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Medienrundschau:
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News vom 07. - 13. Dezember
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Zitat
des Monats:
Der Anfang für ein
Zuhause
"Das ist also dein Zuhause,
dachte ich. Jedenfalls, wenn du mal saubermachen und die
Flaschen wegwerfen und den Müll vom Balkon räumen und die Bücher
aufstellen und einen Schrank kaufen und deine Klamotten reintun
und deinen Spion blankputzen und dein Bett beziehen und dein Bad
schrubben und den Fußboden scheuern würdest, hättest du den
Anfang für ein Zuhause. Der Trouble mit dir ist, Harder, daß du
lieber den Anfang für eine Story hättest als den Anfang für ein
Zuhause."
(aus:
Jörg
Fauser "Das Schlangenmaul", 2006, S.96)
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WEBER, Julian (2006): "Wenn ich an Punkrock denke".
Was ist vorbei? Was ist geblieben? tony parsons spricht über
Freundschaften, die wichtig waren, die Anfänge von Rock against Racism
und die Lebenszeitrechnung von David Bowie,
in: Jungle World Nr.50 v. 13.12.
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SCHMITT, Cosima (2006): Kindergärten bringen gute Rendite.
3,6 Milliarden würde die Umsonst-Kita für alle kosten, hat das
Institut der deutschen Wirtschaft ausgerechnet. Eine lohnende
Investition, meinen die Wissenschaftler. Denn Kitas bilden.
Langfristig müsste der Staat weniger Schulabbrecher stützen,
in: TAZ v. 12.12.
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FARMER, Silke (2006): "Frauen zurück an den Herd!"
Psychiater: Feminismus schuld an Kinderlosigkeit,
in: Wiener Zeitung v. 12.12.
- Inhalt:
FARMER berichtet über die zweitägige
Tagung
"Frauenidentität und Familienkultur" in Wien, die vom Institut für
medizinische Anthropologie und Bioethik sowie dem Institut für Ehe
und Familie und der Gesellschaft für Familienorientierung
veranstaltet wurde.
Einzig der Vortrag des
Psychiater Holger Bertram FLÖTTMANN wird ausführlich referiert. Der
umstrittene Psychiater sieht in bindungsunwilligen Singles und
egoistischen Feministinnen die Ursache des Geburtenrückgangs.
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HARTWIG, Ina (2006): Reichtum kommt nicht vor.
Die Literatur verharrt im Mittelstand,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.12.
- Inhalt:
Ina HARTWIG fordert von den Schriftstellern
Abschied von der "nivellierten Mittelstandsgesellschaft" der Bonner
Republik zu nehmen und Romane über die neue Klassengesellschaft zu
verfassen. Während allerorten die Unterschicht-Debatte läuft, fehlt
es an Einblicken in die neue Oberschicht:
"Da
der Literatur unter anderem die Aufgabe zufällt, Seismograph und
ästhetischer Transformator zu sein, darf man die Frage stellen, wie
sie denn auf die kapitalbedingten Umwälzungen reagiert. Die bildende
Kunst ist den Boom bereits gewohnt, auch wenn einigen Künstlern und
Kritikern das Phänomen des überheizten Marktes bisweilen unheimlich
sein mag. Zumal ja auch nicht jeder Künstler ein Neo Rauch ist und
Millionensummen einsteckt, kaum ist die Farbe auf der Leinwand
getrocknet, sondern viele eben doch - wie es dem Künstlertum immer
schon eigen war - in kärglichen Lebensverhältnissen verharren. Aber
das große Geld lockt.
In der Literatur dagegen, der deutschsprachigen jedenfalls,
herrschen nach wie vor das Lebensgefühl und die Moral des
Mittelstands vor. Zu Reichtum gekommene Schriftsteller wie zuletzt
Daniel Kehlmann sind die große Ausnahme.
(...).
Sieht man einmal
von Martin Walser, dem Chronisten des deutschen Wirtschaftswunders,
ab, fällt - wie gesagt - auf, dass sich die Gegenwartsliteratur in
Deutschland nicht gern im Milieu der Superreichen aufhält."
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HAMMELEHLE, Sebastian (2006): "Auf den Titel kam ich beim Zahnarzt".
2006 war ihr Jahr: Die deutsche Schriftstellerin Katharina Hacker
gewann den Deutschen Buchpreis. Über 100.000 Menschen kauften ihren
Roman "Die Habenichtse". Ein Gespräch über ihren Erfolg, ihre
Lieblingsbücher, über Martin Walser und das Wort "Habenichtse",
in: Welt v. 12.12.
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JÄHNER, Harald (2006): Asyle des Männlichen.
Norbert Bolz will nicht nur Formel 1 fahren, sondern seiner Familie
ein echter Held sein,
in: Berliner Zeitung v. 11.12.
- Inhalt:
"Vor vier Jahren hatte Bolz noch ein
»Konsumistisches Manifest« veröffentlicht, ein geistreiches
Hohelied auf die Spaßgesellschaft als Gegengift gegen
Fundamentalismen aller Art. In seinem neuen Buch
»Die Helden der Familie« polemisiert er umgekehrt gegen unreifen
Hedonismus und Konsumismus. Statt im Konsum sieht Bolz das Heil nun
in der Treue und in den Kindern; die Eltern sind ihm die wahren,
aber noch unentdeckten Helden von heute. Und weil Bolz sein langes
Hörrohr auf jene fernen Wiesen ausrichtet, auf denen er die
künftigen Trends wachsen hört, kann man einiges darauf geben, dass
es bald wesentlich mehr her macht, mit seinen sechs Kindern U-Bahn
zu fahren, als im Audi TT sein Ego herumzukutschieren", prophezeit
Harald JÄHNER.
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SZ-Thema: Krise der Moblität
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MATZIG, Gerhard (2006): Eine schwarze Messe zu Ehren Volozifers.
Was bleibt vom Geschwindigkeitsrausch der modernen Ästhetik, wenn
uns die Kraftstoffe ausgehen?
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.12.
- Inhalt:
Die neubürgerlichen Eliten sind es leid,
dass die Massen ihnen die Straßen verstopfen. Im Wegfall der
Pendlerpauschale, der Einführung einer Citymaut und einer
Verteuerung von Kraftstoffen sieht
Gerhard MATZIG die
schwarz-grüne Lösung
des Ärgernisses:
"Es
wird wieder Bewegliche und Unbewegliche geben. Wenige reiche
Mobile und viele arme Immobile. Der Grenzübertritt wird - wie zu
Zeiten der Stadttore und Zollstationen - eine Frage des Preises
sein. Es wird Reisebeschränkungen geben, als lebte man hinter den
Mauern einer gigantischen DDR."
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STEINBERGER, Petra (2006): Vorstadt als Lebensform.
Mit 50 Jahren feiert das amerikanische Interstate-System seine
Vollendung - oder sein Ende,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.12.
- Inhalt:
"Im
Kampf der Visionen hat die Eisenhower'sche der Mobilität und
Verteidigungskraft bis heute die Mumford'sche von der
dichtgebauten, lebenswerten Metropole weit hinter sich gelassen",
bedauert STEINBERGER.
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ENGLISCH, Gundula (2006): Arbeiten ohne festen Boden,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.12.
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BIRZER, Tobias (2006): Auf Niedriglöhne abonniert.
Der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Millionär ist in weite Ferne
gerückt - das belegt eine aktuelle Studie,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.12.
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ROLL, Evelyn (2006): Die Gesellschaft besteht aus Teilen.
Armes Deutschland, reiches Deutschland (1): Spurensuche in einem
auseinanderdriftenden Land. Der eine ist zufällig Millionär, der
andere zufällig Hartz-IV-Empfänger - beide haben etwas zu geben, was
sich zu einem Ganzen zusammenfügen könnte,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.12.
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VILLACHICA, Jeannette (2006): Bürotürme machen wahnsinnig.
Es herrscht Einrichtungsterror: Peter Richter sagt warum,
in: Stuttgarter Zeitung v. 09.12.
- Inhalt:
Peter RICHTER u.a. über die
Doppelmoral der Besserverdienenden:
"Unten auf der Straße
haben sie es gerne authentisch: einen türkischen Imbiss, gerne auch
ein paar tätowierte Kumpels, die man grüßen kann. Selbst wohnen sie
aber in sanierten Wohnungen unterm Dach."
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TEMPO-Sonderausgabe:
Endlich! Die Wahrheit!
33 unumstößliche, unbestreitbare,
unerbittliche und unverschämte Erkenntnisse über die Welt von
heute |
- MARTENSTEIN, Harald (2006): Die 33
Wahrheiten des Markus P. - das neue "Tempo".
Fast 400 Seiten. Anzeigen, Anzeigen, Anzeigen. Nicht nur beim
Comeback von Axel Schulz spielt Geld eine Rolle,
in: Tagesspiegel v. 08.12.
- Anmerkungen:
"Ich würde mir »Tempo« kaufen, meint
Harald
MARTENSTEIN, dessen Debütroman "Heimweg" nächstes Jahr die Leser
beglückt. Sind wir nicht alle auf dem Heimweg? Endlich? Sind uns
die 50er Jahre nicht viel näher als die 80er Jahre?
1986 trat TEMPO
an, die Welt zu beglücken. Mit TEMPO begann Ende der
80er Jahre das, was geradewegs in die
neue Bürgerlichkeit mündete: der
Wandel des Wertewandels.
Die
Gebrauchsanleitung für die nächsten 10 Jahre hätte genauso gut
im CICERO erscheinen können. Ein Teil der 38 Texte war dort
auch in ähnlicher Form bereits zu lesen.
Wenn man der
ländlichen "Fruchtbarkeitsenklave Cloppenburg" ein Denkmal setzt,
indem man (19.402) Kinderwägen auf die Autobahn platziert, dann
handelt es sich um die schicken, urbanen Modelle von "Bugaboo",
die man eher in Berlin Prenzlauer Berg findet.
Mit einer
Aktion zur Story Wie rechts ist Deutschland? hat man
sich die Medienaufmerksamkeit gesichert. Alles Nazis die Deutschen
außer TEMPO? Wenn zum Cloppenburg-Bild erklärt wird: "Um
die Bevölkerungszahl konstant zu halten, müssten deutsche Frauen
2,1 Kinder gebären", dann ist TEMPO genauso rechts wie jene
Republik, die man entlarven möchte.
Zum
Eva-braun-Prinzip dieser Republik hat
Thea DORN Erhellenderes zu berichten.
Nicht einmal seriöse
Bevölkerungswissenschaftler, die ganz sicher nicht
singlefreundlich sind, behaupten solchen Unsinn. Denn nur wenn man
keine Zuwanderer mehr nach Deutschland lassen würde, wären allein
die deutschen Frauen für die Konstanterhaltung der Bevölkerung
zuständig. Ansonsten gilt eben: Die Bevölkerungsentwicklung ist
nicht nur von der Geburtenentwicklung abhängig, sondern auch von
der Lebenserwartung und Zu- und Abwanderungen.
Lässt man die
CICERO-Schreiber und andere neubürgerlichen Alarmisten vom
Schlage eines SCHIRRMACHERs außer acht, dann wird man vor allem
von den Bildern entschädigt. Matthias MATUSSEK als Knipser ist
wesentlich amüsanter als seine Schreibe.
Man sollte die
Sonderausgabe als das betrachten was sie ist: ein schönes
Bilderbuch zum blättern, das einem das Warten im Wartezimmer
verkürzt.
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AREND, Ingo (2006): DSL für alle.
Effizienzrevolution:
In ihrem Erfolgsbuch
"Wir nennen es Arbeit" funktionieren Holm Friede und Sascha Lobo die
gute alte Bohème zur Avantgarde der Flexibilisierung und
Individualisierung um,
in: Freitag Nr.49 v. 08.12.
- Inhalt:
"Trotz
Anzeichen symbolischer Dissidenz und rhetorischer Frontstellung
gegen Bourgeoisie und Neoliberalismus scheint die digitale Bohème
(...) eher das bürgerliche Ding erst so richtig ans Laufen bringen
zu wollen. (...) Bohème scheint einfach das falsche Wort für das
Milieu der kreativen Technoromancer zu sein, die sich da aus dem
Umbruch der Produktivkräfte herausmendeln. Nennen wir sie doch
einfach die Spontis der Digitalisierung",
meint Ingo AREND.
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SCHMIDT, Roman (2006): Es kommt drauf an, was man draus macht.
Brotjob:
Anmerkungen zur "digitalen Bohème" von
Sascha Lobo und Holm Friebe,
in: Freitag Nr.49 v. 08.12.
- Inhalt:
"Der
Alltag von Lobo und Friebe, steht zu vermuten, ist durchzogen von
Respektbekundungen und Freundschaftsdiensten unter
Lebenskünstlern. In ihm ist das protestantisch-kapitalistische
Dogma, nach dem jeder seines Glückes Schmied ist, glücklich
vereint mit der rheinischen Ökonomie des wechselseitigen
Händewaschens. Der natürliche Feind ist ihnen das
kleinbürgerlich-linke Dreigestirn aus Planstelle, Ruhe und
Ordnung, dessen Destruktion die Autoren en passant erledigen und
dabei mutig lauter offene Türen eintreten",
meint SCHMIDT. Ihn nervt jedoch
die "Stilisierung eines coolen Lebens in der digitalen Bohème
(...), weil sie gesellschaftliche Allianzen verbaut, die der Kampf
für ein »gutes Leben« dringend benötigt."
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RATHGEB, Eberhard (2006): Sie nennen es Arbeit.
Die erste Auflage des Buches war nach wenigen Wochen weg. Es
trifft eine Aufbruchstimmung. Die beiden Autoren zählen sich selbst
zur digitalen Bohème. "Wir nennen es Arbeit" ist ein
vertrauenserweckender Aufruf, es mit der Unsicherheit und Freiheit
fern des angestellten Lebens einmal zu versuchen,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 08.12.
- Inhalt:
"Wann
hat ein Buch der Jugend so viel Hoffnung auf gutes Gelingen
gemacht? Im Grunde ist das ein Hesse-Buch fürs digitale Zeitalter.
Ein prosaischer »Steppenwolf«",
meint Eberhard RATHGEB.
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KLINGHOLZ, Reiner (2006): So wird das nichts!
Die für 2010 geplante Volkszählung soll leise vonstatten gehen und
billig sein. So verschenkt Deutschland die Chance, Antworten auf die
wichtigsten Zukunftsfragen zu finden,
in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
-
Exklusiv-Story von single-generation.de:
In der ZEIT wird eine ziemlich
verlogene Debatte über die geplante Volkszählung geführt.
Rainer KLINGHOLZ behauptet,
dass nur eine von Zählern durchgeführte Volkszählung und nicht ein registergestützter Zensus die nötigen Daten zur Kinderlosigkeit in
Deutschland bringen könnte:
"Bei allem Gejammer
um niedrige Geburtenraten wissen wir in Deutschland nicht, welche
Bevölkerungsgruppen wie viele Kinder bekommen. Wir wissen nicht, ob
die Akademikerinnen tatsächlich zu 40 Prozent kinderlos bleiben, und
schon gar nicht, wie viele Kinder die Männer der Republik haben.
Genau diese Fragen aber stehen im Mittelpunkt der neuen
Familienpolitik, die sich auf jene Menschen konzentrieren will, die
gern Kinder hätten, diese aber aus irgendwelchen Gründen nicht
bekommen. Mit anderen Worten: Die Familienpolitik kennt ihre
Zielgruppe gar nicht, wendet aber eine Menge Geld auf, um sie
mutmaßlich zu erreichen".
Warum setzte
sich KLINGHOLZ und die ZEIT nicht bereits im Jahr 2000, also
damals als Deutschland die Volkszählung - aus unerfindlichen (?)
Gründen - ausfallen ließ, für Fragen nach der lebenslangen
Kinderlosigkeit ein?
Im Buch
Die Single-Lüge
ist nachzulesen, dass im Jahr 2000 keinerlei Interesse bestand, dass
ein Datenproblem bekannt wurde. Keine Partei war daran interessiert,
dass bekannt wurde, dass es gar keine vernünftigen Daten zum Thema
gab, stattdessen verkündeten die Medien unisoni die Zahlen zur
Kinderlosigkeit, als ob es an ihnen keinerlei Zweifel gegeben hätte.
Susanne GASCHKE gehörte in diesen Jahren zu jenen, die noch bis zur
Bundestagswahl 2005 jene Zahlen unbekümmert verbreitete, die nun
plötzlich als umstritten gelten.
Die
Verlogenheit erreichte ihren Höhepunkt als
Björn SCHWENTKER am selben Tag, an dem im
Bundestag das Elterngeld beschlossen wurde, erstmals in
der ZEIT über ein Datenproblem bei den Kinderlosen berichten
durfte.
Bereits im
März 2004 prophezeite single-dasein.de anlässlich des
Erscheinens von Frank SCHIRRMACHERs "Methusalem-Komplott" ein
statistisches Waterloo.
Zweieinhalb
Jahre später muss
Jürgen DORBRITZ in der Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft
den Offenbarungseid leisten. Dass er dies nicht
früher musste, ist auch den Medien und den Wissenschaftlern
anzulasten, die keinerlei Interesse hatten, den Skandal aufzudecken.
Die
traditionelle Bevölkerungswissenschaft, deren prominentester
Vertreter Herwig BIRG ist, hat spätestens seit der Wiedervereinigung
vollkommen versagt. Dies liest sich dann folgendermaßen:
"Bei den
Schätzversuchen am BiB ist z.B. für den Jahrgang 1966 ein
Anteil kinderloser Frauen in Ostdeutschland von 28,2 % ermittelt
worden. Dieses Ergebnis weicht beträchtlich von den Ergebnissen des
Mikrozensus ab, in dem nur 12,7 % der Frauen ohne Kinder im Haushalt
lebte (...). Da für Westdeutschland eine sehr hohe Übereinstimmung
gefunden wurde, ist anzunehmen, dass die Schätzungen auf der Basis
des Calot-Verfahrens für die neuen Bundesländer fehlerhaft
sind. Die Ursache dürfte in den hohen Anteilen nichtehelich
Lebendgeborener liegen, die inzwischen Werte von 55,2 % (Sachsen)
und 60,8 % (Mecklenburg-Vorpommern) erreicht haben. Fehler bei der
Aufteilung der nichtehelichen Fertilität auf die Paritäten wirken
sich bei einer solchen Situtation besonders deutlich aus, was die
Ursache der Überschätzung der Kinderlosigkeit sein dürfte. Da auch
in Westdeutschland der Anteil der nichtehelich Lebendgeborenen
ansteigt, ist auch hier bei den jüngeren Geburtsjahrgängen mit
zunehmender Unsicherheit zu rechnen." (H.4/2005, S.367)
Was DORBRITZ
hier schreibt, war bei single-dasein.de bereits seit dem Jahr
2001 kritisiert worden. Die ehezentrierte Statistik mit ihrer
normativen Voreingenommenheit ist Relikt eines kontraproduktiven
Kampfes der Familienlebensstile. Weder Traditionelle noch Progessive
hatten bislang ein Interesse an einer Korrektur. Mit Ressentiments
gegen Singles lebte es sich schließlich jahrelang hervorragend.
Der
Kollateralschaden der Single-Lüge,
die seit Beginn der 90er Jahre die sozial- und familienpolitische
Debatte prägt, wird in den nächsten Jahren deutlich sichtbar werden
(Heuchler wie SCHIRRMACHER und GASCHKE sprechen dagegen lieber von
Single-Ästhetik, um ihre Mitschuld besser leugnen zu können).
Spätestens dann, wird den Superstars Herwig BIRG und Ulrich BECK der
Prozess gemacht werden.
Und DORBRITZ
redet das Versagen in seinem Beitrag noch gewaltig schön!
Nicht nur die
Ehezentriertheit, sondern auch die Fehlinterpretation der
Geburtenrate, trägt dazu bei, dass der Anteil der lebenslang
Kinderlosen weit überschätzt wird. Nicht nur in Ostdeutschland, wie
DORBRITZ weismachen will, sondern auch in Westdeutschland - und
besonders im Westen - hat die Fehlinterpretation weitreichende
Folgen.
Die
tendenzielle
Nichtberücksichtigung später Mutterschaft führt dazu, dass die
Daten des Mikrozensus von Verfechtern der Polarisierung, falsch
gedeutet werden.
DORBRITZ muss
sich z.B. fragen lassen, warum er keine umfassende Analyse
altersspezifischer Geburtenziffern liefert. Was verschweigt uns
DORBRITZ?
Single-dasein.de wird im neuen Jahr den Beitrag von DORBRITZ
genauer beleuchten, denn zwischen Deutung und Fakten klafft bei
DORBRITZ eine gewaltige Lücke, die darauf schließen lässt, dass uns
noch weitere Enthüllungen über das Versagen der traditionellen
Bevölkerungswissenschaft bevor stehen.
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WAGNER, Beate (2006): Geburtswehen.
Vom 1. Januar an wird das neue Elterngeld gezahlt. Viele Schwangere
hoffen deshalb dass ihr Kind sich Zeit lässt. Andere allerdings haben
es eilig,
in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
- Inhalt:
WAGNER berichtet von den Absurditäten einer
stichtagsorientierten Familienpolitik.
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SOBOCZYNSKI, Adam (2006): Alles nur geerbt.
Die Angehörigen der "Generation Praktikum" arbeiten umsonst, klagen
über Ausbeutung und warten auf den Traumjob. Viele können es sich
leisten: Sie leben vom Wohlstand ihrer Eltern,
in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
- Anmerkungen
Vor einiger Zeit erschien das Buch
"Wir nennen es Arbeit" von Holm
FRIEBE und Sascha LOBO. Dort wird die Avantgarde der digitalen
Bohème beschrieben. Diese polemisiert gegen Festanstellung und
propagiert den Spaßarbeiter, der mit der New Economy untergegangen
schien.
Auf 279
Seiten verbreiten die Autoren das Flair einer neuen hippen Bohème.
Erst ab Seite 280 wird deutlich, dass diese Bohème sich von der
Unterschicht vor allem dadurch unterscheidet, dass sie nicht nur auf
einen öffentlichen Generationenvertrag, sondern insbesondere auf
einen privaten Generationenvertrag zurückgreifen kann, der die coole
Selbststilisierung fragwürdig werden lässt:
"Wie
schon die analoge Bohème, so setzt sich auch die digitale zu einem
Gutteil aus Bürgersöhnen und Töchtern aus höherem Hause zusammen,
die aus einer privilegierten Position heraus gegen das Lebensmodell
ihrer Eltern opponieren. (...). Nicht unwahrscheinlich, dass es sich
leichter und unbekümmerter mit der Ungewissheit lebt, wenn man weiß,
dass man in äußerster Not finanziell auch auf die Familie
zurückgreifen kann oder ein Erbe in Aussicht stehen hat."
SOBOCZYNSKI,
ein Angehöriger der Generation Golf, geht diesem heiklen Thema in
einem ZEIT-Beitrag nach:
"Die
Chancen, zu erben, sind nicht nur für Westdeutsche größer, sondern
auch für Akademiker. Höhere Bildungsschichten erben wesentlich
häufiger als niedrige, Hochschulabsolventen fast doppelt so viel wie
Hauptschulabgänger.
Akademikerkinder erben nicht nur häufiger und mehr, sie haben auch
eine viermal höhere Chance, das Gymnasium zu besuchen, als Kinder
von Facharbeitern. Gerade die Hochschulabgänger also, die
Angehörigen der Generation Praktikum, gehören damit einem Milieu an,
das hohe Bildung und hohe Vermögen auf sich vereint und weitergeben
kann. Mittelbar hat das Erbe die Generation Praktikum längst
erreicht: in Form des regelmäßigen Geldumschlags von der Großmutter,
durch die Eltern, die ihre monatlichen Überweisungen über das
Studium hinaus verlängern, durch die Erstausstattung der Wohnung,
vielleicht mit einem kleinen Auto.
(...).
Natürlich missfällt es der
Generation Praktikum, am finanziellen Tropf der Eltern zu hängen,
die mit ihren Überweisungen die Adoleszenz ihrer Kinder verlängern.
Das Erbe ist der verborgene Makel in einem individualistischen,
bisweilen hedonistischen Leben, der weitreichende Folgen hat: Die
Jüngeren haben einen Frieden mit der Elterngeneration geschlossen,
sie sehnen sich nach einer neuen Bürgerlichkeit, sie werden zu Recht
als pragmatisch und unideologisch beschrieben. Denn sie wissen, dass
sie niemals so viel werden ansparen können, wie sie erben werden.
Die Familie verdeckt mit ihrer Wärme, ihrer Liebe, ihrer
fürsorglichen Zuneigung gern, dass ihr Zusammenhalt auch ökonomische
Ursachen hat."
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SPIEWAK, Martin (2006): Kita kostenlos!
Gespräch mit Thomas Rauschenbach, dem Leiter des Deutschen
Jugendinstituts,
in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
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NEUMANN, Gerhard (2006): Von Tieren, die kochen.
Der französische Soziologe Jean-Claude Kaufmann hat in den Küchen
studiert, wie die Identität des modernen Subjekts lustvoll
zusammengerührt wird,
in: Die ZEIT Nr.50 v. 07.12.
- Inhalt:
"Das
Buch ist auch kein Ratgeber für gute und richtige Ernährung. Aber
doch ein Versuch der Beobachtung eines Redesystems über das Kochen
und unsere Mahlzeiten, es erzählt nicht zuletzt eine Fülle amüsanter
Geschichten widersprüchlichsten Koch- und Essverhaltens – in deren
Irrsinn man sich schmunzelnd wiedererkennt",
meint Gerhard NEUMANN zum Buch "Kochende Leidenschaft" von
Jean-Claude KAUFMANN.
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PRANGE, Astrid (2006): Wir müssen draußen bleiben.
Bestandsaufnahme: Arbeitslosigkeit, Scheidungen und Lohneinbußen
führen zu sozialen Notlagen,
in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 07.12.
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PETROPOLUS, Kostas (2006): Die Politik muss handeln.
Höchste Zeit für eine "Familienwirtschaft",
in: Rheinischer Merkur Nr.49 v. 07.12.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
01.
- 06. Dezember 2006
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