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Medienrundschau:
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News vom
05. - 12. Dezember 2005
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Zitat
des Monats:
"Trotz
ihrer Zugehörigkeit zum unteren Einkommensquintil (Anm.d.V.:
Einkommensfünftel) bleibt eine relativ große Gruppe (ca. 30 %)
von eigentlicher Armut verschont. Zu diesen
»Unterversorgungsfreien« gehören überdurchschnittlich oft
Menschen mit einem hohen Bildungsniveau und einer guten
beruflichen Position. Hinsichtlich der Familienform finden sich
hier v.a. Ehepaare ohne Kinder.
(...).
Kritisch ist, dass mehr als die Hälfte
(ca. 55 %) der Niedrigeinkommenshaushalte zwei oder mehr
Problemlagen vereinen. (...). Anhäufungen von Deprivationen
finden sich v.a. bei Alleinlebenden, in den neuen Bundesländern
und bei Alleinerziehenden."
(Tanja
Mühling in der Zeitschrift für Familienforschung, Heft 2, 2005)
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HAGER, Angelika (2005): "Ich musste Carrie verlassen".
Als Herzstück des TV-Hits "Sex and the City" wurde Sarah Jessica
Parker, 40, zur Lebenshilfe-Ikone der Single-Frauen. Ein Gespräch über
ihren neuen Film "Familie Stone", Carries Ende und falsch verstandenen
Feminismus,
in: Profil
Nr.50 v. 12.12.
- Kommentar:
Hierzulande arbeiten sich höchstens
Ewiggestrige wie
Susanne GASCHKE oder
Udo Di FABIO an der Single-Ästhetik
ab, die bereits längst vor dem Ende von
"Sex and the City" mausetot war.
Jetzt
erfolgt höchstens noch die akademische Nachbereitung durch Studien,
die lediglich historischen Wert haben.
Dass
sich eine Schauspielerin wie Sarah Jessica PARKER bewusst gegen
jegliche Singlehaftigkeit ihrer neuen Rolle entschieden hat, zeigt
dass der neue Familienfundamentalismus voll im Trend der Zeit liegt.
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TINZ, Sigrid (2005): Mama oder Krippentante?
Die ideale Betreuung eines Kleinkinds gibt es nicht. Die optimale
hängt vom Einzelfall ab. Und von der Nachbarschaft,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.12.
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BARTEZKO, Dieter (2005): Unsere grüne Hölle.
In dieser Woche wird der Bundestag die Eigenheimzulage abschaffen.
Ein Anlaß, nach den Wurzeln der nicht nur deutschen Liebe zum eigenen
Heim zu fragen. Wie hat sie Land und Leute zugerichtet? Welches Glück
oder Unglück haben die Menschen in den eigenen vier Wänden gefunden?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.12.
- Kommentar:
Dieter BARTEZKO führt uns noch
einmal das
Ideal der "alten Mitte" vor Augen,
wobei er wie üblich die 50er Jahre in den Vordergrund stellt, obwohl
doch eher die späten 80er und frühen 90er Jahren die
Blütezeit der Suburbanisierung mit ihren
endlosen Reihenhaussiedlungen waren. Dafür stehen auch
neumittige Stadtteile wie
Vauban in Freiburg.
Wenn
BARTZEKO die Renaissance des innenstädtischen Wohnens als Reaktion
auf die Schrumpfung der Städte beschreibt, dann zeigt dies höchstens
eine gravierende Verkennung der Lage.
Längst
haben junge Familien die Innenstädte erobert. Eine
Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik zeigt z.B. dass
bereits im Jahr 2003 bei der "neuen Mitte" der Trend zum
Innenstadtwohnen vorhanden war.
Ursache
dafür ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, d.h. die neue
Aufwertung der Innenstädte hängt mit dem postfeministischen Ideal
der Generation Ally zusammen. Monika ALISCH hat diesen Zusammenhang
von "Frauen und Gentrification" bereits vor über 10 Jahren
beschrieben.
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HANSEN, Sven (2005): Die neue Großfamilie.
Gegen die Einsamkeit im Alter: Japan hat die zweitniedrigste
Geburtenrate der Welt. Gleichzeitig steigt die Zahl alter Menschen.
Der traditionelle Drei-Generationen-Haushalt geht so allmählich
verloren. Nun sollen künstliche Familien Abhilfe schaffen. Ein Besuch
in Japans erstem Altersheim mit integriertem Kindergarten,
in: TAZ v. 10.12.
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HEITKAMP, Sven (2005): "Familienoffensive" wird für Regierungschef
Althaus zur Belastung.
Neuregelung der Kinderbetreuung in Thüringen stößt auch in der CDU
auf heftige Kritik - Althaus spricht von "Jammerstimmung",
in: Welt v. 10.12.
- Inhalt:
HEITKAMP berichtet über einen Streit um die
Neuausrichtung der Familienpolitik in Thüringen:
"Eingeführt
wird mit dem Familienfördergesetz zwar ein einkommensunabhängiges
Landeserziehungsgeld von monatlich 150 Euro und mehr. Doch wenn das
Kind eine Kita besucht, geht das Geld direkt an die Einrichtung. So
werden Eltern belohnt, die ihre Kinder zu Hause behalten. Was
Befürworter als Stärkung der elterlichen Eigenverantwortung preisen,
geißeln Kritiker als Rückfall in alt-konservative Frauenbilder."
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GLASER, Peter (2005): Herr, es ist Zeit.
Was ist mit diesem Land? Was soll mit Deutschland werden? Fünf
Leuchtstreifen,
in: Berliner Zeitung v. 10.12.
- Kommentar:
Der Österreicher
Peter GLASER versucht sich als
Reinhard MOHR.
Das
paradoxe
Deutschlandgefühl, das er aus dem
Mitte-Feuilleton kondensiert hat, speist sich einerseits aus einer
Jammerrhetorik, die sich gegen die verflüchtigte Postmoderne und die
individualisierte 68er-Verhandlungslogik gleichermaßen richtet,
andererseits wird die bürokratische Erstarrung beklagt:
"Die
Müdigkeit in Deutschland hat zu tun mit einem Nachlassen aller
Formen, aller Regeln, fast aller, und mit einer äußerst
anstrengenden Zunahme an Zeichen.
(...).
Sowie sich etwas ins Ungeordnete hin auftut, ist der Deutsche
existenziell beunruhigt."
Das
ist generationreformhaftdeutsch. Warum sind unsere 40Jährigen
eigentlich so furchtbar vergangenheitsfixiert? Die Zukunft muss
immer noch ohne sie stattfinden.
Wenn
Ulrich BECK beklagt, dass die
Soziologen sich der Realität entfernt haben, dann gilt
das für diese verstaubte Mitte-Rhetorik erst recht.
Lässt
man diese muffigpenetrante Mittigkeit einmal beiseite und überwindet
seinen Ekel, dann finden sich einige Perlen im Text versteckt...
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MISIK, Robert (2005): Die Freiheit, die sie meinen.
Mehr Wert: Udo di Fabio ist für sein Buch "Die Kultur der Freiheit"
zum "Reformer des Jahres 2005" ausgerufen worden. Warum gibt es
eigentlich eine solche Sehnsucht nach intelligenten Konservativen? Und
warum ist der moderne Konservativismus so ein intellektuelles
Desaster?
in: TAZ v. 08.12.
- Kommentar:
Robert MISIK muss zugeben, dass
"genial dagegen" längst keine Domäne der Linken mehr ist, sondern
die neuen Reaktionäre - hier in der Person von
Udo Di FABIO - haben den
Rebellengestus der Gegenkultur erfolgreich übernommen:
"Zentral
bei dieser Operation ist die Umdeutung des Begriffes der Freiheit:
statt Freiheit von knechtenden Traditionen und Institutionen zur
Freiheit, Traditionen und Werte zu akzeptieren - was als ein
rebellischer Akt dargestellt wird, wider Zeitgeist und
gesellschaftliche Imperative. Damit erweisen sich solche
Gedankenreihen anschlussfähig an eine gewisse Ermüdung im
linksliberalen Milieu. Wenn jeder Bruch mit Konventionen nur mehr
der Geburtsakt einer neuen Mode ist, jede rebellische Geste nur mehr
ein Zitat von Altbekanntem, dann ist nicht nur ein Überdruss an der
Rebellion gegen Hergebrachtes folgerichtig - dann ist die
Lobpreisung von Sitte und Manieren die schärfste Rebellion, der
ultimative Thrill."
Leider
kommt MISIK über eine selbstgefällige Analyse linker
Selbstreferentialität nicht hinaus. Georg FRANCKs Ökonomie der
Aufmerksamkeit dient als Selbstrechtfertigung.
Tatsächlich
steckt die Poplinke in einer selbstverschuldeten Krise, die
keineswegs nur damit zu tun hat, dass sie sich mit dem Hedonismus
verbündet hat:
"Das
Bündnis, das die 68er-Revolte und die Alternativbewegungen mit dem
Hedonismus eingegangenen sind, ist nur eine der Ursachen für das
widersprüchliche Verhältnis der Linken zu Werten".
Wenn
MISIK den neuen Reaktionären die Verachtung der Massen unterstellt,
dann muss gefragt werden, wie es die Poplinke damit hält. Offenbar
ist sie nicht besser als ihre Gegenspieler. Es reicht nicht mehr,
einfach nur zu behaupten, dass man die besseren Partys feiert...
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GÖRING-ECKHARDT (2005): Ein Jahr Elterngeld - und dann?
Mehr Betreuungsplätze sind wichtiger als zeitlich begrenzte Hilfe,
in: Tagesspiegel v. 08.12.
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KAHLWEIT, Cathrin (2005): Gefragte Väter,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.12.
- Inhalt:
Cathrin KAHLWEIT plädiert bei der
Ausgestaltung des Elterngeldes für die SPD-Variante:
"Wenn
die SPD sich durchsetzt, erhöht das die Aussichten, dass die meist
besser verdienenden Väter Erziehungsurlaub nehmen. Außerdem ist
dieses Modell sogar für die Staatskasse billiger."
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FLORIN, Christine (2005): Kinderleichte Übung.
Warum Eltern nicht käuflich sind. Wer sich für Nachwuchs
entscheidet, riskiert viel. Und fühlt sich oft allein gelassen. Ein
gelebter Generationenvertrag hilft mehr als Geld,
in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 08.12.
- Kommentar:
Christine FLORIN hat aus allen gängigen
Feuilleton-Versatzstücken zum Thema einen Artikel zusammengepuzzelt,
der zum Schluss kommt, dass angesichts von "Zukunftssorgen,
Bindungsangst, Vorbildmangel (...) die Politik an Grenzen" stößt.
Eine
Lösung hat sie mit dem Mehrgenerationenhaus dennoch anzubieten: "So
stabil wie traditionelle Familien mit ihrer hohen Scheidungs- und
Patchworkwahrscheinlichkeit wird das Netz aus Wahlverwandten
allemal".
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MÜLLER, Claus Peter (2005): Entwertung der eigenen Biographie?
Streit in Thüringen über eine "Familienoffensive" der
Landesregierung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.12.
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RUTSCHKY, Michael (2005): Endlich wieder Blutdurst.
Matthias Polityckis "Herr der Hörner" versucht in Kuba vom weißen
zum wilden Mann zu werden,
in: Berliner Zeitung v. 08.12.
- Kommentar:
Leser von single-dasein.de konnten
bereits vor 2 Monaten
lesen, dass Matthias POLITYCKI mit seinem neuen Kuba-Roman "Herr der
Hörner" auf den Spuren von
H. M. ENZENSBERGER wandelt.
Michael RUTSCKKY schreibt nun dazu:
"Kuba
besitzt eine eigene Wirkungsgeschichte im (west-) deutschen
Geistesleben (im ostdeutschen kenne ich mich da schlecht aus). Mit
einem Tusch beginnt diese Wirkungsgeschichte 1968, als Hans Magnus
Enzensberger, der zornigste junge Mann, den die Nachkriegsliteratur
gezeitigt hatte, in einem schneidend arroganten Brief der Wesleyan
University in Connecticut das Stipendium aufkündigte, um nach Kuba
zu gehen und beim Aufbau des Sozialismus mitzuwirken. Kuba, das war
eine kleine Insel des Lichts, allüberall vom Dunkelmeer des
amerikanischen Imperialismus umflossen, der ebenso den Rest des
Erdballs zu überschwemmen drohte.
Enzensberger
hat uns über seine Desillusionierung betreffs Kuba nie befriedigend
aufgeklärt. So schwärt die Enttäuschung ebenso wie die Hoffnung in
den zuständigen Kadern diffus weiter - und nährt noch Wim Wenders'
Film »Buena Vista Social Club«, wo alte Männer mittels lustiger
Musik eine unerschütterliche Vitalität zelebrieren, über deren
Quellen der gemüdete Tourist aus Europa anspielungsreich rätseln
darf. Vermutlich handelt es sich bei den aufgekratzten Greisen um
die jüngste Ausgabe des Edlen Wilden, der seit der Renaissance, den
großen Entdeckungen eine Zentralgestalt der europäischen Mythologie
abgibt.
Das
sozialistisch völlig ruinierte, zugleich von rätselhafter
Lebenskraft agitierte Kuba macht auch Matthias Politycki in seinem
neuen Roman zum Schauplatz.
(...).
Was
Enzensberger 1968 der Sozialismus war, das wird Broder Broschkus
2005 die Religion - so entspricht es den gegenwärtigen
Feulilletonvorschriften (so wie der Sozialismus denen von '68
entsprochen hatte)."
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BADER, Katarina (2005): Prof. Eilig.
Der Historiker Paul Nolte glaubt ganz fest an die Reformkraft der
Großen Koalition,
in: Die ZEIT Nr.50 v. 08.12.
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zitty-Titelgeschichte:
Jetzt bist Du der Spießer.
Die Konservativen haben die Coolness erorbert |
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KALLE, Matthias (2005): Werden wir jetzt alle Spießer?
Die Konservativen haben die Coolness erobert,
in: zitty Nr.26 v. 07.12.
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KALLE, Matthias & Harald STAUN (2005): "Ich nenne das immer:
CDU-Koksen".
Was meint Diedrich Diederichsen nun wieder damit? Ein Gespräch
über Neokonservative, Spießer, ein historisches Projekt - und über
Sting,
in: zitty Nr.26 v. 07.12.
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HETTINGER, Holger (2005): Ulrich Beck: Soziologie hat sich von der
Gesellschaft entfernt.
Junge Soziologen sollen "Ausflug in die Wirklichkeit wagen",
in: DeutschlandRadio v. 07.12.
- Kommentar:
Was Ulrich BECK der Soziologie anlastet, das
ist in erster Linie ihm selber anzulasten:
"Hettinger:
Lässt sich der Bedeutungsverlust der Soziologie auch damit erklären,
dass die Zeit der großen Gesellschaftsentwürfe vorüber zu sein
scheint?
Beck:
Ja, da ist sicherlich was dran, aber: Es gab in der
Gesellschaftsentwicklung immer wieder die
Vorstellung, dass wir in einer Umbruchphase leben, in der auch die
Soziologie und die Gesellschaft selbst neuer Kategorien für ihre
Beschreibung bedarf. Ich glaube, wir sind wiederum in so einer
Phase, wo wir sicherlich sehr spezialisiert als Soziologen arbeiten
müssen, wo wir uns aber fragen müssen:
sind unsere Kategorien von Gesellschaft, also von Klasse, von
nationaler Gesellschaft, von Wohlfahrtsstaat noch angemessen, um
die Spannungen, Irritationen und Turbulenzen der modernen
Gesellschaft, in der wir leben, zu erfassen."
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SCHWENTKER, Björn (2005): Im Schoß des Hörsaals.
Frauen sollen schon während des Studiums Kinder bekommen. Dann
haben sie später Zeit für die Karriere, und leisten dennoch ihren
reproduktiven Beitrag zur Gesellschaft,
in: Zeit Online v. 06.12.
- Kommentar:
Mit SCHWENTKER folgt nun die ZEIT der
SZ-Strategie, wonach sich die Papier-Ausgaben an Familien
richten, während die Online-Ausgaben sich der Singles annehmen.
Damit entstehen nun genau jene Parallelwelten, die allseits beklagt
werden.
Mit
keinem Wort geht SCHWENTKER deshalb darauf ein, dass mit Susanne
GASCHKE für die ZEIT eine Verfechterin der früh gebärenden
Studentinnen-Avantgarde schreibt.
Stattdessen
wird von SCHWENTKER das Konzept "Twenty Mom" kritisiert, das junge
Studentinnen das Gebären schmackhaft machen soll:
"Bisher
haben die Politiker sich nicht damit hervorgetan, Akademikerinnen
eine späte Geburt ans Herz zu legen. Ein etwas offeneres Ohr dürfte
sich die demografische und soziologische Forschung hier von der
Politik durchaus wünschen. Der Zeitpunkt wäre günstig. Denn das
Familienministerium hat mit Ursula von der Leyen soeben eine Chefin
bekommen, die das erste ihrer sieben Kinder auch nicht mit 20,
sondern mit 28 Jahren zu Welt brachte. Eine weniger zwanghafte
öffentliche Debatte über den Zeitpunkt und die persönliche
Entscheidung für ein Kind wäre deshalb nicht nur für Akademikerinnen
ein besonders schönes Weihnachtsgeschenk."
Wie
immer sind die Leser-Kommentare aufschlussreicher als der Artikel
selber...
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MÜLLER, Reinhard (2005): Angebot oder Umerziehung?
Der Streit über die Verfassungsmäßigkeit des geplanten
Elterngeldes,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.12.
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LUTTEROTT, Nicola von (2005): Ehezwist schlägt aufs Blut.
Bei zanksüchtigen Partnern verzögert sich die Wundheilung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.12.
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CAMMANN, Alexander (2005): Bürgerlicher Extremismus.
Formen von Bürgerlichkeit hat es immer gegeben, auch unter der
rot-grünen Hegemonie. Doch weiche Stilfragen von einst sind gerade
dabei, zu harten Klassenfragen zu werden. In Zeiten der ökonomischen
Krise entsteht wieder Klassenbewusstsein,
in: TAZ v. 06.12.
- Inhalt:
Alexander CAMMANN, Angehöriger der Generation
Golf und verantwortlicher Redakteur der
Zeitschrift Vorgänge, begrüßt die Rückkehr der
Bürgerlichkeit:
"Die
ökonomische Krise der letzten Jahre begrub endgültig die - ohnehin
fragwürdige - »nivellierte Mittelstandsgesellschaft« (Helmut
Schelsky) hierzulande. Formen von Bürgerlichkeit hat es zwar in den
vergangenen Jahrzehnten immer gegeben. Doch
weiche Stilfragen von einst sind wieder zu harten Klassenfragen
geworden. Angesichts von Abstiegsängsten, des Auftauchens neuer
Unterschichten und der
Rückkehr der Klassengesellschaft bieten die feinen Unterschiede
des bürgerlichen Lebensstils Halt und Abgrenzungsmöglichkeiten nach
unten. Bürgerlichkeit wird in Zeiten der Krise zur
Identitätsressource; es entsteht wieder Klassenbewusstsein."
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FRANK, Arno (2005): "Sterbende Wörter haben keine Lobby".
Der Journalist Bodo Mrozek (37) sammelt vom Aussterben bedrohte
Wörter wie "Hagestolz", "Vollbeschäftigung" oder "Stegreif" und setzt
sie auf eine "rote Liste". Denn das Verschwinden von Kostbarkeiten aus
unserem Wortschatz wird kaum beachtet: "Wir haben es mit einer
Dunkelziffer zu tun",
in: TAZ v. 06.12.
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- Der singlefeindliche
Artikel:
WORATSCHKA, Rainer (2005): "Wir überschreiten alle Schmerzgrenzen".
Der Sozialrichter Jürgen Borchert benennt Gründe für die Armut von
Familien – und fordert eine stärkere Belastung von Kinderlosen,
in: Tagesspiegel v. 05.12.
- Kommentar:
Der Sozialrichter
Jürgen BORCHERT
bestreitet mit seiner Familienausbeutungsthese wieder einmal ein
Interview.
Angeblich
sind Familien in Deutschland generell gegenüber Singles
benachteiligt. Tatsächlich lässt sich das nicht belegen.
Tanja
MÜHLING hat in einer neueren empirischen Untersuchung nachgewiesen,
dass bei den Niedrigeinkommenshaushalten neben den Alleinerziehenden
vor allem ältere, alleinlebende Frauen überdurchschnittlich von
Armut betroffen sind.
"Viele
sind nicht freiwillig kinderlos.
Die Quote biologischer Unfruchtbarkeit liegt bei sechs Prozent.
94 Prozent wollen keine Kinder oder bringen sie nicht rechtzeitig in
ihrer Lebensplanung unter",
behauptet Jürgen BORCHERT.
Wie
ist dies zu verstehen? Wenn der Anteil der Unfruchtbaren an der
Bevölkerung bei 6 % liegen würde, dann gäbe es nach dieser Rechnung
Deutschland längst nicht mehr, weil kein einziges Kind mehr geboren
würde! 6 % Unfruchtbare + 94 % Kinderlose = 100 % der Bevölkerung!
Also
kann BORCHERT nur meinen, dass der Anteil der Unfruchtbaren an der
kinderlosen Bevölkerung 6 % beträgt.
Nehmen
wir einmal an, dass BORCHERT mit seinen Spekulationen Recht hätte
und 6 % der Kinderlosigkeit auf das Konto der Biologie ginge (lässt
sich nicht belegen).
Nehmen
wir weiter an, dass tatsächlich 30 % lebenslang kinderlos bleiben
würden (empirisch seriös schätzen lässt sich bislang nur, dass
vom Frauenjahrgang 1965 bisher nicht einmal 25 % kinderlos geblieben
sind, alles andere ist Spekulation), dann wären nach BORCHERTs
eigener Rechnung 30 % - 6 % = 24 %, also ca. 80 % freiwillig
kinderlos.
Nimmt
man die empirisch belegte Zahl von ca. 24 % - 6 % = 18 %, dann gäbe
es also ca. 60 % freiwillig Kinderlose.
Für
Herrn Borchert gibt es nach dieser Rechnung keine gesellschaftlich
verursachte Kinderlosigkeit, sondern Kinderlosigkeit, die nicht
biologisch (Unfruchtbarkeit) begründbar ist, legt Herr BORCHERT als
Hedonismus bzw. Karrierismus aus.
Ausgeblendet
wird damit das Problem der langen Ausbildungszeiten, der
Massenarbeitslosigkeit und der fehlenden ökonomischen
Selbständigkeit. Alle diese Probleme werden von BORCHERT allein dem
Individuum angelastet.
Für
BORCHERT gibt es auch keine Elternverantwortung, die es z.B.
verbietet Kinder in die Welt zu setzen, wenn man nicht für diese
Kinder sorgen kann.
Diese
Meinung kann man natürlich vertreten, dann sollte man dies aber
bitteschön auch so deutlich sagen! Nur sollte BORCHERT dann auch sagen wie er das
Problem der Teenagerschwangerschaften lösen möchte, die Folgen
seiner Sichtweise wären.
BORCHERT
sieht sich gerne als Robin Hood der Elternschaft. Tatsächlich ist
sein Plädoyer für den
katholischen Sozialstaat
nichts anderes als ein
Plädoyer für die Entlastung von Kapital und Staat,
während die kinderlose, globale Elite außen
vor bleibt.
Die
Zeche zahlen werden in erster Linie die sozialstaatspflichtigen und
-abhängigen Schichten, deren Kinderlosigkeit geringer ist als jene
der globalen, kinderlosen Elite. Ihr Pech: Sie können dem
Sozialstaat nicht den Rücken kehren wie die kinderlosen Eliten,
denen der Sozialstaat - wie Herrn BORCHERT - auch nur eine Last ist.
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RÜTTGERS, Jürgen (2005): "Zuviel über Flat-Tax und zuwenig über
Menschen geredet".
Die CDU muß ihr Profil als Partei der sozialen Marktwirtschaft
schärfen - Ruf nach Neuvermessung der Verantwortungsräume zwischen
Staat und Gesellschaft,
in: Welt v. 05.12.
- Kommentar:
Jürgen RÜTTGERS variiert nun in der Welt
seine Kritik am Elterngeld, die er
im Rheinischen
Merkur geübt hat, indem er sich nun auch zum Anwalt
der Alleinerziehenden macht:
"Es
ist auch ungerecht, Besserverdienern ein höheres Elterngeld zu geben
als Geringverdienern. Das führt doch nicht zu mehr Kindern bei
Akademikerinnen. Für 1800 Euro im Monat für die Dauer von ein paar
Monaten entscheidet sich niemand für Kinder. Es ist auch nicht
verfassungsgemäß, wenn Eltern gezwungen werden sollen, während der
Kinderphase zu Hause zu bleiben. Das benachteiligt Alleinerziehende
und schränkt die Erziehungsfreiheit der Eltern staatlich ein. Zudem
werden alle Väter und Mütter diskriminiert, die sich entscheiden,
ihren Beruf zu unterbrechen und sich der Kindererziehung zu widmen.
Der Staat muß aufhören, sich wie der Vormund seiner Bürger zu
benehmen."
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ZYLKA, Regine (2005): Elterngeld als Geburtshilfe,
in: Berliner Zeitung v. 05.12.
- Inhalt.
Regine ZYLKA vergleicht das SPD-Modell des
Elterngelds mit dem CDU-Modell und kommt zu dem Schluss:
"Ministerin
Ursula von der Leyen möchte das gesamte Familieneinkommen zur
Berechnung des Elterngeldes heranziehen und es damit entscheidend
abwandeln. Von dem innovativen Kern der SPD-Pläne wäre dann nicht
mehr viel übrig."
Trotzdem
plädiert ZYLKA für diese Form des Elterngeldes, das die
Zuverdienerehe bevorzugt:
"Das
CDU-Modell könnte dazu führen, dass Mütter während der
Erziehungszeit mehr Elterngeld bekommen, als sie zuvor im Job
verdient haben. Nur weil das Gehalt ihres - weiterarbeitenden -
Partners bei der Berechnung der Leistung berücksichtigt wird.
Das
Elterngeld erhöht die ökonomische Sicherheit von Familien, und das
ist auch gut so."
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01. -
04. Dezember 2005
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