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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 05. - 12. Dezember 2005

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Trotz ihrer Zugehörigkeit zum unteren Einkommensquintil (Anm.d.V.: Einkommensfünftel) bleibt eine relativ große Gruppe (ca. 30 %) von eigentlicher Armut verschont. Zu diesen »Unterversorgungsfreien« gehören überdurchschnittlich oft Menschen mit einem hohen Bildungsniveau und einer guten beruflichen Position. Hinsichtlich der Familienform finden sich hier v.a. Ehepaare ohne Kinder.
(...).

Kritisch ist, dass mehr als die Hälfte (ca. 55 %) der Niedrigeinkommenshaushalte zwei oder mehr Problemlagen vereinen. (...). Anhäufungen von Deprivationen finden sich v.a. bei Alleinlebenden, in den neuen Bundesländern und bei Alleinerziehenden."
(Tanja Mühling in der Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, 2005)

 
 
 
 
 
  • HAGER, Angelika (2005): "Ich musste Carrie verlassen".
    Als Herzstück des TV-Hits "Sex and the City" wurde Sarah Jessica Parker, 40, zur Lebenshilfe-Ikone der Single-Frauen. Ein Gespräch über ihren neuen Film "Familie Stone", Carries Ende und falsch verstandenen Feminismus,
    in: Profil Nr.50 v. 12.12.
    • Kommentar:
      Hierzulande arbeiten sich höchstens Ewiggestrige wie Susanne GASCHKE oder Udo Di FABIO an der Single-Ästhetik ab, die bereits längst vor dem Ende von "Sex and the City" mausetot war.

                
      Jetzt erfolgt höchstens noch die akademische Nachbereitung durch Studien, die lediglich  historischen Wert haben.
                
      Dass sich eine Schauspielerin wie Sarah Jessica PARKER bewusst gegen jegliche Singlehaftigkeit ihrer neuen Rolle entschieden hat, zeigt dass der neue Familienfundamentalismus voll im Trend der Zeit liegt.   
 
  • TINZ, Sigrid (2005): Mama oder Krippentante?
    Die ideale Betreuung eines Kleinkinds gibt es nicht. Die optimale hängt vom Einzelfall ab. Und von der Nachbarschaft,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.12.
 
  • BARTEZKO, Dieter (2005): Unsere grüne Hölle.
    In dieser Woche wird der Bundestag die Eigenheimzulage abschaffen. Ein Anlaß, nach den Wurzeln der nicht nur deutschen Liebe zum eigenen Heim zu fragen. Wie hat sie Land und Leute zugerichtet? Welches Glück oder Unglück haben die Menschen in den eigenen vier Wänden gefunden?
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.12.
    • Kommentar:
      Dieter BARTEZKO führt uns noch einmal das Ideal der "alten Mitte" vor Augen, wobei er wie üblich die 50er Jahre in den Vordergrund stellt, obwohl doch eher die späten 80er und frühen 90er Jahren die Blütezeit der Suburbanisierung mit ihren endlosen Reihenhaussiedlungen waren. Dafür stehen auch neumittige Stadtteile wie Vauban in Freiburg.

                
      Wenn BARTZEKO die Renaissance des innenstädtischen Wohnens als Reaktion auf die Schrumpfung der Städte beschreibt, dann zeigt dies höchstens eine gravierende Verkennung der Lage.
                
      Längst haben junge Familien die Innenstädte erobert. Eine Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik zeigt z.B. dass bereits im Jahr 2003 bei der "neuen Mitte" der Trend zum Innenstadtwohnen vorhanden war.
                
      Ursache dafür ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, d.h. die neue Aufwertung der Innenstädte hängt mit dem postfeministischen Ideal der Generation Ally zusammen. Monika ALISCH hat diesen Zusammenhang von "Frauen und Gentrification" bereits vor über 10 Jahren beschrieben. 
 
  • HANSEN, Sven (2005): Die neue Großfamilie.
    Gegen die Einsamkeit im Alter: Japan hat die zweitniedrigste Geburtenrate der Welt. Gleichzeitig steigt die Zahl alter Menschen. Der traditionelle Drei-Generationen-Haushalt geht so allmählich verloren. Nun sollen künstliche Familien Abhilfe schaffen. Ein Besuch in Japans erstem Altersheim mit integriertem Kindergarten,
    in: TAZ v. 10.12.
 
  • HEITKAMP, Sven (2005): "Familienoffensive" wird für Regierungschef Althaus zur Belastung.
    Neuregelung der Kinderbetreuung in Thüringen stößt auch in der CDU auf heftige Kritik - Althaus spricht von "Jammerstimmung",
    in: Welt v. 10.12.
    • Inhalt:
      HEITKAMP berichtet über einen Streit um die Neuausrichtung der Familienpolitik in Thüringen:

                
      "Eingeführt wird mit dem Familienfördergesetz zwar ein einkommensunabhängiges Landeserziehungsgeld von monatlich 150 Euro und mehr. Doch wenn das Kind eine Kita besucht, geht das Geld direkt an die Einrichtung. So werden Eltern belohnt, die ihre Kinder zu Hause behalten. Was Befürworter als Stärkung der elterlichen Eigenverantwortung preisen, geißeln Kritiker als Rückfall in alt-konservative Frauenbilder."
 
 
 
  • GLASER, Peter (2005): Herr, es ist Zeit.
    Was ist mit diesem Land? Was soll mit Deutschland werden? Fünf Leuchtstreifen,
    in: Berliner Zeitung v. 10.12.
    • Kommentar:
      Der Österreicher Peter GLASER versucht sich als Reinhard MOHR.

                
      Das paradoxe Deutschlandgefühl, das er aus dem Mitte-Feuilleton kondensiert hat, speist sich einerseits aus einer Jammerrhetorik, die sich gegen die verflüchtigte Postmoderne und die individualisierte 68er-Verhandlungslogik gleichermaßen richtet, andererseits wird die bürokratische Erstarrung beklagt:
                
      "Die Müdigkeit in Deutschland hat zu tun mit einem Nachlassen aller Formen, aller Regeln, fast aller, und mit einer äußerst anstrengenden Zunahme an Zeichen.
                
      (...).
      Sowie sich etwas ins Ungeordnete hin auftut, ist der Deutsche existenziell beunruhigt."

                
      Das ist generationreformhaftdeutsch. Warum sind unsere 40Jährigen eigentlich so furchtbar vergangenheitsfixiert? Die Zukunft muss immer noch ohne sie stattfinden.
                
      Wenn Ulrich BECK beklagt, dass die Soziologen sich der Realität entfernt haben, dann gilt das für diese verstaubte Mitte-Rhetorik erst recht.
                
      Lässt man diese muffigpenetrante Mittigkeit einmal beiseite und überwindet seinen Ekel, dann finden sich einige Perlen im Text versteckt...      
 
 
 
  • MISIK, Robert (2005): Die Freiheit, die sie meinen.
    Mehr Wert: Udo di Fabio ist für sein Buch "Die Kultur der Freiheit" zum "Reformer des Jahres 2005" ausgerufen worden. Warum gibt es eigentlich eine solche Sehnsucht nach intelligenten Konservativen? Und warum ist der moderne Konservativismus so ein intellektuelles Desaster?
    in: TAZ v. 08.12.
    • Kommentar:
      Robert MISIK muss zugeben, dass "genial dagegen" längst keine Domäne der Linken mehr ist, sondern die neuen Reaktionäre - hier in der Person von Udo Di FABIO - haben den Rebellengestus der Gegenkultur erfolgreich übernommen:

                
      "Zentral bei dieser Operation ist die Umdeutung des Begriffes der Freiheit: statt Freiheit von knechtenden Traditionen und Institutionen zur Freiheit, Traditionen und Werte zu akzeptieren - was als ein rebellischer Akt dargestellt wird, wider Zeitgeist und gesellschaftliche Imperative. Damit erweisen sich solche Gedankenreihen anschlussfähig an eine gewisse Ermüdung im linksliberalen Milieu. Wenn jeder Bruch mit Konventionen nur mehr der Geburtsakt einer neuen Mode ist, jede rebellische Geste nur mehr ein Zitat von Altbekanntem, dann ist nicht nur ein Überdruss an der Rebellion gegen Hergebrachtes folgerichtig - dann ist die Lobpreisung von Sitte und Manieren die schärfste Rebellion, der ultimative Thrill."
                
      Leider kommt MISIK über eine selbstgefällige Analyse linker Selbstreferentialität nicht hinaus. Georg FRANCKs Ökonomie der Aufmerksamkeit dient als Selbstrechtfertigung.
                
      Tatsächlich steckt die Poplinke in einer selbstverschuldeten Krise, die keineswegs nur damit zu tun hat, dass sie sich mit dem Hedonismus verbündet hat:
                
      "Das Bündnis, das die 68er-Revolte und die Alternativbewegungen mit dem Hedonismus eingegangenen sind, ist nur eine der Ursachen für das widersprüchliche Verhältnis der Linken zu Werten".
                
      Wenn MISIK den neuen Reaktionären die Verachtung der Massen unterstellt, dann muss gefragt werden, wie es die Poplinke damit hält. Offenbar ist sie nicht besser als ihre Gegenspieler. Es reicht nicht mehr, einfach nur zu behaupten, dass man die besseren Partys feiert...   
 
  • GÖRING-ECKHARDT (2005): Ein Jahr Elterngeld - und dann?
    Mehr Betreuungsplätze sind wichtiger als zeitlich begrenzte Hilfe,
    in: Tagesspiegel v. 08.12.
 
  • KAHLWEIT, Cathrin (2005): Gefragte Väter,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.12.
    • Inhalt:
      Cathrin KAHLWEIT plädiert bei der Ausgestaltung des Elterngeldes für die SPD-Variante:

                
      "Wenn die SPD sich durchsetzt, erhöht das die Aussichten, dass die meist besser verdienenden Väter Erziehungsurlaub nehmen. Außerdem ist dieses Modell sogar für die Staatskasse billiger." 
 
  • FLORIN, Christine (2005): Kinderleichte Übung.
    Warum Eltern nicht käuflich sind. Wer sich für Nachwuchs entscheidet, riskiert viel. Und fühlt sich oft allein gelassen. Ein gelebter Generationenvertrag hilft mehr als Geld,
    in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 08.12.
    • Kommentar:
      Christine FLORIN hat aus allen gängigen Feuilleton-Versatzstücken zum Thema einen Artikel zusammengepuzzelt, der zum Schluss kommt, dass angesichts von "Zukunftssorgen, Bindungsangst, Vorbildmangel (...) die Politik an Grenzen" stößt.

                
      Eine Lösung hat sie mit dem Mehrgenerationenhaus dennoch anzubieten: "So stabil wie traditionelle Familien mit ihrer hohen Scheidungs- und Patchworkwahrscheinlichkeit wird das Netz aus Wahlverwandten allemal".
 
  • MÜLLER, Claus Peter (2005): Entwertung der eigenen Biographie?
    Streit in Thüringen über eine "Familienoffensive" der Landesregierung,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.12.
 
  • RUTSCHKY, Michael (2005): Endlich wieder Blutdurst.
    Matthias Polityckis "Herr der Hörner" versucht in Kuba vom weißen zum wilden Mann zu werden,
    in: Berliner Zeitung v. 08.12.
    • Kommentar:
      Leser von single-dasein.de konnten bereits vor 2 Monaten lesen, dass Matthias POLITYCKI mit seinem neuen Kuba-Roman "Herr der Hörner" auf den Spuren von H. M. ENZENSBERGER wandelt. Michael RUTSCKKY schreibt nun dazu:

                
      "Kuba besitzt eine eigene Wirkungsgeschichte im (west-) deutschen Geistesleben (im ostdeutschen kenne ich mich da schlecht aus). Mit einem Tusch beginnt diese Wirkungsgeschichte 1968, als Hans Magnus Enzensberger, der zornigste junge Mann, den die Nachkriegsliteratur gezeitigt hatte, in einem schneidend arroganten Brief der Wesleyan University in Connecticut das Stipendium aufkündigte, um nach Kuba zu gehen und beim Aufbau des Sozialismus mitzuwirken. Kuba, das war eine kleine Insel des Lichts, allüberall vom Dunkelmeer des amerikanischen Imperialismus umflossen, der ebenso den Rest des Erdballs zu überschwemmen drohte.
                
      Enzensberger hat uns über seine Desillusionierung betreffs Kuba nie befriedigend aufgeklärt. So schwärt die Enttäuschung ebenso wie die Hoffnung in den zuständigen Kadern diffus weiter - und nährt noch Wim Wenders' Film »Buena Vista Social Club«, wo alte Männer mittels lustiger Musik eine unerschütterliche Vitalität zelebrieren, über deren Quellen der gemüdete Tourist aus Europa anspielungsreich rätseln darf. Vermutlich handelt es sich bei den aufgekratzten Greisen um die jüngste Ausgabe des Edlen Wilden, der seit der Renaissance, den großen Entdeckungen eine Zentralgestalt der europäischen Mythologie abgibt.
                
      Das sozialistisch völlig ruinierte, zugleich von rätselhafter Lebenskraft agitierte Kuba macht auch Matthias Politycki in seinem neuen Roman zum Schauplatz.
                
      (...).
                
      Was Enzensberger 1968 der Sozialismus war, das wird Broder Broschkus 2005 die Religion - so entspricht es den gegenwärtigen Feulilletonvorschriften (so wie der Sozialismus denen von '68 entsprochen hatte)."
 
 
  • BADER, Katarina (2005): Prof. Eilig.
    Der Historiker Paul Nolte glaubt ganz fest an die Reformkraft der Großen Koalition,
    in: Die ZEIT Nr.50 v. 08.12.
 
zitty-Titelgeschichte: Jetzt bist Du der Spießer.
Die Konservativen haben die Coolness erorbert
  • KALLE, Matthias (2005): Werden wir jetzt alle Spießer?
    Die Konservativen haben die Coolness erobert,
    in: zitty Nr.26 v. 07.12.
  • KALLE, Matthias & Harald STAUN (2005): "Ich nenne das immer: CDU-Koksen".
    Was meint Diedrich Diederichsen nun wieder damit? Ein Gespräch über Neokonservative, Spießer, ein historisches Projekt - und über Sting,
    in: zitty Nr.26 v. 07.12.
 
 
 
 
 
  • SCHWENTKER, Björn (2005): Im Schoß des Hörsaals.
    Frauen sollen schon während des Studiums Kinder bekommen. Dann haben sie später Zeit für die Karriere, und leisten dennoch ihren reproduktiven Beitrag zur Gesellschaft,
    in: Zeit Online v. 06.12.
    • Kommentar:
      Mit SCHWENTKER folgt nun die ZEIT der SZ-Strategie, wonach sich die Papier-Ausgaben an Familien richten, während die Online-Ausgaben sich der Singles annehmen. Damit entstehen nun genau jene Parallelwelten, die allseits beklagt werden.

                
      Mit keinem Wort geht SCHWENTKER deshalb darauf ein, dass mit Susanne GASCHKE für die ZEIT eine Verfechterin der früh gebärenden Studentinnen-Avantgarde schreibt.
                
      Stattdessen wird von SCHWENTKER das Konzept "Twenty Mom" kritisiert, das junge Studentinnen das Gebären schmackhaft machen soll:
                
      "Bisher haben die Politiker sich nicht damit hervorgetan, Akademikerinnen eine späte Geburt ans Herz zu legen. Ein etwas offeneres Ohr dürfte sich die demografische und soziologische Forschung hier von der Politik durchaus wünschen. Der Zeitpunkt wäre günstig. Denn das Familienministerium hat mit Ursula von der Leyen soeben eine Chefin bekommen, die das erste ihrer sieben Kinder auch nicht mit 20, sondern mit 28 Jahren zu Welt brachte. Eine weniger zwanghafte öffentliche Debatte über den Zeitpunkt und die persönliche Entscheidung für ein Kind wäre deshalb nicht nur für Akademikerinnen ein besonders schönes Weihnachtsgeschenk."
                
      Wie immer sind die Leser-Kommentare aufschlussreicher als der Artikel selber...  
 
  • MÜLLER, Reinhard (2005): Angebot oder Umerziehung?
    Der Streit über die Verfassungsmäßigkeit des geplanten Elterngeldes,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.12.
 
 
  • LUTTEROTT, Nicola von (2005): Ehezwist schlägt aufs Blut.
    Bei zanksüchtigen Partnern verzögert sich die Wundheilung,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.12.
 
 
  • CAMMANN, Alexander (2005): Bürgerlicher Extremismus.
    Formen von Bürgerlichkeit hat es immer gegeben, auch unter der rot-grünen Hegemonie. Doch weiche Stilfragen von einst sind gerade dabei, zu harten Klassenfragen zu werden. In Zeiten der ökonomischen Krise entsteht wieder Klassenbewusstsein,
    in: TAZ v. 06.12.
    • Inhalt:
      Alexander CAMMANN, Angehöriger der Generation Golf und verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Vorgänge, begrüßt die Rückkehr der Bürgerlichkeit:

                
      "Die ökonomische Krise der letzten Jahre begrub endgültig die - ohnehin fragwürdige - »nivellierte Mittelstandsgesellschaft« (Helmut Schelsky) hierzulande. Formen von Bürgerlichkeit hat es zwar in den vergangenen Jahrzehnten immer gegeben. Doch weiche Stilfragen von einst sind wieder zu harten Klassenfragen geworden. Angesichts von Abstiegsängsten, des Auftauchens neuer Unterschichten und der Rückkehr der Klassengesellschaft bieten die feinen Unterschiede des bürgerlichen Lebensstils Halt und Abgrenzungsmöglichkeiten nach unten. Bürgerlichkeit wird in Zeiten der Krise zur Identitätsressource; es entsteht wieder Klassenbewusstsein."
 
 
  • Der singlefeindliche Artikel:
    WORATSCHKA, Rainer (2005): "Wir überschreiten alle Schmerzgrenzen".
    Der Sozialrichter Jürgen Borchert benennt Gründe für die Armut von Familien – und fordert eine stärkere Belastung von Kinderlosen,
    in: Tagesspiegel v. 05.12.
    • Kommentar:
      Der Sozialrichter
      Jürgen BORCHERT bestreitet mit seiner Familienausbeutungsthese wieder einmal ein Interview.
                
      Angeblich sind Familien in Deutschland generell gegenüber Singles benachteiligt. Tatsächlich lässt sich das nicht belegen.
                
      Tanja MÜHLING hat in einer neueren empirischen Untersuchung nachgewiesen, dass bei den Niedrigeinkommenshaushalten neben den Alleinerziehenden vor allem ältere, alleinlebende Frauen überdurchschnittlich von Armut betroffen sind.
                
      "Viele sind nicht freiwillig kinderlos.
      Die Quote biologischer Unfruchtbarkeit liegt bei sechs Prozent. 94 Prozent wollen keine Kinder oder bringen sie nicht rechtzeitig in ihrer Lebensplanung unter
      ",
      behauptet Jürgen BORCHERT.

                
      Wie ist dies zu verstehen? Wenn der Anteil der Unfruchtbaren an der Bevölkerung bei 6 % liegen würde, dann gäbe es nach dieser Rechnung Deutschland längst nicht mehr, weil kein einziges Kind mehr geboren würde! 6 % Unfruchtbare + 94 % Kinderlose = 100 % der Bevölkerung!
                
      Also kann BORCHERT nur meinen, dass der Anteil der Unfruchtbaren an der kinderlosen Bevölkerung 6 % beträgt.
                
      Nehmen wir einmal an, dass BORCHERT mit seinen Spekulationen Recht hätte und 6 % der Kinderlosigkeit auf das Konto der Biologie ginge (lässt sich nicht belegen).
                
      Nehmen wir weiter an, dass tatsächlich 30 % lebenslang kinderlos bleiben würden (empirisch seriös schätzen lässt sich bislang nur, dass vom Frauenjahrgang 1965 bisher nicht einmal 25 % kinderlos geblieben sind, alles andere ist Spekulation), dann wären nach BORCHERTs eigener Rechnung 30 % - 6 % = 24 %, also ca. 80 % freiwillig kinderlos.
                
      Nimmt man die empirisch belegte Zahl von ca. 24 % - 6 % = 18 %, dann gäbe es also ca. 60 % freiwillig Kinderlose.
                
      Für Herrn Borchert gibt es nach dieser Rechnung keine gesellschaftlich verursachte Kinderlosigkeit, sondern Kinderlosigkeit, die nicht biologisch (Unfruchtbarkeit) begründbar ist, legt Herr BORCHERT als Hedonismus bzw. Karrierismus aus.
                
      Ausgeblendet wird damit das Problem der langen Ausbildungszeiten, der Massenarbeitslosigkeit und der fehlenden ökonomischen Selbständigkeit. Alle diese Probleme werden von BORCHERT allein dem Individuum angelastet.
                
      Für BORCHERT gibt es auch keine Elternverantwortung, die es z.B. verbietet Kinder in die Welt zu setzen, wenn man nicht für diese Kinder sorgen kann.
                
      Diese Meinung kann man natürlich vertreten, dann sollte man dies aber bitteschön auch so deutlich sagen! Nur sollte BORCHERT dann auch sagen wie er das Problem der Teenagerschwangerschaften lösen möchte, die Folgen seiner Sichtweise wären.
                
      BORCHERT sieht sich gerne als Robin Hood der Elternschaft. Tatsächlich ist sein Plädoyer für den katholischen Sozialstaat  nichts anderes als ein Plädoyer für die Entlastung von Kapital und Staat, während die kinderlose, globale Elite außen vor bleibt.
                
      Die Zeche zahlen werden in erster Linie die sozialstaatspflichtigen und -abhängigen Schichten, deren Kinderlosigkeit geringer ist als jene der globalen, kinderlosen Elite. Ihr Pech: Sie können dem Sozialstaat nicht den Rücken kehren wie die kinderlosen Eliten, denen der Sozialstaat - wie Herrn BORCHERT - auch nur eine Last ist. 
 
  • RÜTTGERS, Jürgen (2005): "Zuviel über Flat-Tax und zuwenig über Menschen geredet".
    Die CDU muß ihr Profil als Partei der sozialen Marktwirtschaft schärfen - Ruf nach Neuvermessung der Verantwortungsräume zwischen Staat und Gesellschaft, 
    in: Welt v. 05.12.
    • Kommentar:
      Jürgen RÜTTGERS variiert nun in der Welt seine Kritik am Elterngeld, die er im Rheinischen Merkur geübt hat, indem er sich nun auch zum Anwalt der Alleinerziehenden macht:

                
      "Es ist auch ungerecht, Besserverdienern ein höheres Elterngeld zu geben als Geringverdienern. Das führt doch nicht zu mehr Kindern bei Akademikerinnen. Für 1800 Euro im Monat für die Dauer von ein paar Monaten entscheidet sich niemand für Kinder. Es ist auch nicht verfassungsgemäß, wenn Eltern gezwungen werden sollen, während der Kinderphase zu Hause zu bleiben. Das benachteiligt Alleinerziehende und schränkt die Erziehungsfreiheit der Eltern staatlich ein. Zudem werden alle Väter und Mütter diskriminiert, die sich entscheiden, ihren Beruf zu unterbrechen und sich der Kindererziehung zu widmen. Der Staat muß aufhören, sich wie der Vormund seiner Bürger zu benehmen."
 
  • ZYLKA, Regine (2005): Elterngeld als Geburtshilfe,
    in: Berliner Zeitung v. 05.12.
    • Inhalt.
      Regine ZYLKA vergleicht das SPD-Modell des Elterngelds mit dem CDU-Modell und kommt zu dem Schluss:

                
      "Ministerin Ursula von der Leyen möchte das gesamte Familieneinkommen zur Berechnung des Elterngeldes heranziehen und es damit entscheidend abwandeln. Von dem innovativen Kern der SPD-Pläne wäre dann nicht mehr viel übrig."
                
      Trotzdem plädiert ZYLKA für diese Form des Elterngeldes, das die Zuverdienerehe bevorzugt:
                
      "Das CDU-Modell könnte dazu führen, dass Mütter während der Erziehungszeit mehr Elterngeld bekommen, als sie zuvor im Job verdient haben. Nur weil das Gehalt ihres - weiterarbeitenden - Partners bei der Berechnung der Leistung berücksichtigt wird.
                
      Das Elterngeld erhöht die ökonomische Sicherheit von Familien, und das ist auch gut so." 
 
Aus Politik und Zeitgeschichte-Thema: Alter und Altern.
   

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