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Medienrundschau:

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News vom 11. - 15. Dezember 2004

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Herbert behauptet stock und steif, er sei Single. Dabei lebt er seit über zehn Jahren mit seiner Freundin Angelika zusammen. Unsere Gespräche darüber verlaufen stets nach dem gleich Strickmuster:
»Herbert, sieh es einfach ein. Du bist kein Single«
»Natürlich bin ich das. Genau wie du«
»Und was ist mit Angelika?«
»Was soll mit ihr sein?«
»Ihr wohnt seit zehn Jahren in einer Wohnung«
»Na und? Wir haben eine WG. Um genau zu sein, eine Zweier-WG.«
»Natürlich. Und die Tatsache, dass ihr miteinander schlaft, hat wohl auch nichts zu sagen?!«
»Genau. Wir haben Sex miteinander. Deswegen ist man doch in keiner Beziehung. Das müsstest du doch am besten wissen.«
»Ich habe aber nicht seit zehn Jahren Sex mit derselben Frau.«
»Zufall. Es ergibt sich halt so, wenn man zusammenwohnt.«

(aus: Daniel Bielenstein "Die Frau fürs Leben", 2004, S.32f.)
 
 
 
  • FRIEBE, Holm (2004): Survival of the cheapest.
    Alles für alle für wenig Geld? Mit dem im Phantasma der Konsumentendemokratie verbrieften Versprechen auf klassenlose Gleichheit ist es einstweilen Balsamico,
    in: Jungle World Nr.52 v. 15.12.
    • Kommentar:
      FRIEBE wiederholt hier nochmals für die globale Klasse, was bereits in allen Mitte-Zeitungen zu lesen war:

            
        "Für Deutschland (...) gilt, dass sich die Polarisierung der Einkommen natürlich auch in einer Polarisierung des Konsums ausdrückt, die langfristig das mittlere Segment ausdünnt. Kein Wunder, dass gerade in diesen Tagen Karstadt und Opel, die beiden Ikonen der Mittelmäßigkeit, in die Krise rutschen"
  • BOZIC, Ivo (2004): Teure Armut.
    Tante Emma und die Linke,
    in: Jungle World Nr.52 v. 15.12.
    • Inhalt:
      Was es bedeutet ohne Auto in der Kleinstadt zu leben, das erläutert BOZIC:

            
        "mitten in einer Großstadt kann ich, wenn ich will, spontan zwischen Aldi und dem Bioladen hin und her switchen. Wer jedoch in einer Kleinstadt lebt, der hat ganz andere Sorgen. Kein Geld bedeutet kein Auto, und kein Auto bedeutet, dass du nie zum Supermarkt am Stadtrand gelangen wirst und deine Einkäufe teuer beim kleinen Coop-Geschäft erledigen musst. »It’s expensive being poor«, heißt es dazu passend in einem Song des britischen Punk-Musikers TV Smith.
            
        Es geht beim Billigbilligdiscount eben nicht darum, auch die Ärmsten am Wohlstand zu beteiligen (...). Wer sich nicht einmal ein Auto leisten kann, der gehört nur noch peripher zur Zielgruppe. Zumindest bislang. In Berlin eröffnete in diesem Jahr die erste innerstädtische deutsche Ikea-Filiale, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen ist."
 
 
Abschied von:
Sex and the City
  • BUHR, Elke (2004): Carrie geht nach Hause.
    Zum Ende von "Sex & the City",
    in: Frankfurter Rundschau v. 14.12.
    • Inhalt:
      Popmutter Elke BUHR erläutert nochmals den Wandel der Serie, die das Ende der Single-Ära längst eingeholt hat. Was bleibt ist deshalb nur Katerstimmung:

            
        "Carrie und Co standen, wie auch Ally McBeal, für eine Art postfeministisches Weiblichkeitsmodell: Selbstbewusst, aber trotzdem sexy, Intelligent und fordernd, aber trotzdem unvergleichlich weiblich. Doch lässt der Prosecco-Rausch nach, dann sieht man nur noch einen Haufen diätgedörrter Fashion-Victims".
  • HANFELD, Michael (2004): Es gab nur eine große Liebe,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.12.
  • KAHLWEIT, Cathrin (2004): "Sex and the City" ist am Ende.
    Theoretisch und praktisch ist das Leben von Carrie, Miranda, Charlotte und Samantha nicht für normalsterbliche Frauen gemacht. Und trotzdem ist diese Saga zu einem riesigen Wirtschaftsfaktor geworden,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.12.
  • PALM, Carla (2004): Welcome Home.
    Ab heute ist Schluss mit "Sex and the City" (Pro7, ab 20.15 Uhr). Vergesst Carrie & Co. Denn die Welt gehört längst den "Desperate Housewifes",
    in: TAZ v. 14.12.
 
  • BRAUN, Michael (2004): Intelligente Konkurrenz zum Feuilleton.
    Die Literaturzeitschrift "Volltext",
    in: Büchermarkt. Sendung des DeutschlandRadio v. 14.12.
    • Inhalt:
      BRAUN erzählt die Erfolgsstory der Literaturzeitung "Volltext" und kommt dabei ins Schwärmen:

            
        "Als im Sommer 2002 die zwei jungen österreichischen Publizisten Josef Chladek und Thomas Keul auf die kühne Idee verfielen, zeitgenössische Literatur an den Kiosk zu bringen und ein Literaturblatt im Zeitungsformat zu gründen, gab es viele Skeptiker. (...).
            
        Und das Unwahrscheinliche ist eingetreten: VOLLTEXT (...) konnte sich, nach kurzer Anlaufphase als Monatszeitung, im Zwei-Monats-Turnus am Markt etablieren. Dieser wundersame Erfolg hat viel mit dem Selbstbewusstsein zu tun, mit dem die VOLLTEXT-Redakteure ihr Blatt zu einer begehrten literarischen Probebühne entwickelten. Ihr Konzept zielt (...) auf die Dokumentation und Kommentierung der jeweils aufregendsten Texte und Debatten in der Gegenwartsliteratur.
            
        In seiner aktuellen Gestalt erweist sich VOLLTEXT als das derzeit intelligenteste Konkurrenzunternehmen zum klassischen Tageszeitungs-Feuilleton. Man findet in den einzelnen Ausgaben nicht nur umfangreiche Vorabdrucke aus wichtigen Neuerscheinungen, sondern auch begleitende Kommentare, Essays oder Gespräche."
 
 
 
  • SCHEUB, Ute (2004): Schwierige Gefühlserbschaften.
    Etwa 100 Jahre umfasst das soziale Gedächtnis einer Gesellschaft - und jede Generation entscheidet neu, welche moralischen Bewertungen es enthält. Der Kulturkampf um "die 68er" ist auch ein Streit um das emotionale Erbe des Nationalsozialismus,
    in: TAZ v. 13.12.
 
  • HUMMEL, Katrin (2004): Sag mir, wo die Frolleins sind.
    Zwischen Gleichberechtigung und Kompliment: Eine Anrede stirbt aus,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.12.
    • Inhalt:
      Katrin HUMMEL erklärt, anlässlich des 50. Jahrestages einer Parlamentsdebatte um die richtige Anrede von unverheirateten Frauen, wie die Anrede "Fräulein" außer Mode kam.

            
        Neuerdings können sich Ewiggestrige und Antifeministen auf Asfa-Wossen ASSERATE berufen, wenn sie sich die Anrede "Fräulein" zurückwünschen.
            
        Der emeritierte Sprachwissenschaftler Werner BESCH liefert dazu den unverfänglichen Überbau.
            
        Der Linguist Hartwig KALVERKÄMPER gibt Auskunft über seine Probleme, Nicht-Mütter als Frau ansprechen zu müssen.
            
        VIVA-Moderatorin Sarah KUTTNER, auf deren Homepage das Wort "Frollein" scherzhaft verwendet wird, wird mit folgender Begriffsbestimmung von "Frollein" zitiert:
            
        "Es kann (...) ganz gut beschreiben, was Mädchen in meinem Alter sind, es ist eine aufwertende Form für Mädchen, die gerade erwachsen werden."
            
        Anna LÜHRMANN (21jährige Bundestagsabgeordnete der Grünen) und Inge WETTING-DANIELMEIER dürfen die Gegenposition darlegen.
  • KREKELER, Elmar (2004): Der Fräulein Tod.
    Sprachpolitik,
    in: Welt v. 13.12.       
 
  • KAUBE, Jürgen (2004): Das Infektionsrisiko eines Keuschheitsgelübdes.
    In den Vereinigten Staaten schwören viele Jugendliche, bis zur Ehe enthaltsam zu sein - mit medizinisch paradoxen Folgen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.12.
    • Inhalt:
      Jürgen KAUBE klärt darüber auf, warum bei jenen, die Sex vor der Ehe ablehnen, Geschlechtskrankheiten weiter verbreitet sind als in anderen Bevölkerungsgruppen.
 
Abschied von:
Sex and the City
  • BERG, Sibylle (2004): City ohne Sex.
    Am Dienstag endet „Sex and the City“. Sibylle Berg trauert um ein nettes Stück Fernsehtrash. Mehr war die Serie nie,
    in: Tagesspiegel v. 12.12.
    • Inhalt:
      BERG versucht zu erklären, warum es zur Fernsehserie "Sex and the City" so viele Erklärungsversuche gab:

            
         "»Sex and the City« war eine Frauenserie. Frauen haben ein schlechtes Selbstbewusstsein. Kein Mann käme auf die Idee, sich zu erklären, weil er Harald Schmidt schaute, »24«, oder anderes Männerzeug. Frauen sahen »Sex and the City« und fügten meist, wenn die Rede darauf kam, zum Eingeständnis eine langatmige Erklärung nach. Über die revolutionäre Idee, Frauen männliche Sexualverhalten zuzuschreiben, über die Designstudien, die man treiben konnte, über die Selbstständigkeit der taffen vier Protagonistinnen. Über Emanzipation. Alles Quatsch.
      »Sex and the City« war sehr gut gemachte Fernsehunterhaltung, und wenn man daran etwas ablesen konnte, so einzig das Gespür der Produzenten für einen riesigen Markt: allein stehende Frauen zwischen 30 und 40. Die Serien-Frauen sahen ein bisschen besser aus als der Durchschnitt ihrer Zuschauerinnen, und damit hatte es sich auch schon mit dem Realitätsbezug.
      "
  • BARNSTEINER, Catrin & Sandra GARBERS (2004): Der Abschied.
    Am Dienstag läuft die letzte Folge von "Sex and the City". Was passiert jetzt mit Sarah Jessica Parker?
    in: Welt v. 11.12.
 
  • STELZER, Tanja (2004): Der Ernst des Gebens.
    Land ohne Kinder – wie geht’s der deutschen Familie? Teil zwei: Ein Besuch bei der Mittelschicht,
    in: Tagesspiegel v. 12.12.
 
  • FLAMM, Stefanie (2004): "Ich war lange ein Rabenvater".
    Er singt an den Festtagen Kirchenlieder, brät der Familie eine Gans und inszeniert Theater wie eine Weihnachtspredigt. Wer ist das? Der böse Frank Castorf,
    in: Tagesspiegel v. 12.12.
 
 
 
 
  • MEJIAS, Jordan (2004): Natalisten und Momisten.
    Blick in amerikanische Zeitschriften: Der neue Familienkampf,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.12.
    • Inhalt:
      MEJIAS' Blick in amerikanische Zeitschriften widmet sich den rechten "Natalisten" und den linken Befürchtungen eines zukünftigen "Momismus" (Privatismus postfeministischer Supermütter, die Job und Familie unter einen Hut bringen).
 
  • DANNENBERG, Sophie (2004): Manomann, diesmal sind die Alten dran!
    Mit dem Grips Theater sind viele aufgewachsen. Unsere Autorin kann die frühen Lieder noch heute singen. Ein persönlicher Blick zurück im Zorn,
    in: Tagesspiegel v. 11.12.
    • Kommentar:
      Was dabei herauskommt, wenn die Generation Golf den 68er-Konflikt zwischen SDS (zugespitzt von K-Gruppen und Marxisten-Leninisten in den 70er Jahren) und Kommune I (zugespitzt durch die Spontis in den 70er Jahren) als Farce aufführt, das kann man bei DANNENBERG ("Das bleiche Herz der Revolution") nachlesen.

            
        DANNENBERGs Perspektive verlängert das K-Gruppen und ML-Spießertum in die Gegenwart und zwar unter Beifall altbürgerlicher und neubürgerlicher Milieus (hier finden sich - wen wundert's? - viele der ehemaligen K-Gruppen-Mitglieder und Marxisten-Leninisten wieder!).
 
  • KUHLBRODT, Detlef/RÖSINGER, Christiane/SCHMIDT, Jochen (2004): Geschichten, die die Schule schrieb.
    Das deutsche Schulsystem funktioniert mit Abgrenzungen und Einordnungen. Was aber ist los, wenn man das einzige Arbeiterkind auf dem Gymnasium ist oder wenn die höhere Schule für die Eltern nicht infrage kommt? Drei Erinnerungen an die Schulzeit - zwei im Westen, eine in der DDR,
    in: TAZ v. 11.12.
    • Inhalt:
      Detlef KUHLBRODT erzählt von seiner Bildungskarriere als Arbeiterkind und den "groben Unterschieden". Christiane RÖSINGER beschreibt die Schule aus der Sicht eines katholischen Landmädchens und Jochen SCHMIDT beschreibt das Schulsystem der ehemaligen DDR.
 
  • FENGLER, Susanne (2004): ZeitungsLust und Nutz.
    10 Thesen zum alten und neuen Leitmedium,
    in: TAZ v. 11.12.
    • Inhalt:
      Die Kommunikationswissenschaftlerin Susanne FENGLER erklärt u.a. warum die Zeitung in der Fernsehgesellschaft weiterhin das Leitmedium ist:

            
        "Auch wenn das Fernsehen seit nunmehr einigen Jahrzehnten omnipräsentes »Leitmedium« ist, konnten sich insbesondere die überregionalen Tageszeitungen ihren hohen Einfluss auf die öffentliche Agenda bewahren: Weil eben sie es häufig sind, die Themen recherchieren, Debatten initiieren und Meinung machen. Viele Fernsehjournalisten orientieren sich in ihrer Berichterstattung stark an der »Leitmelodie«, die die einflussreichen Zeitungen vorgeben. Und so erreichen die Zeitungen auch in einer Gesellschaft, die sich angeblich vor dem Fernsehen zu Tode amüsiert, doch noch - wenngleich auf Umwegen - das ganz breite Publikum."
 
 
  • WINKELMANN, Ulrike (2004): Wirtschaft & Friends.
    Wo andere Lobbyisten sich als bloße "Berater" der Politik geben, zielt die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft mit Hilfe von Werbung, Wissenschaft und Medien aufs kollektive Unterbewusste: Das Vertrauen in Staat und Politik soll erschüttert, das in den Markt gestärkt werden,
    in: TAZ v. 11.12.
  • BRAUCK, Markus (2004): Im Gewand des Journalismus.
    Die PR-Strategien der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" stoßen zunehmend auf Kritik,
    in: Frankfurter Rundschau v. 11.12.
   

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