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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 15. - 28. Februar 2002

 
       
     
       
     
   
  • BIRG, Herwig (2002): Langer Bremsweg.
    Bevölkerungsschrumpfung und Alterung lassen sich nicht einfach stoppen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Beilage Altersvorsorge. Sonderveröffentlichung des Informationszentrum der deutschen Versicherungen v. 26.02.
 
   
  • SALOMON, Martina (2002): Ganztagsschulen statt Hausfrauen.
    Münz: Infrastruktur wichtiger als Geld
    in: Der Standard v. 26.02.
 
   
  • MÄRZ, Ursula (2002): Rauchen und Rucken.
    Die Dichterlesung als Ereignis und Problem,
    in: Frankfurter Rundschau v. 26.02.
    • Kommentar:
      Michel HOUELLEBECQ tingelt - die Ökonomie der Aufmerksamkeit geschickt nutzend - durch deutsche Lande und veranlasst Ursula MÄRZ zur Bemerkung:
                  "Zwar liest Michel Houellebecq bei seiner Deutschlandtournee aus seinem neuen Roman. Aber es ist fraglich, ob ein einziger Besucher auf die Ankündigung hin, Houellebecq werde diesmal nicht lesen, sondern nur tun, wofür er berühmt ist, intensiv rauchen, mit den Gliedmaßen rucken, schwitzen und polemisieren, zu Hause bliebe."
 
   
  • BARTHELEMY, Andrea (2002): Kühn, klug, cool und kreuzunglücklich.
    «Generation Ally» hat Katja Kullmann weibliche «Thirty Somethings» genannt, die zwischen 1965 und 1975 geboren sind,
    in: Der Landbote v. 25.02.
 
   
  • KAMANN, Matthias (2002): "Berlin wird langsam auf die Größe Hamburgs eindunsten".
    Ein Gespräch mit Meinhard Miegel über die Zukunft der Hauptstadt, die Krise des Sozialstaats und die Grenzen der Zuwanderung,
    in: Welt v. 25.02.
 
   
SPIEGEL -Titelgeschichte: Beute Kind.
Scheidungskampf
  • ANDRESSEN, Karen & Angela GATTERBURG (2002): Ein Krieg, den alle verlieren.
    Im Scheidungsdrama werden Kinder zu Opfern: Aus Rache und Hass verwehren vor allem Mütter ihren Ex-Partnern jeden Kontakt mit ihnen. In neuen Studien belegen Psychologen die fatalen Folgen des "Entfremdungssyndroms", Juristen wollen jetzt die Rechte der Väter stärken,
    in: Spiegel Nr.9 v. 25.02.
    • Kommentar:
      "Das Intime zwischen Menschen ist Nachsicht, Duldung, Zuflucht für Eigenheiten. Wird es hervorgezerrt, so kommt von selber das Moment der Schwäche daran zum Vorschein, und bei der Scheidung ist eine solche Wendung nach außen unvermeidlich. Sie bemächtigt sich des Inventars der Vertrautheit. Dinge, die einmal Zeichen liebender Sorge, Bilder von Versöhnung gewesen sind, machen sich plötzlich als Werte selbstständig und zeigen ihre böse, kalte und verderbliche Seite",
      schrieb T. W. ADORNO in der "Minima Moralia" bereits 1951. Joachim KAISER schreibt dazu in der SZ vom 18.08.2001:

                  "Bei der Reflexion »Tisch und Bett« aus den »Minima Moralia« geht es zunächst um durchaus Drastisches. Nämlich um den unwürdigen Schmutz-Wirbel, der zu entstehen pflegt, wenn (Prominenten-)Ehen auseinander gehen. Also um jene Scheidungs-Affären, bei denen alle – außer den berichtenden Skandal-Blättern – verlieren".
                  Das Interesse der Medien an Prominentenskandalen ist die eine Seite, die andere Seite hat Ulrich BECK als die "»erlittene« Emanzipation der Männer" in dem Bestseller "Das ganz normale Chaos der Liebe" (1990) beschrieben:
                  "die neue Auffangstellung für die alte Ordnung ist bereits ausgeguckt und ausgebaut: das Kind, die »Notwendigkeiten« der Mutterschaft. Indem die Frauenfrage in eine Kinder- und Mutterfrage verwandelt wurde (...) meinen viele Männer mit der eingeübt fehlenden Selbstbedenklichkeit ihrer Lage, es sich wieder in den alten Polstern bequem machen zu können.
                  Die Rache folgt - spätestens - vor, während, nach der Scheidung, wenn Elternschaft sich aufspaltet und Mutterschaft sich gegen Vaterschaft wendet. Dann schlägt auf den Mann, der nun sein Vaterherz entdeckt, seine rechtlich zementierte Abwesenheit von der Familie zurück, auf der er so lange selbstverständlich sein Leben aufgebaut hatte: Der Vater wird zum Opfer der umgekehrten Ungleichheit, auf der er es sich bisher bequem gemacht hatte. In allem, biologisch und rechtlich, herrscht die Mutter, lebt der Vater von der Gnade, die sie ihm nun meist nur noch gerichtlich minimiert gewährt" (S.203).
                  Die Männerbewegung hat mit Unterstützung der "Hausfrauenbewegung" (z.B. Karin JÄCKEL) in den letzten 10 Jahren die Aufwertung der nachehelichen Vaterschaft weiter vorangetrieben.
                  Rückenwind erhält diese Bewegung auch durch die amerikanische Anti-Scheidungsbewegung. Die Zeitschrift PSYCHOLOGIE HEUTE veröffentlicht z.B. in ihrer März-Ausgabe den Artikel "Für andere kann die Ehe funktionieren, aber nicht für mich!" der Scheidungsgegner Judith S. WALLERSTEIN & Julia LEWIS.
                  Bereits am 3. Dezember hat der FOCUS eine Coverstory zum Thema "Scheidungskinder" gebracht.
  • SPIEGEL (2002): Dein Vater ist unser Feind".
    Wie der heute 23-jährige Markus Molnár die Scheidung seiner Eltern erlebt hat,
    in: Spiegel Nr.9 v. 25.02.
  • BRINKBÄUMER, Klaus u.a. (2002) Im Reich der Rosenkrieger
    Uschi Glas, Sabine Christiansen, die Wussows - wenn Prominenten-Ehen scheitern, liefern sie oft den Stoff für Seifenopern. Warum entblößen sich die medienerfahrenen Kombattanten bis auf die Knochen, und warum schaffen es nur wenige, sich die Kriegsberichterstatter vom Leib zu halten?,
    in: Spiegel Nr.9 v. 25.02.
 
   
  • SPIEGEL (2002): Ulf Poschardt.
    Der 34-jährige Autor und Ferrari-Fahrer über die Faszination des Sportwagen-Fahrens,
    in: Spiegel Nr.9 v. 25.02.
    • Kommentar:
      Interview mit Ulf POSCHARDT über sein neues Buch "Über Sportwagen".
                  Das Thema ist die konsequente Anwendung seines vorherigen Buches "Cool" . Dem schlechten Image des Sportwagenfahrers setzt POSCHARDT seine "romantische Suche nach Erlösung" entgegen: "Eine Frau zu finden, die auf dem Beifahrersitz bei Tempo 300 lacht, ist schwer. Es gibt sie aber." HOUELLEBECQ für die Erben der Generation Golf!
                  Im Sinne von Florian ILLIES' Buch "Anleitung zum Unschuldigsein" bietet sich das Sportwagen-Fahren als Übungsfeld für Kinderlose mit Schuldkomplex an (ein Aufkleber "Ich bin Single" sollte dann auf dem Fahrzeug nicht fehlen!). Hatte in den 60er Jahren der "Swinging Single" noch hohes Erregungspotenzial, so ist das heute der Kinderlose im Sportwagen. Wäre es anders, müssten sich Familienpolitiker ein neues Single-Klischee suchen. Die Aktion eignet sich deshalb auch für Familienväter. Zum einen könnten sie sich endlich einmal wie ein Kinderloser fühlen und zum anderen würden sie das Single-Klischee gleichzeitig sichtbar bestätigen, da Sportwagenfahrer von Passanten generell als Kinderlose eingeordnet werden. Welchen Effekt ein Aufkleber "Baby an Bord" auf einem Sportwagen hat, das darf jeder selbst ausprobieren.
 
   
  • BORNHÖFT, Petra & Horand KNAUP (2002): Kitt der Koalition.
    Wahlkampfthema Arbeitslosigkeit - nein danke! Die Regierungsparteien entdecken die Familie - und planen teure Versprechen.
    in: Spiegel Nr.9 v. 25.02.
    • Kommentar:
      Die Kernwähler der SPD sind zwischen 30 und 50 und gerade in der Familienphase, heißt es in dem Bericht.
                  Das lässt zwei Schlüsse zu, entweder ist die SPD wie die Familie ein Auslaufmodell oder aber - was wahrscheinlicher ist: das ganze Gerede von der Single-Gesellschaft ist nichts anderes als die Singlerhetorik einer starken Familienlobby, die sich als Minderheit stilisiert.
                  War Identitätspolitik in den 90er Jahren an das Geschlecht oder an die sexuelle Orientierung geknüpft, so wird sie nun zunehmend offensiver mit der Haushaltsform verknüpft. Damit wandelt sich Identitätspolitik von der Minderheitenpolitik zur Politik der neuen Mitte.
                  Die Grünen wollen die Arbeitslosenzahlen elegant über eine bevölkerungspolitische Maßnahme niedrig halten: Frauen sollen das Kinderkriegen durch finanzielle Anreize einer "Kinderversicherung" vorziehen. Sie werden dann für diese Zeit nicht in der Arbeitslosenstatistik geführt. Dies ist nichts anderes als die zweitmoderne Version des "Zurück an den Herd".
 
   
  • BORTOLANI, Martina (2002): Garantin für Höhepunkte in Serie.
    Kim Cattrall, bekannt als freizügige Samantha in «Sex and the City», hat mit ihrem Mann ein Weiterbildungsbuch für Liebespaare geschrieben,

    in:
    SonntagsZeitung v. 24.02.
 
   
  • SALOMON, Martina (2002): Selbstverwirklichung statt Kinder.
    Die dramatisch fallende Geburtenrate sei eine Folge des Wohlfahrtsstaates meint Sozialminister Herbert Haupt (FPÖ). Die Bereitschaft, "sich zurückzunehmen", wenn die Kinder noch klein sind, sei gesunken. Der Minister will an einer Trendumkehr arbeiten, sagt er im Gespräch,
    in: Der Standard v. 23.02.
  • SALOMON, Martina (2002): Mehr Hunde, weniger Kinder.
    Der Geburtenrückgang stellt Aufgaben, die nicht nur mit Geld zu lösen sind,
    in: Der Standard v. 23.02.
 
   
  • SEZGIN, Hilal (2002): Alles ist Spreu.
    Von der Liebe auf den zweiten Blick in Romanen und Fernsehspielen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 23.02.
    • Inhalt:
      Von Jane Austen's "Emma" über die "Sturmhöhe" bis Ally McBeal
 
   
  • VAL (2002): Nur jeder sechste Bonner Haushalt hat Kinder.
    Bonn wird immer mehr zur Single-Stadt,
    in: Bonner General-Anzeiger v. 22.02.
    • Kommentar:
      "Die vierköpfige Familie sei selten geworden, sagt Kosack. 14 900 Haushalte mit einem Kind gibt es in Bonn; 10 508 haben zwei und 4 892 drei und mehr Kinder", wird hier familienpolitisch korrekt berichtet.
                  Erstaunlich ist es jedoch, wenn Richard KAUFMANN mit Blick auf die Haushaltsstatistik von 1957 schreibt:
                  "Rund drei Viertel der Kinder finden zu Hause gar kein oder nur ein Geschwister".
                  Damals wurden ca. 300.000 Kinder mehr geboren als heutzutage! Die Haushaltsstatistik verzerrt offenbar die tatsächlichen Familienverhältnisse und dadurch wird die Ein-Kind-Familie überschätzt.
                  Der österreichische Familiendemograph Wolfgang LUTZ hat deshalb der üblichen Haushaltsstatistik eine Kinderstatistik gegenübergestellt, die Aussagen über die Häufigkeit von Geschwistern in Familien zulässt. Für Österreich bedeutet dies:
                  "Die haushaltszentrierte Betrachtung führt u.a. dazu, daß das Phänomen der Geschwisterlosigkeit überschätzt wird. Aus dem Blickwinkel des Haushaltes stellt die Einkindfamilie rund die Hälfte aller Familien dar. Aus Kindersicht hingegen handelt es sich um eine Minderheit von weniger als einem Viertel, denn nach wie vor lebt die große Mehrheit aller Kinder mit Geschwistern zusammen. Die haushaltszentrierte Betrachtungsweise gibt Auskunft darüber, wie viele Haushalte mit wie vielen Kindern welchen Alters leben. Sie sagt aber z.B. nichts darüber aus, wie viele Kinder mit wie vielen Geschwistern zusammenleben." (BEZIEHUNGSWEISE Nr.20 vom 07.10.1997)
 
   
  • SEIDL, Conrad (2002): Statistiker belegt: Kindergeld bringt nicht mehr Geburten.
    Obwohl das Kinderbetreuungsgeld - mit einer Einschleifregelung - schon wirksam sein müsste, sind die Geburten in den letzten Monaten stark zurückgegangen. Besonders in Kärnten. Dass Österreich wegen akuten Geburtenmangels ausstirbt, ist aber nicht zu befürchten,
    in: Der Standard v. 22.02.
 
   
  • FEHR, Marianne (2002): Das Drecksgeschäft.
    Niemand kennt den Zustand der Gesellschaft besser als die Putzfrau. Die Branche ist hart, die Konkurrenz gross. Und: es mangelt an guten, legalen Putzleuten
    in: Die Weltwoche Nr.8 v. 22.02.
    • Kommentar:
      FEHR berichtet aus der Schweizer Dienstleistungsgesellschaft. Während die amerikanische Journalistin Barbara EHRENREICH selbst in die Rolle einer Putzfrau geschlüpft ist, hat FEHR den normalen Weg gewählt. Wenn man Ihrem Report glauben darf, dann sind Singles bei der Entlohnung der Dienstleistung großzügig:
                  "Zum Glück gibt es die immer zahlreicheren gut verdienenden, urbanen Singles und Paare. Sie leisten sich heutzutage gerne den Luxus einer Perle, die sie aus schlechtem Gewissen - für solche Herrschaftsattitüden hat man früher das Establishment gegeisselt - grosszügiger entlöhnen."
 
   
  • HARPPRECHT, Klaus (2002): Und plötzlich ist Stille.
    Sibylle Bergs zweites Debüt: unaufdringlich, behutsam im Ton, erstaunlich,
    in: Die ZEIT Nr.8 v. 21.02.
 
   
  • ENCKE, Julia (2002): Der Jargon der Missvergnügten.
    Gut geeignet als Bettlektüre: Bei den Schlüsselwörtern hat jeder seine Vorlieben, aber eine Provokation ist Michel Houellebecqs Roman „Plattform“ nicht,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.02.
 
   
  • OVERATH, Angelika (2002): Das total designte Leben.
    Rainer Merkels New-Economy-Satire "Das Jahr der Wunder",
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.02.
 
     
   
  • BLOMERT, Reinhard (2002): Von Jugendwahn bis Rentnerschwemme.
    Eine Tagung der Evangelischen Akademie in Berlin über "Die Alten und die Jungen",
    in: Berliner Zeitung v. 19.02.
    • Kommentar:
      BLOMERT verteidigt die Alten gegen die Angriffe der Jungen und führt Argumente gegen den "Krieg der Generationen" an, der z.B. von Konrad ADAM forciert wird. BLOMERT beruft sich dabei u.a. auf Martin KOHLI, der den ersten repräsentativen Alterssurvey geleitet hat.
 
   
  • MÜLLER-LISSNER, Adelheid (2002): Wenn Frauen Männer schlagen.
    Studien über weibliche Gewalt erfahren einen Boom - jetzt beschäftigt das Thema auch das Familienministerium,
    in: Tagesspiegel v. 19.02.
    • Kommentar:
      Die Männerbewegung kopiert Alice SCHWARZER und setzt der Debatte um Männergewalt eine Debatte um Frauengewalt entgegen. MÜLLER-LISSNER möchte dagegen das Kind als Opfer thematisieren.
 
   
  • SYWOTTEK, Christian (2002): Albtraum Familie.
    Die Jugendhilfekosten steigen - Betreuer müssen ausbügeln, was auch Mittelschicht-Eltern nicht bewältigen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 19.02.
    • Kommentar:
      Bei Mitarbeitern von Institutionen, die heutzutage Kinder und Jugendliche verwalten, ist Susanne GASCHKEs "Erziehungskatastrophe" beliebt, denn er entlastet diese Mitarbeiter und sucht die Schuld bei den antiautoritären Eltern und der Überforderung durch die Verhandlungsfamilie (Ulrich BECK).
                  Bereits Ende der 50er Jahre gab es das Thema "Luxusverwahrlosung". SYWOTTEK wendet nun die modernisierte These auf die Jugend- und Sozialhilfe an. Er plädiert dafür Kindergrippen und Ganztagsschulen zur Entlastung der Eltern zu finanzieren, damit die ausufernden Kosten für Jugend- und Sozialhilfe gar nicht erst entstehen.
 
   
  • VOLKHOLZ, Sybille (2002): Ein Sozialstaat muss aktivieren.
    Das neue Grundsatzprogramm der Grünen setzt auf Eigenverantwortung. Wer das für neoliberal hält, kommt über eine anonyme Versorgungsgesellschaft nicht hinaus,
    in: TAZ v. 19.02.
    • Kommentar:
      Sybille VOLKHOLZ, Abgeordnete der Grünen und eine Angehörige der 68er-Generation, verteidigt den aktivierenden Sozialstaat gegen die gesellschaftliche Randgruppe der Altlinken. Ihre Argumentation stammt weitgehend vom Generationsgenossen, dem Soziologen Ulrich BECK.
                  Das familienpolitische Leistungsprinzip formuliert VOLKHOLZ mit einem Satz von Hannah ARENDT:
                  "Wer die Verantwortung für die Welt nicht mitübernehmen will, sollte keine Kinder zeugen und darf nicht mithelfen, Kinder zu erziehen."
                  Angesichts der Tatsache, dass heutzutage Kinderlose als Sozialschmarotzer diskreditiert und bevölkerungspolitische Maßnahmen zunehmend offensiver diskutiert werden, muss eine solche Aussage weltfremd erscheinen.
 
   
  • Aktion "Ich bin kein Single" des Verbandes VAMV

    • KERSCHER, Helmut (2002): Der Urlaub ist gestrichen.
      Allein Erziehende klagen in Karlsruhe gegen Steuer-Nachteile
      in: Süddeutsche Zeitung v. 19.02.
      • Kommentar:
        KERSCHER berichtet, dass die Streichung der Steuerklasse II auf ein BVG-Urteil unter der Federführung des Richters Paul KIRCHHOF zurückgeht. Die Richter argumentierten damals mit dem "Missbrauch des Freibetrags" durch Alleinerziehende:
                    "Es wurden nicht mehr allein Erziehende mit Paaren verglichen, sondern verheiratete und unverheiratete Paare. Letztere tarnten sich jedoch häufig als allein Erziehende und kassierten so den Freibetrag, monierte Karlsruhe sinngemäß."
                    Wenn die Aktion nun "Ich bin kein Single" heißt, dann beinhaltet das auch eine gewisse unfreiwillige Ironie, denn partnerlose Alleinerziehende werden manchmal zu den Singles gezählt. Das Gericht hat jedoch gerade den "Missbrauch" durch Alleinerziehende mit Partner angeprangert.
                    Die Aktion hätte konsequenterweise "Ich lebe nicht in einer Partnerschaft" heißen müssen. Dies würde auch zu den Porträts passen, die anlässlich der Aktion in den Zeitungen erscheinen: es sind immer allein erziehende Partnerlose, deren prekäre Situation dargestellt wird.
                    Angesichts der Debatte um die Leistungsfähigkeit der Familie, werden die leistungswilligen - aber partnerlosen - Yuppie-Moms der Generation Golf als Normalfall präsentiert und nicht die Sozialhilfeempfänger.
 
   
  • Aktion "Ich bin kein Single" des Verbandes VAMV

    • Kommentar:
      Die Debatte in den USA gibt auch für Deutschland den Kurs vor. Dort gilt die Familie als Leistungsträger und die allein Erziehenden sind als "unvollständige Familie" per se leistungsunfähiger als "Vollfamilien". In Deutschland waren solche Argumentationen lange Zeit Tabu, werden jetzt jedoch angesichts leerer Kassen wieder aktuell.
                  Da allein Erziehende überdurchschnittlich oft zu den Sozialhilfeempfängern gehören, sind sie zwangsläufig Adressaten der Missbrauchsdebatte.
                  Typisch hierfür ist die Argumentation des Volkswirtschaftlers Gerd G. WAGNER (WELT v. 31.01.2002), der die "Transferabhängigkeit" von allein Erziehenden abbauen möchte:
                  "Sozialhilfe, die für Kinder gezahlt wird, kann von Eltern auch für ihren eigenen Konsum missbraucht werden. Betreuung hingegen kommt unmittelbar den Kindern zugute (...).
                  Auf diesen Ausbau (...) sollten sich Bund und Länder deshalb konzentrieren. Die Transferabhängigkeit von allein Erziehenden würde dann weit gehend verschwinden, und die Diskussion über Arbeitsanreize könnte sich auf die kinderlosen Sozialhilfeempfänger konzentrieren."
                  Der Druck auf die allein Erziehenden wird sich erhöhen. Daran ändern auch Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht nichts. Verfassungsrichter wie Paul KIRCHHOF sehen allein Erziehende sowieso als Familien zweiter Klasse an.
    • RATH, Christian (2002): Alleinerzieher ohne Freibetrag.
      Das macht auch Kanzlers Schwester Ilse nervös. Daher zieht sie mit 94 Alleinerziehenden vors Verfassungsgericht, um den gestrichenen Steuerfreibetrag wiederzubekommen
      in: TAZ v. 18.02.
    • RATH, Christian (2002): Avantgarde gegen das Ehegattensplitting.
      Die Verfassungsklage der Alleinerziehenden kann Erfolg haben,
      in: TAZ v. 18.02.
    • KNAPP, Ursula (2002): Familien zweiter Klasse.
      Steuern zahlen wie Singles? Allein Erziehende ziehen dagegen vor das Bundesverfassungsgericht
      in: Frankfurter Rundschau v. 18.02.
    • DPA/Reuters (2002): Diskussion über steuerliche Vorteile für Eltern.
      Grüne fordern Reform bei Ehegatten-Splitting. Scheel: Bei weiterer Schlechterstellung der allein Erziehenden wird es ungemütlich,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 18.02.
 
     
   
  • BRINCK, Christine (2002): Wie Baron Instetten die kleine Annie abrichtete.
    Nur gedankenlose oder grausame Eltern wetteifern um die Zeit ihres Kindes - Neue Studien zum Entfremdungssyndrom,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.02.
    • Inhalt:
      Bereits Theodor FONTANE hat in "Effie Briest" jene Methode aufgezeigt, mit der heutzutage Eltern im "Scheidungskrieg" um das Sorgerecht kämpfen. BRINCK kritisiert die Praxis, dass den Kindern im Namen des Kindeswohl ein Elternteil vorenthalten wird.
 
   
  • DRIBBUSCH, Barbara (2002): Die Uschi-Glas-Gesellschaft.
    Auf dem Partnerschaftsmarkt werden die tiefsten Ängste einer alternden Wettbewerbsgesellschaft verhandelt: dass man in der Liebe abgemeiert wird
    in: TAZ v. 16.02.
    • Inhalt:
      Eine Kritik an HOUELLEBECQs These von der sexuellen Marktwirtschaft
 
   
  • RM Special "Zuwanderung - Wer darf kommen?

    • FELS, Markus (2002): UN-Studie.
      Die Modellrechnungen über die Entwicklung der europäischen Bevölkerung stecken den politischen Handlungsrahmen ab. Verjüngungskur mit fremder Hilfe?
      in: Rheinischer Merkur Nr. 7 v. 15.02.
      • Kommentar:
        "Kernproblem ist die niedrige Geburtenrate in den Industrieländern. Die liegt nämlich nur noch bei durchschnittlich 1,2 Kindern pro Frau", behauptet FELS.
                    Wie FELS auf diese Durchschnittszahlen kommt, ist unklar. Tatsächlich haben selbst die Länder mit den niedrigsten Geburtenzahlen in Europa - nämlich Italien und Spanien - mehr als die angegebenen 1,2 Kinder pro Frau. Solche journalistischen Schlampereien sind im Zusammenhang mit der Rhetorik des Aussterbens leider kein Einzelfall.
                    Das Eurostaat-Jahrbuch 2001 ermöglicht einen Überblick über die europäischen Verhältnisse.
 
   
  • RÜDENAUER, Ulrich (2002): Neben der Welt.
    Der lange Abschied von einem aus der WG,
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.02.
    • Kommentar:
      Als die WGs noch Kommunen genannt wurden, da war wenigstens für die 68er die Welt noch in Ordnung.
                  Im Jahr 1984 konnte Herrad SCHENK noch ein Buch auf den Markt bringen, das den programmatischen Titel hatte: "Wir leben zusammen, nicht allein: Wohngemeinschaften heute". RÜDENAUER erzählt nun davon, dass auch die Wohngemeinschaften die "Atomisierung" erreicht haben.
                  Die Haushaltsstatistiker haben das schon immer gewusst: jeder wirtschaftet für sich allein, statt zusammen wie in der Familiengemeinschaft.
                  "Es hätte Abmachungen gegeben, man ließ sich in Ruhe, wenn man es so wollte," sagt der Ich-Erzähler in der Story. Was bisher die Zeitungen nur über das anonyme Leben in großstädtischen Wohneinheiten vermelden - den Fund von Toten, die bereits unangenehm riechen - das erzählt RÜDENAUER nun als WG-Story.
 
       
       
   

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Zu den News vom 01. - 14. Februar 2002

 
       
   
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