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News vom 07. - 13. Dezember

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Der Anfang für ein Zuhause

"Das ist also dein Zuhause, dachte ich. Jedenfalls, wenn du mal saubermachen und die Flaschen wegwerfen und den Müll vom Balkon räumen und die Bücher aufstellen und einen Schrank kaufen und deine Klamotten reintun und deinen Spion blankputzen und dein Bett beziehen und dein Bad schrubben und den Fußboden scheuern würdest, hättest du den Anfang für ein Zuhause. Der Trouble mit dir ist, Harder, daß du lieber den Anfang für eine Story hättest als den Anfang für ein Zuhause."
(aus: Jörg Fauser "Das Schlangenmaul", 2006, S.96)

 
       
   
 
 
 
  • SCHMITT, Cosima (2006): Kindergärten bringen gute Rendite.
    3,6 Milliarden würde die Umsonst-Kita für alle kosten, hat das Institut der deutschen Wirtschaft ausgerechnet. Eine lohnende Investition, meinen die Wissenschaftler. Denn Kitas bilden. Langfristig müsste der Staat weniger Schulabbrecher stützen,
    in: TAZ v. 12.12.
 
  • FARMER, Silke (2006): "Frauen zurück an den Herd!"
    Psychiater: Feminismus schuld an Kinderlosigkeit,
    in: Wiener Zeitung v. 12.12.
    • Inhalt:
      FARMER berichtet über die zweitägige
      Tagung "Frauenidentität und Familienkultur" in Wien, die vom Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik sowie dem Institut für Ehe und Familie und der Gesellschaft für Familienorientierung veranstaltet wurde.
                   Einzig der Vortrag des Psychiater Holger Bertram FLÖTTMANN wird ausführlich referiert. Der umstrittene Psychiater sieht in bindungsunwilligen Singles und egoistischen Feministinnen die Ursache des Geburtenrückgangs. 
 
  • HARTWIG, Ina (2006): Reichtum kommt nicht vor.
    Die Literatur verharrt im Mittelstand,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.12.
    • Inhalt:
      Ina HARTWIG fordert von den Schriftstellern Abschied von der "nivellierten Mittelstandsgesellschaft" der Bonner Republik zu nehmen und Romane über die neue Klassengesellschaft zu verfassen. Während allerorten die Unterschicht-Debatte läuft, fehlt es an Einblicken in die neue Oberschicht:

                   "Da der Literatur unter anderem die Aufgabe zufällt, Seismograph und ästhetischer Transformator zu sein, darf man die Frage stellen, wie sie denn auf die kapitalbedingten Umwälzungen reagiert. Die bildende Kunst ist den Boom bereits gewohnt, auch wenn einigen Künstlern und Kritikern das Phänomen des überheizten Marktes bisweilen unheimlich sein mag. Zumal ja auch nicht jeder Künstler ein Neo Rauch ist und Millionensummen einsteckt, kaum ist die Farbe auf der Leinwand getrocknet, sondern viele eben doch - wie es dem Künstlertum immer schon eigen war - in kärglichen Lebensverhältnissen verharren. Aber das große Geld lockt.
      In der Literatur dagegen, der deutschsprachigen jedenfalls, herrschen nach wie vor das Lebensgefühl und die Moral des Mittelstands vor. Zu Reichtum gekommene Schriftsteller wie zuletzt Daniel Kehlmann sind die große Ausnahme.

                   (...).
      Sieht man einmal von Martin Walser, dem Chronisten des deutschen Wirtschaftswunders, ab, fällt - wie gesagt - auf, dass sich die Gegenwartsliteratur in Deutschland nicht gern im Milieu der Superreichen aufhält."
 
 
  • JÄHNER, Harald (2006): Asyle des Männlichen.
    Norbert Bolz will nicht nur Formel 1 fahren, sondern seiner Familie ein echter Held sein,
    in: Berliner Zeitung v. 11.12.
    • Inhalt:
      "Vor vier Jahren hatte Bolz noch ein »Konsumistisches Manifest« veröffentlicht, ein geistreiches Hohelied auf die Spaßgesellschaft als Gegengift gegen Fundamentalismen aller Art. In seinem neuen Buch »Die Helden der Familie« polemisiert er umgekehrt gegen unreifen Hedonismus und Konsumismus. Statt im Konsum sieht Bolz das Heil nun in der Treue und in den Kindern; die Eltern sind ihm die wahren, aber noch unentdeckten Helden von heute. Und weil Bolz sein langes Hörrohr auf jene fernen Wiesen ausrichtet, auf denen er die künftigen Trends wachsen hört, kann man einiges darauf geben, dass es bald wesentlich mehr her macht, mit seinen sechs Kindern U-Bahn zu fahren, als im Audi TT sein Ego herumzukutschieren", prophezeit Harald JÄHNER.
 
  • SZ-Thema: Krise der Moblität

    • MATZIG, Gerhard (2006): Eine schwarze Messe zu Ehren Volozifers.
      Was bleibt vom Geschwindigkeitsrausch der modernen Ästhetik, wenn uns die Kraftstoffe ausgehen?
      in: Süddeutsche Zeitung v. 11.12.
      • Inhalt:
        Die neubürgerlichen Eliten sind es leid, dass die Massen ihnen die Straßen verstopfen. Im Wegfall der Pendlerpauschale, der Einführung einer Citymaut und einer Verteuerung von Kraftstoffen sieht Gerhard MATZIG die schwarz-grüne Lösung des Ärgernisses:

                     "Es wird wieder Bewegliche und Unbewegliche geben. Wenige reiche Mobile und viele arme Immobile. Der Grenzübertritt wird - wie zu Zeiten der Stadttore und Zollstationen - eine Frage des Preises sein. Es wird Reisebeschränkungen geben, als lebte man hinter den Mauern einer gigantischen DDR."
    • STEINBERGER, Petra (2006): Vorstadt als Lebensform.
      Mit 50 Jahren feiert das amerikanische Interstate-System seine Vollendung - oder sein Ende,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 11.12.
      • Inhalt:
        "
        Im Kampf der Visionen hat die Eisenhower'sche der Mobilität und Verteidigungskraft bis heute die Mumford'sche von der dichtgebauten, lebenswerten Metropole weit hinter sich gelassen", bedauert STEINBERGER.
 
 
 
 
  • BIRZER, Tobias (2006): Auf Niedriglöhne abonniert.
    Der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär ist in weite Ferne gerückt - das belegt eine aktuelle Studie,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.12.
 
  • ROLL, Evelyn (2006): Die Gesellschaft besteht aus Teilen.
    Armes Deutschland, reiches Deutschland (1): Spurensuche in einem auseinanderdriftenden Land. Der eine ist zufällig Millionär, der andere zufällig Hartz-IV-Empfänger - beide haben etwas zu geben, was sich zu einem Ganzen zusammenfügen könnte,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.12.
 
 
  • VILLACHICA, Jeannette (2006): Bürotürme machen wahnsinnig.
    Es herrscht Einrichtungsterror: Peter Richter sagt warum,
    in: Stuttgarter Zeitung v. 09.12.
    • Inhalt:
      Peter RICHTER u.a. über die Doppelmoral der Besserverdienenden:

                   "Unten auf der Straße haben sie es gerne authentisch: einen türkischen Imbiss, gerne auch ein paar tätowierte Kumpels, die man grüßen kann. Selbst wohnen sie aber in sanierten Wohnungen unterm Dach."
 
TEMPO-Sonderausgabe:
Endlich! Die Wahrheit!
33 unumstößliche, unbestreitbare, unerbittliche und unverschämte Erkenntnisse über die Welt von heute
  • MARTENSTEIN, Harald (2006): Die 33 Wahrheiten des Markus P. - das neue "Tempo".
    Fast 400 Seiten. Anzeigen, Anzeigen, Anzeigen. Nicht nur beim Comeback von Axel Schulz spielt Geld eine Rolle,
    in: Tagesspiegel v. 08.12.
    • Anmerkungen:
      "Ich würde mir »Tempo« kaufen, meint Harald MARTENSTEIN, dessen Debütroman "Heimweg" nächstes Jahr die Leser beglückt. Sind wir nicht alle auf dem Heimweg? Endlich? Sind uns die 50er Jahre nicht viel näher als die 80er Jahre?

                   1986 trat TEMPO an, die Welt zu beglücken. Mit TEMPO begann Ende der 80er Jahre das, was geradewegs in die neue Bürgerlichkeit mündete: der Wandel des Wertewandels.
                   Die Gebrauchsanleitung für die nächsten 10 Jahre hätte genauso gut im CICERO erscheinen können. Ein Teil der 38 Texte war dort auch in ähnlicher Form bereits zu lesen.
                   Wenn man der ländlichen "Fruchtbarkeitsenklave Cloppenburg" ein Denkmal setzt, indem man (19.402) Kinderwägen auf die Autobahn platziert, dann handelt es sich um die schicken, urbanen Modelle von "Bugaboo", die man eher in Berlin Prenzlauer Berg findet.
                   Mit einer Aktion zur Story Wie rechts ist Deutschland? hat man sich die Medienaufmerksamkeit gesichert. Alles Nazis die Deutschen außer TEMPO? Wenn zum Cloppenburg-Bild erklärt wird: "Um die Bevölkerungszahl konstant zu halten, müssten deutsche Frauen 2,1 Kinder gebären", dann ist TEMPO genauso rechts wie jene Republik, die man entlarven möchte. Zum Eva-braun-Prinzip dieser Republik hat Thea DORN Erhellenderes zu berichten.
                   Nicht einmal seriöse Bevölkerungswissenschaftler, die ganz sicher nicht singlefreundlich sind, behaupten solchen Unsinn. Denn nur wenn man keine Zuwanderer mehr nach Deutschland lassen würde, wären allein die deutschen Frauen für die Konstanterhaltung der Bevölkerung zuständig. Ansonsten gilt eben: Die Bevölkerungsentwicklung ist nicht nur von der Geburtenentwicklung abhängig, sondern auch von der Lebenserwartung und Zu- und Abwanderungen.
                   Lässt man die CICERO-Schreiber und andere neubürgerlichen Alarmisten vom Schlage eines SCHIRRMACHERs außer acht, dann wird man vor allem von den Bildern entschädigt. Matthias MATUSSEK als Knipser ist wesentlich amüsanter als seine Schreibe.
                   Man sollte die Sonderausgabe als das betrachten was sie ist: ein schönes Bilderbuch zum blättern, das einem das Warten im Wartezimmer verkürzt.
 
  • Sascha Lobo & Holm Friebe - Wir nennen es Arbeit

    • AREND, Ingo (2006): DSL für alle.
      Effizienzrevolution:
      In ihrem Erfolgsbuch "Wir nennen es Arbeit" funktionieren Holm Friede und Sascha Lobo die gute alte Bohème zur Avantgarde der Flexibilisierung und Individualisierung um,
      in: Freitag Nr.49 v. 08.12.
      • Inhalt:
        "
        Trotz Anzeichen symbolischer Dissidenz und rhetorischer Frontstellung gegen Bourgeoisie und Neoliberalismus scheint die digitale Bohème (...) eher das bürgerliche Ding erst so richtig ans Laufen bringen zu wollen. (...) Bohème scheint einfach das falsche Wort für das Milieu der kreativen Technoromancer zu sein, die sich da aus dem Umbruch der Produktivkräfte herausmendeln. Nennen wir sie doch einfach die Spontis der Digitalisierung", meint Ingo AREND.
    • SCHMIDT, Roman (2006): Es kommt drauf an, was man draus macht.
      Brotjob:
      Anmerkungen zur "digitalen Bohème" von Sascha Lobo und Holm Friebe,
      in: Freitag Nr.49 v. 08.12.
      • Inhalt:
        "
        Der Alltag von Lobo und Friebe, steht zu vermuten, ist durchzogen von Respektbekundungen und Freundschaftsdiensten unter Lebenskünstlern. In ihm ist das protestantisch-kapitalistische Dogma, nach dem jeder seines Glückes Schmied ist, glücklich vereint mit der rheinischen Ökonomie des wechselseitigen Händewaschens. Der natürliche Feind ist ihnen das kleinbürgerlich-linke Dreigestirn aus Planstelle, Ruhe und Ordnung, dessen Destruktion die Autoren en passant erledigen und dabei mutig lauter offene Türen eintreten", meint SCHMIDT. Ihn nervt jedoch die "Stilisierung eines coolen Lebens in der digitalen Bohème (...), weil sie gesellschaftliche Allianzen verbaut, die der Kampf für ein »gutes Leben« dringend benötigt."
    • RATHGEB, Eberhard (2006): Sie nennen es Arbeit.
      Die erste Auflage des Buches war nach wenigen Wochen weg. Es trifft eine Aufbruchstimmung. Die beiden Autoren zählen sich selbst zur digitalen Bohème. "Wir nennen es Arbeit" ist ein vertrauenserweckender Aufruf, es mit der Unsicherheit und Freiheit fern des angestellten Lebens einmal zu versuchen,
      in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 08.12.
      • Inhalt:
        "
        Wann hat ein Buch der Jugend so viel Hoffnung auf gutes Gelingen gemacht? Im Grunde ist das ein Hesse-Buch fürs digitale Zeitalter. Ein prosaischer »Steppenwolf«", meint Eberhard RATHGEB.
 
  • KLINGHOLZ, Reiner (2006): So wird das nichts!
    Die für 2010 geplante Volkszählung soll leise vonstatten gehen und billig sein. So verschenkt Deutschland die Chance, Antworten auf die wichtigsten Zukunftsfragen zu finden,
    in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
    • Exklusiv-Story von single-generation.de:
      In der ZEIT wird eine ziemlich verlogene Debatte über die geplante Volkszählung geführt.

                   Rainer KLINGHOLZ behauptet, dass nur eine von Zählern durchgeführte Volkszählung und nicht ein registergestützter Zensus die nötigen Daten zur Kinderlosigkeit in Deutschland bringen könnte:
                   "Bei allem Gejammer um niedrige Geburtenraten wissen wir in Deutschland nicht, welche Bevölkerungsgruppen wie viele Kinder bekommen. Wir wissen nicht, ob die Akademikerinnen tatsächlich zu 40 Prozent kinderlos bleiben, und schon gar nicht, wie viele Kinder die Männer der Republik haben. Genau diese Fragen aber stehen im Mittelpunkt der neuen Familienpolitik, die sich auf jene Menschen konzentrieren will, die gern Kinder hätten, diese aber aus irgendwelchen Gründen nicht bekommen. Mit anderen Worten: Die Familienpolitik kennt ihre Zielgruppe gar nicht, wendet aber eine Menge Geld auf, um sie mutmaßlich zu erreichen".
                   Warum setzte sich KLINGHOLZ und die ZEIT nicht bereits im Jahr 2000, also damals als Deutschland die Volkszählung - aus unerfindlichen (?) Gründen - ausfallen ließ, für Fragen nach der lebenslangen Kinderlosigkeit ein?
                   Im Buch Die Single-Lüge ist nachzulesen, dass im Jahr 2000 keinerlei Interesse bestand, dass ein Datenproblem bekannt wurde. Keine Partei war daran interessiert, dass bekannt wurde, dass es gar keine vernünftigen Daten zum Thema gab, stattdessen verkündeten die Medien unisoni die Zahlen zur Kinderlosigkeit, als ob es an ihnen keinerlei Zweifel gegeben hätte.
                   Susanne GASCHKE gehörte in diesen Jahren zu jenen, die noch bis zur Bundestagswahl 2005 jene Zahlen unbekümmert verbreitete, die nun plötzlich als umstritten gelten.
                   Die Verlogenheit erreichte ihren Höhepunkt als Björn SCHWENTKER am selben Tag, an dem im Bundestag das Elterngeld beschlossen wurde, erstmals in der ZEIT über ein Datenproblem bei den Kinderlosen berichten durfte.
                   Bereits im März 2004 prophezeite single-dasein.de anlässlich des Erscheinens von Frank SCHIRRMACHERs "Methusalem-Komplott" ein statistisches Waterloo.
                   Zweieinhalb Jahre später muss Jürgen DORBRITZ in der Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft den Offenbarungseid leisten. Dass er dies nicht früher musste, ist auch den Medien und den Wissenschaftlern anzulasten, die keinerlei Interesse hatten, den Skandal aufzudecken.
                   Die traditionelle Bevölkerungswissenschaft, deren prominentester Vertreter Herwig BIRG ist, hat spätestens seit der Wiedervereinigung vollkommen versagt. Dies liest sich dann folgendermaßen:
                   "Bei den Schätzversuchen am BiB ist z.B. für den Jahrgang 1966 ein Anteil kinderloser Frauen in Ostdeutschland von 28,2 % ermittelt worden. Dieses Ergebnis weicht beträchtlich von den Ergebnissen des Mikrozensus ab, in dem nur 12,7 % der Frauen ohne Kinder im Haushalt lebte (...). Da für Westdeutschland eine sehr hohe Übereinstimmung gefunden wurde, ist anzunehmen, dass die Schätzungen auf der Basis des Calot-Verfahrens für die neuen Bundesländer fehlerhaft sind. Die Ursache dürfte in den hohen Anteilen nichtehelich Lebendgeborener liegen, die inzwischen Werte von 55,2 % (Sachsen) und 60,8 % (Mecklenburg-Vorpommern) erreicht haben. Fehler bei der Aufteilung der nichtehelichen Fertilität auf die Paritäten wirken sich bei einer solchen Situtation besonders deutlich aus, was die Ursache der Überschätzung der Kinderlosigkeit sein dürfte. Da auch in Westdeutschland der Anteil der nichtehelich Lebendgeborenen ansteigt, ist auch hier bei den jüngeren Geburtsjahrgängen mit zunehmender Unsicherheit zu rechnen." (H.4/2005, S.367)
                   Was DORBRITZ hier schreibt, war bei single-dasein.de bereits seit dem Jahr 2001 kritisiert worden. Die ehezentrierte Statistik mit ihrer normativen Voreingenommenheit ist Relikt eines kontraproduktiven Kampfes der Familienlebensstile. Weder Traditionelle noch Progessive hatten bislang ein Interesse an einer Korrektur. Mit Ressentiments gegen Singles lebte es sich schließlich jahrelang hervorragend.
                   Der Kollateralschaden der Single-Lüge, die seit Beginn der 90er Jahre die sozial- und familienpolitische Debatte prägt, wird in den nächsten Jahren deutlich sichtbar werden (Heuchler wie SCHIRRMACHER und GASCHKE sprechen dagegen lieber von Single-Ästhetik, um ihre Mitschuld besser leugnen zu können).  Spätestens dann, wird den Superstars Herwig BIRG und Ulrich BECK der Prozess gemacht werden.
                   Und DORBRITZ redet das Versagen in seinem Beitrag noch gewaltig schön!
                   Nicht nur die Ehezentriertheit, sondern auch die Fehlinterpretation der Geburtenrate, trägt dazu bei, dass der Anteil der lebenslang Kinderlosen weit überschätzt wird. Nicht nur in Ostdeutschland, wie DORBRITZ weismachen will, sondern auch in Westdeutschland - und besonders im Westen - hat die Fehlinterpretation weitreichende Folgen.
                   Die tendenzielle Nichtberücksichtigung später Mutterschaft führt dazu, dass die Daten des Mikrozensus von Verfechtern der Polarisierung, falsch gedeutet werden.
                   DORBRITZ muss sich z.B. fragen lassen, warum er keine umfassende Analyse altersspezifischer Geburtenziffern liefert. Was verschweigt uns DORBRITZ?
                   Single-dasein.de wird im neuen Jahr den Beitrag von DORBRITZ genauer beleuchten, denn zwischen Deutung und Fakten klafft bei DORBRITZ eine gewaltige Lücke, die darauf schließen lässt, dass uns noch weitere Enthüllungen über das Versagen der traditionellen Bevölkerungswissenschaft bevor stehen.
 
  • WAGNER, Beate (2006): Geburtswehen.
    Vom 1. Januar an wird das neue Elterngeld gezahlt. Viele Schwangere hoffen deshalb dass ihr Kind sich Zeit lässt. Andere allerdings haben es eilig,
    in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
    • Inhalt:
      WAGNER berichtet von den Absurditäten einer stichtagsorientierten Familienpolitik.
 
  • SOBOCZYNSKI, Adam (2006): Alles nur geerbt.
    Die Angehörigen der "Generation Praktikum" arbeiten umsonst, klagen über Ausbeutung und warten auf den Traumjob. Viele können es sich leisten: Sie leben vom Wohlstand ihrer Eltern,
    in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
    • Anmerkungen
      Vor einiger Zeit erschien das Buch "Wir nennen es Arbeit" von Holm FRIEBE und Sascha LOBO. Dort wird die Avantgarde der digitalen Bohème beschrieben. Diese polemisiert gegen Festanstellung und propagiert den Spaßarbeiter, der mit der New Economy untergegangen schien.

                   Auf 279 Seiten verbreiten die Autoren das Flair einer neuen hippen Bohème. Erst ab Seite 280 wird deutlich, dass diese Bohème sich von der Unterschicht vor allem dadurch unterscheidet, dass sie nicht nur auf einen öffentlichen Generationenvertrag, sondern insbesondere auf einen privaten Generationenvertrag zurückgreifen kann, der die coole Selbststilisierung fragwürdig werden lässt:
                   "Wie schon die analoge Bohème, so setzt sich auch die digitale zu einem Gutteil aus Bürgersöhnen und Töchtern aus höherem Hause zusammen, die aus einer privilegierten Position heraus gegen das Lebensmodell ihrer Eltern opponieren. (...). Nicht unwahrscheinlich, dass es sich leichter und unbekümmerter mit der Ungewissheit lebt, wenn man weiß, dass man in äußerster Not finanziell auch auf die Familie zurückgreifen kann oder ein Erbe in Aussicht stehen hat."
                   SOBOCZYNSKI, ein Angehöriger der Generation Golf, geht diesem heiklen Thema in einem ZEIT-Beitrag nach:
                   "Die Chancen, zu erben, sind nicht nur für Westdeutsche größer, sondern auch für Akademiker. Höhere Bildungsschichten erben wesentlich häufiger als niedrige, Hochschulabsolventen fast doppelt so viel wie Hauptschulabgänger.
      Akademikerkinder erben nicht nur häufiger und mehr, sie haben auch eine viermal höhere Chance, das Gymnasium zu besuchen, als Kinder von Facharbeitern. Gerade die Hochschulabgänger also, die Angehörigen der Generation Praktikum, gehören damit einem Milieu an, das hohe Bildung und hohe Vermögen auf sich vereint und weitergeben kann. Mittelbar hat das Erbe die Generation Praktikum längst erreicht: in Form des regelmäßigen Geldumschlags von der Großmutter, durch die Eltern, die ihre monatlichen Überweisungen über das Studium hinaus verlängern, durch die Erstausstattung der Wohnung, vielleicht mit einem kleinen Auto.

                   (...).
      Natürlich missfällt es der Generation Praktikum, am finanziellen Tropf der Eltern zu hängen, die mit ihren Überweisungen die Adoleszenz ihrer Kinder verlängern. Das Erbe ist der verborgene Makel in einem individualistischen, bisweilen hedonistischen Leben, der weitreichende Folgen hat: Die Jüngeren haben einen Frieden mit der Elterngeneration geschlossen, sie sehnen sich nach einer neuen Bürgerlichkeit, sie werden zu Recht als pragmatisch und unideologisch beschrieben. Denn sie wissen, dass sie niemals so viel werden ansparen können, wie sie erben werden. Die Familie verdeckt mit ihrer Wärme, ihrer Liebe, ihrer fürsorglichen Zuneigung gern, dass ihr Zusammenhalt auch ökonomische Ursachen hat.
      "
 
  • SPIEWAK, Martin (2006): Kita kostenlos!
    Gespräch mit Thomas Rauschenbach, dem Leiter des Deutschen Jugendinstituts,
    in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
 
  • NEUMANN, Gerhard (2006): Von Tieren, die kochen.
    Der französische Soziologe Jean-Claude Kaufmann hat in den Küchen studiert, wie die Identität des modernen Subjekts lustvoll zusammengerührt wird,
    in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
    • Inhalt:
      "
      Das Buch ist auch kein Ratgeber für gute und richtige Ernährung. Aber doch ein Versuch der Beobachtung eines Redesystems über das Kochen und unsere Mahlzeiten, es erzählt nicht zuletzt eine Fülle amüsanter Geschichten widersprüchlichsten Koch- und Essverhaltens – in deren Irrsinn man sich schmunzelnd wiedererkennt", meint Gerhard NEUMANN zum Buch "Kochende Leidenschaft" von Jean-Claude KAUFMANN.
 
 
 
 
  • RM-SPEZIAL: Arme Kinder

    • PRANGE, Astrid (2006): Wir müssen draußen bleiben.
      Bestandsaufnahme: Arbeitslosigkeit, Scheidungen und Lohneinbußen führen zu sozialen Notlagen,
      in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 07.12.
    • PETROPOLUS, Kostas (2006): Die Politik muss handeln.
      Höchste Zeit für eine "Familienwirtschaft",
      in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 07.12.
   

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Zu den News vom   01. -  06. Dezember 2006

 
       
   
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