • SCHRÖDER, Till & Ariane BEMMER (2003): Nur für Erwachsene.
    Einst prägte die Generation der heutigen Enddreißiger die Berliner Clubszene. Dann war kein Platz mehr für sie im Nachtleben. Aber das ändert sich nun,
    in: Tagesspiegel  v. 08.12.
    • Kommentar:
      "Es war dunkel und laut und voll, und so fing auch ich an, mich zu bewegen. Ich bemühte mich redlich und dachte, meine rhythmische Mimikry im Geiste der House-Musik sei eigentlich ganz passabel, durchaus ortsüblich und kulturell angepasst - bis ich zweier junger Frauen gewahr wurde. Sie schauten erst kurz mich an und dann sich gegenseitig.
      Als ich sah, wie sich ihre Blicke trafen, war alles klar. Ich überlegte nur noch, wie ich möglichst unauffällig das Feld der Schande verlassen könnte", schreibt Reinhard MOHR in seinem Buch
      "Generation Z".

            
        Die Marktlücke im Bereich Ausgehgelegenheiten für 30 - 50 Jährige wird nun - zumindest - in Berlin geschlossen.
            
        SCHRÖDER & BEMMER berichten über die Angebote für diese Zielgruppe und MOHR darf seine Sicht darlegen:
            
        "Und wie erklärt sich nun der Trend, dass es immer mehr Angebote für die so genannten Erwachsenen gibt? Ein möglicher Grund ist das Lebensgefühl dieser »Generation plus Großstadtkultur plus Sonderfaktor Berlin«, sagt Reinhard Mohr, Autor des Buches »Generation Z«. Das ist die Generation, die zehn Jahre zu spät auf die Welt kam, um mit den 68ern auf die Barrikaden zu gehen – deshalb ein Z wie Zaungast blieb. Ewig jung zu bleiben, wurde ihr unpolitisches Credo. Dazu gehört auch ewiges Ausgehen, was laut Mohr nichts anderes als »gelebte Erotik« ist. Wer sich nach 20 Jahren in Clubs plötzlich deplatziert fühle, dem blieben bisher nur Oper, Bar und Restaurant – oder der Abschied von der gelebten Erotik mit einem Leben daheim. Mohr sieht auch einen Druck zum Ausgehen und zu Berufsjugendlichkeit: »Wer da rausfällt, ist für die anderen tot.«"
 
   
  • HERRMANN, Ulrike (2003): "Man sollte mich mal ranlassen".
    Franz Konz, Obersteuertrickser und Vater der "1000 ganz legalen Steuertricks", kämpft seit Jahrzehnten gegen das Finanzamt. Ein taz-Gespräch
    über das verrückte Steuersystem, die Konz-Reform und die überraschende Erkenntnis, dass auch Arme ein Recht auf Steuersparen haben,

    in: TAZ  v. 08.12.
    • Kommentar:
      Nicht der Sozialstaat wie Ulrich BECK und seine neoliberalen Jünger behaupten, sondern der Steuerstaat ist für die "Single"-Gesellschaft verantwortlich, wenn man der Argumentation von Franz KONZ folgt:

            
        "Wenn man ihre 1.000 ganz legalen Steuertricks liest, dann hat man das Gefühl, dass Steuersparen teuer ist. Am besten ist man mehrmals geschieden, hat uneheliche Kinder, Dienstboten und einen Dienstwagen. Steuersparen scheint etwas für extravagante Lebensläufe zu sein.
      Stimmt, Tricksen ist etwas für Besserverdienende. Ein kleiner Arbeiter kann sich kein Arbeitszimmer leisten, der ist auch festgefahren in seiner Ehe. Eine Scheidung wäre für ihn viel zu teuer. Die ganz kleinen Leute kann man nur entlasten, indem man die Steuern drastisch senkt.
      "
 
   

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Zu den News vom 01. - 07. Dezember  2003

 
       
   
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